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Full text of "Jahresbericht der Schlesischen Gesellschaft für Vaterländische Kultur"

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COMPARATIVE ZOÖLOGY, 



AT HARVARD COLLEGE, CAMBRIDGE, MASS. 



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Fünfzigster 



Jahres -Bericht 



der 



Schlesischen Gesellschaft 



für vaterländische Cultur. 



Enthält 



den Generalbericht über die Arbeiten und Veränderungen 

der Gesellschaft 

im Jahre 1872L 



Breslau, 1873. 

Bei Josef Max und Kornp. 



Inhalt des 50. Jahres-Berichts. 



Seite. 
Allgemeiner Bericht über die Verhältnisse und die Wirksamkeit der Ge- 
sellschaft im Jahre 1872, vom General - Secretär, Staatsanwalt 

v. Uechtritz 1 

Kurze Uebersicht der im Jahre 1872 thätig gewesenen Sectionen: 

Die naturwissenschaftliche Section 5 

Die entomologische Section 6 

Die botanische Section 7 

Die medicinische Section 8 

Die meteorologische Section 11 

Die technische Section 11 

Die ökonomische Section 12 

Die Section für Obst- und Gartenbau 12 

Die historische Section 14 

Die pädagogische Section 14 

Die philologische Section 15 

Die archäologische Section 15 

Die juristische Section 15 

Die musikalische Section 16 

Bericht über die Kassen- Verwaltung pro 1872, vom Kassirer, Geh. Com- 

mercienrath Franck 16 

Bericht über die Bibliotheken der „Schlesischen Gesellschaft" im Jahre 1872, 

vom Bibliothekar, Redacteur Th. Oelsner 17 

Bericht über die naturhistorischen Sammlungen der „Schlesischen Gesell- 
schaft", vom Conservator, Prof. Dr. W. Körb er 24 



Bericht über die Thätigkeit der einzelnen Sectionen. 

I. Naturwissenschaftliche Section. 

Prof. Dr. Galle: über Verlauf und Sichtbarkeitverhältnisse des Venus- 
Durchganges im Jahre 1874 und über die zur Beobachtung des- 
selben bisher getroffenen Vorbereitungen . . 33 

Prof. Dr. Pol eck: über die experimentellen Grundlagen der sogenannten 

modernen Chemie 35 

Geh. Bergrath Prof. Dr. Roemer: Vorlegung bei Trachenberg gefundener 
Knochenreste von Rhinoceros tichorhinus und eines Exemplars von 
Geratites nodosus; Bericht über fossile Pflanzenreste aus einem Ver- 
suchsschachte bei Wünschendorf (Lauban) und über neu auf- 
gefundene Versteinerungen des devonischen Kalksteins vom Kanzel- 
berge bei Kielce in Polen; Mittheilung einer auf die Schalen- 
substanz von Geratites nodosus bezüglichen Beobachtung 39 

— über eine in den Monaten October und November d. J. ausgeführte 

Reise nach Spanien 4J 



IJ Inhalts - Verzeichniss. 



Seite. 



Ober-Bergrath Prof. Dr. Websky: über die Auffindung mikroskopischer 
Diamanten in den metamorphosirten Schiefern der Schischimski- 
schen Berge, Bergdistrict Slatoust am Ural, durch Prof. v. Jeremejeff 
in Petersburg 42 

— über ein Exemplar von Malachit von der Grube „Joseph a zu Birk 
bei Plauen (Sachsen) und das auf der Grube „Pucherzeche" bei 
Schneeberg aufgefundene Mineral Pucherit 43 

Prof. Dr. Ferdinand (John: über Bacterien und deren Beziehung zur 

Fäulniss und zu Contagien 44 

Geh. Medicinalrath Prof. Dr. Göppert: zur Geschichte des Elenthieres in 

Schlesien 47 

Staatsrath Prof. Dr. Grube: über die pflanzenfressenden Cetaceen 49 

— über die von Dr. Agathon Bernstein in Java gesammelten (im 
zoologischen Museum aufgestellten) Naturalien, nebst Mittheilungen 
über B.'s Lebensschicksale 51 

— Demonstration eines ungewöhnlich grossen Exemplars einer Kaul- 
quappe von Göppersdorf (Strehlen) und Vorlegung des 2. Bandes 

von H. A. Meyer's und Möbius' „Fauna der Kieler Bucht" 55 

— über eine Zusendung transkaukasischer Arachniden und Myriopoden 56 

— Vorlegung von Gray's „Genera of birds" und Alder & Hancock's 
„British nudibranchiate Mollusca 1 ' (aus der Bibliothek des Breslauer 
zoologischen Museums) 57 

— über ein paar neue Anneliden aus der Familie der Spiodeen ... 57 

— über die Familie der Cirratuliden 59 

— über einige bisher noch unbekannte Bewohner des Baikalsees . . 66 

II. Botanische Section. 

Prof. Dr. Körb er: über eine neue Abhandlung des Dr. Max Reuss und 
die Natur der Lichenen als selbstständige Pflanzen. Prof. Dr. 
Ferd. Cohn über denselben Gegenstand 69 

Prof. Dr. Körber: Vorlage einer Bearbeitung der Flechtengattung Lecidella 

als Probe für die in Aussicht genommene schles. Kryptogamenflora 70 

Geh. Medicinalrath Prof. Dr. Göppert: über die Verwachsung der Bäume 
beim Pfropfen und über eine im botanischen Garten vorkommende 
Nectria 70 

Prof. Dr. Ferd. Cohn: Vorlage des 10. Doublettenverzeichnisses des schles. 
botan. Tauschvereins, eines Aufsatzes von R. Hartig über Ver- 
wendung des Hypnum tamariscinum zur Anfertigung künstlicher 
Blumen („Pariser Moos") und der Abbildung eines von ihm 
beobachteten Doppelapfels auf einfachem Stiele (mit Aufforderung 
zur Beobachtung von Doppel blüthen) 70 

Prof. Dr. Ferd. Cohn: über einen von Herrn Apotheker Wetschky in 

Gnadenfeld (Cosel) daselbst beobachteten Meteorstaubfall 71 

Oberlehrer Dr. Stenzel: über J. Milde's Verhältniss zum Darwinismus, und 
Vorlesung einer von Herrn Prof. He n sei in Proskau eingesandten 
Schilderung des ersten Aufenthalts von Milde in Ustron (gedruckt 
im 49. Jahresbericht, 1871, in Milde's Nekrolog) 71 

Dr. phil. W. G. Schneider: Beschreibung eines neuen, von Herrn Geh. 
Med.-R. Göppert zwischen Hünern und Kapsdorf bei Breslau 
gefundenen Aecidium auf Lytrum Salicaria, als Aecidium pallidum n. sp. 



Inhalts- Verzeichnis!?. III 

Seite. 
Schneid, benannt; Vorzeigung einiger Deformitäten verschiedener 
Pflanzen, 1871 bei Reinerz gefunden, sowie mehrerer Schwämme, 
besonders Phallus impudicus in instructiven Exemplaren 71 

— Bericht über ein in Alt-Heide (Glatz) aufgefundenes Kalktufflager 
mit Abdrücken von Blättern jetztlebender Bäume. Bemerkung 

von Prof. Dr. F. Cohn über ein dergl. am Spiegelberge (Cudowa) 72 
Geh. Medicinalrath Prof. Dr. Göppert: Vorlage von 1) Bericht der Natur- 
forscher-Versammlung 1870, 2) Photo- und Photolithographien von 
Stammdurchschnitten, Frostrissen und Ueberwallungen, 3) trico- 
tylischen Wallnüssen, gefunden durch Redacteur Oelsner, und 

einer fusslangen Daedalea 72 

Mittelschullehrer Limpricht: über die Flora von Grünberg 72 

Geh. Medicinalrath Prof. Dr. Göppert: Demonstration der von Herrn 
v. Thielau auf Lampersdorf übersendeten höchst interessanten 

Wachsthumsverhältnisse aus seinen Forsten 74 

Prof. Dr. Ferd. Cohn: Demonstration verschiedener Mikrotome zur Ver- 
fertigung feiner Querschnitte für mikroskopische Präparate 75 

— über die von Prof. Hoffmann in Giessen erfundenen neuen Auf- 
bewahrungsflüssigkeiten für mikroskopische Präparate. Bemerkung 
Geb.-R. Göppert' s über Mandelöl für diesen Zweck 75 

— über Reizbarkeit -Erscheinungen der Staubfäden von Opuntia Ficus 
indica 75 

Rittergutsbesitzer Dr. Max Heimann: über Pfropfhybriden bei der Kartoffel 76 
Cand. phil. David: über die Keimung der Schwärmsporen von Chroolepus 

umbrinum Ktz 76 

Geh. Medicinalrath Prof. Dr. Göppert: Vorlegung von neuen Belegstücken 
für Ueberwallung von Pfröpflingen und eines grossen, von Herrn 
Gartendirector Pätzhold in Muskau dem Breslauer botanischen 

Garten geschenkten Herbars des dortigen Arboretums 78 

Herr B. Stein: Vorlage von 1) einem prachtvollen Rasen von Tetraplodon 
und Geästet fimbriatus von Zobten; 2) für Schlesien neuen und sel- 
tenen Flechten. Bericht über den schlesischen Tauschverein (ge- 
gründet durch v. Uechtritz 1862, jetzt unter Apoth. Fritze in Rybnik) 79 

Prof. Dr. Ferd. Cohn: über das Breslauer Wasserhebewerk 79 

Bericht über die dritte Wander Versammlung der schlesischen Botaniker 
auf dem Rummelsberge bei Strehlen, 12. Mai 1872. Kgl. Forst- 
meister v Tramnitz: über die Strehlener Berge, v. Thielau: 
über eine Platte von Acer pseudoplatanus und Vorlegung anderer 
botanischer Seltenheiten. Geh. Med. -R. Prof. Dr. Göppert: über 
die neuesten botanischen Entdeckungen und Einführungen, mit 
Vorlage von Abbildungen. Derselbe: über mehrere morphologische 
Vorkommnisse an Bäumen. Derselbe: über die Bedeutung der 
fossilen Flora und ihrer Leitpflanzen zur Auffindung nutzbarer 
Fossilien (Kohlen etc.). Derselbe: über die wichtigeren paläon- 
tologischen Forschungen und Entdeckungen des Herrn Custos 
Apotheker Peck von Görlitz. Derselbe: Fund von Pyrus torminalis 
Ehrh. auf dem Rummelsberge. Derselbe: Vorlegung von Thon- 
Etiquetten, von Hrn. Director Pätzhold in Muskau. Oberlehrer 
Dr. Stenzel: über das Riesengebirge als Vegetationsgrenze. Prof. 
Dr. Ferd. Cohn: über parasitische Algen. Prof. Dr f Körb er; 



IV Inhalts- Verzeichniss. 

Seite. 
Vorlegung eines Verzeichnisses der im Besitze der Scliles. Gesell- 
schaft befindlichen, auf schles. Flora bezüglichen Manuscripte und 
Sammlungen. Apotheker Ende aus Grottkau: Vorlegung einer 
Auerswald'schen Drahtpresse. Beamter Scholz: Vorlegung einer 
kolossalen Eschenwurzel 80 

Mittelschullehrer G. Limpricht: über die Moosflora der oberschlesischen 

Muschelkalkhügel 96 

Oberstabs- und Regiments-Arzt Dr. Schröter (in Rastatt): Zusammen- 
stellung der im Breslauer botanischen Garten beobachteten Pilze 
(schriftliche Einsendung) 97 

Geh. Med.-Rath Prof. Dr. Göppert: über die Pilz-Ausstellung im Museum 

des botanischen Gartens ■ 111 

— über den Trüffelverkauf in Carlsbad 117 

Obergärtner Stein: über zwei in diesem Jahre von ihm gemachte botanische 

Excursionen nach der Babiagora 119 

Mittelschullehrer G. Limpricht: Nachträge zu Milde's „Bryologia Silesiaca" 124 
Prof. Dr. Ferd. Cohn: Erläuterung des nach Prof. Hanstein construirten 

phyllotactischen Apparats 140 

Oberstabs- und Regiments -Arzt Dr. Schröter (in Rastatt): über einige 

schlesische Uredineen (schriftliche Mittheilung) 140 

Lehrer Zimmermann (in Striegau): ein Spaziergang in den Striegauer 

Bergen (schriftliche Einsendung) 142 

— Verzeichniss einer Sammlung von Pflanzen-Abnormitäten 148 

Prof. Dr. Galle: Vorlegung einer Zusammenstellung der im October und 

November 1872 in Breslau beobachteten (abnormen) Temperaturen 143 
Geh. Med.-Rath Prof. Dr. Göppert: über das Verhältniss der Pflanzenwelt 

zur gegenwärtigen Witterung, mit Nachträgen 144 

— Verzeichniss der bis zum 11. December 1872 blühend gefundenen 
Pflanzen. (Mit Beiträgen von Unver rieht in Myslowitz, Zimmer 
in Striegau, B. Stein, Schumann, Knebel und L. Becker in 
Breslau.) 158 

Hr. R. v. U echt ritz: Die bemerkenswerthesten Ergebnisse der Durch- 
forschung der schles. Phanerogamen- Flora im Jahre 1872 (schrift- 
liche Einsendung) 162 

Dr. phil. W. G. Schneider: über Puccinia Helianthi Schw 166 

Hr. B. Stein: Nachträge zur Flechten-Flora Schlesiens, III 167 

III. Entomologische Section. 

Graf v. Matuschka: Vorzeigung eines Laccobius aus der Pliniusquelle in 

Bormio 175 

Oberamtmann Naacke: über die bisher angewendeten Tödtungsmittel der 

Schmetterlinge, insbesondere der Makrolepidopteren 175 

— über seine Wahrnehmungen in Betreff der Insecten-Fauna in der 
Umgebung der Grotte von Monsummano und die daselbst gemachte 
Ausbeute 175 

Dr. phil. W. G. Schneider: über die Beziehung der Insecten zu den 

Pilzen, und über die in und an Insecten schmarotzenden Pilze . . 176 

Candidat E. Schwarz: über die schlesischen Throscus- Arten 182 

— über die schlesischen Philhydrus- Arten 183 



Inhalts - Verzeichniss. V 

Seite. 

— Beschreibung einer in Schlesien gefundenen neuen Art Coryphium 

(C. Letzneri nov. spec.) 183 

Dr. med. Wocke: über Albinismus bei Schmetterlingen 185 

— über zwei in Schlesien bisher übersehene Eupithecien 186 

Hauptlehrer K. Letzner: über die weitere Entwickelung des Lasioderma 

serricorne F. aus ächter Rhabarberwurzel (s. vor. Jahresbericht)... 187 

— über die mit Hydrobius fuscipes Lin. nahe verwandte, von Gerhardt 
in Liegnitz beschriebene neue Käferart Hydrobius Rottenbergii Gerh. 
und über die von ihm selbst benannte neue Curculionen-Species 
Gymnetron Schwartzii 187 

— Vorlegung des Verzeichnisses der zum Verkauf ausgebotenen 
Käfersammlung des Grafen Ferd. Kuenburg 187 

— weitere Nachträge zu seinem Verzeichnisse der Käfer Schlesiens 187 

— Uebersicht der bis jetzt in Schlesien beobachteten Dipteren- 
Schwärme und Berichte über die 1872 in Schlesien und Branden- 
burg wahrgenommenen Schwärme von Chlorops ornata Meig 193 

IV. Medicinische Section. 

Privatdocent Dr. Nothnagel: über nervöse Nachkrankheiten des Typhus 201 

Prof. Dr. Waldeyer: über Hermaphroditismus im Anschlüsse an eine De- 
monstration des Hermaphroditen Katharina Hohmann 201 

Privatdocent Dr. Sommerbrodt: über seine experimentellen und mi- 
kroskopischen Untersuchungen über Lungenblutung 202 

Geh. Med.-Rath Prof. Dr. Göppert: über giftige und essbare Pilze in me- 

dicinisch-polizeilicher Hinsicht 202 

Privatdocent Dr. Hermann Cohn: über die Wirkung des Strychnins bei 

verschiedenen Augenleiden 203 

Privatdocent Dr. Gustav Joseph: über eine bisher unbeachtete dritte 
halbkreisförmige Linie, Linea semicircularis suprema, am oberen Theile 
des menschlichen Hinterhauptbeines 203 

— über die Auffassung des Schädels als Wirbelcomplex 204 

Prof. Dr. Heiden hain: Demonstration der brechenerregenden Wirkung des 

salzsauren Apomorphin und über die Wirkungen einiger Alcaloiden 

auf die Nerven der gld. submaxillaris 206 

— Beobachtungen über einen bisher unbekannten „Stäbchen-Apparat" 

in der Niere der Säugethiere , 207 

Dr.med. Ludwig Joseph: Mittheilungen zur Anatomie der Uterusflexiönen 207 
Dr. med. Schnabel: über einen Fall von Exophthalmie als Symptom von 

Meningitis 208 

Privatdocent Dr. Freund: über pathologische Anatomie und Behandlung 

von Haematometra und Haematokolpos bei Uterus duplex mit einseitiger 

Atresia vaginae 209 

— über Makrosomia partialis 209 

Privatdocent Dr. Köbner: über die neueste diagnostische Verwerthung 

mikroskopischer Blutuntersuchungen (Lostorfer'sche Syphilis-Kör- 
perchen) 209 

— über die Aetiologie der Psoriasis 210 

Dr. med. Martini: über die Bildungs- Anomalien des weiblichen Utero- 

Vaginal-Canales und einen seltenen Fall von Uterus et Vagina duplex 211 



VI Inhalts -Verzeichniss. 

Seite. 

Dr. med. Lipschitz: über die sanitätspolizeiliche Frage bezüglich der Fa- 
brikation und des Vertriebes bunter Papiere 211 

Privatdocent Dr. Hirt: über die Verwendung gifthaltiger Farben zu ge- 
werblichen Zwecken und die darauf bezugnehmenden sanitäts- 
polizeilichen Vorschriften 213 

Sanitätsrath Dr. Paul: Demonstration eines Knaben mit erfolgreicher Re- 

section des Ellenbogengelenkes 215 

Privatdocent Dr. Nothnagel: über experimentelle Untersuchungen über 

eine Function der Grosshirnhemisphäre 215 

Dr. med. Horwath aus Kiew: Untersuchungen zur Physiologie der thie- 

rischen Wärme 215 

Apotheker Julius Müller: über den Werth der aus plastischer Kohle ver- 
fertigten Wasserfilter 217 

Privatdocent Dr. Hermann Cohn: Vorlegung eines von ihm construirten 

Augenspiegels für schnelle Refractions-Bestimmung 218 

— über Nachstaar-Operation 219 

Dr. med. Riesen feld: über einen ihm zur Behandlung gekommenen Fall 

von subperitonalem Fibrom des Uterus 219 

Dr. med. W. A. Freund: über die organische Grundlage der klimak- 
terischen Beschwerden 220 

Geh. Sanitäts-Rath Dr. Grätzer: über die Armen-Krankenpflege Breslaus 

im Jahre 1871 ' 220 

Dr. med. Ludwig Joseph: über das Verhältniss des Ureter zum Uterus 

im normalen und pathologischen Zustande 222 

Geh. Medicinal-Rath Prof. Dr. Lebert: über die Lungenkrankheiten der 

Affen und ihr Verhältniss zu denen des Menschen 223 

Prof. Dr. R. Förster: über Schutzmassregeln gegen Cholera (mit Bez. auf 

Abfuhr der Excremente und Trinkwasser) 224 

Dr. med. Asch: über die Canalisation grösserer Städte 226 

Dr. med. Schmeidler: über einen Fall von Stearrhoe und den diagnosti- 
schen Werth dieses Symptoms 227 

Apotheker Julius Müller: über die zu vorstehendem Falle gehörige Analyse 227 

V. Historische Section. 

Prorector Prof. Dr. Schmidt aus Schweidnitz: über den im Jahre 1613 in 
der kurbrandenburgischen Linie der Hohenzollern erfolgten Con- 
fessionswechsel 233 

Prof. Dr. E. Reimann: über den Kölner Kurfürsten Friedrich v. Wied 234 

Gymnasial-Oberlehrer Dr. Markgraf: über die Geschichte Schlesiens und 

besonders Breslaus unter König Ladislaus posthumus 235 

Prof. Dr. Kutzen: über die Eigenthümlichkeit des Heuscheuer-Gebirges in 
der Grafschaft Glatz und ihre Einwirkung auf Gemüth und Leben 
des Menschen 236 

Rector Dr. Luchs: Biographie Bolko's I. von Schweidnitz (1278 — 1301) und 

seines jüngsten Sohnes Bolko von Münsterberg (f 1341) 237 

Ausflug der Section nach dem ehemaligen Cisterzienserstift Leubus. Zur 
historischen, kunstgeschichtlichen und biographischen Vorbereitung 
hierauf Vorträge von Staatsarchivar Prof. Dr. Grünhagen, Privat- 
docent Dr. Alwin Schultz und Prof. Dr. Kutzen 238 

Privatdocent Dr. Lind ner: über die Sage von der Bestattung Carl's des Grossen 239 



Inhalts -Verzeichniss. VII 

Seite. 

Dr. phil. August Mosbach: über die französische Expedition nach San 
Domingo in den Jahren 1802 und 1803, nach den Berichten zweier 
polnischen Offiziere 239 

Staatsarchivar Prof. Dr. Grünhagen: ein Bild des Zustandes von Schlesiens 

Handel und Industrie aus amtlichen Berichten vom Jahre 1698 . . 240 

Realsehul-Lehrer Dr. phil. Bober tag: über einige den Robinsonaden ver- 
wandte Erscheinungen in der deutschen Literatur des 17. Jahr- 
hunderts 240 

Archiv-Secretär Dr. Grotefend: über die im 14. Jahrhundert unter den 
schlesischen Fürsten und Städten sich bildenden Bündnisse, be- 
sonders die von allgemeinerer Bedeutung am Ende desselben 
Jahrhunderts 241 

VI. Section für Obst- und Gartenbau. 

Kaufmann Stadtrath E. H. Müller: Rückblick auf das abgelaufene erste 

Vierteljahrhundert der Section 243 

— Bericht über die Thätigkeit und die Sitzungen der Section im 

Jahre 1872 249 

Baumgärtner R. Sonntag in Zobten: über Weiden-Anpflanzung u. -Nutzung 265 

Ober-Hofgärtner Schwedler in Slawentzütz: über Frühjahrs -Decoration 

der Terrasse etc. . . . • 266 

Kunstgärtner Grunert in Gr.-Paniow : über Vermehrung der Azalea indica 267 

Geh. Medicinalrath Prof. Dr. Göppert: über die bisher ungekannten Vor- 
gänge beim Veredeln der Bäume 268 

Baumgärtner C. Pfeiffer in Zölling: Einiges über die nachtheiligen Wir- 
kungen der beiden Winter 1869/70 und 1870/71 auf die Vegetation 272 

Apotheker M. Scholtz in Jutroschin : über chemische Salzdüngung bei der 

Garten-Cultur 277 

Kunst- und Handels - Gärtner W. Kühn au in Breslau: über Cultur der 

Alstroemerien in Töpfen 281 

Kaufmann J. Hutstein in Breslau: über alpinische Gewächse und deren 

Cultur 282 

Hofgärtner W. Peicker in Räuden: über einige einheimische Waldge wachse 

und deren Verwendung in Gärten 285 

Obergärtner A. Schütz in Wettendorf (Ungarn): Zur Decoration von Rasen- 
Parterres 289 

Kunstgärtner Frickinger in Laasan: über einige interessante Laubbäume 

im Park von Laasan 291 

Kunst- und Handelsgärtner W. Kühn au: über Cultur der Isrnene calaihina Hb. 292 

Kunst- und Handelsgärtner R. Riedel in Löwenberg: Einiges zur Cultur 

der Rosen 294 

Ober-Hofgärtner Schwedler in Slawentzütz: Beobachtungen bei der 

Treiberei der Maiblume (Convallaria majalis) 298 

Apotheker Scholtz in Jutroschin: ein paar gärtnerische Miscellen: a) Gon- 

volvulus tricolor fl. pl.j b) ein Beispiel von Boden-Erschöpfung .... 299 

Hofgärtner W. Peicker in Räuden: eine Schutzvorrichtung gegen Frost für 

niedrige Cordon-Obstbäumchen (mit xylogr. Abbildung) 301 

Bürger-Mädchenschul-Lehrer C. Becker in Jüterbog: nachträgliche Bemer- 
kungen zum Schutz der Obstbäume etc. vor schädlichen Insecten 304 

Apotheker Sauer in Cndowa: über gefülltes Bellidiastrum Muhelu Cass 305 



VIII Inhalts -Verzeichniss. 

Seite. 

Obergärtner 0. Lorenz in Bunzlau: über Erzeugung von Morchelbrut im 

Frühbeetkasten 306 

— über Anzucht der Rosen aus Stecklingen 307 

Sections- Gärtner J. Jettinger: über Erdbeeren und deren Cultur 308 

Obergärtner 0. Lorenz in Bunzlau: über die amerikanische frühe Rosen- 
kartoffel 311 

Garten-Inspector Bürgel in Wittgenstein (Rumänien): über Wassermelonen- 
Bastard und dessen Verwendung im Winter 312 

Sections-Gärtner J. Jettinger: über die Cultur-Ergebnisse einiger an Mit- 
glieder der Section vertheilten Gemüse-Samen 314 

Kaufmann Stadtrath E. H. Müller: statistische Notizen aus der Section .. 31G 

VII. Meteorologische Section. 

Navigationsschul - Lehrer Georg von Boguslawski aus Stettin: über 

Schiaparelli's astronomische Theorie der Sternschnuppen 319 

Prof. Dr. Galle: Allgemeine Uebersicht der meteorologischen Beobachtungen 

auf der königl. Universitäts-Sternwarte zu Breslau im Jahre 1872 322 

Nekrolog 

der im Jahre 1872 verstorbenen Mitglieder der „Schlesischcn Gesellschaft 
für vaterländ. Cultur", von Redacteur Th. Oelsner, Bibliothekar 
der Gesellschaft 327 



Schriften der Gesellschaft 



Abhandlungen. Philosophisch-historische Abtheilung. 1872/73. 

Ein Heft. 114 Seiten. 

Inhalt: 
Grünhagen, Ueber den Zustand des Handels und der Industrie Schlesiens am 

Ende des 17. Jahrhunderts. 
Bobertag, Ueber einige den Robinsonaden verwandte Erscheinungen in der 

deutschen Literatur des 17. Jahrhunderts. 
E. Baumgart, Ueber den Streit zwischen Phöbus und Pan, ein Drama per musica 

von J. S. Bach. 
H. Grotefend, Zur Genealogie und Geschichte der Breslauer Piasten. 

Abhandlungen. Abtheilung für Naturwissenschaften und Medicin. 1872/73. 

Ein Heft. 62 Seiten, 3 Tabellen und 1 Steindrucktafel. 

Inhalt: 
J. Grätzer, Ueber die öffentliche Armen-Krankenpflege in Breslau im Jahre 1871. 
G. Limpricht, Auf der Wasserscheide zwischen Weide und Bartsch. 



Allgemeiner Bericht 

über 

die Verhältnisse und die Wirksamkeit der Gesellschaft 

im Jahre 18*70, 

abgestattet 
in der allgemeinen Versammlung am 28. December 1872 

von 
dem Kgl. Staatsanwalt v. Uechtritz, 

' zur Zeit General-Secretair. 



I 



n der am 29. December 1871 abgehaltenen allgemeinen deliberativen 
Versammlung der Schlesischen Gesellschaft für vaterländische Cultur wurden 
sämmtliche bisherige Mitglieder des Präsidii wiedergewählt. Das Präsi- 
dium besteht daher auch für die Etatsperiode 1872/73 aus den Herren : 

1) Geh. Regierungs-Rath Bürgermeister Dr. Bartsch, 2) Appellations- 
gerichts - Präsident Dr. Belitz, 3) Geh. Ober-Bergrath, Berghauptmann 
a. D. Dr. v. Carnall, 4) Geh. Commercienrath Franc k, 5) Professor 
Dr. Förster, 6) Director Dr. Gebauer, 7) Geh. Medicinalrath Prof. 
Dr. Göppert, 8) Geh. Regierungsrath v. Görtz, 9) Oberbürgermeister 
Hob recht, 10) Kgl. Kammerherr Graf Hoverden, 11) Prof. Dr. 
Kutzen, 12) Geh. Regierungsrath Professor Dr. Low ig, 13) Director 
Dr. Luchs, 14) Stadtrath Kaufmann E. H. Müller, 15) Staatsanwalt 
v. Uechtritz, von denen aber Oberbürgermeister Hobrecht Breslau 
im Laufe des Jahres verlassen hat. 

Das Präsidium constituirte sich am 4. Januar 1872 und berief ein- 
stimmig von Neuem Herrn Geh. Medicinalrath Prof. Dr. Göppert zum 
Präses, Herrn Geh. Regierungsrath v. Görtz zu dessen Stellvertreter 
und Herrn Geheimen Commercienrath Franck zum Schatzmeister. — Da 
der um die Gesellschaft hochverdiente langjährige General-Secretair Herr 
Geh. Regierungsrath Dr. Bartsch erklärte, die gleichfalls einstimmig 
erfolgte Wiederwahl zum Generalsecretair nicht annehmen zu können, 

1 



2 Jahres -Bericht 

wurde der bisherige zweite Generalsecretair Staatsanwalt v. U echtritz 
zum ersten, Herr Prof. Dr. Kutzen sum zweiten General- Secretair 
gewählt. 

In dem Jahre 1872 sind 33 Mitglieder neu aufgenommen worden, 
nämlich die Herren: 

1) Privatdocent Dr. med. Richter, 2) Buchhändler Julius 
Hain au er, 3) Kunst- und Handelsgärtner Ernst Junger, 

4) Eisenbahn - Director, Regierungs- und Baurath a. D. Vogt, 

5) Prof. Dr. phil. Hertz, 6) Director des Magdalenäums Dr. phil. 
Heine, 7) Lehrer an der Realschule Dr. phil. B ob er tag. 
8) Secretair des Staatsarchivs Dr. jur. Grotefend, 9) Ritter- 
gutsbes. Aug. Hanel, 10) Fabrikbesitzer u. Kaufmann Theodor 
Wiskott, llj Fabrikbesitzer und Kaufmann Max Wiskott, 
12) Privatdocent Dr. phil. Lindner, 13) Fabrikbesitzer und 
Kaufmann Hermann Seidel, 14) Director der Schlesischen 
Feuer- Versicherungs-Gesellsehaft Hermann Heller, 15) Fabrik- 
besitzer und Kaufmann Carl Beblo, 16) Sanitätsrath Dr. med. 
Hirsch feld, 17) prakt. Arzt Dr. med. Kaufmann, 18) prakt. 
ArztDr. med. Dyrenfurth, 19) prakt. Arzt Dr. med. Steuer, 
20) prakt. Arzt Dr. med. Krauskopf, 21) Oberstabsarzt Dr. med. 
Trautmann, 22) Königl. Forstmeister a. D. Graf Matuschka, 
23) Kaufmann Eduard Kionka, 24) Rittergutsbesitzer von 
Tempski, 25) Rittergutsbesitzer Oscar Cohn, 26) Sanitäts- 
rath Dr. med. Röder, 27) Landesältester und Majoratsherr von 
Kessel, 28) Pastor Dr. Schimmelpfennig, 29) Pastor 
Kölling, 30) Dr. phil. Vollrath, 31) Kaufmann Schröder, 
32) Rechtsanwalt Zenker und 33) der Gewerbe verein für 
Gleiwitz und Umgegend. 

Zu Ehrenmitgliedern wurden ernannt: 

1) Herr Director der Anatomie in Strassburg Prof. Dr. Wal- 
deyer 3 2) Herr Geheimer Sanitäts - Rath Dr. med. Martini in 
Dresden. 

Diplome als correspondirende Mitglieder erhielten : 

1) Herr Apotheker Fritze jun. in Rybnik, 2) Herr Conrector 
Höger in Landeshut, 3) Herr Oberstabsarzt Dr. med. Schröter 
in Rastadt, 4) Herr Justizrath v. Willmowski in Berlin. 

Dagegen verlor die Gesellschaft im Jahre 1872: 

Durch Ausscheiden — ^ meist wegen Verzuges — 

1 1 Mitglieder, von denen ihr aber nunmehr 2 als Ehrenmitglieder 
und ein anderes als correspondirendes Mitglied wieder angehören. 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 3 

Sie verlor ferner: 

Durch den Tod: 

die wirklichen Mitglieder: 

1) Generallieutenant v. Ehrhardt, 2) Buchdruckerei-Besitzer 
W.Friedrich, 3) Medicinal- Assessor und Stadtrath Ger lach, 
4) Commercienrath Gierth, 5) Director Inkermann, 6) Pro- 
rector Professor Dr. Kampmann, 7) Kaufmann C. F. Keitsch, 
8) Director der Königlichen Gefangenen-Anstalt Schuck, 9) Ju- 
stizrath Simon, 10) Hauptlehrer Stütze, 11) Bergrath Dr. 
Thiele, 12) Baron v. Bohlen, 13) Apotheker Cochler, 
14) Königl. Kammerherr Geh. Justiz-Rath Graf Hoverden- 
P lenken, 15) Geh. Sanitätsrath Dr. med. Preiss, 16) Landes- 
Aeltesten Wolf auf Ober-Gorpe, 17) Dr. med., Prof. und Guts- 
besitzer Kuh auf Woinowitz; 

die Ehrenmitglieder: 

Baron von und zu Aufsess, Dr. jur. in Nürnberg, Königl. 
Wirklicher Geh. Rath u. General.-Director der Museen Dr. med. 
Olfers, Kgl. Wirkl. Geh. Rath und Ober- Präsident der Pro- 
vinz Schlesien Grafen Eberhard zu Stolberg- Wernigerode; 

endlich die correspondirenden Mitglieder , 

Kgl. Geh. Archivrath Prof. Dr. philos. Riedel in Berlin und 
Gymnasial - Oberlehrer und Stadtbibliothekar Anton Tobias in 
Zittau. 

Die Gesellschaft zählt hiernach gegenwärtig: 
443 wirkliche Mitglieder, 

32 Ehrenmitglieder, 
198 correspondirende Mitglieder. 
Unsere Section für Obst- und Gartenbau besteht für sich aus 
106 einheimischen und 292 auswärtigen, zusammen aus 398 Mitgliedern. 

Auch in diesem Jahre hatte das Präsidium die Freude, ein Mitglied 
der Gesellschaft, Herrn Grafen v. Saurm a- J eltsch zu seiner fünfzig- 
jährigen Mitgliedschaft und ein anderes Mitglied, Herrn Geh. Sanitäts- 
rath Dr. med. Martini zu seinem fünfzigjährigen Doctorjubiläum zu 
begrüssen. 

Ausserdem wurde die Königl. Maximilians -Universität zu München 
zu ihrem Jubelfeste und die landwirtschaftliche Academie zu Proskau 
zur Feier ihres 25 jährigen Bestehens beglückwünscht. 

Allgemeine Versammlungen haben in diesem Etats-Jahre sechs statt- 
gefunden und wurden in denselben folgende Vorträge gehalten: 

am 29. December 1871 wurde durch den General -Secretair Geh. 
Regierungsrath Dr. Bartsch der Jahresbericht pro 1871 er- 
stattet und durch den Bibliothekar Dr. Th. Oelsner die Nekro- 

1* 



4 Tahres-Bericht 

löge der verstorbenen Mitglieder: Kunsthändler Karsch sen., 
Buchhändler Maske, Regierungs-Präsident v. Götz, Apotheker 
Güntzel-Becker, Seminarlehrer a. D. Dr. phil. Schneider, 
Prof. Dr. Zeuschner vorgetragen; 
am 1. März c. von Herrn Privatdocent Dr. med. Hermann Colin 
über „die Augen der Schüler des Friedrichsgymnasiums und ihre 
Veränderung im Laufe von 1 */ 2 Jahren"; 
am 8. März c. in combinirter Versammlung unserer Gesellschaft und 
des Vereins für Geschichte der bildenden Künste von Herrn 
Privatdocent Dr. Richard Förster über „Entstehung und Ge- 
schichte des Vaticanischen Museums" ; 
am 15. März c. von Herrn Professor Dr. Pol eck über „die Luft 

der Wohnungsräume"; 
am S.November c. von Herrn Prof. Dr. Alwin Schultz „ein Tag- 
aus dem Schlossleben des XIII. Jahrhunderts"; 
am 6. December c. von Herrn Privatdocent Dr. Hugo Blümner 
über „die Verarbeitung der Wolle bei Griechen und Römern". 
Oeffentliche Vorträge sind auch für das Winterhalbjahr 1872/73 in 
dem von der Königlichen Universität wieder bewilligten Musiksaale ver- 
anstaltet und von den Herren Staats- Archivar Professor Dr. Grünhagen, 
Prorector Dr. Maas, Apotheker J. Müller, Dr. med. Heller, Prof. 
Dr. Alwin Schultz, Sanitätsrath Dr. Hodann, Professor Dr. med. 
Neumann und Gymnasiallehrer Dr. Eitner in dankenswerther Weise 
übernommen worden. 

Ausser diesen war auch der Vortrag des Herrn Privat- Docent 
Dr. Richard Förster in der combinirten Sitzung unserer Gesellschaft 
und des Vereins für Geschichte der bildenden Künste insofern ein öffent- 
licher, als den Mitgliedern beider Gesellschaften gestattet war, Gäste, 
Herren und Damen, einzuführen. 

Im Laufe des Jahres 1872 sind Seitens der Schlesischen Gesellschaft 
für vaterländische Cultur ausser dem Jahresbericht von 1871 folgende 
Schriften herausgegeben worden : 

1. Heft Abhandlungen Abtheilung für Naturwissenschaften und 
Medicin 1869/72, enthaltend: 

J. Schröter, Die Brand- und Rostpilze Schlesiens. 
G. Lim p rieht, Ergebnisse einiger botanischen Wanderungen durch's 

Isergebirge. 
J. Grätzer, Ueber die öffentliche Armenkrankenpflege in Breslau im 

Jahre 1870. 
E. Grube, Mittheilungen über St. Malo und Roseoff und die dortige 

Meeres-, besonders Annelidenfauna, 
v. Jacobi, Zweiter Nachtrag zu dem Versuch einer systematiechen 
Ordnung der Agaveen. 



der Schlcs. Gesellfleh. f. vaterl. Cultur. 5 

2. Heft der philosophisch - historischen Abtheilung von 1871, ent 
haltend : 

H. Palm, Neue Heiträge zur Lebensgeschichte von Martin Opitz nebst 

vier ungedruckten Briefen desselben. 
Ed. Reimann, Papst Paul IV. und das Kaiserthum. 
Hermann Markgraf, Nachtrag zum Liegnitzer Lehnsstreit 1440 — 1469. 
J. Kutzen, das südwestliche Gebiet der Grafschaft Glatz oder das 

Gebiet des Habelschwcrdter Gebirges. 

Für das Etatsjahr 1872 hat das Präsidium aus den Mitteln der 
Gesellschaft einen Geldbetrag zum Zwecke der Erforschung der fiora 
cryptogam. Süesiaca ausgesetzt. 

Der Section ^üv Obst- und Gartenbau ist von Sr. Excellenz dem 
Herrn Minister der landwirtschaftlichen Angelegenheiten auch für das 
laufende Jahr ein Zuschuss von 400 Thlr. zur Unterhaltung ihres pomo- 
logischen Muster- und Versuchs - Gartens und der damit verbundenen 
Baumschule geneigtest bewilligt, und in Aussicht gestellt worden, dass 
dieser Zuschuss auch für die folgenden 5 Jahre gewährt werden solle. 
Es drängt uns, auch an dieser Stelle hierfür unsern ehrerbietigsten Dank 
auszusprechen. 

Die Vervollständigung und Vermehrung der Gesellschaftsbibliothek 
und der naturwissenschaftlichen Sammlungen ergiebt sich aus den Berichten 
des Conservators dieser Sammlungen Herrn Prof. Dr. Körher und des 
Bibliothekars Herrn Dr. Theodor Oelsner. 

Die Rechnung der allgemeinen Kasse und über den besonderen Fond 
der Section für Obstbau ist i'iiv 1872 von dem Schatzmeister Herrn 
Geheimen Commercienrath Franc k in sorgfältigster Weise gelegt und 
nach erfolgter Revision dem Rechnungslegenden dechargirt worden. 

Das Stiftungsfest feierte die Gesellschaft am 28. Januar in gewohnter 
Weise. 

Ueber die Thätigkeit der einzelnen Sectioncn haben die Herren 
Secretaire Folgendes berichtet: 



Die naturwissenschaftliche Section 

(Secretaire: Herr Staatsrath Professor Dr. Grube und Herr Geheimer 

Bergrath Professor Dr. Römer) 

hat nenn Sitzungen gehalten. In diesen sprachen: 

Den 17. Januar: Herr Oberbergrath Professor Dr. Websky über die 
Auffindung mikroskopischer Diamanten im District Slataust 
am L T ral, auffallend grosse Malachit -Zwillinge von Plauen 
und einige seltene neue Mineralien. 



Jahres -Bericht 

Herr Staatsrath Prof. Grube über einen neuen Scorpion (Andro- 
donus scrobiculosusj und einige neue Myriopoden einer Sen- 
dung aus Transcaucasien von Dr. Rad de. 

Den 14. Februar: Herr Prof. Dr. F. Cohn über Bacterien und deren 
Beziehung zur Fäulniss und zu Contagien. 

Den 13. März: Herr Professor Grube über die von der verw. Frau 
Geheimräthin Bernstein aus dem Nachlass ihres Sohnes, 
des Naturforschers Dr. Ag. Bernstein dem zoologischen 
Museum geschenkten Vögel und andere Thiere der Sunda- 
inseln. 

Den 25. April: Herr Prof. Dr. Pol eck über die experimentellen 
Grundlagen der sogenannten modernen Chemie. 

Den 15. Mai: Herr Geheimer Bergrath Prof. Dr. F. Römer über 
Knochenreste von Rhinoceros trichorrhinus von Trachenberg, 
ferner über Versteinerungen des devonischen Kalksteins von 
Kielce in Polen und über einen Ceratites nodosus mit wohl 
erhaltener Schale und einen anderen mit zur Hälfte erhal- 
tener Mündung. 
Herr Professor Grube über die pflanzenfressenden Cetaceen mit 
Hinweis auf Haut und Skelet des Manatus americanus und 
den Schädel von Italicore im zoologischen Museum, sowie 
über ein paar neue Spiodeen. 

Den 24. Juli: Herr Professor Grube über eine lebende Clepsine 
maculosa aus der Gegend von Königsberg, den kürzlich 
entdeckten Ctenopiscus australis und die Familie der Cirra- 
tuliden. 

Den 20. November: Herr Prof. Dr. Galle über den Verlauf und 
die Sichtbarkeitsverhältnisse des Venus-Durchganges im Jahr 
1874 und über die zur Beobachtung desselben bisher getrof- 
fenen Vorbereitungen. 

Den 4. December: Herr Prof. Dr. Römer über seine diesjährige 
Reise in Spanien. 

Den 17. December: Herr Professor Dr. Göppert über das frühere 
Vorkommen des Elens in Schlesien. 
Herr Prof. Dr. Grube über eine ungewöhnlich grosse Larve 
von Pelobates fuscus und noch einige wirbellose Thiere des 
Baikalsees. 



Die entomologische Section 

(Secretair: Herr Hauptlehrer K. Letzncr) 

hat sich in dem Jahre 1872 zu zwölf Sitzungen versammelt, in denen 
folgende Herren Vorträge gehalten haben: 



der Schlcs. Gcsellscli. f. vatcrl. Cultur. 7 

Herr Graf Matuschka: Ueber eine von ihm gesammelte, wahr- 
scheinlich neue Art der Gattung Laccobius aus der Plinius - Quelle in 
Bormio. 

Herr Oberamtmann Naak e: 1) Ueber die besonders bei den Gross- 
schmetterlingen angewendeten und anzuwendenden Tödtungsmittel. — 

2) Ueber seine entomologische Ausbeute in der Umgebung der Grotte 
von Monsummano und über die Heilkraft der letzteren bei chronischem 
Rheumatismus. 

Herr Dr. Schneider: 1) Ueber die Beziehungen der Insecten zu 
den Pilzen. 2) Ueber Pilze in und auf Insecten. 

Herr Dr. E. Schwarz: 1) Ueber die Unterschiede der deutschen 
Arten der Gattung Throscus. 2) Ueber die europäischen Philhydrus- Arten. 

3) Ueberblick über die Sammelthätigkeit der schlesischen Coleopterologen 
im Jahre 1872. 

Herr Dr. Wocke: 1) Ueber den Albinismus bei den Schmetter- 
lingen. 2) Ueber das Vorkommen der Raupe von Eupithecia Digitaliata D. 
in Schlesien. 3) Ueber Coleophora brevipcdpella n. sp. 4) Elachisla con- 
sortella, für Schlesien neue Species. 

Der Secretair: 1) Ueber 33 für Schlesien neue Käferarten. 2) Ueber 
die Entwickelung des Lasioderma serrkorne in der Rhabarber auch im Laufe 
dieses Jahres. 3) Ueber Hydrobius Rotlenbergü Gerh. (n. sp.) 4) Ueber 
Gymnetron Schwarzii n. sp. 5) Ueber das Massen-Auftreten der Chlorops 
ornata M. zu Steinau an der Oder, Erdmannsdorf, Hammerhof bei 
Schmiedeberg, Schönau bei Landeck, Tarnowitz und Gross- Ossnigk bei 
Cottbus. 



Die botanische Section 

(Secretair: Herr Professor Dr. Ferdinand Cohn) 

hat im Jahre 1872 neun ordentliche und eine ausserordentliche 
Sitzung gehalten; es trugen vor die Herren: 

Dr. David, z. Z. Lehrer der Botanik an der Kgl. höheren Lehr- 
anstalt für Obst- und Weinbau zu Geisenheim a. Rh., über Entwicklungs- 
geschichte von Chroolepus. 

Geheimrath Prof. Dr. Göppert: über Verwachsung beim Pfropfen — 
über die Wirkung des Beschneidens auf die Wurzeln — über die mor- 
phologische Sammlung des Herrn v. Thielau auf Lampersdorf über das 
Arboretum von Muskau unter Vorlage eines von dem Director Petzold 
eingesendeten Herbar — über die Witterung der letzten Monate und 
ihre Wirkung auf die Vegetation. 

Rittergutsbesitzer Max Heimann auf Wiegschütz bei Cosel: über 
Pfropfhybride bei Kartoffeln. 



8 Jahrea-Bcricht 

Professor Dr. Körb er: über Flechtengonidien - über die Gattung 
Lediceila — über die im Besitz der Schlesisehen Gesellschaft befindlichen 
botanischen Sammlungen. 

Mittelschullehrer Limpricht über die Phanerogamenflora von Grüoe- 
berg — über die Moosflora des Annaberg — über neue Bürger der 
Schlesisehen Laubmoosflora. 

Dr. phil. W. G. Schneider: über seltene Pilze aus der Gegend 
von Reinerz — über Aetidium 'pallidum — über Puccinia Helianthi. 

Herr B. Stein: über interessante Moose und Flechten — über den 
Schlesisehen botanischen Tauschverein — über zwei Excursionen nach 
der Babia Gora. 

Dr. G. Stenzel: über Milde's Verhältniss zum Darwinismus. 

Der Secretair der Sectio n : über einen Meteorstaubfall bei Gnaden 
frei — über mikroskopische Hilfsapparate — über die reizbaren Staub- 
gefässe der Opuntien — über Hansteins phyllotachischen Apparat. 

Zum Vortrag kamen folgende Mittheilungen correspondirender Mit- 
glieder der Herren : 

Oberstabs- und Regimentsarzt Dr. Schröter in Rastadt: über 
einige Schlesische Uredineen — Verzeichniss der im Breslauer botanischen 
trarten gefundenen Pilze. 

Herr R. v. U echtritz: über die im Jahre 1872 in Schlesien ge- 
machten Entdeckungen neuer oder seltener Pflanzen. 

LehrerZimmermann inStriegau: Spaziergang in den Striegauer Bergen 
am 2. November 1 872 — Verzeichniss seiner terratologischen Sammlung. 

Am 12. Mai veranstaltete die Section die dritte Wanderver- 
sammlung Schlesischer Botaniker zu Strehlen und hielt eine 
ausserordentliche, zahlreich besuchte Sitzung auf dem Rummelsberg, in 
welcher die Herren: Geheimer Rath Göppert über interessante Vege- 
tabilien und über die paläontologischen Forschungen des Herrn R. Peck 
zu Görlitz, Herr Oberforstmeister Tramnitz über die Strehlener Berge, 
Herr v. Thiel au über Stücke aus seiner Sammlung, Herr Dr. Stenzel 
über die Vegetationsgrenzen des Riesengebirges, Herr Prof. K ö r b e r über 
die im Besitz der Schlesisehen Gesellschaft befindlichen botanischen Manu- 
scripte und der Secretair über parasitische Algen Vorträge hielten. 

Das Stiftungsfest der botanischen Section ist in Gemeinschaft mit 
dem der entomologischen Section in gewohnter Weise am 21. December 
gefeiert worden. 

Die medicinische Section 

(Secretaire: Herr Privatdocent Dr. Freund, Herr Prof. Dr. Waldeyer 
[bis zum 8. März] und Herr Prof. Dr. Auerbach [vom 8. März an]j 
hat im Jahre 1872 achtzehn Sitzungen abgehalten, in welchen die fol- 
genden Vorträge und Demonstrationen vorgebracht wurden, nämlich: 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 9 

a. Von Herrn Privatdocent Dr. Nothnagel: 

1) Ueber nervöse Nachkrankheiten des Typhus (1, Sitzung am 
5. Januar). 

2) Neue Exprrimente über eine Function des Grosshirns (9. Sitzung 

am 14. Juni). 

b. Von Herrn Professor Dr. Köbner: 

3) Ueber das pathologisch -anatomische Verhältnis der Lepra zur 
Tuberculose (1. Sitzung am 5. Januar). 

4) Ueber die Lostorf er' sehen sogenannten Syphilis - Körperehen 
(7. Sitzung am 12. April). 

5) Zur Aetiologie der Psoriasis vulgaris (8. Sitzung am 3. Mai). 

c. Von Herrn Professor Dr. Wald ey er: 

6) Ueber Hermaphroditismus mit Demonstration der Cathariua Höh- 
mann (2. Sitzung am 19. Januar). 

7) Demonstration eines von Medicinalrath Prof. Spiegelberg ex= 
stirpirten, invertirten uterus (3. Sitzung am 10. Februar). 

d. Von Herrn Privatdocent Dr. Freund: 

8) Ergebnisse seiner Untersuchung des Hermaphroditen Catharina 
Hohmann, durch welche die Schultze'schen Beobachtungen be- 
stätigt, ausserdem das Becken jener Person als männlichen 
Characters erkannt wurde (2. Sitzung am 19. Januar). 

9) Ueber pathologische Anatomie und Behandlung der Haematometra 
und Haematocolpos bei uterus duplex mit einseitiger Atresia vaginae 
(7. Sitzung am 12. April). 

10) Ueber Macrosomia partialis (7. Sitzung am 12. April). 

11) Ueber die organischen Grundlagen der climacterischeu Beschwer- 
den (13. Sitzung am 11. October). 

e. Von Herrn Privatdocent Dr. Sommer brodt: 

12) Ueber den Einfluss von Blutergüssen in das Lungengewebe auf 
das letztere selbst (3. Sitzung am 10. Februar). 

f. Von Herrn Geheimen Medicinalrath Prof. Dr. G ö p p e r t : 

13) Ueber die essbaren und die giftigen Pilze und Schwämme 
(4. Sitzung am 23. Februar). 

g. Von Herrn Privatdocent Dr. Hermann Cohn: 

14) Ueber die Anwendung des Strychnins bei Amaurosen und Am- 
blyopieen (4. Sitzung am 23. Februar). 

15) Demonstration zweier Fälle von gelungener Blepharoplastik 
(5. Sitzung am 8. März). 

16) Ueber einen Augenspiegel zu schneller Refractionsbestimmung 
(12. Sitzung am 4. October). 

17) Ueber Nachstaar- Operationen (7, Sitzung am 4. October). 



1 Jahre s-Bericht 

h. Von Herrn Dr. med. Gustav Joseph: 

18) Ueber eine Linea semicircularis suprema (Joseph) am Hinterhaupts- 
bein des Menschen (5. Sitzung am 8. März). 

i. Von Herrn Professor Dr. Heidenhain: 

19) Ueber Apomorphin als Emeticum. (5. Sitzung am 8. März). 

20) Zur Histologie der Nieren (5. Sitzung am 8. März). 

21) Ueber die Einwirkung verschiedener Gifte: Atropin, Calabar, 
Digitalis, Nicotin, Schwefelcyankalium auf die Speicheldrüsen 
(5. Sitzung am 8. März). 

k. Von Herrn Dr. med. Ludwig Joseph: 

22) Zur Anatomie der Ißerws-Flexionen (6. Sitzung am 23. März). 

23) Ueber das Verhältniss der Uretheren zum Uterus im normalen 
und in pathologischen Zuständen (14. Sitzung am 1. November). 

1. Von Herrn Dr. med. Schnabel: 

24) Ueber einen Fall von Exophthalmie als Symptom von Meningitis 
(6. Sitzung am 23. März). 

m. Von Herrn Dr. med. Martini: 

25) Ueber Uterus und Vagina duplex (9. Sitzung am 17. Mai), 
n. Von Herrn Dr. med. Lipschitz: 

26) Ueber giftige Bunt-Papiere (9. Sitzung am 17. Mai). 
o. Von Herrn Sanitätsrath Privatdocent Dr. Paul: 

27) Demonstration eines Knaben, an welchem nach Resection eines 
Ellenbogengelenks ein brauchbares Gelenk sich bildete (10. Sitzung 
am 7. Juni). 

p. Von Herrn Privatdocent Dr. Hirt: 

28) Ueber die Verwendung giftiger Substanzen zu gewerblichen 
Zwecken und die bezüglichen polizeilichen Vorschriften (zehnte 
Sitzung am 7. Juni). 

q. Von Herrn Dr. med. Horwath aus Kiew: 

29) Zur Physiologie der thierischen Wärme (12. Sitzung am 4 ten 
October). 

r. Von Herrn Apotheker Müller: 

30) Ueber den geringen Werth der Kohlenfilter in gesundheitlicher 
Hinsicht (12. Sitzung am 4. October). 

31) Chemische Untersuchung der Excremente in einem Falle von 
Stearrhoe (im Anschlüsse an den Vortrag des Herrn Dr. Schm eid- 
ler in der 8. Sitzung am 13. December). 

s. Von Herrn Dr. med. Riesenfeld: 

32) Ueber erfolgreiche Anwendung subcutan eingespritzten Ergotins 
in einem Falle von fibroma uteri (13. Sitzung am 11. October). 

t. Von Herrn Geheimrath Dr. Grätzer: 

33) Ueber die Armenkrankenpflege Breslau's i. J. 1871 (14. Sitzung 
am 1. November). 



der Schlcs. Gcsellsch. f. vaterl. Cultur. 11 

u. Von Herrn Geheimrath Professor Dr. Lebert: 

34) Ueber die Lungenkrankheilen der Affen und ihr Verhältniss zu 
denjenigen des Menschen (15. Sitzung am 15. November). 

v. Von Herrn Professor Dr. Förster: 

35) Ueber die Schutzmittel gegen die Cholera (16. Sitzung am 22ten 

November). 

w. Von Herrn Dr. med. Asch: 

36) Ueber die Canalisation grosser Städte (17. Sitzung am 29 ten 
November). 

x. Von Herrn Dr. med. Schmeidler: 

37) Ueber einen Fall von Stearrhoe (18. Sitzung am 13. December). 

In der Sitzung vom 8. Mai wurde an Stelle des von Breslau nach 
Sirassburg berufenen Herrn Professor VValdeyer als zweiter Secretair 
Herr Professor Dr. Auerbach gewählt; derselbe nahm die Wahl an. 

Die meteorologische Section 

(Secretair: Herr Professor Dr. Galle.) 

hat im Jahre 1872 eine Sitzung am 10. Juli gehalten, in welcher Herr 
Georg v. Boguslawski aus Stettin einen Vortrag über Schiaparel li's 
astronomische Theorie der Sternschnuppen hielt. 

Die technische Section 

Secretair: Herr Dr. phil. Meusel.) 

hielt im Laufe des Jahres 1872 vier Sitzungen, in welchen folgende 
Vorträge gehalten wurden: 

Erste Sitzung: 1) Anwendung der Flammenschutzmittel. Vom 
Secretair. 2) Ueber die in den Gewerben angewandten Farben in 
sanitätspolizeilicher Hinsicht mit besonderer Berücksichtigung der Breslauer 
Verhältnisse. Vom Secretair. 

Zweite Sitzung: 1) Die neuen Bergwerks versuche bei Lauban, 
der dort gefundene Kupfercoprolithen- und Paraffinschiefer. Vom Secre- 
tair. 2) Die neuen Milchmesser. Vom Secretair. 3) Spectroscopische 
Erscheinungen. Von Herrn Dr. Buch ler. 

Dritte Sitzung: Die Entlüftung des Wassers. Herr Fabrik- 
besitzer A. Anderssohn. 

Vierte Sitzung: Die Kalksalze, der Marmor, der Gyps, die 
Seekreide Schlesiens. Besprechung der neuesten Funde. Der Secretair. 



12 Jahres-Bericht 

Die (Monomische Section 

(Secretair: Herr Forst-, Oekonomie- und Stadtrath Dr. Fintelmann) 
hielt im Jahre 1872 drei Sitzungen ab. 

In der ersten Sitzung am 24. Januar erstattete der Secretair zuerst 
Bericht über die eingegangenen Schriftstücke und legte die bis dahin 
eingegangenen Preisverzeichnisse über verkäufliche Düngemitte] und land- 
wirtschaftliche Sämereien vor. Demnächst folgte ein kurzer landwirt- 
schaftlicher Literaturbericht des vergangenen Jahres, wobei namentlich 
eine Abhandlung von Dr. Moritz Fleischer: „Versuch über den 
Einfluss der Ernährung auf die Milchproduction" im Journal der land- 
wirtschaftlichen Versuchsstation Weende VI. Band 4. Heft zur näheren 
Besprechung kam. 

In der zweiten Sitzung am 4. April theilte der Secretair zuerst 
den Inhalt der eingegangenen Schriftstücke mit, ebenso den Bericht des 
landwirtschaftlichen Centralvereins für Schlesien aus dem Jahre 1871. 
Sodann wurde die von Herrn Georg von Kessel - Zeutsch gestellte 
Frage: „welche Maassregeln empfehlen «ich, um den provinziellen Flachs- 
bau zu fördern? 4 ' zur eingehenden Debatte gestellt. 

Hieran schloss sich endlich eine Besprechung über die Cultur des 
Moor- und Haidebodens in F'olge eines von Wilhelm Peters an den 
Herrn Minister für die landwirtschaftlichen Angelegenheiten erstatteten 
Berichtes über eine Reise in die jütischen Haiden. 

In der dritten am 13. December abgehaltenen Sitzung gelangten 
zuerst die eingegangenen Preisverzeichnisse und Schriftstücke zum Vor- 
trage. Zur näheren Besprechuug kamen ferner noch: „die Bildung von 
Provinzialfonds (l von C. M. von Unruh, der „rheinische Pflug u von 
Schmitz von der Hübsch, der „Jahresbericht über den Zustand der 
Landescultur in Preussen für das Jahr 1871", die schwedischen Meiereien 
auf Actien, die ländliche Arbeiterfrage und mehrere andere wichtige 
Gegenstände. 

Die Section für Obst- und Gartenbau 

(Secretair: Herr Kaufmann und Stadtrath E. H. Müller) 

hat im Jahre 1872 dreizehn Sitzungen gehalten; es trugen vor: Herr 
Geheimer Rath Professor Dr. Göppert: Ueber bisher noch unbekannte 
Vorgänge beim Veredeln der Bäume ■ — Herr Kaufmann Hutstein: über 
die Cultur der alpinen Gewächse — Herr Professor Dr. Ferd. Cohii 
über Hyacinthen und über eine Reise nach Italien — der Gärtner der 
Section, Herr Jet tinger: über Erdbeeren und deren Cultur, und Herr 
Geheimer Rath Professor Dr. Göppert: über das gegen Ende November 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 13 

d. J. häufige Vorkommen von Frühlingsblumen. Die von einer grösseren 
Anzahl hiesiger und auswärtiger resp. Mitglieder eingegangenen und zum 
Vortrag gelangten Abhandlungen, kleineren Berichte über mannigfache 
Gegenstände von gärtnerischem Interesse und Vorlegung interessanter 
Pflanzen und Früchte, denen sich bezügliche Besprechungen und weitere 
mündliche Mittheilungen anreihten, gaben anerkennenswerthes Zeugniss für 
das zunehmende Interesse an den Bestrebungen dieser Section. Ausserdem 
kamen innere Angelegenheiten und laufende Geschäfte der Section zur 
Berathung. An die resp. Mitglieder wurden auch im Frühjahr d. J. 
reiche Samen -Sortimente empfehlenswerther Gemüse- und Florblumen, 
deren Sorten theils einige Mitglieder freundlich zuwendeten, theils aus 
dem Garten der Section, oder aus den besten Bezugsquellen entnommen 
waren, zum Versuchsanbau und Berichterstattung gratis vertheilt. 

Bezüglich der Bewirtschaftung des Pomologischen und resp. Obst- 
bauinschul- und Versuchsgartens wurde zunächst Sorge dafür getragen 
die bedeutenden Schäden, welche der Winter von 1870/71 in demselben 
verursacht hatte, weiter zu repariren und eine noch zweckmässigere Ein- 
theilung desselben herzustellen. Im Uebrigeu erfolgte die sorgfältige 
Bewirtschaftung des Gartens nach dem sich dafür bewährt erwiesenen 
Plane und fanden die herangezogenen jungen Obststämmchen meist durch 
die resp. Mitglieder, sowie auch die Nebenproducte bereite Abnahme. 

Immer empfindlicher fühlbar und gradezu nachtheilig für die Pflege des 
Gartens erweist sich aber der Mangel eines Gärtnerhauses in demselben. 

Zwar verdankte auch in diesem Jahre dem Minister für die land- 
wirtschaftlichen Angelegenheiten Herrn von Selchow Excellenz die 
Section die schon früher auf mehre Jahre zur Unterhaltung ihres Gartens 
gnädigst zugesicherte Subvention von 400 Thlr. uud in Folge einer 
Petition des verehrlichen Präsidii der Schlesischen Gesellschaft die dank- 
barst aufgenommene Versicherung gnädiger Gewährung der gleichen 
Beihilfe auf weitere 5 Jahre; auch werden voraussichtlich dem vorig- 
jährigen Bestände der Sections - Casse mit Schluss dieses Jahres weitere 
ca. 700 Thlr. hinzugefügt werden können. 

Hiermit sind jedoch die zum Bau eines Gärtnerhauses erforderlichen 
Geldmittel noch nicht gewonnen, sie fehlen vielmehr gänzlich und um 
so mehr, als die vorhandenen Kassenbestände in den beiden nächsten 
Jahren ihre Verwendung lediglich auf die Bewirthschaftung des Gartens 
werden finden müssen, weil derselbe während dieser Zeit wegen der vor 
2 Jahren erlittenen Schäden nur äusserst geringe Erträgnisse gewähren wird. 

Um nun aber das recht eigentlich unabweisliche Bedürfniss eines 
Gärtnerhauses der endlichen Befriedigung zuzuführen, wird die Section 
demnächst Veranlassung nehmen, ihren und den resp. Mitgliedern der 
Schlesischen Gesellschaft um freundliche Beihilfe hierzu näher zu treten. 



14 Jahres-Bericht 

Historische Section. 

(Secretair: Herr Professor Dr. Kutzen.) 

Die historische Section hat während des Jahres 1872 vierzehn 
Sitzungen gehalten, in welchen hauptsächlich folgende Abhandlungen zum 
Vortrag und zur Besprechung kamen: 

Am 11. und 18. Januar über den im Jahre 1614 in der kurbranden- 
burgischen Linie der Hohenzollern erfolgten Confessionswechsel von Herrn 
Prorector Prof. Dr. Schmidt aus Schweidnitz. 

Am 25. Januar über den Kölner Kurfürsten Friedrich von Wied 
(1562 — 1567) von Herrn Professor D. Reimann. 

Am 15. Februar über die Geschichte Schlesiens und besonders 
Breslaues nnter König Ladislaus Posthumus von Herrn Gymnasial - Ober- 
lehrer Dr. Markgraf. 

Am 22. Februar über denselben Gegenstand von demselben Ver- 
fasser (Fortsetzung und Schluss). 

Am 14. März über das Heuscheuer-Gebirge und dessen Beziehungen 
zu den Menschen von dem Secretair der Section. 

Am 18. April über Bolko I. von Schweidnitz und einige seiner 
Nachkommen vom Rector der höheren Töchterschule Herrn Dr. Luchs. 

Am 8. Mai über die Gründung, die Besitzungen und Schicksale des 
Klosters Leubus vom Staatsarchivar Herrn Professor Dr. Grünhagen, 

und über die Hauptkirche daselbst und deren Grabdenkmäler, von 
Herrn Professor Dr. Alwin Schultz. 

Am 12. Mai Excursion nach Leubus und Vortrag daselbst über 
Baustil und Alterthümer der dortigen Kloster- und kirchlichen Gebäude 
von Herrn Rector Dr. Luchs. 

Am 30. Mai über die Sage von der Bestattung Karls des Grossen 
von dem Privatdocenten an der Universität Herrn Dr. Lindner. 

Am 17. October über die französische Expedition nach San Domingo 
in den Jahren 1802 und 1803 von Herrn Dr. Mosbach. 

Am 31. October über den Handel und die Industrie Schlesiens am 
Ende des 17. Jahrhunderts vom Staatsarchivar Herrn Prof. Dr. Grün- 
hagen. 

Am 21. November über einige mit den Robinsonaden verwandte 
Erscheinungen in der deutschen Literatur des 17. Jahrhunderts von dem 
Lehrer an der Realschule zum heiligen Geist Herrn Dr. B obertag. 

Am 12. December über die schlesischen Einungen im 14. Jahr- 
hundert vom Secretair des Königl. Staatsarchivs Herrn Dr. Grotefend. 

Die pädagogische Section 

(Secretair: Director der Realschule am Zwinger Herr Dr. phil. Kletke) 
hat im Laufe des Jahres keine Versammlung gehalten. 



der Schles. GeseUsch. f. vaterl. Cultur. 15 

Die philologische Section 

(Secretair: Herr Professor Dr. Palm) 

hat im Jahre 1872 sechs Versammlungen gehalten: 

1. Am 9. Januar las Herr Gymnasial - Lehrer Peiper über das 
Pervigüium Veneris. 

2. Am 27. Februar Herr Gymnasial - Lehrer Dr. Müller über 
Scherer's Theorie des Ablautes und der Lautverschiebung im Deutschen. 

3. Am 16. April Herr Gymnasial -Lehrer und Privatdocent Doctor 
R. Förster über eine Inschrift aus Arkadien. 

4. Am 4. Juni Herr Gymnasial-Lehrer Dr. Weniger über Caesars 
Rhein brücke (De hello Qallico IV., 17). 

5. und 6. Am 29. October und 17. December der Secretair der 
Section Professor Dr. Palm über Daniel von Czepkos deutsche Dich- 
tungen. 

Die archäologische Section 

(Secretair: Herr Professor Dr. Alwin Schultz) 

hat im Jahre 1872 acht Sitzungen gehalten, es trugen darin vor: 

1) am 19. Januar Herr Privatdocent Dr. Blümner über Broncen 
des Wiener Antiken-Cabinets; 

2) am 2. Februar Derselbe die Fortsetzung desselben; 

3) am 1. März der Secretair über mehrere neuere Publicationen 
im Gebiete der Archäologie; 

4) am 7. Juni Herr Privatdocent Dr. Blümner über die neuesten 
Publicationen der Petersburger archäologischen Commission; 

5) am 25. Juni Herr Privatdocent Dr. Richard Förster über 
das Theseion in Athen; 

6) am 22. November Herr Privatdocent Dr. Richard Förster, 
archäologische Mittheilungen ; 

7) am 28. November der Secretair über eine Bilderhandschrift 
der königlichen und Universitäts-Bibliothek; 

8) am 20. December Herr Privatdocent Dr. Richard Förster 
über die Aldobrandinische Hochzeit und einige neue Publicationen ; 

der Secretair über Giv. Batt. Rossi's römische Mosaiken 
und R. Bergairs schönen Brunnen zu Nürnberg. 

Die juristische Section 

(Secretair: Herr Appellations-Gerichts-Präsident Dr. jur. Belitz) 

hat im Laufe des Jahres 1872 vier Sitzungen gehalten. 

Am 6. März sprach Herr Dr. jur. Teich mann über das Tele- 
graphen-Strafrecht. 



1 6 Jahres-Bericht 

Am 20. März; Herr Referendar Dr. jur. Max Colin sprach über 
das Verhältniss der deutschen Reichs-Gewerbe-Ordnung zu den gewerbe- 
polizeilichen Vorschriften der Landesgesetzgebung. 

Am 17. April; Herr Professor Dr. Fried berg sprach über die 
Rücksichten der öffentlichen Gesundheitspflege auf die Gefängnisse. 

Am 11. December; Herr Professor Dr. Neu mann sprach über das 
neue Strafgesetzbuch vom psychologischen Standpunkte. 



Die musikalische Section. 

(Secretair: Herr Königl. Musikdirector Dr. Schäffer.) 

Die musikalische Section hat im verflossenen Jahre 1872 eine Sitzung 
am Dienstag den 10. December gehalten. In derselben hielt der Herr 
See tions secretair einen Vortrag über Robert Franz und die indi- 
vidualistischen Tendenzen der Neuzeit. 



Bericht über die Kassen -Verwaltung pro 1871. 

Der Kassen- Abschluss des Jahres 1870 ergab für die Allgemeine 
Kasse einen Baarbestand von 487 Thlr. 22 Sgr. 8 Pf. und einen Effecten- 
bestand von 7700 Thlr. 

Die Einnahmen im Jahre 1871 betrugen 2908 Thlr. 28 Sgr. 6 Pf., 
gegen das Vorjahr, in welchem dieselben 2918 Thlr. 12 Sgr. 6 Pf. be- 
tragen haben, 9 Thlr. 14 Sgr. weniger. 

Die Ausgaben beliefen sich auf 2443 Thlr. 13 Sgr. 8 Pf., gegen 
das Vorjahr, in welchem sich dieselben auf 2739 Thlr. 4 Sgr. 11 Pf. 
belaufen haben, 295 Thlr. 21 Sgr. 3 Pf. weniger. 

In dem Bestände der Effecten der Allgemeinen Kasse ist im Laufe 
des Jahres 1871 eine Veränderung nicht eingetreten, und es verblieb 
am 31. December 1871 ein Baarbestand von 953 Thlr. 7 Sgr. 6 Pf. 
und ein Effecten-Bestand von 7700 Thlr. 

Die Specialkasse der Section für Obst- und Gartenbau schloss am 
31. December 1870 mit einem Bestände von 92 Thlr. 22 Sgr. 2 Pf. 

Die Einnahmen betrugen 2466 Thlr. 26 Sgr. 1 Pf., im Vorjahre 
1750 Thlr. 8 Sgr. 6 Pf., also im Jahre 1871 mehr 716 Thlr. 17 Sgr. 
7 Pfennige. 

Die Ausgaben betrugen 2323 Thlr. 1 Sgr. 4 Pf., im Vorjahre 
1660 Thlr. 16 Sgr. 6 Pf., also pro 1871 mehr 662 Thlr. 14 Sgr. 10 Pf., 
einschliesslich der Ausgabe für angekaufte 600 Thlr. zinstragende Effecten, 



Kassen- AfbschJxLss für das Jalir 18*72. 



Soll 
einkomiiien 

laut 
dem Etat pro 

1872/73. 



316 



15 — 



1716 



296 



36 
150 
180 

56 
100 



Allgemeine Kasse. 

Einnahme. 



An Bestand aus dem vorigen Jahre 

„ Zinsen von Effecten: 

von 2400 -*g- Niederschles.-Märk. Eisenbahn-Pr.-Oblig. ä 4^ 
„ 1200 „ Bresl.-Schweidn.-Freib. Eisenbahn-Prior.-Oblig. 

für das 1. Sem. a A% 24 -*g. 

für das 2. Sem. wegen Umtausch von 
200 *g. 4# gegen 200 «$ l\% Oblig. 24£ „ 



96 



%• 



48 x 



900 „ Oberschi. Eisenb.-Pr.-Oblig. Lit. E. ä %\% 
900 „ „ „ „ „ Lit. F. a ±\% 

300 „ Preussische Prämien- Anleihe h, Z\% 

2000 „ Oberschi. Eisenb.-Pr.-Oblig. Lit. G. ä \\% 



10|„ 
90 „ 



Beiträgen einheimischer Mitglieder: 

Pro I. Semester von 277 Mitgliedern ä 3 -*v 



ll. 



290 



831 -*g. 
870 „ 



Beiträgen auswärtiger Mitglieder: 

Pro I. Semester von 71 Mitgliedern ä 2 -*g- 142 *g. 

„ IL „ „71 „ ä 2 „ . . . . . 142 „ 

„ Eintrittsgebühren neuer Mitglieder 28: ä 3 *g. 

„ Miethsbeitrag vom Schlesischen Kunst- Verein 

„ „ „ „ Gewerbe- Verein 

„ „ „ klassischen Musik- Verein 

„ Jahres-Beitrag vom hiesigen Magistrat 

Aussergewöhnliche Einnahmen: -%■/% #fa 

Vom Verein für bildende Künste ........19 — — 

Für Benutzung des Locals 3 — — 

Für Gasbenutzung 13139 

Zinsen von zeitweise angelegten Geldern 52 15 — 

Für eingezogene Valuta einer verl. 4# Freib. Prior. -Obl. 200 — — 

Für an die Stelle dieser verl. 4# Prior.-Oblig. eingekauft 200 *g. \\% Frei- 
burger Prior. Oblig. (siehe Ausgabe) 



Ist cingekommeii. 



Effecten 



7700 



B a 



■%■ 



953 



200 



317 



1701 



284 
84 

150 

180 
48 

100 



288 



7900 4105 



Ausgabe 

laut 

dem Etat pro 

1872/73. 

■*& M ä- 



600 

180 

400 

15 

3 

100 

95 

10 

20 

15 

45 

900 

65 

40 

15 

25 

20 

60 

25 

60 
157 



15 



Allgemeine Kasse. 

Ausgabe. 

Miethe 

Honorare und Remunerationen 

Gehalt dem Castellan 

Neujahrsgeschenk demselben 

,, dem Haushälter 

Heizung 

Beleuchtung 

Unterhaltung der Mobilien und Neuanschaffungen 

Feuerversicherungs-Prämie 

Schreibmaterialien 

Zeitungs-Annoncen 

Druckkosten 

Buchbinder-Arbeiten 

Porto 

Kleine Ausgaben 

Naturwissenschaftliche Section 

Entomologische Section 

Technische Section 

Botanische Section 

Oeconomische Section 

Bibliothek 

Unvorhergesehene Ausgaben 

Für an Stelle der verloosten 200 -*g. 4# Freiburger Prior.-Oblig. eingekauft 

200 -*g. k\% Freiburger Prior.-Oblig 

Für ausgegangene verl. 200 ■%■ k% Freiburger Prior.-Oblig. ..... 

Bestand am Schlüsse des Jahres 1872: 

2400 *g- 4# Niederschl.-Märk. Eisenbahn-Prioritäts-Obligationen. 
1000 „ 4# Breslau-Schweidn.-Freib. Eisenb.-Pr.-Oblig. 

200 „ 4^^0 „ 55 „ 55 11 11 

900 „ %\% Oberschi. Eisenb.-Prioritäts-Oblig. Lit. E. 

900 „ 4±# ii ii ii ii Lit. F. 

2000 „ \\% „ „ ,, „ Lit. G. 

300 „ %\% Prämien- Anleihe. 



Ist veraasgabt. 



Effecten 



200 



7700 



7900 



Baar. 



600 

150 

400 

15 

3 

114 

85 

29 

20 

21 

133 

883 

93 

34 

36 

20 

16 

62 

26 

2 

133 

106 

197 



920 



4105 



Franck, z. Z. Kassirer der Gesellschaft. 



Kassen- Afoschluss fiir das Jahr 18*70. 



Separatkasse der Section für Obst- und Gartenbau. 

Einnahme. 

An Bestand aus dem vorigen Jahre 

„ Zinsen von Activ-Capitalien : 

von 600 ■«$■ A\% Oberschi. Eisenb.-Pr.-Obl. vom 1. Octbr. 1871 bis 1. Octbr. 1872 

„ Mitglieder-Beiträgen: 

von 76 einheimischen ä 1 -*g 76 -*g- 

„ 284 auswärtigen ä 1 „ . . .- 284 „ 

„ Beiträgen für den Lesezirkel: 

von 65 Mitgliedern ä 1 ^ 

„ Einnahmen für den Garten und dessen Erträgnisse: 

Beiträge von 39 einheimischen Mitgliedern 44 **. 

„ „ 142 auswärtigen „ 169 „ 

„ Einnahmen für Edel-Obstbäume, Sträucher und Weinreben . . 821 -*g. 24 Aß 9 #1 
für verschiedene Garten-Producte . 215 15 ß 

±U 11 J ° 33 " 35 

„ Subvention von dem Landwirtschaftlichen Ministerium 

Für angekaufte 700 -*g. V-\ % % Oberschi. Eisenbahn-Prior.-Oblig. im Nominalwerthe von 



Ist angekommen. 



Effecten. 



600 



700 



1300 



Baar. 



-%• 



236 
27 

360 
65 

213 

1037 
400 



2338 



16 



10 



27 



11 



Separatkasse der Section für Obst- und Gartenbau. 

Ausgabe. 

Für den Lesezirkel: 

Journale und Bücher . . . ' 21 .**>. 23 Mit- — 

Colportage 48 „ — „ — 

Buchbinderarbeiten 4 .. 21 8 

Extraordinaria ..2. 15 



Für Sämereien und Edelreiser zur Vertheilung: 

Sämereien 36 ^ .9 ^ 9 ^ 

Empfangs- und Versendungs-Spesen 17 , 25 9 



ist verausgabt. 



Effecten. 



Insgemein : 



Porto • ■ 22 «g. - ^ 3 #, 

Insertionskosten n 12 

55 * " 53 55 

Druckkosten . 43 „. 21 

TU 55 ax 55 55 

Angeschaffte Werke und Buchbinderarbeiten . . 8 „ 12 „ — 

Kleitte Ausgaben 3 .. — „ 4 

o 35 55 ^- 55 

Extraordinaria 39 „ 25 „ 6 „ 



Für den Garten: 

Gärtnergehalt und Weihnachtsgeschenk 401 -*g 19 /^g 9 0, 

Arbeitslöhne 489 „ 2 „ 3 „ 

Dungstoffe 115 „ 10 „ — „ 

Sämereien, Obst-Edelbäume und Reiser 208 „ 7 „ 5 „ 

Insertions- und Druckkosten 19 .. 14 „ — ,, 

Baulichkeiten und Utensilien 26 ,, 1 „ 4 „ 

Porto und Extraordinaria 78 ,. 3 ., — ,, 



Für angekaufte Effecten: 



700 -*g. 4 1 / 2 ^o Oberschlesisehe Eisenbahn-Prioritäts-Obligationen Litt. F. ä 92 5 / 6 
und Zinsen für 72 Tage a l 1 ^ 



Bestand 



1300 



1300 



Baar. 



■%■ 



76 



54 



29 



128 



11 



1337 



698 
43 



27 



2338 27 



Franck, z. Z. Kassirer der Gesellschaft. 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 17 

und es verblieb am 31. December 1871 ein Baarbestand von 236 Thlr. 
16 Sgr. 11 Pf. und ein Effectenbestand von 600 Thlr. 

Im laufenden Jahre haben weder bei den Einnahmen, noch bei den 
Ausgaben der Allgemeinen Kasse wesentliche Veränderungen stattgefunden. 

Breslau, den 27. December 1872. 

Franck, 
z. Z. Kassirer der Gesellschaft. 



Bericht über die Bibliotheken der „Schlesischen Gesellschaft" 

im Jahre 1872. 

Während eine Anzahl neuer Tauschverbindungen geschlossen wurde 
(wofür bezüglich Nord- Amerika' s Herr Dr. Flügel in Leipzig seine Be- 
mühungen fortgesetzt, bezüglich Italiens Herr Dr. Senoner in Wien 
auf dankenswerthe Weise sich ihm angeschlossen hat), ist die Zahl der 
im Rückstand befindlichen Vereine etc. nicht vermindert und hinsichtlich 
unserer Provinz, obwol der vorjährigen Aufforderung unseres Präsidiums 
noch einige weitere Folge gegeben ward, doch eine Vollständigkeit noch 
nicht im entferntesten zu constatiren. 

Zuwachs durch Ankäufe erwächst der „allgemeinen Bibliothek" 
allermeist durch den medicinischen, den botanischen, den technischen uud 
den Gartenbau -Sections- Lesezirkel. Doch sind auch mehre besondere 
Anschaffungen zu erwähnen ; voran das neue Elfmännerwerk über Alex, 
v. Humboldt („eine wissenschaftliche Biographie' 4 von K. Bruhns 
in Verbindung mit zehn anderen Gelehrten, Leipzig 1872, 3 Bde.); der 
Schlussband des Meitzen'schen Werkes über den Preussischen Staat; 
weitere Complettirung der „Annales de la societe entomologique'\ das 
„Bulletin 1 ' der „Societe geologique de France", v La Belgique horticole" und 
v. HarolcTs „Coleopterologische Hefte". Für die „schlesische Biblio- 
thek" wurden u. A. erworben: die grössere Ausgabe des „Monumentum 
pacis etcS\ ein Band Schriften des polyhistorischen Staatsmanns Dornau, 
eine 1715 in Breslau erschienene Uebersetzung des v Telemaque Ci r , Ver- 
mehrung der Flugschriften -Literatur von 1848 und von 1870/71 und 
Anderes. 

Durch Schenkungen grösseren Umfanges wurden die Bibliotheken 
erfreut seitens des Herrn Kaufmann F. W. Kram er Namens der Sasse'- 
schen Erben (183 Nrn. in 514 Bänden, nebst 29 Nrn. an Karten und 
Bildern, worunter 16 Atlanten und Hefte, 238 einzelne Karten und Ab- 
bildungen); — ferner der Frau Dr. Krause als Nachtrag zu vorjähriger 
Schenkung (38 Werke in 76 Bdn. und 1 Atlas); — von Herrn Geh. 

2 



1 8 Jahres-Bericht 

Sanitätsrath Dr. Martini (66 Nrn. in 90 Bdn. und 1 Stahlstich) — und 
von Herrn Apotheker Hensel (5 Werke in 8 Bdn. und eine Anzahl 
Abbildungen). Herr Geh. Rath Prof. v. Ehrenberg schenkte seine 
Arbeit „über das von der Atmosphäre unsichtbar getragene reiche 
organische Leben", Herr Geh. Med. -Rath Prof. Barkow seine „Bemer- 
kungen über Gegenstände aus dem Gebiete der vergleichenden Ana- 
tomie, Physiologie und Zoologie" (1. Abtheilung 1871); Herr Prorector 
Krüger mann 2 starke Volumina einer handschriftlichen encyclopädischen 
Sammlung des verstorbenen Superintendent Nagel; Herr Graf J. A. von 
Hoverden-Plencken den Schlussband des Registers zu seiner Samm- 
lung schlesischer Grabdenkmäler; Herr Superintendent Wolff seine 
„Geschichte der Mongolen". Auch eine Anzahl auswärtiger Mitglieder 
fuhr in dankenswerther Weise fort, den Bibliotheken theils ihre eigenen, 
theils anderweite Schriften zuzuwenden. Ueber diese sowie über andere 
Einzelheiten, insonders auch über Interessantes aus den Universitäts- 
schriften geben die „Schlesischen Provinzialblätter" des Unterzeichneten 
von Zeit zu Zeit Berichte. Dass zum ersten male die Doctor-Dissertation 
einer Dame eingegangen (Louisa Atkins aus London, von der Uni- 
versität Zürich: „über gangraena pulmonum bei Kindern", 4 Bogen stark, 
nebst Beobachtungtabelle), darf vielleicht hier bemerkt werden. 

Unter Denen, die sich durch Aufsammlung kleinerer Sachen beson- 
ders um die schlesische Abtheilung ein sehr willkommenes Verdienst er- 
worben, sind zu nennen die Herren Post-Commissarius R. Schuck (jetzt 
in Danzig), Lehrer C. Klimke, Hofrath Krätzig, Antiquar Stett. 
Der Bibliothekar hat die Genugthuung, diesen Theil der Bibliothek eben- 
falls in grösserem Umfange bereichern zu können. Die Namen der einzel- 
nen gütigen Geschenkgeber sowohl wie die der in Tauschverband stehenden 
Vereine, Behörden und Institute sind, nebst der betreffenden Stückzahl, 
in der nachstehenden Zusammenstellung verzeichnet. 

Der Ziffer nach belief sich der gesam mte Zuwachs auf 946 Jour- 
nal-Nummern in 4151 Bänden, Heften, Mappen oder Blättern, und zwar 
entfallen hiervon: 

auf die allgemeine Bibliothek 756 Nrn. in 2260 Bänden 

oder Heften, 

auf die schlesische Bibliothek 153 Nrn. in 1534 Bänden, 

Heften oder Blättern, 

auf die Sammlungen von Karten und Abbildungen 

37 Nrn. in 357 Bänden, Heften oder Blättern. 
Gesellschaftschriften sind durch Tauschverband eingegangen 
von 44 schlesischen (19 Breslau, 25 Provinz, hierunter 8 neu), 
118 anderweiten deutschen (11 Berliner), 8 amerikanischen, 2 belgischen, 
3 dänischen, 1 englischen, 3 französischen, 8 italienischen, 3 luxembur- 
gischen, 3 niederländischen, 3 norwegischen, 1 ostindischen, 30 öster- 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 19 

reichischen (10 Wiener), 7 russländischen, 3 schwedischen, 11 schweize- 
rischen, 2 siebenbürgischen, 3 ungarischen, zusammen 209 ausserschle- 
si sehen (hierunter 28 neu) Vereinen, Behörden und Instituten. 

Besonders zahlreich und werthvoll war die Zusendung der „Magyar 
Tudomänyos Academia" zu Pest. Zu bedauern als ein bedeutender Verlust 
für den freien Austausch der wissenschaftlichen Arbeitfrüchte ist es jedoch, 
dass immer weiter die Abfassung wissenschaftlicher Arbeiten ausschliess- 
lich in den betreffenden Landessprachen in Uebung tritt. Das fremde 
Idiom verschliesst die Früchte für die Weltbenutzung. Denn ausser den 
in Europa herrschenden Sprachen sich auch noch aller Seitenzweige zu 
bemächtigen, ist für den Gelehrten, wenn er nicht das Sprachgenie eines 
Mezzofanti zur Verwendung neben seinen anderweiten Berufsarbeiten 
mitbringt, unausführbar. 

Es sandten ein: 

A. Bei der schlesischen Bibliothek. 

a. Behörden, Institute, Vereine. * :: ) 

Das königl. Oberbergamt 2 Stücke, der Verein für Geschichte und 
Alterthum Schlesiens 4, der Verein für das schles. Alterthümer-Museum 2, 
der Verein für Geschichte der bildenden Künste 1, der schlesische Kunst- 
verein 1, die Handelskammer 2, der Breslauer Gewerbeverein 4, der 
schlesische Forstverein 1, der kaufmännische Verein 1, der Centralverein 
für Gärtner und Gartenfreunde 5, die Universität 89, das Matthias-Gym- 
nasium 1, das Magdalenen-Gymnasium 1, das jüdisch-theologische Seminar 
FränkeFscher Stiftung 3, die Realschule I. (am Zwinger) 1, die städt. 
höhere Töchterschule I. 1, die städtische höhere Töchterschule II. 1, die 
Lindner'sche höhere Mädchenschule 1, die Blinden-Erziehungsanstalt 1 — 
sämmtlich zu Breslau; — die ökonomisch-patriotische Societät des Fürsten- 
thums Schweidnitz-Jauer zu Jauer 1, der Gewerbe- und Gartenbau-Verein 
zu Grünberg 3, die Philomathieen zu Neisse, Oels, Reichenbach je 1, die 
Gymnasien: zu "Bunzlau 11, "Glatz 2, Hirschberg 1, Leobschütz 1, Neisse 
(kgl. kathol.) 2, Oppeln 1, Gross-Strehlitz (Progymnas.) 1, Waidenburg 
1, die Ritter- Akademie zu Liegnitz 1; die Real- und höheren Bürger- 
schulen: zu Guhrau 1, Kreuzburg 1, Landeshut 4, Neisse 1, Neustadt O.-S. 
4, Sprottau 1, "Striegau 1; die landwirthschaftl. Akademie zu Proskau 4 ; 
die Provinzial-Gewerbeschulen zu Liegnitz 1, Schweidnitz 3; das Cura- 
torium der * Muster-Webe- und Fabrikantenschule zu Grünberg 24. 

1). Einzelne Geschenkgeber. 

Die Buchhandlung Aderholz 1, die Herren Gymnasial-Director Prof. 
Dr. Fickert 4, Antiquar Finkenstein 1, Buchdruckereibesitzer Leopold 
Freund 2, Geh. Medicinal-Rath Professor Dr. Göppert 9, Graf J. A. von 
Hoverden - Plencken 1, Buchhändler Jacobsohn 2, Lehrer Klimke in 
Frankenthal bei Neumarkt 13, Kaufmann F. W. Kramer 16, Hofrath 



^) Die mit einem * bezeichneten sind neu hinzugetreten. 

2* 



20 Jahres-Bericht 

Krätzig in Brieg 3, Lehrer Kretschmer in Woitsdorf bei Brockendorf 3, 
Prorector a. D. Dr. Krügermann in Hirschberg 2, Kaufmann Lasswitz 12, 
Redacteur Berthold Lessenthin 4, Geheimer Sanitätsrath Dr. Martini in 
Leubus 2, Buchhändler Josef Max 2, Redacteur Th. Oelsner 783, 
Professor Palm 1, Antiquar Peuckert 15, Fräulein Marie Rambach 1, 
die Herren Castellan Reisler 13, Buchhändler Skutsch 5, Postcommissar 
R. Schuck in Danzig 21, Antiquar R. Stett 1, die Redaction der Schle- 
sischen Zeitung 2. 

Gekauft wurden 12 Nummern in 196 Bänden, Heften oder Blättern. 

Eingetauscht wurden 7 Nummern in 223 Bänden, Heften oder 
Blättern. 



B. Bei der allgemeinen Bibliothek. 

a. Behörden, Institute, Vereine etc. *) 

Der historische Verein von Mittelfranken zu Ansbach 1, der histor. 
Verein von Unterfranken zu Aschaffenburg und Würzburg 1, die 
schwäbisch -bayrische Gartenbau-Gesellschaft zu Augsburg 2, "der histor. 
Kreisverein im Regierungs-Bezirk Schwaben und Neuburg zu Augsburg 1, 
der Gewerbe- Verena der Stadt Bamberg 2, der histor. Verein zu Bam- 
berg 1, die naturforschende Gesellschaft zu Bamberg 1, die historische 
Gesellschaft zu Basel 1, die naturforschende Gesellschaft zu Basel 1, der 
historische Verein von Oberfranken zu Bayreuth 3, das Curatorium des 
deutschen Reichs- und preussischen Staats-Anzeigers zu Berlin 2, die kgl. 
preussische Akademie der Wissenschaften zu Berlin 13, die Universität 
zu Berlin 7, die Gesellschaft naturforschender Freunde zu Berlin 1, die 
deutsche geologische Gesellschaft zu Berlin 4, die juristische Gesellschaft 
zu Berlin 1, der Verein für Siegel- und Wappenkunde zu Berlin 10, der 
Verein zur Beförderung des Gartenbaues in den preussischen Staaten zu 
Berlin 1, die Gesellschaft für Heilkunde (medicinische Gesellschaft) zu 
Berlin 3, das Landes -Oeconomie-Collegium 8, der landwirtschaftliche 
Provinzial- Verein für die Mark Brandenburg und die Niederlausitz zu 
Berlin 4, die naturforschende Gesellschaft zu Bern 2, die Academia delle 
scienze delV Instituto zu Bologna 4, der landwirtschaftliche Verein von 
Rheinpreussen zu Bonn 3, der naturwissenschaftliche Verein der preuss. 
Rheinlande und Westphalens zu Bonn 3, die Universität zu Bonn 59, 
"der Verband der rheinischen Gartenbauvereine zu Bonn 1, die Societe 
des sciences physiques ei naturelles zu Bordeaux 4, der Verein für Land- 
und Forstwirtschaft zu Braunschweig, und zwar dessen Gartenbausection 
4, Obstbausection 4, """der landwirtschaftliche Centralverein des Herzog- 
tums Braunschweig daselbst 12, der naturw. Verein zu Bremen 2, der 
landwirtschaftliche Verein für das Bremer Gebiet 2, das Institut für 
Heilgymnastik zu Bremen 1, der naturforschende Verein zu Brunn 1, 
die Gesellschaft zur Beförderung des Ackerbaues, der Natur- und Landes- 
kunde zu Brunn 5, deren Obst-, Wein- und Gartenbau-Section 12, die 
Academie royale de medecine de Belgique zu Brüssel 13, *die Societe palaeo- 
logique de Belgique zu Brüssel 1, das Geological Survey Office of India zu 
Calcutta 5, das Museum of comparative Zoologie zu Cambridge (Amerika) 3, 



*) Die mit einem * bezeichneten sind neu hinzugetreten. 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 21 

der erzgebirgische Gartenbau -Verein zu Chemnitz 2, die Societe imp. des 
sciences naturelles zu Cherbourg 3, die Videnskabernes Selskabet zu 
Christiania 8, das Institut meteorologique de Norvege daselbst 1 nebst einem 
Atlas, die naturforschende Gesellschaft in Graubündten zu Chur 1, die 
Direction der Gärtner- Lehr -Anstalt zu Cöthen 12, die naturforschende 
Gesellschaft zu Danzig 1, der Verein für Erdkunde und mittelrheinische 
geologische Verein und die grossherzoglich hessische Centralstelle für 
Landesstatistik 1, der historische Verein für Grossherzogthum Hessen zu 
Darmstadt 1, "der Gartenbau -Verein zu Darmstadt 1, der Verein für 
Geschichte und Naturgeschichte der Baar und angrenzenden Landestheile 
zu Donaueschingen 1, die gelehrte esthnische Gesellschaft zu Dorpat 4, 
* die Societe royale des Sciences zu Drontheim 1, das kgl. sächs. statistische 
Bureau zu Dresden 13, die naturwissenschaftliche Gesellschaft „Isis" zu 
Dresden 3, die photographische Gesellschaft „Helios" zu Dresden 8, die 
ökonomische Gesellschaft im Königreich Sachsen zu Dresden 3, *die Gesell- 
schaft für Natur- und Heilkunde zu Dresden 10, ""'die Gesellschaft „Flora" 
für Botanik und Gartenbau im Königreich Sachsen zu Dresden 2, der natur- 
wissenschaftliche Verein der Rheinpfalz „Pollichia" zu Dürkheim 1, der bal- 
tische Centralverein zu Eldena3, die naturforschende Gesellschaft zu Emden 1, 
der Verein für Geschichte und Alterthumskunde zu Erfurt 1, die physi- 
kalisch-medicinische Societät zu Erlangen 1, die Universität zu Erlangen 
23, die Soc. geogrqfica Italiana zu Florenz 1, der physikalische Verein 
zu Frankfurt a. M. 2, die Senckenbergische naturforschende Gesellschaft 
zu Frankfurt a. M. 1, der Verein für Geschichte und Alterthumskunde 
zu Frankfurt am M. 3, die Gartenbaugesellschaft „Flora" daselbst 2, der 
landwirthsch. Centralverein zu Frankfurt a. d. 0. 1, *die schweizerische 
naturforschende Gesellschaft zu Frauenfeld 1, der Alterthum - Verein zu 
Freiberg 1, der Gewerbe- Verein zu Freiberg 3, die Universität zu Frei- 
burg i. B. 15, die naturforschende Gesellschaft zu Freiburg i. B. 1, der 
historische Verein zu St. Gallen 2, die naturwissenschaftliche Gesell- 
schaft zu St. Gallen 1, die Societe d'histoire et oVarcheologie zu Genf 
1, *die Societä di letture e conversazioni scientißche zu Genua 4, die 
oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften zu Görlitz 3, die natur- 
forschende Gesellschaft zu Görlitz 1, der Gartenbauverein daselbst 
4, die königl. Gesellschaft der Wissenschaften und Georg-August-Uni- 
versität in Göttingen 1, der naturwissenschaftliche Verein in Steiermark 
zu Gratz 1, der historische Verein für Steiermark zu Gratz 1, der aka- 
demische Leseverein der Universität und landwirtschaftlich - technischen 
Hochschule zu Gratz 1, *der k. k. steiermärkische Gartenbau- Verein da- 
selbst 1, der Verein für Naturwissenschaft zu Halle 1, der naturwissen- 
schaftliche Verein für Thüringen und Sachsen zu Halle 6, "der Congress 
von Gärtnern, Gartenfreunden und Botanikern zu Hamburg 1, der histor. 
Verein für Niedersachsen zu Hannover 2, die naturhistorische Gesellschaft 
zu Hannover 1, die polytechnische Schule zu Hannover 1, die Societe 
Hollandaise des sciences zu Harlem 5, der naturhistorisch - medicinische 
Verein zu Heidelberg 2, die Sällskapet pro Fauna et Flora Fennica zu 
Helsingfors 2, der siebenbürgische Verein für Naturwissenschaft zu 
Hermannstadt 2, die Universität zu Jena 33, der Verein für thüringische 
Geschichte und Alterthumskunde zu Jena 1, das Ferdinandeum für Tyrol 
und Vorarlberg zu Innsbruck 1, der naturwissenschaftlich - medicinische 
Verein zu Innsbruck 2, die k. k. Landwirthschaftsgesellschaft für Tyrol 



22 Jahres-Bericht 

zu Innsbruck 1, *der landwirthschaftliche Central-Ausschuss für Tyrol, 
Gartenbauverein in Bozen und landwirthschaftliche Bezirksverein zu 
Innsbruck 2, der Verband der rheinischen Gartenbau -Vereine zu Karls- 
ruhe 10, der Verein für Naturkunde zu Kassel 1, *der Gartenbau verein 
zu Kassel 1, die Universität zu Kiel 1, die Gesellschaft für die Geschichte 
der Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg zu Kiel 3, die 
schleswig-holstein-lauenburgische Gesellschaft zur Erforschung vaterlän- 
discher Alterthümer zu Kiel 7, der Garten bau- Verein in Schleswig- 
Holstein zu Kiel 12, das naturhistorische Landesmuseum in Kärnthen 
zu Klagenfurt 1, die Universität zu Königsberg i. Pr. 8, die ostpreussische 
landwirthschaftliche Centralstelle zu Königsberg und der Hauptverein der 
westpreussischen Landwirthe zu Danzig 2, die königl. physikalisch - öko- 
nomische Gesellschaft zu Königsberg 2, die kongelige Danske Videnskabernes 
Selskab zu Kopenhagen 5, die kongelige nordisk Oldskrift Selskab zu Kopen- 
hagen 6, die Universität zu Kopenhagen 9, der botanische Verein zu 
Landeshut (Bayern) 1, die nederlandsche botan. Vereniging zu Leiden 1, die 
Matschapij der nederlandsche Letterkunde zu Leiden 3, die polytechnische 
Gesellschaft zu Leipzig 7, die kgl. sächsische Gesellschaft der Wissen- 
schaften zu Leipzig 7, das landwirthschaftliche Maximilians - Institut zu 
Lichtenhof bei Nürnberg 2, das Museum Francisco -Carolinum zu Linz 1, 
"die Realschule I, Ordnung zu Lippstadt 1, die Royal Society zu London 
11, das Institut royal grand-ducal, section des sciences nat. et math. zu 
Luxemburg 1, die section historique desselben 1, der Acker- und Garten- 
bau-Verein im Grossherzogthum Luxemburg 2, die Societe Linneenne zu 
Lyon 1, der naturwissenschaftliche Verein zu Magdeburg 2, das Reale 
Instituto Lombardo dl science e lettere zu Mailand 31, die Societä Italiana 
di science naturali zu Mailand 8, die Universität zu Marburg 26, der 
Verein für Pomologie und Gartenbau zu Meiningen 1, die *Societä dei 
naturalisti zu Modena 1, die Societe imperiale de naturalistes zu Moskau 4, 
die Societe imp. oVagriculture zu Moskau 8, die königl. bayerische Aka- 
demie der Wissenschaften zu München 17, der landwirthschaftliche Verein 
in Bayern und agriculturchemische Versuchsstation zu München 3, der 
Verein für Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg zu Neu- 
Brandenburg 1, das Germanische Museum zu Nürnberg 12, die natur- 
historische Gesellschaft zu Nürnberg 1, "der Gartenbauverein daselbst 1, 
der Verein für Naturkunde zu Offenbach 2, "die County Society of natural 
sciences zu N.- Orleans 2, '""der naturwissenschaftliche Verein zu Osna- 
brück 1 , der kgl. ungarische naturwissenschaftliche Verein zu Pest 9, die 
Magyar Tudomänyos Academia zu Pest 40, die Academie imperiale de 
sciences zu Petersburg 8, die kaiserl. russische geographische Gesellschaft 
(Societe imp. geographique de Russie) zu Petersburg 7, die Wein- u. Garten- 
bau- Gesellsch. zu Peter ward ein 1, die Academy of sciences zu Philadelphia 
4, '""das Board of public education for skooldistrict of Pennsylvania zu Phila- 
delphia 1, *die Philosophical Institution daselbst 1, die patriotisch - öko- 
nomische Gesellschaft im Königreich Böhmen zu Prag 1, der natur- 
historische Verein „Lotos u zu Prag 1, "der akademische Leseverein zu 
Prag 1, der Verein für Naturkunde zu Pressburg 2, der zoologisch-mineral. 
Verein zu Regensburg 1, der historische Verein von Oberpfalz und Regens- 
burg zu Regensburg 1, der esthländische Gartenbau-Verein zu Reval 3, das 
pomologische Institut zu Ringelheim 2, die Universität Rostock 57, der 
mecklenburgische patriotische Verein zu Rostock 1, die Gesellschaft für 
salzburgische Landeskunde zu Salzburg 3, der Verein für mecklenburgische 



der Schlcs. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 23 

Geschichte und Alterthumskunde zu Schwerin 1, der Verein zur Beförde- 
rung der Landwirtschaft zu Sondershausen 2, der provinzial-landwirth- 
schaftliche Verein zu Stade 2, der Entomologen-Verein zu Stettin 2, die 
polytechnische Gesellschaft daselbst 2, "der Gartenbau- Verein daselbst 
1, die Kongl. Vetenskaps - Äcademien (Ac. Roy. Sueduoise des sciences) zu 
Stockholm 18, das Bureau de la recherche geologique de la Suede zu Stock- 
holm 5, nebst 4 Karten, der württembergische ärztliche Verein zu Stutt- 
gart 1, die polytechnische Schule zu Stuttgart 2, das königl. statistisch- 
topographische Bureau zu Stuttgart 22, die Gesellschaft für nützliche 
Forschungen zu Trier \, die Societä agraria zu Triest 4, '""die Societä 
zoofila daselbst 1, "die Stazione sperimentale agraria zu Udine 1, "das 
Reale Instituto teccnico zu Udine 4, der Verein für Kunst und Alterthum 
in Ulm und Oberschwaben zu Ulm 1, die Societas regia scientiarum zu 
Upsala 1, die Universität zu Utrecht 17, das Ateneo Veneto zu Venedig 
3, das Instituto Veneto di science, lettere ed arti zu Venedig 12, die Smith- 
sonian Institution zu Washington 3, das Departement of agriculture of N.-Am. 
zu Washington 2, das War-Departement, surgeon general office zu Washington 7, 
'"'das Board of trustees of public schools of the City zu Washington 1, der 
Harzverein für Geschichte und Alterthumskunde zu Wernigerode 3, die 
k. k. Akademie der Wissenschaften zu Wien 21, die k. k. geologische 
Reichs- Anstalt zu Wien 15, die geographische Gesellschaft zu Wien 1, 
die Universität zu Wien 11, die Centralstelle für Meteorologie und Erd- 
magnetismus zu Wien 1, die anthropologische Gesellschaft zu Wien 4, 
die zoologisch-botanische Gesellschaft zu Wien 4, der Alterthumsverein 
zu Wien 1, der akademische Leseverein (Lesehalle) zu Wien 1, die k. k. 
Gartenbau- Gesellschaft daselbst 3, der nassauische Verein für Naturkunde 
zu Wiesbaden 1, der polytechnische Central verein zu Würzburg 10, der 
fränkische Gartenbauverein zu Würzburg 1, die physikalisch-medicinische 
Gesellschaft zu Würzburg 6, der oberlausitzische Obstbau - Verein zu 
Zittau 2, die naturforschende Gesellschaft zu Zürich 8, die antiquarische 
Gesellschaft zu Zürich 1, die Universität zu Zürich 35. 

b. Einzelne Geschenkgeber. 
Die Herren Dr. Alphonse Amussat in Paris 27, Geh. Medic. -Rath 
Prof. Dr. Barkow 2, Dr. Ludw. Bauer in Darmstadt 1, Dr. H. W. 
Berendt in Berlin 1, Prof. Dr. Ferd. Cohn 1, Privatdoc. Dr. Herrn. Cohn 
1, Geh. Ober- Hofbuchdrucker Decker in Berlin 1, Prof. Dr. v. Ehren- 
berg in Berlin 2, Kreisger. - Rath a. D. Fischer 2, Generalconsul a. D. 
Dr. Flügel in Leipzig 4, Stabsarzt Dr. Fräntzel in Berlin 1, Georg Ritter 
von Frauenfeld in Wien 4, Prof. Dr. Geinitz in Dresden 1, Geh. Med.- 
Rath Prof. Dr. Göppert 12, Dr. med. Heller 1, Apotheker Hensel 8, 
Buchhändler Jacobsonn 1, Gymnasial-Director Prof. Dr. Kämmel in Zittau 
1, Pastor Kawall in Pussen bei Riga 2, Prof. Dr. Kenngott in Zürich 2, 
Lehrer Klimke in Frankenthal bei Neumarkt 1, Kaufmann F. W. Kramer 
(Namens der Sasse'schen Erben) 507, verw. Frau Dr. Krause 82, die 
Herren Oekon.-Commiss. Redacteur A. Krocker in Berlin 1, Dr. Friedr. 
Leitschuch in Würzburg 1, Buchhändler List & Franke in Leipzig 1, 
Geh. Sanitätsrath Dr. Martini zu Leubus 88, Dr. Aug. Mosbach 1, Ver- 
ags-Bucbhändler Max Müller (in Firma U. Kern) 2, Redact. Th. Oelsner 
40, Prof. Dr. Orth in Berlin 1, Kaufmann E. Schindler 2, Geh. Regier.- 
Rath Director Dr. Settegast in Proskau 1, Redacteur Dr. W. Sklarek in 
Berlin 14, Bureau-Chef Rud. Temple in Pest 4, Geh. Regierungsrath von 



24 Jahres-Bericht 

Tettau in Erfurt 1, Prof. Dr. Tschermak in Wien 1, Botaniker v. Uechtritz 
6, Professor Dr. M. Wilkens in Rostock 1, Superintend. a. D. 0. Wolff 2 
und das Etablissement horticole des freres Simon- Louis zu Plantieres bei 
Metz 1. 

Gekauft wurden 39 Nrn. in 400 Bänden oder Heften. 
Eingetauscht wurden 2 Nrn. in ebensoviel Bänden. 

C. Die Sammlungen der Gesellschaft 

erhielten Zuwachs, ausser den bei den Schriften bereits erwähnten 
Atlanten und Karten, durch 5 Abbildungen und 2 Karten von Herrn 
Apotheker Hensel, 16 Atlanten und Kartenhefte, 11 Karten, 227 Blatt 
Tabellen, Pläne, Ansichten und andere Bilder von Herrn Kaufmann 
F. W. Kram er, 4 Photographieen von in Schlesien gefundenen Gletscher- 
schliffen von Herrn Prof. Dr. Orth in Berlin, 1 Blatt Carricaturen aus dem 
Jahre 1813 von Herrn Antiquar Stett, 81 Blatt Abbildungen (schlesische 
und ausserschlesische Ansichten und Portraits etc.) von verw. Frau 
Weitzner, 1 vorgefundene Lithographie und durch Ankauf zweier kleinen 
v. Grossmann' sehen Breslauer Ansichten unter Glas und Rahmen. 

Th. Oelsner. 



Bericht des Conservators der naturwissenschaftlichen Sammlungen 
der Schlesischen Gesellschaft für vaterländische Cultur für 

das Jahr 1872. 

Seit einem Jahre habe ich die Ehre, als Custos der genannten 
Sammlungen zu fungiren. Da ich beim Antritt dieses meines Amtes 
über die reichhaltigen Schätze der botanischen Sammlungen kein de- 
taillirtes Inventar derselben vorfand und übrigens der verstorbene Custos 
Milde zunächst nur darauf zu sehen hatte, das Material des grossen 
„HenscheFschen Herbars" und des „Schlesischen Herbars" nach dem 
Endlicher'schen System, sowie auch die vorhandenen grösseren krypto- 
gamischen Sammlungen systematisch zu ordnen, was ihm auch in Folge 
anerkennungswerther Thätigkeit gelungen ist, so drängte sich mir 
als das nächste Object meiner Thätigkeit die vollständige In- 
ventarisirung der vorhandenen botanischen Sammlungen bis in 
das kleinste Detail notwendigerweise auf. Diese mühevolle Arbeit 
hat das ganze Jahr in Anspruch genommen und bin ich mit derselben 
erst im Laufe dieses Monates fertig geworden. Ich habe die Ehre, bei- 
liegend das genaue Verzeichniss sämmtlicher im Besitz der Schlesischen 
Gesellschaft befindlichen botanischen Sammlungen Einem Hochlöblichen 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 25 

Präsidfium mit der ergebensten Bitte zu überreichen, von diesem Ver- 
zeichniss etwa 200 Separatabdrücke genehmigen zu wollen, damit 
dieselben an die Botaniker des In- und Auslandes zur Kenntnissnahme 
und event. Benutzung der Sammlungen übersandt werden können. 

Als Geschenke eingegangen resp. durch Kauf erworben waren wäh- 
rend des laufenden Jahres: 

Milde's Herbar der Schlesischen Gefässkryptogamen mit dazu 
gehörigem Schrank (cf. Nr. 34 des Verzeichnisses). 

v. Uechtritz, 2 Pakete schlesischer Flechten (cf. Nr. 70). 

Pfeiffer, Nomenciator botanicus I, 1. 2. 

R a b e n h o r s t , Lichenes Europaei fasc. XXXIV. 

Rabenhorst, Algen Europas. Decade 227 — 231. 

Rabenhorst, Index in Hepat. Europ. exsicc. Dec. 1 — 55 und 
Index in Bryothec. Europ. fasc. 1—24 (Nr. 1 — 1200). 

Apotheker Vigener in St. Tonis bei Crefeld, seltene deutsche 
Pflanzen. 

Dr. Schröter in Rastadt, seltene (theils neue) Pilze. 

Für die geordneten entomologischen, mineralogischen und physika- 
lischen Sammlungen der Gesellschaft ist ein Inventar vorhanden und ist 
auch sonst über dieselben nichts Neues zu berichten. 

Breslau, den 20. December 1872. 

G. W. Körber. 



Yerzeichniss 

der botanischen Sammlungen der Schlesischen G-esellschaft 
für vaterländische Cultur. 

(December 1872.) 
Angefertigt vom Conservator der Sammlungen Prof. Dr. Körb er. 

Nr. 1* Graf v. Mattuschka (f 1779) Herbarium schlesischer 
Pflanzen, nach dem Linne'schen System geordnet und die 
Belege enthaltend zu seiner Flora Silesiaca (1776) und Enume- 
ratio stirpium in Silesia sponte crescentium (1779). 
„ 2. A. J. Krocker (f 1823), Herbarium schlesischer Pflan- 
zen, nach dem Linn6'schen System geordnet. Liefert die 
Belege zu Krocker's: Flora Silesiaca renovata (1787, 1790, 
1814), die bis zur 23. Klasse 1823 Nummern umfasst. 1823 



» 



»J 



26 Jahresbericht 

gab K. noch 2 Supplementbände zu dieser Flora heraus, 
worin bis zur 19. Klasse incl. noch 780 Pflanzen auf- 
geführt sind. 

Nr. 3. v. Mückusch (f 1830, k. k. Hauptmann in Troppau), Forst- 
gewächse aus Oester reich -Schlesien. In 24 Paketen. 

Geschenk von ihm. Aufbewahrt im Schrank des Krocker- 
schen Herbars. 

4. Das Starke' sehe Her bar, nach dem Linne'schen System ge- 
ordnet, einen besonderen Schrank ausfüllend, sehr gut erhalten. 
(Starke, Pastor zu Gr.-.Tschirnau bei Guhrau, -j- 1808.) 

5. Das grosse Henschel'sche Herbarium. Geschenk des 
1856 verstorbenen Prof. Dr. Henschel in Breslau. Aeusserst 
werthvoll. Enthält: 

A. Phanerogamen 614 dicke Pakete, geordnet nach 
Endlicher's Enchiridion. 

B. Kryptogamen 124 Pakete, und zwar: 

22 Pakete mit Gefäss-Kryptogamen, 

23 „ „ Laub- und Lebermoosen, 

24 „ „ Flechten, 
37 „ „ Algen und Charoceen (darunter in 

mehreren Paketen eine Formensuite des Sphaero- 
coecus crispus), 
18 Pakete mit Pilzen. 

Sämmtliche Pflanzen des Phanerogamenherbars sind durch 
Sublimat vergiftet und so auf viele Jahre hin gegen Insecten- 
frass geschützt. Der Hauptwerth dieses kostbaren Herbars 
besteht in den exotischen Gewächsen, zu deren Beschaffung 
aus den käuflichen Sammlungen aller namhaften Reisebotaniker 
der verstorbene Henschel beträchtliche Kapitalien verwendete. 
Henschel selbst hatte das vorliegende Herbar in zwei be- 
sondere Herbarien getheilt, von denen das eine nach einem von 
ihm selbst abgefassten systematischen Entwürfe, das andere 
(grössere) alphabetisch nach den Gattungen geordnet war. 
Durch Milde's jahrelange Arbeiten sind beide Herbarien in 
eins verschmolzen und, den Bedürfnissen der Neuzeit ent- 
sprechend, nach Endlicher geordnet und äusserlich durch zweck- 
mässige Etiquettirung und Numerirung für den Gebrauch be- 
quem gemacht worden. — Einverleibt ist diesem grossen 
Herbarium Henschelianum ein reichhaltiges Herbarium der ge- 
sammten Flora Deutschlands, welches der verst. Dr. med. 
Scholtz (der Verfasser der Flora von Breslau) einst der 
Schlesischen Gesellschaft schenkte. 

Zum Henschel'schen Herbar in unmittelbarer Beziehung 
stehend, zum Theil auch einen integrirenden Theil des Ursprung 
liehen Vermächtnisses ausmachend, gleichwohl aber wegen 
äusserer Rücksichten dem Herb. Henschelianum nicht einver- 
leibt, sind die in den folgenden Nummern 6 — 23 incl. auf- 
gezählten Sachen. 

6. Terminologisches Herbarium, von Henschel (wie Nr. 7 
und 8 wohl zum Zwecke seiner Vorlesungen) angelegt und 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultnr. 27 

neben getrockneten Pflanzentheilen zur Erläuterung der Ter- 
minologie auch massenhaft Zeichnungen enthaltend. — Mehrere 
Pakete in blauen Umschlägen in 5 grosse Volumina gebunden. 
Nr. 7. Iconographisches Herbarium der Gattungen der Gefäss- 
Kryptogamen, enthaltend sehr instructive lithographische 
Abbildungen und Federzeichnungen. Ein aus mehreren Con- 
voluten bestehendes Paket in gross Fol. 
Pharmacognostisches Herbarium in 4 grossen Paketen. 

Hybride Nicotianae. Beläge zu HenscheFs Studien über das 
Geschlecht der Pflanzen. Mehrere Voll, in 7 gesonderten 
Paketen. 

1 Paket unbestimmte exotische Phanerogamen. 

1 Paket Zeichnungen zur Pflanzenanatomie. 

1 Paket Zeichnungen zur Familie der Farne. 

1 Paket unbestimmte Planta e Poeppigianae. 

1 Paket bestimmter Pflanzen, deren Gattungsnamen aber 
nicht in Endlicher's Enchiridion stehen. 

1 Paket unbestimmter Ecklon' scher Pflanzen. 

1 Paket Plantae officinales. 

1 Paket unbestimmter Myrtaceae, 47 Spec. enthaltend. 

1 Paket Beläge und Zeichnungen zur Morphologie der Weiden- 
S t au bge fasse. 

Zo Hing er, Plantae Iavankae. Ein grosses Paket in Royal-Folio. 

1 Paket mit allerhand Kryptogamen. 

4 Pakete in starken grünen Papphüllen, enthaltend bestimmte 
Phanerogamen ohne Standortsangabe. 

1 Paket Seh omburgk' sehe exotische Pflanzen. Nume- 
rirt, aber ohne Namen. 

Sieber & Labillardiere, Plantae Novae Hollandiae ignotae. 
Sehr dickes Paket. 

Herbarium Silesiacum phanerogamicum in 161 Paketen, 
deren Inhalt nach dem Endlicher'schen System geordnet. 

Im besonderen besteht dies Herbar aus den Einzelherbarien 
der verstorbenen Schlesischen Botaniker Apotheker Krause und 
Musikdirector Siegert (z. Th. auch Grabowski und Wichura) 
sowie aus dem von dem sogen, „jüngeren botanischen Vereine" 
(v.Uechtritz, Stein, Fritze, Junger, Kabath, Limpricht, Schwarzer, 
Sadebeck, Langner, Engler, Zimmermann, Hausknecht, Schulze) 
gesammelten und vor einigen Jahren der Gesellschaft ge- 
schenkten Herbar. Werthvoll, weil namentlich auch diejenigen 
Pflanzen enthaltend, welche nach der letzten Ausgabe der 
Wimmer'schen Flora in Schlesien neu entdeckt worden sind. 

Als Appendices zu diesem Herb. Silesiacum können die 
nachfolgenden Nummern 25 — 31 incl. betrachtet werden. 

„ 25. 1 Paket unbestimmter Schlesischer Phanerogamen aus dem 
Siegert' sehen Herbar. 

„ 26. Moritz Wink ler. Fabrikdirector in Giessmannsdorf, Pflanzen 



5!» 


<_»• 


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9. 


5? 


10 


5' 


11 


55 


12 


55 


13, 


55 


14 


55 


15 


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16 


5' 


17 


J5 


18, 


55 


19 


55 


20 


55 


21 


55 


22, 


55 


23 


55 


24 



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28 


?5 


29 


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30 


5? 


31 


11 


32 



28 Jahres-Bericht 

aus der Umgegend von Neisse. 4 grosse Pakete in Stroh- 
papier. 

Nr. 27. Wimmer et Krause, Herbarium Salicum. Sammlung getrock- 
neter Weiden -Arten, Abarten und Bastarde, zunächst aus 
Schlesien. VIII Dodecaden in 7 in Pappe gebundenen Heften 
in Fol. Schliesst mit dem Jahre 1854. 

Everken, Staatsanwalt in Grünberg. 1 Paket Phanerogamen 
aus der Gegend von Sag an. 

1 Paket bestimmter Seh lesisch er Pflanzen, gesammelt 

vom jüngeren botanischen Vereine. 
13 Pakete bestimmter Schlesischer Pflanzen. 
7 Pakete unbestimmter (meist Schlesischer) Pflanzen. 

Allgemeines Herbarium, aus allerhand zusammengelegten 
deutschen und ausserdeutschen Pflanzen (darunter auch Flech- 
ten und Pilze) bestehend und vorläufig nach natürlichen Fa- 
milien geordnet. In 3 verschiedenen Schränken in Zimmer II. 
und III. untergebracht. 

(Das Gute aus diesem Herbar auszuscheiden, um es event. 
dem Herb. Henschelianum oder Herb. Silesiacum einzuverleiben, 
wird ein Gegenstand nächster Arbeit sein.) 

„ 33. Günther und Schummel (später auch unter Mitwirkung von 
Grabowski und Wimmer), Centurien Schlesischer 
Pflanzen. 22 Pakete (die ersten 3 Centurien befinden sich 
gegenwärtig noch im 2. Schrank des Krocker'schen Herbars). 
Bekanntlich Hauptgrundlage der Phanrogamenflora Schlesiens. 

„ 34. Prof. Dr. Milde (f 1871), vollständiges Herbar der Schle- 
sischen Gefäss - Kryptogamen. Aus dem Milde'schen 
Nachlass sammt dem dazu gehörigen Schrank käuflich erwor- 
ben. (Scheint das Haupt- und Handherbar Milde's gewesen 
zu sein und finden sich deshalb darunter auch eine grosse 
Menge ausserschlesischer Exemplare mit den betreffenden 
Originaletiquetten, Bemerkungen von A. Braun u. A.) 

„ 35. Herbarium deutscher Phanerogamen in mehr als 30 
Paketen. (Ist das Geschenk eines verstorbenen Goldarbeiter 
Böttcher.) 

„ 36. Fusz, Herbarium normale Florae Transsylvanicae. 
6 Centurien in 6 dicken Paketen. 

„ 37. Erbario Crittogamo Italiano. Bis jetzt (Ende 1872) 30 
Fascikel (1500 Nummern enthaltend) in 20 Foliobänden. Von 
der Schles. Gesellschaft angekauft. 

Dazu gehört: Commentario della Societa Grittogamologka 
Italiana. 5 brochirte Bändchen in gr. 8. 
A. Braun, Rabenhorst und Stitzenberger, die Cha- 
raeeen Europas in getrockneten Exemplaren. Fase. I u. II 
(Nr. 26—50). Dresden 1859. Fol. 

Rabenhorst, Cryptogamae vasculares Europaeae. 

Fase. 1—3. Dresden 1858—60. Fol. 
Rabenhorst, Bryotheca Europaea. Die Laubmoose 



5) 


38 


?) 


39 


5) 


40 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 29 

Europas, unter Mitwirkung mehrerer Freunde der Botanik 
gesammelt und herausgegeben. Fase. I— X (500 Nummern 
enthaltend). Dresden 1858—1862. 
Nr. 41. Rabenhorst, Hepaticae Europaeae. Die Lebermoose 
Europas etc. Decade 1—22 (in 11 Heften), 25—28 und 38—41 
(zusammen in 4 Heften). [Wie die anderen Sammlungen 
Rabenhorst's ein Geschenk desselben an die Gesellschaft, 
wobei aber leider die Lieferungen nicht immer regelmässig 
eingegangen sind, daher die Lücken.] 

„ 42. Rabenhorst, Lichenes Europaei exsiccati. Die Flechten 
Europas etc. Fase. I— XXXIV. 1855—1872. [Fase. XIII und 
XIV fehlen, weil nicht eingegangen.] 

„ 43. Rabenhorst, Cladoniae Europaeae. Die Cladonien Europas 
etc. 39 Arten auf 39 Tafeln, nebst beschreibendem Text, 
in grauem Pappcarton. Dresden 1860. 

,, 44. Rabenhorst, die ßacillarien Sachsens. Fase. I — VII. 
1849-52. 

„ 45. Raben hörst, die Algen Sachsens resp. Mitteleuropas. 
Decade 1—100. [Decade 5 fehlt.] 

„ 46. Rabenhorst, die Algen Europas. (Als Fortsetzung der 
Algen Sachsens, welche 100 Decaden umfassen; deshalb von 
da fortgezählt:) Dec. 101—228 bis April 1872. 

[Es fehlen leider in dieser sehr werthvollen Sammlung: 
Dec. 101—104, 117—122, 139 — 142, 166—173, 179—182, 
'211 — 214. Dagegen sind doppelt vorhanden: Dec. 147, 
148, 183—186. — Die Decaden 161 — 163, 174 — 176, 
187 — 189 und 198—200 sind in kl. Fol. herausgegeben, weil 
sie Meeresalgen enthalten.] 
47. Rabenhorst, Klotzschii Herbarium vivum mycologicum 
sistens fungorum per totam Germaniam crescentium collectionem 
perfeetam. Centuria XX. Dresden 1858 (Nr. 1901—2000). 

[Mehr als diese eine Centurie ist nicht vorhanden.] 
Rabenhorst, Klotzschii Herb. viv. mycolog. etc. Editio nova. 

Centur. I— VIII. Dresden 1855—1858. 
R a b e n h o r s t , fungi Europaei exsiccati (Klotzschii Herb, vivi 
etc. Continuatio) . Edit. nova. Series seeunda. Centur. I — V. 
(Nr. 1—500.) Dresden 1859—1862. [Centur. III fehlt.] 

v. Flotow, Schlesische Laubmoose, Lebermoose und Flechten. 
1 Paket. 

Stein, Schlesische Flechten, 2 Pakete. 

O. Sendtner, Musci frondosi Silesiae, gesammelt und mit 
eigenhändigen Bestimmungen versehen. 5 Bde. in 4. Wäh- 
rend seines Aufenthalts in Schlesien im Jahre 1835 gesammelt. 

Limpricht, Bryotheca Silesiaca. Bis Oct. 1871 VII Fase. 

Brockmüller, Mecklenburgische Kr yptogamen. 5 Fase. 
1862—1865. (Fase. 4 fehlt.) 

B. Wart mann und B. Sehen ck, Schweizerische Krypto- 
gamen. XIV Fase. 1862—69. [Es fehlen Fase. V u. VII. 



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30 Jahres -Bericht 

Einige Fascikel, wie I, III, XI etc., sind vorläufig unvollstän- 
dig, da der Schenker der Sammlung, Herr Dr. Schneider in 
Breslau, die in diesen Heften enthaltenen Pilze noch für sich 
zurückbehalten hat.] 

Nr. 56. Wichura, Phanerogamische Keimpflanzen, eigens ge- 
züchtet. (Einige sind vom Geh. Kriegsrath Winkler in Berlin 
cultivirt.) 3 Pakete. 
„ 57. Wichura, Karpathische Pflanzen. 2 Pakete. 

58. Wichura, Nordische Carices. 1 Paket. 

59. Wichura, Lappländische Phanerogamen. 3 Pakete. 

60. Wichura, Lappländische Moose. 1 Paket. 

61. Wichura, Lappländische Flechten. 1 Paket. 

62. Aus Wichura' s Herbar. Eine Partie diverser von Bartsch, 
Winkler u. A. an Wichura gesandter Pflanzen. 1 Paket. 

„ 63. Dr. Schneider, Sammlung Schlesischer Pilze auf losen 
Quartblättern, sämmtlich in einem Pappcarton enthalten. [Ge- 
schenk des Herausgebers.] 2 Pakete. 

Dr. Schneider, Schlesische Synchitria auf 46 Quartblättern. 
W. Roth, Laubmoose aus der Umgegend von Langenbielau. 
5 Tafeln auf starkem Papier. 

Herbarium Schlesischer Laubmoose in 11 Paketen. 
(Grösstentheils gesammelt von Milde, Limpricht, Wichura.) 

„ 67. Josephine Kablik's in Hohenelbe Pracht-Herbarium 
(Phanerogamen). In 2 grossen Papp-Cartons in Royal-Folio. 
Geschenk des Herrn Gottwald. 

„ 68. Herbarium der Seh lesischen Gefäss-Kryptogamen. In 
29 losen Paketen. 

„ 69. Ph. Wirt gen, Herbarium Mentharum Rhenanarum. 2. und 
3. Edit. 1 Paket in Fol. 

70. v. Uechtritz sen. et jun. 2 Pakete Schlesischer Flechten, 
darunter auch einige vom sei. Ludwig gesammelte. (Ein Paket 
enthält bloss Cladonien.) Ludwig war Gärtner bei dem be- 
rühmten Lausitzischen Gelehrten und Naturf. Herrn v. Gersdorf 3 
der in seinem Gefolge oft das Riesengebirge besuchte in Be- 
gleitung eines anderen Forschers des Riesengebirges, Raths- 
secretair Mosig in Görlitz. 

1 Paket Pflanzen aus verschiedenen Familien. (Schei- 
nen aus Reichenbach's Centurien zu stammen.) 

Loth. Becker, Pflanzen des Libanon, gesammelt 1853 (loses 
Paket). 

1 Paket unbestimmter Pflanzen. Geschenk des Consist.-Rath 
Dr. Lorinser. 

Nitschke, Prof. in Münster, 1 Paket von ihm gesammelter 
und geschenkter Pilze (Pyrenomycetes). 

Bernstein, einige wenige Pflanzen aus Java gesandt. 

Ein grosses Paket Pilze, von W. Siegmund in Reichenberg 
herausgegeben (durch den Wiener Tauschverein??). 



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der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 31 

Nr. 77. Eine Sammlung aufgeklebter Laubmoose (nach Art des Funk- 
sehen Moostaschenbuchs) in einem Kästchen in Form eines 
Buches. [Scheint von Starke zu stammen.] 

„ 78. Kny, kleine Collection von ihm gesammelter ausserschlesischer 
Phanerogamen. 1 Paket in gr. Fol. 

„ 79. 1 Paket Gartenpflanzen. 

80. 1 Paket in starker grüner Papphülle, enthaltend Pflanzen ohne 
Namen und ohne Standort. 

81. 12 Pakete bestimmte ausserschlesische Pflanzen. 

„ 82. 20 Pakete bestim m te (meist deutsche) numerirte Pflanzen. 
(Nach Endlicher geordnet und numerirt, um dem grossen 
Henschel'schen Herbar einverleibt zu werden.) 

„ 83. 3 Pakete Dubletten. 

„ 84. Schnizlein's Abbildungen von Pflanzenfamilien mit 
latein. Beschreibung. In losen Blättern. Scheint defect. (Dabei: 
Günthers Portrait in Steindruck.) 

„ 85. Die Breslausche Flora, wie sich selbte binnen 3 Jahren 
als 1713, 14, 15 theils in dehnen Gärthen kurioser Bluhmen- 
Liebhaber in und auser der Stadt, theils in Wald, Feld und 
Seen, in ihrem prächtigsten Rubin- Smaragd- Chrysolith- Purpur- 
und Atlasschmuck zur Verwunderung aufgeführt und zu deren 
preiswürdigstem Andenken nach dem Leben in möglichster 
Accuratesse, jedoch nur als ein Schattenwerk durch den 
touchirenden Pinsel M. Christiani Hampeli von Breslau zu be- 
schauen und vorgestellt worden in Breslau. 

(Grosser Folioband mit Goldschnitt, 500 colorirte Tafeln 
enthaltend. Das Werk ward 1865 durch die Schles. Gesell- 
schaft von der Wittvve eines Dr. Jahne in Breslau käuflich 
erworben. Auf der letzten Seite des Werkes berichtet dieser 
Dr. Jahne, dass das Werk in einem uralten Gewölbe in 
Probsthain bei Goldberg aufgefunden worden, welches früher 
die v. Röder'sche Familie besessen, später an Herrn v. Bock 
kam, welcher dies Werk dem Dr. J. schenkte.) 



I. 

Bericht 

über die 

Thäügkeit der naturwissenschaftlichen Section der 
Schlesischen Gesellschaft im Jahre 1872 

erstattet von 
Herrn Prof. Dr. Grube und Herrn Prof. Dr. Römer, 

zeitigen. Secretairen der Section. 



Herr Professor Dr. Galle machte in der Sitzung am 20. November 
Mittheilungen 

über den Verlauf und die Sichtbarkeits - Verhältnisse des Venus -Durch- 
ganges im Jahre 1874 und über die zur Beobachtung desselben bisher 

getroffenen Vorbereitungen. 

Unter Bezugnahme auf einen im Jahre 1866 gehaltenen Vortrag über 
die neueren Bestimmungen der Entfernung der Erde von der Sonne 
(Jahresber. der Ges. 1866) erörterte derselbe zunächst die eigenthüm- 
lichen Vorzüge der Venus- Vorübergänge vor der Sonnenscheibe zur Be- 
stimmung der Venus- und hiernach der Sonnen-Parallaxe im allgemeinen, 
und ging dann auf die von verschiedenen Standpunkten auf der Erd- 
oberfläche aus bei derartigen Erscheinungen sich zeigenden parallaktischen 
Einwirkungen über. Diese äussern sich in der Verfrühung oder Ver- 
spätung der Ein- und Austritte der Venus auf der Sonnenscheibe, in der 
verschiedenen Dauer des Vorüberganges je nach der Grösse der beschrie- 
benen Sehne, und endlich in den verschiedenen Stellungen der Venus auf 
der Sonnenscheibe überhaupt, welche durch mikrometrische Apparate zu 
messen sind. Im vorigen Jahrhundert bei den Durchgängen von 1761 
und 1769 beschränkte man sich vornehmlich auf die Beobachtungen der 
Zeiten der Ein- und Austritte und der Dauer, wozu nur ein Fernrohr und 
Bestimmung der Zeit an dem betreffenden Orte erforderlich war. Die 

3 



34 Jahres-Bericht 

erwartete Genauigkeit der Zeit-Momente des Ein- und Austrittes wurde 
nicht ganz erreicht, da die äussern Berührungen der dunkeln Venusscheibe 
am Sonnenrande an sich schwer zu erkennen sind und bei den inneren 
Berührungen wegen der Irradiation die Urtheile über das eigentliche Zeit- 
moment der wahren Berührung merklich verschieden ausfielen. Für den 
bevorstehenden Durchgang von 1874 hat mau daher in Rücksicht auf die 
inzwischen sehr vervollkommneten mikrometrischen Apparate beschlossen, 
die Zwischenzeit zwischen Ein- und Austritt ebenfalls und zu möglichst 
vervielfältigten Messungen der Distance der Venus vom Sonnenrande zu 
benutzen, wofür besonders zwei Methoden in Vorschlag gebracht worden 
sind. Die eine ist die Anwendung von Heliometern, von welchen Instru- 
menten in Deutschland mehrere zum Transport sich eignende kleinere 
vorhanden sind, und zwar vier gleich grosse, noch von Fraunhofer selbst 
verfertigte, mit Fernröhren von 3% Fuss Brennweite und 3 Zoll Oeffnung. 
Diese vier Instrumente befinden sich auf den Sternwarten in Berlin? 
Göttingen, Gotha und Breslau und sind von der die betreffenden 
Beobachtungen vorbereitenden deutschen Commission zu diesem Zwecke 
geliehen worden. 

Dieselben werden in ihren mechanischen Einrichtungen wesentlichen 
Umgestaltungen unterworfen und ist das Breslauer Heliometer bereits im 
Frühjahre dieses Jahres an die mechanische Werkstatt von Repsold in 
Hamburg abgesandt worden. Als zweite Beobachtungs-Methode ist die 
Photographie in Vorschlag gebracht, in dem Sinne, dass auf den gewon- 
nenen photographischen Platten die Distancen der Venus vom Sonnen - 
rande später mikroskopisch abgemessen werden. Inzwischen hat die 
jüngste Zeit doch auch für die Möglichkeit von genauen Beobachtungen 
der Contacte neue Aussichten eröffnet: bei den inneren Berührungen in 
Folge der Herstellung eines künstlichen Vorüberganges bei Lampenlicht, 
wodurch das Kennzeichen der wahren Berührung sich sicherer heraus- 
gestellt hat, bei der äusseren Berührung vielleicht mittels der Spectroskopie, 
durch das Verschwinden oder Erscheinen der hellen Linien in der soge- 
nannten Chromosphäre der Sonne. 

Der Venusdurchgang am Morgen des 9. Decbr. 1874 ist vornehmlich 
nur auf der Europa gegenüber liegenden Erdhälfte zu sehen, am voll- 
ständigsten in den Gegenden um Neuholland. In Europa sehen nur die 
Sternwarten in Athen, Nicolajew am Schwarzen Meere, Kiew, Moskau 
und Kasan kurz nach Sonnenaufgang noch das Ende der Erscheinung. 
In Breslau ist bei Sonnenaufgang auch das Ende schon um eine Viertel. 
stunde vorüber. Die meisten grösseren Staaten bereiten demgemäss 
mehrere Expeditionen nach der östlichen und südlichen Erdhälfte vor, so 
England, Frankreich, Deutschland, Russland (welches besonders auf sei- 
nem asiatischen Gebiete, in Sibirien und dem Amurlande zahlreiche Sta- 
tionen einzurichten die Absicht hat) und die Vereinigten Staaten Nord- 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 35 

Amerikas. Speciell seitens des deutschen Reiches sollen, sofern von dem 
Reichstage die erforderlichen Mittel bewilligt werden, 5 Expeditionen aus- 
gerüstet werden: nach dem nordöstlichen China (Schanghai), nach den 
Aucklands-Inseln bei Neuseeland, nach der Kerguelen-Insel, nach der 
Insel Mauritius und nach der Gegend des persischen Meerbusens. — Im 
Allgemeinen sind die beiden Venusdurchgänge von 1874 und 1882 minder 
günstig als die des vorigen Jahrhunderts, wegen der geringeren Menge 
festen Landes auf der Südhalbkugel und der miuderen Zugänglichkeit der 
südlichen Polarländer, wodurch die Auswahl der Beobachtungs-Stationen 
eine beschränktere wird. Inzwischen ist zu hoffen, dass die neueren 
Communications- und Beobachtungsmittel diese Nachtheile sehr wesentlich 
ausgleichen werden. In jedem Falle darf man sich neue und wichtige 
wissenschaftliche Erfahrungen von den beabsichtigten umfangreichen Unter- 
nehmungen versprechen, die um so mehr die vollste Aufmerksamkeit ver- 
dienen, als die Venusdurchgänge überaus seltene Erscheinungen sind und 
nur nach Zwischenzeiten von abwechselnd 105 und 122 Jahren wieder- 
kehren, dann jedoch immer paarweis, durch einen Zwischenraum von nur 
8 Jahren von einander getrennt. 

Herr Professor Dr. Poleck sprach in der Sitzung am 25. April 
über die experimentellen Grundlagen der sogenannten modernen Chemie. 

Die gegenwärtig in der Chemie zur Herrschaft gelangten Ansichten 
haben sich auf der von Richter, Lavoisier, durch den wissenschaftlichen 
Kampf von Berthollet und Proust, durch Dalton, Gay-Lussac, Berzelius 
u. A. geschaffenen sicheren, weil thatsächlichen Grundlage der festen un- 
veränderlichen Gewichts- und Volum-Verhältnisse der chemischen Ver- 
bindungen allmählig und in organischer Gliederung entwickelt, sie sind die 
notwendigen Folgerungen des vergleichenden Studiums des chemischen 
und physikalischen Verhaltens der chemischen Elemente und ihrer Ver- 
bindungen. Es ist daher der, nicht grade glücklich gewählte, weil zu 
Missverständnissen führende Ausdruck „modern" in seiner etymologischen 
Bedeutung und nicht in dem Sinne aufzufassen, in welchem man damit 
oft etwas ganz Neues, noch nicht Dagewesenes, etwas rein Aeusserliches 
der Mode Unterworfenes zu bezeichnen pflegt. 

Der Ausgangspunkt für die gegenwärtigen chemischen Anschauungen 
und der von ihnen benützten Verbindungsgewichte der Elemente ist das 
chemische und physikalische Verhalten der gasförmigen Körper. Gay 
Lussac hatte zuerst das Gesetz ausgesprochen, dass die gasförmigen Ele- 
mente in sehr einfachen Raum -Verhältnissen sich unter einander verbin- 
den und dass der Raum, welchen die entstandene Verbindung in Gasform 
einnimmt, zu jenen in einer gleich einfachen Beziehung stehe. So ver- 
einigt sich ein Volum Wasserstoff und ein Volum Chlor zn 2 Volumen 
Chlorwasserstoff, 2 Volum. Wasserstoff und 1 Vol. Sauerstoff zu 2 Vol. 

3* 



36 Jahre s-Bericht. 

Wasserdampf, 3 Vol. Wasserstoff und 1 Vol. Stickstoff zu 2 Vol. Am- 
moniak. Diese einfachen Verhältnisse wurden durch das Experiment in 
Apparaten zur Anschauung gebracht, deren vortreffliche, für die Demon- 
stration besonders geeignete Einrichtung wir Professor Hofmann in Berlin 
verdanken. Der durch eine kräftige galvanische Batterie von 20 Kohlen* 
Zink-Elementen erregte Strom zerlegte gleichzeitig in drei U -förmigen, 
mit Elektroden versehenen und mit einander verbundenen Apparaten im 
ersten Chlorwasserstoff in gleiche Volumina Clor- und Wasserstoff, im 
zweiten Wasser in 2 Vol. Wasserstoff und 1 Vol. Sauerstoff, im dritten 
Ammoniak in 3 Vol. Wasserstoff und 1 Vol. Stickstoff. Die Gase wur- 
den gesondert aufgefangen und die an den Apparaten angebrachten Hähne 
gestatteten den Nachweis ihrer Identität. Durch drei andere Apparate 
wurde gleichzeitig constatirt, dass diese genannten Gase nach ihrer Ver- 
bindung den Raum von 2 Vol. einnehmen. Ein Gemisch gleicher Volumina 
Chlor- und Wasserstoff zeigt nach seiner Vereinigung zu Chlorwasserstoff 
keine Volum. -Veränderung. Elektrolytisches Knallgas, 2 Vol. Wasser- 
stoff und 1 Vol. Sauerstoff, wurde in einem mit einer Glashülle um- 
gebenen Eudiometer, durch welche die Dämpfe von siedendem Amylalkohol 
strömten (Siedepunkt 132°) durch den elektrischen Funken verpufft. Der 
entstandene Wasserdampf nahm nur 2 / 3 des Raumes der Elementar-Gase 
ein, es hatten sich daher 3 Vol. derselben zu 2 Vol. verdichtet. In 
einem dritten Apparat, einem U-förmigen Eudiometer mit oberem Glas- 
hahn wurden 20 CC. trockenes Ammoniakgas der beständigen Einwirkung 
eines elektrischen Funkenstromes ausgesetzt. Nach kurzer Zeit hatte sich 
das Volumen des Ammoniaks verdoppelt, es war in Stickstoff und Wasser- 
stoff zerfallen und zwar enthielten die 40 CC. Gas 30 CC. Wasserstoff' 
und 10 CC. Stickstoff, welche im Ammoniak zu 20 CC. verdichtet ge- 
wesen waren. Die Zeit reichte nicht aus, um ähnliche einfache Verhält- 
nisse bei anderen Gasen durch das Experiment nachzuweisen. 

Wenn die Gewichte gleicher Volumina der verschiedenen Elementar- 
Gase auf das Gewicht des gleichen Volums Wasserstoff, des leichtesten 
Körpers, bezogen werden und dieses Gewicht mit 1 bezeichnet wird, so 
drücken die Volumgewichte dieser Gase gleichzeitig ihre Verbindungs- 
gewichte aus. Das Volumen Chlor wiegt 35,5 Mal, das Volumen Sauer- 
stoff 16 Mal und das Volumen Stickstoff 14 Mal mehr, als das gleiche 
Volumen Wasserstoff, welches 1 wiegt. Diese Zahlen sind aber gleich- 
zeitig die Verbindungsgewichte dieser Gase. 

Das physikalische Verhalten der einfachen sowohl wie zusammen- 
gesetzten Gase ist ausserordentlich übereinstimmend. Durch gleichen 
Druck erleiden alle Gase die gleiche Volumveränderung, für jeden Tem- 
peratur-Grad dehnen sie sich alle um dieselbe Volum-Grösse aus. Wie 
Dalton das Gesetz der multiplen Proportionen in den Verbindungs- 
gewichten der chemischen Elemente auf die alte atomistische Auffassung 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 37 

der Materie zurückgeführt hatte, so erklärte schon Avogadro im Jahre 
1811 das gleiche physikalische Verhalten und die einfachen Verbindungs- 
verhältnisse der Gase durch die Annahme, dass gleiche Volumina dersel- 
ben eine gleiche Anzahl von materiellen Theilchen enthielten, welche er 
Molecüle nannte. Die neueren, jetzt zu unbedingter Herrschaft gelang- 
ten Ansichten über die Natur der Wärme als einer Bewegungserscheinung 
materieller Theile führen mit Notwendigkeit zu derselben Hypothese 
discreter, bei demselben Körper einander gleicher Körpertheilchen, den 
physikalischen Molecülen. Enthalten gleiche Volumina der verschiedenen 
Gase eine gleiche Anzahl von materiellen Theilchen, Molecüle, so sind 
die Verbindungsgewichte der Gase gleichzeitig ihre Moleculargewichte. 

Chemische Elemente sind jene Körper, welche in ungleichartige Theile 
zu zerlegen bis jetzt noch nicht gelungen ist. Durch ihre Vereinigung 
entstehen die chemischen Verbindungen, deren Charakter dadurch bedingt 
wird, dass dieselbe chemische Verbindung stets dieselben Elemente in 
denselben Gewichtsverhältnissen enthält. Die Molecüle des Wasserstoffs, 
Chlors, Sauerstoffs u. a. Elemente sind daher gleichartig, die Molecüle des 
Chlorwasserstoffs, des Wassers, des Ammoniaks etc. sind zusammengesetzt, 
sie enthalten Wasserstoff mit Chlor, Sauerstoff und Stickstoff verbunden, 
also noch kleinere Theile. Fussend auf der von Dalton zuerst con- 
sequent durchgeführten atomistischen Hypothese hat man die kleinsten 
Gewichtsmengen der chemischen Elemente, welche in chemische Ver- 
bindungen eingehen, Atome genannt. Ob damit der Begriff einer wei- 
teren mechanischen Untheilbarkeit verbunden werden müsse, diese für die 
Naturwissenschaft zunächst unfruchtbare Streitfrage möge auf einem anderen 
Gebiete ausgetragen werden. Hier handelt es sich um die kleinsten, in 
chemische Action tretenden Massentheilchen der Elemente und diese 
nennen wir gegenwärtig Atome. Die relativen Gewichte dieser Atome 
sind uns gegeben in den Verbindungsgewichten, und wenn wir diese auf 
die Volumgewichte der gasförmigen Elemente und den Wasserstoff als 
Einheit beziehen, so drücken die Volumgewichte 1 für Wasserstoff, 35 3 5 
für Chlor, 16 für Sauerstoff etc. gleichzeitig die Atomgewichte dieser 
Elemente aus. 

Aus der oben gegebenen Definition von Molecül folgt, dass es die 
kleinste Gewichtsmenge eines Körpers im freien Zustande repräsentirt. 
Das Molecül eines zusammengesetzten Körpers enthält mindestens 2 Atome, 
wie der Chlorwasserstoff, ein Molecül Wasser 3 Atome, ein Molecül Am- 
moniak 4 Atome. Aus den gasförmigen Verbindungen des Kohlenstoffes 
mit dem Sauerstoff und namentlich den zahlreichen Kohlenwasserstoff- 
Verbindungen hat man das Atomgewicht resp. Volumgewicht des Kohlen- 
stoffes abgeleitet. Zahlreiche Analysen dieser Verbindungen haben die 
Thatsache ergeben, dass die Gewichtsmenge jener Körper, welche im gas- 
förmigen Zustande den Raum von 2 Volumen Wasserstoff, also von 



38 Jahres -Bericht 

2 Gewichtstheilen Wasserstoff einnimmt, die kleinste Menge des betreffen- 
den Körpers repräsentirt, welche im freien Zustande existirt, welche mit 
anderen Verbindungen in chemischen Verkehr tritt. Man bezeichnet daher 
ganz allgemein jene Gewichtsmenge einer chemischen Verbindung, welche 
im gasförmigen Zustande den Raum von 2 Volumen Wasserstoff einnimmt, 
als das Moleculargewicht derselben. So ist das Moleculargewicht der 
Essigsäure gleich 60, in ihrem Molecül sind 8 Atome, in einem Molecül 
Essigäther 14 Atome Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff enthalten. 
Die Wichtigkeit der Bestimmung des Volumgewichts der flüchtigen Ver- 
bindungen springt daher in die Augen. Der Vortragende führte in dem 
Hofmann'schen Apparat, welcher die Barometerleere für die Dampf bildung 
benützt, eine Volumgewichts-Bestimmung des Chloroforms aus. Es wird 
aber auch das Molecül eines einfachen Körpers mindestens aus 2 Atomen 
bestehen müssen. Ein Molecül Sauerstoff enthält 2 Atome, in seiner 
activen Modification, dem Ozon, sind drei Atome enthalten. Aus dieser 
Annahme einer verschiedenen Anzahl von Atomen in einem Molecül er- 
klären sich ungezwungen die Modifikationen der Elemente, ihr Verhalten 
im sogenannten Status nascendi etc. 

Die durch das Studium der Gase gewonnenen Resultate übertrug 
man nun auf jene Elemente, welche, wie die meisten Metalle, weder für 
sich, noch in ihren Verbindungen gasförmig bekannt sind. Man zog hier 
sowohl ihre durch den Versuch festgestellten Verbindungsgewichte, wie 
ihr Verhalten zur Wärme, ihre Wärmecapacität in Rechnung. Gleiche 
Gewichte der verschiedenen Elemente auf dieselbe Temperatur erhitzt, 
geben an Wasser sehr ungleiche Wärmemengen ab — gleichgiltig ob wir 
die Wärme als Stoff oder als Bewegung auffassen. Diese Ungleichheit 
verschwindet aber, wenn die Elemente in den Gewichtsmengen erhitzt 
werden, welche wir oben als ihre Atomgewichte bezeichnet haben. Das 
von Dulong und Petit hieraus gefolgerte Gesetz, dass die speeifischen 
Wärmen der chemischen Elemente sich umgekehrt wie ihre Atomgewichte 
verhalten, oder mit anderen Worten, dass die Atome aller einfachen 
Körper dieselbe Wärme- Capacität besitzen, enthält zwar noch einige Aus- 
nahmen, doch schwinden diese immer mehr und sind fast nur bei den- 
jenigen Elementen vorhanden, bei welchen auf anderem Wege das Atom- 
gewicht mit Sicherheit bestimmt werden kann. 

Auf diese Weise ist man zur Feststellung der Atomgewichte der 
chemischen Elemente gelangt, welche gleichzeitig die Verbindungsgewichte 
derselben darstellen. 

Die von Berzelius geschaffene Zeichensprache drückt mit dem An- 
fangsbuchstaben des chemischen Elements dieses selbst und gleichzeitig 
sein Verbindungsgewicht aus. Durch Combination der Symbole der Be- 
standteile einer chemischen Verbindung entstehen die chemischen For- 
meln. Berzelius hatte die Verbindungsgewichte der chemischen Elemente, 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 39 

welche er Aequivalentgewichte nannte, weil die Elemente in diesen Ge- 
wichtsmengen sich in Verbindungen ersetzen, was nicht in allen Fällen 
richtig ist, festgesetzt ohne Rücksicht auf ihr Volumen im Gaszustande. 
Seine Aequivalente fallen daher nicht bei allen Elementen mit den neueren 
Atomgewichten zusammen, stehen aber zu ihnen in einem sehr einfachen 
Verhältnisse. Eine Anzahl der letzteren ist doppelt so gross, wie z. B. 
die Atomgewichte des Sauerstoffs, Schwefels, vieler Metalle. 

Mit den Symbolen der Elemente bezeichnet man jetzt ihre Atom- 
gewichte und die gegenwärtigen chemischen Formeln sind Molekular- 
formela, sie drücken jene Gewichtsmenge aus, welche im Gaszustand den 
Raum von 2 Volumen Wasserstoff, 1 Volumen Wasserstoff = 1 Gewichts- 
theil, einnimmt oder einnehmen würde, wenn der betreffende Körper ver- 
gasbar wäre. 

Der Angelpunkt der gegenwärtig zur Herrschaft gelangten Ansichten 
in der Chemie liegt in den Atomgewichten. Sind die vorstehend ent- 
wickelten und zum Theil durch das Experiment belegten Schlüsse, welche 
sich auf das gesammte chemische und physikalische Verhalten der Elemente 
gründen, für die Annahme dei neueren Atomgewichte zwingend, dann 
ergeben sich alle übrigen Folgerungen, die Werthigkeit der Elemente, 
ihre auf diese Werthigkeit fundirte Aequivalenz, die veränderte Auffassung 
von Säuren, Gasen, Salzen etc. als nothwendige, und die Versuche, zur 
Erklärung der Eigenschaften und des Verhaltens gleich zusammengesetzter, 
isomerer Verbindungen auf die Bindung der Atome, auf die Struktur des 
chemischen Molecüls zurückzugehen, sind in ihren Resultaten ebenso be- 
friedigend, als sie die Hoffnung als stillschweigende Voraussetzung ent- 
halten, dass es in nicht allzuferner Zeit gelingen werde, die wissenschaft- 
liche Chemie zu einer Mechanik der Atome zu entwickeln. Der Vortra- 
gende musste einer späteren Zeit die Besprechung der aus der Annahme 
der neueren Atomgewichte fliessenden Consequenzen vorbehalten. 

Herr Geheimer Bergrath Professor Dr. F. Roemer legte am 15. Mai 
bei Trachenberg gefundene Knochenreste von Rhinoceros tichorhinus vor. 
Dieselben bestehen in einem 1 Y 3 Fuss langen Stücke der Schädeldecke, 
einem Fussknochen und dem Bruchstücke einer Rippe. Diese Knochen 
wurden im vorigen Jahre beim Graben eines Brunnens bei der Zucker- 
fabrik unweit Trachenberg in 26 Fuss Tiefe gefunden und durch den Di- 
rector der Fabrik, Herrn Eugene Beauvais, an Herrn Geh. Rath Göppert 
eingesendet, der sie seinerseits dem mineralogischen Museum übergeben 
hat. Nach dem Zusammenvorkommen von Schädel-, Fuss- und Rippen- 
knochen kann es nicht wohl zweifelhaft sein, dass an der bezeichneten 
Fundstelle das ganze Skelett des Thieres gelegen hat, und es ist sehr zu 
beklagen, dass durch Unkenntniss oder Unachtsamkeit der Arbeiter auch 
hier, wie es so häufig geschieht, der wissenschaftliche Schatz bis auf die 



40 Jahres -Bericht 

genannten Bruchstücke verloren gegangen ist. Uebrigens ist es nicht da& 
erste Mal, dass Knochenreste des Nashorns mit knochiger Nasenscheide- 
wand, dieses weit verbreiteten und nächst dem Mammuth (Elephas primi- 
genius) wichtigsten Diluvial-Thieres, in Schlesien aufgefunden wurden. 
Namentlich bewahrt das mineralogische Museum mehrere im Jahre 1856 
im Abräume eines Steinbruches bei Ottmachau gefundene und ebenfalls 
durch Geh. Rath Göppert dem Museum übergebene Backzähne dessel- 
ben auf. 

Derselbe Vortragende berichtete über fossile Pflanzenreste aus einem 
Versuchsschachte bei Wünschendorf unweit Lauban, welche durch Herrn 
R. Peck in Görlitz gütigst mitgetheilt wurden. Aus derselben Gegend 
wurden früher schon durch Herrn Peck Acanthodes gracilis, Palaeoniscus 
Wratislaviensis und Cyatheites arborescens in einem schwarzen Brandschiefer 
eingeschlossen eingesendet (vergl. Bericht über die Sitzung vom 13. Dec. 
1871) und die dortige Ablagerung nach diesen Einschlüssen als dem Roth- 
liegenden angehörend und dem schon länger bekannten Brandschiefer von 
Klein-Neundorf bei Löwenberg im Alter gleichstehend bestimmt. Dazu 
passen die jetzt eingesendeten Pflanzen. Es sind, wie namentlich Walchia 
piriformis und Odontopteris obtusiloba, bekannte Arten des Rothliegenden. 
Die diese Pflanzen einschliessende Schichtenfolge besteht aus sehr dünn 
geschichteten fetten grauen und röthlichen Schieferletten, die mit sandigen 
Schichten wechseln und steil aufgerichtet sind. Wahrscheinlich bilden sie 
das Liegende der fischreichen schwarzen Brand schiefer. 

Derselbe Vortragende berichtete über neu aufgefundene Versteinerungen 
des devonischen Kalksteins vom Kanzelberge bei Kielce in Polen, 
welche für die nähere Altersbestimmung dieses Kalksteines wichtig sind. 
Namentlich gilt dies von RhynchoneUa cuboides, welche auf ein unteres 
Niveau der ober-devonischen Abtheilung mit Bestimmtheit hinweist. Diese 
Versteinerungen wurden durch Herrn Hube, Berg-Ingenieur in Kielce, ein- 
gesendet, welchem der Vortragende schon für mehrere andere werthvolle 
Mittheilungen über die so sehr mannigfaltigen geognostischen Verhältnisse 
der Gegend von Kielce zu Danke verpflichtet ist. 

Es wurde ferner ein Exemplar von Ceratites nodosus vorgelegt, an 
welchem die Mündungsform der Wohnkammer zu beobachten ist. Das 
18 Centimeter im Durchmesser haltende, auf dem letzten Umgange mit 
sehr hohen, durch 2 Centimeter breite Abstücke getrennten Rippen ver- 
sehene Exemplar zeigt nämlich am Ende der Wohnkammer eine deutlich 
begrenzte Umbiegung der rechten Mündungswand nach innen in solcher 
Weise, dass dadurch, die gleiche Inflexion bei der hier nicht erhaltenen 
linken Mündungswand vorausgesetzt, die Oeffnung der Röhre bis auf einen 
Spalt von gleichschenkelig dreieckiger Gestalt geschlossen wird. Das 
vorgelegte Exemplar wurde durch Herrn Geheimen Kriegsrath Schumann 
bei Kissingen gesammelt und dem mineralogischen Museum der k. Univer- 



der Schlcs. Gescllsch. f. vaterl. Cultur. 41 

sität gütigst überlassen. Nachdem die bezeichnete Mündungsform an 
diesem Exemplare erkannt war, wurde sie später auch an anderen, aber 
nur an grossen und ausgewachsenen Exemplaren mehr oder minder deut- 
lich wahrgenommen. Es wäre nun noch zu ermitteln, ob etwa dieselbe 
Münduugsform ein allen Ceratiten gemeinsames generisches Merkmal ist. 
Endlich wurde eine auf die Schalen-Substanz von Ceratites nodosus 
bezügliche Beobachtung mitgetheilt. Während bekanntlich die Exemplare 
dieser Art regelmässig nur als Steinkerne ohne eine Spur der Schale 
selbst im deutschen Muschelkalk vorkommen, wurde von dem Vortragen- 
den am Rotzberge bei Hildesheim in der Provinz Hannover ein etwa 
2 ! / 2 Zoll grosses Exemplar gesammelt, an welchem die perlmutterglänzende 
Schale selbst mit lebhaftem Farbenspiel zum Theil erhalten ist. 

Derselbe Vortragende gab in der Sitzung am 4. December einen 
Bericht 

über eine in den Monaten October und November d. J. ausgeführte Reise 

nach Spanien. 
Das Ziel der Reise war im Besonderen der Südabfall der Sierra 
Morena in der Provinz Huelva in Andalusien gewesen. Diese Gegend 
ist vorzugsweise durch den Reich thum ihrer Erzlagerstätten bergmännisch 
interessant. Kupferhaitiger Schwefelkies und Manganerze sind im Beson- 
deren wichtig. Der erstere bildet Lager im Thonschiefer von zum Theil 
sehr bedeutender Ausdehnung. Am bekanntesten ist unter diesen neuer- 
lichst das Lager von Tharsis durch den grossartigen Tagebau geworden, 
in welchem der kupferhaltige Schwefelkies durch eine Englische Gesell- 
schaft abgebaut wird. Auf eine Länge von 500 Meter und in einer 100 
bis 140 Meter betragenden Mächtigkeit ist hier die aus dichtem Schwefel- 
kies mit einem zwischen 2 — 12 Procent schwankenden Kupfergehalt be- 
stehende reine Erzmasse, nachdem der dieselbe in einer Mächtigkeit von 
20 bis 25 Meter bedeckende Thonschiefer abgeräumt ist, dem staunenden 
Blicke des Beschauers blossgelegt. Viele hundert Arbeiter sind in diesem 
Tagebau mit dem Abbau des Erzes beschäftigt und auf einer bis in den 
Tagebau selbst, geführten, mit Locomotiven befahrenen Eisenbahn wird 
das Erz fortgeführt. Die Gewinnung beträgt gegenwärtig 30,000 bis 40,000 
Tons pro Monat. Da die ganze Länge des Lagers durch Versuchs- 
schachte und Bohrlöcher zu mehr als 1 Kilometer ermittelt ist, da ferner 
durch einen vor der Sohle des gegenwärtigen Tagebaues niedergebrachten 
über 40 Meter tiefen Schacht das Fortsetzen des von Ost nach West 
streichenden und mit 70° bis 80° einfallenden Lagers in die Tiefe nach- 
gewiesen ist, so ist auch für eine noch sehr gesteigerte Gewinnung ein 
ausreichender Erzvorrath noch für lange Jahre gesichert. Der geringere 
Theil des gewonnenen Erzes wird an Ort und Stelle geröstet und für die 
Darstellung von Caement-Kupfer verwendet. Der grössere Theil aber wird 



42 Jahres-Bericht 

auf der ausschliesslich zu dem Zwecke erbauten 48 Kilometer langen 
Eisenbahn an die Küste bei Huelva geschafft und hier in Dampfschiffen 
nach England verladen, um dort zunächst für die Darstellung von Schwefel- 
säure und demnächst auch vermittelst eines neu entdeckten Verfahrens 
für die Gewinnung von Kupfer und Eisen benutzt zu werden. Ein ähn- 
liches Lager ist das im Besitz der Spanischen Regierung befindliche von 
Rio Tinto v welches bisher nur für die Darstellung von Caement-Kupfer 
benutzt wird und durch die weitere Entfernung von der Küste und durch 
das Fehlen aller Communicationen benachtheiligt ist. 

Die Manganerze sind in ihrem Vorkommen an das Auftreten von 
mächtigen durch Eisenoxyd roth gefärbten und zum Theil in rothen Eisen- 
kiesel übergehenden Quarzlagern, deren Ausgehendes in der Form von 
mauerartigen Fels kämmen auf der Höhe der Berge hervortritt, in der 
Art gebunden, dass sie unregelmässige Nester oder grössere Massen 
zwischen den Quarzlagern und den Thonschiefern und zwar namentlich 
im Liegenden der Quarzlager bilden. Es werden gegen 40,000 Tons 
solcher Manganerze aus der Provinz Huelva alljährlich ausgeführt. Der 
grösste Theil geht nach England, aber auch Frankreich und Deutschland 
beziehen davon. 

Das Thouschiefer- Gebirge, welchem alle diese Erzlager der Provinz 
Huelva untergeordnet sind, wurde bisher für Silurisch gehalten, nach den 
Beobachtungen des Vortragenden ist dasselbe jedoch von viel jüngerem 
Alter und gehört der Culm- Bildung, d. i. der in vielen Gegenden 
Deutschlands den Kohlenkalk vertretenden eigentümlichen Facies des 
unteren Kohlengebirges an, welche paläontologisch vorzugsweise durch 
das gesellige Vorkommen von Posidonomya Becheri bezeichnet wird. Die- 
selbe Muschel wurde in einer dem Vorkommen in Deutschland täuschend 
ähnlichen Erhaltungsart an mehreren zum Theil weit von einander ent- 
legenen Punkten in dem genannten Gebiete und namentlich auch bei dem 
Städtchen Alosno beobachtet. 

Dieser Darstellung der geologischen Verhältnisse wurden verschiedene 
Mittheilungen über Vegetation, Klima und Volkszustände der Provinz 
Huelva, dieses südwestlichsten, wenig bekannten Theils von Spanien, an- 
geschlossen. 

Herr Ober-Bergrath Professor Dr. Websky berichtete in der Ver- 
sammlung am 17. Januar 1872 

über die Auffindung mikroskopischer Diamanten in den metamorphosirten 
Schiefern der Schischimski'schen Berge, Bergdistrict Slatoust am Ural, 

durch Professor P. von Jeremejeff in Petersburg, 
anknüpfend an eine von Professor Poleck vor einiger Zeit der Section 
gemachte Mittheilung, dass auch der Geheime Regierungsrath Professor 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl, Cultur. 43 

G. Rose in Berlin durch chemische Versuche das Vorhandensein dieser 
mikroskopischen Edelsteine constatirt habe. 

P. von Jeremejeff hat seine Entdeckung im Neuen Jahrbuch für Mi- 
neralogie 1871 p. 589 beschrieben, nachdem schon früher eine vorläufige 
Anzeige dorthin gelangt war; auf einem der an genannter Localität ent- 
stehenden Magneteisenstein-Lager finden sich Knollen eines blassgrünen 
feinschuppigen Chlorit's, fälschlich Speckstein und Talk genannt (Kenngott's 
Uebersicht 1844 — 49 p. 83), am Rande dieser Knollen sind blassgelbe, 
auch grünliche und graue glimmerartige Blätter eingelagert, ein eigen- 
thümliches, von G. Rose (Reise nach dem Ural, B. II. 120) mit dem 
Namen Xanthophyllit belegtes Mineral ; wenn man dünne Blättchen des 
letzteren unter 200facher linearer Vergrösserung betrachtet, so erkennt 
man in denselben kleine eingelagerte Krystalle von einer besonderen fast 
nur dem Diamant eigenthümlichen Kry stallform. Der Vortragende zeigte 
ein dem hiesigen Museum gehörendes Exemplar von Xanthophyllit und 
ein daraus hergestelltes mikroskopisches Präparat und erläuterte die 
Krystallform unter Vergleichung mit einem gleichgeformten Diamant- 
Krystall aus Brasilien. 

Es wurde sodann ein zu den neuesten Erwerbungen des Museums 
gehörendes Exemplar von Malachit von der Grube „Joseph" zu Birk bei 
Plauen in Sachsen besprochen, welches 3 Millimeter dicke, kurze Zwillinge 
dieses Minerals zeigt, eine Grösse, die zu den grössten Seltenheiten ge- 
hört, ferner ein Exemplar der Species Adamin, kleine blasscarmoisinrothe 
Krystalle von der Zusammensetzung H (Co, Zn) As 4 von der Kupfer- 
grube am Cap Garonne, südöstlich Toulon (Comptes rendus LXX. p. 1001). 
Sodann zeigte der Vortragende ein Exemplar des neuen Minerals Nadorit 
vom Gebel Nador, südlich Constantine in Algier, das der Geheime Me- 
dicinal-Rath Professor Lebert dem Museum neben einer Anzahl anderer 
afrikanischer Mineralien verehrt hat, braune, undeutlich begrenzte Krystalle 
von der Zusammensetzung Sb Pb Cl 2 (Comptes rendus LXXI. 1870 p. 319) 
und verglich dasselbe mit einem ähnlichen, aber dichten Mineral Partzit 
aus Californien, das der verstorbene Bergrath A. Roemer seiner Zeit 
dem Museum verehrte, und das durch einen erheblichen Silbergehalt sich 
auszeichnet. 

Es wurde ferner das vor Kurzem auf der Grube Pucherzeche bei 
Schneeberg in Sachsen aufgefundene Mineral Pucherit, braune diamant- 
glänzende Krystalle auf Klüften eines Ganggesteins vorgezeigt, das eine 
Verbindung von Vd 2 6 , Bi 2 3 ist, und der Section mitgetheilt, dass 
der Mineralienhändler Leisner in Waidenburg noch einen Vorrath dieses 
sehr merkwürdigen Vorkommens zur Verfügung habe, und auch Exemplare 
einer anderen Novität, nämlich von Montebrasit, abgeben könne. 

Dieses letztere ist, wie die von Herrn Leisner eingesandten, der 
Section vorliegenden Exemplare bekunden, ein weisses, dem Feldspath 



44 Jahres-Bericht 

ähnliches derbes Mineral, das aus phosphorsaurer Thonerde und 
Fluoraluminium-Lithium-Natrium besteht, und von dem Professor Moissenet 
in Paris als reichlich vorkommende Gangart der Zinnerze von Montebras? 
Dep. Creuse, entdeckt und im vorigen Jahre in einer besonderen Brochüre 
beschrieben worden ist. 

Herr Professor Dr. F. Colin hielt am 14. Februar einen Vortrag 
über Bacterien und deren Beziehungen zur Fäulniss und zu Contagien. 

Wir bezeichnen gewisse durch mikroskopische Organismen erregte 
Zersetzungen stickstofffreier Körper als Gährung (Alcohol-> 
Milchsäure-, Essigsäure-, Tauningährung etc.), die analogen Zersetzungen 
stickstoffhaltiger, insbesondere eiweissartiger Substanzen als Faul 
niss. Während die Gährungserscheinungen in neuester Zeit vielfach und 
mit dem reichsten Gewinn neuer Thatsachen und Ideen durch Pasteur 
erforscht wurden, sind die Vorgänge der Fäulniss bisher von den Natur- 
forschern, insbesondere den Chemikern, vernachlässigt worden. Die Unter- 
suchungen des Vortragenden haben folgende Thatsachen ergeben: 

1) Alle Fäulniss ist von der Entwicklung von Bacterien begleitet, 
sie unterbleibt, wenn diesen der Zutritt abgesperrt, sie beginnt, sobald 
Bacterien auch nur in geringster Zahl zutreten; sie schreitet in demselben 
Maasse vor, als diese kleinsten aller Organismen sich vermehren; mit 
der Beendigung der Fäulniss hört auch die Vermehrung der Bacterien 
auf, welche sich als pulvriger Absatz oder in Gallertklumpen (Zoogloea) 
niederschlagen, ähnlich wie Hefe in ausgegohrnen Zuckerlösungen. 

Es kann daher nicht daran gezweifelt werden, dass Bacterien in 
gleicher Weise wesentliche Factoren der Fäulniss sind, wie dies für die 
Alcoholgährung von den Hefenpilzen erwiesen ist. Die Bacterien sind 
auch die einzigen Organismen, welche unter allen Verhältnissen bei der 
Fäulniss, und wenn der Zutritt fremder Keime verhindert wird, ausschliess- 
lich auftreten; sie sind daher allein Erreger der Fäulniss (saprogene), 
während die übrigen in faulenden Stoffen sich häufig entwickelnden 
Schimmelpilze und Infusorien nur als Begleiter der Fäulniss 
(saprophile) zu betrachten sind ; ein entwickelungsgeschichtlicher Zusammen- 
hang zwischen Bacterien und Schimmelpilzen, wie er vielfach behauptet, 
findet nicht statt. 

2) Die Frage, auf welche Weise in stickstoffhaltige Substanzen die 
Fäulniss erregenden Bacterien gelangen,, wird gewöhnlich dahin beant- 
wortet, dass ihre Keime mit dem Staube aus der Luft herabfallen. Gegen 
diese Annahme, welche aus den Versuchen von Appert, Schwann, 
Schröder, Dusch, Pasteur, Tyndall in gleicher Weise gefolgert 
wurde, scheinen die höchst beachtenswerthen Untersuchungen zu sprechen, 
welche Burton Sande rson in seinem IL Report of researches concerning 
the intimate Pathology of contagion so eben veröffentlicht hat; hiernach 



der Schles. GeselJsch. f. vaterl. Cultur. 45 

gelangen zwar die Sporen der Schimmelpilze, nicht aber die Bacterien- 
keime aus der Luft auf fäulnissfähige Substanzen; die Infection mit Bac- 
terien geschieht allein durch Berührung mit unreinen Körperoberflächen 
(der Haut, Werkzeugen und Gefässen), ganz besonders aber durch das 
Wasser, welches stets Bacterienkeime enthält, es sei denn frisch destillirt. 
Selbst Speichel, Harn, Blut, Eiter, Milch, Hühner-Eiweiss sollen zwar 
schimmeln, aber nicht faulen, wenn sie zwar der Luft ausgesetzt, aber 
vor der Berührung mit bacterienhaltigem Wasser oder dergleichen Ober- 
flächen geschützt sind. 

Die Untersuchungen des Vortragenden haben zwar diese Angaben 
nur theil weise bestätigt; doch blieben allerdings, wie Sanderson gezeigt, 
chemische Lösungen (vgl. 3) an der Luft in der Regel vor Fäulniss, nicht 
aber vor dem Schimmeln bewahrt. Jedenfalls geschieht die Uebertragung 
der Bacterienkeime, deren Verdunstung übrigens der Vortragende direct 
nachgewiesen, durch die Luft nur schwierig, vermuthlich, weil die Luft 
nicht reich genug von Bacterien erfüllt ist, während Infection durch 
Wasser augenblicklich die Fäulniss einleitet. 

3) Die Ernährung der Bacterien auf Kosten der faulenden eiweiss- 
artigen Substanzen ist gewöhnlich so aufgefasst worden, als ob aus diesen 
Stoffen die Bacterien den stickstoffhaltigen Inhalt ihrer Zellen (Protoplasma) 
unmittelbar entnehmen. Diese Ansicht ist unrichtig. 

Während die Thiere in der That ihre stickstoffhaltigen Gewebe aus 
Eiweissstoffen gestalten, welche sie schon fertig gebildet mit ihrer Nahrung 
empfangen, stimmen die Bacterien, und vermuthlich alle Pilze, mit den 
grünen Pflanzen darin überein, dass sie den Stickstoff ihres Protoplasmas 
in Form von Ammoniak oder Salpetersäure assimiliren. Die Bacterien, 
und die Pilze überhaupt, unterscheiden sich dagegen von den grünen 
Pflanzen dadurch, dass sie den in ihren Zellen gebundenen Kohlenstoff 
nicht aus der Kohlensäure, sondern aus anderen, leichter spaltbaren 
Kohlenstoff- Verbindungen, namentlich aus Kohlenhydraten, aufnehmen. 
Schon Pasteur fand, dass Hefenpilze sich in einer Flüssigkeit normal ent- 
wickeln, welche in 100 Theilen destillirtem Wasser 10 Theile krystallisir- 
ten Candiszucker und 1 Theil weinsaures Ammoniak enthält, und Sanderson 
hat gezeigt, dass die Pasteur'sche Lösung auch für Bacterien eine geeignete 
Nährflüssigkeit ist. Die Untersuchungen des Vortragenden haben ergeben, 
dass für Bacterien der Zucker nicht erforderlich ist; dieselben ent- 
wickeln und vermehren sich völlig normal in jeder Flüssig- 
keit, welche ausser Ammoniak oder Salpetersäure noch 
einen stickstofffreien, kohlenstoffhaltigen Körper enthält. 
Wird einer einprocentigen Lösung von weinsaurem Ammoniak ein Bacterien- 
tropfen zugefügt, so trübt sich bei einer Temperatur von 30 Grad nach 
drei Tagen die bis dahin klare Flüssigkeit, wird allmälig milchig, während 
an der Oberfläche sich dicker Bacterienschleim anhäuft, bis nach einigen 



46 Jahres-Bericht 

Wochen die Flüssigkeit sich wieder klärt und einen reichlichen Bacterien- 
absatz niederschlägt. Fast ebenso verhält sich eine Lösung von bern- 
steinsaurem Ammoniak, von weinsaurem Kali und salpetersaurem Am- 
moniak, von Glycerin und salpetersaurem Kali, von weinsaurem und sal- 
petersaurem Kali u. s. w. Dagegen vermehren die Bacterien sich nicht 
in salpetersaurem Ammoniak, in weinsaurem Kali, in Harnstofflösung, wohl 
aber in letzterer nach Zusatz von weinsaurem Kali. Dass bei allen diesen 
Versuchen noch eine gewisse Menge von Phosphorsäure, Schwefelsäure, 
Kali, Kalk und Magnesia der Lösung zugesetzt werden muss, ist nach den 
Pasteur'schen Versuchen selbstverständlich. 

4) Da die Bacterien den Stickstoff in Form von Ammoniak oder 
Salpetersäure assimiliren, so lässt sich ihre Arbeitsleistung bei der Fäul- 
niss nur so auffassen, dass dieselben die eiweissartigen Verbin- 
dungen spalten, und zwar in Ammoniak, welches assiinilirt 
wird, und in andere Körper, welche als Nebenproducte der 
Fäulniss auftreten, deren Natur bisher jedoch nur unvollkommen be- 
kannt, durch das Studium der Fäulniss chemischer Lösungen (3) jedoch 
sicher ermittelt werden wird. Vielleicht ist es das hierbei frei gemachte 
Ammoniak, durch welches die Bacterien auch unlösliche Eiweissverbindun- 
gen bei der Fäulniss löslich machen. Fäulniss ist Spaltung von 
Eiweissverbindungen durch Bacterien, in ähnlicher Weise, 
wie Alkoholgährung Spaltung des Zuckers durch Hefen- 
pilze ist. 

5) Bei einer gewissen Klasse von Bacterien sind die Spaltungs- 
producte der Eiweisskörper dadurch charakterisirt, dass sie gefärbt sind. 
Diese Pigmentfäule ist bisher namentlich an der Oberfläche gekochter 
Kartoffeln, Brot, Fleisch etc. beobachtet worden, wo sie purpurrothe 
Gallertmassen erzeugt (Monas prodigiosa); in der Milch sind gelbe und 
blaue, im Eiter grüne, in anderen Fällen orange, gelbe, braune, violette 
Pigmente beobachtet. Erreger der Pigmentfäule sind nicht die gewöhn- 
lichen Stäbchen- oder Cylinder- Bacterien (Bacterium Termo)^ sondern 
kugelige, paarweise oder in rosenkranzförmigen Ketten zusammenhängende, 
oder in Schleim gebettete Körperchen, die der eigenen Bewegung ent- 
behren und als Kugel bacterien oder Bacteridien unterschieden 
werden. 

Dem Vortragenden ist es gelungen, auch die Pigmentfäule in 
chemischen Lösungen hervorzurufen. Lösungen von essigsaurem 
Ammoniak und weinsaurem Kali färbten sich nach Zusatz eines Bacterien- 
tropfens nach einigen Tagen grünlich, dann blaugrün, zuletzt 
schön blau, wie Kupfervitriollösung, unter steigender Trübung durch 
Cylinder- und Kugelbacterien, wobei zugleich die bis dahin saure 
Reaction alkalisch wird. Der blaue Farbestoff wird durch Säuren 
roth, durch Ammoniak wieder blau, und scheint mit dem Lakmus 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 47 

übereinstimmend, welcher bekanntlich ebenfalls aus der Pigmentfäule farb- 
loser Flechtenauszüge bei Gegenwart von Ammoniak erzeugt wird. 

6) Bei einer Reihe contagiöser Krankheiten ist in der letzten Zeit 
das Auftreten von Bacterien im Blut oder in Secreten verschiedener Art 
nachgewiesen worden; es ist im hohen Grade wahrscheinlich, dass diese 
Körperchen die Träger der Infection und die Erreger der pathologischen 
Processe sind. Vermuthlich führen dieselben, in die Blutwege aufgenom- 
men, eine Spaltung des Blutes und die Erzeugung von Nebenproducten 
herbei, welche schon in minimaler Menge eine Störung des normalen 
Lebensprocesses zur Folge haben. Der Vortragende constatirt, dass alle 
bis jetzt in contagiösen Krankheiten wirklich nachgewiesenen Organismen 
(bei Milzbrand, Pocken, Vaccine, Puerperalepidemien, Krankheit der 
Seidenraupen etc.) nicht zu den beweglichen Cylinderbacterien der Fäul- 
niss, sondern zu den unbeweglichen, oft rosenkranzförmig verbundenen 
Kugeibacterien gehören. In Bezug auf die Uebertragung der Con- 
tagien macht der Vortragende darauf aufmerksam, dass nunmehr (vgl. 2) 
das Trinkwasser ganz besonders im Auge behalten werden müsse, umso- 
mehr, als sich in fast allen Fällen, wo Wasser aus verdächtigen Häusern 
dem Vortragenden zur mikroskopischen Analyse eingesendet wurde, ein 
hoher Grad von Fäulnissfähigkeit, oder selbst eine eingetretene Fäule 
erkennen Hess, die wieder einen reichlichen Gehalt an eiweissartigen oder 
doch an Ammoniakverbindungen beweist. 

Herr Geheimer Medicinalrath Professor Dr. Göppert hielt in der 
Sitzung der naturwissenschaftlichen Section am 18. December folgenden 
Vortrag : 

Zur Geschichte des Elenthiers in Schlesien. 
Die Auffindung einer Anzahl fossiler, der Diluvialzeit angehörenden 
Knochen von Mammuth, Urstieren, Hirschen und Elen in einer Mergel- 
grube zu Wittgendorf bei Sprottau veranlasste mich einst zu meiner ersten 
paläontologischen Abhandlung, welche in den Schlesischen Provinzial- 
blättern des Jahres 1828 p. 101 — 119 veröffentlicht ward. In der darauf 
folgenden Zeit wurden diese interessanten Reste insbesondere durch den 
Eifer des um die Museen unserer Universität so hochverdienten Otto 
noch ansehnlich vermehrt, so dass ich dem ersten Monographen unserer 
schlesischen fossilen Fauna, meinem jüngeren Freunde und Schüler Herrn 
Dr. He n sei, ein ganz bedeutendes Material zur Disposition zu stellen 
vermochte. Die von ihm gelieferte Beschreibung der zur Feier des 
50jährigen Jubiläums der Schlesischen Gesellschaft 1853 veröffentlichten 
Schrift gereicht ihr zu ganz besonderer Zierde. Zwanzig Jahre sind seit 
jener Zeit wieder verflossen, Vieles ist hinzugekommen und wünschens- 
werth, dass es dem geehrten, jetzt an der königl. landwirtschaftlichen 
Akademie in Proskau so erfolgreich wirkenden Verfasser, nun einer der 



48 Jahres-Bericht 

Ersten seiner Wissenschaft, abermals gefallen möge, sich einer 
neuen Bearbeitung desselben zu unterziehen. Hier nur einige historische 
Beiträge zu dem mir jetzt ziemlich fremd gewordenen Zweige schlesischer 
Naturgeschichte. 

Obschon wohl sicher das Elenthier in Deutschland in der frühesten 
Zeit allgemein verbreitet war, finden sich doch nur sparsame Angaben 
über sein Vorkommen in historischer Zeit. Sie fehlen nach Virchow über 
Pommern und die Mark, über Schlesien liegt nur eine eben sehr unzuver- 
lässige, aus dem 12. Jahrhundert von Friedrich Schmaus (dessen 
historisches Staats- und Heldencabinet Schlesiens 1649) vor, zufolge des- 
selben Boleslaus I. 1186 in einer zweitägigen mit 1205 Treibern veran- 
stalteten Jagd bei Oppeln nicht weniger als 860 Elenthiere erlegt haben 
soll. Jedoch ist es mir ebenso wenig wie dem Herrn General-Landschafts- 
Repräsentanten v. Haugwitz, dem wir sehr interessante Untersuchungen 
über das Vorkommen des Elen verdanken (Jagdordnung von Albert 
Hugo 1864, S. 507), gelungen, diese Schrift zu verschaffen oder auch 
nur die Quelle zu entdecken, woher diese an und für sich sehr unwahr- 
scheinliche Notiz stammt. Unter allen Umständen war das Andenken an 
die vaterländische Existenz dieses Thieres in den darauf folgenden Jahr- 
hunderten so erloschen, dass Schwenkfeld, Verfasser der ersten Fauna 
und auch Flora Schlesiens, sich nur begnügt, Ungarn, Litthauen und 
Preussen als seine Heimath zu bezeichnen. Haut und insbesondere die 
Klauen wurden häufig nach Schlesien gebracht und letztere zu allerhand 
abergläubischen Kuren gebraucht, wovon leider die Gegenwart sich noch 
nicht freisprechen darf. 1663 wurde ein Elen im ölsnischen Fürstenthum 
bei Rake erlegt, zwei andere im Liegnitzschen bei Modlau und bei Kotzenau 
1675, letzteres nach Brieg gebracht, wo diese seltsamen, so auf einmal 
zum Vorschein gekommenen Thiere im Allgemeinen unheimliches Auf- 
sehen, ja Wehklagen erregten und zu traurigen Ahnungen Veranlassung 
gaben, die, wie man damals wenigstens meinte, in dem kurze Zeit darauf, 
1665, erfolgten, allgemein beklagten Tode des letzten der Piasten, Herzog 
George Wilhelm, leider eine sehr gerechtfertigte Bestätigung erhielten. 
Die letzten Elenthiere in Schlesien erjagte man 1725 in Stein bei Poln.- 
Wartenberg (von C. v. Prittwitz) und 1743 bei Lampersdorf im Oels- 
nischen, dessen Andenken in dem dasigen Schlosse durch ein Oelgemälde 
bewahrt wird. Des ersten fossilen Elens in unserer Provinz gedenkt 
David Herr mann, Pastor zu Massel bei Oels, der nebst Volkmann, 
Kundmann, Gr. Matuschka und Krocker zu den gefeiertsten schle- 
sischen Naturforschern des vorigen Jahrhunderts gehört. Ein wahrschein- 
lich ganz vollständiges Skelett dieses Thieres wurde in seinem Garten in 
20 Fuss Tiefe aufgefunden, aber leider, ehe er es zu retten vermochte, 
von den Arbeitern zertrümmert, so dass er nur noch Bruchstücke zu retten 
vermochte, deren Abbildung und Beschreibung die Richtigkeit der Be- 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 49 

Stimmung jedoch bezeugen. Die kleine diesfallsige, jetzt sehr seltene, von 
ihm zur Feier seiner Ernennung zum Mitgliede der Berliner Akademie ver- 
fasste Schrift befindet sich auf der hiesigen Stadtbibliothek [Relativ histo- 
rischer Bericht aus der Antiquität von einem Elenthier-Körper, welcher 
1729 im Mai im Masselischen Pfarrgarten-Graben zufälliger Weise gefun- 
den worden etc. Hirsehberg, 16 Blätter in 4. ohne Seitenzahl und eine 
Kupfertafel]. Mit Recht schliesst er aus der grossen Tiefe, in der es ge- 
funden, und aus der Lage der ordentlich aufeinandergesetzten Erde, Sand, 
Lehm, Lette, Kies und Schlammbänke, dass es nicht ein jetztweltliches 
zufällig dahin gelangtes, sondern ein vorweltliches sei. Zeichen und Zeu- 
gen der Sündfluth (unsere Diluvialformation). Die jedenfalls werthvollen 
Sammlungen des verdienten Mannes sollen sich noch bis zu Anfang dieses 
Jahrhunderts auf der Kunstkammer in Oels befunden haben, aber dann 
etwa um 1869, um zu räumen, verkauft und nach Warschau gekommen sein. 
Anderweitige Funde von fossilen Elen, ausser den oben erwähnten, 
in einer Mergelgrube zu Wittgendorf bei Sprottau (Neumann), eben- 
falls in Mergelgruben zu Cavallen bei Trebnitz (v. Prittwitz), bei 
Nimkau und neuerlichst bei Petschkendorf (Kr. Lüben) durch Herrn 
Wirthschafts-Inspector Langer daselbst, zwei Bruchstücke von Geweihen, 
welche den in der so ausgezeichneten Monographie unseres Ehrenmitgliedes 
Staatsrates Dr. F. v. Brandt auf Taf. II. Fig. 3 abgebildeten fossilen 
Elengeweihen am nächsten kommen. Die vor 2 Jahren in Begleitung von 
Hirsch-, Schwein- und Pferde-Resten und mit Urnen und einem Götzen- 
bilde im Bereiche der Stadt Bunzlau selbst entdeckten, von Herrn Dr. 
v. d. Velde unserem Verein für das Museum schlesischer Alterthümer an 
den Secretair Herrn Rector Dr. Luchs eingeschickten grossen Elenthier- 
Geweihe, als Zeugen einer alten Opferstätte, halte ich zwar nicht für 
fossil, doch für unsere urgeschichtlichen Verhältnisse von nicht geringerem 
Interesse. Es hat sich daher auch der Vorstand dieses Vereins bewogen 
gefühlt, aus allen diesen und ähnlichen bereits vorhandenen, in inniger 
Beziehung zu einander stehenden Fossilien eine eigene Abtheilung in dem 
hoffentlich sich bald erhebenden Museumsgebäude unter dem Namen 
„Museum für Urgeschichte des Menschen a zu begründen oder 
eigentlich dann nur zu translociren, da das Material hierzu schon aus- 
reichend vorliegt. Der Verein bittet angelegentlich um fernere Einsen- 
dungen dieser Art. 

Herr Staatsrath Prof. Dr. Grube hielt in der Sitzung am 15. Mai 
einen Vortrag 

über die pflanzenfressenden Cetaceen 
und erläuterte deren Eigenthümlichkeiten an der ausgestopften Haut und 
dem Skelet eines Manati (Manatus americanus), von welchem auch die 
Backenknochen erhalten sind, und dem Schädel eines Dugong (Halicore 

4 



50 Jahres-Bericht 

tabernaculi), sehr kostbare Gegenstände, in deren Besitz das zoologische. 
Museum erst vor Kurzem gelangt war. 

Die pflanzenfressenden Cetaceen besitzen zwar die Leibesform der 
Wale mit Brustflossen und Schwanzflosse, weichen jedoch durch den 
kurzen Kopf, dessen Kiefer durchaus nicht verlängert sind, die Eigen- 
thümlichkeit des Gebisses, die stumpfe behaarte Schnauze und die Brust- 
zitzen, wie durch ihre Nahrung so sehr von den anderen, von Fischen, 
Tintenfischen oder Nacktschnecken lebenden Walthieren ab, dass sie als 
ein Uebergang zu den Dickhäutern anzusehen sind, und einige Zoologen 
sie sogar zu diesen selbst rechnen. Manatus und Halicore sind die ein- 
zigen noch lebenden Gattungen; eine dritte, Uhytina, die nur in einer Art 
Rh. borealis existirte und das Behringsmeer bewohnte, ist in der zweiten 
Hälfte des vorigen Jahrhunderts gänzlich ausgerottet, doch vom Natur- 
forscher Steller noch lebend beobachtet und beschrieben, und das im 
Petersburger Museum davon vorhandene Skelet von Brandt aufs Gründ- 
lichste untersucht worden, so dass eine genaue Vergleichung mit den beiden 
anderen Gattungen möglich ist. Jene sind mit wirklichen Backzähnen, 
Halicore auch mit 2 Hauern im Zwischenkiefer versehen, die Rhytina aber, 
das Borkenthier, war gänzlich zahnlos und besass nur eine, die Decke 
der Mundhöhle und eine deren Boden bekleidende hornige Kauplatte, 
deren Abbildung vorgelegt ward, und die offenbar zum Zerreiben der 
Seepflanzen diente. Aehnliche Gebilde der Schleimhaut besitzen aber 
auch die Manati's und Dugong's ausser ihren Backenzähnen. Beim Manati 
beschreibt sie Humboldt als 2 Polster, von denen das obere vor einer 
Vertiefung, das untere hinter einer solchen liegt, beides einander ent- 
sprechend und in einander passend; die Vertiefung ist mit einem chagri- 
nirten Ueberzug bekleidet. Die Kauplatten von Halicore, welche dem 
gekauften Schädel angehören, erinneren viel mehr an Rhytina; sie liegen 
in der vorderen Hälfte der Mundhöhle, noch ein gutes Stück vor den 
Backzähnen, von denen bei unserem Schädel jederseits 4 oben, 3 unten 
existiren, und sind durchaus hornig, obwohl Beschreiber sie knorpelig 
nennen, die obere bis 6 M. dick, mit einer mittleren ansehnlichen, von 
2 Wülsten eingefassten Längsrinne versehen und ganz rauh von kleinen 
pilzförmigen, durchfurchten Erhabenheiten; der Längsrinne entspricht auf 
der dem Schädel zugekehrten Fläche ein Längsrücken, den Erhabenheiten 
Vertiefungen, so dass man jene als verhornte Papillen deuten muss; die 
untere Kauplatte zeigt nur eine Längsfurche mit 2 scharfen Rändern, auf 
der Innenseite einen Längskiel, auf der Aussenseite wenigere, dünnere und 
gestreckte Papillen, ist kaum % so dick und durchscheinender. Der Vor- 
tragende glaubt in diesen Gebilden eine Andeutung der Fischbeinbildung 
der Bartenwale wieder zu erkennen. Die Zunge soll bei Manatus kurz 
und dick und unbeweglich, bei Halicore dünn und an der Spilze mit 
knorpeligen Stacheln besetzt sein, von Schneidezähnen zeigt auch unser 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cnltur. 51 

Schädel von Manatus keine Spur, ausgebildete Backenzähne 20 (oben wie 
unten 5) und 4 im Entstehen begriffene, die oberen haben 3, die unteren 
2 Wurzeln und alle, wie beim Tapir, 2 zum Theil schon recht abgeriebene 
Querjoche, während die Zähne von Halicore ganz glatte Kauflächen und 
keine Wurzeln besitzen. Die viel weiter vorragende Oberlippe dient dem 
Manati als ein zum Tasten tauglicher Rüssel. Unter den Verschiedenheiten 
im Skeletbau zwischen jenen beiden Thieren wurde namentlich auf die 
Sechszahl der Wirbel, die Zweizahl der echten Rippen und die gewaltige 
Auftreibung des Jochbeinsatzes vom Schläfenbein beim Manati und auf die 
Vierzahl der echten Rippen, die Herabkrümmung und Höhe der Kiefer 
beim Dugong aufmerksam gemacht. Aeusserlich wird das Manati durch 
die gerundete, der Dugong durch die halbmondförmig ausgeschnittene 
Schwanzflosse, jener durch die ganz nach vorn, dieser durch die nach 
hinten und oben gerückten Nasenlöcher charakterisirt. Beide haben kleine 
Augen, eine sehr kleine Ohröffnung, eine blaugraue Farbe und einen sehr 
plumpen Körper, der bei unserem Manati nur 6 Fuss lang ist, doch giebt 
es über Fuss lange und 8 Centner schwere, und dasselbe gilt von den 
Dugongs. Wie sehr verschwindet aber diese immerhin schon ansehnliche 
Grösse gegen die Steller'sche Seekuh, welche eine Länge von 24 Fuss 
und ein Gewicht von 80 Centner erreichte! Das bei beiden reichlich 
vorhandene Fett ist durchaus nicht übelriechend und wird zu Speisen be- 
nutzt, das Fleisch, wohlschmeckend, wenn auch etwas süsslich, wird ge- 
trocknet und eingesalzen, und auch die Milch soll gut sein. Ebenso war 
die Seekuh eine sehr gesuchte Nahrung, ihr Fleisch soll wie Kalbfleisch 
geschmeckt, ihr Fett wie süsses Mandelöl gerochen haben. Die Dugongs 
sind, wie es die Steller sehe Seekuh auch gewesen^ wahre Meerbewohner, 
halten sich in der Nähe der Küsten und nähren sich von Tangen; ihr 
Gebiet ist der indische Ocean bis in das Rothe Meer hinein, wo Rüppell 
und Klunzinger sie antrafen, und bis zu den Philippinen und Molucken; 
die Manati's dagegen gehören recht eigentlich dem süssen Wasser an. 
Wenn man sie im Meere trifft, hat man sie in der Nähe von Quellen be- 
merkt, sie gehen weit hinauf in die Flüsse der afrikanischen West- und 
der südamerikanischen Ostküste, öfters wohl bis einige hundert Stunden 
von der Mündung und verbreiten sich bei Ueberschwemmungen auch 
weiter in das Land, die Ufer abweidend, wobei sie sich auf ihre Brust- 
flossen stützen und mit dem Vordertheil emporragen. Sie nähren sich 
nicht nur von Gras, sondern nach den Berichten Kapplers aus Surinam, 
von dem wohl die meisten Manati's in die Museen gewandert sind, auch 
von den herabhängenden Zweigen einer stachligen Papilionacee und den 
Früchten von Coladium arborescens. 

Derselbe Vortragende hatte am 13. März 
die von H. Dr. Agathon Bernstein in Java gesammelten Naturalien 
im zoologischen Museum aufgestellt, welche in dem Nachlass des für die 

4* 



52 Jahres-Bericht 

Wissenschaft so unermüdet eifrigen Sammlers vorgefunden waren, und die 
seine Mutter, die verw. Frau Geheimräthin Bernstein in liberalster Weise 
dem hiesigen Museum zum Geschenk gemacht hatte. Indem der Vor- 
tragende der wohlwollenden Geberin dafür den wärmsten Dank hiermit 
öffentlich ausspricht, hegt er die Ueberzeugung, dass diese mit dem Namen 
Bernstein gezierten Gegenstände in den von so vielen Hunderten be- 
suchten Räumen des Museums ebenso sehr als ein Beweis wahrer Pietät 
die gebührende Anerkennung finden, als andere Schüler und Gönner dieser 
Hochschule zur Nachahmung dieses rühmlichen Beispiels anregen werden. 

Die Sammlung besteht zum grössten Theil aus den befiederten Be- 
wohnern jener Gegenden, in denen Bernstein so lange gelebt hat, aus 
deren Eiern, Nestern und Skeletten oder Skelettheilen, aber auch aus 
mehreren Säugethieren und Reptilien und Schädeln derselben, unter 
welchen vor allen ein grosser Schädel von Crocodilus biporcatus, ein 
Schädel eines seltenen Delphins (Delphinus pseudodelphis), eines javanischen 
Ebers (Sus verrucosus), des javanischen Nashorns (Rhinoceros javanus) und 
der Schädel eines Malaien vom Stamme der Madura's, wie Herr Dr. Joseph 
ihn bezeichnet, besonders hervorzuheben sind. 

Die Sammlung von Vögeln enthält nicht weniger als 234 Species, 
von denen das Museum 78 bisher noch nicht besass, und von diesen 78 
Arten sind, wenn man Bonaparte's Conspectus zu Grunde legt, 16 Ver- 
treter von Gattungen, die bis dahin der Sammlung fehlten. Eine bedeu- 
tende Zahl von Arten befindet sich bereits in der sehr umfangreichen 
Sendung, welche Dr. Bernstein im Jahre 1868 aus Gadok in Java 
unserem Institute verehrte, und welche die Grundlage für einen Vortrag 
über die javanische Vogelfauna (s. den Jahresbericht der Schlesischen 
Gesellschaft für 1860) bildete; zu bedauern ist bei diesem neuen Geschenk, 
dass Angaben über das Vaterland der betreffenden Bälge nicht vorliegen, 
doch ist nur bei wenigen anzunehmen, dass sie nicht aus Java selbst, 
sondern von einer anderen der Sundainseln oder den Molucken herstam- 
men. Dieser neue Zuwachs bildet jedenfalls eine wesentliche Ergänzung 
der früheren Sammlung, namentlich auch in den Ordnungen der Schwimm- 
und Stelzvögel. So besitzen wir jetzt Anas javanica und Carbo javanicus, 
Rallus gularis, Totanus tenuirostris, den durch seine hohen rothen Fleisch- 
lappen an den Mundwinkeln und den Sporn am Flügelbug auffallenden 
Lobivanellus tricolor und von Reihern Argala javanica und Buthorides javanicus. 
Neben diesen der Insel Java eigentümlichen Stelzvögeln finden wir aber 
in Bernsteins Sammlungen auch den uns wohlbekannten Goldregenpfeifer 
(Charadrius pluvialis) und von seinem Verwandten Aegialites curonicus und 
cantianus, Totanus glottis und glareola und unseren Fischreiher (Ardea 
cinerea) vor. 

Von Raubvögeln sind ein paar in Bälgen, andere in Skeletten 
vertreten , so Hacrnatornis bacha Daud., Spizaetus caligatus Rafft, und 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 53 

Falco ponticeriams Gm. Unter den ersteren befindet sich auch unser 
Sperber. 

Von Hühnervögeln sind Gallus javanicus und Perdix javanica hinzu- 
gekommen; mit dem prächtigen javanischen Pfau (Pavo muticus) hatte uns 
bereits die erste Sendung beschenkt. Verhältnissmässig viel für das 
Museum Neues befindet sich unter den Tauben; so Jotreron viridis, eine 
grüne Taube mit violettrother Kehle; die auffallend bunte Lampretreron 
superba und die ansehnliche, graue, mit grünen kupferroth spielenden 
Flügeln versehene Ducula Paulina. 

Von den Singvögeln stellen die unsere Finken dort vertretenden 
Ploceiden, die Edoliiden, Muscicapiden und Turdidae das ansehnlichste 
Contingent. Unter den Edoliiden sieht man jetzt neben dem in tiefes 
Schwarz und Feuerroth gekleideten Pericrocotus miniatus den sehr ähnlich, 
doch minder scharf contrastirend gefärbten P. igneus und den kleineren 
P. flagrans, bei welchem das Schwarze in das Schwarzgraue, und das 
Feuerrothe in das Orangegelbe verwandelt ist. Sehr interessante Drosseln 
sind Turdus Sibiriens und Brachypus dispar; von jener besitzt das Museum 
seit längerer Zeit ein Weibchen aus Schlesien (früher als T. auroreus PalL, 
dann aber von Blasius, Brandt undRadde als Sibiriens bestimmt, eine 
seiner grössten Seltenheiten), jetzt ist durch Dr. Bernstein das alte, 
ganz düster gefärbte und das jüngere Männchen hinzugekommen, Brachypus 
dispar } oben olivengrün, unten hochgelb, ist durch eigentümlich schmale, 
spitze und glänzende blutrothe Kehlfederchen ausgezeichnet. Myiophanes 
flavirostris, eine der grösseren Pittiden von einem matten Schwarz, fällt 
durch den metallisch schimmernden dunkelblauen Anflug an Flügelbug 
und Flügelspitzen und durch die ebenso blau schimmernden, wie Tropfen 
erscheinenden Enden vieler Schulter- und Brustfedern auf, Crypsirrhina 
(Glaucopis) aterrima, eine Garrulide, von der leider keine Abbildung zur 
Vergleichung vorliegt, ein ganz schwarzer Vogel, durch einen sichelförmigen 
weit über den Unterschnabel herabgekrümmten Oberschnabel. Es giebt 
nur 2 Arten Raben auf Java, deren Nestbau auch Bernstein beschrieben 
hat. Das Museum ist jetzt wenigstens in den Besitz der ansehnlicheren 
und bei Gadok häufigeren Art Corvus macrorhynchus gelangt, der jedoch 
weder an Grösse noch an metallischem Schimmer des Gefieders unserem 
Raben gleichkommt. Der ausgeprägte, an die Kolibri's erinnernde Metall- 
glanz des Gefieders, namentlich an Scheitel, Kehle und Flügelbug, kommt 
nur bei den Honigvögelchen (Cinnyris) vor, von denen C. fuliginosa und 
C. Aspasia im Museum noch nicht vertreten waren. An Nashornvögeln 
ist die Insel Java noch nicht halb so reich, als Sumatra, es ernährt nur 
drei Species: alle von sehr ansehnlicher Grösse und mit grossen Schnabel- 
Aufsätzen ; da nun auch Hydrocissa convexa oder pica eingetroffen ist, sind 
sie im Museum sämmtlich vorhanden, aber von den Sumatranischen ver- 
misst man noch die meisten. 



54 Jahres-Bericht 

Dagegen giebt Rosen berg für die dortige Fauna 10 Arten von Eis- 
vögeln an, von diesen ist wenigstens die Mehrzahl vertreten, seitdem sich 
jetzt die beiden kleinsten Alcedo biru und der dreizehige A. meninting auch 
eingestellt haben, die hinter unserer einheimischen Art noch merklich an 
Grösse zurückstehen. Es ist ferner hinzu gekommen die zierliche Tanysiptera 
dea, die aber nur auf den Molucken und in Neuguinea zu Hause ist, und 
im Gegensatz zu allen ihren Verwandten einen stufig verlängerten Schwanz 
mit 2 ganz schmalen, bloss an der Spitze verbreiterten Mittelfedern besitzt ; 
ebenso ausgezeichnet ist ihre Färbung, die Basis des Schwanzes ist vom 
leuchtendsten Lasurblau, die Schultern auf braunem Grunde blau getropft. 
Von Spechten liegt eine ganze Reihe vor, zum Theil sehr buntfarbige, wie 
Venilia punicea und miniata und andere, auch in der ersten Sendung ent- 
haltene; aber ein sehr interessanter neuer Ankömmling ist die winzige, 
oben olivengrüne, unten zimmetfarbene Sasia abnormis, da sie, wie die 
ebenfalls javanische Tiga tridactyla und der nordische, in Schlesien schon 
seltene Apternus, nur 3 Zehen besitzt. Auch von unserem Cuculus canorus 
liegt ein Exemplar aus Java vor. 

Zum Schluss theilte der Vortragende einiges über die Lebensschicksale 
Agathon Berns t ein' s mit, der sich von Jugend an ebenso sehr zum 
Studium der Natur hingezogen als ein ganz besonderes Interesse für die 
Sundainseln fühlte und kaum seine Studien unter Gravenhorst, Barkow, 
Goeppert beendigt hatte, als er auch schon 1855 in holländische Dienste 
trat und als Schiffsarzt nach Java ging. Bald darauf kehrte er noch ein- 
mal nach Europa zurück, um das zum Praktisiren in Java erforderliche ärzt- 
liche Examen in Holland zu machen, reiste dann abermals dorthin und 
Hess sich in Gadok nieder, einer wegen ihrer gesunden Lage am Fusse 
des Ged6e-Gebirges bekannten Gegend, von wo er bequemer mannigfache 
ornithologische Streifzüge in die Insel unternehmen konnte, nicht nur um 
die Repräsentanten der dortigen Fauna zu sammeln, sondern auch sie in 
ihrer Lebensweise zu belauschen und ihren Nestbau kennen zu lernen, 
über die er viel Schätzbares mitgetheilt. So lebte er fort bis zum Jahre 
1860, wo die holländische Regierung in ihm den geeigneten Mann fand, 
eine auf mehrere Jahre ausgedehnte Expedition zur Erforschung der Inseln 
um Neuguinea und Neuguinea's selbst zu leiten. Nachdem er 4 Jahre 
laug das holländische National-Museum aus Halmahera, Moretai, Ternate, 
Batjan, Gebeh und Waigeu durch die umfangreichsten Sammlungen be- 
reichert, war er endlich bis Neuguinea vorgedrungen, allein ein Fieber, 
dem sein durch die anhaltenden Strapazen bereits früher angegriffener 
Körper jetzt wohl leichter zugänglich war, ergriff ihn während des Auf- 
enthalts in der ungesunden Bai Natral (auf Neuguinea) im Winter 1864 
und raffte den eifrigen Forscher, den unermüdlichen, in seiner vollen 
Manneskraft, im Alter von 37 Jahren, in wenigen Tagen auf Babanta am 
19. April 1865 dahin. Die Arbeit, in welcher Bernstein seine erste 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 55 

wissenschaftliche Befriedigung suchte — seine Doctor-Dissertatiou — be- 
handelte die Anatomie der Raben, und ein nach älterer Ansicht rabeu- 
artiger Vogel, ein Paradiesvogel, war es, der ihm die letzte Freude dieser 
Welt gewährte: wenige Tage vor seinem Tode war er so glücklich, auf 
Waigeu in den Besitz der so seltenen, vor Bernstein noch von keinem 
Naturforscher an Ort und Stelle gesehenen und für einen Paradiesvogel 
seltsam grell gefärbten Paradisea Wilsoni oder calva zu gelangen, von 
dem das Leidener Museum prachtvolle Exemplare besitzt, den Versam- 
melten aber nur eine Abbildung vorgelegt werden konnte. 

Die rühmende Anerkennung, mit welcher der Vortragende bei seinem 
neuerlichen Aufenthalt in Leiden den Director des dortigen Museums, den 
ausgezeichnetsten Kenner der Sunda- und Molucken-Fauna, Professor Dr. 
Schlegel, von Bern stein' s Verdiensten sprechen hörte, war das schönste 
Zeugniss für die Grösse des Verlustes, den wir durch seinen Hingang 
erfahren haben. Eine niedliche grüne Taube mit ocherfarbigern Bauch, 
welche wahrscheinlich auf der Insel Baijan lebt, Ptilopus Bernsteini 
Schleg., verewigt in der Wissenschaft seinen Namen. (Beschreibung und 
Abbildung in Nederlandsch Tydschrift voor de Dierkunde Deel I p. 59 
pl. III Fig. 1.) 

Derselbe Vortragende zeigte am 18. December ein ungewöhn- 
lich grosses Exemplar einer Kaulquappe, der Larve der Wasser- oder 
Knoblauchkröte (Pelobates fuscus) } welches Herr Rittergutsbesitzer Mätzke 
in Göppersdorf bei Strehlen beim Ablassen eines Teiches gefunden hatte. 
Dies Exemplar war noch grösser als das grösste von Rösel abgebildete 
und mass einen halben Fuss, wobei der Bauch eine Dicke von 1 1 / 9 Zoll 
besass. Die Hinterfüsse am Anfang des ausserordentlich langen Schwan- 
zes waren erst 5 / 8 Zoll lang, Vorderfüsse noch gar nicht vorhanden, das 
Kiemenloch noch weit geöffnet. Nach Rösel geht die regelmässige Ver- 
wandlung der Knoblauchkröte in der Art vor sich, dass das vollkommene 
Thier gegen das Ende des Juli, 3 Monate nach dem Ausschlüpfen aus 
dem Ei, auftritt, der Vortragende hat jedoch noch in der Mitte des August 
Larven erhalten, welche in dem oben beschriebenen Stadium standen, 
aber nur halb so gross waren, und von dem vorliegenden Exemplar, 
welches im November gefangen war, lässt sich wohl mit Sicherheit an- 
nehmen, dass es in diesem Zustande auch den Winter verlebt hätte, ein 
Fall, der in der Reihe der ungeschwänzten Batrachier nicht vereinzelt 
steht, da Hamiin im Main noch gegen den Winter Froschlarven ent- 
deckte, die in der Entwickelung weit zurück waren. Interessant ist, dass 
nach Rösel in manchen Gegenden die Larven der Knoblauchkröte als 
Fische angesehen und gegessen werden. 

Hierauf wurde der 2. Band von H. A. Meyer und Moebius Fauna 
der Kieler Bucht vorgelegt, mit welchem die Mollusken-Fauna abgeschlossen 



56 Jahres-Bericht 

ist. Nach einer Einleitung, welche die Strömungen in der Ostsee, ihre 
Temperatur, ihren Salzgehalt und die Eigenthümlichkeiten der in ihr vor- 
kommenden Schalthiere behandelt, folgen die Beschreibungen der einzel- 
nen Arten und ihre nach dem Leben colorirten, oft ansehnlich ver- 
grösserten Abbildungen, welche das Werk zu einem der luxuriösesten 
machen, deren die deutsche Gelehrtenwelt auf diesem Gebiet sich rühmen 
kann. Auch einzelne Körpertheile, wie die Zungenbildung bei den 
Schnecken, die Tracheen der Muscheln und die Form des Laichs, die den 
Nicht-Eingeweihten nur zu oft in Verlegenheit setzt, sind auf den Tafeln 
dargestellt, und man hat ausser der Anatomie Alles beisammen, was man 
wünschen muss. Wir wissen nunmehr, dass in der Kieler Bucht nicht 
weniger als 40 Gattungen Mollusken in 63 Arten vorkommen (40 Gastero- 
poden, von denen 27 Schnecken mit dauernden Schalen und 23 Muscheln), 
unter ihnen sind jedoch einige nur als Gäste, nicht als eigentlich in der 
Bucht heimisch zu betrachten, Dintenfische und Brachiopoden fehlen ihr 
gänzlich. 

In der Sitzung vom 17. Januar berichtete Herr Professor Grube 
über eine Zusendung transkaukasischer Arachniden und Myriopoden 
von Herrn Dr. Radde, von denen er die Scorpioue und Geophilen hervor- 
hob, da sich unter ihnen einige noch nicht beschriebene Arten befinden. 

Dies gilt zunächst von einem Scorpion, der seinem ganzen Habitus 
nach zu den Androctonen gehört, obschon sich mit Sicherheit nur 4 Augen 
jederseits unterscheiden Hessen (A. scrobiculosus) . Er muss in die Gruppe 
der Piionuren gestellt werden und ahnt am meisten dem A. bicolor Ehrbg., 
der ebenfalls in jener Sendung vertreten ist. Letzterer ist ganz schwarz, 
wie ihn Lucas abbildet, oder hat blos gelbe Tarsen und Scherenfinger, 
wie Ehrenberg angiebt. Die neue Art ist an der Oberseite dunkellauch- 
grün, unten schmutziggelblich grün und hat blassgelbe Beine und Pulpen, 
auf diese Verschiedenheit der Färbung und auf die geringere Grösse — 
denn kein Exemplar misst über 1 */ 4 Zoll — wäre vielleicht kein grösseres 
Gewicht zu legen, es könnte der jüngere A. bicolor auch lichter gefärbt 
sein, allein die Sculptur des Schwanzes ist eine ganz andere. Alle Seg- 
mente desselben sind an den Seiten der Unterfläche von gleichmässigen 
Grübchen erfüllt, bei bicolor glatt und nur mit einigen Körnchen überstreut, 
auch Ehrenberg gedenkt keiner Grübchen. Die Bauchseite der 3 ersten 
Segmente zeigt 4 schwache Längskiele von winzigen Körnchen, das 4. 
und 5. nur 2, nämlich die äusseren, die Kante selbst bildenden, bei 
A. bicolor hat das 5. Segment 3, alle übrigen 4 solche Kiele und der 
Stachel selbst ist an der Unterseite mit 3 Längskielen und 2 dazwischen 
befindlichen Rinnen versehen, bei A. scrobiculoses dagegen ganz glatt. Auf 
dem Rücken der Abdominalsegmente machen sich bei A. bicolor 3 Längs- 
kiele bemerkbar, bei scrobiculoses nur 1, auch sind hier die Seiten wände 



der Schles- Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 57 

des Schwanzes sichtlich gerundet, nicht eben, und weniger scharf gegen 
die Rücken- und Bauchfläche abgesetzt. Die Hand der Palpenschere von 
oben betrachtet erscheint kaum etwas angeschwollen. Beachtung verdient, 
dass diese Art bei Lenkoran in einer Höhe von 4000 Fuss gefunden ist, 
während Ehrenberg Scorpione nur bis zu einer Höhe von 1500 Fuss 
antraf. 

Die Geophilen unterscheiden sich von den Scolopendren durch die 
stets Hgliedrigen Antennen, den Mangel der Augen, den meist linearen, 
mit zahlreichen Beinpaaren versehenen Körper und die Schwäche des 
letzten, nie mit kräftigen Klauen versehenen Beinpaares (sog. Schleppfüsse). 
Bergsoe und Meinert in ihrer durch Gründlichkeit ausgezeichneten Arbeit, 
haben eine Reihe Gattungen aufgestellt, von denen 3 unter den eingesen- 
deten vertreten sind : es liegen 2 Arten von Geophilus i. e. £., 1 von 
Scotophilus und 1 von Mesocanthus vor. Letztere (M. Raddeanus) fällt vor 
allen durch ihre Länge auf, da ein Exemplar mit 125 Beinpaaren fast 
5 Zoll misst, während M. albus, die einzige sonst bekannte Art, nur eine 
Länge von 64 M. erreicht, auch nur 89 Beinpaare besitzt. Die Farbe ist 
ochergelb, die Stirnplatte abgesetzt, die grossen Klauenkiefer erreichen 
fast den Stirnrand, die Rücken- und Bauchplatten sind nicht granulirt und 
letztere meistentheils mit einer Area versehen. Scotophilus bivittatus ahnt 
dem S. pulchellus darin, dass der Rücken dunkle Längsstreifen hat, doch 
nur 2, nicht 4; Stirnplatte abgesetzt, 62 Gangfusspaare, das letzte etwas 
kürzer als die sehr dicken Schleppfüsse; Bauchplatten mit einer länglichen 
Area. Von den Geophilus zeichnet sich G. angusticeps durch die sehr 
lange, vorn breitere Kopf- und die schmale, mitten verengte letzte Bauch- 
platte aus, das schmale Blatt der über die Stirn hinausragenden Klauen- 
kiefer am Innenrande mit 2 nicht immer gleich deutlichen auseinander 
stehenden Zähnchen, die Coxae mit Grübchen versehen. Pleuren der sehr 
dünnen Schleppfüsse mit vielen Poren. Keine deutlich abgesetzte Stirn- 
platte. Bei G. Bakuensis ist die letzte Bauchplatte breiter, die fein punk- 
tirte Kopfplatte ebenso breit als lang, die grossen Klauenkiefer reichen 
bis an den Stirnrand. Schleppfüsse etwas länger als die vorhergehenden, 
ohne Klaue, Pleuren mit 8 Poren, Stirnplatte nur durch die etwas hellere 
Färbung abgesetzt. Bei beiden Arten keine Analporen, bei ersterer 49 
bis 55, bei letzterer 67 Beinpaare. 

Hierauf legte der Vortragende zwei kostbare Kupferwerke vor, welche 
die Bibliothek des zoologischen Museums vor nicht langer Zeit angekauft 
hatte, Gray's „Genera of birds" und Alder und Hancock British Nudibranehiate 
Mollusca. 

In der Versammlung am 15. Mai sprach derselbe Vortragende 
über ein paar neue Anneliden aus der Familie der Spiodeen, 
welche Herr Professor Stossich in Triest im nördlichen Theile des 



58 Jahres-ßericht 

Adriatischen Meeres gefunden hat, und die zugleich eigene Gattungen 
repräsentiren. 

Periptyches festiva Gr. gehört in die Abtheilung der Spiodeen, welche 
nur an einigen wenigen vorderen Segmenten Kiemen tragen, und erinnert 
dadurch am meisten an Prionospio Mgn., dass diese Organe gefiedert sind, 
was sonst nicht vorkommt, es treten hier aber nur 2 Paar solcher Kiemen 
auf, während Prionospio ausserdem noch 2 Paar glatte besitzt, und zwar 
befinden sie sich auf dem vierten und fünften Segment, doch zeigt sich 
bei einem Exemplar noch ein Anhang rechterseits am zweiten Segment, 
der, da man an ihm einige Fiederchen erkennt, ebenfalls für eine Kieme 
zu halten ist. Bei Prionospio stehen die Fiederchen jederseits in einer 
einfachen Reihe und ziemlich weitläufig, hier aber so gedrängt, dass sie 
mehr als eine Reihe zu bilden scheinen. Da bloss 33 Segmente erhalten 
sind, lässt sich nicht bestimmen, ob in den unteren Rudern der hinteren 
Segmente auch Hakenborsten wie bei Prionospio vorkommen; an den er- 
haltenen Rudern, den oberen wie den unteren, zeigen sich nur Haarborsten 
und je eine ansehnliche gerundete Hinterlippe, die obere ist die grössere. 
Jedenfalls unterscheidet sich Periptyches durch den Besitz von zwei läng- 
lichen Augen vorn neben der schmalen platten Karunkel, die bis an das 
vierte Segment reicht, und einen nach vorn verbreiterteren Leib, an dem 
sehr niedrige Hautfalten oder Säume der Segmente Gürtel bilden. 

Eine zweite neue Gattung derselben Familie ist Paraonis; die einzige 
Art P. tenera Gr., ebenfalls aus der Adria, und von Professor Stossich 
eingesendet, ist nach einem sehr zarten und schwer zu behandelnden, 
hinten nicht vollständigen Exemplar aufgestellt. Die Kiemen sind schmale, 
langsam zugespitzte, aber glattrandige Blätter und kommen nur vom 
vierten bis zehnten Segment vor. Auf dem halbkreisförmigen Kopflappen 
zwei punktförmige Augen, dahinter eine kleine, platte, längliche, bis auf's 
zweite Segment reichende Karunkel, jederseits neben ihr ein schwarzer 
Längsstrich. Fühler und Fühlercirren nicht bemerkbar. Die oberen 
Borstenköcher jener vorderen Segmente tragen ein längeres zugespitztes 
hinteres Lippenblatt, die unteren ein kurzes breites und beide blos Haar- 
borsten. Die übrigen Köcher ragen nur sehr wenig vor, und die oberen 
derselben haben Haar-, die unteren kürzeren wenig dickere nadeiförmige 
Borsten, beiden fehlen Lippenblätter. 

Bei dieser Gelegenheit berichtigt der Vortragende in Betreff der Be- 
schreibung seiner Notopygos crinita, einer Amphinomee, dass auch die 
Borsten der oberen Bündel mit zwei sehr ungleich langen Zinken 
enden, und dass auch ein zweiter Rückencirrus nahe der Kieme vor- 
kommt, dieser ist aber früher als ein isolirter Kiemenfaden von ihm 
betrachtet. Demnach fallen die Gattungen Notopygos und Lirione wohl 
zusammen. 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 59 

Der Vortrag über Anneliden, den Professor Grube am 24. Juli 1872 
hielt, bezog sich auf 

die Familie der Cirratuliden. 

Die Cirratuliden sind rothblütige Meeranneliden vom Leibeshabitus 
unserer Regenwürmer, mit sehr kurzen Segmenten, einem einfachen, wie 
eine Oberlippe gestalteten kurzen Kopflappen ohne Fühler, einem borsten- 
losen Mundsegment *) und einfachen Borsten, welche fast ohne Ausnahme 
nicht in Ruderplatten oder Borstenköchern stecken, aber, abgesehen von 
dem sehr abweichenden inneren Bau, auch äusserlich dadurch wesent- 
lich von jenen verschieden, dass mehr oder weniger Segmente, zuweilen 
alle, auf dem Rücken ein Paar lange fadenförmige, im Leben sich mannig- 
fach windende Kiemen tragen. Was die Borsten anlangt, so ist zwar die 
kurze nadelartige, den Lumbricinen eigenthüznliche Form überall vertreteu, 
aber neben solchen stehen auch haarförmige, an den vorderen Segmen- 
ten in der Regel nur solche in beiden Zeilen (jederseits), ja zuweilen 
giebt es durchweg nur haarförmige; auch ragen die nadeiförmigen weiter vor 
als bei den Lumbricinen, sind nie eigentlich S-förmig, sondern am unteren 
Ende fast gerade und dicker, an der Spitze oft nur wenig gekrümmt und 
überhaupt richtiger den eigentlichen Ackulae, als den Uncini zu vergleichen. 
Lange fadenförmige Kiemen besitzen zwar auch die Hesioniden und 
manche Syllideen, aber sie sitzen hier auf Rudern, bei den Cirratuliden 
höchstens auf niedrigen Polstern, auch fehlt den Cirratuliden der vor- 
streckbare Rüssel von jenen, sonstiger Unterschiede nicht zu gedenken. 
Mit anderen Anneliden, denen fadige Kiemen zukommen, wie Sabellides 
und verwandte, kann man sie noch viel weniger vergleichen, da diese in 
einer ganz anderen Abtheilung der Anneliden stehen. Sie zeigen viel- 
mehr die meiste Verwandtschaft mit den Spiodeen, bei denen sich freilich 
nicht nur die Kiemen verkürzen, sondern auch die Borsten zu viel an- 
sehnlicheren Gruppen ausbreiten und Borstenköcher mit Lippenblätteru 
sich entwickeln, namentlich stimmen sie mit ihnen darin überein, dass bei 
einzelnen Gattungen zum Greifen dienende Fühlercirren (Cirri tentaculares 
prehensiles) auf dem Muudsegment auftreten, die bei den Spiodeen so all- 
gemein verbreitet sind. Die Familie der Cirratuliden gehört zu den klei- 
neren, denn obwohl eine ganze Reihe von Gattungen in ihr aufgezählt 
wird, scheint es doch geboten, manche derselben als blosse Untergattungen 
zu betrachten, da sie nur einzelne und nach der verbreiteteren Ansicht 



*) Das Mundsegment ist in der Regel in 2 deutliche Ringel getheilt, zuweilen 
kann man auch 3 unterscheiden, zählt man diese als Segmente, was gewöhnlich 
geschieht, so können die Angaben über das Segment, das eine Querreihe von 
Kiemen trägt, für dieselbe Art sich widersprechend lauten, was bei der anderen 
Art der Betrachtung vermieden wird. 



60 Jahresbericht 

nicht so wichtige Unterscheidungsmerkmale an sich tragen, mehrere davon auch 
nur auf einer Art beruhen und einige wohl durchaus identisch mit anderen 
sind. Die hierher gestellten Gattungen sind folgende: Cirratulus Lam., 
Audouinia Qf. } Promenia Kbg., Timarete Kbg., Archidice Kbg., 
Cirrinereis Blv., Labranda Kbg., Chaetszone Mgn., Dodecaceria 
Oersd.j Heterocirrus Gr. und Nangaraseta Leidy und eine neue, von 
Heterocirrus abgezweigte, Acrocirrus, wird hinzutreten müssen. Sämmt- 
liche von Kinberg aufgestellte Gattungen sind dem Vortragenden leider 
nicht aus eigener Anschauung bekannt, auch fehlen noch die ausführ- 
licheren Beschreibungen ihrer Arten, die übrigens sämmtlich ausser- 
europäischen Meeren angehören.*) 

Jene Gattungen ordnen sich zunächst am natürlichsten in 2 Reihen : 
in der einen fehlen Fühlercirren, in der anderen mit Heterocirrus begin- 
nenden kommen sie vor. 

I. In der ersten Reihe steht Cirratulus Lam. und Cirrinereis 
Blv., die sich allein dadurch unterscheiden, dass bei Cirrinereis kein 
Segment mehr als 2 Kiemenfäden trägt, bei Cirratulus dagegen eines der 
vorderen jederseits eine ganze Gruppe derselben, oder wie man sich 
kürzer ausdrückt, da diese Gruppen immer eine quere (richtiger schräg 
nach hinten convergirende) Stellung einnehmen, eine Querreihe von Fäden 
trägt. Zuweilen dehnen sich diese Gruppen so sehr gegen die Mittellinie 
des Rückens aus, dass zwischen ihnen kaum noch ein Zwischenraum übrig 
bleibt, im entgegengesetzten Falle beschränkt sich die ganze Gruppe auf 
4, selbst 3 oder 2 Fäden, so dass man eigentlich von einer Gruppe nicht 
mehr sprechen kann, man darf daher bei solchen Schwankungen eines 
Charakters denselben wohl nicht mehr für einen Gattungscharakter halten und 
eine besondere Gattung Archidice, die Kinberg auf die Anwesenheit von 
4 Fäden in jeder Gruppe basirt hat, nicht zulassen; da aber der Name 
Cirrinereis einmal eingeführt ist, kann man damit eine Unterabtheilung der 
Gattung Cirratulus bezeichnen. Es kommt ferner dasjenige Segment in 
Betracht, auf dem die Kiemengruppen sitzen. Fast immer sitzt die Q.uer- 
reihe der Kiemen auf einem der ersten borstentragenden Segmente, in 
seltenen Fällen trägt aber schon das immer borstenlose Mundsegment 
Kiemen. Aus solchen Cirratulen bildet Kinberg die Gattung Promenia. 
Würden diese Organe eine von den übrigen Kiemen abweichende Be- 
schaffenheit besitzen, so würde die Gattung Promenia ganz berechtigt 
sein, da dies aber nicht erwähnt wird und auch bei einzelnen Cirratulen 
i. e. S. bereits das Mundsegment jederseits wenigstens einen Kiemenfaden 
trägt, scheint es am gerathensten, auch Promenia mit Cirratulus zu ver- 



*) Kinberg Annulata nova in Oefvers. of Vct. Akad. Förhandl. Stockholm 1865, 
Nr. 4 p. 253. 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 61 

einigen, und die Gattung Audouinia §/.,*) dereu Eigenthümlichkeit nur 
darin besteht, dass der Kiemenreihe noch einige kiemenlose borsten- 
tragende Segmente vorausgehen, ist auch nicht scharf von der Gattung 
Cirratulus i. S. von Quatrefages geschieden, da derselbe bei Cirratulus sich 
unbestimmt auslässt: „Branchies laterales et dorsales se montrant ä la fois 
ou presque en meme temps", und die von den Bersten hergenommenen 
Unterschiede nicht begründet sind. Claparide weisst bei C. chrysoderma, 
den er zu diesen eigentlichen Cirratulus rechnet, einen Unterschied in der 
Beschaffenheit der vorderen und der übrigen Kiemenfäden nach, wogegen 
nicht dargethan ist, dass dasselbe auch bei C. borealis stattfindet, der 
gleichfalls zu Cirratulus i. e. S. gehören soll. 

Was endlich Kinberg's Gattung Timarete betrifft, bei der die Kiemen- 
fäden 2 bis 3 Querreihen bilden und, wie es scheint, auf eben so viel 
Segmenten stehen sollen, so ist dies doch nur eine massige Vermehrung 
desselben, auch bei anderen Arten zuweilen schon in grosser Zahl vor- 
kommenden Organs, und, soviel man aus der Beschreibung erkennen kann, 
mit keiner Abweichung in den übrigen Körpertheilen verbunden, ausser 
dass einige Haarborsten gesägt erscheinen, und es scheint deshalb die 
Erhebung zu einer Gattung nicht nothwendig. 

Indem man die besprochenen Unterschiede als Gruppen bildend be- 
sonders beachtet, erhält man folgende Uebersicht der Arten: 

Cir ratulus Lam. 

1. Kiemenfäden auf einem oder ein paar vorderen Segmenten in grösserer 
Zahl als 2, meist in 2 Gruppen, auf den anderen zu je 2 

(Cirratulus s. str.). 

A. Kiemenfäden in Querreihen auf 2 bis 3 vorderen Segmenten hinter- 
einander und in grösserer Zahl vorhanden (Timarete). 

T. feeunda Kbg. (Prof. Jackson), polytricha Kbg. (Chile), f C. po- 
lytrichus Schmd. (Valparaiso). 

B. Kiemenfäden nur auf einem der vorderen Segmente in grösserer 
Zahl als 2, 

B 1 auf dem Hinterrande des Mundsegments selbst {Promenia Kbg.) 
Pr. jueunda Kbg. (Magalhaensstrasse), Pr. speetabilis Kb. 
(Vancouveri-lnsel), 

B 2 auf einem der vorderen borstentragenden Segmente, 

a. jederseits eine grössere Gruppe oder Querreihe 
(Arten mit ungeflecktem Leibe). 
a. Gruppe der Kiemenfäden auf dem 1. borstentragenden Segment: 
C. borealis Lam., die einzige bisher bekannte Art, welche mehrere 
jederseits in einer Bogenreihe stehende Augen trägt. (Von 



*) Quatrefages Hist. nat. des Annetes. 1865. Tom I p. 459. 



62 Jahres-Bericht 

Grönland bis zum Oeresund und dem Kanal herab, auch im 
Ochotskischen Meere.) 

ß. Gruppe der Kiemenfäden auf einem der nächstfolgenden Segmente. 

ß l Aciculae der unteren Zeile auffallend stark geschweift und viel 

dicker als die oberen: 

C. ancylochaetus Schmd. (Neuseeland), C. capensis Schmd. (Cap) 

von Kinberg wieder beobachtet, doch hebt er nicht hervor, 

dass die unteren Uncini so ausgezeichnet sind, C. cylindricus 

Schmd. (Ceylon). 

ß 2 Aciculae der unteren Zeile, zwar stärker als in der oberen, aber 
nicht von abweichender Gestalt (Audouinia Qf). 

Einfarbige Arten: 

C. melanacanthus Fr. Müll. Gr. nov. sp. (Desterro). 

C. min latus Schmd. (Jamaica). 

C. Lamarckii Aud. Edw. England, Frankreich, Mittelmeer. (Audouinia 
fiiigera Clap. ist dieselbe Art.) C. chrysoderma Clap., Neapel 
(soll die Kiemenreihe auf dem 4. borstentragenden Segment haben, 
kann daher wohl nicht zur Gattung Cirratulus s. str. Qf, wie sie 
Claparede auffasst, gestellt werden), C. norvegicus Qf (Norwegen, 
Franz. Canalküste), C. flavescens Fr. Müll. Gr. nov. sp., Desterro, 
C. gravilis Ehrb. Gr., Rothes Meer. 

C. obscurus Vol. Qf. (Gloria), C. australis Stimps (vom Cap), C. austra- 
lis Gay (Chili), C. australis Val. Qf. (Neuhollancl, Bai de Ferris). 
Diese letztgenannten 4 Arten bedürfen einer genaueren Beschreibung, 
um sie von anderen unterscheiden zu können, besonders die 3 gleich- 
benannten, die nicht identisch sein können, und daher zum Theil 
umgetauft werden müssen. 

Gefleckte Arten: 

C. punctatus Gr. Oersd. (Antillen). 

b. Kiemenfäden jeders ei ts nur 2 bis 4 in «1er Querreihe 

(Archidice Kbg.J 
Einfarbig : 
A. patagonica Kbg. } Magalhaensstrasse, C. filicornis Kef. } St. Vaast, 
C. pallidus Gr. nov. sp. 

Gefleckt: 
C. nigro-maculatus Ehrb. Gr. (aus dem Rothen Meere). 

2. Nur 2 Kiemenfäden auf den Segmenten, wo sie vorkommen, jederseits 1 
(Cirrinereis Blv., Labranda Kbg.). 

A. Die beiden Zeilen der Borstenbündel jederseits bis zum Ende getrennt 

fortlaufend : 

a. in beiden Zeilen der Borstenbündel bloss Haarborsten: 

C. tenuisetis Gr. (Adriatisches Meer), C.fuscus Gr. nov. sp. (Adriat. Meer), 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 63 

b. in der oberen Zelle Haarborsten und Aciculae: 
mit 2 Augen: C. bioculatus Kef. (St. Vaast), 
ohne Augen: C. Blainvillii Gr. (Triest), C. caribous Gr. (St. Croix), 

c. in beiden Zeilen Haarborsten und Aciculae: 

G. frag Ms Leidy, Marine invertebrate Fauna ob Rhode Island and New- 
Jersey p. 15 (Point Judith), L. erassicollis Kby. (Honolulu). 

Cirrinereis Bellavistae Blv. (La Rochelle) Dict. des scienc. nat. TomLVII 
p. 488 und C. filigera Blv. 0. c. Vers p. 21 F. 1 sind zu kurz be- 
schrieben, um ihnen eine nähere Stellung anzuweisen. 

B. Die beiden Zeilen der Borstenbündel jederseits anfangs getrennt, im 
hinteren Theil des Körpers sich vereinigend (Chaetozone Mgn.). 

Diese Vereinigung geschieht dadurch, dass die Borsten jedes Bündels, 
oder eigentlich jeder Querreihe, in der sie neben einander stehen, all- 
mählich auseinanderrücken und sich so begegnen. 

Ch. setosa Mgn. Annul. Polychaeta p. 96 Tab. XIV F. 84, Spitzbergen, 
Island (Prof. Häckel), Bohuslän. 

Die genauere Untersuchung der Arten muss einer anderen ausführ- 
licheren Mittheilung vorbehalten bleiben, hier mag zur Charakterisirung 
der neu aufgestellten nur Folgendes bemerkt werden: 

C. melanaeanthus Fr. Müll., Gr., fleischfarben, erreicht eine Länge von 

höchstens 36 M. (im Weingeist) bei einer Zahl von 160 Segmenten 
und trägt nur etwa bis zum 76. Kiemenfäden, welche vom 40. Paar 
an allmählich zum Rücken emporsteigen, am 5. Borstenbündel jeder- 
seits an 12 Kiemenfäden, Aciculae, an den vordersten Segmenten 
fehlend, dann mit Haarborsten zusammen, in der unteren Zeile auf- 
fallend durch ihre Stärke und schwarze Färbung, zuletzt ohne jene 
und ganz einzeln. Kopflappen halbkreisförmig oder halboval. 

C. flavescens Fr. Müll, Gr., lebend gelblich, im Weingeist bleicher, 
schlaffleibig, mit mehr als 300 sehr kurzen Segmenten bei 76 M. 
Länge (im W.). Kiemenfäden bis zum 160. Segment fast ohne 
Unterbrechung, dann mit kleinen Unterbrechungen, zuletzt ganz vei- 
misst, am 5. Borstenbündel eine fast ununterbrochene Querreihe bil- 
dend, vom 40. an sich nach dem Rücken hinaufziehend. Die Aci- 
culae treten etwa erst am 50. Segment zu den Haarborsten hinzu, 
stehen zu je 2 bis 3 und sind von blasser Farbe, an ihrer Spitze 
fast gerade. Kopflappen abgerundet dreieckig, fast gleichseitig. 

C. paltidus Gr., im Museum Godeffroy ohne nähere Angabe des Fund- 
orts, im Weingeist hellgrau, etwas lilla, schlaffleibig, mit mehr als 
200 zuletzt schwer zählbaren Segmenten, 65 M. lang, Kiemenfäden 
an den vorderen Segmenten dicker, am hintersten Dritttheil gänzlich 
fehlend, am 5. Borstenbündel jederseits 6. An den vorderen Seg- 



64 Jahres-Bericht 

menten bloss Haarborsten, goldig glänzend, danach treten in beiden 
Zeilen 2 bis 3 Aciculae von ebenfalls heller Farbe hinzu. Kopf- 
lappen stumpf und breit-dreieckig. 

C. fuscus Gr., eine kleine Art, von der nur 10 M. lange Exemplare 
vorliegen, von schwärzlicher Farbe im Weingeist, mit fein punktirter 
Haut, die längsten Borsten 2 bis 3 Mal so lang als der rundliche 
Leib breit, 110 Segmente. Die Kiemenfäden beginnen etwa auf dem 
5. borstentragenden Segment und auf dem Rücken und steigen all- 
mählich zu den Seiten herab. 

II. Die 2. Reihe, welche die Cirratuliden mit Fühlercirren bilden, um- 
fasst nur wenige Gattungen, von denen 2 wohl auch zusammenfallen, 
nämlich Heterocirrus Gr. und Narangaseta Leidy; ob Dodecaceria 
Oersd. auch dazu gezogen werden kann, ist noch zweifelhaft. Quatrefages 
betrachtet Dodecaceria als selbstständige Gattung, dagegen wird man 
Heterocirrus spalten müssen, indem eine bisher unter dieser Gattung 
aufgeführte Art, H frontifilis Gr., durch die Stellung ihrer Fühlercirren 
so auffällig abweicht, dass ich daraus eine eigene Gattung Acrocirrus 
bilden möchte. Für diese 2. Abtheilung scheint der Aufenthalt in engen 
Gängen in Kalkstein oder Muschelschalen charakteristisch. 

Heterocirrus Gr. besitzt wie Cirrinereis nur paarweise gestellte 
Kiemenfäden auf den Segmenten, und keine in einer Querreihe stehende. 
Die Fühlercirren sitzen auf dem Mundsegment, welches zwar borstenlos 
wie bei den Cirrinereis, aber nicht so lang gestreckt, auch nicht in 2 Ringe 
getheilt ist und neben jedem Fühlercirrus auch einen Kiemenfaden trägt. 
Der Kopflappen tritt nach hinten nicht in das Mundsegment hinein; die 
Fühlercirren wahre Greifeirren, wie bei den Nerinen und Spio, fallen 
sogleich durch ihre viel bedeutendere Stärke und Länge und ihre kräftige 
Bewegungen, namentlich die Neigung, Spiralwindungen zu bilden, auf, und 
haben eine ansehnliche Längsrinne. Zwar beschreibt Claparede ähnlich 
gebildete, stärkere Fäden auch bei seinem Cirratulus chrysoderma^ 
aber sie scheinen doch nicht so auffallend zu jenem Zweck gebildet, 
kommen auch in grösserer Zahl und auf mehreren Segmenten vor. 

Als Arten der Gattung Heterocirrus werden aufgeführt: 

H. saxicola Gr.^ H. multibranchis Gr. und H. ater Qf. 

Die Exemplare, nach denen ich die Beschreibung von H. saxicola 
(Arch. Naturgesch. XXI. Jahrg. p. 109 Taf. IV Fig. 11) gab, besassen nur 
3 Paar Kiemen, später stiess ich auch auf solche, welche 4, selbst 
5 Kiemenpaare zeigten, jedes an einem borstentragenden Segment, aber 
bei mehreren Exemplaren sitzt das 1 . Kiemenpaar schon auf dem (borsten- 
losen) Mundsegment selbst über den Greifeirren. Ebenso ist zu bemerken, 
dass ich später bei einigen Weingeist -Exemplaren 2 Augenpünktchen zu 
erkennen glaubte. (Adriatisches und Mittelmeer, St. Malo.) 



der Schles. Gesellscli. f. vaterl. Cultur. G5 

H. multibranchis Gr. ist an der viel grösseren Zahl der Kiemen- 
fäden zu erkennen, von denen die vordersten 11 Paar unmittelbar auf- 
einander, die übrigen sich mit Unterbrechungen folgen; das hier am Kopf- 
lappen beobachtete Augenpaar ist in der Figur (Arch. für Naturgesch. 
XXIX. Jahrgang Bd. I Fac. V F. 2) aus Versehen nicht angegeben. Ob 
diese Form auch weiterhin als eigene Art betrachtet werden kann, ist 
mir zweifelhaft geworden, seitdem ich einen Heterocirrus beobachtet, bei 
dem hinter den Kiemenpaaren der 3 ersten Segmente rechterseits noch 5, 
linkerseits 6 ganz kurze unmittelbar auf einander folgende Kiemen 
vorhanden waren, während an den übrigen Segmenten keine mehr vor- 
kamen. (Adriatisches Meer.) 

H.ater Qf. (Brehät) soll ganz schwarz und sein Kopflappen jederseits 
mit einer doppelten Reihe winziger Augenpünktchen versehen sein. Die 
Beschaffenheit der Nadeln, deren Spitze löffelartig ausgehöhlt beschrieben 
wird, zeigt sich bei stärkerer Vergrösserung auch bei II. saxicola. 

Narangaseta Corallii Leidy (Marine Invertebrata of the coasts of 
Rhode -Island and New- Jersey im Journal äff the Acad. of nat. scienc. of 
Philadelphia Second ser. Vol. III p. 12 pl. XI Fig. 46—48) scheint II. 
saxicola und H. ater sehr ähnlich, die Abbildung zeigt aber die 2 
vordersten borstentragenden Segmente nicht so verkürzt. Augen sollen 
fehlen. 

Ob die von Oersted beschriebene Dodecaceria concharum trotz- 
dem, dass alle 5 oder 6 Paar fadenförmige Anhänge als Kiemen bezeich- 
net, und an dem vordersten keine Längsfurchen angegeben werden, 
doch ein Heterocirrus ist, vielleicht eine Art, bei der jene Längsfurcheu 
weniger stark ausgeprägt sind, kann ich, da mir kein Original-Exemplar 
vorliegt, nicht entscheiden, ich habe aus Austerschalen Cirratuliden mit 
3 Paar Kiemen erhalten, die ausserdem noch ein Paar Anhänge von sehr 
in die Augen fallender Verschiedenheit besassen und die ich für H. saxicola 
halten musste, und Johnston beschreibt als Dodecaceria concharum 
Thiere aus der Schale von Cyprina islandica, deren Anhänge er zwar 
sämmtlich branchiae nennt, von denen aber 2 vordere als proper tentacula 
den anderen, die er tentacular ßlaments nennt, entgegengesetzt werden. 

Acrocirrus Or. 

Ich glaube mich berechtigt, die im Archiv für Naturgeschichte 1860 
p. 89 als Heterocirrus frontißlis beschriebene und Taf. IV Fig. 1 abgebildete 
Annelide zu einer eigenen Gattung zu erheben, da die Form des Kopf- 
lappens und die Ansatzstelle der Greif-Fühlercirren von den übrigen Gat- 
tungen abweicht und die Borsten, wenn auch an niedrigen, so doch deut- 
lich hervortretenden und mit einigen Papillen besetzten Köcherchen oder 
Wülsten sitzen. 

A. frontifilis Gr. I. c. Der trapezförmige Kopflappen ist so ganz 
in die Rückenfläche des Mundsegmentes eingedrückt, dass man an letzterem 

5 



66 Jahres-Bericht 

kaum Seitenränder unterscheiden kann, denen doch die vor dem Kopf- 
lappen sitzenden Greifeirren angehören. Dabei trägt der Kopflappen, wie 
sonst nie bei den Cirratuliden, 4 fast in einem Quadrat stehende Augen, 
deren vordere grösser und nierenförmig sind. Die Haarborsten erscheinen 
bei 300facher Vergrösserung nicht glatt wie Heterocirrus, sondern fein ge- 
ringelt oder gekerbt und die Aciculen am 5. bis 10. Segment stärker und 
vorragender als an den andern. (Adriatisches Meer.) 

Am Schluss der Sitzung legte derselbe Vortragende Clepsine 
maculosa Rathke und einen patagonischen Seestern (Ctenodiscus 
australis Loven) vor. 

Die Clepsine, die möglicherweise auch hier vorkommt, stammt aus 
Ostpreussen, wo sie in dem See von Dammhof bei Königsberg vor 16 Jah- 
ren von Herrn Stadtrath Hensche entdeckt und erst jetzt wieder gefunden 
wurde. Das Thier besitzt 4 Paar Augen, wie Cl. tesselata^ ist aber 
leicht an seiner Färbung zu erkennen. Der sammetschwarze Leib, der 
sich bis auf 58 Cm. ausstrecken kann, trägt jederseits 20 rostgelbe Rand- 
flecken in ziemlich gleichen Abständen von je 3 Ringeln und ähnliche 
unregelmässig gestellte in Querreihen an denselben Ringeln. Das eine 
der Exemplare, welche lebend hier anlangten, trug durchsichtige Junge 
am Bauche, welche für ihre Grösse schon mit sehr zahlreichen schwarzen 
Punkten übersäet waren, und zeigte, nachdem es bei dem Versuch, die 
Jungen zu isoliren, etwas unsanft behandelt war, über Nacht eine merk- 
würdige Entfärbung, indem es Tages darauf ganz aschgrau erschien, die 
rostgelben Flecken aber schwärzlich umsäumt waren. Von Schnecken 
scheint diese Art nicht zu leben, wenigstens blieben solche hier ein paar 
Wochen lang von den Clepsinen unberührt. 

Von der Gattung Ctenodiscus kannte man bisher nur eine Art, 
eine aretische (Ct. crispatus Retz.), die vorliegende, von Herrn Salmin in 
Hamburg bezogene, ist die entsprechende der südlichen Hemisphäre. Die 
kleinen, mit beweglichen Stacheln versehenen Kalkplättchen (Paxillen), 
die den Rücken bedecken, sind bei dieser patagonischen Art viel ansehn- 
licher, wohl 3 Mal so gross im Durchmesser, aber minder zahlreich, und 
die Stachelchen der Paxillen oft sternartig ausgebreitet; die Madreporen- 
platte dagegen winzig, kaum grösser als eine Papille, doch wohl erkenn- 
bar, die Mitte des Rückens, welche bei Ct. crispatus sich in einen 
conischen Hügel erhebt, hier mit dem übrigen Rücken gleichmässig gewölbt. 

Sitzung am 18. December. 

Herr Prof. Grube berichtete 

über einige bisher noch unbekannte Bewohner des Baikalsee's, 
welche die jüngst angekommene Sendung von Herrn Dr. Dybowsk 
enthielt. Auch in dem Boden dieses See's finden sich Thiere, welche 
den Regenwürmern nahe stehen. Es liegen 2 Arten vor. Die eine ge- 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 67 

hört, so viel sich ermitteln lässt, zur Gattung Euaxes und zeichnet sich 
wie unsere einheimischen durch ausserordentliche Brüchigkeit aus, so dass 
in der That fast nur Bruchstücke eingeschickt sind, theils Kopf-, theils 
Schwanzenden, die aber alle sich reproducirt haben und für unverletzte 
Thiere gelten könnten, wenn uns nicht einige wenige vollständige Exemplare 
eines Besseren belehrten. Diese letzteren besitzen eine Länge von 62 bis 
85 M. im Weingeist und eine Dicke von 3,5 bis 4 M., und nicht weniger 
als 181 bis 240 Segmente oder Ringe, einen kurzconischen Kopflappen 
und ein nicht abgeplattetes, sondern drehrundes Schwanzende, gegen 
welches hin sich der Körper langsam verjüngt, unter dem 10. Segment 
2 winzige Papillen und unter dem 1 1 . zwei von einem Hof umgebene 
Querspalten, beides der Analogie nach als die Mündungen von männlichen 
und von weiblichen Genitalorganen zu deuten. Von den oben erwähnten 
Bruchstücken lassen sich diese Theile nur an sehr spärlichen wiederfinden, 
die meisten zeigen keine Spur davon und erinnern durch ihre kurze dicke 
Gestalt an die Abbildung eines Wurmes, den Kessler im Onegasee ent- 
deckt und als Enchytraeus juliformis beschrieben hat, der aber nur 10 bis 
12 M. lang und 0,6 bis 0,7 M. dick ist und 50 schwer unterscheidbare 
Ringe hat. Auch Menge's Enaxes obtusirostris, an den man zunächst 
denken kann, zeigt andere Körperveihältnisse, so dass man bis auf Wei- 
teres unsere Baikalbewohner wohl als eigene Art (Enaxes baicalensis) in 
die Wissenschaft einführen darf. 

Eine zweite Art muss eine eigene Gattung oder Untergattung von Euaxes 
bilden (Lycodrilus), welche sich dadurch von den anderen Euaxes sehr 
auffallend unterscheidet, dass von dem 2. bis 10. Segment in der unteren 
Zeile statt der winzigen, nur äusserst wenig vorragenden und wenig ge- 
krümmten Borstenpaare je 2 viel grössere und weit vorragende sehr stark 
gekrümmte Haken stehen, die aber an Brüchigkeit den anderen nur wenig 
nachstehen. Von diesem Lycodrilus (L. Dybowskii) liegen leider nur ein 
paar bis 19 M. lange, 40 Segmente zeigende, wahrscheinlich unvollständige 
Exemplare vor. Der Kopflappen ist ähnlich wie bei E. baicalensis, Genital 
Öffnungen nicht wahrnehmbar. 

Sehr eigentümlich ist ferner eine jetzt bleichochergelbe Discophore 
(Codonobdella truncata), wahrscheinlich ein Fischegel von 13,5 M. Länge 
und 2 M. Breite, der durch die Gestalt seiner Haftorgane von den Pis- 
cicolen des süssen Wassers bedeutend abweicht, indem diese durchaus 
nicht flach ausgebreitet sind, vielmehr ist das vordere stark abgesetzte 
wie bei Pontobdella gewölbt, napfförmig und viel breiter als die anstossende 
Körperpartie, das hintere kleinere, fast nur halb so hohe, kaum von 
grösserem Durchmesser als das Hinterende des Leibes, ein sehr niedriger 
geradefort angesetzter Napf, der After auf der Rückenseite. Der dreh- 
runde und kurze Leib verjüngt sich etwas nach vorn, nach hinten nur 
sehr wenig, und besteht aus etwa 75 schwer erkennbaren Ringeln, hinter 



63 Jahres-Bericht 

dem 15. liegen die beiden Genitalöfftnmgen, von da an ist jedes 5. Ringel 
reifartig verdickt und trägt jederseits eine kleine rundliche Erhabenheit. 
Augen nicht wahrnehmbar. 

Endlich hat das zoologische Museum auch den Süsswasserschvvamm 
des Baikalsee's erhalten, den Pallas wohl unter dem Namen Spongia 
baicalensis aufgeführt, aber nicht weiter beschrieben hat. Es liegen von 
ihm ein paar Aeste in Weingeist vor, welche bis 4,5 Zoll lang und 3 / 4 Zoll 
dick und fingerförmig oder doch cylindrisch und nicht weiter verästelt 
und von sehr fester Consistenz sind, ganz im Gegensatz zu unserer leicht 
zerreissbaren Spongilla fluviatilis, die in der Ohle an der Spitzer'schen 
Badeanstalt das Holzwerk überzieht, doch übereinstimmend mit den Angaben 
von Flemming über seine Spongia lacustris, welche aber nicht die 
Spongilla lacustris ist, die Li eberkühn anführt. Jene besitzt stachliche, 
diese aber glatte Kieselnadeln. Der Weingeist, in welchem jene Aeste 
von Sp. baicalensis aufbewahrt waren, hatte eine sehr intensiv grüne Fär- 
bung angenommen, und doch war der Schwamm dadurch nur sehr wenig 
ausgezogen; bei unserer Sp. fluviatilis findet dies Ausbleichen in einem 
sehr starken Grade statt. Da dem Vortragenden keine anderen Süsswasser- 
schwämme zu Gebote stehen, ist es ihm auch nicht möglich, eine ein- 
gehendere Vergleichung anzustellen. Sp. baicalensis besitzt nur höckrige 
Kieselnadeln, die so dicht aneinander liegen und so feste Züge bilden, 
dass es etwas schwer hält, sie zu isoliren. Diese Züge laufen theils 
strahlig gegen die Peripherie hin, theils mit dieser mehr oder minder con- 
centrisch. Was aber ganz besonders charakteristisch scheint, ist die An- 
wesenheit von Oeffnungen, die sich in der feinen porösen Oberfläche so- 
wohl durch ihre Grösse (bis 2 M. im Durchmesser), als auch durch ihre 
nahezu sternförmige Gestalt sehr bemerkbar machen, Sie stehen in Ab- 
ständen von wenigstens 3 / 8 Zoll und ziemlich in 2 oder 3 herablaufenden 
Reihen meist nur an einer Hälfte des Umfanges, zuweilen auch mehr zer- 
streut, und ihre Strahlen haben ein zackiges oder etwas zerrissenes Aus- 
sehen, was mit der groben Beschaffenheit des ganzen Gewebes zusammen- 
hängt. Dergleichen Oeffnungen wird von keinem Beschreiber anderer 
Süsswasserschwämme gedacht, was wohl dafür spricht, dass sie hier über- 
haupt nicht vorkommen. Gemmulae waren leider nicht vorhanden. 



II. 

Bericht 

über 

die Thätigkeit der botanischen iSecüon der Schlesischen 
Gesellschaft im Jahre 1872 

erstattet von 
Ferdinand Cohn, 

zeitigem. Secretair der Section. 



Die botanische Section hielt im Jahre 1872 neun ordentliche und 
eine ausserordentliche Sitzung, in denen Nachstehendes verhandelt wurde: 

In der ersten Sitzung vom 18. Januar referirte Herr Prof. Ko erb ei- 
nher eine neue Abhandlung des Dr. Max Rees, worin dieser nach Aus- 
saat der Sporen von Collema glaucescens auf Nostoc lichenoides, das Ein- 
dringen der Keimfäden in die Nostocgallert zwischen den Zeilschnüren 
und demnächst die Umwandlung dieser Alge in ein Collema beschreibt, und 
so durch das Experiment die Bestätigung der Schwendener'schen Ansicht, 
dass die Lichenen nur Pilze, welche im Thallus von Algen schmarotzen, 
seien, gegeben zu haben glaubt. Dieser Auffassung gegenüber hält der 
Vortragende mit aller Entschiedenheit an der Natur der Lichenen als 
selbstständige Pflanzen fest. 

Prof. Cohn kann sich ebenfalls nicht davon überzeugen, dass die 
Aulfassung der heteromerischen Flechten als eine Art Doppelwesen, als 
Verbindung oder Consortium eines Pilzes und einer Alge in der Natur 
gegründet sei; ihm scheint noch immer die Gesammtheit der physiologischen, 
morphologischen und pflanzengeographischen Verhältnisse für die einheit- 
liche Selbstständigkeit dieser Flechten entscheidend, und die Deutung der 
Gonidien als Gewebselemente wahrscheinlicher als die von selbstständigen, 



70 Jahres-Bericht 

in das Mycel eines Ascomyceten eingelagerten Algen. Die Gewebsver- 
schiedenheiten im Thallus der Florideen bieten anscheinend Analoga zu 
der anatomischen Structur der heteromerischen Flechten. 

Für die Collemaceen dagegen fallen die von de Bary und Rees hervor- 
gehobenen Thatsachen wohl ins Gewicht. Der Vortragende hat selbst 
beobachtet, wie in gallertartigem Substrat sich parasitische Mycelien so 
constant entwickeln, dass sie bei oberflächlicher Beobachtung als zu- 
sammengehörig erscheinen; so fand derselbe die sogenannte Sternschnuppen- 
gallert fast immer von einem Hyphengeflecht durchwachsen und Ehren- 
berg und Meyen haben in der That hier Gallertpilze eigener Art (Tre- 
mella und Actinomyce) zu finden geglaubt, ohwohl es sich nur um auf- 
gequollene Froscheileiter mit parasitischem Penicillium- und Mucor-Myce\ 
handele; ebenso sind die Gallertalgen (Palmella, Gloecapsa u. a.) regel- 
mässig von Mycelfäden durchwachsen, in denen man früher specifische 
Charaktere erblickte (Palmogloea, Trichodictyon) ; die in Bergwerken bis 
zu 100 Lachter unter der Oberfläche lebenden, meist farblosen Zoogloea- 
artigen Gallertalgen (Palmella) sind ebenfalls von Fadenpilzen so regel- 
mässig durchwuchert, dass man daraus eine besondere Gattung Erebonema 
Roemer gemacht hat. 

Hierauf gab Herr Prof. Ko erber als Probe für die in Aussicht ge- 
nommene schlesische Kryptogamenflora eine von ihm abgefasste Bearbei- 
tung der Flechtengattung Lecidella, und besprach die von ihm benutzten 
Kennzeichen. 

Herr Geheimrath Goeppert machte Mittheilung über die Ver- 
wachsung der Bäume beim Pfropfen und legte einen ausserordentlich 
instructiven Längsschnitt eines grossen auf Acer platanoides gepfropften Stam- 
mes von Acer striatum vor; derselbe erwähnte, dass anscheinend die nämliche 
Nectria, welche vor einigen Jahren nach der Untersuchung des Stabsarzt 
Dr. Schroeter einen grossen Pandanusstamm im botanischen Garten ge- 
tödtet, nunmehr auch an Carica hastifolia aufgetreten ist, welche ebenfalls 
im Absterben begriffen ist. 

Prof. Cohn legt vor das zehnte General-Dublettenverzeichniss des 
schlesischen botanischen Tauschvereins von ungewöhnlicher Reichhaltigkeit, 
sowie einen Aufsatz von R. H artig über die Verwendung des Hypnum 
tamariscinum zur Anfertigung künstlicher Blumen, von welchem unter dem 
Namen Pariser Moos alljährlich allein in Berlin für 20,000 Thlr. aus 
Frankreich bezogen worden sei, während dasselbe bei uns überall in 
Wäldern zu haben sei. 

Derselbe legte die Abbildung eines von ihm beobachteten Doppel- 
Apfels auf einfachem Stiel vor, welcher, wie die vollkommen gesonderten 
Kelche und Fruchtgehäuse beweisen, aus der Entwicklung zweier Blüthen 
auf einem Blüthenstiel hervorgegangen sei, und forderte zur Beobachtung 
solcher Doppelblüthen auf, da bisher nur die Früchte untersucht wurden. 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 71 

Schliesslich berichtete derselbe über eine Mittheilung des Herrn Apo- 
theker Wetschky in Gnadenfeld bei Cosel, dass in der Nacht vom 5. 
zum 6. Januar daselbst die Gegend weit und breit mit feinem Staub be- 
deckt, auch am 6. früh die Luft derartig mit feinem Staub erfüllt war, 
dass man um y a 9 Uhr bei Lampenlicht arbeiten konnte. Eine Probe des 
eingesandten röthlichgrauen, äusserst feinen Staubes stimmte ganz mit den 
schon früher mehrfach in Schlesien beobachteten sogenannten Meteor- 
oder Passatstaubmassen überein, welche immer nur bei plötzlichem Ueber- 
gang der polaren in die äquatoriale Luftströmung und begleitendem Süd- 
oder Südweststurm auftreten und oft ganze Länder mit Staub beschütten. 

In der zweiten Sitzung vom 1. Februar verlas Herr Dr. Stenzel 
eine von Herrn Professor He n sei in Proskau eingesandte interessante 
Schilderung des ersten Aufenthalts von Milde in Östron, als Gast des 
Pfarrers Kotschy ; der Brief ist in dem von Herrn Dr. Stenzel verfassten 
und in den Verhandlungen der botanischen Section (Jahresbericht der 
Schlesischen Gesellschaft für 1871) abgedruckten Nekrologe des Prof. 
Milde aufgenommen worden. 

Hierauf besprach der Vortragende das Verhältniss Milde's zum 
Darwinismus. Milde hatte die europäischen Farne aus dem Gesichtspunkte 
dieser Theorie verglichen und constatirt, dass einzelne Farne nur sehr 
wenig variiren, andere so bedeutend, dass man aus ihnen verschiedene 
Species bilden würde, wenn nicht Uebergänge vorhanden wären, dass 
endlich bei vielen Farnen sich gewisse Merkmale durchaus constant zeigen, 
welche gleichwohl nur unbedeutend und von geringer Wichtigkeit seien 
und nur schlechte Species gründen. 

Herr Limp rieht berichtete, Milde sei in seiner letzten Zeit zu der 
Ueberzeugung gelangt, dass seine Untersuchungen nicht gegen, sondern 
für Darwin sprechen. 

Herr Dr. phil. W. G. Schneider beschrieb ein neues, von Herrn 
Geh. Rath Göppert zwischen Hünern und Kapsdorf bei Breslau gefun- 
denes und von demselben gütigst mitgetheiltes Aecidium auf Lytrum 
Salicaria, dessen Teleutosporen jedoch leider noch unbekannt sind, unter 
dem Namen: 

Aecidium pallidum n. sp. Schneid. Pseudoperidiis plerumque 
dispersis, rarius gregariis, plerumque hypophyllis, rarius epiphyllis, 
brevibus flavidis, margine subintegro; sporidiis hyalinis, junioribus 
ßavescentibuSj angulato-globosis. 
Sehr ähnlich den Aecidium-Sporen auf Silene inflata. 

Ferner zeigte derselbe einige Deformitäten, vergrösserte Kelchblätter 
von Geum rivale L., verbänderte und proliferirende Blüthenstände von 
Knautia arvensis Coult. vergrünte blühende Dianthus barbalus L. } sowie 
abwechselnde Blattstellung von Epilobium montanum L. vor, sämmtlich im 



72 Jahres-Bericht 

August 1871 bei Reinerz gefunden, und ausserdem noch einige seltenere 
Pflanzen der Rei nerzer Flora, wie Galium Cruciata, Cardamine trifolia L., 
Epipadis rubiginosa Crantz, Anthemis tindoria. 

Bei einem voriges Jahr im August von Reinerz aus unternommenen 
Ausfluge nach dem kleinen Badeorte Alt-Heide zwischen Glatz und Reinerz 
wurde der Vortragende auf ein Kalktufflager aufmerksam gemacht, wel- 
ches in der Nähe des kleinen Badehauses in einem frisch aufgeworfenen 
Strassengraben zu Tage steht, etwa */ 2 — 1' unter der Dammerde. Dieser 
Tuff enthält eine Menge gut erhaltener Abdrücke von Blättern verschie- 
dener jetzt lebender Bäume, anscheinend von Älnus und Acer, sowie auch 
von Aestchen derselben. Wahrscheinlich rührt dieser Tuff von einem 
Kalkgehalt des in Alt-Heide befindlichen Stahlsauerbrunnens her. Ein 
ahnliches Tufflager soll sich in geringer Entfernung in der Richtung nach 
Schwedeidorf zu befinden, wo eine der Alt-Heider ähnliche Quelle ihren 
Ursprung hat. 

Auch wurden schöne Exemplare von Phallus impudicus, welche die 
gesammte Entwicklungsgeschichte veranschaulichen, von Reinerz, sowie 
vom ehemaligen Militärkirchof in Breslau demonstrirt, ferner Morchella 
conica^ Agaricus conchatus, Boletus viscidus, Peziza brunnea? von der Ulbrichs- 
höhe bei Reichenbach. 

Professor Cohn bemerkte, dass er 1870 ein Kalktuff lager in der Höhe 
eines der Vorberge des Spiegelberges bei Cudowa nachgewiesen habe. 

Herr Geheimrath Goeppert legte vor 1) einen Bericht der Moskauer 
Naturforscher- Versammlung von 1870, ein starker Quartband in russischer 
Sprache, 2) Photographien und Photolithographien von Stammdurch- 
schnitten, Frostrissen und Ueberwallungen, welche die feinsten Structur- 
verhältnisse unübertrefflich treu wiedergeben, ausgeführt in dem Atelier 
von Schmidt hierselbst, 3) tricotylische Wallnüsse, von Herrn Redacteur 
eisner mitgetheilt, und eine fusslangeDaedalea. 

In der dritten Sitzung vom 15. Februar verlas Herr Geheimrath 
Goeppert einen Brief des Herrn Kreisphysikus Dr. Bleisch in Strebten, 
worin derselbe über die Wanderversammlung der schlesischen Botaniker, 
welche im Monat Mai in Strehlen resp. Rummelsberg stattfinden solle, 
bereitwilligst Auskunft ertheilt. 

Hierauf hielt Herr Mittelschul 1 ehrer Li mp rieht einen Vortrag über 

die Flora von Grünberg 
unter Zugrundelegung einer reichen Pflanzencollection, welche Herr Lehrer 
Hellwig daselbst gesammelt hat, sowie der Beobachtungen des Herrn 
Kreisgerichtsrath Everken. Derselbe sprach über die Verbreitung der 
Gefässkryptogamen und Phanerogamen in dem nordwestlichsten Gebiete 
der Provinz, das zwar in Wimmer's Flora von Schlesien keine Berück- 
sichtigung erfahren hat, wol aber in Ascherson's Flora der Mark Branden- 



der Schlcs. Gesellsch. f. vatcrl. Cultur. 73 

bürg nach Weimann's Verzeichniss der Grünberger Flora öfter genannt 
wird. Ergänzungen brachte Herr Dr. Engler in seinen Nachträgen zur 
schlesischen Flora, wozu ihm seinerzeit Herr Hellwig Belagsexemplare 
übermittelte; wie denn auch bereits im vorigen Jahre die Entdeckungen 
des Herrn Kreisgerichtsrath Everken mitgetheilt worden sind. 

Demnach besitzt die Grünberger Flora von selteneren Gefässkrypto- 
gamcn: Polypodium vulgare, Blechnum Spicant, Asplenium Trichomanes, Os- 
munda regalis (Halbemeile-Mühle), Botrychium Lunaria und Lycopodium 
complanatum et inundatum. 

Unter den Phanerogamen sind einige, wie auch anderwärts, bei uns 
für die Oderniederung charakteristisch, so Allium acutangulum, Rumex 
maritimus et sanguineus, Dipsacus silvestris, Senecio barbaraeifolius, Xanthium 
strumarium, Serratula tindoria, Cirsium acaule, Teucrium scordium, Veronica 
longifolia, Melampyrum cristatum, Cardamine Impatiens, Eryngiwn planum, 
Erysimum strictum, Arabis Gerardi, Euphorbia palustris etc., während andere 
seltene Arten die zahlreichen Diluvialhügel schmücken, unter denen be- 
sonders die Dammrauer Berge, der Schlossberg bei Bobernig und die 
Höhen um Tschicherzig sich auszeichnen durch Ph/eum Böhmeri, Melica 
unißora, Koeleria glauca, Allium fallax, Carlina acaulis, Erythraea pulchella, 
Origanum vulgare, Stachys reda, Verbascum phlomoides, Digitalis ambigua, 
Prunella grandiflora, Pyrola uniflora, Sempervivum soboliferum, Alyssum caly- 
cinum, Lepidium campestre, Arabis arenosa et hirsuta, Dianthus prolifer et 
Armeria, Silene chlorantha et Otites, Mercurialis perennis, Geranium sanguineum, 
Hypericum montanum, Medicago minima etc. 

Die Vegetation der Laubwälder enthält von selteneren Arten nur 
Polygonatum anceps, Phyteuma spicatum, Galeobdolon montanum, Galeopsis 
versicolor et pubescens, Pulmonaria officinalis, Actaea %) Corydalis cava, Circaea 
alpina, Orobus tuberosus, vernus et niger etc. 

Als bezeichnende Glieder der Flora der sandigen Kieferhaide er- 
scheinen : Avena praecox, Anthericum ramosum Scorzonera humilis, Chondrilla, 
Veronica spicata, Pyrola secunda, umbellata etc., Hypopitys, Dianthus arenarius, 
Gypsophila fastigiata, Potentilla opaca, Cytisus nigricans etc. Auf reinem 
Sandboden gedeihen: Elymus arenarius, Carex ligerica, Polycnemum arvense, 
Plantago arenaria, Teesdalia, Illecebrum, Herniaria hirsuta, Alsine viscosa, 
Poterium Sanguisorba, Ornithopus, Astralagus arenarius etc. 

Dagegen finden wir aus der reichen Vegetation der niederschlesischen 
Haidetorfsümpfe hier nur Carex Pseudo-Cyperus et pulicaris, Limnochloe 
paucißora, Blysmus compressus, Rhynchospora alba, Calla, Sparganium natans, 
Menyanihes, Pcdicularis palustris, Oxycoccns, Spergula nodosa var. pubescens, 
Comarum und Polygala amara. 

Von Wasserpflanzen sind zu erwähnen : Stratiotes, Potamogeton trichoides 
et pectinatus, Ceratophyllum submersum, Oenanthe ßstulosa, Batrachium divari- 
catum und Ranunculus Lingua. Auf feuchtem Sande wurden beobachtet: 



74 Jahres -Bericht 

Cyperus ßavescens, Iuncus capitatus et Tenageja, Gnaphalium luteo-album, 
Limosella, Centunculus, Montia minor et Elatine Hydropiper. 

Feuchte Wiesen werden geziert von Polygonum Bistorta, Valeriana 
sambucifolia, Cirsium palustre et oleraceum, Oentiana Pneumonanthe, Sanguisorba 
und Lathyrus palustris, und in Wiesengräben gedeihen Gratiola und Scu- 
tellaria hastata. 

Auf Aeckern wachsen : Senecio vernalis, Arnoseris minima, Stachys 
annua, Nigella arvensis, Papaver dubium und Radula Mülegrana. 

Als Ruderalpflanzen treten auf: Atriplex hastatum und roseum, Cheno- 
podium Vulvaria et bonus Henricus , Amarantus retroßexus, Onopordon, 
Nepeta Cataria, Datura, Anthriscus vulgaris, Lepidium ruderale, Potentilla 
supina, Cynoglossum officinale und an den Mauern der Champagner-Fabrik 
Echinospermum Lappula. — Verwildert sind Dipsacus fullonum, Xanthium 
spinosum, Rudbeckia laciniata, Cnicus benedidus und Nicotiana rustica. 

Unter den genannten Pflanzen sind von grösserem Interesse: Medicago 
minima, Dianthus arenarius und Carex ligerica, weil sie in Nieder- Schlesien 
ihre Ostgrenze erreichen, ebenfalls Juncus Tenageja und Hemiaria hirsuta, 
obgleich diese ihre Vorposten bis Ober-Schlesien aussenden. — Wahr 
scheinlich dürfte um Grünberg auch Cladium Mariscus gefunden werden, 
da es noch im benachbarten Züllichau-Schwiebuser Kreise auftritt. 

Aus der Flora von Freistadt wurden, von Herrn Th. Hellwig gesam- 
melt, noch vorgelegt: Phleum Böhmen, Senecio vernalis, Chimophila umbellata, 
Gypsophila fastigiata, Genista pilosa et tinctoria, Orobus tuber osus und Tri- 
folium fragiferum, und schliesslich von demselben aus der Umgegend von 
Muskau Hemiaria hirsuta und Juncus tenuis. 

In der vierten Sitzung vom 7. März demonstrirte Herr Geheimrath 
Goeppert die von Herrn v. Thielau auf Lampersdorf übersendeten höchst 
interessanten Wachsthumsverhältnisse aus seinen Forsten, in denen mit 
nicht genug zu rühmender Sorgfalt schöne alte Bäume besonders geschont 
werden : darunter Frostrisse einer Buche, wellenförmig, wie öfter auch bei 
Linden beobachtet; Durchschnitte einer Weissbuche von eigenthümlicher 
Gestalt, vier in regelmässigen Abständen in Folge von Frostrissen, an 
Malpighiaceen erinnernd; knollige, etwa zollgrosse Auswüchse bei einer 
Weisstanne aus verkümmerten Zweigen hervorgegangen; sie sind analog 
den Knollen von Kieferstämmen im ßiemberger Forst, die durch Ueber- 
wachsung abgestorbener Zweige entstanden sind, aber ganz verschieden 
von den äusserlich ähnlichen Bildungen einer Weisstanne, welche Dr. 
Stenzel aus der Sammlung des verstorbenen Ober-Forstmeister v. Pannewitz 
beschrieb, die blos der Rinde angehörten. Herr Professor Goeppert 
sprach sich um so dankbarer für diese Mittheilungen aus, als Herr 
von Thielau seit länger als 30 Jahren zu seinen gütigen Gönnern gehört, 
der durch seine von Sachkenntniss erfüllten Gaben mit zur Bereicherung 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultnr. 75 

und Erweiterung der morphologischen Verhältnisse der Bäume wesentlich 
beigetragen hat. Zum Vergleiche wurden auch Wurzelknollen von 
Taxodium distichum von ihm jüngst im Mohnhaupt'schen Garten beobachtet, 
sowie die kopfgrosse Kuolle einer Kieferwurzel aus dem Leubuser Wald 
vorgelegt. Aeussere Verletzungen haben sicher zu diesen Bildungen keine 
Veranlassung gegeben. 

Der Secretär Professor Cohn demonstrirte verschiedene Mikrotome 
zur Verfertigung feiner Querschnitte für mikroskopische Präparate- der- 
selbe hat durch freundliche Mittheilung des Herrn Dr. Johannes Groen- 
land, früher in Paris, jetzt in Dahme, für das Pflanzenphysiologische In- 
stitut einen Microtom von Verick in Paris, 2 Rue de la Parchimerie, nach 
der Erfindung von Rivet bezogen, der sich durch seine sinnreiche und 
einfache Construction, durch billigen Preis (7 Thlr.) und vor allem durch 
grosse Zweckmässigkeit auszeichnet; er gestattet nach geringer Uebung 
die Anfertigung der schönsten Schnitte aus nicht zu harten Pflanzentheilen 
mit einer Vollendung, wie sie aus freier Hand nicht zu erzielen ist, und 
ist daher allen Pflanzenanatomen auf das Wärmste zu empfehlen. Herr 
Mechanikus Pinzger hier hat auf des Vortragenden Bitte zwei Mikrotome 
nach einem anderen Princip construirt, von denen der eine für weiche, 
der andere für harte Objecte (Hölzer etc.) bestimmt ist; namentlich dürfte 
der letztere (Preis 4 Thlr.) einem allgemeineren Bedürfniss entgegenkommen, 
da er grosse und feine Schnitte liefert. 

Ferner berichtet derselbe über die von Herrn Professor Hoffmann in 
Giessen erfundenen neuen Aufbewahrungsflüssigkeiten für mikroskopische 
Präparate (eine Mischung gleicher Theile von Gummischleim und essig- 
saurem Ammoniak, resp. Chlorcalcium, der zur Verhütung des Schimmeln 
ein Tropfen Creosot zugesetzt wird.) Das Präparat wird in diese Flüssig- 
keit gelegt, mit einem Deckglas bedeckt, und hält sich dann unverändert, 
da der eintrocknende Gummirand das Innere schützt; die starke Licht- 
brechung der Gummilösung und das Auftreten zahlreicher Luftbläschen 
beeinträchtigen jedoch einigermassen die Schönheit der Präparate. Herr 
Prof. Goeppert bemerkte hierzu, dass er vor 32 Jahren zur Auf- 
bewahrung von Holzabschnitten sich des Mandelöles bedient habe, welche 
sich bis heut noch vortrefflich erhalten hätten, daher er diesem wenigstens 
für diese Kategorie vor allen anderen Aufbewahrungsmitteln den Vorzug 
ertheilen müsste. 

Schliesslich gab Prof. Cohn Mittheilung über Reizbarkeitserscheinun- 
gen der Staubfäden von Opuntia Ficus indica, welche zwar schon 1761 
vonKoelreuter beschrieben, seitdem aber noch nicht wieder untersucht zu sein 
scheinen. Bei einem Besuch der Isola madre im Lago maggiore im vorigen 
Sommer gelang es ihm, an blühenden Opuntien die Angaben Koelreuter's 
vollständig zu bestätigen; bei anderen Cacteen wurde zwar Verkürzung 



76 Jahres-Bericht 

der Staubfäden durch electrische Schläge, aber keine eigentlichen Be- 
wegungserscheinungen wahrgenommen. 

In der fünften Sitzung vom 4. April hielt Herr Rittergutsbesitzer Dr. 
Max Heimann auf Wigschütz bei Cosel O/S. einen Vortrag über 

Pfropf hybriden bei der Kartoffel. 

Nachdem er die Geschichte der früheren Arbeiten berichtet, theilte 
er seine eigenen im vorigen Jahre vom 13. April an gemachten Versuche 
mit, die mit drei verschiedenartigen Sorten, der rothen sächsischen Zwiebel- 
kartoffel, der mittelfrühen blauen und der weissen langen Sechswoehen- 
kartoffel angestellt waren. Das Edelauge, aus je einer dieser Sorten, in 
konischer oder Cylinderform ausgeschnitten, wurde in die entsprechende 
Höhle einer Mutterknolle gebracht, deren eigene Triebentfaltung entfernt, 
was freilich bei deren grossen Triebkraft nur schwierig gelingt, indess 
zeigte sich bei der Ernte eine grosse Zahl von Bastardknollen, welche 
in den Eigentümlichkeiten ihrer Form, und Farbe des Fleisches und der 
Schale zwischen den Stammsorten die Mitte halten. Es wurden mehrere 
Reihen solcher Pfropf hybriden vorgezeigt', die Versuche sollen in diesem 
Jahre fortgesetzt werden. 

Herr Cand. phil. David sprach mit Bezug auf eine so eben erschienene 
Abhandlung von Gobi in Petersburg über die Algengattung Chroolepus über 

die Keimung der Schwärmsporen von Chroolepus umbrinum Ktz. 
Im September 1871 wurde in der Verhandlung der K. Akademie zu 
Petersburg ein Aufsatz von Gobi veröffentlicht, worin derselbe eine neue 
Species der Algengattung Chroolepus unter dem Namen Chr. uncinatum*) 
beschrieb. Aus dem Umstände, dass der Thallus dieser Alge theils aus 
länglich-cylindrischen Zellen, theils aus solchen zusammengesetzt ist, welche 
durch ihre kugelige Gestalt, sowie durch die Art ihrer Verästelung sehr 
an die Zellen von Chr. umbrinum Ktz. erinnern, kommt der Verfasser auf 
die Vermuthung, dass die von ihm entdeckte Species vielleicht ein höheres 
Entwickelungsstadium der genannten Art sei. Ferner bestreitet der Ver- 
fasser die Richtigkeit der Beobachtungen von Caspary und Hildebrand, 
welche an zwei anderen Arten eine Keimung der Schwärmsporen beobachtet 
haben wollen. Dies veranlasst mich, eine Beobachtung mitzutheilen, 
welche ich im Sommer 1871 im hiesigen pflanzenphysiologischen Institut 
gemacht habe. 

Chr. umbrinum findet sich sehr gemein an Bäumen sehr verschiedener 
Art und bildet auf der Rinde derselben einen dunkelrostbraunen, bisweilen 
sogar scharlachrothen Ueberzug. Unter dem Mikroskop zeigt sich der 



*) So muss es statt uncinatus heissen, da der Gattungsname mit dem Worte 
xo Iznoq zusammengesetzt ist. 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 77 

Thallus bestehend aus starkwandigen isodiametrischen Zellen, welche 
Fäden bilden, doch so, dass die fädige Anordnung in Folge der Dichtig- 
keit und Menge oft ganz verschwindet und die Zellen zu einer unregel- 
mässigen Masse verwachsen erscheinen. Der Inhalt der Zellen ist braun- 
roth in verschiedenen Nuancen. Cultivirt man den Thallus in feuchter 
Luft oder in Wasser, so zeigt sich, jedenfalls eine Folge der gesteigerten 
vegetativen Thätigkeit, bald auch lichtgrünes Chlorophyll in den Zellen, 
welches den rothen Farbstoff einhüllt. (Dieser Vorgang wird von Gobi 
weitläufig und richtig erörtert.) Trotzdem ich Exemplare von den ver- 
schiedensten Standorten gesammelt hatte, konnte ich doch niemals Stellen 
finden, wo Uebergänge von den runden unregelmässig geordneten zu 
cylindrischen deutlich fädig angeordneten Zellen stattfanden, wie dies 
Gobi bei Chr. uncinatum beschreibt und abbildet. Brachte ich ein Stück- 
chen des krustenartigen Thallus in einen Tropfen Wasser, so fand meist 
schon nach 2 — 3 Minuten eine äusserst lebhafte Schwärmsporenbildung 
statt, viele Hunderte von Sporen schwärmten im Wasser umher. Die- 
selben entstanden, indem der Inhalt beliebiger und anscheinend ordnungs- 
los im Thallus zerstreuter Zellen in 32 Theile zerfiel, indem dann die 
Zellwand an einem Punkte sich öffnete und die Sporen herausliess. Oft- 
mals wurde der Inhalt mehrerer nebeneinander liegenden Zellen zur Sporen- 
bildung verbraucht. Auch ich habe ebensowenig wie Gobi beobachtet, 
dass jemals der Inhalt grüngewordener Zellen in Schwärmsporen zerfallen 
wäre. Letztere sind rothbraun gefärbt und mit zwei Cilien versehen. 
Hatte ich auf das Präparat ein Deckgläschen gelegt, so trat schon nach 
etwa 5 Minuten der Tod sämmtlicher Sporen ein. Dieselben hörten auf 
zu schwärmen, zeigten einige Secunden eine zitternde Bewegung, fielen 
dann zu Boden und zeigten sich mit Verlust ihrer Cilien als kleine un- 
regelmässige Häufchen grüner und brauner Körnchen. Anders jedoch, 
wenn das Präparat ohne Deckgläschen gemacht wurde. In diesem Falle 
nämlich dauerte das Schwärmen 25—30 Minuten, ja bei einzelnen noch 
länger. Dann stellten die Sporen (bei denen ich eine Copulation nicht 
wahrnehmen konnte) die Bewegung ein, verloren die Cilien und wurden 
zu kleinen braunrothen, scharf contourirten Kügelchen, die sich nament- 
lich am Rande des Wassertropfens massenweise angesammelt hatten. In 
diesem Zustande wurden die Präparate in die feuchte Kammer gebracht. 
Erst nach fünf Tagen war eine deutliche Weiterentwickelung wahrzunehmen. 
Die Sporen hatten an Grösse ein wenig zugenommen, jedoch nicht so, 
dass sie die normale Grösse der Zellen erreicht hatten, und zeigten eine 
feine, aber bei sehr starken Vergrösserungen deutlich erkennbare Membran, 
der Inhalt der Zelle, vorher nur rothbraun, zeigte jetzt reichliches Chloro- 
phyll, in welchem das rothe Pigment im Centrum oder excentrisch oder 
bandartig eingelagert war. Nach Verlauf weiterer 5 Tage hatte die Grösse 
dieser Zellen noch mehr zugenommen, sie hatten sich meist in einer Rieh- 



78 Jahres-Bericht 

tung etwas gestreckt und eine Scheidewand hatte die Zelle in zwei un- 
gleiche Hälften getheilt, die ohne Einschnürung auf einander sassen. So 
habe ich das Heranwachsen bis zu 4 hintereinander liegenden, also fädig 
angeordneten Zellen beobachtet; bisweilen wuchs auch eine Zelle in zwei 
Richtungen aus, die Astbildung ist also eine sehr frühzeitige. Der Inhalt 
der einzelnen Zellen war überwiegend grün, nur wenige zeigten nur das 
rothbraune Pigment. Einmal habe ich auch beobachtet, wie eine Spore 
in der Mutterzelle zurückgeblieben war und sich hier mit einer Membran 
umkleidet hatte. Wesentlich ist, dass sich Rhizinen nicht gebildet haben. 
Der Einwurf, welchen Gobi gegen die Keimungsbeobachtungen von 
Caspary und Hildebrandt macht, dass nämlich die Beobachtung nicht an 
einer bestimmt fixirten Spore gemacht worden sei, und dass daher zu- 
fällig losgelöste und fortwachsende vegetative Zellen für keimende Sporen 
angesehen worden seien; dieser Einwurf kann allerdings auch gegen diese 
Beobachtung erhoben werden. Indessen glaube ich mich nicht getäuscht 
zu haben. Einmal nämlich habe ich das von der Rinde herabgenommene 
Stückchen des Algenthallus nicht mit der Nadel zerkleinert, daher dürfte 
es kaum annehmbar erscheinen, dass sich eine so grosse Anzahl einzelner 
Zellen aus der gemeinsamen Masse abgelösst haben sollten; sodann hatten 
sich die zur Ruhe kommenden Sporen, wie bereits gesagt, am Rande des 
Wassertropfens sehr zahlreich angehäuft, wo sie dann immer wieder leicht 
aufgefunden und beobachtet werden konnten. Endlich hatten die Sporen 
zur Zeit, wo sie sich mit einer Membran bekleideten, noch lange nicht 
die Grösse der vegetativen Thalluszellen. — Ich erwähne noch, dass ich 
zwar mit Exemplaren von den verschiedensten Fundorten obige Versuche 
anzustellen versuchte, dass jedoch nur der Chroolepus, welchen ich von 
einer Populus balsamifera L. des hiesigen botanischen Gartens entnahm, 
Schwärmsporen bildete, dieses allerdings zu jeder Tageszeit, bei jedem 
Wetter und in ausserordentlicher Anzahl, ohne dass ich den Grund ge- 
funden hätte, weshalb dieser Vorgang bei Exemplaren anderer Fundorte 
nicht eintrat. 

Herr Privatdocent Dr. Kny (Berlin) stellt die Vermuthung auf, dass 
die Gobi' sehen Gebilde vielleicht Chytridien sein möchten. 

Herr Geheimrath Prof. Goeppert legte vor: 

1. neue Belegstücke für UeberwalJung von Pfröpflingen, Ausbildung 
der Demarkationslinie und das intermediäre Zellgewebe bei ver- 
edelten Birnbäumen; 

2. ein grosses von Herrn Gartendirector Paetzhold in Muskau ein- 
gesendetes Herbar, welches Zweige und Blätter sämmtlicher in 
seinem berühmten Arboretum eultivirter Bäume und Sträucher 
enthält, eine für das Herbarium des botanischen Gartens überaus 
werthvolle Gabe. 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 79 

Dabei verweilte er noch länger bei der Schilderung des gegenwär- 
tigen Zustandes dieser Anlagen, von welchen er bereits im Jahre 1860 
in unseren Verhandlungen eine ausführliche Schilderung gegeben hat. In 
Wahrheit kann sich gegenwärtig Niemand erfolgreich mit Dendrologie 
beschäftigen, ohne sie genau besichtigt zu haben. 

Herr B, Stein legte vor: 1) einen prachtvollen Rasen von Tetraplodon y 
sowie Geeister ßmbriatus von Zobten; 2) für Schlesien neue und seltene 
Flechten: TJsuea ceratina, Evernia vulpina, Imbricaria Acetabulum; ferner 
gab derselbe einen Bericht über den 1862 durch Herrn v. Uechtritz ge- 
gründeten, seit 1870 von Herrn Apotheker Fritze in Rybnik und ihm ge- 
leiteten Schlesischen Tauschverein, der soeben sein zehntes Jahr abge- 
schlossen und an 72 Theilnehmer 17,000 Exemplare von getrockneten 
Pflanzen vertheilt hat. 

Der Secretair Prof. Cohn hielt einen Vortrag über das Breslauer 
Wasserhebewerk. Dieses wahrhaft grossartige Bauwerk, dessen durchaus 
gelungene Ausführung den Erbauern zur Ehre und der Stadt zum Nutzen 
gereicht, umschliesst in seinem imposanten Maschinenhause 4 colossale 
Pumpen von 210 Pferdekraft, von denen gegenwärtig erst zwei in Thätig- 
keit sich befinden. Die eine Pumpe saugt das Wasser aus einer mit 
Granitquadern ausgelegten Bucht der Oder und treibt es quer über den 
Weidendamm in ein Filterbassin, ein grosses quadratisches Wasserbecken, 
das ebenfalls mit Granitquadern ausgelegt ist; der Boden des Bassins 
besteht aus einer Schicht Sand, darunter Kies, darunter feinerer, dann 
gröberer Bruchstein. Das Oderwasser unter dem Druck der 4 Fuss hohen 
Wassersäule läuft rasch durch den Filterboden und sammelt sich unter 
demselben in einen das Bassin der Länge nach durchziehenden Haupt- 
kanal, welcher das filtrirte Wasser nach einem am Boden des Maschinen - 
hauses befindlichen Reservoir zurückführt. Von hier wird das Wasser 
durch eine zweite Pumpe 125 Fuss hoch auf ein unter dem Dache des 
Gebäudes befindliches Hochreservoir gehoben und ergiesst sich in dieses 
unter mächtigem Rauschen, caskadenartig, wobei es sich mit Luft reich- 
lich imprägnirt, um durch seinen eigenen Druck von da in die nach der 
Stadt gezogenen Zuflussröhren hinabgetrieben zu werden. Die mikrosko- 
pischen Untersuchungen des Vortragenden constatirten die ganz ausser- 
ordentliche Klarheit, Reinheit, sowie Abwesenheit organischer Verunrei- 
nigungen in dem filtrirten Wasser, das selbst bei Hochwasser nur vorüber- 
gehend unbedeutende Trübungen zeigt. 

Schon im vorigen Jahre war dem Vortragenden durch den Erbauer 
des Hebewerks, den damaligen Stadtbaurath Zimmermann, eine brüchige 
glänzende Masse übergeben worden, welche sich auf dem Boden des 
Filterbassins absetzt; im März dieses Jahres gab Herr Ingenieur Müller 
dem Vorsitzenden freundlichst Gelegenheit, ein eben abgelassenes Bassin 
zu untersuchen. Der Sandboden war fast gleichmässig bedeckt von einer 



80 Jahres -Bericht 

schleimig krustigen grau-grünlichen Schicht, welche, wie die von Herrn 
Zimmermann übergebene, fast ganz und gar aus Diatomeen besteht (fast 
reine Fragillaria, vereinzelte Synedra- und Navicula- Arten). Sobald der 
Boden des abgelassenen Filters austrocknet, löst sich die Diatomeenschicht 
als eine zusammenhängende, etwa 7 2 Millimeter dicke Haut von dem 
darunter liegenden Sande ab, und zerbricht leicht in kleinere Stücke. 
Die Erfahrung zeigt, dass von Zeit zu Zeit die Erneuerung des Sandfilters 
noth wendig wird, wobei das Wasser abgelassen, etwa 10 Zoll der obersten 
Sandlage mit der darüber ausgebreiteten Diatomeenschicht entfernt und 
durch frischen Odersand ersetzt wird; nach 8 Wochen ist jedoch das 
Filter wieder unbrauchbar und muss erneut werden, nachdem sich aus 
den im Oderwasser eingeführten Keimen wieder eine zusammenhängende 
Diatomeenhaut gebildet hat, auf und in welcher natürlich auch die feinen 
Thon- und Kieseltheile des Flusswassers zurückgehalten werden. Die 
Diatomeen tragen allerdings bei ihrer ausserordentlichen Vermehrung in- 
sofern zur Verbesserung des Wassers bei, als sie demselben nicht unbe- 
deutende Mengen von Kieselerde, neben etwas kohlensaurem Kalk und 
Eisen entziehen und in unlöslicher Form niederschlagen, dadurch aber die 
chemische Reinheit des Wassers erhöhen. Indem jedoch der schleimige 
Diatomeen-Ueberzug die Filter rasch verstopft und häufigere Erneuerung 
der Filter nöthig macht, veranlasst er sehr bedeutende Ausgaben der 
städtischen Verwaltung. 

In Folge der Einladungen Seitens der Herren Professoren Göppert 
und Cohn fanden sich am 12. Mai früh 7 Uhr ca. 60 Mitglieder und 
Freunde der botanischen Section aus Breslau wie aus anderen Theilen 
unserer Provinz auf dem Central-Bahnhofe ein, um an der dritten Wander- 
versammlung der schlesischen Botaniker auf dem Rummelsberge bei 
Strehlen Theil zu nehmen. Um 8 x / 2 Uhr empfing Herr Kreisphysikus Sanitäts- 
rath Dr. Bleisch zu Strehlen die Angekommenen auf das Freundlichste und 
lud dieselben ein, die bereitstehenden Wagen zu besteigen. In der Unter- 
Försterei Mehltheuer wurden die Wagen verlassen und zu Fuss der Weg 
durch die im schönsten Maiengrün belaubten Wälder nach dem nahen 
Rummelsberg augetreten. In der auf Anregung des Präses des schlesischen 
Forstvereins, des Wirklichen Forstmeisters Tramnitz, durch Herrn Ober- 
förster Linz festlich geschmückten Halle eröffnete Herr Geheimrath 
Göppert 11 7a Uhr die Sitzung, indem er die so zahlreich Erschienenen 
begrüsste und Herrn Sanitätsrath Dr. Bleisch zum Tagespräsidenten, die 
Herren Fabrikdirector Wink ler (Neisse), v. Thielau (Lampersdorf), 
Forstmeister Tramnitz (Breslau), Director Peck (Schweidnitz) zu Ehren- 
Präsidenten vorschlägt; hierauf spricht er noch dem schlesischen Forst- 
verein im Namen der Versammlung für die freundliche Aufnahme seinen 
Dank aus. 



der Sehles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 81 

Herr Dr. Blei seh nimmt den Vorsitz an. 

Herr Professor Colin knüpft an die gegenwärtige Versammlung- 
einige Worte der Erinnerung an Herrn Professor Sadebeck — jetzt in 
Berlin — und den verstorbenen Hilse, die sich beide um die Topographie 
und Flora der Strehlener Berge so grosse Verdienste erworben, sowie 
an die ausgezeichneten Forschungen von Blei seh über die Strehlener 
Diatomeen:, er fordert die Versammlung auf, ihre Namen auf einer, von 
Herrn v. Thielau zur Verfügung gestellten Platte von Acer Pseudoplatanus 
einzuzeichnen. 

Der königl. Forstmeister Herr Tramnitz verliest nachstehende Skizze 
über die Strehlener Berge. 

Die Strehlener Berge bilden den östlichen Ausläufer von drei 
Höhenzügen, welche im Kleutschberge bei Gnadenfrei ihren Knoten- 
punkt haben. Der nördliche Arm derselben endet mit dein Zobten- 
berge. Der westliche Strang vermittelt die Verbindung mit dem Eulen- 
gebirge. 

Die Grundfläche der Strehlener Berge enthält ungefähr eine 
Quadratmeile und nimmt ein gleichschenkliches Dreieck ein, dessen Spitze 
die Stadt Strehlen und deren gegenüberliegende Seite die Dörfer Türpitz- 
Rätsch angeben. Die westliche lange Seite wird auf ihrer ganzen Aus- 
dehnung fast genau vorn Ohlaufluss festgehalten- die östliche Seite grenzt 
an das Thal des Kriene-Baches und die nördliche Seite fällt mit dem 
Niederungsrande des Türpitzer Wassers zusammen. 

Auf unserer heuligen Wagenfahrt haben wir im Wesentlichen den 
allmälig ansteigenden Längsrücken der Strehlener Berge verfolgt, welcher 
links und rechts mehr oder weniger steil abfällt. Der Ohlaufluss bei 
Strehlen hat nach Sadebeck eine Seehöhe von 506 Par. Fuss. Hier auf 
dem Rummelsberge, dem höchsten Punkte des Kammes, befinden wir 
uns 1218 Par. Fuss über der Ostsee. Zwei andere, etwa 3000 Meter 
westlich von hier gelegene Kuppen, der Kalinkenberg und der Leich- 
namsberg, sind nur 20 Fuss niedriger. 

Der hiesige Höhenzug gehört zum Urgebirge und enthält in der 
Hauptmasse Gneiss und Glimmerschiefer. In untergeordneten Partieen 
kommt Granit und Grünstein vor. Auch finden sich vereinzelte Stellen 
mit Urkalk, Quarz und Graphit. Bemerkenswerth hierbei sind drei Marmor- 
lager, nämlich 1) 1000 Meter nördlich von Prieborn, 2) auf dem 1300 
Meter nordöstlich von hier liegenden Kuh berge und 3) 30 Meter unter 
uns am westlichen Fusse des Rummelsberges. Diese Marmorlager sollen 
eine Mächtigkeit von mehr als 200 Ellen haben. Nur der Prieborner 
Marmorbruch ist im Betriebe und liefert ausser Bruchsteinen zum Kalk- 
brennen auch grosse Stücke zu Bildhauer-Arbeiten. Die beiden anderen 
Lager werden wohl mit der Zeit auch noch zur Ausbeute kommen. — 

G 



82 Jahres-Bericht 

Interessant ist noch das reichliche Vorkommen von Quarzkrystallen in 
Drusen und einzelnen Stücken nahe bei der Oberförsterei Crummendorf 
auf dem Krystallberge, wo sie früher ausgegraben wurden und noch 
jetzt in den zurückgebliebenen sogenannten Wetzsteingruben zerstreut 
gefunden werden. 

Das Urgestein der Strehlener Berge tritt auf den Höhen häufig zu 
Tage und ist auf den übrigen Theilen selten mehr als wenige Fuss mit 
Erde bedeckt. Es steigt mehr in horizontaler als in steiler Richtung. 
Der Boden in den Bergen ist im Allgemeinen vorherrschend flachgründig, 
jedoch in Folge des Quellenreichthums meist frisch und wegen des vor- 
teilhaften Mischungsverhältnisses sehr fruchtbar, namentlich für den Holz- 
wuchs durchweg günstig. In den niederen Lagen am Rande der Strehlener 
Berge nimmt seine Ertragsfähigkeit auffallend zu. Im weiteren Umkreise 
vom Rummelsberge breiten sich die gesegnetsten Fluren aus. 

Das Klima ist bis auf die höchsten Kuppen mild und wenig von 
demjenigen des anliegenden Flachlandes verschieden. Der Schnee liegt 
hier zwar länger und tiefer als in der Umgegend, doch bleibt die Vege- 
tation deshalb nicht merklich zurück. Die Waldbäume erreichen einen 
ziemlich hohen Grad der Vollkommenheit und tragen in der Regel reifen 
und guten Samen. Die angrenzenden Dorffeldmarken zeichnen sich durch 
die Anzucht edler Obstarten, besonders schöner Kirschen, aus. 

Die Oberfläche der Strehlener Berge ist zum grossen Theil mit 
einem zusammenhängenden Walde von 2000 Hektar bedeckt, von welchem 
der königl. Forstbezirk Mehltheuer etwa 800 Hektar, das Charit6-Revier 
Prieborn 660 H. und der herrschaftliche Göppersdorfer Wald 310 H. ein- 
nimmt. Hieran stossen noch verschiedene Rusticalholzungen. In diesen 
Forsten finden sich die meisten der gewöhnlichen deutschen Waldbäume, 
namentlich: Eichen, Rothbuchen, Weissbuchen, Ahorne, Rüstern, Eschen, 
Birken_, Erlen, Ebereschen, Linden, Aspen, Haseln, Weiden, Tannen, 
Fichten, Lärchen und Kiefern. 

Die Waldwirthschaft besteht gegenwärtig noch in einer Art 
Mittelwaldbetrieb, d. h. es wird in nicht ganz regelmässigem Verfahren 
Baumholz durch Ueberhalten aus dem alle 18 bis 20 Jahre abzutreibenden 
Schlagholze erzogen. Der kgl. Forstbezirk Mehltheuer ist für den Forst- 
wirth deshalb besonders interessant, weil daselbst seit einigen Jahren 
unter der umsichtigen Leitung des Herrn Oberförsters Blankenburg die 
schwierige Umwandlung des Mittelwaldes in den Hochwald ausgeführt 
wird. Hierzu sind, beiläufig bemerkt, einige Menschenalter erforderlich. 

Die sonstige Waldflora der Strehlener Berge ist mannigfaltig 
und üppig, obwohl sie nur in sehr beschränktem Grade den Charakter 
der Gebirgs- Vegetation trägt. Sie stimmt mehr mit derjenigen des Flach- 
landes überein. 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 83 

Ich erlaube mir, eine Nachweisung der hier vorkommen- 
den Pflanzen zu vertheilen. 

Was die hiesige Waldfauna anbetrifft, so kann der Jäger mit der- 
selben sehr zufrieden sein. Es stehen in dem zusammenhängenden Wald- 
complex gegen 50 St. Dammwild, die Herr Amtsrath v. Schönermarck 
vor einigen Jahren durch Aussetzen von einigen Stück Mutterwild auf- 
gebracht hat. Der Rehstand wird etwa aus 150 St. bestehen. An Hasen 
sind durchschnittlich 500 St. zu rechnen. Füchse, Marder, Iltisse kommen 
nur vereinzelt vor. An kleinen Vierfüsslern fehlt es nicht. Fasanen 
werden in den Feldhölzern von Prieborn reichlich gezogen und fliegen 
häufig in den grossen Wald über. Waldschnepfen fallen im Frühjahr und 
Herbst in massiger Anzahl ein. Von kleineren Vögeln ist der Wald nicht 
sonderlich belebt. Besondere Arten kommen für gewöhnlich nicht vor. 

Die angrenzenden Feldmarken, namentlich diejenigen des Amtes 
Prieborn, bilden mit die reichsten Jagdgründe Schlesiens. — Ich selbst 
habe hier Jagden mitgemacht, auf denen an einem Tage 400 Hasen zur 
Strecke kamen. Ebenso schössen wir in einer Gesellschaft von wenigen 
Schützen mehrere Hundert Rebhühner auf einer Suche. Im letzten Herbst, 
am 24. November, betrug die Ausbeute einer Jagd bei der Kuckuksmühle 
245 Fasanen, von denen Se. Exe. der Herr Ober-Präsident Graf Stolberg 
allein mit eigener Hand 68 St. erlegte. Zu erwähnen ist noch, dass Herr 
Amtsrath v. Schönermarck in den letzten Jahren englische Ring- 
fasanen und Schopf wachtein ausgesetzt hat, welche beiden Vogel- 
arten sich gut zu halten und zu vermehren versprechen. — — — 

Das hiesige Bergrevier gehört zu der Herrschaft Prieborn, welche 
aus 7 Vorwerken besteht und ehemals im Besitz der Familie von Czirn 
war, bis sie nach den Schlesischen Kriegen an die Krone Preussens fiel 
und von Friedrich dem Grossen der Berliner Charite mit der Bedingung 
überwiesen wurde, aus den Revenuen eine Anzahl Invaliden zu pflegen. 
Ueber dem Portal des Schlosses, jetzigen Amtshauses, zu Prieborn ist 
noch heute das in Stein gehauene Wappen derer von Czirn mit der Jahres- 
zahl 1656 zu sehen. Eine Urkunde vom Jahre 1515 nennt den Besitzer: 
Czirn vom Romsberge. Den letzten Namen führte damals die Raub- 
burg, welche auf der Stelle des jetzigen Aussichtsthurmes stand und im 
16. Jahrhundert zerstört wurde. Die Wallgräben derselben sind noch 
jetzt deutlich zu erkennen. In älteren Fürstenthumskarten und Schrift- 
stücken ist dieser Gipfel auch als Ruhmsberg verzeichnet. Rommels- 
berg dagegen wird er zuerst 1689 von Ferd. Lucae und nach diesem 
1704 ebenso von Henelius genannt. Hieraus ist in neuerer Zeit der Name 
Rummelsberg entstanden, welcher amtlich festgehalten wird. Die 
ältere Bezeichnung Ruhmsberg sollte nach einigen Chronikern daher stam- 
men, dass die Breslauer und Neisser Bürger die Burg im Jahre 1429 

6* 



84 Jahre s-Bericht. 

ruhmvoll erstürmt haben. Diese Annahme ist aber historisch unsicher, 

hat indessen zu dem Distichon von Geisheim Veranlassung gegeben : 

Ruhmsberg Messest Du einst, doch Rummelsberg nennt man jetzt Dich, 
Weil man sich minder auf Ruhm, als auf den Rummel versteht. 

Hierauf vertheilte Herr Forstmeister Tramni tz eine Karte des Berges, 
sowie ein autographirtes Verzeichniss der auf dein Rummelsberge von 
Sadebeck aufgefundenen Pflanzen. 

Herr v. Thiel au hielt eine Ansprache an die Versammlung und 
legte die vorher erwähnte Ahornplatte, Fliigelsamen des Ahorn, einen 
18 Pfund schweren Kürbis und 5y 2 Fuss hohe Roggenähren vor. 

Herr Geheimrath Göppert sprach über die neuesten bota- 
nischen Entdeckungen und Einführungen und legte Abbildungen 
derselben vor, wie 

1) Welwüschia mirabüis aus Südwestafrika:, die wohl 100 Jahre und 
darüber dauernden Cotyledonen sind zugleich die einzigen Blätter des 
Wurzelstockes- die Blüthen sind der einer Ephedracee entsprechend. 
Getrocknete Exemplare waren auf der Londoner Ausstellung; eine lebende 
von ansehnlicher Grösse soll sich in Portugal befinden. 

2) Darlingtonia californica, eine Schlauchpflanze aus den Sümpfen 
Californiens. 

3) Godwinia gigas, mit 13 Fuss im Umfang haltendem Blatt, von 
Seeman entdeckt, und verschiedene andere Aroideen, wie auch Orchideen. 

4) Todea australis, ein wunderbarer Farn; es ist kein Stamm, son- 
dern ein wahrer Pflanzenberg, eine schwarze, mit Luftwurzeln bedeckte, 
bis 8 Fuss hohe und 6 Fuss breite und lange Masse, die an der Spitze 
einzelne Gruppen von Wedeln trägt; gegenwärtig ist sie in Belgien käuf- 
lich zu haben und es wäre wünschenswerth, ein solches Exem- 
plar für unseren botanischen Garten zu erlangen. 

Derselbe demonstrirte mehrere morphologische Vorkommnisse 
an Bäumen: Frostrisse, welche oft irrthümlich für Blitzwirkungen ange- 
sehen worden sind; Verwachsungen durch Abstossen von Rinde; Bildung 
von Auswüchsen durch Adventivknospen. Darüber handelt näher ein im 
Erscheinen begriffenes Werk: Beiträge zur Morphologie der Bäume. 
Sämmtliche Gegenstände wurden in natura oder in Photographieen vor- 
gelegt. 

Ferner hielt derselbe einen Vortrag über 
die Bedeutung der fossilen Flora und ihrer Leitpflanzen zur Auffindung 

nutzbarer Fossilien (Kohlen etc.), 
aus deren Vorkommen man sicher auf silurische, obere und untere Kohlen- 
Formation, Permische, Trias-, Jura-, Kreide-, Tertiär- oder Diluvial-For- 
mation zu schliessen vermag. 

Die Kenntniss der fossilen Thiere gelangte früher als die der Pflanzen 
zu einer gewissen Selbstständigkeit und Sicherheit in Schlüssen, welche 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cnltur. 85 

insbesondere für praktische Geognosie von hoher Bedeutung geworden 
sind. Man fand nämlich, dass gewisse organische Reste in den ver- 
schiedensten Gegenden der Erde nur in bestimmten Gesteinen vorkamen, 
und erkannte nun eben hierin ein Mittel, um über ihre geognostische Be- 
deutung Aufschluss zu erhalten. Insofern alle diese fossilen thierischen 
Reste als Führer dienten, nannte man sie Leitthiere. Erst später traten 
auch die fossilen Pflanzen in die Reihe ein, ja erlangten in Betreff der 
Erkennung der für technische Zwecke so wichtigen, Brennstoff führenden 
Schichten eine höhere Bedeutung als die Thiere. Somit gewann die Lehre 
von den Versteinerungen auch eine grosse praktische Wichtigkeit, wäh- 
rend man sonst diese Wissenschaft, wie so manche andere, deren directer 
Nutzen nicht gleich von vornherein Jedermann einleuchtet, füi müssige 
Beschäftigungen der sogenannten Gelehrten zu halten geneigt war. Wir 
können nun aus den in den Schichten der Sandsteine und Schieferthone 
vorkommenden fossilen Pflanzenarten mit grösster Sicherheit einerseits die 
Art der Kohle, ob wir ältere oder wahre Steinkohle, Kohle der Trias-, 
Jura- und Quadersandsteinformation oder Braunkohle vor uns sehen, oder 
solche erwarten dürfen, sowie auch selbst auf die zu erwartende Quan- 
tität derselben zum Theil oft Schlüsse ziehen, welche letztere Hinsicht, 
wie leicht einzusehen, von der berücksichtigungswerthesten praktischen 
Bedeutung sind. So charakterisiren gewisse Pflanzen die Schichten, welche 
man bei uns gewöhnlich noch mit dem Namen des Uebergangsgebirges 
oder Grauwacke ^Kulmgrauwacke) bezeichnet, die als das Liegendste 
unserer Steinkohlenformation keine bauwürdigen Flötze mehr enthalten. 
In dem im botanischen Garten aufgestellten Profile der Kohlenformation 
sieht man sie in ihrer naturgemässen Lage, wie den Calamites transitionis m. 
und die Sagenaria Veltheimiana^ oder auch ausserhalb desselben aufgestellt 
die Neuropteris Loslii und das Lepidodendron hexagonum m. — Sie ver- 
dienen ganz besonders der öffentlichen Beachtung empfohlen zu werden, 
da man in besagter Formation, verleitet durch einzelne Lagen schwärz- 
licher Schiefer, häufig kostspielige, aber stets fruchtlose Bohrversuche 
nicht blos in unserer Provinz, wie bei Tost, Schweidnitz, Lahn, im 
Leobschützischen, sondern auch in verschiedenen Gegenden Deutschlands, 
sowie in Nord Amerika angestellt hat und dergleichen wieder, wie man 
hört, in der Umgegend von Glatz beabsichtigt. Obengenannte Pflanzen 
wurden im Original wie in Abbildungen vorgelegt, desgleichen auch die 
Leitpflanzen für die übrigen obengenannten Formationen. 

An diesen hier nur auszüglich mitgetheilten Vortrag schloss Hr. Geheim- 
rath Göppert eine Darlegung der wichtigeren paläontologischen 
Forschungen und Entdeckungen des anwesenden Herrn Custos 
Apotheker R. Peck aus Görlitz, der sich auch sonst um die naturhistorische 
Erkenntniss der Lausitz, Verbreitung von Kenntnissen dieser Art, weiteren 
Ausbau des dortigen naturhistorischen Museums und botanischen Gartens 



8 g Jahres-Bericht 

bereits grosse Verdienste erworben hat- die neuesten Fundstellen beziehen 
sich auf die silurische Formation bei Lauban und permische Formation 
bei Wunschendorf, deren der Vortragende ebenfalls gedachte und von 
denen er Belegstücke vorzeigte. Herr Geheimrath Göppert erwähnte 
noch, dass Pyrus torminalis Ehrh. von Schummel auf dem Rummelsberge 
gefunden worden ist, seitdem aber nicht mehr beobachtet wurde; er legte 
Zweige aus dem botanischen Garten zu Breslau vor. 

Ausserdem wurden von ihm ausgelegt Thonetiquetten von Holz- 
pflanzen aller Art von Herrn Director Petzold in Muskau, wegen ihrer 
Correctheit sehr zu empfehlen. 

Herr Dr. Stenzel sprach unter Bezugnahme auf eine von ihm aus- 
gestellte Karte über 

das Riesengebirge als Vegetationsgrenze. 

Das Studium der Flora einzelner Gegenden kann in mehr als einer 
Beziehung von allgemeinerer Bedeutung werden. Um eine Pflanzenart 
vollständig kennen zu lernen, um festzustellen, ob die zahlreichen und 
mannigfaltigen Formen, in welchen sie erscheint, wirklich zusammen- 
gehören, ob und durch welche festen Merkmale sie von den verwandten 
Arten getrennt ist, dafür ist die Beobachtung zahlreicher lebender Exem- 
plare an demselben wie an verschieden gearteten Standorten, auf ver- 
schiedenen Stufen ihrer Entwicklung von der grössten Bedeutung. Solche 
wiederholte und eingehende Beobachtungen können die meisten Botaniker 
nur in massiger Entfernung von ihrem Wohnorte anstellen und gerade 
solchen Beobachtungen verdankt die Erkenntniss schwieriger Formen 
wenigstens ebenso viel, wie der Vergleichung von Herbarien-Exemplaren 
aus entfernten Gegenden. 

In noch höherem Grade hängt von der genauen Durchforschung der 
einzelnen Gegenden der Fortschritt der Pflanzen-Geographie ab, 
deren allgemeine Ergebnisse sich auf eine so grosse Zahl von Einzel- 
beobachtungen stützen müssen, dass eine örtliche Arbeitstheilung sich hier 
von selbst ergiebt. Gerade für pflanzengeographische Vergleichungen ist 
aber eine richtige und scharfe Abgrenzung der Gebiete unerlässlich, und 
in dieser Beziehung will es mir scheinen, als sei das Gebiet der Flora 
von Schlesien nach den verschiedenen Seiten hin bisher nach sehr un- 
gleichen Grundsätzen abgegrenzt worden. 

Schlesien ist nach Nordwesten und Norden gegen die Mark und 
die Provinz Posen, nach Osten gegen Polen hin ein völlig offenes Land. 
Keine natürliche Scheide trennt es von den angrenzenden Gebieten und 
es ist keinem Zweifel unterworfen, dass auch der Pflanzenwuchs diesseits 
und jenseits der Grenzlinie in allen wesentlichen Stücken übereinstimmt. 
Aber gerade hier vermeiden e* alle Floren von Schlesien mit fast angst- 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 87 

licher Sorgfalt, irgend einen Standort aufzunehmen, welcher auch nur einen 
Büchsenschuss weit jenseits der Grenzpfähle liegt. 

Im Riese n gebirge aber, dessen den ganzen mächtigen Hauptkamm 
entlang laufende Wasserscheide einer ganzen Reihe von Arten den Ueber- 
gang von Böhmen nach Schlesien wie von Schlesien nach Böhmen ge- 
wehrt hat, werden nicht nur Standorte schlesischer Pflanzen auch jenseits 
der Grenze ohne Weiteres in der schlesischen Flora aufgeführt, sondern 
auch alle nur auf der böhmischen Seite des Gebirges vorkommende Arten 
ohne alle Einschränkung zu den schlesischen Pflanzen gerechnet. Am 
schlagendsten tritt die Auffassung des Hochgebirges als eines beiden Län- 
dern gemeinsamen Florengebietes in der vortrefflichen „Geographischen 
Uebersicht der Vegetation Schlesiens" hervor, welche Wimmer der 2. Auf- 
lage seiner Flora von Schlesien (1844) beigegeben hat. In der Bd. II 
Seite 85 — 89 gegebenen vergleichenden Zusammenstellung derjenigen 
Phanerogamen, welche in Schlesien fehlen, in den Nachbarländern aber 
gefunden werden, ist unter den Arten, welche Böhmen vor uns voraus 
hat, keine einzige von denen aufgezählt, welche nur auf der böhmischen 
Seite des Gebirges vorkommen. Dies scheint mir doch nicht gerecht- 
fertigt. Mag man, um die Brauchbarkeit einer Flora für den das Riesen- 
gebirge durchwandernden schlesischen Botaniker zu erhöhen, auch die der 
südlichen Seite desselben angehörenden Arten und Standorte anhangsweise 
an passender Stelle einschalten, immerhin sollten sie von den wirklich in 
Schlesien vorkommenden bestimmt unterschieden werden. Saxifraga nivalis, 
S. bryoides, S. muscoides, Androsace obtusifolia sind nun einmal keine böh- 
mischen, Salix phylicifolia, Arenaria verna, Sorbus Aria, Hedysarum obscurum, 
Bupleurum longifolium — die letzten beiden sind auch im Gesenke auf den 
nach Süden gelegenen Kessel beschränkt — keine schlesischen Pflanzen. 

Es liegt jedoch nicht in meiner Absicht, heut auf eine Vergleichung 
der gesammten schlesischen Flora mit der des Nachbarlandes einzugehen, 
für welche das Riesengebirge in gewissem Sinne auch eine Vegetations- 
scheide ist; ich will mich darauf beschränken, zu zeigen, dass eine ganze 
Anzahl von Arten im Riesengebirge bis nahe an die Wasserscheide vor- 
kommt, ohne von der einen oder der anderen Seite diese Linie zu über- 
schreiten, während andere dies nur an ganz vereinzelten Punkten thun. 

Auf der Schlesien zugewendeten Nordseite des Gebirges be- 
herbergen die Schneegruben allein 7 nur hier vorkommende Arten: 
der Basalt der kleinen Schneegrube Saxifraga nivalis, S. muscoides 
(=S. moschataf. muscoides Wulf.), S. bryoides (-S. aspera var. bryoides LJ, 
Arabis alpina, Androsace obtusifolia, Woodsia hyperborea — 
wenigstens habe ich die Felsen der Melzergrube am Koppenbache bis 
zum Lomnitzfall wiederholt, aber stets vergeblich nach dieser Art durch- 
sucht — ; der Grund der Schneegrube Salix herbacea. Die auf Moos- 
polstern in dem angrenzenden Knieholze vorkommende Linnaea borealis 



88 Jahres -Bericht 

ist auch am kleinen Teiche gefunden worden. An der Iserwiese, wo sie 
Tausch augiebt, ist sie später, zuletzt auch von Limpricht, vergeblich ge- 
sucht worden und auch Wimmer hat den Standort in keiner Ausgabe der 
Flora von Schlesien aufgenommen. Im ganzen Zuge der Sudeten allein 
im grossen Teiche ist die von Milde 1866 entdeckte Isoites lacustris 
einheimisch. Am kleinen Teiche hat Bänitz neuerdings Valeriana 
Tripteris aufgefunden* ebenso kommt hier Veronica alpina vor, 
welche auch an Felsen der Schneekoppe gefunden worden ist. Mir 
selbst ist es nicht geglückt, sie daselbst aufzufinden. Es wäre aber nicht 
uninteressant, festzustellen, ob sie, wie Veronica bellidioldes meines Wissens 
nur an der Südseite über dem Aupengrunde angetroffen wird, vielleicht 
nur an der Nordseite wächst, in welchem Falle, so klein der räumliche 
Unterschied sein mag, sie eine ausschliesslich schlesische Pflanze sein 
würde. 

Auffallender noch, als bei diesen überhaupt auf eng begrenzte Oert- 
lichkeiten beschränkten Pflanzen, ist das Aufhören mehrerer auf der 
schlesischen Seite weiter verbreiteten Arten an der Wasserscheide des 
Kammes. So wird Hieracium anglicum von der grossen Schneegrube, 
dem kleinen Teiche und dem Melzergrunde:, Carex hyperborea vom 
Iserkamme, Silberkamme, den Dreisteinen und der Seifengrube angegeben. 
Am merkwürdigsten aber ist die Verbreitung von Luzula maxima DC. 
(= L. silvatica Gaud.), welche ich bei meinen Wanderungen um Schmiede- 
berg und Krummhübel ziemlich vollständig habe verfolgen können. Vom 
Landeshuter Kamme, an dem sie sich bis Buchwald und Hohenwiese 
herunterzieht — hier habe ich nur Blätterbüschel beobachtet — verbreitet 
sie sich in grosser Häufigkeit und zahlreichen 3 — 4' hohen Blüthenständen 
über den Ochsenberg bei Schmiedeberg den ganzen Forstkamm entlang, 
wo sie besonders am Langwasser über den Forstbauden häufig ist, durch 
den Eulengrund, wo sie uns im Ansteigen nach der Höhe des Mittelberges 
in grosser Zahl begleitet, nach der schwarzen Koppe, an deren Abhänge 
nach dem Melzergrunde sie ebenso häufig ist, wie in diesem selbst. Etwas 
sparsamer fand ich sie noch an dem aus der Seifengrube herabkommen- 
den Bache im Seifengrunde, vereinzelte Blätterbüschel endlich noch west- 
lich von diesem über Brückenberg. Ob die nach Kaiser in der dritten 
Bearbeitung von Wimmer's Flora 1857, S. 105, angegebenen Standorte 
am Höllenbache und am Seifen eine noch weiter nach Westen reichende 
Verbreitung beweisen, kann ich nicht beurtheilen, da es zweifelhaft bleibt, 
ob damit der aus der Seifengrube herabkommende kleine Seifen gemeint 
ist, oder der Seifen, welcher unter dem Mittagsteine entspringt und nach 
dem Hain hinunterfliesst. Die von Nees angegebenen Standorte: Schnee- 
gruben, Zackenfall und Kesselgrube scheinen jedenfalls auf einem Miss- 
verständniss zu beruhen • ich selbst habe wenigstens von Schreiberhau bis 
Flinsberg die Luzula maxima nirgends gefunden, finde auch keine andere 



der Schles. Gesellseh. f. vaterl. Cultur. 89 

Angabe aus der Westhälfte des schlesischen Riesengebirges. In dem 
ganzen oben begrenzten östlichen Theile ist sie aber bis in die Nähe der 
oberen Waldgrenze so häufig, dass es in hohem Grade überraschend ist, 
wenn sie auf der Südseite ganz fehlt. 

Aehnlich ist es mit Corallorhiza innala, welche auf der ganzen 
schlesischen Seite des Gebirges von den Falkensteinen bei Fischbach über 
Krunimhübel bis nach Schreiberhau in der Waldregion verbreitet, auf der 
Südseite aber erst neuerdings von Li mp rieht am keulichten Buchberge im 
Isergebirge gefunden worden ist, und weiterhin erst bei Münchengrätz 
vorkommt. 

Das ebenfalls auf der schlesischen Seite verbreitete Cöloglossum 
viride steigt nicht nur in der kleinen Schneegrube, sondern, wie ich in 
den letzten Jahren gefunden habe, auch an den Rändern des kleinen 
Teiches, namentlich an den Grasflächen westlich über dem Ausfluss, und 
in der Melzergrube bis 4000' hoch hinauf. Von der böhmischen Seite 
war es bis vor Kurzem nicht bekannt und ist dort erst jüngst bei Spindel- 
mühl von Hieronymus und am keulichten Buchberge von Limpricht ge- 
funden worden. 

Eben so weit verbreitet, wenn auch viel seltener und weniger hoch 
ansteigend — es überschreitet wohl kaum die Höhe von 2500' — ist 
Epipogon Gmelini, das am Zackenfall, am Hain, an vielen Stellen um 
Krummhübel bis in den Melzergrund vorkommt — ich habe es im vorigen 
Sommer (1872) wieder an einem neuen Standorte zwischen den obersten 
Häusern von Querseifen und Brückenberg in mehreren Exemplaren ge- 
funden. Es ist ebenfalls erst vor nicht langer Zeit auf der böhmischen 
Seite und zwar am Kiesberge von Jänicke .gefunden worden. 

Ebenda wurde auch, bisher allein auf der böhmischen Seite, von 
Heuser die auf der schlesischen von Schmiedeberg bis Schreiberhau zer- 
streute Pyrola media beobachtet. 

Ausschliesslich im Isergebirge überschreiten den Hauptzug des Riesen- 
gebirges G ali um saxatile, welches vom Rhein durch Norddeutschland, 
Thüringen, das Erzgebirge, die Lausitz verbreitet und bei uns von der 
Tafelfichte bis zum Hochsteine ausserordentlich häufig ist, sparsam an der 
alten schlesischen Baude und an der grossen Sturmhaube, jenseits des 
Kammes auf der Iserwiese und am keulichten Buchberge vorkommt; 
ferner 

Meum athamanticum, welches im östlichen Theile ebenfalls nur 
zerstreut um Schmiedeberg und nach Wenk an der alten schlesischen 
Baude, häufig von Schreiberhau bis Flinsberg, jenseits auf der Iser- 
wiese; und 

Campanula latifolia , welche in Schlesien zerstreut, im Riesen- 
gebirge von Lomnitz über Schreiberhau bis in die kleine Schneegrube 



90 Jahres -Bericht 

geht, auf der Südseite aber erst in letzter Zeit am keulichten Buchberge 
von Limpricht aufgefunden worden ist. 

Fast eben so zahlreich sind die Pflanzenarten, welche ausschliesslich 
oder vorwiegend die böhmische Seite des Gebirges bewohnen. Wie 
die kleine Schneegrube auf der Nordseite, so hat der Riesengrund auf 
der Südseite mehrere Arten ausschliesslich : im Teufelsgärtchen am Ab- 
hänge des Brunnenberges Arenaria verna und Hedysarum obscurum; 
am Schneegraben Salix phylicifolia und allein mit dem Kessel an der 
Kesselkoppe gemein Sorbus (Pyrus) Aria, Bupleurum longifolium, 
Scabiosa lucida, Carex sparsiflora. 

Die Iser wiese hat ferner Betula nana, welche dem eigentlichen 
Schlesien ganz fehlt, dagegen in der Grafschaft Glatz auf den Seefeldern 
an der hohen Mense gefunden wird; Juniperus nana, welche nach 
Bänitz auch auf der Pantschewiese wächst, und Rubus Chamae- 
morus, welcher ausserdem noch auf der E 1 b w i e s e und auf der weissen 
Wiese vorkommt, also ganz nahe an der schlesischen Grenze, ohne an 
einem dieser Punkte dieselbe zu überschreiten — vielleicht das merk- 
würdigste Beispiel für die Verschiedenheit der Wachsthumsbedingungen 
auf beiden Seiten des Gebirges. 

Es schliesst sich ihm darin Veronica bellidioides am Koppenkegel 
an, wo sie zahlreich an der Südseite, aber, so viel mir bekannt, nicht an 
der Nordseite wächst. 

Auch Viola lutea ist wahrscheinlich nur der böhmischen Seite eigen. 
Nicht nur am Ostabhange des Brunnenberges, dem Steinboden, sondern 
auch am Südabhange von der Geiergucke nach dem langen Grunde hin 
schmücken im ersten Frühling zahllose Blüthen derselben den felsigen 
Boden; auch auf dem Rehorn ist sie gefunden worden. Dagegen scheint 
der von Uechtritz sen. angegebene Standort in der grossen Schneegrube 
von keinem späteren Beobachter wieder gefunden worden zu sein, so 
dass vielleicht nur ein Flüchtling sich vorübergehend dort angesiedelt hatte. 

In ähnlicher Weise findet sich die von der Iserwiese, dem langen 
Grunde, dem Riesengrunde und der schwarzen Koppe bekannte Sagina 
saxatilis nur spärlich am Basalt der kleinen Schneegrube. 

Auch die an der Kesselkoppe, im Teufelsgärtchen und am alten 
Bergwerk im Riesengrunde vorkommende Saxifraga oppositifolia ist 
nördlich nur in der grossen Schneegrube gefunden worden und, wie es 
scheint, sehr sparsam. Wimmer führt nur Krocker als Gewährsmann an ; 
Engler in seinen Beiträgen zur Naturgeschichte und Kenntniss des Genus 
Saxifraga (Linnaea Bd. 35) hat in der Tabelle zu S. 72 Saxifraga oppo- 
sitifolia nur auf der Südseite des Riesengebirges; erst in der Monographie 
des Genus Saxifraga führt er noch die Schneegruben als Standort an. 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 91 

Das auf der böhmischen Seite im Riesengrunde und a. 0. zahlreich 
auftretende Aspidium Lonchitis ist einmal auch bei Agneiendorf ge- 
funden worden und 

Geum pyrenaicum (fj (G. rivale-montanum), welches in weit aus- 
einander liegenden Zeiten an verschiedenen Stellen des Riesengruudes 
vorgekommen ist, ist nur einmal in einem Exemplare über dem Lomnitz- 
falle am Melzergrunde von mir gefunden worden; in den folgenden Jahren 
habe ich es an derselben Stelle, obwohl ich den Stock geschont hatte, 
trotz sorgfältigen Nachsuchens nicht wieder entdecken können. Ein zweites 
Exemplar von der schlesischen Seite bewahrt das Herbarium der Schle- 
sischen Gesellschaft mit der Angabe „vom kleinen Teiche a . Allerdings 
ist es mir geglückt, dort unweit des Ausflusses des Teichwassers an einer 
ziemlich abgelegenen Stelle Geum rivale aufzufinden, aber dort gerade 
fehlt G. montanum, daher auch der Bastard, was freilich nicht ausschliesst, 
dass er sich an einer der ausgedehnten Lehnen und Abhänge noch finden 
könne. Jedenfalls ist sein Vorkommen auf der schlesischen Seite sehr 
vereinzelt. 

Delphinium elatum, dessen Auftreten an der Kesselkoppe, im Eib- 
grunde, auf dem Gipfel des Rehorn (Siegert, Jahresber. der Schles. Ges. 
1859 S. 33) keinen Zweifel lässt, dass es dort ursprünglich einheimisch 
sei, kommt bei Krummhübel und Steinseifen nur in Grasgärten vor, wo 
es ebenso gewiss nicht ursprünglich wild war; bei Agnetendorf wird es 
kaum anders sein. Die Angabe von Mosch (Das Riesengebirge S. 130), 
dass es nebst Linnaea borealis in der schwarzen oder Agnetendorfer 
Schneegrube wachse, bedarf jedenfalls der Bestätigung. 

Endlich kommt Hieracium aurantiacum auf der Nordseite des 
Gebirges eigentlich nur auf der prachtvoll gelegenen Wiese an der Schlingel- 
baude in nennenswerther Menge vor. Ein einzelnes, noch dazu kümmer- 
liches Exemplar fand ich einmal an der Seifenlehne unweit der Hampel- 
baude; nicht viel häufiger mag es am kleinen Teiche und in den Schnee- 
gruben, wo Garcke es angiebt, sein, ich kann mich wenigstens nicht 
erinnern, es dort gesehen zu haben, während es auf der Südseite an vielen 
Stellen zahlreich auftritt. 

Stellen wir der leichteren Uebersicht wegen die im Vorhergehenden 
aufgeführten Arten kurz zusammen, so kommen im Riesengebirge vor: 



allein auf der schl esi sehen Seite: 

Arabis alpina, 

Saxifraga nivalis, 
;) bryoides, 

y} museoides, 

Valeriana Tripteris, 

Linnaea borealis, 



allein auf der böhmischen Seite : 
Arenaria verna, 
Hedysarum obscurum, 
Sorbus (Pyrus) Aria, 
Rubus Chamaemorus, 
Bupleurum longifolium, 
Scabiosa lucida } 



92 



Jahres -Bericht 



Viola lutea, 
Delphinium elatum. 

Fast nur auf der böhmischen 
Seite: 

Sagina saxatilis, 
Geum pyrenaicum, 
Saxifraga opposiüfolia, 
Hieracium aurantiacum, 
Aspidium Lonchitis. 



allein auf der seh lesisch en Seite: allein auf der böhmischen Seite 

Androsace obtusifolia, Veronica bellidioides, 

Salix herbacea, Salix phylieifolia, 

Woodsia hyperborea, Betula nana, 

Isoetes lacustris. Juniperus nana, 

Carex sparsiflora. 
Hieracium anglicum^ 
Luzula maxima, 
Carex hyperborea. 

Fast nur auf der schlesischen 
Seite : 

Meum athamanticum, 
Campanula latifolia, 
Veronica alpina, 
Galium saxatile, 
Pyrola media, 
Corallorhiza innata, 
Coeloglossum viride, 
Epipogium Gmelini. 

Aus dieser Zusammenstellung ergiebt sich, dass 13 Arten von Phanero- 
gamen und kryptogamischen Gefässpflanzen allein der schlesischen, 
eben so viele allein der böhmischen Seite des Riesengebirges angehören. 
Sämmtliche die Hochgebirgsregion bewohnende Arten von Gefässpflanzen 
lassen sich auf etwas über 200 veranschlagen, so dass etwa der achte 
Theil derselben an der Wasserscheide des Kammes seine Grenze findet. 
Dazu kommen noch acht Arten, welche überwiegend häufig, ja die meisten 
fast allein heimisch auf der schlesischen Seite sind, fünf auf der böhmischen. 
Man kann daher dreist behaupten, dass es auf der ganzen Grenzlinie 
Schlesiens nirgends sonst ein 6 Meilen langes Stück gebe, welches auch 
nur annähernd so viele Pflanzenarten, welche bis nahe an sie heran 
reichten, schiede, wie der Kamm des Riesengebirges, und es ist nichts 
unnatürlicher, als gerade hier die Grenze der schlesischen Flora über die 
Landesgrenze hinauszuschieben, noch dazu, ohne genau sagen zu können 
wie weit. 

Es mag immerhin sein, dass noch von mancher der hier aufgeführten 
Pflanzen Standorte auf der anderen Seite des Gebirges gefunden werden. 
Namentlich ist dies auf der offenbar noch viel unvollkommener bekannten 
böhmischen Seite zu erwarten, auf der schon in den letzten Jahren eine 
ganze Anzahl der bisher nur aus Schlesien bekannten Arten entdeckt 
worden sind. Es wird dies um so wahrscheinlicher, als ausreichende 
Gründe für das getrennte Vorkommen nicht leicht aufzufinden sind. Ein 



der Schles. Gcsellsch. f. vaterl. Cultur. 93 

Alpensee, in welchem z. B. Isoites wohnen könnte, fehlt freilich der Süd- 
seite ; aber auch wenn sie ihn hätte, können wir noch keineswegs mit 
Zuversicht behaupten, dass er dann Isoites beherbergen würde, denn die- 
selbe fehlt in dem dem grossen Teiche nahe und ganz ähnlich gelegenen 
kleinen Teiche. Ein Basaltfels in der Seehöhe der kleinen Schneegrube 
ist ebenfalls nur auf der Nordseite anzutreffen, aber die dort ausschliess- 
lich vorkommenden Pflanzen sind weder im hohen Norden, noch die 
anderen in den Alpen, wo sie eine grössere Verbreitung haben, an Basalt 
gebunden. Dass aber der geringe Kalkgehalt des letzteren hier nicht 
massgebend für das Vorkommen wenigstens von Saxifraga muscoides und 
S. bryoides ist, geht daraus hervor, dass Mohl (vermischte Schriften S. 422) 
nach seinen Beobachtungen in den Alpen die erste als bodenvag, und 
S. asperct, von welcher unsere S. bryoides nur eine Varietät ist, als ur- 
gebirgsholde Pflanze bezeichnet. Und das sind die Beispiele, bei denen 
eine Erklärung am nächsten zu liegen scheint. 

Mag also noch eine und die andere der aufgeführten Arten der Nord- 
oder der Südseite nicht so ausschliesslich eigen sein, als wir jetzt an- 
nehmen, immerhin wird sicher ein bedeutender Theil der beide unter- 
scheidenden Pflanzenformen übrig bleiben; und andererseits ist es höchst 
wahrscheinlich, dass eine genaue Verfolgung der Verbreitungsbezirke der 
Moose, Lebermoose, Flechten, Algen und Pilze — ich erinnere nur an 
das auf den Abfluss des kleinen Teiches beschränkte Vorkommen von 
Dichelyma falcatum — der Ansicht eine weitere Stütze gewähren wird, 
dass die Wasserscheide auf dem Kamme des Riesengebirges dort die 
natürliche Grenze für die schlesische Flora bildet. 

Herr Professor Cohn sprach über 

Parasitische Algen. 

Unter den Algen linden sich ebensowohl epiphytische als endophytische 
Arten. Wenn sich Algen mit Haftscheiben an der Oberfläche anderer 
Pflanzen, gewisse Arten stets nur auf bestimmten Algen anheften (Epithemia, 
Cocconeis und andere Diatomeen, Coleochaete, Oedogonium, Ectocarpus, Po- 
lysiphonia etc.), so lässt sich dies freilich ebenso wenig als echter Para- 
sitismus auffassen, wie das regelmässige Einnisten fremder Arten im 
Schleime der Gallertalgen (Chaetophora, Mesogloea). Aber auch im ge- 
schlossenen Gewebe höherer Algen wohnen niedere Formen, wie Vor- 
tragender zuerst bei der Floridee Cruoria nachwies, in deren rothem 
Thallus er grüne Schläuche entdeckte; ähnliche Schläuche fand er im 
Markgeflecht der Floridee Polyides, hier schon von Mettenius gesehen; 
andere sind von Thuret auch in anderen Meeralgen gefunden und als 
Entwickelungszustände einer parasitischen Cladophora erkannt worden. 
In den letzten Wochen hat sich unsere Kenntniss parasitischer Algen ver- 
mehrt durch die von Reinke gemachte Entdeckung von Nostoceen, 



94 ' Jahres -Bericht 

welche im inneren Gewebe dikotyledonischer Pflanzeu (Gunnera, Cycas) 
wohnen und durch den von Janczewski gegebenen Nachweis, dass die 
von unserem verewigten Milde im Laube vieler Lebermoose (Anthoceros, 
Blasia etc.) gefundenen blaugrünen Gonidienschnüre parasitische Nostoc- 
Colonieen sind. Dass auch die Gonidien der Flechten von unseren be 
deutendsten Forschern neuerdings als selbstständige Algen angesehen 
werden, ist bekannt. 

Vortragender hat einen neuen, in höchst merkwürdiger Weise com- 
plicirten Fall von parasitischen Algen bei Lemna trisulca entdeckt; er fand 
im inneren Gewebe dieser Pflanze äusserst zahlreiche, theils smaragd- 
grüne, theils blaugrüne Schläuche eingelagert, von denen diese sich als 
Nostoceen, jene sich als eine Chlorosporee erwies. — Und zwar ist die 
letztere der eigentliche Parasit, dessen birnförmige Schwärmsporen 
sich aussen an die Oberfläche des Lemna-Laubes und zwar stets an die 
Grenze zwishen zwei Oberhautzellen anheften; beim Keimen 
treiben diese Schwärmsporen einen keilförmigen Keimschlauch, der die 
beiden Blätter der Zellscheidewände spaltet und sich zwischen zwei Ober- 
hautzellen, und sodann zwischen zwei unter diesen liegende Parenchym- 
zellen eindrängt, bis er einen Intercellularraum erreicht; alsdann schwillt 
der Keimschlauch zu einer grossen, unregelmässigen oder kugeligen, dick- 
wandigen Blase an, welche bald das Nachbargewebe der Lemna verdrängt, 
und vermittelst eines engen Halses mit der aussen zurückbleibenden Spore 
in Zusammenhang steht. Der Inhalt dieser Schläuche zeigt erst nur einen 
grünen Wandbelag, füllt sich aber später ganz und gar mit grünem Plasma, 
so dass die Schläuche undurchsichtig, tiefgrün werden; hiernach zerfällt 
der grüne Inhalt durch simultane freie Zellbildung erst in grössere Seg- 
mente, dann durch weitere Theilung in äusserst zahlreiche, kleine grüne 
Schwärmsporen; diese treten durch den erweiterten und nach aussen ge- 
öffneten Schlauchhals nach aussen und verbreiten sich beim Ausschwärmen 
über die Oberhaut der Lemna, um nach kurzer Zeit keimend, aufs Neue 
in deren Inneres einzudringen. 

Dieser grüne Schmarotzer der Lemna trisulca erinnert zwar an die 
Reihe der besonders zahlreich in Schlesien durch die Bemühungen der 
Herren Schroeter, Schneider und Gerhard entdeckten, im Laube vieler 
Phanerogamen schmarotzenden Synchytrien, unterscheidet sich aber von 
ihnen wesentlich durch das Chlorophyll; er bildet eine neue Gattung und 
Art: Chlor ochytrium Lemna e Cohn. 

In die entleerten Chlorochytriumschläuche wandern nun von aussen 
verschiedene Nostoceen ein, von denen bis jetzt drei verschiedene 
Arten (Nostoc, Mastigonema und Lepthothrix, ferner auch Rhaphidium fasci- 
culare) erkannt wurden; sie vermehren sich in diesen geschützten Nestern 
so rasch, dass sie dieselben bald mit ihren blaugrünen Fäden ausstopfen ; 
doch sind diese Nostoceen nur die Aftermiether des Chlorochytrium. 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 95 

Das Chlorochytrium drang auch in den Thallus von Riccia fluitans 
ein, welche in dem nämlichen Glase mit Lemna trisulca cultivirt wurde; 
eine ausführliche Beschreibung uud Abbildung dieses Parasiten ist seitdem 
in den Beiträgen für Biologie der Pflanzen, Heft II, Tab. 2 (Ueber para- 
sitische Algen von Dr. Ferdinand Cohn), Breslau 1872, bei Max Müller er- 
schienen. 

Herr Prof. Koerber legte das Verzeichniss der im Besitz der Schle- 
sischen Gesellschaft befindlichen, auf die schlesische Flora bezüglichen 
Manuscripte und Sammlungen vor. 

Herr Apotheker Ende aus Grottkau legte eine aus Zwickau bezogene, 
sehr zweckmässige Auerswald'sche Drahtpresse vor. 

Ausgestellt war von Herrn Beamten Scholtz eine colossale Eschen- 
wurzel, welche innerhalb 6 Jahren in einen 15' vom Baume entfernten 
Brunnen gewachsen war. 

Die Sitzung schloss um 1 y 2 Uhr. 88 Theilnehmer an dieser Ver- 
sammlung hatten sich eingezeichnet, darunter aus Breslau die Herren 
Reporter Rudolph Adler, Universitätszeichner Assmann, Prof. Dr. Auer- 
bach, Gymnasiallehrer Dr. Beblo, Apotheker Dr. Bluhm, Apotheker 
H. Castelsky, Prof. Dr. Ciesielski, Prof. Dr. Ferdinand Cohn, Dr. Georg 
David, Dr. Moritz Eisner, Inspector des botan. Gartens Nees v. Esenbeck, 
Ober-Amtmann Fiedler, Prof. Dr. Foerster, Privatdocent Dr. Gscheidlen, 
Geheimrath Professor Dr. Goeppert, Kaufmann H. Hainauer, Kunst- und 
Handelsgärtner Junger, Registrator Kabath, Kunstgärtner Klein, Wundarzt 
Knebel, Professor Dr. Koebner, Professor Dr. Koerber, Medicinal- Assessor 
Kretschmer, Stud. Kretzschmer, Pastor Letzner, Hauptlehrer C. und D. 
Letzner, Mittelschullehrer Limpricht, Cand. Roman May, Lehrer Merkel, 
Verlagsbuchhändler Max Müller, Stadtrath E. Müller, Apotheker Julius 
Müller, Realschullehrer Pfennig, Prof. Dr. Poleck, Apotheker Reichelt und 
Reichhelm, Realschullehrer Dr. W. Richter, Prof. Dr. Roemer, Dr. W. G. 
Schneider, Buchhalter H. Schultze, Cand. phil. Carl Schumann, Ober- 
Gärtner B. Stein, Realschullehrer Dr. Stenzel, Apotheker Stenzinger, 
Bankdirector Stetter, Stud. Stetter, Cand. Suckow, Lehrer Thomas, Ober- 
Forstmeister Tramnitz, Apotheker Ullmann, Apotheker Werner, Commissions- 
Rath Wesel; ferner die Herren: Sanitätsrath Dr. Bleisch, Rector H. Hil- 
debrand, Pharmazeut Hamburger, Apotheker P. Hühner, Kaufm. Wandrey 
und Kataster-Controleur H. Wehn aus Strehlen, Apotheker R. Peck aus 
Görlitz, Kreisgerichts-Director Peck und Lehrer Rupp aus Schweidnitz, 
Dr. Horvath aus Kiew (Russland), Lehrer Baumann aus Oppeln, Apotheker 
Ende aus Grottkau, Herr v. Thielau auf Lampersdorf bei Frankenstein, 
C. Trautmann auf Nicolausdorf (Görlitz), Oberförster Blankenburg, Ober- 
förster W. Linz, Forsteleve Otto Hübner, Oberförster L. Hauff, Förster 
A. Müller, Apotheker H. Stefke zu Prieborn, Gutsbesitzer Maetzke auf 
Göppersdorf, Hofgärtner C. Winter zu Heinrichau, Lehrer H. Drescher zu 



96 Jahres - Bericht 

Krippitz, Burow auf Dobergast, P. Hausleutner, Richter und Seydel, Guts- 
besitzer zu Karsehau bei Strehlen. 

Ein fröhliches Mahl in der offenen Halle auf dem Berge vereinigte 
die Mitglieder der Versammlung nicht ohne die herkömmliche Be- 
gleitung ernster und heiterer Festreden; nach Besichtigung der herrlichen 
Rundsicht von der Höhe des auf dem Berge errichteten Thurmes wurde 
gegen 5 Uhr der Rückweg nach Strehlen angetreten, von wo um 6 3 / 4 Uhr 
der Bahnzug den grössten Theil der Mitglieder nach der Heimath zurück- 
brachte. 

In der sechsten Sitzung der botanischen Section am 31. October 1872 
sprach Herr Mittelschullehrer G. Li mp rieht über 

die Moosflora der Oberschlesischen Muschelkalkhügel, 
die bisher nur sehr beiläufige Berücksichtigung erfahren hat. 

Der Oberschlesische Muschelkalk bildet in seiner Hauptmasse einen 
langen Zug, der über Beuthen, Tarnowitz und Gross-Strehlitz zur Oder 
verläuft und seine höchste Erhebung 1113' in dem Zuge des Annaberges 
findet, mit dem nördlich der Muschelkalk des Sakrauer Berges und die 
Gogoliner Kalksteine, sowie südlich die Kalkpartieen des Czarnosiner 
Buchenwaldes in der Tiefe wahrscheinlich zusammenhängen. Diese weitere 
Umgebung des Annaberges bildete das Gebiet für die Excursionen im 
April 1871 und im October 1872. 

Ueberraschend wirkt hier die grosse Uebereinstimmung des Moos- 
bildes mit dem der Buchenpartieen des Trebnitzer Katzengebirges, indem 
fast ganz dieselben Typen wiederkehren, die als Charaktermoose für letz- 
teren Hügelzug gelten, so Bartramia ithiphylla et pomiformis, Weberei cruda 
und elongata, Minium serratum et stellare^ Leptotrichum homomallum, Encalypta 
ciliata, Diphyscium foliosum, Eurhynchium strigosum P Plagiothecium Roesei, 
Amblystegium subtile und Hypnum Haldani. 

In den Kalkbrüchen von Gogolin finden Bryum Funckii und Barbula 
Hornschuchiana, beide c. frct n eine allgemeine Verbreitung. 

Die Muschelkalkfelsen des Sakrauer Berges 849' bieten: Grimmia 
tergestina Tomm. J, das hier seine Nordgrenze erreicht, Eurchynchium 
striatulum Br. et Schpr n steril, Homalothecium Philippeanum Schpr. (schon 
durch R. v. Uechtritz gesammelt), Pseudoleskea catenulata, steril, Amblystegium 
confervoides, steril, Seligeria pusilla c.frct. Orthotrichum cupulatum und Bryum 
argenteum y lanatum^ felsbewohnende Arten, die zum Theil in der nord- 
deutschen Ebene, wozu wir auch diese Hügel rechnen müssen, bisher 
nicht nachgewiesen wurden. 

Auf dem Nieder-Ellguther Steinberge ging mit der völligen Entwaldung 
auch die schattenbedürftige Moosvegetation zu Grunde und nur die Be- 
wohner besonnter Kalkfelsen, darunter Grimmia tergestina und Orthotrichum 
cupulatum, hatten ihren Platz behauptet. 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 97 

Auf dem Wyssoker Berge bilden unter dem schützenden Dache eines 
Buchenwaldes auf den Kalkblöcken zwei seltene Arten: Eurhynchium 
Vaucheri, steril, und Homalothecium Philippeanum, zum Theil fruchtend, 
Massenvegetation. Hier sind ferner erwähnenswerth: Eurhynchium striatulum, 
Seligeria pusilla, Anomodon longifolium var. pumilum, Fissidens pusillus, Leskea 
nervosa, Pterigynandrum filiforme etc. 

Soweit der kleine Gebirgszug des Annaberges nicht entwaldet ist, 
gedeihen in seinen Hohlwegen und Schluchten reichlich Lebermoose, z. B. 
Blasia pusilla, Calypogeia, Jungermannia incisa, intermedia, bicrenata, crenulata 
ß gracillima etc. 

Die bryologische Ausbeute auf dem eigentlichen Annaberge 1232' 
stellt sich auf Null, weil der Basalt nirgends zu Tage tritt und die Ab- 
hänge ein bäum- und fruchtloses Ackerland darstellen. Auch das ehedem 
romantische und botanisch interessante Kuhthal war für bryologische 
Zwecke unergiebig. Im Jordanthal dagegen wurden bemerkt: Fissidens 
incurvus, Barbula rigida et Homschuchiana, Weber a carnea und Bryum 
Funckii, und ausserdem von Lebermoosen: Jungermannia acuta Lindenbg. 
c. per. und Pellia calycina Taylor, c. frct. 

Als besonders moosreich erwies sich der Buchenwald von Czarnosin, 
eine Stunde nordöstlich von Leschnitz. Hier gedeihen unter anderen: 
Heterocladium dimorphum, steril auf Waldboden, Trichostomum cyUndricum, 
steril an Mauerresten, Dicranum viride Sulliv. an Buchenstämmen und 
Hypnum Haldani. 

Unter den überaus reichlich hier vorkommenden Lebermoosen sind 
besonders nennenswerth Scapania rosacea Corda J 1 y } Jungermannia Gen- 
thiana Huebener c. per., Jung, lanceolata, Jung, subapicalis fi nigricans, Jung, 
exsecta c. frct., Jung, obtusifolia etc. 

Wie überall auf Kalk, so fehlen innerhalb des Excursionsgebietes, 
als auch in den vorgelagerten grossen Torfsümpfen zwischen Dzieschowitz 
und Gogolin die Sphagna gänzlich. — 

Vorgelegt wurde hierauf eine von Herrn Lehrer Zimmermann in 
Striegau eingesendete Zuckerrübe mit einem grossen knolligen Auswuchs 
an der Seite, und ein ausgezeichnet schönes Exemplar der Peziza aurantia 
vom Kirchhofe in Gräbschen durch Herrn Dr. W. G. Schneider. 

Ferner kam zum Vortrag eine von dem correspondirenden Mitgliede 
Herrn Oberstabs- und Regiments- Arzt Dr. Schroeter, z. Z. in Rastatt, 
eingesendete Abhandlung: 

Zusammenstellung der im Breslauer botanischen Garten beobachteten Pilze. 
Die schönen Anlagen des Breslauer botanischen Gartens sind eine 
so anreizende, bequeme und nutzbringende Stätte für das botanische 
Studium geworden, wie sich an einem anderen Orte nicht wiederfindet. 
Uebersichtliche systematische Zusammenstellung, anmuthige Anordnung 

7 



9 8 Jahres - Bericht 

pflanzengeographischer Gruppen, fassliche Beschreibung, ausführliche 
Etiquettirung, Aufstellung belehrender Präparate bewirken es, dass ein 
Spaziergang durch den Garten für Jeden ein immer weiter strömender 
Quell zum Selbststudium wird. 

Einen ganz besonderen Vorzug des Gartens bietet die Vollständigkeit, 
mit der alle Pflanzen-Klassen in zugänglicher Weise vertreten sind, nicht 
blos die phanerogamischen Bürger unserer jetzt lebenden Pflanzenwelt, 
auch Farne und Lycopodien sind in selten reicher Sammlung vertreten, 
selbst Moosen und Flechten ist auf den Steinen der Alpenpartie eine künst- 
liche Wohnstätte bereitet, und die Flora der Vorwelt wird in wichtigen 
Repräsentanten den Besuchern vor Augen gestellt. 

Wenn die grosse Klasse der Pilze nicht auch schon künstlich gehegt 
worden ist, so ist dies durch die Schwierigkeit, die complicirten Lebens- 
bedingungen dieser Organismen absichtlich zu erzeugen, leicht erklärt. Die 
Natur hat aber hier freigebig ausgeholfen, denn auf dem mannigfach 
wechselnden Terrain unseres Gartens findet sich spontan eine überaus 
reiche Pilzvegetation ein. Alle Hauptabtheilungen und eine grosse Zahl 
von Gattungen der formenreichen Klasse der Pilze finden sich vor, so 
dass sich Jeder schon eine gute Uebersicht über das Gebiet der Mykologie 
verschaffen kann, der ihre Repräsentanten auf diesem kleinen Räume 
kennen lernt. Für den, welcher die Entwickelungsgeschichte der Pilze 
studiren will, die ja noch so vieler Aufhellungen bedarf, bietet sich hier 
der grosse Vortheil, dass er sein Material schnell und leicht erreichen 
und bei hinreichender Kenntniss der Localität immer leicht wieder- 
finden kann. 

Ich habe in Folgendem diejenigen Species zusammengestellt, welche 
ich während meines Aufenthaltes in Breslau in den Jahren 1867 bis 1870 
hier aufgefunden habe. Es kann damit keineswegs ein vollständiges Ver- 
zeichniss der in dem Garten wachsenden Pilze gegeben werden, vielmehr 
glaube ich, dass mir viele derselben noch verborgen geblieben sind. 
Manche erscheinen ja in dem einen oder dem anderen Jahre gar nicht 
oder nur so kurze Zeit hindurch, dass sie leicht übersehen werden konn- 
ten, viele Sphaeriaceen mögen noch auf Baumzweigen zu finden sein, die 
noch viel zu wenig untersucht worden sind. Insbesondere stellen sich 
gewiss auch auf den Pflanzen und den Töpfen der Gewächshäuser oft 
bemerkenswerthe Species ein, von denen mir nur wenige zu Gesicht 
kamen, da sie in Rücksicht auf die cultivirten Pflanzen durch die Sorg- 
falt der Gärtner immer schnell entfernt wurden. 

Durch weitere Beobachtung wird vielleicht eine vollständige Pilzflora 
dieser kleinen Special-Localität geschaffen, die um so mehr Interesse 
bieten dürfte, als sie sich jedes Jahr wieder genau revidiren lässt. 

Von den hier aufgeführten Arten habe ich allerdings einige nur 
einmal, im nächsten Jahre dann nicht wieder gefunden, bei weitem die 



der Schles. Gesellsch. t. vaterl. Cultur. 99 

Mehrzahl, besonders die Schmarotzer auf lebenden Pflanzen und die erd- 
bewohnenden Pilze traten jedes Jahr an der gleichen Localität auf, so 
dass es leicht sein wird, sie immer wieder aufzufinden und in ihrer Ent- 
wicklung weiter zu beobachten. 

A. Myxomycetes. 

Schleimpilze finden sich besonders reich entwickelt auf den alten 
Klötzen in der physiologischen Partie, auf den abgestorbenen Baum- 
stümpfen in dem waldigen Theile, besonders auch auf Faulhaufen und 
modernden Holzstücken in dem an den Kirchhof anstossenden Theile des 
Gartens. 

I. Physarei. 

1. Aethalium septicum Fr. Sehr häufig an alten Baumstämmen. 
Die Lohe in den Gewächshäusern wird oft davon vollständig durch- 
zogen. Im Winter 1869/70 war er so reichlich vorhanden, dass die 
gelben Plasmodien an allen Etiquetten und Pflanzen hoch hinauf 
krochen und Keimpflanzen, z. B. Farnkrautvorkeime, vollständig 
erstickten. 

2. Lycogala epidendrum Fr. Auf verschiedenen Klötzen in der 
physiologischen Partie. 

3. Physarum nutans Pers. Auf einem Eichenklotze ebendaselbst. 

4. Physarum metallicum Berk. Am Kirchhofzaune an altem Holz. 

5. Angyoridium sinuosum Grev. An faulenden Blättern und Zwei- 
gen ebenda. 

6. Tubulina fragiformis DC. An altem Holze ebendort. 

7. Didymium Serpula Fr. An faulenden Blättern und Stengeln 
ebenda. 

8. Didymium cinereum Fr. Auf alten Baumstümpfen im waldigen 
Theile. 

9. Di derma ochraceum Hoffm. Auf Faulhaufen an dem Kirchhofzaune. 

10. Craterium leucocephalum Ditm. An faulenden Stengeln und 
Blättern am Kirchhofzaune. 

11. Cribraria vulgaris Schrad. An altem Holze ebenda. 

12. Reticularia umbrina Fr. An Baumstümpfen in der waldigen 
Partie, 

II. Stemonitei. 

13. Stemonitis fusca Roth. 

14. Stemonitis physaroides Alb. et Schwein. Beide in der physiolo- 
gischen Partie. 

III. Trichiacei. 

15. Arcyria nutans Fr. An einem Klotz in der physiologischen Partie. 

16. Trichia chrysosperma DC. An einem Baumstumpf in der wal- 
digen Partie. 

7* 



100 Jahres -Bericht 

B. Phycomycetes. 
IV. Chytridiacei. 

17. Synchytrium Mercurialis Wod. In der Gruppe von Mercurialis 
perennis, welche ein kleines Beet in der Abtheilung für officinelle 
Pflanzen einnimmt, ist fast jede Pflanze von dem Parasiten befallen, 
während an anderen Mercurialis-Pflanzen im Garten keine Spur 
davon vorkommt. 

18. Synchytrium punctatum Sehr. Auf Gagea pratensis in grösster 
Menge, besonders in der Nähe der kleinen Brücke. 

V. Mucorinei. 

19. Mm cor Mucedo L. Auf faulenden Vegetabilien überall. 

20. Mucor fusiger Link. Auf verschiedenen Collybia-Arten, beson- 
ders Collybia dryophila, im waldigen Theile. Im Mai und Juni zeigt 
der Pilz vollständige Entwickelung von Mucor- Sporangien und 
Zygosporen. 

21. Mucor Syzygites (Ehrb.). Mit seiner Mucor-Form (Sporodinia 
grandis) und Zygosporen- Form (Syzygites megalocarpus) im Herbst an 
A. (Lepiota) procerus schmarotzend. 

VI. Peronosporei. 

22. Peronospora nivea Ung, Häufig auf Blättern von Aegopodium 
Podagraria, besonders in dem rechts gelegenen waldigen Theile des 
Gartens. 

23. Peronospora gangliiformis Beck. Auf Blättern von Lampsana 
communis und Sonchus oleraceus ebendort. 

24. Peronospora parasitica (PersJ. An Capsella bursa pastoris auf 
den freien Beeten. 

25. Peronospora Arenariae Beck. An Mo ehr ingia triner via im wal- 
digen Theile. 

26. Peronospora grisea Ung. Auf Veronica hederaefolia im vorderen 
Theile des Gartens. 

27. Peronospora Ficariae Tul. Auf Ficaria verna ebendort. Auf 
Ranunculus acer im waldigen Theile. 

28. Peronospora arborescens Beck. An Papaver somniferum und 
Papaver officinale unter den officinellen Pflanzen. 

29. Peronospora Hyoscyami D. Bg. Auf Hyoscyamus niger. Beet 
für Solaneen. 

30. Peronospora Potentillae D. Bg. Auf Potentilla aurea. Alpen- 
Partie. 

31. Cystopus candidus (Pers.). Auf Capsella bursa pastoris. In ver- 
schiedenen Theilen des Gartens. 

32. Cys-topus Portulacae (D.C.). Auf Portulaca oleracea auf den 
Rabatten. 



der Schles. Gesellsch. f. vater]. Cultur. 101 

33. Cy st opus cubicus Str. An Tragopogon pratense in der Alpen- 
Partie. 

C. Basidiomycetes. 

VII. Ustilaginei. 

34. Ustilago antherarum Fr. An den Staubbeuteln von Melandrium 
album, wovon einige Exemplare nahe der geologischen Partie wachsen* 
An dieser Stelle ist der Pilz schon seit einer langen Reihe von 
Jahren beobachtet. 

35. Ustilago umbrina Sehr. An den Blättern von Gagea pratensis 
sehr häufig, auf den Beeten für Liliaceen, aber auch an anderen 
Stellen des Gartens. 

VIII. Uredinei. 

a. Phragmidiacei. 

36. Uromyces Rum i cum (D. C.) findet sich in allen Entwickelungs- 
Formen (Aecidium, Uredo, Uromyces) jedes Jahr reichlich an Rumex 
obtusifolius im waldigen Theile, rechts vom Wasser. 

37. Uromyces Ficariae (D. C). Auf Ficaria verna am Wasser, nahe 
der grossen Pappel. Aecidium und Uromyces, nie Uredo. 

38. Uromyces appendiculatus (Pers.). An Medicago radiata unter 
den Leguminosen. 

39. Uromyces striatus Sehr. An Medicago scutellata unter den Legu- 
minosen. 

40. Uromyces punetatus Sehr. An Astragalus ponticus, A. glycyphyllus 
und A. nigricans auf den Beeten für perennirende Pflanzen. 

41. Uromyces Ornithogali Lev. Sehr häufig auf Gagea lutea am 
Eingange und Gagea pratensis in verschiedenen Gegenden des Gartens. 

42. Uro my ces Mu scari (Dub.). An Muscari tenuißorum und M. botryoides 
unter den Liliaceen. 

43. Puccinia Compositarum Schi. Auf Lampsana communis in der 
Alpenpartie und in dem waldigen Theile. Das dazu gehörige 
Aecidium erscheint schon Anfang April. Auf Taraxacum officinale, 
ebenfalls Aecidium, Uredo und Puccinia, durch den ganzen waldigen 
Theil; Aecidium erscheint oft im October wieder. 

44. Puccinia Discoidearum Lk. An Artemisia Dracunculus unter den 
officinellen Pflanzen. 

45. Puccinia reticulata D. Bg. An Pimpinella nigra in der Alpen- 
Partie, Aecidium, Uredo und Puccinia. 

46. Puccinia Rumicis Lasch. Auf Rumex Acetosa im waldigen Theile. 
Nur Uredo. 

47. Puccinia Mentha e Pers. Auf Mentha piperita, M. silvestris, M. 
rotundifolia, M. viridis, Satureja officinalis, Nepeta cyanea, Thymus sp., 



102 Jahres -Bericht 

unter den Labiaten und den officinellen Pflanzen. Spermogonien im 
April, Aecidium im Mai, Uredo bis September, Puccinia bis November. 

48. Puccinia obtusa Sehr. An Salvia verticillata unter den Labiaten. 
Spermogonien und Aecidien im Mai, Uredo im Juni, Puccinia im Juli. 

49. Puccinia Allii Rud. An verschiedenen Allium-Arten, besonders 
Allium ßstulosum. Aecidium im Mai, Uredo im Juni, Uromyces und 
Puccinia im August bis October. 

50. Puccinia Umbelliferarum B.C. Auf Aethusa Cynapium in der 
Gruppe für Sumpfpflanzen und unter den officinellen Pflanzen. 
Spermogonien, Uredo und Puccinia. 

51. Puccinia rubiginosa Sehr. Auf Petroselinum sativum in der Ab- 
theilung für officinelle Pflanzen. 

52. Puccinia graminis Pers. Häufig auf Triticum repens in den Ge- 
büschen hinter der Brücke, auf Elymus in der Abtheilung der Gräser. 
Das zu ihr gehörige Aecidium Berberidis kommt fast auf allen 
Sträuchern von Berberis vulgaris im Garten vor. An einem Strauche 
nahe dem Eingange des Gartens werden alljährlich nur die Frucht- 
knoten von dem Aecidium befallen und entwickeln sich zu abnormen 
grossen Beeren mit ausgebildetem Samen. 

53. Puccinia straminis Fuckl. Aecidium auf verschiedenen Species 
von Anchusa unter den Boragineen. 

54. Puccinia coronata Cor da. Aecidium auf Rhamnus Frangula im 
waldigen Theile. 

55. Puccinia Asari Lk. Auf Asarum europaeum in und vor der Alpen- 
Partie. Nur Puccinia, 

56. Puccinia Glechomae B.C. Auf Qlechoma hederacea im waldigen 
Theile. Nur Puccinia. 

57. Puccinia Caryophyllearum Wallr. An Stellaria media und 
Moehringia trinervia im waldigen Theile, an Cerastium arvense und 
Saponaria cerastioides auf den Beeten für Caryophylleen. Nur Puccinia. 

58. Phragmidium brevipes Fuckl. Auf Potentilla alba unter den 
Rosaceen. Im April keimten die Phragmidiensporen und bildeten 
auf die gewöhnliche Weise kugelige, rothe Sporidien. 

59. Gymnosporangium conicum Hedw. Die zu ihm gerechnete 
Aecidium-Frucht Roestelia cornuta häufig an Blättern von Sorbus 
Aucuparia im waldigen Theile und auf Rabatten. 

60. Gymnosporangium fuscum B.C. Die Aecidium-Frucht Roestelia 
cancellata an Pirus Michauxii auf der linken Seite des Wassers. 

Gymnosporangium-Früchte sind bis jetzt noch nie im Garten 
beobachtet worden, doch muss bemerkt werden, dass auf der 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 103 

rechten Seite des Wassers, den mit Roestelien behafteten Bäumen 
gegenüber, grosse Juniperus- Gruppen stehen.*"") 

b. Melampsorei. 

61. Coleosporium Campanularum (Pers.). Auf Campanula rapun- 
culoides, namentlich aber auf Campanula latifolia im vorderen Theile 
des Gartens. 

62. Coleosporium Tussilaginis (Pers.). Auf Tussilago Farfara und 
Petasites officinalis in der Abtheilung für officinelle Gewächse. 

63. Coleosporium Senecionis Schum. Auf Senecio vulgaris, ebendort. 

64. Melampsora salicina Lev. Auf Salix viminalis. Am alten 
Festungsgraben. 

65. Melampsora Euphorbiae Cast. Auf Euphorbia Helioscopia nahe 
der Alpenpartie. 

66. Uredo Epilobii D. C. Auf Epilobium roseum nahe der Alpenpartie. 
Nie mit einer Puccinia. 

67. Uredo Circaeae Alb. et Schw. An Circaea alpina in der Alpen- 
Partie. Dem vorigen anscheinend ganz gleich. Auch hier nie eine 
Puccinia. 

68. Uredo Agrimoniae D. C. An verschiedenen Agrimonia-Arten sehr 
reichlich. Auch hier nie Spuren von Teleutosporen. 

IX. Tremellacei. 

69. Tremella lutescens Fr. An alten Brettern und Zweigen nahe 
dem Gartenzaune. 

70. Dacryomyces stillatus Nees. Auf den Eichenklötzern in der 
physiologischen Partie nach jedem Regen und zu jeder Jahreszeit. 

X. Hymenomycetes. 

a. Clavariacei. 

71. Typhula variabilis. Häufig auf halbfaulen Blättern und Stengeln, 
namentlich in der Gegend des Zaunes. 

72. Ciavaria. Einfach, steif aufrecht, in allen Theilen rein weiss, 
3 — 4 Cm. hoch. Stiel von der Keule scharf geschieden. Keule so 
lang wie der Stiel, etwas breiter als dieser, gleichmässig dick, am 
Scheitel abgerundet Basidien mit 4 kleinen kugeligen Sporen. — 
Häufig aus der Erde einiger Töpfe in Gewächshaus III, in denen 
Cibotium cultivirt wird, sprossend. 



*) Diese Junipcrus- Gruppe bestand aus über und über mit Gymnosporangium 
conicum bedecktem Juniperus sabina, das auch das Absterben der Juniperus verur- 
sachte, worauf auch die Roestelia auf den benachbarten Birnbäumen verschwand. 

Göppert. 



104 Jahres -Bericht 

73. Ciavaria cristata Holmik. Auf den Grasplätzen im waldigen 
Theile des Gartens. 

b. Auricularini. 

74. Hypochnus calceus Pers. An alten Weidenästen im waldigen 
Theile. 

75. Corticium lacteum Fr. An abgefallenen Zweigen (Linden) im 
hinteren Theile des Gartens. 

76. Corticium incarnatum (Pers.). An Lindenstümpfen im vorderen 
Theile des Gartens rechts. 

77. Corticium cinereum (Pers.). An Lindenästen im hinteren Theile 
des Gartens. 

78. Auricularia mesenterica (Pers.) An einem alten Weidenstamme 
rechts vom Wasser. 

79. Stereum rugosum (Pers.), An alten Weidenstämmen im wal- 
digen Theile. 

80. Stereum hirsutum (Will.). An alten Stämmen in der physiolo- 
gischen Partie und an den Holztöpfen der Gewächshäuser. 

81. Thelephora palmata Fr. Auf den Grasplätzen im waldigen 
Theile, rechts. 

c. Hydnei. 

82. Hydnum niveum Pers. An alten Stangen und Brettern im hin- 
teren Theile des Gartens, besonders nahe dem Zaune. 

d. Polyporini. 

83. Merulius aureus Fr. An Brettern an dem Zaune rechts vom 
Eingange. 

84. Daedalea quercina Pers. An Eichenklötzern in der physiolo- 
gischen Partie. 

85. Tram et es suaveolens (Fr.). An Weiden im waldigen Theile. 

86. Polyporus Medulla panis Fr. An Klötzen in der physiologischen 
Partie. 

87. Polyporus obliquus Fr. An alten Bäumen, an denen er zuweilen 
von oben bis unten fortläuft, z. B. an einer Akazie an der Partie 
der officinellen Gewächse. 

88. Polyporus versicolor L. Sehr häufig auf Baumstümpfen in der 
bewaldeten Partie. 

89. Polyporus zonatus Fr. Ebendort. 

90. Polyporus fumosus (Pers.). Ebendort. 

91. Polyporus salicinus Fr. An Weidenstämmen im waldigen Theile. 

92. Polyporus cinnamomeus Trog. An alten Stämmen ebenda. 

93. Polyporus squamosus (Huds.). An verschiedenen Bäumen, be- 
sonders reichlich an den Rosskastanien nahe dem Eingange, an 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 105 

Linden (Tilia argentea), Weiden, auch an Cornus sanguinea (gegen- 
über dem Steinkohlenprofil). 

94. Polyporus sulphureus. Nun schon im 3. Jahre aus dem */ 2 Fuss 
unter der Oberfläche abgehauenen Stock von Salix fragilis, also 
Mycelium perennirend. Vollständiges Gefrieren bis zum Zerbrechen 
bei — 10° tödtete ihn im Dezember 1871. (Goeppert.) 

95. Boletus piperatus Bull. Auf den Grasplätzen des waldigen 
Theiles überall häufig. 

e. Agaricini. 

96. Russula integra L. Auf Grasplätzen im waldigen Theile und in 
der Nähe der physiologischen Partie. 

97. Russula fragilis Pers. Auf Grasplätzen im waldigen Theile. 

98. Russula foetens Pers. Durch den ganzen rechts vom Wasser 
gelegenen Theil des Gartens häufig. 

99. Lactarius mitissimus Fr. In lockerem Grase des waldigen 
Theiles. 

100. Lactarius subdulcis (Pers.). Zwischen Gras im hinteren Theile 
des Gartens. 

101. Lactarius turpis (Weinm.). Auf freiem Boden in Gebüsch nahe 
dem Palmenhause. 

102. Paxillus involutus Fr. Im hinteren waldigen Theile (im Birken- 
wäldchen). 

103. Coprinus ephemerus Fr. An Baumstümpfen und Brettern im 
waldigen Theile, auch in den Gewächshäusern häufig. 

104. Coprinus micaceus Fr. Auf den Grasplätzen im waldigen Theile 
und auf den Beeten für officinelle Pflanzen in grossen Haufen. 

105. Coprinus fimetarius L. Hinter dem Palmenhause. 

106. Coprinus atramentarius Bull. Auf Grasplätzen im waldigen 
Theile nahe dem Palmenhause. An Eichenstümpfen in der physiolo- 
gischen Partie. 

107. Coprinus comatus Fr. Auf Schutt in der Nähe der grossen Pappel. 

108. Agaricus (Coprinarius) gracilis Fr. Auf Schutt in der Nähe 
der Zäune, auf Faulhaufen sehr reichlich. 

109. Agaricus (Psathyra) spadiceo-griseus Schaeff. In grossen 
Haufen an einigen Weidenstämmen im waldigen Theile. 

110. Ag. .(Hypholoma) fascicularis Huds. Vom Frühjahr bis in den 
Spätherbst in sich stets erneuernden grossen Haufen an einigen 
Weidenstümpfen daselbst. 

111. Ag. (Psalliota) aeruginosus Curt. Nach starken Regen im 
Juli und Spätherbst überall im Garten in grossen grünen Haufen 
auftretend, besonders auf Grasplätzen und Faulhaufen nahe dem 
Kirchhofzaune und in der Abtheilung für officinelle Gewächse. 



106 Jahres - Bericht 

112. Ag. (Psalliota) campestris L. Sehr häufig im Garten, auf den 
Beeten nahe am Eingange und in der Nähe der Zäune, 

113. Ag. (Galera) Hypnorum Batsch. Auf allen Grasplätzen zwischen 
Moos. 

114. Ag. (Naucoria) furfuraceus P. Auf den Grasplätzen links vom 
Wasser. 

115. Ag. (Flammula) picreus Fr. An Baumzweigen, auf Faulhaufen, 
auch auf Blumenstäben und Etiquetten in den Treibhäusern. 

116. Ag. (Hebeloma) fastibilis Fr. Im Birkenwäldchen. 

117. Ag. (Inocybe) geophyllus Sow. Auf den Grasplätzen des wal- 
digen Theiles. 

118. Ag. (Inocybe) rimosus Bull Ebendort, mehr verbreitet. 

119. Ag. (Inocybe) lanuginosus Bull. Ebendaselbst. 

120. Ag. (Pholiota) aurivellus Batsch. An Weidenstämmen am 
Wasser. 

121. Ag. (Pholiota) mutabilis Schaeff. An einem alten Blumenholze. 

122. Ag. (Pholiota) squarrosus Muell. An abgeschlagenem Pappel- 
holze, das in der Nähe des Palmenhauses lag. Auch auf Eichen- 
stümpfen in der physiologischen Partie. 

123. Ag. (Pholiota) praecox Pers. Zwischen Gras im waldigen Theile. 

124. Ag. (Cortinarius) rigidus Scop. Auf den Grasplätzen. 

125. Ag. (Chamaeotus) echinatus Rott. Dieser schöne kleine Pilz, 
der geschlossen einem kastanienbraunen gestielten Bovist gleicht, 
offen durch seine scharlachrothen Lamellen auffällt, fand sich reich- 
lich auf Faulhaufen am Zaune rechts. 

126. Ag. (Nolanea) icterinus Fr. In Gebüschen im waldigen Theile. 
Besitzt einen angenehmen Ananas-Geruch. 

127. Ag. (Entoloma) Rhodopolius Fr. Sehr häufig. Vom Sommer 
bis in den Spätherbst auf den Grasplätzen und blosser Erde. 

128. Ag. (Pleurotus) salignus Fr. An Weidenstämmen. Im Spätherbst. 

129. Ag. (Omphalia) Fibula Bull. Zwischen Moos an der Gruppe 
für Sumpfpflanzen. 

130. Ag. (Omphalia) Epichysium Pers. Auf allen Grasplätzen im 
waldigen Theile. 

131. Ag. (Collybia) cirrhatus Schum. Auf Ag.fascicularis an einem 
alten Weidenstocke bildet sich jedes Jahr in Menge Sclerotium fun- 
gorum } aus dem mit Regelmässigkeit im Frühjahr der Agaricus ge- 
zogen wurde. Die Grösse des Pilzes richtet sich nach der Grösse 
des Sclerotium. 

132. Ag. (Mycena) alcalinus Fr. Auf den Grasplätzen im waldigen 
Theile und auf Blumentöpfen in den Gewächshäusern. 

133. Ag. (Mycena) galopus Schrad. Zwischen Moos im Warm- 
hause III. 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 107 

134. Ag. (Mycena) rubro-marginatus Fr. In den Gewächshäusern 
an den Pflanzenkübeln im Winter häufig. 

135. Ag. (Mycena) galericulatus Scop. Auf Baumstümpfen in der 
physiologischen Partie und im waldigen Theile, vom Herbst bis in 
den Winter. 

136. Ag. (Mycena) polygrammus Bull. Auf einem Baumstumpf im 
hinteren Theile des Gartens. 

137. Ag. (CollybiaJ Rotula Fr. An Wurzeln und Zweigen an ver- 
schiedenen Stellen des Gartens, besonders nahe dem Eingange und 
in der Abtheilung für Sumpfpflanzen. 

138. Ag. (Collybia) dryophilus Bull. Zwischen Gras im waldigen 
Theile. 

139. Ag. (Collybia) erythropus Fr. Am Grunde alter Stämme im 
waldigen Theile oft in grossen verwachsenen Gruppen. 

140. Ag. (Collybia) velutipes Curt. Auf alten Stämmen und Zweigen, 
besonders von Weiden. Ein wahrer Winterpilz, der Ende October 
erscheint, im Winter am üppigsten gedeiht und im März wieder 
verschwindet. 

141. Ag, (Clitocybe) laccaius Scop. Gehört auf allen Grasplätzen 
zu den häufigsten Pilzen und findet sich vom Frühjahre bis zum Herbst. 

142. Ag. (Tricholoma) brevipes Bull. Auf Faulhaufen am Garten- 
zaune rechts. Im Spätherbst. 

143. Ag. (Tricholoma) conglobatus Vittad. An der geologischen 
Partie. Zu grossen Haufen verwachsen. Die Stiele erscheinen da- 
durch verzweigt. 

144. Ag. (Hygrophorus) conicus Fr. Im Warmhause III. auf Blumen- 
töpfen öfter wiederkehrend. 

145. Ag. (Lepiota) procerus Scop. Auf Faulhaufen am Zaune rechts. 

146. Ag. (Lepiota) er i Status Bolt. In der Abtheilung für Sumpf- 
pflanzen. 

147. Ag. (Lepiota) Vittadinii Moretti. Im vorderen Theile des Gar- 
tens nur einmal spärlich gefunden. 

148. Ag. (Armillaria) melleus Vahl. Im Birkenwäldchen. Im Spät- 
herbst. 

149. Ag. (Amanita) rubescens Pers. Im Grase, gegenüber etwa der 
grossen Pappel, vereinzelt. 

150. Ag. (Amanita) muscarius L. Im Birkenwäldchen, häufig. 

XI. Gasteromycetes. 

a. Lycoperdacei. 

151. Scleroderma Bovista Fr. Auf den Grasplätzen sowohl, als auf 
freier Erde im ganzen rechts vom Wasser gelegeneu Theile des 
Gartens häufig. 



108 Jahres-Bericht 

b. Hymenogastrei. 

152. Hymenangium carneum Tul. Auf Töpfen in den Kalthäusern 
vom October bis zum Februar. 

153. Hymenogaster Klotschii Tul. Ebendaselbst und zur selben Zeit. 

Die beiden Pilze wachsen auf Töpfen, in welchen Akazien und 
Myrtaeeen cultivirt werden. Sie sind an ihren Standorten vollstän- 
dig eingebürgert, denn ich fand sie daselbst jedes Jahr und immer 
reichlich wieder. Jedenfalls sind sie mit der Erde aus einem anderen 
Garten eingeführt worden. 

c. Phalloidei. 

154. Phallus impudicus L. Vereinzelt in der Nähe des Palmenhauses 
und im hinteren Theile des Gartens, wohin sie von dem unmittelbar 
an den Garten stossenden Kirchhofe eingewandert sind. Im Juli 
bis October. 

d. Nidulariacei. 

155. Cyathus Olla Pers. Auf blosser Erde nahe am Eingange. Auch 
auf Töpfen in den Gewächshäusern. 

156. Cyathus striatus Hof/m. Auf der Erde, stellenweise im wal- 
digen Theile. 

157. Crucibulum vulgare (Hoffm.) Tul. An einer alten Holzrinne 
im waldigen Theile. 

e. Carpobolei. 

158. Sphaerobolus stellatus Tode. An alten Brettern und Stangen, 
an den Zäunen und in den Gewächshäusern, hier auch im Winter. 

D. Ascomycetes. 
XII. Tuberacei. 

159. Elaphomyces granulatus Nees. In Walderde im Palmenhause. 
Jedenfalls nur eingeschleppt. 

160. Endogone macrocarpa Tul. Im Kalthause der Coniferen und 
im Warmhause III. auf Blumentöpfen. Von Hoffmann wird der Pilz 
als Conidienform zu Hymenogaster Klotschii gezogen. Im Garten 
kommen die beiden Pilze nie zusammen oder nach einander auf 
denselben Stellen vor. 

XIII. Erysiphacei. 

161. Sphaerotheca pannosa Lev. Auf Rosen, auch in den Gewächs- 
häusern. 

162. Microsphaera Berberidis (Lk.). An Berberis vulgaris häufig. 

163. Microsphaera Lonicerae (D.C.). An Lonicera tartarica. Der 
vorigen fast gleich, wenn nicht identisch mit ihr. 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 109 

164. Erysiphe communis Schi. An vielen Kräutern, namentlich an 
Hypericum perforatum in dem rechts vom Wasser gelegenen Theile 
des Gartens. 

165. Erysiphe graminis D. C. An Dactylis ylomerata im vorderen 
waldigen Theile. 

XIV. Discomycetes. 

a. Stictidei. 

166. Stictis (Propolis) versicolor Fr. Auf Eichenklötzen in der 
physiologischen Partie. 

b. Helvellacei. 

167. Peziza (Mollisia) leucostigma Fr. An einer alten Holzrinne 
im waldigen Theile. 

168. Peziza (Mollisia) cinerea Batsch. Auf moderndem Holze an 
vielen Stellen. 

169. Peziza (Mollisia) chrysocoma Bull. An Klötzen in der phy- 
siologischen Partie und an alten Baumstümpfen im waldigen Theile. 

170. Peziza (Calyculus) pallescens Fr. Auf alten Baumstümpfen. 

171. Peziza (Hymenoscyphus) cyathoidea Bull. Auf Pflanzen- 
stengeln, Abtheilung für Sumpfpflanzen. 

172. Peziza (Hymenoscyphus) coronata Bull. Ebendort. 

173. Peziza (Hymenoscyphus) fructigena Bull. Auf Eicheln im 
vorderen Theile des Gartens. 

174. Peziza (Hymenoscyphus) sclerotiorum. Auf Sclerotium varium. 
In Gewächshaus III. auf einem Blumentöpfchen. 

175. Peziza (Humaria) leucoloma Reb. In der Alpen - Partie 
auf Moos. 

176. Peziza (Geopyxis) cupularis L. In der Alpen-Partie und im 
waldigen Theile auf blosser Erde. 

177. Peziza (Helvellopsis) verrucosa Pers. Auf einem alten 
Weidenstarnme im Frühjahre und Herbst. 

178. Peziza (Helvellopsis) badia Pers. Auf der Erde im waldigen 
Theile. 

179. Bulgaria sarcoides Fr. Im Birkenwäldchen an Stämmen. 

180. Leotia lubrica Pers. Reichlich auf einem Grasplatze im wal- 
digen Theile. 

181. Helvella elastica Bull. An derselben Stelle im Spätsommer sehr 
verbreitet. 

XV. Pyrenomycetes. 

a. Nectriacei. 

182. Nectria cinnabarina Fr. Stylosporen (Tubercularia cinnabarina) 
vom Herbst bis zum Frühjahr an abgefallenen Zweigen sehr ver- 



HO Jahres-Bericht 

breitet. Ausgebildete Sphärien im Frühjahre besonders auf Pappel- 
zweigen in der Nähe des Palmenhauses. 

183. Nectria Pandani Tul. An abgestorbenen und noch lebenden 
Theilen von Pandanus odoratissimus im Frühjahre 1870, den sie leider 
tödtete. 

184. Hypocrea rufa (Fr.). Die Stylosporen (Trichoderma viride) häufig 
auf faulendem Holze. 

185. Hypomyces chrysospermus Tul. Stylosporen (Sepedonium aureum) 
auf Boletus piperatus sehr häufig. 

186. Hypomyces aurantius Tul. Auf morschem Weidenholz. 

187. Epichloe typhina (Beck.). Auf Gräsern im waldigen Theüe. 

188. Torrubia militaris (Fr.). Stylosporen (Isaria farinosa) stark ent- 
wickelt auf der Puppe eines Nachtschmetterlings, Januar 1870, im 
Moose, nahe der grossen Pappel. 

189. Torrubia sp. Keulenförmig, ocherfarbig, Keule nicht deutlich ab- 
gesetzt. Mündungen der Perithacien nicht vortretend, durchstochen. 
Sporen fadenförmig. Auf Weidenwurzeln im waldigen Theile. 

b. Sphaeriacei. 

190. Leptosphaeria acuta (Hof/m.). Auf Nesselstengeln, Abtheilung 
für Sumpfpflanzen. 

191. Leptosphaeria Doliolum (Pers.). Ebendort. 

192. Pleospora herbarum (Pers.). Auf verschiedenen Kräutern, be- 
sonders verbreitet in ihrer Stylosporen-Frucht (Dematium herbarum). 

193. Sphaerella graminis (Pers.). An Blättern von Elymus. 

194. Lasiosphaeria ovina (Pers.). An einem alten Weidenstamme. 

195. Sphaeria pulvis pyrius Pers. Auf abgefallenen Pappelzweigen. 

196. Lophiostoma crenata (Pers.). An altem Weidenholze. 

197. Cucurbitaria Berberidis (Pers.). An Berberis vulgaris, am 
Ende des Teiches. 

198. Massaria Argus Tul. An Birkenzweigen, Birkenwäldchen. 

199. Massaria Pupula Tul. An Ahornzweigen hinter dem Palmenhause. 

c. Valsacei. 

200. Valsa ambiens (Pers.). Auf abgefallenen Zweigen. 

201. Valsa salicina (Pers.). An Weidenzweigen. 

202. Valsa einet a Fr. An Prunus-Zweigen. 

203. Hercospora Tiliae Tul. An Lindenzweigen. 

204. Cryptospora suffusa (Fr.). An Erlenzweigen. 

205. Cryptospora Betulae Tul. An Birkenzweigen. 

206. Melanconis chrysostroma Tul. An Zweigen von Carpinus Betulus. 

207. Melanconis laneiformis Tul. An Birkenzweigen. 

208. Melanconis umbonata Tul. An Eichenzweigen. 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 111 

209. Melanconis Pandani. Stylosporen (Melanconium Pandani Lev.) 
an Pand. odoratissimus mit Nectria Pandani. 

d. Diatrypei. 

210. Calosphaeria gregaria Lib. An Birkenzweigen. 

211. Diatrypella quercina (Pers). An Eichenzweigen. 

212. Diatrypella verrucaeformis (Pers.). An Erlenzweigen. 

213. Diatrypella favacea (Fr). An Birkenzweigen. 

e. Xylariacei. 

214. Dothidea melanops Tul. An Eichenzweigen. 

215. Hypoxylon serpens (Pers). An faulendem Weidenholze. 

216. Hypoxylon concentricum (Bolt). Auf abgefallenen Zweigen in 
der Nähe des Palmenhauses. 

2J7. Xylaria Hypoxylon (L.) An Baumstümpfen in verschiedenen 
Theilen des Gartens. 

In vorstehendem Verzeichniss sind nur diejenigen Arten aufgeführt, 
deren abschliessende Fruchtformen bekannt sind und denen ein fester 
Platz in dem jetzt anerkannten Systeme der Mykologie angewiesen ist. 

Ausserdem finden sich aber zu allen Zeiten im botanischen Garten 
unvollkommene Entwickelungsformen, von denen noch nicht festgestellt 
worden ist, in den Formenkreis welcher Pilze sie gehören. 

Es sind dies Formen aus den alten Klassen der Coniomyceten und 
Hyphomyceten, speciell aus den Gattungen Penicillium, Aspergillus, Botrytis, 
AcrostalagmuSj Trichothecium, Rhinotrichum, Fusisporium. Helminihosporium, 
Cladosporium, Tubercularia, Fusarium, Menispora, Chaetospora, Ceratium, 
Torula, Epicoccum u. s. w. u. s. w. 

Ich verzichte darauf, die mannigfachen Gebilde, die in anmuthiger 
Formfülle vegetiren, mit ihren provisorischen Namen hier aufzuführen, ich 
will nur darauf aufmerksam machen, dass sich in ihnen noch weitreichendes 
Material für mykologische Untersuchungen findet. 

Rastatt, im October 1872. Dr. Schroeter. 

Wir nehmen an dieser Stelle nachstehende von Herrn Geheimrath 
Professor Dr. Goeppert verfasste Abhandlungen mykologischen Inhalts 
auf, von denen die erstere in der medicinischen Section am 23. Febr. d. J. 
vorgetragen, die andere in den hiesigen Zeitungen erschienen ist. 

1. Ueber die Filz-Ausstellung im Museum des botanischen Gartens. 

Das Studium der Phanerogamen ist in der letzten Zeit gegen das der 
Kryptogamen sehr in den Hintergrund getreten. Unter ihnen widmet man 
den Pilzen, insbesondere den mikroskopischen vorzugsweise Beachtung, 
weniger den massigen oder fleischigen Arten, welche jedoch als 
Volks nahrungsmittel nicht geringere Aufmerksamkeit verdienen. Nur 



112 Jahres-Bericht 

von diesen will ich hier, und zwar lediglich nur vom praktischen Gesichts- 
punkte aus sprechen, um zur Verbreitung ihrer Kenntniss beizutragen. 
Zu gleichem Zwecke dienen die hier zuerst im botanischen Garten ver- 
suchten Aufstellungen von essbaren und giftigen Pilzen in Exem- 
plaren, Modellen und Abbildungen (an 140 verschiedene Gegen- 
stände), welche zu den von mir unter dem Namen des Botanischen 
Garten -Museums*) vereinigten Aufstellungen gehören. Den 20. Sep- 
tember wurden sie geschlossen. 

Die Pilze wurden von jeher sehr gern gegessen; doch hat erst die 
neueste Zeit sie noch mehr würdigen gelehrt, insofern man fand, dass sie 
an stickstoffhaltigen Nahrungs- oder sogenannten Protein- 
Stoffen alle anderen Vegetabilien übertreffen, ja der Fleischnahrung an 
Wirkung gleichzusetzen sind. Mehr Aufklärung wünschen wir nur noch 
über die Natur des giftigen, mehreren Pilzen eigenen Princips, daher es 
immer noch an einem entschieden wirksamen Gegengifte mangelt. Gerbe- 
stoff oder Tannin und der schon von Plinius empfohlene Essig entsprechen 
nur unvollkommen diesem Zwecke. 

Bei der Schwierigkeit, die einzelnen Pilzarten, giftige von den ess- 
baren, genau zu unterscheiden, hat man sich bemüht, für die schädlichen 
Pilze allgemeine Kennzeichen aufzufinden, die sich aber fast alle als 
trügerisch erweisen. Verdächtig sind im Allgemeinen Pilze von ekelhaftem, 
fauligem Gerüche und scharfem zusammenziehendem Geschmack. Davon 
machen aber die höchst widrig riechenden und doch unschädlichen echten 
Trüffeln eine Ausnahme, desgleichen der Fliegenpilz, welcher gar nicht 
unangenehm schmeckt, aber dennoch zu den giftigsten unserer Gegenden 
gehört. Trügerisch ist auch die Farbe. Es giebt essbare und giftige 
Pilze von allen Farben, jedoch Pilze, die beim Einschneiden ihre weisse 
Farbe in Blau verändern, sind nach dem gegenwärtigen Stande unserer 
Kenntniss zu vermeiden. Das Beigeben einer weissen Zwiebel beim Ab- 
kochen, die sich durch giftige Pilze schwarz färben soll, führt zu keinem 
Resultat. Wiederholentlich habe ich den Fliegenpilz und den 
eben so giftigen Knollenpilz Agaricus phalloides mit Zwie- 
beln gekocht, ohne jene angebliche Farbenveränderung zu bemerken. 
Sie blieben weiss wie zuvor. Dass holzige, zähe, schon in Fäulniss 
übergehende, ammoniakalisch riechende oder von Insekten zerfressene 
Pilze nicht zu benutzen sind, darf wohl kaum erst bemerkt werden. In 
nur irgend zweifelhaften Fällen unterlasse man lieber den Genuss und 



*) Das von mir begründete botanische Museum des botanischen Gar- 
tens ist nun in diesem Jahre als selbstständige Sammlung unabhängig von dem 
im neuen Universitäts-Gebäude befindlichen botanischen Museum in die Reihe der 
übrigen akademischen Institute getreten. Die Gegenstände desselben befinden sich 
in möglichster Nähe der Mutterpflanzen. Verzeichniss erscheint nächstens. 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 113 

beruhige sich nicht durch das auch wohl empfohlene vorhergängige Ein- 
weichen in Wasser oder Abbrühen und Weggiessen der Brühe, wodurch 
überdies auch ein Theil der aromatischen und nährenden Stoffe verloren 
geht. Insofern man sich nun schon früh von der Unzulänglichkeit aller 
dieser und anderer, hier nicht erst zu erwähnender Merkmale überzeugte, 
schlug man einen anderen, wenig empfehlenswerthen Weg ein, indem 
man ohne Weiteres auf ganz unzulängliche Erfahrungen hin Pilze als 
giftig verdächtigte, welche sicher nicht in diese Kategorie gehören. Man 
verwickelte sich in Widersprüche, und Verfasser populärer Schriften dieser 
Art sahen sich dadurch veranlasst, allzu viele Arten aufzunehmen, deren 
Unterscheidung grossen Schwierigkeiten unterliegt. Man muss versuchen, 
einen gewissermassen analytischen Weg einzuschlagen und die 
wirklich wichtigen aus der grossen Masse der Uebrigen zu 
scheiden und leicht kenntlich hinzustellen. Es erscheint um so 
notwendiger, als die gegenwärtige systematische Pilzkunde nur als eine 
provisorische anzusehen ist, die fort und fort noch grosse Veränderungen 
erleiden wird. Die Pilze verdienen diesen Versuch, denn sie 
sind so zu sagen besser als ihr Ruf. Auch nach sorgfältiger zu 
diesem Zwecke von mir vorgenommener Durchmusterung der diesfallsigen 
Literatur fand ich, dass sich fast alle constatirten Fälle von Pilzvergiftung 
mit tödtlichem Ausgange nur auf 3 Arten zurückführen lassen, nämlich 
auf den Fliegenpilz (Agaricus muscarius), den Knollenpilz Agaricus phalloides 
und den unter dem Namen „Speiteufel" bekannten, vielfach bunt ge- 
färbten Agaricus emeticus. Von den fünf Hauptordnungen der gegen- 
wärtigen Systematik, den Schimmelpilzen, den Brandpilzen, den 
Schlauchpilzen, den Hut- und Schleimpilzen, gehören nur zwei 
in unsere Betrachtung: nämlich die Schlauchpilze, deren Samen oder 
Sporen sich in Schläuchen befinden, und die Hutpilze oder die Hyme- 
nomycetes, deren auf eigenen Trägern befindlichen Sporen sich auf einem 
besonderen Theile des Pilzes, Hymenium genannt, befinden. 

Nach dem Vorkommen und dem Aeusseren oder Habitus unterscheide 
ich nun fünf Hauptgruppen sämmtlicher Pilze: 1) trüffelartige unter- 
irdische Pilze (die wir zu den Schlauchpilzen rechnen), unterirdische 
mehr oder weniger fleischige, oft kartoffelartige Knollen, äusserlich warzig 
oder glatt, innerhalb anfänglich weisslich, dann mit weissgelblichen, grün- 
lichen oder schwärzlichen Adern, geruchlos oder von durchdringendem 
lang anhaltendem, eigenthümlichem Gerüche. Alle essbar. Hierher 
rechnet man die schwarze Trüffel, Trüffel von Perigord, Tuber cibarium, 
mit schwarzer warziger Oberfläche und schwärzlichen Adern im Innern, 
penetrantem Geruch, in Schlesien wie in Nord-Deutschland bis jetzt noch 
nicht gefunden. 

Ferner die weisse Trüffel, Tuber album als ältester Name, später 
Hymenangium album, von kartoffelartigem Aeusseren, Farbe und Grösse, 

8 



114 Jahres-Bericht 

innerhalb mit weiss-gelblichen Adern, von penetrantem, dem der schwar- 
zen Trüffel ähnlichem Geruch und Geschmack. In Oberschlesien (Lublinitz, 
Gleiwitz, Rybnik, Ratibor) sehr verbreitet, im übrigen Deutschland häu- 
figer im Süden als im Norden. Verdient wegen Wohlgeschmack Berück- 
sichtigung als Handelsartikel. Hieran schliesst sich noch ein drittes Glied 
der Trüffelfamilie, Hymenangium virens, die Schweinetrüffel, zuerst von den 
Gr. v. Albertini und Schweinitz in der Nieder Lausitz, später von den 
Herren Geisler, Dr. Schneider und v. Ohnesorge (Schlanowitz) auch in 
Schlesien gefunden, im Aeusseren ähnlich den vorigen, mit zartem bräun- 
lichem Pilzgeflecht überzogen, sehr dünnschalig, innerhalb anfänglich weiss, 
dann schwärzlich-grünlich, geruchlos, von mildem Geschmack, essbar. 
Scheint ebenfalls, wie die vorige, im Süden häufiger zu sein als bei uns. 
2) Bovist- oder Streuung -Arten (Lycoperdon, Bovista), rund- 
liche oder becherförmige, anfänglich im Frühjahr durchweg reinweisse, 
etwa9 fleischige, später aber bräunliche, an der Spitze aufspringende, 
innerhalb mit braunem Staub erfüllte Pilze von schwachem Geruch. Ess- 
bar angeblich im ersten Stadium, sicher nicht nach erfolgter Bräunung des 
Inneren, schädlich nach Erfahrungen von Lenz, Milde u. A. Der Kugel- 
pilz, Feldbovist, Scleroderma vulgare Fr., eine bei uns häufige, in diese 
Familie gehörende, sich durch ihre dicke, weissliche, un regelmässig warzige 
Schale auszeichnende Art. Fast kugelförmig, strunklos, gelblich weiss, 
bräunlich, ziemlich regelmässig rissig, mit dicker weisser Schale, innerhalb 
weisslich, dann ziemlich gleichmässig schwarz, zuletzt pulvrig, übrigens 
von gewöhnlichem Pilzgeruche und Geschmacke, der auch nicht im Ent- 
ferntesten an Trüffel erinnert, wofür sie mehrfach gehalten und für vieles 
Geld missb rauch lieh er- und betrügerisch erweise verkauft wird, 
wie in Schlesien, Böhmen, Carlsbad, Berlin, Ost- und Westpreussen u. s. w. 
Man geniesst sie in kleineren Mengen wie die Trüffel, daher die Selten- 
heit von Vergiftungssymptomen. Grössere Quantitäten verursachen Schwin- 
del, Erbrechen und ohnmachtähnliche Schwäche bis zum Hinfallen, welche 
Symptome unter Anderen auch einer unserer geschätztesten Aerzte, Herr 
Geheime Sanitätsrath Dr. Krocker, auch nach dem Genüsse einer nur 
aus den getrockneten Pilzen bereiteten Sauce an 4 Personen seines Hauses 
beobachtete, die schon nach einer halben Stunde in verschiedenen Graden 
von diesen Symptomen, je nach der Quantität des Genossenen, befallen 
wurden. Der ungewöhnlich rasche Eintritt dieser Erscheinungen, der bei 
gewöhnlicher Pilzvergiftung erst viel später, selbst bei Fliegenpilzen nach 
Verlauf von mehreren Stunden erfolgt, lässt auf grosse Intensivität des 
Giftes schliessen, die weiter bis zum Extrem zu erproben wir Denjenigen 
überlassen, die seit Jahren sich dieses Pilzes als Surrogat der Trüffel be- 
dienen. In Carlsbad werden ausser diesem Pilze auch noch andere 
Bovist-Arten, die Erbsenpilze (Polysaccum), betrügerischerweise als Trüffeln 
verkauft. 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 1 1 5 

3) Morchel-Arten. Pilze des zeitigen Frühjahrs mit fal- 
tigem, kegelförmigem, buchtig oder kapuzenartig gelapp- 
tem, meist bräunlichem, innerhalb weisslichem Hut, der auf 
dem niedrigen Stiele entweder angewachsen ist oder glockenförmig herab- 
hängt. Hierher gehören die Morchel- Arten, die sämmtlich, mit Aus- 
nahme einer einzigen, über welche jedoch die Acten noch nicht ge- 
schlossen, unschädlich und essbar sind. Auf unseren Märkten im Früh- 
jahr die gemeine Morchel (Morchella esculenta, „Pilzmorchel") und die 
,, Lorchel" (Helvetta esculenta). 

4) Die Keulenpilze oder Clavarien, mit dickem, fleischigem 
Stamm, auf dem eine Menge ebenso fleischiger, zerbrechlicher, meist dicht 
gedrängt stehender, gabelig getheilter Aeste sich erheben, von weisser, 
grauer, röthlicher, rosenrother, gelber, selbst violetter Farbe, mindestens 
50 Arten, die sämmtlich ohne Ausnahme unschädlich sind und theil- 
weise auch vielfach genossen werden. Auf unseren Märkten mehrere 
Arten, genannt Ziegenbart, Judenbart, Hirschschwamm, Bärentatze; Ciavaria 
Botrytis, flava, formosa, grisea, muscoides. An diese schliessen wir wegen 
der Aehnlichkeit im Aeusseren den Korallenschwamm (Merisma coralloides) 
mit kurzem Hauptstamme und vielen sich weit verteilenden zarten stachel- 
artigen Aesten, der gleichfalls zu unseren Marktpilzen gehört. 

5) Hutpilze (Hymenomycetes), als Nahrungsmittel von grösster Be- 
deutung und häufigstem Gebrauch. 

Die Hutpilze, einem Regenschirm nicht unähnlich, aber in vielen 
Abänderungen, bald mit regelmässig rundem oder auch halbirtem Hut, 
langem, aber auch sehr verkürztem Stiele, der auch wohl gar mit dem 
Hute sich vereinigt, übrigens von sehr verschiedener Oonsistenz, trocken, 
lederartig oder fleischig. Vier allerdings an Arten zum Theil überreiche 
Gattungen kommen hier in Betracht, deren Unterscheidung nach den 
hier gegebenen Kennzeichen auch dem Laien wohl nicht allzuschwer 
fallen dürfte: 

a. Die Gattung der Löcherpilze Boletus (Polyporus), welche auf der 
Rückseite des Hutes kleine Röhrchen tragen, welche sich als dicht 
gedrängt neben einanderstehende kleine runde Löcher darstellen. Unter 
ihnen befinden sich keine giftigen Arten, verdächtigt werden nur 
diejenigen, welche beim Aufbrechen ihre weisse Farbe schnell in Blau 
verändern (B. luridus, erythropus u. s. w.). Einige erklären sie für giftig, 
Andere, wie Krombholz, für essbar, wenig verbreitet und daher leicht zu 
vermeiden. Zahlreiche Arten auf unseren Märkten unter beigesetzten 
volkstümlichen Namen: der Steinpilz (Boletus edulis), die Grau-, Braun- 
und Rothkappe (B. scaber), der Schälpilz (B. circinans, B. luteus und B. 
flavidus), auch Butter- und Hirsepilz genannt, der Sandpilz, auch Hirse- 
pilz (B. variegatus), der Kosauke oder Ziegenlippe, Butterpilz (B. sub- 
tomentosus L.)-> der Kuhpilz (B. bovinus L. P Bol. sapidus), der Klapper- 

8* 



116 Jahres -Bericht 

schwamm (B. frondosus Sehr.), der Eichhase (B. umbeüatus), der Semmel- 
pilz (B. artemidorus, B. ovinus), der Schwefelpilz (Bol. sulphureus), wie 
die 3 vorigen von 15 — 20 Pfund Schwere, einer Seekoralle vergleichbar, 
vielleicht der schönste aller einheimischen Schwämme, der Riesenpilz 
(B. giganteus), der Leberpilz (Fistulina hepatica), der Hasenpilz (B. castaneus). 

b. Die Hydnum- oder Stachelpilz- Arten. Erkennbar an den 
zarten Stachelspitzen, mit welchen die untere Fläche des Hutes besetzt 
ist, wie auch durch ihr schnelles Wachsthum, indem sie oft ganze Gruppen 
von Gräsern einschliessen; an 50 Arten, sehr viele trocken, zähe, die 
fleischigen alle essbar. Nur wenige im Gebrauch: der Rehpilz (Hydnum 
imbricatum), Steigerluschel (H. repandum), Igelpilz (H. erinaceum). 

c. Agarici oder Blätterpilze. Die Agarici, an 700 Arten, auf der 
Rückseite des Hutes mit parallel und senkrecht neben einander stehenden, 
meist weiss gefärbten Blättern. Hier verlässt uns freilich bei der grossen 
Anzahl von Arten, deren man bei abwechselnden Bodenverhältnissen in 
unseren Gegenden in einem Umkreise von 4 Meilen unschwer an 200 
zusammenbringen kann, die bisherige Sicherheit unserer analytischen 
Methode. Inzwischen können wenigstens die wirklichen giftigen Arten 
leicht kenntlich gemacht werden, wie der Fliegenpilz (Agar, muscarius) 
mit meist weissen Blättern und orangefarbenem weissgeflecktem Hute; 
der nicht minder weit verbreitete, bald schön blau oder roth, selbst gelb 
oder grün gefärbte Speiteufel (Ag. emeticus), unterhalb mit ebenfalls weiss 
gefärbten Blättern; der viel seltenere Knollenschwamm (Ag. phalloides), 
Hut meist blassgelb oder grünlich, Strunk hohl, nach unten in eine Knolle 
endigend. Von allen anderen wollen wir durchaus nicht behaupten, dass 
sie sämmtlich essbar seien, sondern können nur diejenigen aufführen, 
welche nach längerem Gebrauch und nach kritischer Würdigung der bis- 
her bekannten Erfahrungen sich als völlig unschädlich erwiesen haben. 
Merkwürdig genug ist man auch an anderen Orten zu gleichem Re- 
sultat gelangt, wie sich aus dem von Reich ard gelieferten Verzeichnisse 
der Wiener Marktpilze und der Prager von Corda und Krombholz er- 
giebt, welche mit dem unsrigen fast ganz übereinstimmen. Die nähere 
Kenntniss kann man sich leicht aus den vielen Pilzwerken beschaffen, die 
sie sämmtlich abgebildet haben und befasse sich aber nicht erst mit Unter- 
suchung der verdächtigen Arten. 

Folgende, durchweg essbaren Blätterschwämme kommen auf unseren 
Märkten vor: Der erste im Frühjahr (April, Mai), der Maipilz (Agarkus 
Pomonae Lenz); ihm folgt der Champignon (Ag. campestris), leicht kennt- 
lich durch die erst rosaröthlichen, später chokoladenfarbigen Blätter unter 
dem Hut; der verwandte Wald-Champignon (Ag. camp, süvaticus); das 
hartstielige Dürrbein („Derrbehndel", Dürrling, Ag. oreades)-, der zarte 
knoblauchartig schmeckende Moucheron (Musserong, Muscherong, Masserong, 
Muserien der Landleute); der Knoblauchpilz (A. scorodonius) ,• von Juni 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl, Cultur. 117 

bis in den Herbst hinein: der Reisker (Roth- oder Blut-Reisker, Ag. deli- 
ciosus)- der Milchreisker (Ag. Volemus); der durch seine bedeutende Höhe 
(bis 1 Fuss) leicht kenntliche weisslich graue Parasolschwamm (Ag.procerusJ; 
der Grünling oder Grünschwappe (Ag. flavo-virens Cers.J; die Weisskappe 
oder Weissmännchen (Ag. edulis Bull); der Drehung (Ag. ostreatus)^ das 
Kuhmaul (A. involutus). 

An die Blätterpilze schliesst sich noch ein allgemein verbreiteter und 
benutzter Pilz, der Pfifferling, Galpilz oder Kochmändel, Galuschel, Gahl- 
schwamm der hiesigen Landleute (Cantharellus cibarius) an, leicht kennt- 
lich durch den hell orangefarbenen oder blasseren Hut und die von dem- 
selben nach dem Stiel herabziehenden, ebenso gefärbten Blätter. 

Nach früheren, insbesondere aber seit einem Jahre mit Herrn L. Becker 
möglichst genau angestellten Beobachtungen unserer Verkaufsstellen kom- 
men also etwa 40 Arten auf dieselben, deren Kenntniss man sich auf die 
mehrfach angegebene Weise leicht zu erwerben vermag. Man gehe über 
den Gebrauch dieser Arten zunächst nicht hinaus; für alle anderen 
fehlen sichere Erfahrungen. In medicinisch-polizeilicher 
Hinsicht wäre es wohl wünschenswerth, wenn man auch in anderen 
Städten ähnliche Beobachtungen und Ausstellungen veranlasste. 

Cult u rver suche mit essbaren Pilzen in Wäldern, unmittelbar an 
ihrem Fundorte, also in ihren natürlichen Verhältnissen, würden unzweifel- 
haft gelingen und so zur Vermehrung dieser wichtigen Nahrungsmittel 
wesentlich beitragen, ein Vorschlag, den wir den Herren Forstmännern 
insbesondere zur Beachtung empfehlen. 

Von den auf hiesigem Markte zum Verkauf kommenden 
Pilzen habe ich im vorigen Jahresberichte auf Seite 148 und 149 ein 
Verzeichniss geliefert. 1872 kamen noch folgende hinzu: Peziza venosa 
Pers., Acetabulum L., Hydnum imbricatum L., Boletus cincinans Pers., luridus, 
fulvidus Fr., Polyporus ovinus Schaff., confluens, Morchella esculenta, bohemica, 
conica Pers., Hehella esculenta et gigas Krumbh., Ciavaria aurea Schaff., 
Hymenangium virens KL, so dass die Zahl derselben jetzt überhaupt, 
inclusive, wie gesagt, der 1871 beobachteten, 38 beträgt. 

2. lieber den Trüffelverkauf in Carlsbad. 

Alljährlich werden den Badegästen von Carlsbad Pilze für Trüffeln 
verkauft, unter denen sich keine Spur von echten Trüffeln (Tuber cibarium) 
befindet, sondern die aus einem Gemisch von verschiedenen Pilzen, vorzugs- 
weise aus den nach verschiedenen Richtungen hin zugeschnittenen ge- 
wöhnlichen Steinpilzen (Boletus edulis) bestehen. Ein solches im September 
vorigen Jahres für 2% Gulden verkauftes Gemisch von etwa 6 Loth Ge- 
wicht enthielt in überwiegender Menge Steinpilze nebst Aesten von an- 
deren, stark von Würmern zerfressenen Boletus-Arten, vielleicht von B. 
scaber oder luteus, dann die gewöhnliche Morchel (Morchella esculenta), ein 



118 Jahres -Bericht 

kleiner nicht bestimmbarer Agaricus, Galpilze oder Pfifferlinge, Cantharellus 
cibarius, Erbsenbovist, Pisolithus arenarius, Scleroderma vulgare, die beide 
auch allein in Carlsbad fälschlich für Trüffeln verkauft werden, und end- 
lich kleine Bruchstückchen von der weissen Trüffel Rhizopogon albus, deren 
eigentümlicher Geruch dem der echten schwarzen Trüffel nahe kommt. 

Die weisse Trüffel (Rhizopogon albus Fr., Tuber album Corda, 
Choeromyces maeandriformis Vittadini) ist ausser in Oberschlesien, Böhmen 
und Ober-Italien wenig verbreitet, zum mindesten nicht, wie in diesen 
Ländern, Gegenstand allgemeiner Benutzung. Wo sie aber stattfindet, 
wird sie sehr gerühmt, ja von Krombholz und Corda, denen 
Böhmen die Kenntniss seiner reichen Pilzflora verdankt, so°;ar der echten 
Trüffel wegen ihres feineren Geschmackes und entsprechenderen 
Verwendung zu culinarischen Zwecken vorgezogen. Corda bestätigt dies 
auch noch durch die Bezeichnung Tuber Magnatum, welche er einer etwas 
abweichenden Form derselben beilegt. Da sie nun in Oberschlesien so 
häufig vorkommt, verdiente sie Gegenstand des Handels zu werden, 
bitte aber, wenn es geschieht, sie nicht etwa als Surrogat der fran- 
zösischen Trüffel, der Trüffel von Perigord, sondern nur mit ihrem wahren 
deutschen Namen als weisse oberschlesische Trüffel dem Ver- 
kehr zu übergeben. Sie wird sich gewiss wegen ihrer Vorzüglich- 
keit bald selbst Bahn brechen und im Stande sein, in Concurrenz mit 
der so unverhältnissmässig kostbaren französischen Trüffel zu treten, so 
wie die oft besprochene falsche Trüffel (Feldstreuling, Scleroderma vulgare) 
zu verdrängen, die in der That nicht blos in Schlesien, sondern auch 
anderswo für echte Trüffel ausgegeben und theuer bezahlt wird. 

In Oberschlesien kommt die echte weisse Trüffel vor bei Pitschen 
im Nassadler Walde, bei Neustadt (Dr. Fraenkel), auf der ganzen süd- 
lichen Abdachung des Tarnowitzer Plateaus, auf den Gütern Xionel, 
Kamienietz, Wilkowitz, Kempcowitz, in den königl. Forsten bei Rybnik, 
um Ratibor. Sie wächst nach den Mittheilungen des Herrn Inspector 
Boehme in Nierade gruppenweise, und einzelne Exemplare erreichen 
selbst die Grösse eines starken Menschenkopfes. In den dortigen ge- 
mischten Beständen von Laub- und Nadelholz, besonders Buchen, bilden 
sich im Hochsommer kleine Erderhöhungen mit vielen Rissen, unter denen 
man, insbesondere in regenreichen Sommern nach vorangegangenen stren- 
gen Wintern, von August bis October die gesuchte Trüffel findet, um- 
geben von vielen braunen B'äden (dem Mycelium). Ihr Geruch ist im 
höchsten Grade penetrant, ähnlich dem der echten Trüffel, den sie Monate 
lang bewahrt. Aeusserlich weisslich grau, ist sie auch im Inneren von 
gleicher Farbe, mit vielen den Windungen des Gehirns ähnlichen, ver- 
zweigten, schmutzig gelblichen Adern, in denen sich die Sporen befinden. 
Ob man unserer Aufforderung, sie zum Gegenstande des Handels zu machen, 
entsprochen hat, ist uns unbekannt. 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 119 

In der siebenten Sitzung vom 14. November demonstrirte Herr Ge- 
heimrath Goeppert durch Vorlegen von Wurzeln mit angefaulter Schnitt- 
stelle den Schaden, welchen die Gärtner durch das hergebrachte Be- 
schneiden der Wurzeln beim Verpflanzen von Holzgewächsen anrichten. 

Herr Ober-Gärtner Stein hielt, unter Vorzeigung der gefundenen 
Pflanzen, folgenden Vortrag 

über zwei in diesem Jahre von ihm gemachte botanische Excursionen 

nach der Babiagora. 

Einem seit Jahren gehegten Wunsche folgend, verliess ich am 20. Mai 
dieses Jahres in Gesellschaft der Herren Bachmann und Firle Breslau, 
um dem auf der galizisch-ungarischen Grenze gelegenen Babiagoragebirge, 
welches Wimmer noch zur Flora Schlesiens gehörig betrachtete, einen 
Besuch abzustatten. Um 1 Uhr Mittags langten wir in der Endstation 
Dzieditz der Rechte -Oder -Ufer -Eisenbahn an, nachdem uns bereits von 
Vossowska aus der Pfingstblüthenschmuck der oberschlesischen Wälder 
zu beiden Seiten der Bahn begrüsst hatte. Ledum palustre, Pirola-Arten, 
Genistet pilosa etc. standen in voller Blüthe und gewährten uns prächtige 
Anblicke. 

Von Dzieditz benutzten wir die Zweigbahn nach Bielitz-Biala, welches 
wenige Tage vorher Schauplatz bedeutender Arbeiter-Unruhen gewesen 
war, jetzt aber, als wir um 4 Uhr eintrafen, entgegen den uns auf den 
letzten Stationen zu Theil gewordenen Mittheilungen, in Ruhe und Frieden 
Pfingsten feierte. Nur die grosse Anzahl Militär auf allen Strassen und 
die Posten vor allen Fabriken bis gegen Saybusch hin verriethen, dass 
ungewöhnliche Ereignisse stattgefunden hatten. 

Von Bielitz ging es ohne Aufenthalt zu Wagen nach dem drei Meilen 
entfernten Saybusch, einem ziemlich regen Fabrikstädtchen an der Sola. 

Die hochgelegene Bielitz-Saybuscher Chaussee läuft in einem breiten 
Thale, dessen rechte Wand von den Ausläufern der Teschener Berge, 
die linke von den Vorketten der Beskiden gebildet wird. Die Wiesen 
an der Chaussee waren übersäet mit blühenden Orchideen, hauptsächlich 
Orchis latifolia und Gymnadenia conopsea, an den Bächen blühte Rosa alpina 
und Daphne Mezereum in verspäteten Exemplaren. 

Kurz vor Saybusch präsentirte sich uns der Babiagoragebirgsstock 
zum ersten Male; beleuchtet von der sinkenden Sonne, gewährte der 
langgedehnte Rücken mit dem 5080 Fuss hohen Gipfel einen imposanten 
Anblick. 

Die Umgebung von Saybusch, speciell das Flussbett der Sola und 
die gegen Jablunkau liegenden Berge scheinen ziemlich pflanzenarm zu 
sein, wenigstens erblickten wir keine irgend seltene Pflanze. Durch die 
Vermittelung unseres liebenswürdigen Saybuscher Wirthes, — Gastwirth 
Scutecky, dessen kleines, aber sehr gutes und sauberes Gasthaus wir allen 



120 Jahres-Bericht 

Touristen in dieser Gegend empfehlen — erlangten wir für den nächsten 
Tag einen Wagen mit einem wenigstens Deutsch verstehenden, wenn auch 
nicht sprechenden Kutscher und brachen um 4 Uhr Morgens zur Weiter- 
fahrt gegen die Babiagora auf. Bis zum Dorfe Jelesnia benutzten wir 
die Chaussee nach der Arva, von dort ging es auf leidlichem Feldwege 
nach Przyborow, wo wir um 9 Uhr anlangten, dabei den Angaben 
Wimmer's folgend, welcher von hier aus zweimal die Babiagora besuchte. 
Wir hatten von Saybusch aus Empfehlungen an den erzherzoglichen Ober- 
förster Herrn Skokau in Przyborow erhalten, den wir zwar leider nicht 
antrafen, durch dessen Familie uns aber mit der liebenswürdigsten Bereit- 
willigkeit ein sicherer Führer besorgt wurde, der natürlich nur polnisch 
sprach, während uns Allen diese Sprache völlig fremd war. Die genauen 
Instructionen jedoch, welche er im Hause des Herrn Oberförsters erhielt, 
reichten völlig aus und wir sind während der ganzen Tour recht gut mit 
ihm ausgekommen. 

Gegen 10 Uhr verliessen wir die gastliche Oberförsterei, gefolgt von 
einem Tross polnischer Bauern, die uns mit grosser Beharrlichkeit Reit- 
pferde anpriesen und sehr erstaunt waren, dass wir durchaus zu Fuss 
gehen wollten. Bald hinter Przyborow steigt der Weg ziemlich steil an 
und das nächste nur aus wenigen Häusern bestehende Dorf Gluchazky 
liegt schon inmitten grosser Wiesenflächen, welche eine ganz charakteristische 
Bergflora zeigen. 

Bei Przyborow fanden wir die ersten Büsche Euphorbia amygdaloides, 
Cardamine Impatiens; die Wiesen zeigten an feuchten Stellen Pinguicula, 
Gymadenia, Carex Oederi und zahllose Gladiolus imbricatus. Die Wiesen 
um Gluchazky erfreuten uns durch die ersten Büsche Senecio subalpinus, 
Mengen von Rumex alpinus; an den Wegrändern im Gebüsche blühte 
Orchis mascula und Scrophularia Scopolii, Dicht bei Gluchazky passirten 
wir eine grosse Holzklause (Vorrichtung zum Aufstauen des Wassers für 
den Holztransport); hier blühte Sagina Linnaei, Doronicum austriacum in 
6 Fuss hohen Exemplaren und Lonicera Xylosteum. 

Von der Holzklause führt der Weg steil aufwärts durch Nadelholz- 
und Buchen-Hochwald. Lathraea, Dentaria glandulosa, Anemone nemorosa, 
Symphytum tuberosum, Homogyne und Cardamine amara bildeten die Haupt- 
vegetation des Waldes, auf schattigen Rollsteinen sammelten wir Cam- 
pylostelium saxicolum. Eine Stunde angestrengten Steigens brachte uns 
endlich auf den Gipfel dieses Vorberges, der mir später als Jelesnia be- 
zeichnet wurde, auf den Karten war ein Name nicht zu ermitteln. Die 
flach gewölbte, kahle Kuppe, mit Sagina Linnaei, Meum Mutellina, Potentilla 
aurea und Lycopodium alpinum, bot uns eine entzückende Aussicht auf die 
prachtvoll dunkelblau vor uns aufsteigenden Centralkarpathen mit ihren 
riesigen Hörnern und Spitzen, welche an vielen Stellen noch leuchtende 
Schneeflecken zeigten. Ein wunderschönes Bild, von welchem wir uns 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 121 

nur schwer trennten, aber der Führer trieb durch Zeichen zur Eile und 
machte uns begreiflich, dass unser Weg noch weit sei. 

Die Jelesnia ist von dem nächsten Gipfel, welchen uns der Führer 
als Babiagora bezeichnete — leider stellte es sich später heraus, dass es 
nur die Maly - Babiagora war — durch ein schmales, aber tief einge- 
schnittenes Thal getrennt. Es war drei Uhr Mittags, der Tag entsetzlich 
heiss und wir begrüssten den schönen Gebirgsbach im Grunde mit lauter 
Freude. Unter einer riesigen Fichte, deren Aeste 10 — 15 Fuss lange Barte 
von Usnea longissima in Gesellschaft kleinerer Exemplare von Usnea 
plicata, U. barbata, Bryopogon jubatum, Alectoria sarmentosa mit Früchten, 
und Evernia divaricata zierten, machten wir Halt und stärkten uns kurze 
Zeit. Dann ging es steil hinan an der vorgeblickten Babiagora, erst 
durch dichten Buchenwald voll blühender Dentaria glandulosa und bulbifera, 
Daphne Mezerum, Allium ursinum, Paris, Symphytum tuberosum und Luzula 
maxima, dann durch steilen Fichtenhochwald, dessen Stämme immer kleiner 
und buschiger werden. Bald verliess uns auch die Fichte und Juniperus 
nana in ungeheuren Massen umgab uns. An der oberen Fichtengrenze 
sammelten wir die ersten Soldanella alpina und blauen Crocus vernus, 
leider schon abgeblüht. Der Blick aus der Juniperus-Region in das unter 
uns liegende Wäldermeer Galiziens war herrlich, soweit das Auge reichte 
war Wald und wieder Wald. Bald tauchten vereinzelte Knieholzbüsche 
auf und verdrängten mit zunehmender Höhe immer mehr den Juniperus 
nana. Zwergige Exemplare von Geum montanum und Homogyne waren die 
hauptsächlichsten Blüthenpflanzen, hin und wieder eine einzelne Soldanella. 
Bei circa 3800 Fuss passirten wir eine kleine Höhle, an deren Oeffnung 
Valeriana Tripteris, Ribes petraeum und Salix silesiaca blühten. Gleich 
darauf in einer kleinen Einsattlung ein ganzes Feld blühender Soldanella 
alpina, mit ihren wunderschönen, zarten, kornblumblauen, gefranzten 
Glöckchen, und sogar ein weissblühendes Exemplar. Gegen 5 Uhr waren 
wir auf dem Gipfel der Maly-Babiagora und hier präsentirte sich uns mit 
einem Male zu unserer Ueberraschung — da der Führer bisher stets die 
Kuppe, auf der wir standen, Babiagora genannt hatte — die wirkliche 
Babiagora, von uns noch getrennt durch eine 800 Fuss tiefe Senkung 
deren nasse Sphagnenpolster zum Theil kaum zu passiren waren. Gegen 
6 Uhr waren wir über diese Senkung hinaus auf dem sich bis zum eigent- 
lichen Gipfel noch lang hinziehenden Kamme aufwärts gestiegen, die sin- 
kende Sonne und die abnehmende Temperatur belehrten uns aber, dass 
wir keine Aussicht hatten, den Gipfel noch vor Einbruch der Dunkelheit 
zu erreichen, das nächste Quartier lag vier Stunden weiter, die Schnee- 
flecken unter dem Gipfel deuteten auf eine noch sehr spärliche Vegetation 
hin und so beschlossen wir denn, auf eine Besteigung zu verzichten und 
nach unserem beabsichtigten Nachtquartier, dem Soolbade Polhora im 
Arvaer Comitat Ungarns, hinabzusteigen. An einem Schneefleck wurde 



122 Jahres-Bericht 

noch einen Augenblick gerastet, interessante Formen von Lycopodium 
alpinum und eine blühende Euphrasia Uechtritziana gesammelt und dann 
ging es thalwärts. Zuerst durch grosse Quellsümpfe voll Sivertia, Bartsia, 
Aconitum, Napellus, Anemone nemorosa und Cardamine pratensis, dann durch 
dichtes Knieholz und endlich ohne Weg, den unser Führer, welcher auf 
der ungarischen Seite des Gebirges wenig bekannt zu sein schien, ver- 
loren hatte, steil abwärts im Halbdunkel. Wir kreuzten eine Fläche von 
weit über 100 Morgen voll Rumex alpinus, welcher jede andere Vegetation 
verdrängt hatte, und kletterten dann an einer sehr stark geneigten Wand 
im Hochwalde, welcher hier völliger Urwald ist, zu einem ziemlich star- 
ken Bache hinab, an welchem wir gegen 8 Uhr anlangten. Beim letzten 
Tageslichte sammelten wir noch Arabis alpina, Valeriana simplicifolia und 
Dentaria glandulosa, dann ging es am Bache abwärts, bald neben, bald 
im Wasser, bei der zunehmenden Dunkelheit ein sehr unangenehmer Weg. 
Nach 9 Uhr trafen wir endlich auf einen betretenen gangbaren Weg und um 
10 Uhr standen wir vor dem Gasthause von Polhora, müde und erschöpft, 
aber hocherfreut über die reiche Ausbeute und die herrliche Gegend. 

Der nächste Morgen lieferte uns am Bade noch Carex dioeca, Valeriana 
simplicifolia und im Walde beim Bade Corallorhiza, Cardamine trifolia, 
Blysmus, Limnochloe pauci/lora und Myricaria germanica. Mittags ging es 
zu Wagen nach dem circa 10 Meilen entfernten Jablunkau, an der 
schlesisch- ungarischen Grenze. 

Am 22. Juli brach ich zum zweiten Male nach der Babiagora auf, 
diesmal in Begleitung der Herren Limpricht, Schulze, Zimmermann und 
Fichtner von Rybnik aus. Wir nahmen unseren Weg über Kattowitz, 
Schoppinitz nach Dzieditz und von dort wieder nach Bielitz und Saybusch. 
Den nächsten Morgen ging es um 6 Uhr über Jelesnia und Korbielef 
direct nach dem Bade Polhora, wo wir um 1 Uhr eintrafen. Hinter 
Saybusch trafen wir auf ein Feld Hordeum Zeocriton, in Korbielef fanden 
wir Cirsium Eriophorum, aber noch ohne Blüthen, und am Passe des Pilsko 
sammelten wir Gentiana cruciata und asclepiadea, Salvia glutinosa, Senecio 
subalpinus, Euphorbia amygdaloides, Epipactis palustris und weiter abwärts 
Myricaria. Bei der Einfahrt ins Dorf Polhora öffnet sich das Thal plötz- 
lich und mit einem Schlage präsentirt sich dem überraschten Auge die 
ganze Karpathenkette, wir hatten prächtiges klares Wetter und sahen die 
imponirenden Spitzen so klar, als wären sie 2 — 3 Meilen von uns gewesen, 
statt über 6 Meilen. 

Nachmittag wurde im Walde beim Bade botanisirt. Die Ausbeute 
war sehr reichlich; hervorzuheben sind: Atropa, Glyceria plicata und Q. 
nemoralis , Veronica montana, Rumex arifolius, Luzula flavescens, Listera 
cordata, Chrysanthemum rotundifolium, Potamogeton pusillus var. Berchtholdii, 
Epipogium Gmelini und Orobanche flava in zahlreichen, üppigen Exemplaren, 
auf Petasites albus schmarotzend. 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 123 

Im Bade wurden wir von den anwesenden Ungarn auf das Zuvor- 
kommendste mit Rathschlägen für die Partie auf den Gipfel bedacht. Be- 
sonders nahm sich der anwesende Kreisphysikus des Comitates Arva, 
Herr Dr. Hammerschmid aus Kubin, nebst seinem Sohne unserer Partie 
an und leistete uns jede mögliche Unterstützung. Da wir den Sonnen- 
aufgang von oben geniessen wollten, brachen wir um 1 Uhr Nachts mit 
zuverlässigem ungarischem Führer auf. Gegen 5 Uhr waren wir im Knie- 
holz auf durchaus nicht anstrengendem Wege angelangt und hatten beim 
Höhersteigen den vollen Genuss eines prächtigen Sonnenaufgangs. Zu 
unseren Füssen die Neumarkter Hochebene vom Nebel verhüllt und aus 
der wogenden Nebelsee die sonnenbeleuchteten Hörner der hohen Tatra 
hervorragend, gewährte einen unvergleichlich schönen Anblick. 

Gegen 6 Uhr standen wir auf dem 5080 Fuss hohen, aus Grauwacken- 
sandsteingeröll gebildeten höchsten Gipfel des Babiagorazuges und ergötzten 
uns an der reizenden Fernsicht über Ungarn, Galizien und einen Theil 
Schlesiens. Wimmer hat völlig Recht, wenn er sagt, dass auch für den 
Touristen die Babiagora eine der reizendsten Partien ist. 

Das Geröll des Gipfels ist mit einer bunten und stellenweise sehr 
üppigen Flora bekleidet. Wir sammelten von selteneren Arten: Poa laxa, 
Festuca ovina vivipara, F. nigrescens Lam., Sempervivum montanum^ Saxifraga 
Aizoon, Sedum Fabaria und rubens, Cerastium alpinum und longirostre, 
Euphrasia picta, Veronica aphylla, Hypochoeris uniflora, Hieracium atratum, 
Campanula Scheuchzeri, Asplenium viride, und von Flechten : Sagedia sudetica, 
Lecidella aenea Du/., Alectoria Thulensis, Fr. und A. ochroleuca, Gyalecla 
cupularis, Catolechia Wahlenbergü, Normandina viridis, Polyblastia Sendtneri 
und Xenosphaeria Engeliana. 

Nach 10 Uhr verliessen wir den Gipfel, sammelten beim Abstieg 
noch Senecio subalpinus und Scrophidaria Scopolii, Cetraria fallax mit Früch- 
ten und waren gegen 2 Uhr wieder in Polhora. 

Die nächsten Tage wurden der Durchsuchung der einzelnen Thäler 
an der Babiagora und des 4800 Fuss hohen Pilsko gewidmet und lieferten 
noch reiche Ausbeute. 

Die Gesammtzahl der mitgebrachten Phanerogamen beträgt ca. 280, 
der Flechten ca. 150. Ueber die mitgebrachten Moose wird wohl später 
Freund Limpricht Bericht erstatten. 

Die ganze Partie ist durch die gute Verbindung mit Breslau eine sehr 
bequeme und billige, in Hinsicht der botanischen Ausbeute und der präch- 
tigen Gegend eine ausserordentlich lohnende und ertragreiche. 

Herr Prof. Dr. Körb er gab einen eingehenden Bericht über sämmt- 
liche botanische Sammlungen der Schlesischen Gesellschaft, nach 
der von ihm vorgenommenen vollständigen Inventarisirung. Das ausser- 
ordentlich Werthvolle dieser Sammlungen, namentlich des aus über 800 
Packeten bestehenden HenscheFschen Herbars, wurde näher nachgewiesen. 



124 Jahres-Bericht 

In der achten Sitzung vom 28. November gab Herr Lehrer Li mp rieht 

Nachträge zu J. Milde: Bryologia Silesiaca, 1869. 
(Vergl. 47. und 48. Jahresbericht.) 

E. = Everken, F. = Fritze, H. = Helhvig, L. = Limpricht, Seh. — Schultze, 
St. = Stein, R. = Roth, v. Uech. = v. Uechtritz, Z. — Zimmermann. 

Weisia crispa Lindb. Grünberg in Grasgärten (H.). 

W. viridula Brid. Grünauer Spitzberg (L.). Am Fusse der Babiagora (L.). 

Rhabdoweisia fugax B. S. Im Eulengebirge auf Gneiss am Steinkunzen- 
dorfer Wasserfalle (R.). 

Dicranoweisia crispula Hedw. Ober-Weistritz bei Schweidnitz und Hohe 
Eule (v. Uech.), St. Peter im Riesengebirge (L.), Babiagora (St.). 

Cynodontium polycarpum, Schpr. Rabengebirge bei Liebau, häufig (v. Uech.), 
Storch berg bei Görbersdorf (v. Uech.), Thonschieferklippen des 
Butterberges bei Tief - Hartmannsdorf (L.), Agnetendorf (L.), 
Koppenkegel (L.), Gipfel der Babiagora (L.). 

Cynodontium virens Schpr. ist durch A. Rehmann in Wäldern der west- 
lichen Bieskiden bei Rycerki bekannt; wurde in Schlesien noch 
nicht beobachtet. 

Dichodontium pellucidum Schpr. Bei den Füllenbauden im Riesengebirge 
ster., in Bächen an der Babiagora, c. fret. (L.). 

— var. serratum B. S. Feuchte Felsen am kleinen Teiche im Riesen- 
gebirge, ster. (L.). 

Trematodon ambiguus Hornsch. Fasanerie bei D. -Wartenberg (E.). 

Dicranella crispa Schpr. Hohlwege im Buchenwalde bei Skarsine (L., Sep- 
tember 1871). 

D. Schreberi Hedw. Grüneiche bei Breslau (Treviranus in Herb. v. Uech.). 

D. squarrosa Schpr. Gl. Schneeberg (v. Uech.), am Formberge und im 
Wölfeisgrunde in der Grafschaft Glatz (Seh. und Z.), Knoblauchs- 
brunnen am Altvater (F.), Babiagora, am Fusse derselben und 
an Quellen in der oberen Waldregion, überall steril (L.). 

D. cerviculata Schpr. Um Breslau, bei Hennigsdorf, Jäkel und Sorge bei 
Auras, am Warteberge bei Riemberg, Kathol.-Hammer, Canth, 
Rybnik, auf Torfboden vor Woschnik (v. Uech.). 

D. varia Schpr. In Oberschlesien im Kuhthale am Annaberge und bei 
Czarnosin (L.). 

D. rufescens Schpr. An einem Graben vor dem Trebnitzer Buchenwalde 
mit Webera carnea (v. Uech.). 

D. subulata Schpr. Marchthal am Glatzer Schneeberge mit Leptotrkhum 
homomallum (Seh.). 

D. curvata Schpr. Auf der gr. Iser in einem Graben (Goeppert), Eulen- 
grund im Riesengebirge (Nees v. Esenbeck). 

Dicrannm falcatum Hedw. Aupafall im Riesengebirge (v. Uechtritz sen.). 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 125 

D. montanum Hedw. Oberschlesien: Buchenwald bei Czarnosin und am 
Sakrauer Berge st. (L.), Bobernig bei Grünberg (H.), Obernig 
und Deutschhammer (v. Uech.), Gleiwitz c. frct. (Kabath), 
Babiagora (L.). 

D. viride Sulliv. Im Buchenwalde von Czarnosin O/S. steril (L. 1871). 

D. fulvum Hook. Auf Grauwacke im Fürstensteiner Grunde (Z.), auf dem 
Gipfel des Zobten und in den Gorkauer Parkanlagen auf Steinen 
(Seh.), auf Granitblöcken in der Sattlerschlucht bei Hirschberg (L.). 
Ueberall steril. 

D. longifolium Hedw. Sattlerschlucht bei Hirschberg, Babiagora, an Buchen 

in der Waldregion c. frct. (L.). 

var. subalpinum Milde. Felskuppen auf dem Kamme des Gesenkes, so 

Janowitzer Haide, Backofenstein etc., sehr gemein; Gipfel der 

Babiagora, an Felsen und auf zersetztem Gestein (L.). Nur steril. 

Dicranum Sauteri B. S. Auf dem Wege von Althammer gegen die 
Lissahora (Kalmus)- nördliche Seite der Babiagora, an Buchen- 
wurzeln in Wäldern (Rehmann). 

D. elongatum Schwaegr. Gipfel der Babiagora, steril (L.) 

D. fuscescens Turn. Waldregion der Babiagora (L.); Marchthal am Gl. 
Schneeberge (Seh. und Z.); Leiterberg im Gesenke (v. Niessl) 
und in der Kriech (Kalmus). 

D. scoparium Hedw. var. orthophyllum B. S. Grünberg, Haide bei Scherten- 
dorf, st. (E.); 
var. curvulum B. S. Sonnige Felsplatten an den Gehängen des oberen 

Elbthales (L.); 
var. alpestre Milde. Gl. Schneeberg (Seh.); Babiagoragipfel (L.). 

D. majus Turn. Um Grünberg, am Schlossberge bei Bobernig, ster. (H.); 
am Hochstein bei Schreiberhau (v. Flotow). 

D. palustre B. S. Steril vor Auras_, hinter Gr. -Bischwitz, Hennigsdorf, 
Obernigk, Silsterwitzer Wiesen am Geiersberge, am Haidauer 
Wasser bei Brieg, Reichhennersdorf zw. Landeshut und Liebau, 
Boronow bei Koschentin, Sumpfwiesen am Walde Roctochocz bei 
Rybnik (v. Uech.); Sumpfwiesen bei Jannowitz, Knieholzregion 
der Babiagora (L.). 

D. spurium Hedw. Neusorge bei Rothenburg O/L. (Dr. H. Zimmermann); 
Wälder um Koschentin O/S. (v. Uech.); vor Lublinitz (F.) 

Dicranodontium longirostre B. S. Im Riemberger Walde steril (L.), Alt- 
Schönau (v. Uech. sen. 1822), Schlesierthal (v. Uech. jun.), bei 
Woschnik und im Paruschowitzer Forst bei Rybnik (v. Uech. jun.), 
Forst zwischen Sumpen und der russ. Grenze bei Koschentin O/S. 
(id), Saalwiesen bei Bielendorf in der Grafschaft Glatz c. frct. 
(Seh.), Weiss wassergrund (L.), Felsen im Sattler bei Hirschberg 
(L.), Waldregion der Babiagora (L.). 



]26 Jahres-Bericht 

Campylopus flexuosus B. S. Steril, Adersbacher Sandsteinfelsen auf Wegen 
und auf Kies und Sand zwischen den Felsen häufig (L. 16. Juli 1872). 

C. fragilis Dlcks. Granilfelsen am Dorfbache in Ober- Agnetendorf im 
Riesengebirge, steril (L.). 

Fissidens bryoides Hedw. Riesengebirge: Kalkbrüche bei den Füllenbauden 
(L.); in Erdhöhlen noch auf dem höchsten Gipfel derBabiagora (L.). 

F. incurvus Schwaegr. Auf Kalkboden bei Leschnitz O/S. (L.). 

F. pusillus Wils. Bunzlau: Boberwehr an Steinen, Schlemmermühle, 
schwarzer Berg bei Sirgwitz, Teufelswehr bei Wehrau (L.), 
Wenig- Rackwitz bei Löwenberg an Sandsteinen im Bober (Dresler); 
feuchte Kalkblöcke auf dem Wyssoker Berge bei Gogolin O/S. 
(L.); Iwanowice im Königreich Polen (F.); Kalkfelsen am Südfusse 
der ßabiagora bei Polhora (L.). 

F. taxifolius Hedw. Kalkbrüche auf dem Berbisdorfer Kapellenberge (L.), 
Preiskretscham (Nagel). 

F. adiantoides Hedw. var. decipiens D. Not. Auf Granit in der Sattler- 
schlucht bei Hirschberg (L.), auf Karpathen- Sandstein an der 
Babiagora (L.). 

Seligeria pusilla B. S. Feuchte Kalkfelsen auf dem Sakrauer und dem 
Wyssoker Berge in Oberschlesien (L.). 

S. recurvata B. S. Auf Kalk und Karpathen-Sandstein bei Polhora am 
Südfusse der Babiagora (L.). 

Blindia acuta B. S. Altvater (v. Uech.), am Wölfelsfalle die forma Seligeri 
(L.), Waldbäche an der Babiagora, die $ Pfl. in sehr compacten 
und niedrigen Rasen auf dem höchsten Gipfel der Babiagora (L.). 

Sphaerangiwm muticum Schpr. Gleiwitz (Kabath), Reichenbach: in den 
Fuchsgruben bei Berthelsdorf (Dr. Schumann), zwischen Obernigk 
und Riemberg auf Brachen am Waldsaume spärlich (v. Uech.). 

Pottia cavifolia Ehrh. Um Gogolin O/S., hier auch var. epilosa (L.), Grün- 
berg (H.). 

P. Starkii C. Müll, ß gymnostoma Lindb. Lehmboden um die Ziegelei am 
Wege von Lohe nach Oltaschin und bei Diirrgo}' spärlich (v.Uech.). 

Pottia intermedia Turn. (P. truncata var. major Br. cur., P. lanceolata var. 
intermedia Milde). Augustberg bei Grünberg (H.), Zobten (L.), 
Hirschberg (v. Flotow). 

Trichostomum latifolium Schwaegr. Babiagora in der Knieholzregion (L.). 

T. cylindricum C. Müll. Ueberrieselte Felsen im Münzebach bei Jannowitz, 
ster. (L.), am Grunde der Felsen in der Sattlerschlucht bei Hirsch- 
berg (L.), an einem alten Gemäuer im Buchenwalde von Czar- 
nosin O/S. (L.). 

T. rubellum Rabenh. St. Peter im Riesengebirge (L.), Berbisdorfer Kapellen- 
berg (L.), auf Muschelkalk bei Czarnosin O/S., auf Kalk bei 
Polhora am Südfusse der Babiagora (L.). 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 127 

T. rupestre Milde. Felsen am Dorfbache in Ober-Agnetendorf, ster. (L.). 
T. calcareum Lindb. Steril in Kalkklüften des Kitzelberges bei Kauffung 

(L.), wird in der Bryologia Silesiaca irrlhümlich als T. rupestre 

aufgeführt. 
Barbula rigida Schultz. Berbisdorfer Kapellenberg (L.), bei Leschnitz O/S. (L.). 

B. convoluta Hedw. Muschelkalk um Leschnitz und Czarnosin in Ober- 
schlesien (L.), im Sattler bei Hirschberg (L.), Brückengemüuer 
am rothen Berge im Gesenke (F.). 

B. Hornschuchiana Schultz. Muschelkalk bei Gogolin O/S. c. frct. (L.). 

B. vinealis Brid. Auf Sandboden um Sagan und Grünberg verbreitet (E.). 

B. rigidula Milde. Rjbnik an Brückenmauern (F.), Grünberg auf Kalk- 
putz am Augustberg (H.), sehr häufig an Kalkfelsen um Tief- 
Hartmannsdorf bei Schönau, z. B. ,,in den Buchen", am Kapellen- 
berge und am Butterberge (L.), Kalkfelsen an der Mühle von 
Klein-Aupa (Nees v. Esenbeck), Brückenmauern der Rossbahn 
im Kuhthale am Annaberge O/S. (L.). 

B. fallax Hedw. In Oberschlesien bei Gogolin und im Kuhthale am Anna- 
berge (L.), am Südfusse der Babiagora (L.). 

B. recurvifolia Schpr. In sehr grosser Menge in einem Kalkbruche auf 
dem Berbisdorfer Kapellenberge, weniger zahlreich am Butter- 
berge, auf Raupachs Berge und „in den Buchen" bei Tief- Hart- 
mannsdorf; Ober-Mühlberg bei Kauffung; Dorfmauern in Merkels- 
dorf bei Friedland, an sumpfigen Stellen bei der Kapelle am 
Wege von Merkelsdorf nach Adersbach auf anstehendem Pläner- 
kalk; in den Kalkbrüchen von Trautliebersdorf bei Friedland, 
doch überall nur steril (L.); steril auch in den Bieskiden auf 
Kalk bei der Holzklause unterm Pilsko auf der Passhöhe von 
Kamiena (L.). 

B. inclinata Schwaegr. Steril in grosser Menge in einem Kalkbruche auf 
dem Berbisdorfer Kapellenberge (L.). 

B. tortuosa W. et M. Urkalk bei den Füllenbauden im Riesengebirge (L.), 
sehr häufig auf Kalk um Tief-Hartmannsdorf und Berbisdorf bei 
Hirschberg (L.), Sakrauer Berg in Oberschlesien (L.), Babiagora, 
am Fusse wie auf dem höchsten Gipfel, doch meist steril (L.). 

B. latifolia B. S. Poln.-Nettkow bei Grünberg (H.). 

B. pulvinata Jur. Heidewilxen bei Trebnitz auf Schindeldächern (L.), 
Bielitz-Biala an Pappeln, steril (L,). 

B. ruralis Hedw. ß rupestris. Kalkfelsen des Sakrauer Berges bei 
Gogolin O/S. (L.). 

Campylostelium saxicola B. S. Babiagora am N.-Fusse über Gluchazki auf 
Karpathen-Sandstein (St.). 



128 Jahres-Bericht 

Leptotrichum tortile Hampe. Hohlwege im Sattler bei Hirschberg (L.), 
Hohlwege am Bärloch im Eulengebirge (R); 
var. pusillum. Grünberg (H.), Grenzbauden (Nees). 

L. homomaüum Schpr. Hohlwege im Buchenwalde bei Skarsine (L.), 
Mönchswald bei Jauer (Z), Rummelsberg bei Strehlen (L.), 
Annaberg und Czarnosin in Oberschlesien, Babiagora (L.) 

L. flexicaule Schpr. Häufig in den Kalkbrüchen auf dem Berbisdorfer 
Kapellenberge (L.), Myslowitz, Gonsiorberg bei Jast (v. Uech.), 
Gipfel der Babiagora (L.), überall steril. 

L. pallidum Hampe. Rummelsberg bei Strehlen (L.), Obernigk (v. Uech.), 
Proskau (St.). 

Distichium capillaceum B. S. Quarklöcher am Gl. Schneeberge (Seh. u. Z.), 
Wölfeisgrund, Grunewalder Thal bei Reinerz (v. Uech.), Kiesberg 
im Riesengebirge (v. Uech.), Babiagora (L.), meist auch fruchtend. 

Grimmia anodon B. S. In wenigen, aber fruchtenden Raschen an Urkalk- 
felsen des Kapellenberges bei Hirschberg von mir am 19. Mai 
1872 entdeckt. 

Grimmia orbicularis B. et Schpr. Wurde gleichzeitig mit der vorher- 
gehenden Art in wenigen Polstern, jedoch zum Theil mit noch 
bedeckelten und behaubten Früchten gesammelt, 

Gr. contorta Schpr. Gipfel der Babiagora, st. (L.). 

G. funalis Schpr. Gipfel der Babiagora, st. (L.). 

G. Hartmanii Schpr. Felsen im Weistritzthale (v. Uech.), Babiagora (St.). 

G. elatior B. S. Felsmasse des Petersteines im Gesenke, nur $ Ex. — 
Von mir am 22. Juli 1870 entdeckt. 

G. ovata W. et M. Felsen am Marmorbruch bei Seitenberg in der Graf- 
schaft Glatz (Seh.), Thonschieferklippen auf dem Butterberge bei 
Tiefhartmannsdorf (L.), Rabenfelsen bei Liebau und Felsen bei 
Schmitzdorf unweit Friedland (v. Uech.), Landeck (Kabath). 

G. Tergestina Tomm. Sonnige Muschelkalkfelsen des Sakrauer Berges 
und des Nieder -Ellguther Steinberges bei Gogolin. Steril und 
mit $ Bl. Von mir am 3. Ostertage 1871 für Schlesien entdeckt, 

G. commutata Huebener. Bolzenschloss bei Jannowitz (Seh.). 

Racomitrium patens Schpr. Gipfel der Babiagora. c. fret. (L.). 

R. protensum A. Br. Eulengebirge: am Bärloch auf Gneiss, c. fret. (R.). 

R. aciculare Brid. Agnetendorf (v. Uech. sen.), unter dem Kamme der 
Hohen Eule (R.), Babiagora (L.). 

R. microcarpum Hedw. Auf der Babiagora mit R. sudeticum ) R. lanuginosum, 
R. erieoides, Hedwigia etc. 

Amphoridium Mougeotii Schpr. St. Peter im Riesengebirge (L.), desgl. am 
Hainwasser (Milde), Nieder- Waltersdorf (Milde), Zobten (L.), 
Sattlerschlucht bei Hirschberg, häufig in den Adersbacher Sand- 
steinfelsen (L.). Steril. 



der öchles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 129 

Ulota Ludwigii Brid. Eulengebirge an Erlen im Kohlgrunde (R.), Wald- 
region der Babiagora (L.). 

U. Bruchii Hornsch. Buchenwald bei St. Peter im Riesengebirge (L-X 
Grünberg am rothen Wasser (H.), Babiagora (L.). 

U. crispa Brid. In Oberschlesien bei Czarnosin (L.), Paruschowitzer Forst 
bei Rybnik (F.), Adersbach und Landeck (v. Uech.), Babiagora (L.). 

U. crispula Bruch. Waldregion der Babiagora (L.). 

Orthotrichum cupulatum Hoffm. Kalkfelsen des Berbisdorfer Kapellenberges 
(L.) und des Sakrauer Berges bei Gogolin (L.). 

0. anomalum Hedw. Sakrauer Berg auf Kalk (L.), Kynsburg, Weistritz- 
thal, Storchberg bei Friedland (v. Uech.), Berbisdorfer Kapellen- 
berg, Butterberg bei Tief-Hartmannsdorf (L.), Dominialmauern zu 
Deutsch-Kessel bei Grünberg (E.). 

Ö. fastigiatum Bruch. Warmbrunn, Stohnsdorf (ligner), Jägerndorf (Spatzier). 

0. rupestre Schleich. Petersdorf bei Warmbrunn (Milde), Schlesierthal bei 
Kynau (v. Uech.). 

0. stramineum Hornsch. Buchenwald bei St. Peter im Riesengebirge, Wald- 
region der Babiagora (L.). 

0. diaphanum Schrad. Grünberg (H.), Schlawa (L.). 

Coscinodon pulvinatus Spreng. Massenhaft im Weistritzthale bei Ober- 
Weistritz und zwischen Hausdorf und Kynau neben der Chaussee 
an felsigen Abhängen (v. Uech.). 

Encalypta vulgaris Hedw. Fehlt um Sagan nach Everken ! Muschelkalk am 
Annaberge O/S. (L.). 

E. ciliata Hoffm. Bei St. Peter im Riesengebirge (L.), Berbisdorfer 
Kapellenberg (L.), Basalt der Kl. Schneegrube (St.), Gl. Schnee- 
berg (Nitschke), Kreuzberg bei Striegau (Z.), Felsen um Neugericht 
bei Wüstewaltersdorf und hier und da um Friedland (v. Uech.), 
Czarnosin bei Leschnitz O/S. 

E, streptocarpa Hedw. Auf Kalk bei den Füllenbauden im Riesengebirge 
(L.), Berbisdorfer Kapellenberg und Butterberg bei Tiefhartmanns- 
dorf (L.), in Oberschlesien häufig, doch steril am Annaberge, am 
Wyssoker Berge, am Nieder-Ellguther Steinberge und im Buchen- 
walde von Czarnosin. 

Tayloria serrata Br. et Schpr. Obere Waldregion der Babiagora c. frct. 
(Seh. 24. Juli 1872). 

Tetraplodon angustatus L. Wurde Ostern 1872 auf Felsblöcken unter dem 
Gipfel des Zobten im prachtvollen und fruchtenden Rasen von 
H. Schultze wieder aufgefunden. Zwischen Steingeröll auf dem 
Gipfel der Babiagora (L. 24. Juli 1872). 

Splachnum ampullaceum L. Sehr häufig in den Sümpfen um die faule Obra 
an der Westseite des Schlawa-Sees (E.). 

Ephemerum serratum Hampe. Erlbusch bei Grünberg (H.). 

9 



130 Jahr es-Beri cht 

Physomitrella patens Schpr. Breslau hinter der Ufergasse und vor dem 
zoologischen Garten, sparsam an der Oder vor Morgenau (v. Uech.). 

Physcomitrium sphaericum Brid. Breslau, häufig am Oderufer vor dem 
zoologischen Garten und hinter der Ufergasse mit vorigem, selten 
am Oderufer vor Morgenau (v. Uech.). 

Ph. pyriforme Brid. Czarnosin O/S. (L.), auf Erde vor dem Adersbacher 
Traiteurhause 1500 Fuss hoch (v. Uech.), auch um Lomnitz bei 
Hirschberg (ligner). 

Funaria fascicularis Schpr. Um Breslau häufig bei Dürrgoj, zwischen 
Kleinburg und Hartlieb, zwischen Bettlern und Grünhübe], spär- 
lich bei Woischwitz und Oswitz; Krieblowitz bei Kanth; am 
Glaucher Walde bei Skarsine, überall auf Kleebrachen, gern auf 
Thonboden (v. Uech,). 

Webera polymorpha H. et H. Gipfel der Babiagora (L.). 

W. elongata Schwaegr. Hohlwege im Buchenwalde von Skarsine und von 
Czarnosin O/S., Neugericht bei Wüstewaltersdorf (v. Uech.), 
Landeck (Kabath). 

W. nutans Hedw. var. strangulata Br. eur. Rohrbusch bei Grünberg (E.); 
var. sphagnetorum Schpr. In Rasen von Leucobryum auf Torf- 
wiesen hinter Hennigsdorf bei Breslau (v. Uech.). 

W. cruda Schpr. St. Peter im Riesengeb. (L.), Gipfel der Babiagora (L.), 
Obernigk und Skarsine im Katzengebirge (L.), Buchenwald von 
Czarnosin O/S. (L.). 

W. annotina Schwaegr. In einem Ausstiche hinter der Schäferei bei 
D.-Lissa (v. Uech.), Grünberg: Sumpf bei der halben Meile-Mühle 
(E.), Hohlwege am Rummelsberge bei Strehlen (L.). 

Webera Breidleri Jur. in Verhdl. d. zool.-bot. Ges. Wien 1870 p. 167. 
Begleitet in ausgedehnten, schwellenden, doch meist sterilen 
Polstern im Riesengebirge die Ufer des Weisswassers unterhalb 
der Wiesenbaude 1369 Met. h. Von hier hat schon Sendtner 
Exemplare mit unreifen Früchten als W. Ludwigii und W. Wahlen- 
bergii vertheilt. In Gesellschaft wachsen Webera Ludwigii, W. 
cucullata, W. albicans var., Philonotis fontana, Dicranum falcatwm, 
Oligotrichum Hercynicum etc. 

Bryum pendulum Schpr. Lohebrücke zwischen Opperau und Gräbschen 
bei Breslau (v. Uech.). 

B. intermedium Brid. Bei Breslau um die Ziegelei zwischen Krittern und 
Oltaschin, bei Karlowitz in Ausstichen um die Schanzen (v. Uech.). 

B. bimum Schreb. An der Eisenbahn hinter Gräbschen bei Breslau (Müncke), 

Gleiwitz (Kabath). 
B. erythrocarpum Schwgr. Lippen bei Freistadt (H.), Sumpf bei der halben 

Meile-Mühle bei Grünberg (E.). 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 131 

B. alpinum L. Gipfel der Babiagora c. frct. (L.), im Elbethale oberhalb 
St. Peter c. frct. (L.). 

B. Funckii Schwgr. In Oberschlesien auf Muschelkalk bei Gogolin und 
Leschnitz (L.). 

B. argenteum L. var. lanatum Br. eur. Kalkfelsen des Sakrauer Berges 
bei Gogolin O/S. (L.). 

B. capillare Dillen var. cochlearifolium B. S. Im Kiese des unteren Weiss- 
wassers im Riesengebirge (L.). 

B. pallens Sw. Carlowitz bei Breslau in Ausstichen vor den Schanzen 
(v. Uech.), Rybnik: Ausstiche zwischen der Leszcziner Strasse 
und Paruschowitz (F.), Schlingelbaude im Riesengebirge (Sendtner 
1838). 

B. Duvalii Voit. Altes Bergwerk im Riesengrunde (F.). 

B. turbinatum Schwaegr. Gypsgruben bei Katscher (v. Uech.); 

ß latifolium B. S. Quellsumpf beim Kalkofen in der Nähe der Krause- 
mühle bei St. Peter im Riesengebirge (L. und E.). 

B. roseum Schreb. Breslau: Oswitzer Wald, steril; fruchtend sehr schön 
im Forst westlich von Obernigk mit Mnium affine; Buchenwald 
hinter Kath. -Hammer, steril; Storchberg bei Friedland, steril; bei 
Altwasser c. frct. ; Albendorf bei Schömberg, fruchtend; Neugericht 
bei Wüstewaltersdorf, steril; Wald vor Rostochocz bei Rybnik 
(v. Uech.). — An den Kalkpartien des Sakrauer Berges bei 
Gogolin, st. (L.). 

Mnium rostratum Schrad. Dyhernfurth (Prof. Nitschke). 

M. medium B. S. Riesengebirge: am Silberwasser unterhalb der Scharf- 
baude c. frct. (L.). 

M. affine Schwaegr. var. elatum Lindbg. Fruchtend im Forst zwischen 
Obernigk und Riemberg und im Popellauer Forst zwischen 
Rybnik und Loslau (v. Uech.); 
forma tomentosissima Everken. Im Petersdorfer Sumpfe bei Sagan (E.). 

M. serratum Brid. Berbisdorfer Kapellenberg auf Kalk, desgl. auf dem 
Butterberge bei Tiefhartmannsdorf und im Buchenwalde von 
Czarnosin O/S. (L.). 

M. spinulosum Br. et Schpr. Im Walde hinter Tannenberg im Eulen- 
gebirge mit M. spinosum (R.). 

M. spinosum Schwgr. Steril im Sattler bei Hirschberg (L.), verbreitet im 
Eulengebirge (R.). 

M. hornum L. Breslau: Hennigsdorf; in den Sitten bei Obernigk sehr 
häufig; hinter Deutsch-Hammer an der Strasse nach Militsch; 
nasser Wald am Stollenwasser bei Sumpen unweit Koschentin O/S. 
(v. Uech.); Buchenwald von Czarnosin O/S.; Preiskretscham 
(Nagel); Babiagora (L.). 

9* 



132 Jahres-Bericht 

M. stellare Hedw. Berbisdorfer Kapellenbeig auf Kalk; Oberschlesien: 
Kuhthal am Annaberge, Wyssoker Berg und Buchenwald von 
Czarnosin; an der Babiagora auch an alten Buchenschäften (L.). 

Paludella squarrosa Ehrh. Sumpfwiesen bei Jannowitz in der Nähe des 
Bahnhofes, steril (L.). 

Bartramia ühyphylla Brid. Kalkfelsen in Ober-Berbisdorf bei Hirschberg 
(L.), Rabengebirge bei Liebau (v. Uech.), Buchenwald bei Czar- 
nosin O/S. (L.), Gipfel des Altvaters (v. Uech.), Gipfel der 
Babiagora (L.). 

Bartramia pomiformis Hedw. var. crispa B. S. St. Peter im Riesengebirge, 
im Sattler bei Hirschberg, seltener in den Adersbacher Sandstein- 
felsen (L.). 

B. Hallen Hedw. Reinerz (Milde), Adersbacher Sandsteinfelsen, selten (L.). 

Philonotis marchica Brid. Kathol. -Hammer, steril (v. Uech.), Bunzlau, auf 
feuchtem Haidelande am Diorithiigel $ Ex. (L.). 

Georgia Brownii (Dicks) C. Müll. var. repanda (Funck) Lindb. Im Riesen- 
gebirge am Seifenbach am Wege von Krummhübel nach der 
Harnpelbaude (E.), am kleinen Teiche (Apotheker Krause), in 
Klüften des Karpathensandsteins auf dem Gipfel der Babiagora 
(L.). — Tetrodontium Brownianianum Schwaegr. (G. Brownii C. Müll, 
var. frondifera Lindbg.J wächst nicht in den Sudeten ! 

Atrichum undulatum Pal. Beauv. Wächst steril noch am Brettmühlfloss im 

oberen Elbthale bei über 3000 Fuss (L.). 
A. angustatum Br. et Schpr. Hasenau bei Breslau (v. Uech.), Trachenberg, 

selten, mit A. tenellum (id.). 
A. tenellum B. S. Rudamühle bei Rybnik (v. Uech.), Sumpfwiesen bei 

Reichhennersdorf bei Landeshut (id.). 
Oligotrkhum Hercynicum Lam. Riesengebirge: am kleinen Teiche (F.), 

Aupafall (v. Uech. sen.), Kiesberg (v. Uech. jun.), Gipfel der 

Babiagora (L.). 
Pogonatum aloides Pal. Beauv. Waldregion der Babiagora (L.). 
P. urnigerum Schpr. Noch auf dem Gipfel der Babiagora (L.). 

P. alpinum Röhl. St. Peter im Riesengebirge (L.), Formberg bei Bielen- 

dorf in der Grafschaft Glatz (Seh. und Z.), Flaserkoppe im 

Eulengebirge bei 3000 Fuss (R.). 
Polytrichum gracile Dicks. Torfwiesen hinter Hennigsdorf bei Breslau 

(v. Uech.), in den Liszwartamooren zwischen Boronow und 

Niederhof bei Koschentin O/S. (id.). 
P. formosum Hedw. Breslau: hohes, schattiges Weistritzufer zwischen 

Lissa und Rathen, sparsam; Trebnitzer Buchenwald; Kjnsburg; 

Haidauer Wald bei Brieg (v. Uech.); Rummelsberg (L.); Babiagora 

in der Waidregion (L.). 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 133 

P. striäum Banks. Breslau: Torfwiesen bei Hennigsdorf und Jäkel bei 
Obernigk in Menge; Torfmoore unter den Zwergstuben bei Fried - 
land mit Eriophorum alpinum bei 1700 Fuss (v. Uech.). 

Diphyscium foliosum Mohr. Obernigk und Riemberger Wald; in Ober- 
Schlesien am Sakrauer Berge und im Buchenwalde von Czar- 
nosin (L.). 

Buxbaumia aphylla L. Waidenburg i. Schi. (v. Uech.), in Oberschlesien 
im Buchenwalde von Gzarnosin (X.) und im Walde vor Rudno 
bei Ujest (Kabath). 

B. indusiata Brid. Babiagora am N.-Fusse (St.) und am S.-Fusse (Seh.). 

Andreaea petrophila Ehrh. Felsen im Schlesierthal (v. Uech.), auf Gneiss 
beim Steinkunzendorfer Wasserfalle im Eulengebirge (R.)> 
Babiagora (L.). 

Leskea nervosa Mgr. Bei St. Peter im Riesengebirge auf Urkalk, steril; 
Tiefhartmannsdorf bei Schönau an Buchen und auf Kalk (L.); 
Rummelsberg (L.); Saal wiesen bei Landeck (Seh. und Z.); Ober- 
Schlesien: an Buchen bei Czarnosin und auf dem Annaberge (L.); 
Babiagora an Buchen (L.). Meist steril. 

Anomodon longifolius Hartm. Sonnenkoppe im Eulengebirge (R.); Ober- 
Schlesien: Kalkfelsen auf dem Wyssoker Berge; hier auch var. 
pumila Müde (L.). Steril. 

A. attenuatus Hartm. Mit Früchten bei Breslau am Josephinenberge bei 
Pirscham (Bachmann), am Wyssoker Berge in Oberschlesien auf 
Kalk, steril (L.). 

A. viticulosus Br. et Schpr. Sehr häufig, doch steril an den Kalkfelsen 
Ober- und Niederschlesiens (L.). 

A. apiculatus B. S. Kalkblöcke bei St. Peter im Riesengebirge (L.), 
Babiagora, an Buchen (Seh.). Steril. 

Pseudoleskea atrovirens Br. et Schpr. Buchenwald bei St. Peter (L.) und 
am Gemäuer der Grenzbauden im Riesengebirge (Seh.), Babiagora 
in der Knieholzregion (L.). 

P. catenulata Br. et Schpr. Steril auf Muschelkalk des Sakrauer Berges 
bei Gogolin O/S. (L.). 

Thuidium deeipiens de Not. in Epilogo della Briologia Italiana p. 233 
(Hypnum rigidulum Ferg.). Im Riesengebirge am kleinen Teiche 
an quelligen Stellen mit Granit-Unterlage, 1150 Meter, steril, an 
ähnlichen Localitäten im oberen Melzergrunde und am Südost- 
gehänge der Kesselkoppe (L.); Adersbacher Felsen in der 
sumpfigen Bornkressenschlucht, 477 Meter (L.). — Im Gesenke 
reichlich fruchtend am Mojirafalle im Kessel bei 1350 Met. Höhe 
(L. am 22. Juli 1870), steril in Quellsümpfen zwischen der 
Schäferei und dem Peterstein und beim Knoblichbrunnen am 



134 Jahres-Bericht 

Altvater, 1325 Meter (L.). — Am Südgehänge der Babiagora, 
ca. 470 Meter unter dem Gipfel (Seh.). 

Heterocladium dimorphum B. S. Steril auf Erde im Buchenwalde von 
Czarnosin bei Leschnitz O/S. (L. 3. October 1872). 

H. heteropterum B. S. Auf Granit in der Sattlerschlucht bei Hirschberg; 
im Riesengebirge an Felsen im Buchenwalde von St. Peter und 
auf Urkalk unterhalb der Füllenbauden (L.); Babiagora (St.). 
Nur steril. 

Pterigynandrum filiforme Hedw. Freudenberg bei Tiefhartmaunsdorf (L.). 
In Oberschlesien an Buchen bei Czarnosin und auf Kalk am 
Wyssoker Berge (L.). Babiagora (L.). 

Fontinalis squamosa Dillen. Hermsdorfer Bach bei Agnetendorf im Riesen- 
gebirge (v. Uech. sen.), Münzebach bei Jannowitz (Seh.). 

Neckera pennata Hedw. Friedland: Lindenberge bei Göhlenau (v. Uech.); 
Oberschlesien: Buchenwald von Czarnosin (L.); Koschentin an 
Buchenstämmen in der Osiczina bei Dembowagora an der russ. 
Grenze (v. Uech.). 

N. crispa Hedw. Kalkfelsen in Berbisdorf bei Hirschberg (L.), Kalkfelsen 
der Lindenberge bei Friedland, um Ustron nicht selten (v. Uech.). 

N. complanata Br. et Schpr. Hohenbohrau bei Freistadt (H.), häufig an 
Kalkfelsen bei Berbisdorf und Tiefhartmannsdorf in Nieder- 
Schlesien (L.), Lindenberge bei Göhlenau bei Friedland (v. Uech.), 
Buchenwald bei Kath. -Hammer (Seh.), in Oberschlesien um Klein- 
Althammer bei Jakobswalde (v. Uech.) und am Wyssoker Berge 
bei Gogolin (L.), Babiagora an Buchen (L.). Nur steril. 

Homalia trichomanoides Br. et Schpr. Schlossberg bei Bobernig bei Grün- 
berg (H.), Freudenberg bei Tief- Hartmannsdorf (L.), in Ober- 
Schlesien im Buchenwalde von Czarnosin (L.) und um Klein- 
Althammer bei Jakobswalde (v. Uech.). 

Antitrichia curtipendula Brid. Schön fruchtend am NW.-Fusse des Geiers- 
berges, steril auf den Elsenbergen bei Silsterwitz, auch auf den 
anderen Serpentinbergen häufig; auf Melaphyr im Waldenburger 
Gebirge; Rabengebirge bei Liebau (v. Uech.); Babiagora, steril 
an Buchen (L.). 

Lescuraea striata Br. et Schpr. Saalwiesen bei Landeck (Seh. u. Z.), in 
den höheren Gebirgswäldern um Friedland, selten (v. Uech.), 
Babiagora, auf Sorbus in der oberen Waldregion (L.). 

L. saxicola Milde. Häufig, doch steril an Karpathen- Sandstein auf dem 
Gipfel der Babiagora (L.). 

Platygyrium repens B. S. Schindeldächer am Augustberg in Grünberg, 
steril (H.). 

Orthothecium intricatum Br. et Schpr. Kitzelberg, zwischen Plagiochila inter- 
rupta (v. Flotow, 1. Novbr. 1833); im Riesengebirge an mehreren 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 135 

Stellen um St. Peter auf Kalk und Glimmerschiefer, steril; am 
Basalt der kleinen Schneegrube, steril (L.); Babiagora: c. frct. 
auf Kalk bei Polhora, steril auf dem Gipfel (L.). 
Homalothecium Philippeanum Schpr. Butterberg bei Tiefhartmannsdorf auf 
Kalk c. frct. (L.), mit Campothecium lutescens am Sakrauer Berge 
bei Gogolin O/S. an Muschelkalkfelsen (v 4 Uech. 1863). 

Isothecium myurum Brid. In Berbisdorf bei Hirschberg au Kalkfelsen (L.), 
Clarenkranst bei Breslau (v. Uech.), in den Forsten an der russ. 
Grenze um Sumpen und Dembowagora, namentlich an Fagus 
häufig; Klein- Althammer im Forstrevier Czepiele mit Neckera- 
Arten. An Buchenstämmen beim Nesigroder Jagdschlosse zwischen 
Trachenberg und Sulau, von sehr abweichender Tracht, an 

1. myosuroides erinnernd (v, Uech.). An Kalkfelsen des Wyssoker 
Berges bei Gogolin und im Buchenwalde von Czarnosin O/S., 
hier nur steril (L.). 

/. myosuroides Brid. Sattlerschlucht bei Hirschberg, steril auf Granit; 
Gabbrofelsen auf dem Zobten (L.). Steril. 

Eurhynchium slrigosum Schpr. Obernigk bei Breslau, Buchenwald von 
Czarnosin O/S. , steril noch auf dem höchsten Gipfel der Ba- 
biagora (L.); 

var. imbricatum B. S. Hohlwege bei Leschnitz O/S. (L.). 

E. striatulum Br. et Schpr.* In Oberschlesien auf Muschelkalk des Sakrauer 
Berges 266 Met. h. und des Wyssoker Berges bei Gogolin, steril; 
in Niederschlesien an Urkalkfelsen beim „Matzaloch" auf dem 
Butterberge bei Tief-Hartmannsdorf, ca. 600 Met., am 20. Mai 
1872 mit $ Bl. (L.). 

E. Vaucheri Br. et Schpr. Kalkfelsen des Wyssoker Berges am Anna- 
berge in O/S. häufig, doch spärlich mit jungen Früchten (L., 

2. Octbr. 1872); auf Urkalk des Butterberges bei Tief-Hartmanns- 
dorf (L.). Steril. 

E. piliferum Br. et Schpr. Breslau: selten im Park bei Lissa (v. Uech.); 
um Friedland ziemlich häufig in den Trautliebersdorfer Kalk- 
brüchen und am Storchberge bei Langwaltersdorf (v. Uech.); 
Grünberg im Eichenforst bei Schwarmitz (E.); Buchenwald von 
Czarnosin O/S. mit 9 Bl. (L.). 

E. Swartzii Turn. (E. praelongum ß atrovirens Br. eurj. Buchenwald 
bei Trebnitz (L.), Felsblöcke am Zobten (Seh.), Höhe vor Peters- 
dorf bei Sagan (E.). 

E. murale Br. et Schpr. Schloss Karolath bei Grünberg (H.); 

var. julaceum Br. eur. Auf Urkalk unterhalb der Füllenbauden im 
Riesengebirge (L.). 



136 Jahres-Bericht 

E. rusciforme Br. et Schpr. Salomonswiese bei Läsgen, Kreis Grünberg 
(Golentz)- 
var. complanatum H. Schulze. Diese eigenthümliche Form sammelte 
Herr Buchhalter H. Schultze Ostern 1872 steril in einem Bache 
am Zobten. 

E. speciosum Schpr. Bischdorf bei Pitschen O/S., fruchtend in Brunnen 
(Niepel). 

Plagiothecium Schimperi Jur. et Milde. Riesengebirge: im Elb- und im 
Weisswassergrunde, bei den Füllenbauden (L.); Adersbacher 
Sandsteinfelsen : auf Waldboden im Bornkressenthale (L., 16. Juli 
1872); Grünberg: Schlossberg bei Bobernig (H.). Nur steril. 

P. nitidum Lindb. In kleinen Felshöhlen auf dem Gipfel der Babiagora 
c. frct. (L.). 

P. silesiacum B. S. Im Riesengebirge noch um 3000 F. verbreitet, so im 
Buchenwalde bei St. Peter, im Eibgrunde oberhalb Spindelmühl, 
über den Hofe- und den Leyerbauden (L.), Trebnitzer Buchen- 
wald (L.), Glaucher Wald bei Skarsine (v. Uech.), Freudenberg 
bei Tief-Hartmannsdorf (L.), sehr häufig in der Waldregion der 
Babiagora (L.). 

P. undulatum B. S. Quarklöcher am Gl. Schneeberge c. frct. (Seh. u. Z.), 
Waldregion der Babiagora c. frct. (Seh.). 

P. silvaticum B. S. Breslau: im Laubwalde zwischen Nimkau und Gabel 
(v. Uech.), Kath.-Hammer (id.), Rybnik: Paruschowitzer Forst (F.) 
und im Walde Rostochocz (v. Uech.), Grünberg: Bachufer bei 
der Berndt'schen Mühle (E.), Waldregion der Babiagora (L.). 

P. Roesei B. S. Buchenwald von Czarnosin O/S., noch um St. Peter im 
Riesengebirge (L.). 

Amblystegium subtile B. S. Saalwiesen bei Landeck (Seh. u. Z.), Rummels- 
berg bei Strehlen (L.), Freudenberg bei Tief-Hartmannsdorf (L.), 
an Buchenstämmen um Schmitzdorf bei Friedland (v. Uech.), 
Buchenwald von Czarnosin O/S. (L.), Babiagora an Buchen (L.). 

A. confervoides B. S. In Oberschlesien an den Muschelkalkfelsen des 
Sakrauer und des Wyssoker Berges bei Gogolin (L.), Kalkfelsen 
auf dem Butterberge bei Tiefhartmannsdorf bei Schönau (L.). 

A. ßlicinum Lindb. Im Riesengebirge bei den Krausebauden unterhalb 
St. Peter (L.), Mergelsumpf am Grünauer Spitzberg bei Hirsch- 
berg, an sumpfigen Stellen am Kitzelberge und bei Tief- Hart- 
mannsdorf (L.), in der Kolbe bei Kunern bei Winzig (Langner), 
zwischen Oltaschin und Woischwitz bei Breslau (v. Uech.), 
Karunschke bei Obernigk (v. Uech.), Quarklöcher am Gl. Schnee- 
berge, an der Babiagora an versumpften Stellen in der Wald- 
region (L.). 



der Schles. Gesellsch, f. vaterl. Cultur. 137 

A. irriguum Schpr. Grünberg: in einem Sumpfe am Patzgall (E.), Wald- 
region der Babiagora in Bächen, steril (L.). 

A. fluviatile Sw. Fluthend an Steinen im Bober bei Hirschberg in der 
Sattlerschlucht, 313 Met. ; um Bunzlau an Steinen im Bober bei 
der Schlemmermühle und im Queis am Teufelswehre bei Wehrau, 
steril (L. bereits 1865). 

A. Kochii B. S. Um Sagan (E.). 

Brachythecium velutinum Br. et Schpr. Babiagora noch in der Wald- 
region (L.). 

B. reßexum B. S. Saalwiesen bei Landeck (Seh. u. Z.), Sonnenkoppe im 

Eulengebirge (R.), Babiagora bis auf den Gipfel (L.). 
jB. Starkii Br. et Schpr. Freudenberg bei Tief-Hartmannsdorf, Waldregion 

der Babiagora (L.). 
JB. rutabulum Br. et Schpr. y flavescens Br. cur. Oberschlesien: Kalkbrüche 

bei Gogolin und im Buchenwalde bei Czarnosin (L.). 

B. populeum Br. et Schpr. Im Eulengebirge (R.), Waldregion der Ba- 
biagora (L.). Eine schöne Form mit kleinen, aufrechten, sehr 
kurzgestielten Früchten im Buchenwalde bei St. Peter im Riesen- 
gebirge auf Felsgeröll und an Buchenwurzeln bei 3000 Fuss (L.). 

B. plumosum Br. et Schpr. Babiagora in Waldbächen (L.). 

B. glareosum B. S. Häufig auf Kalk in Oberschlesien, so um Gogolin, 
am Sakrauer und am Annaberge (L.). Meist steril. 

B. albicans Br. et Schpr. In einer grünen Schattenform mit weit herum- 
schweifenden Stengeln bei Saabor am Saugraben (E.). 

JB. Geheebii Milde. Saalwiesen bei Landeck häufig, doch steril (Seh. u. Z.), 
Buchenwald bei St. Peter im Riesengebirge, steril (L.). 

Hypnum Sommerfeltii Myrin. In Oberschlesien bei Czarnosin, Gogolin und 
auf dem Wyssoker Berge (L.). 

H. Hallen L. fil. Im Riesengebirge auf Urkalk bei den Füllenbauden (L.), 
im Melzergrunde (v. Flotow, 1839). 

H. chrysophyllum Brid. Massenhaft, aber selten fruchtend an Ackergräben 
des Thonmergelbodens zwischen Brocke und der Strehlener 
Chaussee bei Breslau (v. Uech.), Muschelkalk bei Czarnosin und 
Gogolin O/S. (L.), am Südfusse der Babiagora auf Kalk (L.). 

H. stellatum Schreb. Noch auf dem höchsten Gipfel der Babiagora in Fels- 
spalten, steril (L.). 

H. subpinnatum Lindb. In der unteren Waldregion der Babiagora (L.). 

H. loreum L. Waldregion der Babiagora (L.). 

H. polygamum Schpr. Fasanerie bei D. -Wartenberg (E.); 

ß minus B. S. Feuchte Brache am Rohrbusch und Brachfeld bei der 
Ziegelei unter der Berndfschen Mühle bei Grünberg (E.). 

H. contiguum N. v. E. Waldregion der Babiagora (L.). 



138 Jahres-Bericht 

H. ßuitans Dillen. Fasanerie bei D. -Wartenberg (E.); 
var. submersum Schpr. Heinersdorf bei Grünberg (E.); 
var. serratum Milde. Folia ramea serrata. Pirnig bei Grünberg (H.). 
H. scorpioides Dillen. Koschentin O/S. in den Liszwartamooren zwischen 
Boronow und Niederhof (V. Uech.), massenhaft in Sümpfen an der 
Eisenbahn zwischen Gogolin und Dziechowitz (L.). 

H. intermedium Lindb. Friedland (v. Uech.), in Oberschlesien massenhaft 
in Sümpfen zwischen Gogolin und Dziechowitz (L.). 

H. vernicosum Lindb. Sumpfwiesen bei Nimkau, steril (Seh.). 

H. commutatum Hedw. Erlenbruch bei Läsgen, Kreis Grünberg (Golenz), 
ebenda am Bachufer bei Schweinitz (E.), am Südfusse der Ba- 
biagora c. fret. (L.). 

H. fakatum Brid. Fluthend in Waldbächen an der Babiagora (L.). 

H. rugosum Ehrh. Hausberg bei Hirschberg (ligner), Lehmberg bei 
Strehlen (Hilse), Altvater im Gesenke (v. Uech.), höchster Gipfel 
der Babiagora (L.). Ueberall steril. 

H. ineurvatum Schrad. An Steinen im Bache an der Au-Mühle bei Grün- 
berg c. fret. (H.), auf Kalk in Berbisdorf, am Butterberge bei Tief- 
Hartmannsdorf (L.), am breiten Berge bei Striegau (L.), in Ober- 
Schlesien auf Kalk bei Czarnosin, wie auf dem Wyssoker und 
dem Sakrauer Berge bei Gogolin (L.), Babiagora auf Karpathen- 
Sandstein (L.). 

H. pallescens Schpr. Im Riesengebirge ungernein häufig im Elb- und 
Weisswassergrunde und im Buchenwalde von St. Peter (L.). Be- 
sitzt auch an der Babiagora, wie in den Sudeten seine massigste 
Verbreitung in der oberen Waldregion (L.). 

H. reptile Mich. Riesengebirge: im Eibgrunde und oberhalb der Füllen- 
bauden, selten (L.). An der Babiagora schön entwickelt und 
häufig unterhalb der Buchengrenze (L.). 

H. hamulosum Br. et Schpr. An Felsgeröll auf dem Gipfel der Babiagora 
mit <3 und $ Blüthen von mir zuerst am 24. Juli 1872 in wenigen 
Exemplaren. 

H. callichroum Brid. Knieholzregion der Babiagora, steril (L.). 

H. Lindbergii Mitten. (H. patientiae Lindb.). Charakteristisch für die nieder- 
schlesischen Kalkbrüche und die oberschlesischen Muschelkalk- 
bügel (L.). 

H. pratense Br. et Schpr. Tannenberg bei Langenbielau, steril (R.). 

H. Haldani Grev. Buchenwald von Czarnosin O/S. (L.). 

H. molluscum Hedw. Im Riesengebirge bei St, Peter und am kl. Teiche 
(L.), Kessel im Gesenke (L.), Kalkbrüche auf dem Berbisdorfer 
Kapellenberge und bei Tiefhartmannsdorf, Kalkfelsen des Wyssoker 
Berges bei Gogolin, Babiagora auf Kalk (L.). Meist steril. 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 139 

H. crista castrensis L. Kl. Schneeberg und Wölfeisgrund in der Graf- 
schaft Glatz (v. Uech.), Althammer bei Jakobswalde O/S. und 
Park Buk bei Räuden in O/S. (v. Uech.). 

H. giganteum Schpr. Breslau: zwischen Bruschwitz und Domatschine in 
Gräben (Junger), Wiesengräben um Neudorf bei Canth (v. Uech.), 
Preiskretscham (Nagel), am Südfusse der Babiagora (L.). 

H. stramineum Dicks. Wölfeisgrund (Seh. und Z.), Sumpfwiesen zwischen 
Hennigsdorf und Sorge bei Breslau (Seh.). 

H. trifarium W. et M. Sümpfe an der Bahn zwischen Gogolin und Lesch- 
nitz O/S. (L.). Steril. 

H. palustre L. Im Kiesengebirge bei den Füllenbauden auf Urkalk (L.), 
bei Tief-Hartmannsdorf „in den Buchen" und auf dem Butterberge 
auf Kalk, Babiagora am Fusse (L.). 

H. molle Dicks. Auf der Südseite des Riesengebirges in der Elbe und im 
Weisswasser und in deren Zuflüssen (L.), Babiagora in Wald- 
bächen c. fret. (L.). 

H. ochraceum Wils. In der Weichsel bei Ustron häufig, doch steril 
(v. Uech.), im Marchbett bei den Quarklöchern (Seh.), Grafschaft 
Glatz: in der Biele am Wege zum Formberge (Seh.). 

Hylocomium Oakesii Schpr. Saalwiesen bei Landeck, 2961 Fuss (Seh., 
9. October 1871), Gipfel der Babiagora, 5480 Fuss, häufig, 
? Bl. (L.). 

H. brevirostrum Schpr. Auf dem Zobten, steril (Seh.). 

H. umbratum B. S. In der Waldregion der Babiagora, steril (L.), March- 
thal am Glatzer Schneeberge, $ Bl- (L.)* 

Sphagnum acutifolium Ehrh. y tenellum Schpr. Eibwiese im Riesengeb. (L.). 

S. laxifolium C. Müll. Wald zwischen Lublinitz und Ziandowitz (Baumann). 

S. ßmbriatum Wils. Wald zwischen Obernigk und Riemberg bei Breslau 
(v. Uech.), Wald Rostochocz und Paruschowitzer Forstrevier be 
Rybnik (v. Uech.). 

S. Girgensohnii Russ. Weltende im Sattler bei Hirchberg (L.), westlich 
von SeifTersholz bei Grünberg (E.), Labander Wald bei Preis- 
kretscham (Nagel), Waldregion am S. -Fusse der Babiagora (L.). 

S. squarrosum Pers. Pronzendorf bei Winzig (Langner), bei Altwasser 

(v. Uech.), Poppelauer Forst zwischen Rybnik und Loslau (v. Uech.). 
o 
S. teres Angst. In Sphagnetas am Südfusse der Babiagora (L.). 

S. rigidum Schpr. Zwischen Riemberg und Obernigk, Schimmelwitz bei 
Obernigk (v. Uech.), Rybnik: am Rande des Waldes Rostochocz, 
Koschentin: in den Liszwarta- Sümpfen zwischen Boronow und 
Niederhof (v. Uech.). 



140 i Jahres Bericht 

S. subsecundum Nees. Um Margareth bei Breslau (Junger), Hennigsdorf 
und Jäkel bei Auras, Koschentin und Rybnik in O/S. (v. Uech.), 
am Südfusse der Babiagora (L.); 
ß contortum Schpr. Im Riesengebirge häufig auf Felsplatten im unteren 
Weisswasser (L.). 

S. moüuscum Bruch. Auf feuchtem Haidelande bei Jannowitz unweit 
Hirschberg (L.). 

S. cymbifolium Ehrh. Auf Haideland bei Jannowitz wächst eine habituell 
dem S. motte täuschend ähnliche, rein weisse forma compacte/, mit 
zugespitzten Aesten, deren Stengelblätter bis zum Grunde mit 
Fasern erfüllt sind. Die Rindenschicht des Stengels zeigte con- 
stant nur 2 Reihen. 

Der Secretair Prof. Cohn erläuterte den nach den Angaben von 
Prof. Hanstein in Bonn construirten und für das hiesige pflanzen- 
physiologische Institut bezogenen phyllotactischen Apparat, welcher 
die wichtigsten Gesetze der Blattstellungslehre veranschaulicht. 

Hierauf kam zur Verlesung; 1) Ein Aufsatz des correspondirenden 
Mitgliedes Herrn Oberstabsarzt Dr. Schröter in Rastatt: 

Mittheiluugen über einige schlesische Uredineen. 

1 ) Auf Melandrium album Grcke. findet sich in Schlesien sehr verbreitet 
eine braunsporige Uredo-Form, deren Teleutosporen trotz eifrigen Suchens 
Anderen sowohl als mir unbekannt blieben, sie wurde daher im Ver- 
zeichnisse der Brand- und Rostpilze Schlesiens unter Nr. 1 1 1 als Uredo 
Lychnidis aufgeführt. 

Im October 1871 fand ich nun bei Carolinenhöhe in der Nähe von 
Spandau und ebenso im August dieses Jahres bei Rastatt Uredo Lychnidis, 
dem schlesischen ganz gleich, mit reichlich entwickelten Teleutosporen. 
Es ist ein Uromyces, dessen Beschreibung ich hier folgen lasse: 
Uromyces (Hemiuromyces) verrueulosus n. sp. 

Spermogonien und Aecidium noch nicht aufgefunden. Uredosporen 
in rundlichen, flachen Häufchen, von etwa 1 Mm. Durchmesser, welche 
zerstreut oder in concentrischen Kreisen gestellt sind. Farbe der Häufchen 
zimmtbiaun Sporen kugelig oder kurz elliptisch, 22 bis 23,7, durch- 
schnittlich 23 Mm. lang, 20 bis 22,1, durchschnittlich 21,4 Mm. breit. 
Episporium hellbraun, mit kurzen spitzen Stacheln besetzt. 

Uromyces meist in 2 bis 3 Mm breiten schwarzbraunen Flecken, die 
manchmal aus concentrischen Zonen bestehen und lange von der Ober- 
haut bedeckt bleiben. Sporen leicht abfallend, eiförmig oder elliptisch, 
kurz gestielt, 20 bis 26, durchschnittlich 23 Mm. lang, 17 bis 20, durch- 
schnittlich 19 Mm. breit. Stielchen farblos, 3 — 5 Mm. lang. Sporen- 
membran gleichmässig dunkel kastanienbraun, am Scheitel etwas verdickt, 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 141 

überall besonders dicht mit feinen, stumpfen Wärzchen besetzt. Am 
Scheitel von einer breiten Keimspore durchbohrt. 

Auf Blättern und Stengeln von Melandrium album Grcke. 

2) Uromyces (Euuromyces) Valerianae (De.) fand ich an den Wurzel- 
blättern von Valeriana dioica L. im October 1871 auf einer quelligen 
Waldblösse bei Sauerbrunn, Kreis Habelschwerdt, mit Uredo- und 
Uromyces - Sporen. Die kleinen Wurzelblätter von V. d. ähneln im 
Herbst ausserordentlich den Blättern von Prunella vulgaris, so dass ich 
selbst glaubte, Urom. Prunellae Schndr. vor mir zu haben. Der Mangel 
der Behaarung lässt Valeriana leicht erkennen. 

3) An Potentilla sylvestris Neck. (Tormentilla ereeta L.J ist auch in 
Schlesien ein rother Uredo gefunden worden, den ich, so lange ich seine 
Teleutosporen nicht beobachtet, zu Phragmidium obtusum Schm. et Kze. 
gerechnet habe. Fuckel stellt (Symb. myc.) ein Phrag. Tormentillae auf, 
giebt aber davon keine nähere Beschreibung. 

In der Nähe von Rastatt fand ich im September und October d. J. 
häufig das Phragmidium auf Pot. sylvestris, eine gut zu unterscheidende 
Species, deren genauere Beschreibung ich hier anschliesse. Ohne Zweifel 
gehört auch der auf der Pflanze in Schlesien beobachtete Uredo zu Phr. 
Tormentillae. 

Phragmidium Tormentillae Fehl. Uredo Orangeroth in kleinen, punkt- 
förmigen Häufchen, ohne Paraphysen im Umkreise. Sporen kugelig oder 
eiförmig, etwa 20 Mm. im Durchmesser. Episporium farblos mit feinen 
körnigen Erhabenheiten. Inhalt durch orangerothe Oeltropfen gefärbt. 

Phragmidium in zimmtbraunen punktförmigen Häufchen. Die Spore 
aus 3 bis 10, durchschnittlich 5 bis 6 Zellen bestehend, die einzelne Zelle 
16 bis 19 Mm. breit, an den Verbindungsstellen eingeschnürt, 16 bis 19, 
durchschnittlich 16,5, die ganze Spore daher bis 165 Mm. lang. Die 
unteren Zellen sind oft etwas unregelmässig, keilförmig, die oberste zu- 
gespitzt, doch ohne deutlich abgesetztes Spitzchen. Membran kastanien- 
braun, glatt, bei der obersten Zelle am Scheitel, bei den anderen an der 
Verbindung mit der oberen Zelle von einem Keimporus durchsetzt. 
Inhalt orangeroth, Stielchen farblos, ca. 7 Mm. breit, sehr verschieden, 
10 bis 100 Mm. lang. 

Schon durch die feinen punktförmigen Häufchen unterscheidet sich 
Phr. Torrn, von den in breiten schwarzen Flecken vegetirenden Phrg. 
obtusum, noch mehr durch die langen, vielzelligen Sporen, welche denen 
von Xenodochus sehr nahe kommen. 

Ich fand im Herbst schon die Sporen reichlich keimend. Sie bildeten 
auf gekrümmten Promycelien meist 4 Sporidien, die selten genau kugelig, 
häufiger nieren- oder eiförmig waren und Durchmesser von 7 bis 10 Mm. 
hatten. 

Die erwähnten Arten wurden dem Gesellschafts-Herbar überwiesen. 



142 ' Jahres-Bericht 

Hierauf wurde verlesen 2) ein Aufsatz des correspondirenden Mitgliedes 
Herrn Lehrer Zimmermann in Striegau: 

Ein Spaziergang an den Striegauer Bergen am 2. November 1872. 

Fast aus allen Gegenden Schlesiens berichteten die Zeitungen über 
friihlingsartige Erscheinungen im Monat October c. An dem einen Orte 
wurde eine nicht geringe Zahl lebender Maikäfer gefunden, anderwärts 
blühten Kirschbäume, Kastanien, Schneeball etc. zum zweiten Male, und 
fast überall — nur einige Kreise Oberschlesiens, in welchen die Feld- 
mäuse zur Landplage geworden, ausgenommen — labte sich das Auge 
an den freudiggrünen Saaten, den üppigen Rapsfeldern und an der ausser- 
gewöhnlich grossen Zahl noch blühender Pflanzen, sowohl im Garten, als 
auch in Feldern, Wiesen und Wäldern. Und dieser ausserordentliche 
Reichthum an Blumen „in dem Revier" veranlasste den Unterzeichneten, 
auf einem Spaziergange am 2. November 1872 um die Striegauer Berge 
sich einmal der Mühe zu unterziehen, ein Verzeichniss über alle von ihm 
auf diesem Gange noch blühend gefundenen Pflanzen anzufertigen und 
etwas zu ordnen. Und siehe, es ergab diese kleine Arbeit noch die 
grosse Zahl von 133 im Freien blühender Pbanerogamen. Am meisten 
war hierbei vertreten die Familie der Compositen mit 39 Species, nächst- 
dem die Papilionaceen mit 15, die Caryoplrylleen mit 11, die Scrophu- 
larineen mit 8, die Umbelliferen mit 7 Species. Mit je 6 Vertretern er- 
schienen noch die Familien der Labiaten und Campanulaceen, mit je 5 
die Familien der Cruciferen, Rubiaceen und Rosaceen, je 3 Repräsentanten 
gehörten den Familien der Gramineen, Dipsaceen, Asperifolien und Gera- 
niaceen an, mit 2 traten die Chenopodeen auf und je 1 Species war noch 
aus den Familien der Polygoneen, Plantagineen, Gentianeen, Primulaceen, 
Cistineen. Malvaceen, Hypericineen, Polygaleen und Euphorbiaceen zu 
finden. — Dabei trugen die meisten der Bäume und Sträucher, als Birken, 
Buchen, Eichen, Hasel etc., noch ihr volles, allerdings schon herbstlich 
gefärbtes Laub, und nur die höher stehenden Linden und Eichen hatten 
es wahrscheinlich nur in Folge des trockenen Standortes bereits verloren. 

In Gärten prangten Ricinus, Georginen, Astern, viele Rosen etc. noch 
in schönster Blüthe, und auch hier wurden Kirschblüthen und schon im 
September Rosskastanienblüthen beobachtet. 

Hinsichtlich der Witterungsverhältnisse des Octobers c. sei kurz be- 
merkt, dass das Monatsmittel der Temperatur bedeutend über die sonst 
diesem Monat eigene Temperaturhöhe hinausgegangen. In Breslau be- 
trug dies Temperatur -Monatsmittel -f- 9,5° R. , in Görlitz 9,0° R., in 
Striegau 9,3° R. , in jedem Orte 1,5 bis 2° über dem normalen Mittel. 
Dabei vorherrschend S.- und SW.- Winde und mehrmals milde, durch- 
dringende Regen, so dass die Vegetation auch vor Trockenheit be- 
wahrt blieb. 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 143 

Das Verzeichniss der von Herrn Zimmermann beobachteten Pflanzen 
ist in dem von Herrn Gelieimrath Goeppert auf p. 149 gegebenen mit 
aufgenommen worden. 

Zur Erläuterung wurde eine von Herrn Prof. Galle gegebene Zu- 
sammenstellung der in den Monaten October und November d. J. in 
Breslau beobachteten Temperaturen, sowie deren Verhältniss zu dem 
80jährigen Mittel, vorgelegt und dadurch die abnorme Milde der dies- 
jährigen Witterung gezeigt. 

Hierauf wurde verlesen nachstehendes von Herrn Zimmermann 
eingesandtes 

Verzeichniss einer Sammlung von Pflanzen- Abnormitäten. 
I. Abnorme Keimpflanzen. 
1. Helianthus annuus L. tricotyl. 2. Tilia parvifolia Ehrh. dgl. 

II. Abnorme Stengelbildungen. 

a. Verwachsungen (Fasciationen). 1. Alnus incana Wüld. 2. Plantago 
lanceolata L. 3. Leucanthemum vulgare huck. 4. Matricaria Chamomilla L. 
5. Hypochoeris radicata Scop. 6. Taraxacum officinale Wigg. 7. Hieracium 
Pilosella L. 8. H. stoloniflorum W. et K. 9. H. cymosum L. 10. Pul- 
monaria offic.-angustifolia Kr. 11. Melampyrum nemorum L. 12. Ranunculus 
Sardous Crantz. 13. Turritis glabra L. 14. Cytisus capitatus L. 

b. Theilungen. 1. Phleum Boehmeri Wib. 

c. Durchvvachsungen des Stengels. 1. Polytrichum juniperinum 
Wüld. 2. Scabiosa atropurpurea L. 3. Rosa centifolia L. y 2 Ex. 

III. Abnormitäten an Blättern. 

a. Verwachsungen. 1. Nerium Oleander L. 2. Prunus Avium L. 
3. Trifolium pratense L. 

b. Theilungen. 1. Blechnum Spicant Roth. 2. Asplenium Adiantum 
nigrum L. 

c. Abnorme Formen. 1. Carex Pseudo - Cyperus L. 2. Carpinus 
Betulus L. 3. Hepatica triloba QU. 4. Passiflora caerulea L. (Uebergang 
vom einfachen bis zum ötheiligen Blatte). 

d. Abnorme Stellung. 1. Crepis praemorsa Tausch. 

e. Abnormes Zahlverhältnis s. 1. Paris quadrifolia L. 

f. Abnorme Färbung. 1. Alnus incana DC. 2. Vinca minor L. 
3. Prunus spinosa L. (2 Ex.). 

IV. Abnormitäten an Blüthen. 

a. Abnormer Blüthenstand. 1. Lolium perenne L. 2. Phleum 
Boehmeri Wib. 3. Cynosurus cristatus L. 4. Seeale cereale L. 5. Leucojum 
vernum L. 6. Salix cinerea L. 7. Plantago media L. 8. P. lanceolata L. 
9. Primula elatior L. 10. Ranuncvlus lanuginosus L. 



144 Jahres-Bericht 

b. Umwandlung niederer Blätter in höhere. 

aa. Laubblätter in Blütenblätter. 1. Anemone nemorosa L. 
bb. Kelchblätter in Kronenblätter. 1. Primula officinalis L. 

c. Umwandlung höherer Blätter in niedere. 

aa. Staubgefässe und Stempel in Laubblätter. 1. Trifolium 

hybridum L. 
bb. Staubgefässe und Stempel in Blumenblätter (flores pleni) 

1. Delphinium Consolida L. 2. Veronica officinalis L. 3. V. 

Buxbaumii Ten. 4. Hepatica triloba Gil. 5. Cardamine amara L. 

6. C. pratensis L. 7. Potentilla opaca L. 
cc. Blumenblätter in Laubblätter. 1. Fuchsiat 2. Rosa centifolia 

L. 3. Spiraea chamaedrifolia L. 4. Scabiosa ochroleuca L. 

5. Echium vulgare L. 6. Ononis hircina L. 7. Trifolium 

repens L. 

d. Pelorienbilduugen. 1. Aquilegia vulgaris L. 2. Delphinium 
Consolida L. 3. Linaria genistaefolia Mill. 4. L. vulgaris Mill. 

e. Verwachsungen. 1. Gagea arvensis Schult. 2. Galanthus nivalis 
L. 3. Piatanthera bifolia Rieh. 4. Fuchsiat 

f. Durch wachsungen von Blüthen aus Blüthen: 1, Scabiosa succisa 
L. 2. S. ochroleuca L. 3. Carduus crispus L. 4. Tragopogon pratensis L. 
5. Matricaria Chamomilla L. 6. Angelica sylvestris L. 7. Trifolium pratense 
L. 8. Rosa centifolia L. in etlichen Exemplaren. 

g. Abnorme Zahlverhältnisse. 1. Galanthus nivalis L., 4gliedrig. 

2. Leucojum vernum L. } 4gliedrig. 3. Hepatica triloba GH., vier- und fünf- 
blättrige Kelche. 

h. Abnorme Färbung. 1. Orchis Morio L. 2. Centaurea Cyanus L. 

3. Cichorium Intybus L. 4. Ajuga genevensis L. 5. A. reptans L. 6. Pru- 
nella vulgaris L. 7. Lamium purpureum. 8. Jasione mentana L. 9. Echium 
vulgare L. 10. Erythraea Centaurium L. 11. Calluna vulgaris L. 12. Dianthus 
superbus L. Sämmtlich weiss blühend. 

V. Abnormitäten an Früchten. 

a. Abnormer Fruchtstand. 1. Zea Mais L. Manul. Blüthen- 
rispe mit reifen Samenkörnern. 

b. Verwachsungen. /. Prunus domestica L. 2. Pisum sativum L. 
3. Phaseolus vulgaris L. 

c. Abnormes Zahlverhältniss. 1. Matthiola annua Sw., drei- 
und vierklappige Schoten. 

In der neunten Sitzung vom 12. December hielt Herr Geheimrath 
Goeppert nachstehenden Vortrag 

über das Verhältniss der Pflanzenwelt zur gegenwärtigen Witterung, 
unter Vorzeigung von circa 100 in dieser Zeit im Freien blühenden und 
fruchtenden Gewächsen. 



der Schles. Gesellsf-h. f. vaterl. Cultur, 145 

Frühlingspflanzen und die ihnen so nahe stehenden der Alpen und 
des hohen Nordens sorgen alsbald nach dem Verblühen für die Ent- 
wickelung der nächstjährigen Blüthenknospen, so dass diese am Anfange 
des Herbstes meist schon völlig ausgebildet erscheinen und in ihrem 
Innern alle Theile der Bliithen erkennen lassen. In diesem Zustande 
bleiben sie nun theils über, theils unter dem Boden während des folgen- 
den Winters bis zum nächsten Frühjahre, in welchem eine verhältniss- 
mässig nur geringe Wärme erforderlich ist, um sie rasch zum Blühen zu 
veranlassen. Verspätet sich der Winter und tritt so warme Herbst- 
witterung ein, wie in diesem Jahre, so kommen sie auch vorzeitig zum 
Vorschein, sie blühen zum zweiten Male, freilich auf Kosten der Ent- 
wicklung des nächsten Frühlings, und dies ist die einfache 
Ursache dieses oft bewunderten und gegenwärtig so häufigen Vor- 
kommens, das schon lebhafte Besorgnisse für das Geschick unserer 
Vegetation überhaupt hervorgerufen hat. Ich will sie nicht für ganz 
ungegründet halten, denn wer vermag wohl in solchen Fällen ein sicheres 
Urtheil abzugeben, doch lassen sie sich auf ein geringeres Maass zurück- 
führen, wenn wir die Beschaffenheit dieser ungewöhnlich reichen, herbstlich- 
winterlichen Flora näher betrachten. Es sind an 228 Arten, deren wiederholtes 
und fortgesetztes Blühen von Anderen und von mir vom vorigen Monat an bis 
jetzt beobachtet worden ist (siehe Verzeichniss am Schluss), unter ihnen nur 
äusserst wenige, hier besonders wichtige, wahre Frühlingspflanzen, 
wie etwa Himmelschlüssel, einzelne Exemplare Löwenzahn (Leontodon Ta- 
raxacum), der Pesthuflattich (Tussilago Petasites) und Veilchen; die all- 
jährlich Anfang October in der Knospe schon blau gefärbten Leber- 
blümchen, beide Schneeglöckchen, Crocus halten hier noch zurück Grösser 
ist die Zahl der Perennirenden, welche jedoch nicht aus primären 
Achsen, sondern nur aus abgehauenen oder bereits verblühten 
Stengeln seitliche Blüthen treiben und daher natürlich meist den früheren 
an Zahl und Grösse nachstehen, wie unter anderen die am häufigsten 
sprossende Schafgarbe und andere Compositen, Gnaphalium arenarium^ 
Senecio Jacobaea, Anthemis ünctoria, Crepis tectorum, Apargia, Doldenpflanzen 
wie Pimpinella, Heracleum u. A. Die an seitlichen Sprossen so reiche 
Erdbeere (Fragaria elatior) trägt Blüthen und reife Früchte zugleich. Eine 
Kartoffelpflanze bildete frische Knollen. Pilzvegetation dauert fort. 
Am meisten breiten sich die vielen einjährigen, im Sommer ge- 
keimten Gewächse aus, welche in jedem Herbst vorhanden sind, aber 
unter gewöhnlichen Verhältnissen wegen der meist zeitig eintretenden 
Kälte nicht zur Blüthe gelangen, und namentlich ohne Schneeschutz fast 
ohne Ausnahme, selbst Alsine media, Senecio vulgaris, zu Grunde gehen, 
z. B. wie die um Obernigk ganze Felder einnehmende Kornblume, Acker- 
storchschnabel (Erodiimi), Ehrenpreis- Arten (Veronica heder aefolia, persica, 
agrestis, Scleranthus, Thlaspi-Arten etc.), Poa annua nebst vielen üppig 

10 



14G Jahres-Bcricht 

sprossenden perennirenden, zuweilen auch selbst noch Blüthenähren trei- 
benden Gräsern, welche, wie das überall üppig blühende Tausendschönchen 
(Bellis) vorzugsweise dazu beitragen, unseren Fluren ein so sommerliches 
Aeussere zu verleihen. 

Das Tausendschönchen ist überhaupt die einzige wahre Winter- 
blume unserer einheimischen Flora. Oft habe ich ihre halb geöffneten 
Knospen vom plötzlich eintretenden Frost erstarren, aber nach tagelangem 
Verbleiben in diesem scheintodähnlichen Zustande nach dem Aufthauen 
wieder weiter wachsen sehen. Aehnlich verhält sich die Bewohnerin der 
Alpen, die schwarze Nieswurz, die in unseren Gärten viel zu wenig ver- 
breitet ist. Weizen und Roggen auf Saatfeldern erscheinen aller- 
dings bereits vorgeschritten, mehrfach verästelt, jedoch, so viel ich we- 
nigstens freilich in nur beschränktem Kreise beobachten konnte, noch 
ohne Anlage zur Aehrenbildung. Ich habe wohl blühenden und fast 
fruchtreifen Hafer und Roggen gefunden, aber auf Schutthaufen und auf 
Aeckern, wo sie einige Monate vor der gewöhnlichen Aussaatszeit bereits 
gekeimt hatten, und nur auf solche vereinzelte Vorkommnisse sind wenig- 
stens in unseren Gegenden die Angaben von sprossendem ährentreibenden 
Getreide zu reduciren. Raps ist sehr entwickelt, doch gehört er zu den 
winterfestesten Gewächsen, für welchen bei zeitiger Schneebedeckung, 
wenn insbesondere ein leichter, den Boden etwa ein paar Zoll tief be- 
festigender Frost vorangegangen ist, wohl nichts zu fürchten ist. Jedoch 
wünschte ich hierüber noch mehr Erfahrungen zu besitzen, namentlich 
über das Verhalten des weit über die Schneefläche hervorragenden Sten- 
gels. Unsere Baumvegetation verharrt im Ganzen und Grossen in 
ihrer für unsere öconomischen Zwecke höchst erspriesslichen Ruhe und 
bereitet sich, wenn auch etwas reger als sonst in dieser Jahreszeit, für 
ihre künftige Entwickelung vor. Bei der verhältnissmässig noch ziemlich 
hohen vom Sommer zurückgebliebenen Erdtemperatur, die im vorigen 
Monat nach unseren in 2*/ 2 Fuss Tiefe angestellten Beobachtungen durch- 
schnittlich noch 5° betrug und nur in den letzten 10 Tagen (vom 1. bis 
10. December) auf etwa 3 bis 4° gesunken war, fehlt es nicht an Wurzel- 
wachsthum, an den Zweigen auch nicht an cambialer Thätigkeit, doch 
lässt der Zustand der Knospen mit wenigen Ausnahmen noch keine 
Entfaltung derselben erwarten, am wenigsten findet gar etwa Neu- 
bildung von Knospen statt, wie öffentliche Blätter von verschiedenen 
Orten her mittheilten. 

Wer nun gelegentlich sich dergleichen einmal betrachtet, kann wohl 
beim Anblick der grün gefärbten Knospen unseres blauen Flieders an den 
stets halb geöffneten einiger Spiraeae oder des Gebirgsflieders Sambucus 
racemosa auf baldige Entfaltung allenfalls schliessen, doch ist das der ge- 
wöhnliche allwinterliche Zustand, der sich mitten im Winter unter Um- 
gebung von Eis und Schnee wunderlich genug ausnimmt. Nur die Rose 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 147 

von Jericho Lonicera Caprifolium hat wirklich aus ihren Knospen bereits 
Blätter getrieben, der Kellerhals Daphne Mezereum blüht. Die bis zum 
Nordpol verbreitete Himbeere trägt hier und da an blattlosen Zweigen 
Blüthen und Früchte, und unter den zahlreichen Pomaceen blüht an ein- 
zelnen sonnigen Stellen die japanische Birne (Pyrus japonica), die auch 
sonst im Spätherbst zuweilen zum zweiten Male sich entwickelt. 

Unsere Obstbäume haben ihre Knospen noch fest geschlossen. Die 
hie und da veröffentlichten Angaben von blühenden Birnen-, Aepfel- oder 
Kirschbäumen gehören immerhin zu den grössten Seltenheiten, welche 
einen Schluss auf allgemeine Zustände nicht gestatten. In meinem In- 
teresse muss ich bedauern, dass ich noch niemals Gelegenheit hatte, einen 
solchen Baum zu untersuchen. Von unseren wildwachsenden Bäumen 
haben nur die männlichen Kätzchen der Haselnüsse an sonnigen Stellen 
gestäubt, Erlen, Birken und Weiden sind noch weit davon entfernt, und 
werden dazu auch nicht gelangen, Weissbuchen sind auffallend weit ent- 
wickelt. 

Unsere Vegetation ist auf winterliche Ruhe angewiesen. Zu ihrer 
inneren organisch- chemischen Entwickelung bedarf sie eine gewisse Zeit,*"") 
etwa ebenso wie manche hartschalige Samen, die auch erst nach langer 
innerer Vorbereitung zum Keimen gelangen. Wenn sich dies nicht so 
verhielte, so würde sie in den letzten beiden Monaten viel weiter vor- 
geschritten sein, da deren mittlere Temperatur so hoch war, wie das nur 
sehr selten in den zur Entwickelung vorzugsweise bestimmten Monaten 
des Frühjahres, im März und April, vorkommt. Laut den Angaben unserer 
vortrefflichen von Herrn Prof. Dr. Galle herausgegebenen seh lesischen 
Klimatologie erreichte von 1791 bis 1854 die mittlere Temperatur des 
Märzes nur einmal, im Jahre 1822, mit 5, 3 1 annähernd die unseres letzt- 
verflossenen Novembers, welche -+- 5,9 2° betrug, und bewegte sich auch sonst 
stets nur in viel niedrigeren Mitteln, und die mittlere Temperatur unseres 
letzten Octobers = 9,51° ward von der des Aprils nur einmal in der 
genannten Zeitperiode von 63 Jahren, im Jahre 1800, durch 2° über- 
treffen. Sie erreicht -t- 11,98°. Wenn sich nun aus der obigen Ueber- 
sicht der gegenwärtigen Entwickelung unserer Vegetation ergiebt, dass 
sich nur die frühesten Gewächse entfaltet haben, welche auch an und für 
sich, wie z. B. die Himbeere, Haselnuss, zu denjenigen gehören, die den 
stärksten Kältegraden widerstehen; andere, wie unsere Obstbäume, von 
denen dies nicht gesagt werden kann, nur sehr wenig sich von der ihrer 
Entwickelung vorgeschriebenen Bahn entfernen und doch auch auf den 
mit unseren klimatischen Verhältnissen innig verknüpften, fast nie fehlen- 



*) Nur im gefrorenen Zustande hört natürlich diese Thätigkeit auf und die 
Pflanze verharrt in einem scheintodähnlichen Zustande, der lange Zeit währen 
kann, ohne nach dem Aufthauen ihr Leben zu gefährden. 

10* 



148 Jahres -Bericht 

den Schneeschutz zu rechnen ist, meine ich, dass wir wohl mit einigem 
Vertrauen bei gewöhnlichem Winterverlauf der nächsten Zukunft entgegen- 
sehen dürfen, die jedenfalls dem Beobachter viel Interessantes bieten wird. 
Sie könnte z. B. Entscheidung bringen über die sehr verbreitete Annahme 
von der vollkommenen Ausbildung des Herbstholzes als Schutz gegen 
hedeutende Kältegrade, welche in diesen Monaten bei schon eingetretener 
Cambialthätigkeit in hohem Grade stattgefunden hat und dergl. mehr. 
Extreme Kälte wäre freilich um so mehr zu fürchten, als die Folgen 
der von 1870/71 unsere Baumwelt noch nicht überwunden hat. Eine 
Menge damals beschädigter Bäume starben im vorigen Sommer und andere 
werden ihnen im nächsten noch folgen. Uebrigens sind solche anomale 
Witterungs Verhältnisse mit dennoch günstigem Ausgange schon oft dage- 
wesen, die ganz dazu geeignet sind, diese eben ausgesprochenen Hoff- 
nungen aufrecht zu halten. Ueber den merkwürdigen Verlauf des Herbstes 
von 1841 habe ich Genaueres verzeichnet: Die mittlere Temperatur des 
Octobers in jenem Jahre war -+- 9,6 7°, die von 1872 9,51°; das höchste 
Tagesmittel am 1. September 15,7°; 1872 am 14. -+- 7°; das niedrigste 
1841 am 22. -+- 3,7°; 1872 am 8. —2,9°; kälter war 1841 der Novem- 
ber, die mittlere Temperatur nur -+- 3,5 5, 1872 -+- 5,9 2°, wie freilich seit 
1791 nur einmal, im Jahre 1797, ein wenig höher mit -+- 6,n° vor- 
gekommen ist; das niedrigste Tagesmittel 1841 den 28. -+- 0,3°, 1872 am 
18. -+- 1,81°; das höchste 1841 den 11. -+- 6,8°, 1872 den 1. -+- 10,60°. 
Das Monatsmittel des Decembers 1841 erreichte ■+- 2°, die höchste Wärme 
am 1. ■+- 7°. Am 30. December schneite es erst zum zweiten Male, 
worauf es aber dann ziemlich anhaltend fror. Im botanischen Garten 
grünten und blühten fast dieselben Pflanzen wie gegenwärtig, von Frühlings- 
pflanzen auch nur wenige, wie Himmelschlüssel, Pestwurzel, Tessilago 
petasiteSy Seidelbast, ungewöhnlich viele Gräser und andere perennirende 
Pflanzen, nicht blos im Garten, sondern in unserer von mir vielfach be- 
suchten Umgegend, gleichfalls nur aus secundären Achsen abgehauenen 
Stengeln, Knospen der Obstbäume fest geschlossen, geöffnet blos obige 
Spiraeen. Zahlreiche ähnliche Angaben enthielten damals alle unsere 
öffentlichen Blätter. Laut der „Schles. Ztg." vom 27. December hatte 
man am 27. in Oels Aepfel von einem Baume geerntet, der im September 
zum zweiten Male zum Blühen gekommen war. Der, wie erwähnt, vom 
30. December an eintretende Winter verlief gelinde mit der Temperatur 
des Januars 1848 nur — 4,60°; höchste Kälte und zugleich auch die des 
ganzen Winters den 23. — 13°; mittlere Temperatur des Februar — 1,17° 
und die des Märzes -+- 2,5 3°. Im Jahre 1852 hatte es bis zum 31. De- 
cember noch nicht geschneit und nur einmal im November — 1° und im 
December zweimal — 3° gefroren. Auch der Januar 1853 zeichnete sich 
durch grosse Milde aus, 0,9 2° mittlere Temperatur. Primeln und Keller- 
hals blühten noch am 10. Januar im Freien des botanischen Gartens; 



der Schles. Geseilsch. f. vaterl. Cultur. 149 

mitllere Temperatur des Februars -4- 1,54°, am kältesten der März — 2,60°. 
Die Besorgnisse waren zu jenen Zeiten auch gross, doch ging Alles gut 
vorüber. Hoffen wir dasselbe. 

Fortsetzung und Schluss, botan. Section, den 30. März 1873. 

In der ersten Abhandlung vom 11. Decernber 1872 habe ich den 
Zustand der Pflanzenwelt in der frostfreien, bis zum 13. Decbr. dauern- 
den Periode besprochen, heut am 30. März soll von dem weiteren Ver- 
laufe des so anomalen Winters die Rede sein. 

Am 12. Decernber trat nun der längst erwartete Frost zum ersten 
Male ein und währte, obschon nur in massigem Grade, bis zum 24. De- 
cernber. Das Tagesmittel betrug — 2° bis — 3°, und nur einmal, in der 
Nacht vom 12. — 13. Decernber, zeigte das Minimum-Thermometer — 9°, 
welcher Temperaturgrad, wie ich damals kaum ahnte, auch zugleich der 
niedrigste des ganzen Winters bleiben sollte. Am 14. Decernber iiel der 
erste Schnee, durchschnitllich etwa in 4 — 6 Zoll Höhe. Vom 24. bis 
26. Decernber folgte wieder Erhöhung der Temperatur, Thauwetter und 
frostf'reie Zeit bis zum 25. Januar, in ihr mehrere Mal -+- 8° und über- 
haupt durchschnittlich höhere tägliche Temperatur als im Decernber. Die 
mittlere Temperatur des Januars war auch etwas höher als die des De- 
cernber, = -4- 1,7 3°, während die des Decernber nur -f- 1,5 6° erreichte. 
Die Zahl der heiteren und bedeckten Tage blieb sich ziemlich gleich, die 
Wärme aber überstieg den Durchschnittswerth in noch höherem Maasse 
als in den 3 vorhergehenden Monaten October, November und Decernber. 
Unter allen diesen Umständen hatte die Vegetation am Ende dieser ersten 
Kälteperiode, nämlich vom 13. bis 24. Decernber, nur wenig gelitten. 
Getödtet waren nur die stets bei einer solchen Temperatur zu Grunde 
gehenden Sonchus oleraceus und Sinapis arvensis, desgl. fast sämmt liehe, 
vor dem 12. Decernber noch blühenden Seitenachsen von perennirenden 
Gewächsen, wie Ballota, Satureja montana, Schaafgarbe, Senecio Jacobaea 
u. dgl. ; zwei bis zu drei Fuss Höhe erwachsene Heracleum Wilhelmii, von 
hochstämmigen lebten nur noch Cheiranthus Cheiri, Antirrhinum majus, der 
unverwüstliche Helleborus foetidus, Hadumetorum, viridis, purpures cens, die 
einjährigen Stengel von Euphorbia Lathyris. Alle niedrigeren Pflanzen 
waren unbehelligt geblieben. Bellis, Primula } Leberblümchen, Tussilago 
fragrans blühten weiter fort, und alle einjährigen, in unserem vorigen 
Berichte erwähnten Pflanzen, insbesondere die sogenannten Garten- und 
Ackerunkräuter, ohne aber eben besondere Fortschritte zu machen, 
die im Laufe des Januars kaum zu bemerken waren. Ich 
beobachtete dies vorzugsweise an den Knospen unserer Laubbäume und 
an Raps und Wintergetreide, die von ein und demselben Felde alle 8 Tage 
genau untersucht wurden. Blüthen von Primeln, sowohl die Garten- als 
die wildwachsenden Primula veris und elatior, Leberblumen blieben schwäch- 



150 Jahres -Bericht 

lieb, oft nicht ganz geöffnet, nur Schneeglöckchen kamen häufiger zur 
Blüthe, am 20. Januar sogar in Menge auf den Markt. Helleborus foetidus 
öffnete einige der schon lange zur Entfaltung bereitstehenden Blüthen. 
Von Bäumen stäubte am 20. Januar an sonniger Stelle des hiesigen 
Stadtgrabens Alnus incana, die Kätzchen aller anderen, Weiden inclusive, 
blieben festgeschlossen. Bei der bis zum 25. Januar herrschenden milden 
Temperatur hätte man eher ein rasches Vorschreiten der Gesammtvegetation 
auf der Bahn der vorangegangenen Monate, des November und December, 
erwarten sollen. Die Ursache dieses, anscheinend wenigstens 
sehr auffallenden Verhaltens finde ich nur in der allmäligen 
Verminderung der im Boden vom Sommer her noch zurück- 
gebliebenen höheren Temperatur. Bis zum Eintritt der 
Kälte erhielt sie sich in 1 Fuss Tiefe noch zwischen +3 
und 4°, sank aber dann rasch bis durchschnittlich -+- 1°, so 
dass sichtlich dann das Wachsthum nur noch von dem einen 
Factor der Vegetation, von der Wärme der Atmosphäre, 
vermittelt wurde und daher eben nur so langsam vorzu- 
schreiten vermochte. Eine überaus erspriessliche Einrichtung 
der Natur, welche die vorzeitige Entwickelung der Vegetation im 
Winter verhindert und sicher niemals das allgemeine Blühen, wie der 
Obstbäume, im Februar, wovon so viel gefabelt wird, erwarten lässt! 
Fände sie wirklich jemals statt, so würde wegen der stets eintretenden 
Kälte der Frühjahrsmonate keine Fruchtbildung, sondern nur gänzliche 
Vernichtung der zu früh entwickelten Triebe und Blüthen erfolgen. 

Bei der hohen Bedeutung solcher Bodentemperatur -Beobachtungen 
werde ich dergleichen bald in verschiedenen Tiefen (1, 2, 6 und 10 Fuss) 
unmittelbar neben Pflanzenculturen in unserem botanischen Garten an- 
stellen, in der Hoffnung, dadurch zu genauerer Einsicht in das immer 
noch wenig gekannte Wurzelleben unserer Gewächse, wie auch zur Lösung 
mancher auch in praktischer Hinsicht wichtigen Streitfragen zu gelangen. 
Wenn sich weiter noch ergiebt, wie dies die bereits angestellten 
Beobachtungen des Dr. H. Gronow (Meteorol. Beobacht. etc., Halle 1864) 
und der königl. baierischen Staats-Forstbeamten bereits schliessen lassen 
(Vergib Dr. Ernst Ebermayer, die physikalischen Einwirkungen des 
Waldes auf Luft und Boden, und seine Bedeutung, begründet durch die 
Beobachtungen der forstl. meteorol. Stationen im Königreich Baiern, I. Bd., 
Aschaffenburg 1873), dass die herbstliche Bodentemperatur in den meisten 
Fällen ausreicht, um in der Tiefe noch das Wurzelwachsthum zu ver- 
mitteln, wird man wohl nicht länger anstehen, der Pflanzung unserer 
Bäume im Herbste vor der des Frühjahrs den Vorzug zu 
geben und auch den immer noch streitigen Termin des Fällens des 
Bauholzes in eine Zeit zu verlegen, in welcher die organische, stoff- 



der Schlcs. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 151 

bereitende und stoffumwandelnde Thätigkeit der Wurzeln durch Ver- 
ringerung der Erd wärme auf ein Minimum herabgesunken ist. 

Wenn sich endlich ergiebt, dass der Frost in eine Tiefe von 4 bis 
5 Fuss nicht dringt, dürften sich die Cultivateure endlich veranlasst sehen, 
ihr bisheriges Verfahren, die Haupt- oder Pfahlwurzel abzu- 
schneiden und bei jedesmaligem Umsetzen das ganze 
Wurzelsystem zu behacken, auf die unvermeidlichsten Fälle zu 
beschränken.'"*) Die Wurzeln werden auf diese Weise nicht 
nur an und für sich organisch schwerverletzt, sondern auch 
der Tiefe, wohin sie gehören, immer mehr entzogen und an 
die Oberfläche in den Bereich der Einwirkung des Frostes ge- 
bracht, welcher in den vorletzten drei Wintern unsere Cul- 



*) Höchst interessant erscheint es, dass Friedrich der Grosse mit seinem 
allumfassenden Genie auch diese Verhältnisse berücksichtigte und mit altgewohn- 
tem Scharfblicke ganz entsprechend würdigte, wie dies aus mehreren Cabinets- 
Ordres hervorgeht, die er einst an den Pfleger der Potsdamer Anlagen, Planteur 
Sello, erliess, von denen wir nur eine ganz besonders charakteristische hier folgen 
lassen: 

„Se. Königl. Majestät von Preussen, unser allergnädigster Herr, haben in den 
Alleen hier herum wahrgenommen, dass die mehrsten von den jungen Bäumen, 
die das Jahr gepflanzt wurden, wieder ausgehen. Das kommt davon, weil den 
jungen Bäumen so wenige Wurzeln gelassen werden und besonders die Haupt- 
wurzel, die heruntergeht, so sehr abgekürzt wird, worauf es doch 
vorzüglich ankommt, denn wird sie nicht recht in Acht genommen, so kann 
der junge Baum nicmalen bestehen und fortkommen, weil ihm die beste Nahrung 
fehlt. Höchstdieselben befehlen demnach dem Planteur Sello und allen übrigen, 
die königliche Alleen zu bepflanzen und in Aufsicht haben, hierdurch alles Ernstes, 
sich mehr Mühe zu geben und mehr Fleiss darauf zu verwenden, damit die an- 
gepflanzten jungen Bäume auch ordentlich bekommen und besser fortgehen mögen 
und dahin zu sehen, dass die Haupt wurzel besser conserviret wird. Uebcrhaupt 
muss sich ein Jeder bei seinen künstlichen Pflanzungen besser vorsehen und in 
Acht nehmen, nicht nur gute und gesunde Bäume anzuschaffen, sondern auch 
hiernäehst den erforderlichen und schuldigen Fleiss darauf verwenden, damit das 
Geld und Kosten nicht immer vergebens weggeschmissen ist. Widrigenfalls Sc. 
Majestät in die Stelle desjenigen, der sich darum nicht mehr Mühe geben und für 
das Fortkommen der Bäume ordentlicher sorgen wird, einen andren Planteur 
anstellen wolle, der seine Schuldigkeit besser wahrnimmt. Wonach sich ein Jeder 
richten kann. 

Potsdam, den 4. August 1780." 

Die Sorge für alle diese Verhältnisse beschäftigte den grossen König fort und 
fort und noch unter dem 31. März 1786 wird dem Planteur Sello anbefohlen, nach 
Schlesien zu reisen, um weisse Tannenbäume für die Anlagen zu beschaffen, 
darauf aber zu sehen, dass ihre grosse Wurzel nicht lädirt und die kleinen nicht 
zerschnitten werden. (Aus dem interessanten Werke des Hof- Garten -Directors 
Jühlke: Die Königl. Landesbaumschule und Gärtner-Lehranstalt in Potsdam. Berlin, 
1872, S. 10 u. ff.) 



152 Jahres -Bericht 

turen um Millionen schädigte. In meinen bald erscheinenden Bei- 
trägen zur Morphologie der Bäume komme ich näher darauf zurück, 
wie auch auf das nicht minder verbreitete schädliche, bei dem Umsetzen 
zugleich geübte Abhauen der Aeste, welches sich auf den ganz boden- 
losen Satz, die Wurzel mit der Krone in Einklang zu bringen, gründet. 
Der am 25. Januar mit — 3,2° eintretende Frost beendigte nur vor- 
läufig jede Entwicklung. Mittlere Temperatur des Januars = 1,7 3°. 
Schneefall erfolgte vom 28. Januar bis zum 1. Februar in durchschnitt-, 
licher Höhe von 4 — 6 Zoll. Der Februar war kühler als der Januar, 
etwa nur 4 — 5 frostfreie Tage, doch niedrigste Temperatur nur einmal 
— 7°, Schneefall wenig; mittlere Temperatur des ganzen Monats =0,9 7°. 
Die Erde in unserem Garten am Ende des Monats auf von Schnee frei- 
gehaltenem Rasen nur 6 Zoll, in bearbeitetem lockerem Erdreiche 7 Zoll, 
unter der, auch im Februar noch mehrmals wechselnden, niemals mehr 
als durchschnittlich 4 Zoll betragenden Schneedecke 4 Zoll tief gefroren, 
noch viel weniger, ja kaum oberflächlich in unserem, nichts weniger als 
dichten Nadelholzwald unter leichter Nadeldecke. Am 4. März erschien 
hier im Garten der Boden überall durchgethaut. Die jeden Herbst zum 
Vorschein kommenden, aber im Winter stets zu Grunde gehenden Blüthen- 
knospen der Paulownia imperialis sind noch grün und lassen ihr Blühen 
im nächsten Monat erwarten, was in unseren Gegenden seit der etwa um 
1850 erfolgten Einführung nur einmal stattgefunden hat. Mehr als — 10° 
ertragen sie nicht, daher die stets getäuschten Hoffnungen. Die Frost- 
spalten unserer Bäume haben sich in diesem Winter nicht geöffnet, 
ihr festes Verwachsen im nächsten Sommer ist also zu erwarten, was 
insbesondere unseren im Laufe der vorangegangenen 3 Winter so viel- 
fach aufgesprungenen Obstbäumen sehr zu statten kommen und die 
Kernobstbäume vor Gummifluss und Rindensprung bewahren wird, welche 
Zustände gegenwärtig noch mit dem ganz unpassenden Namen Baum- 
krebs bezeichnet werden. Seit 1791, in welchem Jahre überhaupt hier 
mit Anstellung regelmässiger meteorologischer Beobachtungen begonnen 
ward, hat man hier noch niemals einen so milden Winter mit Tem- 
peratur von 7° (nur einmal Nachts — 9°), verbunden mit so wenig Schnee, 
im Ganzen nicht mehr als 11 — 12°, erlebt. Dem ohngeachtet sind die 
eben angeführten Ursachen, der Zurücktritt der höheren Temperatur in 
der Vegetationsschicht im Januar, die geringe Wärme des Februar und 
der Hälfte des März vollkommen ausreichend gewesen, um die gesammte 
Vegetation in der ebenfalls angedeuteten Weise zurückzuhalten, die in 
anderen Jahren nach sehr strengen Wintern oft viel weiter entwickelt war 
als gegenwärtig (31. März). Bulbocodium, Iris reticulata M. B., Eranthis, 
Crocus blühten nach schweren Wintern seit 1855 bis heut in 10 ver- 
schiedenen Jahren stets Anfang März oder gar Ende Februar, am frühesten 
1866 am 8. Februar. Die mittlere Temperatur des März beträgt -f-3,79°. 



der Fehles. Gcsellsch. f. vaterl. Cultur. 153 

Wenn wir nun versuchen, aus allen diesen zum Theil so anomalen Vor- 
gängen für das Gesamintleben der Pflanzen überhaupt einige Resultate zu 
ziehen, so ergiebt sich hieraus, dass die Temperatur Verhältnisse 
das ganze PHanzenleben vorzugsweise beherrschen, das fast ganz von 
ihnen abhängig erscheint, so dass an eine typische Veränderung, von der 
jetzt so viel gesprochen wird, ohne wesentliche Umgestaltung derselben 
nicht zu denken ist. Am beweglichsten erscheinen unsere einjährigen auf 
organische Thätigkeit ihrer Wurzeln weniger angewiesenen Gewächse, 
von denen 113 Arten beobachtet wurden. 

Die meisten keimen schon früh im Sommer, blühen am Ausgange 
desselben und wachsen in den Herbst und Winter hinein, je nachdem die 
Temperaturverhältnisse es gestatten, wobei aber auch natürlich individuelle 
Verhältnisse sich geltend machen. Die niedrigen, unsere Aecker und 
Gärten bewohnenden, mit langhingestreckten Aesten versehenen Arten, 
wie Veronica hederaefolia, persica, Vaillantia^ Stellaria media u. v. a. er- 
halten sich unter Schutz des Schnees in jedem Winter, darüber hervor- 
ragende erliegen, entfernt man absichtlich den Schnee, wie ich in den 
kalten Wintern 1829/30, 1830/31, 1870, 1871/72 mehrfach beobachtete, 
werden bei — 20° selbst die härtesten, wie Alsine media, Poa annua, eben- 
falls getödtet. 

Die perennirenden Gewächse folgten nicht so willig und hin- 
gebend der herrschenden Strömung. Im Laufe des ganzen Winters kam 
es bei ihnen nicht zur Entwickelung eines einzigen hervorragenden blüthen- 
tragenden Siengels. Wie ich schon in der ersten Mittheilung bemerkte, 
trieben sie nur bis zur ersten Kälteperiode, den 13. December 1872, und 
zwar nicht unmittelbar aus der Wurzel, sondern nur aus etwa noch vor- 
handenen mehr oder weniger erhaltenen primären Achsen, oder von 
Seitenzweigen, Blüthen, die meistens den früheren an Zahl und Grösse 
nachstanden, mit alleiniger Ausnahme einiger kleinen Potentillen, wie 
Potentilla Günther i und argentea^ welche selbstständige Zweige aus den 
Aesten des Wurzelstockes zum Vorschein brachten. Die über den Boden 
aus der nur schwachen Schneelage hervorragenden wurden durch die 
Decemberkälte auch noch vernichtet. Es blieben nur die grünen Wurzel- 
oder richtiger Winter-Blätter, wie ich sie nenne, zurück, wie sie in 
jedem Winter sich erhalten und erst im Frühjahr nach Hervorsprossen 
der neuen vertrocknen. Sie bilden, wie ich schon im Jahre 1829 nach- 
gewiesen habe, nebst den inneren Blättern der perennirenden, stark be- 
stockten Gräser und Cyperaceen den grünen Rasen, der auch nach dem 
härtesten Winter unmittelbar nach dem Schmelzen des Schnees das Auge 
erfreut und in früheren Zeiten, jetzt wohl nicht mehr, als Product winter- 
licher Vegetationsthätigkeit angesehen wurde. Als recht augenfällige Bei- 
spiele führe ich hier an mehrere Farne, vor allen Aspidium aculeatum, 
dann auch Aspidium Filix mas und spinulosum (nicht femina oder alpestre, 



154 Jahres -Bericht 

die zeitig iin Herbste vertrocknen), Polypodium vulgare, Asarum europaeum, 
das sich deswegen vorzugsweise zur sogenannten Wintergärtnerei eignet. 
Den als wahre Winterblutnen bezeichneten Ilelleborus und Bellis schlössen 
sich in dieser Hinsicht für diesmal die im December und Januar aus- 
nahmsweise zur Blüthe gelangten Frühlingsgewächse an, wie Eranihis, 
Primula, Hepatica, Galanthus, Leucojum, insofern sich ihre Blüthezeit durch 
die Unterbrechung, welche sie durch die kalten Tage des Februar erfuhren, 
auf 3 Monate bis in den März hinein verlängerte. 

Leberblumen und Primula erlangten auch erst in diesem Monat ihre 
vollständige Ausbildung, woraus sich dann unter anderen auch die Un- 
natur dieses ganzen Verhältnisses klar herausstellt. 

Bäume und S trau eher folgten nur äusserst langsam der ungewöhn- 
lich erhöhten Temperatur. Die mit Deckblättern versehenen Knospen 
waren zwar sichtlich angeschwollen, die geöffneten der Sambucus Hessen 
die Blätter deutlicher erkennen, doch hüllten die grossen Deckblätter von 
Cornus mascula noch ihre Blüthe ein, welche schon länger als 4 Monate 
vorher eine ungewöhnliche Ausbildung erlangt hatten. 

Inzwischen fehlt es hier nicht an einigen merkwürdigen Ausnahmen 
isolirter Entwickelung einzelner Holzgew ächse, für welche 
ich keine nähere Ursache anzugeben vermag. So stäubte bereits am 
10. December ein unter Schutz von Fichten, also keineswegs ganz und 
gar dem Sonnenschein ausgesetzter Strauch von Corylus Avellana, ent- 
wickelte auch sogar weibliche Blüthen, während bei allen anderen in 
unserem Garten und anderswo in der Umgegend von Breslau, weder im 
Januar noch Februar, sondern erst im Anfange des März das Stäuben 
der Kätzchen erfolgte. 

Wo möglich noch merkwürdiger erschienen zwei Knospen von 
Aesculus rubieunda mit bis zu 2 Zoll Länge ausgewachsenen Blättern, die 
Herr Lösener auf unserer Promenade am 20. Januar an einem Baume 
fand, dessen übrige Knospen sich sämmtlich erst Ende des März öffneten. 

Es erinnert dies Vorkommen an den berühmten Kastemienbaum des 
20. März in Paris, dem Jahrestage der Geburt des Königs von Rom und 
der Landung von Bonaparte in Cannes 181 b, von dem ich jedoch nicht 
weiss, ob ihn nicht schon längst das Geschick der Vendome -Säule 
erreicht hat. 

Wenn wir aber nun, abgesehen von diesen Ausnahmen, das Verhalten 
des Kernes unserer Vegetation, das der perennirenden Gewächse im Gan- 
zen und Grossen erwägen, sehen wir doch, dass unter allen Umständen 
die Natur sie zu einer gewissen Ruhe in der winterlichen Zeit bestimmt, 
in welcher ihre ganze Lebensthätigkeit sich auf innere organisch- chemische 
Processe beschränkt, die zu ihrer späteren Entwickelung wesentlich noth- 
wendig sind. Nur dann wird sie unterbrochen, wenn hohe Kältegrade 



der Schles. Gcsellsch. f. vaterl. Cultur. 155 

das Erstarren ihrer flüssigen Theile veranlassen, wie dies freilich bei uns 
in jedem Winter in höherem oder geringerem Grade stattfindet. Insofern 
es aber Pflanzen giebt, die unter ihren gewöhnlichen normalen Verhält- 
nissen niemals gefrieren, fehlt es auch nicht an Ausnahmen von 
dieser Regel, und dies sind, meinen Beobachtungen zufolge, die unter 
dem Schutze der Eisdecke in der Tiefe der Gewässer sprossenden 
Wasserpflanzen, welche ich in Folge dessen auch benutzte, um die 
niedrigsten Wärmegrade zu bestimmen, bei denen überhaupt noch Wachs- 
thum erfolgt. Dass Samen von Camelina sativa bei ■+- 1,5 bis -+- 2° noch 
keimen, hatte ich früher schon gefunden, zu vorliegenden Versuchen wählte 
ich die in unserem Graben mit stehendem Wasser wachsende Nymphaea 
lutea, Villarsia nymphoides und Anacharis Aisinastrum. Zwei Sprossen von 
jeder der beiden ersten Pflanzen von zugespitzter kegelförmiger Gestalt 
mit vollkommen eingerollten Blättern, ebenso die Anacharis, wurden vor- 
sichtig aus dem Wasser gehoben, gemessen und wieder in 4 Fuss Tiefe 
am 28. October 1871 in den Graben versenkt, der sich schon am 
25. October mit einer dünnen Eisdecke überzogen hatte, die bis zu Ende 
des Versuchs, bis zum 9. Januar, sich bis zu 1 Fuss Dicke verstärkte. 
Mittlere Temperatur des November — -h 1,16°, niedrigste Temperatur 
— 4,6°, die mittlere des December 3,5°, die niedrigste — 19°. Die Tem- 
peratur des Wassers schwankte zwischen -+- 2 und 3°, der neben dem 
Wassergraben befindliche Gartenboden unter der nur schwachen Schnee- 
decke war Anfang des Januar 6 Zoll tief gefroren. Das Wachsthum der 
Nymphaea und Villarsia betrug in dieser Zeit, also nach etwas über zwei 
Monaten, 2 x / 2 Zoll, die Anacharis hatte 1 Zoll lange Sprossen getrieben. 
Diese überaus niedrige Temperatur war also ausreichend gewesen, um 
noch Wachsthum zu vermitteln. Uebrigens ist der Schutz des Wassers 
für Erhaltung unserer in der Tiefe wurzelnden Wasserpflanzen sehr noth- 
wendig, da für Wurzeln von Nymphaea, für Aldrovanda, Myriophyllum, 
Utricularia schon wenige Kältegrade tödtlich werden. Ist die Wasser- 
schicht so niedrig, dass sie bis auf den Grund ausfriert, werden die 
Pflanzen meist getödtet. Hierin liegt ein Hauptgrund des zeitweisen Ver- 
schwindens derselben. 

Uebrigens war die milde Witterung in ganz Deutschland verbreitet. 
Im Norden bei Berlin nach den Herren Dr. Bolle und Ascherson, im 
Süden aus Hohenheim (Herr Prof. Dr. Fleischer), aus dem Westen 
Deutschlands liefen ähnliche Berichte ein. Um einen möglichst genauen 
Anhaltspunkt der Vergleichung zu gewinnen, benutzte ich die Anwesen- 
heit eines kundigen und scharf beobachtenden Freundes, Herrn v. Thiel au, 
in Wiesbaden und ersuchte ihn, mir Knospen einer Anzahl auch bei uns 
wachsender Bäume und Sträucher zu senden. Bei Vergleichung der ersten, 
am 12. December hier angelangten Sendung ergab sich, dass die Ent- 
wickelung in dem sonst viel wärmeren Wiesbaden sich gerade so ver- 



156 Jahres -Bericht 

hielt, wie in unserer Gegend, deren mittlere Temperatur um fast ■+- 2°'*) 
niedriger ist. Im Januar machte die Vegetation viel grössere Fortschritte, 
daher eine fernere Vergleichung Resultate nicht mehr liefern konnte. 

Eigentliche Winterkälte herrschte im vergangenen Winter in Nord- 
Amerika („Times" 8. Februar 1873). Der 29. und 30. Januar 1873 waren 
die kältesten Tage in diesem Winter, und in einigen Gegenden die käl- 
testen, die dort überhaupt beobachtet wurden. Die „Polarwelle", wie sie 
die amerikanischen Zeitungen nennen, bewegte sich von West gegen Ost, 
indem der kälteste Tag im Missisippithale der 29. Januar, an der Küste 
des atlantischen Meeres aber der 30. Januar war. Am 29. Januar stand 
das Thermometer am niedrigsten in Coony (Pennsylvanien) — 37,7° C. 
und in Sparta (Wisconsin) — 40° C, am 30. im Osten, während die 
Temperatur etwas gestiegen war, zu Mauch Chunk in Pennsylvanien 
— 37,7° C, in Philadelphia selbst zwischen —23 bis 26° C, die tiefste 
Temperatur, die jemals dort beobachtet worden ist. 

Diese für Amerika so strenge Kälte wurde für Europa durch einen 
sehr gelinden Winter compensirt, wie dies schon mehrfach beobachtet 
worden ist, und beweist aufs Neue den Dove'schen Satz, dass die Ur- 
sachen der Wärme nicht cosmischen Ursprungs sind, indem die Ab- 
weichungen niemals local auftreten, sondern stets auf grosse Strecken ver- 
breitet sind und sich allemal in der W r eise compensiren, dass einem 
Wärmemangel an der einen Stelle der Erdoberfläche ein Wärmeübersehuss 
an einer anderen Stelle entspricht. 

Nachschrift, den 20. Juni 1873. Dem eben geschilderten so mil- 
den Winter sollte noch ein trauriges Nachspiel folgen. Schon die 2 bis 
3 Grad kalte Nacht vom 22. bis 23. April war nicht ohne Nachtheil für 
die Vegetation vorübergegangen. Bedenklicher sah es am Morgen des 
24. aus, nach einer nächtlichen Temperatur von — 5° (im Freien viel- 
leicht — 7°), die sich erst gegen 10 Uhr früh bis auf — 0° erhob. Steif 
gefroren boten die krautartigen Pflanzen des botanischen Gartens einen 
merkwürdigen Anblick dar. Die Stengel der büschelartig wachsenden 
lianunkuleen, wie Paeonien, Delphinien, Adonis, der Potentilleen, Dielytra, 
Papilionaceen u. s. w., excentrisch mit nach der Erde gebogener Spitze, 
Einzelpflanzen, wie Raps, Kohlblüthe, nur nickend, Blätter von beiden 
Seiten nach unten gerollt, Stengel von Liliaceen, blühende, wie 2 
bis 2 x / 2 Fuss hohe Kaiserkronen, Hyazinthen, Tulpen und nicht blühende, 



*) Ascherson vergleicht unsere damaligen Vegetationsverhältnisse mit Recht 
mit denen der Mittelmeer-Region. In der That entwickelt sich z. B. Galanthus 
nivalis in Fiume stets am Anfang des Januar, 1869 am 9. Januar, 1870 am 7. Januar, 
1871 am 3. Januar (Fritsch, Oesterr. Zeitschrift für Meteorologie 1871, S. 60), 
wie dies ausnahmsweise bei uns auch der Fall war. 



der Schles. Gesellsch. i. vaterl. Cultur. 157 

nicht gebogen, sondern mit steif anliegenden Blättern platt auf den Boden 
gestreckt. Alle erholten sich allmälig im Laufe des Tages und kehrten 
nach 4 bis 5 Stunden in ihre frühere Lage zurück- der zierliche Sauer- 
klee behielt die zurückgeschlagenen Blätter noch mehrere Tage bis zur 
Wiederkehr höherer Temperatur von -+- 10°. Nur die Japanische Flora 
erfuhr dauernden NachtheiL Das Laub der bereits schon üppig vegetiren- 
den krautartigen und die eben entwickelten, mit ganz jungen Trieben 
versehenen Holzpflanzen waren erfroren und vertrockneten alsbald, so 
dass man sie zu Pulver zerreiben konnte. Zu ersteren gehörten die 
bereits 4 Fuss hohen Polygonum spicatum S. et Z. (Sieboldi), Anemone 
japonica S. et Z., Clematis japonica, Epimedium Ikariso, macranthum Decaisne, 
Aralia edulis, Funkia spathulata, Tricyrtis hirta Dec, zu den letzteren Cordia 
thyrsißora, Catalpa Kämpfen, Diospyros Kahl, Indigofera Dojua, Diospyros 
pubescens, Kaki, Deutzia Fortunei, Fraxinus mandschurica, Kblreutera japonica, 
Callicarpa gracilis, Rhus succedanea, Sophora japonica, Vitis rupestris, Hydrangea 
japonica, welche sämmtlich sonst bei uns fast ohne Schutz ausdauern. Jedoch 
erholten sie sich sämmtlich nach wenigen Wochen, die perennirenden 
krautartigen aus Wurzeltrieben, die holzigen aus den der getödteten 
Gipfelknospe zunächst liegenden seitlichen Knospen. Dies Letztere er- 
folgte auch auf ganz gleiche Weise bei den Eichen, die sämmtlich, nord- 
amerikanische Q. rubra, coccinea, Castanea, alba, palustris; mongolica, 
macrocarpa, obtusifolia, pannonica, Phellos etc., wie einheimische Q. Robur, 
peduneidata und Cerris auf gleiche Weise erfroren waren, wie auch 
Juglans regia, Pterocarya caucasica, Celtis occidentalis, Chimonanthus fragrans, 
Ficus Carica, Rhus Toxicodendron, Calycanthus ßoridus, Cissus orientalis } 
Cytisus Laburnum, Weldeni, Weiss- und Rothbuchen, hie und da auch Ross- 
kastanien. Der Weinstock hatte bei uns nur an sehr geschützten Stellen 
an der Spitze Blättchen getrieben, welche allerdings erfroren waren, 
jedoch erstreckte sich auch hier, wie bei allen anderen vorgenannten, die 
Wirkung nicht über den Bereich des Knospenkegels hinaus, nicht 
auf den Markcylinder oder die Markstrahlen, wie dies bei unseren Obst- 
bäumen in Folge von Winterfrösten vorkommt. Für die Zukunft des- 
selben war also für den Wein stock eben so wenig etwas zu besorgen, wie 
für alle anderen genannten affizirten Pflanzen. Auch am Rhein, wo er schon 
mehr Blätter als bei uns getrieben hatte, sollen sich die Aussichten 
viel günstiger gestalten, als man unmittelbar nach dem 
Froste erwarten konnte; am wenigsten ist wohl einzusehen, warum, 
wie es häufig hiess, auch für die nächstjährige Weinernte man gerechte 
Besorgnisse hegte, alles reine Sensationsnachrichten, die nur dazu dienen, die 
Preise der Weine über die Gebühr zu steigern. Aehnliches hat sich bei uns 
auch besonders bei dem Raps erwiesen. Die in voller Blüthe stehenden 
Hauptachsen hatten besonders auf den dem Winde sehr ausgesetzten Feldern 
sehr gelitten, die Pistille waren braungelblich gefärbt und ganz erschlafft, 



158 Jahres-Bcricht 

jedoch die später erst blühenden, zur Frostzeit noch wenig entfalteten Seiten- 
achsen ersetzten aber diesen Verlust später hinreichend und diejenigen Eigen- 
thünier sind daher sehr zu bedauern, welche, zu früh verzweifelnd, bald zum 
Unterackern grosser Massen geschritten waren. Nicht selten wurden Längs- 
spalten in der Spiraldrehung der Stengel beobachtet, die sich oft bis auf den 
4., ja selbst den 3.Theil ihrer Länge erstreckten, ob stets nur Folge des Frostes 
wurde vielfach bejaht, von anderer Seite aber auch widersprochen. Die um 
die Frostzeit schon verblühten Aprikosen setzten Früchte an und haben sich 
erhalten, ebenso die noch nicht entfalteten Aepfel und meist auch die 
Birnen, die nur zum Theil blühten; Kirschen standen bei uns in voller 
Blüthenpracht, Blüthen ohne Deckung, d. h. ohne Schutz durch über- 
oder auch seitlich stehende Zweige, zeigten braune Flecken und dann 
stets auch Affectionen der Pistille, die bald ganz schwarz wurden, 
häufig auch wenn Blumenblätter nicht gebräunt erschienen. Wo nur aber 
irgend in Folge von Lage und Verhältniss der Höhe, wenn sie auch nur 
wenige hundert Fuss betrug, die Entwickelung etwas zurückgeblieben war, 
machte sich ein nachtheiliger Einfluss niederer Temperatur nicht geltend, 
der überhaupt eigentlich für unsere ganze Provinz glücklicherweise nur 
sehr gering anzuschlagen ist. In unserem botanischen Garten waren ferner 
noch erfroren: die eben entfalteten Blüthen der sonst stets im Freien stehen- 
den Rhododendron caucasicum, Magnolia Yulan, von südlichen Pflanzen noch 
die Blätter von Borayo Orientalis, während merkwürdigerweise eine Menge 
strauchartiger Cistus- Arten, etwa 25, die bereits seit dem 10. April in's 
Freie gestellt worden waren, diese bedeutend niedere Temperatur, ganz 
gegen die Gewohnheit anderweitigen Verhaltens südeuropäischer Gewächse, 
bei uns ohne Nachtheil ertragen hatten, vielleicht in Folge des Harz- 
gehaltes ihrer Säfte. 

In einem benachbarten Garten waren junge Erbsen, in der Baum- 
schule der Gartenbau-Section Tausende von jährigen Kirschbäumchen er- 
froren, welche letzteren einen starken Geruch nach Blausäure verbreiteten : 
das der Blausäure gleichriechende ätherische Oel entwich mit der Feuch- 
tigkeit. 

Zu dem nachstehenden Verzeichniss lieferten Beiträge auf dankens- 
werthe Weise die Herren Unverricht in Myslowitz, Zimmer in 
Striegau, die Herren B. Stein, Schumann, Knebel und L. Becker 
in Breslau. 

Verzeichniss 

der bis zum 11. December 1872 blühend gefundenen Pflanzen. 

(* bezeichnet exotische Gewächse meist des botanischen Gartens.) 
Monokotyledoneen: 
Poa annua (Striegau), trivialis L. Arrhenatherum elatum. Dadylis 
glomerata (Striegau), Breslau. Lolium perenne, L. temulentum L. * Seeale 



der Schles. Gesellsch. f. vateii. Cultur. 159 

cereale (Striegau). Festuca gigantea Mysl. * Avena sativa (Striegau), 
Hierochloe odorata. Hordeum murinum L. * Hordeum distichum, der Reife 
nahe. Alopecurus pratensis L. Bromus mollis L. Phleum pratense Br. 
* Phalaris canariensis. Luzula campestris, Proskau. * Tradescantia virginica. 

Dikoty ledo neen : 

Corylus Avellana, nur ein Strauch im botan. Garten den 10. December 
stäubend. Urtica urens L. Urtica dioica L. Barietaria erecta Koch. 
Chenopodium album L. (Striegau), murale, bonus Henricus Br. Amarantus 
retroßexus, Proskau. Rumex crispus, Striegau, Acetosa. Plantago lanceolata, 
Striegau. Daphne Mezereum, botan. Garten. Armeria vulgaris, Plantago 
lanceolata Br. Valerianella Cornucopiae. Scabiosa arvensis, Striegau. Sca- 
biosa ochroleuca (Striegau) Br., *purpurea. Tussilago Petasites L. Tussilago 
Farfara, mit ganz ausgebildeten Knospen, Obernigk. Erigeron acris L. 
Erigeron canadensis (Striegau). Bellis perennis L. Solidago Virgaurea, 
Striegau. Calendula offtcinaüs (Proskau). Inula salicina, Gogolin. Anthe- 
mis arvensis (Striegau), Colula L., Clirysanlhinodorum Br. Anthemis 
tinctoria. Achillea Millefolium L. Achillea magna. Matricaria Chamomilla 
L. (Striegau), Silybum marianum. Artemisia campestris L., Striegau. 
Tanacetum vulgare L. (Striegau), '" Stenactis annua. Helichrysum arenarium 
(Striegau, Obernigk). Helichrysum luteo- album. '''Helichrysum bracteatum. 

* Chrysanthemum coronarium. * Helianthus annuus. * Tagetes patula. * Xeran- 
themum annuum, Proskau. * Galinsoga parvißora. * Pyrethrum Parthenium. 
*Pyrethrum sinense. Senecio vidgaris (Striegau) Br. Senecio vernalis L. 
(Gogolin). Senecio Jacobaea L. , Striegau, Br. Senecio viscosus L. 
Striegau. Senecio silvaticus L., Striegau. Carlina vulgaris L., Obernigk. 
* Centaurea Cyanus (Striegau, Gogolin in Menge). Centaurea Jacea 
(Striegau). Centaurea paniculata, Striegau. Centaurea Scabiosa^ Striegau. 

* Centaurea austriaca. * :: * Centaurea tenuifolia. Carduus acanthoides L. 
(Proskau) Breslau. Lappa minor W. Lappa tomentosa W. Cirsium 
oleraceum DC. Onopordon Acanthium L. * Georgina variabilis. Lampsana 
communis L. Apargia auctumnalis, Striegau. Taraxacum officinale (Striegau). 
Sonchus oleraceus (Striegau) asper Vill. Crepis tectorum L. (Striegau). 
Crepis biennis, Striegau, virens. Hieracium Pilosella L., Striegau, Obernigk. 
Hieracium cymosum L. var. poliotrichum, Striegau. Hieracium murorum L., 
Striegau. Hieracium rigidum L., Striegau. Hieracium sabaudum L. Hieracium 
crocatum. *Galinsoga parvißora Schk. - Calliopsis ßmbriata Seh. * Lobelia 
Erinus L. * Lobelia grandijlora L. Jasione montana^ Obernigk. Phyteuma 
spicatum, Striegau. Campanula patula (Striegau). Campanula persici- 
folia, Striegau. Campanula glomerata, Striegau. Campanula cervicaria L. 
Campanula rapuneuloides L. (Obernigk) Br. Campanula rotundifolia, 
Obernigk. Galium verum, Striegau. Galium aristatum, Striegau. Sherardia 
arvensis (Striegau). * Aspenda azurea setosa. Sambucus racemosa, 



160 Jahres- Bericht 

die Bliilhen stark entwickelt. - Salvia pomifera L. *Origanum hirtum L. 
Thymus Acinos L. , Striegau. Thymus Serpyllum L. , Striegau. Prunella 
vulgaris, Striegau. " Nepeta camphorata W. * Nepeta Nepetella W. Lamium 
album L. Lamium amplexicaule L. (Gogolin). Lamium purpureum L. 
(Striegau). Lamium maculaium L., Striegau. Galeopsis Ladanum L. 
(Gogolin). Stachys recta L., Gogolin. -Stachys subcrenata L. * Stachys 
saiureioides L. Ballota nigra L. (Striegau, Proskau). * Verbena hybrida 
L. * Convolvulus tricolor L. Cerinthe minor L. } Myslowitz. Echium vulgare 
L. (Striegau, Gogolin). IÄthospermum arvense L. } Myslowitz, Striegau. 
Echium vulgare L. Anchusa officinalis L. Anchusa arvensis. * Borago 
officinalis, Proskau. * Nieotiana paniculata W. * Petunia violacea. Solanum 
nigrum L. (Proskau). Solanum miniatum Beruh., Proskau. Solanum 
tuberosum, mit wallnussgrossen Knollen und % Fuss hohen Stengeln). 
Verbascum Lychnitis L., Proskau. Verbascum phlomoides L. , Proskau. 

* Antirrhinum majus. * Verbena Melindris. * Digitalis lanata L. Veronica 
praecox. Veronica Buxbaumii (Striegau, Proskau). Veronica serpyllifolia 
L., Proskau. Veronica arvensis L. } Striegau. Veronica chamaedrys L., 
Striegau. Veronica hederaefolia, weit entwickelt. Penstemon Murray anum. 
Primula veris, * Auricula , * cortusoides. Anagallis phoenicea (Striegau, 
Obernigk). * Phlox Drummondi. *Gilia achilleaefolia. Astrantia major L. 
Eryngium planum L. Pimpinella Saxifraga L. (Striegau). Pastinaca 
sativa. Aethusa Cynapium L. (Proskau). Aegopodium Podagraria. 
* Anethum Foeniculum, 1 /< 1 bis 1 Fuss hoch. Seseli annuum, Striegau. 

* Anethum graveolens L. ''' Peucedanum austriacum L. Heracleum Sphon- 
dylium L. Daucus Carola sylvestris (Striegau). Conium maculatum L. 
Ranunculus acris (Striegau, Breslau). Caltha palustris. Ranunculus nemo- 
rosus DC. * Ranunculus anemonefolius , Sardous Crtz. Helleborus niger 
(Breslau, zu Proskau, wo verblüht, mit grossen Karpellen). *Nigella 
arvensis , Gogolin. * Delphinium Ajacis. D. Consolida. Chelidonium 
majus. * Vesicaria utriculata. Arabis Thaliana^ Striegau, Gogolin. Ber- 
teroa incana DC. (Obernigk). Erophila vulgaris DC, Gogolin. Ca- 
melina sativa. Thlaspi arvense DC. (Striegau). Thlaspi campestre^ 
Gogolin, Proskau. * Lepidium sativum. Sisymbrium officinale (Striegau). 
Sophia, Thalianum. Erysimum cheiranthoides (Proskau). Arabis arenosa 
(Mysl.). '"" Cheiranthus Leucojum : * Cheiri. * Maithiola incana, Proskau. 
* Eruca sativa DC.^ Proskau. * Iberis umbellata. * Camelina sativa DC. 
Capsella bursa pastoris Cr. (Striegau, Gogolin, Proskau). Lepidium 
ruderale L. (Striegau). * Brassica oleracca L. * Brassica Napus L. 
* Brassica Rapa annua L. * Smapis nigra L. (Gogolin, Proskau), arvensis. 
Raphanus Raphanistrum L. (Striegau, Gogolin). * Raphanus sativus, 
(Proskau). * Reseda odorata L. (Proskau). * Helianthemum roseum. 
Viola tricolor L. (Striegau, Proskau). Viola odorata 7>. (fl. alb. 
Proskau und im November zu Sagan, Hirschberg etc.). Illecebrum ver- 



der Schles. Gesellseh. f. vaterl. Cultur. 1G1 

ticillatum, Gogolin. Herniaria glabra L. } Gogolin. Spergula arvensis L. 
(Striegau). Scleranthus annuus (Gogolin). Scleranthus perennis L., Gogolin. 
Alsine media L. (Striegau). Arenaria serpyllifolia L. (Striegau). Arenaria 
rubra L. * Stellaria Holostea. Cerastium vulgalum (Striegau). Saponaria 
officinalis. Dianthus arenarius L. Dianthus carthusianorum L. P Striegau. 
* Dianthus trifurcatus L. * Gypsophila acutifolia L., Proskau. *Gypsophila 
sabulosa W. Gypsophila muralis L., Striegau. Lychnis dioica W. 
(Striegau). Lychnis diurna W., botan. Garten. * Lychnis chalcedonica L. 
Agrostemma Githago, Gogolin; um Breslau der Blüthe nahe. Malva 
neglecta W. } Striegau, * orispa, *mauritiana. Malva borealis W. (Proskau). 
Malva silvestris W., Proskau. * Althaea rosea L. Euphorbia helioscopia L. 
Euphorbia Peplis L. Euphorbia Lathyris (botan. Garten). Erodium cicutarium. 
*"* Pelarganium inquinans. * Pelargonium zonale. Geranium pusillum (Striegau). 
Geranium pratense L. Geranium columbinum L., Striegau. Geranium 
Robertianum L., Striegau. * Linum usitasissimum Z. , 1% — 2 Fuss hoch, 
verblüht und mit Knospen. *Oenothera mollis 1j., *Tropacolum majus. 
Rosa canina L., Striegau, * semperflorens. Rubus Idaeus X. (Proskau: 
mit Blüthen und Früchten). Fragaria elatior L., Proskau. Potentilla 
argentea L, (Striegau). Potentilla Güntheri W. Potentilla alba L. Potentilla 
recta L. } Striegau. Aphanes arvensis L. *Geum Raßnesqueanum Ljehm. 
*Geum rubellum Ij. *Pyrus japonica. Sarothamnus vulgaris, Obernigk. 
Genista tinctoria Tj. * Cytisus hirsutus ]j. Anthyllis L. Melilotus vulgaris, 
Striegau. Medicago falcata L., Striegau. Trifolium arvense L. (Striegau). 
Trifolium pratense L. (Striegau, Gogolin). Trifolium repens X., Striegau. 
Trifolium montanum L. } Striegau. Trifolium alpestre L., Striegau. Trifolium 
agrarium Ij., Striegau. Trifolium filiforme L., Striegau. Vicia tetrasperma 
L., Striegau, cracca. * Vicia sativa i., 2 Fuss lang. '"' Vicia Faba L. 
*Pisum sativum £., 2 Fuss lang, im August gesät, lieferte am G. December 
noch ein Gericht. Ornithopus perpusillus, Obernigk. '"" Lupinus luteus. 
*Ruta graveolens L. *Tropaeolum majus L., Proskau. * Philadelphus coro- 
narius L., Proskau. 

Mehrere Pilze wachsend: Polgporus igniarius, velutinus, Thelephora 
hirsuta, Agaricus fascicularis, velutipes, lateritius und einige andere. 

Von obigen 228 Arten sind 64 ausländische und 164 wildwachsende, 
113 einjährige und 115 mehrjährige. Unter ihnen befinden sich 12 Mo- 
nocotyledonen (9 Gräser), 9 Apetalen, 103 Monopetalen (worunter allein 
48 Compositen und 16 Labiaten), 125 Polypetalen, worunter 18 Crucifloren, 
19 Caryophylleen und ebensoviel Papilionaceen. 



11 



1C2 Jahres-Bericht 

Herr Obergärtner Stein legte im Auftrage des Herrn R. v. U echtritz 
nachstehende Funde neuer Arten resp. neuer Standorte seltener Arten vor: 

Die bemerkenswerthesten Ergebnisse der Durchforschung der schlesischen 

Phanerogamenflora im Jahre 1872, 

zusammengestellt 

von 

K. v. I iM'liti'il/. 

A. Neue Arten und Formen für Schlesien. 

Silene conica L. in einer zwischen Aeckern gelegenen sandigen Kiefern- 
schonung zw. Polnisch-Nettkow u. Rothenburg a/O. b. Grünberg 
(Hellwig). 

Petasites officinalis Mnch. var. fallax Üechtritz, Kronen der Zwitterpflanze 
blaurosa, fast weiss, Blätter unterseits ziemlich stark filzig. 
Bachufer im Zeiskengrunde bei Freiburg, mit der Grundform, 
ohne P. albus (Stein). 

Carduus crispus x Personataf Köpfe, Köpfchenstiele, Hüllen von C. Personata, 
Blattform und übrige Merkmale von C. crispus. Kirche Wang 
im Riesengebirge, mit und als C. crispus 1866 lebend von Dr. 
Ascherson mitgetheilt. Auch von Neilreich wurden Zwischen- 
formen zwischen beiden sonst gut unterschiedenen Arten bemerkt 
(cfr. Fl. v. Nieder-Oesterreich), die wohl ohne Zweifel richtiger 
als Bastarde zu deuten sein möchten. 

Cirsium acaule x lanceolatum Näg. Eine von der beschriebenen ab- 
weichende Form, dem C. acaule var. caulescens nahe kommend, 
aber verschieden durch die mehr in die Länge gezogenen Zipfel 
der unter sich entfernteren Fiederabschnitte der Blätter, durch 
die nicht cylindrischen Köpfe, schwache, aber deutliche spinn- 
webige Hüllen und die mit einer kurzen, etwas stechenden Dorn- 
spitze versehenen äusseren Hüllblätter. Strehlen, in den Peter- 
witzer Mergelgruben, drei ziemlich conforme Exemplare. August 
1855 (üechtritz). 

Hieracium nigritum Üechtritz n. sp. Einerseits ungefähr zwischen H. atratum 
Fr. und //. vulgatum Fr. in der Mitte stehend, andererseits wegen 
der, wenn auch nur schwach, halbumfassenden oberen Blätter 
mit den Alpestribus nahe verwandt. Von Celakowsky, dem ich 
diese meines Erachtens neue Art mittheilte, fragweise als H. Epi- 
medium Fr. bezeichnet; eine Bezeichnung, mit der ich nicht ein- 
verstanden bin. Kl. Teich im Riesengebirge. (Diagnose folgt später.) 

H. juranum Fr. Kessel an der Kesselkoppe (Trautmann). Krkonos 
(K. Knaf). 

//. barbatum Tsch. (IL racemosum auct. ex p.). Dem //. boreale wohl ähn- 
lich, aber sofort durch den traubigen Blüthenstand, die kurzen 



der Schles. Gescllsch. f. vaterl. Cultur. 1C3 

Köpfchenstiele und die blassgrüne Farbe der Hüllschuppen leicht zu 
unterscheiden. Diese südosteuropäische Art findet bei uns die 
Nordgrenze der Gesammtverbreitung. Vielleicht gehört auch H. 
tenuifolium Host hierher, nicht zu H. boreale, wie Fries meint. 
Ludwigsdorfer Berge bei Schweidnitz mit //. boreale (F. Peck). 

Pmnella laciniata L. ß. coerulea (P. hybrida Knaf). In Gesellschaft von 
P. laciniata, aber viel seltener als die Normalform. Mordbüschel 
bei Gnadenfeld O/S. (A. Menzel). 

Anagallis arvensis L. var. decipiens Uechtr. Krone trüb blau (nicht himmel- 
blau wie bei A. coerulea), aber der Saum deutlich drüsig ge- 
wimpert. Stets nur vereinzelt unter der typischen rothen Form 
vorkommend und wohl oft mit A. coerulea verwechselt. Hinter 
Kleinburg und auf den Kräutereien um Breslau (Uechtritz). Seydorf 
bei Warmbrunn (Bachmann). Am Proviant- Magazin im Fort I. 
in Schweidnitz (F. Peck). 

Rumex Steinii Becker, Am Teiche des botanischen Gartens unter R. con- 
glomeratus und R. maritimus wild. Juli 18G3 (Uechtritz). Am 
Standorte fehlte damals R. obtusifolius, doch scheint unsere Pflanze 
eher eine Hybride dieser Art und des R. maritimus und ist von 
ß. Knafii Celakovsky verschieden, dagegen allem Anschein nach 
der echte R. Steinii. 

Malaxis paludosa Sw. Auf einem Torfmoor zwischen Raspenau und dem 

Stritt bei Friedland (Kr. Waidenburg) sehr sparsam mit Eriophorum 

alpinum und vaginatum (Fick). 
Lilium Martagon L. forma tigrina. Schwarze Flecke der Perigonalblätter 

sehr gross, oft zusammenfliessend. Buchberg bei Reimswaldau 

im Waidenburger Gebirge (M. Firle). 
Luzula ßavescens Gdr. Nordseite der kl. Czantory b. Ustron sehr häufig, 

Pfingsten 1872 (Fritze). Tannenwald zwischen Bystrzyc und 

Koszarzick bei Teschen, September 1872 (Dr. Ascherson). An 

der Babiagora häufig (Stein). 

B. Wichtigere neue Standorte. 

Clematis recta L. Heideberg bei Baritsch, Kr. Jauer (Hiller). Neu für 

Niederschlesien. 
Thalictrum simplex L. Die Stammform, mehr im Norden heimisch, die ich 

aus Schlesien, wo die südlichere Varietät Th. tenuifolium Sw. 

herrscht, noch nicht sah. Rain am nördlichen Abhnnge des 

Segethwaldes bei Tarnowitz O/S. (Kutzi). 
Th. simplex L. Mittelform zwischen dem Typus und der Var. tenuifolium, 

an demselben Standort (Kutzi). Erinnert in der Tracht sehr an 

Th. angustifolium Jacqu. 

11* 



16*4 Jahres-Bericht 

Th. simplex L. ß tenuifolium Sw. (Th. Leyi Löhr, Th. laserpitiifolium W.). 
Schön ausgeprägt bei Tarnowitz (Kutzi). 

Anemone sylvestris L. Weigelsdorfer Galgenberg bei Reichenbach (Wolf). 
Vermuthlich der alte von Albertini angegebene Standort „am 
langen Berge". 

A. nemorosa L. f. monslrosa. Zwei normale laubblattartige Hüllblätter, 
an Stelle des dritten ein einzelnes normal gebildetes, sitzendes 
schneeweisses Kelchblatt. Reichenbach (Schumann). 

Batrachium fluitans Lam. var. Bachii Wirtg. In der Katzbach bei Kauffung 
(Fritze und Stein). 

Nuphar pumilum Sm. Papierok-Teich bei Boguschowitz, Kreis Rybnik 
(Stein und Fritze). 

Corydalis cava x solida? Knolle ausgefüllt, nur an der Basis mit Fasern 
besetzt, Stengel niedrig, am Grunde mit einer Schuppe, Deckblatt 
eiförmig- länglich, am Grunde nicht keilförmig, ganzrandig oder 
an der Spitze unregelmässig eingeschnitten, Blüthenstielchen etwa 
so lang als die Schote, Sporn cylindrisch, an der Spitze deutlich 
gekrümmt. Verschieden von C. solida, der sie in der Tracht 
gleicht, durch die breiteren Blattzipfel von derber Consistenz, 
durch die Deckblätter und durch die Bildung des Sporns, der 
ganz wie bei C. cava, aber kürzer ist. Möglicherweise indessen 
nur eine sonderbare Form von C. solida, der Var. C. intermedia 
Merat nahe kommend. In einem Grasgarten in Rösnitz bei 
Katscher unter den präsumptiven Stammarten (Menzel). 

Sisymbrium pannonicum Jacqu. Walter's Berg bei Grünberg (Hellwig). 
Zweiter Standort im Gebiet; ob hier vielleicht einheimisch? 

Coronopus Ruellii All. Im Looser Brauerei-Hofe (Berg-Koppe) bei Grün- 
berg (Hellwig). 

Reseda Luteola L. Wegrand am Judenkirchhofe in Grünberg (Hellwig). 

Polygalaf Torfwiesen um Friedland, Juli 1872 (Fick). Schon 1859 von 
mir daselbst um Rosenau und Ober-Langwaltersdorf beobachtet. 
Sonderbare sehr constante Form, der P. vulgaris verwandt, aber 
meist einstenglig, mit arm- und lockerblüthiger Traube. 

Drosera anglica Hds. Wiesen am Papierok-Teiche bei Boguschowitz, Kr. 

Rybnik (Fritze). 
D. anglica et rotundifolia. Ebendort (Fritze). 

Herniaria hirsuta L. Schertendorf bei Grünberg (Hellwig). 

Epilobium Dodonaei Vill. Auf einer Halde beim Forsthause Kowalliki bei 

Tarnowitz (Kabath). 
[E. anagallidifolium Lam., im vorigen Bericht als bei Schwarzbach im 

Isergebirge vorkommend angegeben, ist nicht dieses, sondern E. 



der Schles. Gcsellsch. f. vaterl. Cultur. 165 

nutans Tsch. (E. alpinum der schlesischen Floristen, nicht L.). 
Erstere Art ist überhaupt in den Sudeten sehr selten und kenne 
ich bisher nur zwei sichere Standorte: die kleine Schneegrube 
(schon Tausch) und die Sümpfe um die Schweizerei am Altvater 
(Fritze).] 

Gnaphalium norvegicum Gunn. Am Heidelberge bei Görbersdorf (Strähler). 
Neu für das Waldenburger Gebirge. 

Cirsium oleraceum x heterophyllum Naeg. Freudengrund bei Görbersdorf 
(Strähler). 

C rivulare x heterophyllum Naeg. Wiesen am Storch- und Buchberge 
nicht grade selten (Strähler). 

Hieracium chlorocephalum Wimm. (fide speeim.) H. pallidifolium Knaf, II. 
carpathicum Uechtr. olim e „kleine Schneegrube" (nee Besser nee 
Wimmer). Vom Originalstandorte Wimmer's und Knaf's, dem 
Basalt der kleinen Schneegrube, 2. September 1872 (Stein). 

Gentiana germanica W. Auf dürren Wurzeln bei Tarnowitz (Kutzi). Mit 
und als G. Amarella. Der erste Standort am rechten Oderufer 
im Gebiet. 

Echinospermum Lappula Lehm. Schutthaufen am Waltersberge und bei 
Sedzyn bei Grünberg (Hellwig). 

Verbascum phlomoides x Lychnitis. Im Akademie-Garten in Proskau O/S. 
auf Rasenplätzen unter den Eltern, wild. 4 Exemplare, August 
1872 (Stein). 

Veronica opaca Fr. Blasdorf bei Schörnberg (Fick). Aecker am oberen 
Rande der Kolberei bei Friedland (Fick). 

Melampyrum saxosum Baumg. Wald über der Hübner'schcn Grenzbaude 
im Riesengebirge (Frau Dr. Stein). 

Alectorolophus angustifolius Gmel. Költschenberg bei Schweidnitz, gemein 
(F. Peck). 

Stachys alpina L. Schinderlehne im Eulengebirge (Wolf). 

Salix cinerea x purpurea Wim. $ Blitzenmühle bei Görbersdorf (Strahler). 

Alisma natans L. Feldtümpel um Nicolausdorf bei Lauban (Traufmaun). 

Arum maculatum L. Dobergaster Busch dei Strehlen (Sanitäts-Rath Dr. 
Bleisch). 

Microstylis monophyllos Ldl. Miechowitzer Wald b. Beuthen O/S. (Kutzi). 

Epipactis rubiginosa Gaud. Ausser im Segethwald noch im Nakloer Walde 
bei Tarnowitz (Wossidlo). 

E. violacea Dur. Segethwald bei Tarnowitz (Kutzi). In der Stangowke 
bei Gr.-Graben bei Festenberg (Limpricht). Somit schon an vier 



166 Jahrcs-Berielil 

Orten in der Provinz. Doch wohl eine eigene, auch durch etwas 
spätere Blüthezeit ausgezeichnete Art. 

Juncus atratus Krocker. Nasse Gräben am Ellguther Walde bei Kosel O/S. 
(Menzel), Neu für OberscMesien. 

Gladiolus paluster Gaud. Auf einer Wiese am Költschenberge (Kabath). 

Ornithogalum tenuifolium Guss. (0. collinum aut. ex p. (non Gussone) und 
wahrscheinlich auch 0. ruthenicum Bche. apud Kunth). Grasige 
Abhänge der Gipshügel um Dirschel und Katscher in Menge, hier 
und bei Kösling zuerst im Mai 1858 von mir unterschieden. Die 
vorgelegten Exemplare von M. Wetschky gesammelt. Sonniger 
Hügelabhang bei Burkersdorf b. Schweidnitz (F. Peck). Irre ich 
nicht, so gehört auch die Pflanze vom Kupferberge bei Danckerith 
hierher. 

Allium Scorodoprasum L. Rothhirschdorf bei Schweidnitz (F. Peck). 

Eriophorum alpinum L. Görbersdorf: auf einem Graben im Fuchswinkel 
bei Schmidtsdorf und am Zellritzbusche unweit der Dittersbacher 
Chaussee (Strähler). 

Carex maxima Scop. Haue im Kienbusch von Halbstadt bei Friedland (P'ick). 

C. brizoides x remota G. Rchbch. fil. (C. Ohmülleriana 0. F. Lang.), Unter 
den Eltern bei Nicolausdorf bei Lauban (Trautmann). Zweiter 
schlesischer Standort; die typische Forin mit kriechendem Rhizorn, 
genau mit der baierischen Pflanze übereinstimmend. 

Asplenium alpestre Mitt. Görbersdorf, nur auf dem Heidelberge, 2700 Fuss 
(Strähler). 

Herr Dr. W. G. Schneider sprach über die 

Puccinia Helianthi Schw., 

welche in Russland in den Jahren 1866 — 68 grosse Verwüstungen in den 
dortigen Culturen des Helianthus annuus L., der bekannten Sonnenblume, 
angerichtet hat; diese Pflanze wird in Russland vielfach wegen des in dem 
Samen enthaltenen Oeles angebaut und wurden die Ernten in den ge- 
nannten Jahren durch den erwähnten Rostpilz gänzlich vernichtet. Woronin 
hat die Entwickelungsgeschichte dieses Pilzes in Nr. 38 der Botanischen 
Zeitung von 1872 näher auseinandergesetzt. 

Dieser Pilz findet sich auch in Schlesien und wurde im October d. J. 
von Herrn Lehrer Gerhardt in Liegnita in einem Garten auf Helianthus 
annuus, freilich zu dieser Zeit nur in der Teleutosporen-Form, vorgefunden, 
welche der Section zur Ansicht vorgelegt wurden. 

Diese Puccinia gehört zu der Abtheilung der autoecischen Arten, bei 
welchen die sämmtlichen 3 Entwickelungsformen, Aecidium, Uredo und 
Teleutosporen, sich auf derselben Pflanze entwickeln. 



der Schles. Gesellscli. f. vaterl. Cultur. ]G7 

Puccinia Helianthi: die Teleutosporen bilden auf der Unterseite 
der Blätter einzelne runde, dunkel zimmtbraune bis fast schwarze, 1 bis 
2 Millimeter grosse Flecke und stehen in dichten Rasen beisammen; die 
einzelne Teleutospore sitzt auf einem ziemlich langen, dünnen, farblosen 
Stiele und besteht aus 2 sehr fest verbundenen Zellen, welche an der 
Verbindungsstelle etwas eingeschnürt sind und ein zimmtbraunes, nach 
aussen sehr verdicktes Exosporium haben. In der Mitte jeder Zelle be- 
findet sich ein heller, glänzender, fettartiger Kern. Untermischt kommen 
auch einzelne blos einzellige Teleutosporen vor. 

Aecidium und Uredo sind a. a. 0. von Woronin beschrieben. 



Nachträge zur Flechten-Flora Schlesiens. 

in. 

Von B. Stein. 



Im verflossenen Jahre ist die Ausbeute an schlesischen Flechten eine 
sehr ergiebige gewesen und ist die Zahl der für Schlesien sicheren Arteu 
um eine ganze Reihe interessanter Formen vermehrt worden. 

Besonderen Dank für gütige Mittheilung seltener Funde sage ich den 
Herren: Professor Dr. Körb er und Dr. Stricker in Breslau, Apotheker 
Fritze in Rybnik, Lehrer Hellwig in Grünberg und Weber Roth in 
Langenbielau. 

Die Standorte ohne Angabe des Finders sind von mir beobachtet 
worden. 

Die für Schlesien neuen Arten sind durch stärkeren Druck hervor- 
gehoben. 

Bryopogon jubatus L. ß bicolor Ehrh. Thurmsteine an der Sonnen koppe 
im Eulengebirge (Roth). 

Cornicularia aculeata Ehrh. c. fruct. Lawaldauer Ziegelei bei Grünberg 
(Hellwig). 

Stereocaulon cereolinum Ach. Schneekoppe, bei 4500 Fuss. 

Cladonia Botrytis Hag. Auf faulenden Fichtenstumpen im Revier Goleow 
bei Rybnik. 

C bellidiflora Ach. f. ochropallida Fw. Feuchte Moospolster der kleiuen 
Schneegrube am Ausgange nach der grossen Schneegrube. 

C. cespiticia Autt. Basalt der kleinen Schneegrube. 



10$ Jahrcs-Bericht 

Evcrnia vulpina L. Oberhalb der Hofbauden an der Kesselkoppe, 1866 
(Stricker). 

Cetraria fallax Ach. c. frud. St, Peter im Eibgrunde, an Fichten. 

Sphaerophorus fragilis L. c. frud. Dreisteine. 

Sph. coralloides Pers, Otternstein im Eulengebirge (Roth). An Fichten 

im Eibgrunde unterhalb des Pantschefalles. 
Peltigera pusilla Dcks. Rohrbusch bei Grünberg (Hellwig). In Menge in 

Obernigk am Bahndamme gegen Gellendorf. 

P. venosa L. Katzenkoppe im Eulengebirge (Roth). 

Imbricaria acetabulum Neck. Irrgarten bei Grünberg (Hellwig). 

Gyrophora polyphylla L. Sonnenkoppe (Roth). 

Endocarpon miniatum L. Sakrauer Berg bei Gogolin. 

Normandina viridis Ngl. Wie es scheint im Hochgebirge verbreitet und 
nur bisher übersehen. Ich sammelte sie in diesem Jahre in Menge 
auf Sphagnenpolstern der Dreisteine, auf Moosen uud Pflanzen- 
überresten in der kleinen Schneegrube, dem Teufelsgärtchen und 
an der Schneekoppe dicht unter dem Gipfel. 

Massalongia carnosa Dcks. Im Grunde der kleinen Schneegrube, reichlich 

fruchtend. 
Pannaria hypnorum Schaer. Grünberg (Hellwig). 

Acarospora veronensis Mass. An Lehmwänden alter Weinbergshäuser bei 
Grünberg (Hellwig). 

Lecania Körberiana Lahm. Pappeln der Berliner Chaussee bei Grünberg 
(Hellwig). 

Caüopisma cerinum Hdwg. ß chlorinum Fw. Basalt der kl. Schneegrube. 

C. rubellianum Ach. Granit des Galgenberges bei Strehlen. 

Rinodina Biatorina Rbr. sammelte ich im September 1872 an dem Original- 
Standorte — Basalt der kleinen Schneegrube — in einem sehr 
schönen Exemplare. 

R. Bischofii Hepp. Rohrbusch bei Grünberg, an Mauern (Hellwig). 

R. Conradi Kbr. Telegraphen berg bei Grünberg, auf Moosen (Hellwig). 

Lecanora piniperda Kbr. An entrindeten Fichtenstämmen im Eibgrunde, 
oberhalb St. Peter (Bachmann). 

L. caesioalba Kbr. Sakrauer und Ellguther Kalkberg bei Gogolin. 

Zeora sordida Pers. Auf Schindeln! eines alten Gartenhauses b. Grünberg 
(Hellwig). 

Ochrolechia tartarea L. Dreisteine, in enorm grossen Exemplaren. 

Haematomma ventosum L. Dreisteine, in grosser Menge und sehr schönen 
Exemplaren. 



der Schles. Gcsellscli. f. vatcrl. Culhir. 169 

//. coccineum Dcks. Dreisteine. 

Aspicilia sanguinea Kmplhbr. Basalt der kleinen Schneegrube. 

A. calcarea L. f. ochracea Kbr. Sakrauer Berg. 

A. aquatica Kbr. Ueberfluthete Steine im Kessel an der Kesselkoppe. 

A. gibbosa Ach. j. porinoidea Fw. Blücherberg bei Grünberg (Hellwig). 

A. chrysophana Kbr. Ueberfluthete Steine am Brunnenberge und im 

Teufelsgärtchen. 
Thelotrema lepadinum Ach. Fichten im Ochojetzer Revier bei Rybnik. 
Secoliga biformis Kbr. sammelte ich im September 1872 in ziemlicher 

Menge am Originalstandorte — Basalt der kleinen Schneegrube. 

Thalloidima lamprophora Kbr. parerg. lieh. pag. 119 (sub Psorq). Nach 
Mittheilungen von Dr. Müller in Genf, welchem ich im September 
1872 am Basalt der kleinen Schneegrube gesammelte Exemplare 
dieser seltenen Flechte sandte, sind die Sporen bestimmt dyblastisch, 
wonach also diese Art unzweifelhaft vou Psora zu trennen und zu 
Thalloidima zu bringen ist. 

Th. conglomeratum Mass. Dreisteine. 

Th. candidum Web. Sakrauer Berg (Limpricht). 

Th. Toninianum Mass. Felsen des Teufelsgärtchens, sehr spärlich. 

Toninia cinereovirens Schaer. Kalkfelsen des Sakrauer Berges. 

Bacidia rosella Pers. Grünberg (Hellwig). 

B. Arnoldiana Kbr. ß inundata Kbr. Ueberfluthete Granitblöcke in den 

Bächen der Kesselkoppe. 

Biatorina Bouteillei DC. Auf Tannennadeln im Jankowitzer Revier bei 
Rybnik (Körber, Fritze und Stein). 

jB. pineti Schrad. Wald am Rudateich und vor Ochojetz bei Rybnik. 

Biatora atrorufa Dcks. Gipfel der Kesselkoppe. 

B. Ehrhartiana Ach. Grünberg (Hellwig). 

B. conglomerata Heyd. Im Elbgrunde unterhalb des Tantschefalles sehr 
häufig, an Fichten. 

B. minuta Schaer. Elbgruud, an Fichten. 

jB. denigrata Schaer. Eibgrund, an Baumleichen. 

Bilimbia syncomista Kbr. Moospolster am Gipfel der Kesselkoppe. 

Abrothallus viduus Kbr. n. sp. Auf dem Thallus von Sticta Pulmonaria 
an Buchen im Eibgrunde oberhalb St. Peter (Stricker). 

A. Smithii Tul. Auf Cetraria fallax an Fichten im Eibgrunde oberhalb 

St. Peter. 
Steinia Kbr. nov. gen. Apothecia biatorina, jam primitus aperta, excipulo 

destituta, convexa. Lamina sporigera hypothecio grumoso lutescente 



]70 Jahrcs-Bericht 

enctta, paraphysibus capillaribus farcta, sporas parvulas, globosas, 
monoblastas : hyalinas, in ascis clavatis pleiosporis fovens. 

St. luridescens Kbr. n. sp. Thallus tenuissimus, leprosus v. sub homoeomerico- 
gelatinosuSj luridus, cum protothallo (concolori?) confusus. Apothecia 
minuta, superficialia, convexa v. hemisphaerica, atra, immarginata. 
Sporae in ascis clavatis 16nae, parvulae, globosae, monoblastae, hyalinae. 

An einem hohen sandigen Wegrande in der Nähe des Bahn- 
dammes hinter Obernigk (October 1872). Die kleinen schwarzen, 
meist spärlich vorhandenen Früchte sitzen erhaben auf dem sehr 
dünnen, lederfarbigen Thallus, welcher beim Trocknen etwas 
heller wird und dann von dem angrenzenden Erdboden sich kaum 
unterscheidet. Der Thallus trägt ausserdem vielfach sehr kleine 
punktförmige schwarze Pycnidien, welche zahlreiche elliptische, 
braunrothe, tetrablastische Stylosporen enthalten. 

Die wasserhelle, oberhalb schmutzig braune Schlauchschicht 
der Früchte zeigt kräftige haarförmige Paraphysen, zwischen 
denen die zahlreichen Schläuche mit ihren kugelrunden wasser- 
hellen Sporen — zu je 16 in einem Schlauche — liegen. 

Habituell erinnert die Flechte, welche an dem Standorte weite 
Flächen bekleidet, an die auf Sand wachsenden Formen der 
Biatora uliginosa, doch zeigt der erste Blick in das Mikroskop die 
völlige Verschiedenheit beider Flechten. 

Diplotomma alboatrum Hoffm. f. paucinum Mass. Dorfmauern in Peterwitz 
bei Strehlen. 

Buellia badioatra Flke. ß rivularis Fw. Dreisteine, Teufelsgärtchen. 

B. chloroleuca Kbr. Eibgrund unterhalb des Pantschefalles, an Fichten, 
sehr vereinzelt. 

Lecidella aglaea Smf. Dreisteine. 

L. nodulosa Kbr. sammelte ich im September 1872 in einigen sehr schönen 
Exemplaren am Original-Standorte — Gipfel der Schneekoppe. 

L. lactea Flke. Basalt der kleinen Schneegrube, gesellschaftlich mit 
L. alboflava, 

L. goniophüa Flke. Sakrauer Berg. 

L. borealis Kbr. Gipfel der Kesselkoppe, Teufelsgärtchen. 

Lecidea fumosa Hoffm. Galgenberg bei Strehlen. Forma Mosigii Fw. Stein- 
mauer der Försterei Mehltheuer bei Strehlen. 

L. albocoerulescens Wulf. Dreisteine. 

L. sudetica Kbr. Dreisteine. 

L. verticosa Flke. Kesselkoppe; an sehr alten Exemplaren bildet der 
Thallus eine sehr dicke, lepröse, schwarze Kruste, welche der 
Flechte einen von der gewöhnlichen Form sehr abweichenden 
Habitus giebt. 



der Schles. GeseJlsch. f. vatcrl. Cultnr. 171 

L. superba Kbr. Felsen des Teufelsgärtchens. 

L. conügua Uoffm. f. convexa Fw. Kesselkoppe. 

L. monticola Ach. Kiesberg im Rieseugrunde, auf Kalk. 

L coerulea Knephler. Basalt der kleinen Schneegrube. 

L. tumida Mass. Basalt der kleinen Schneegrube. (Schon 1853 von 
Körber aufgefunden und von Massalongo für seine Art anerkannt.) 

L. riphaea Kbr. ad int. Ueber Moosen in den Felsspalten der Schnee- 
koppe (Körber) und auf gleichem Substrat im Melzergrunde von 
mir gesammelt. 

Schlauchschicht oberwärts amethystfarbig. Sporen zu acht, 
klein, elliptisch, fast thränenförmig. Thallus dünnkrustig, schmutzig- 
weiss bis hellbräunlich. Apothecien klein, schwarz, mit convexer 
Fruchtscheibp, deutlich berandet. 

Rhizocarpon obscuraium Schaer. Teufelsgartchen, Kiesberg, auf Kalk. 
Sarcogyne pr'migna Ach. a simplex Dav. Grünberg (Hellwig). Galgenberg 
bei Slrehlen. 

S. pruinosa Sm. f. dccipiens Mass. Oberstreit bei Striegau (Zimmermann); 
f. macroloma Flke. und /. minuta Mass. Sakrauer Berg. 

Placographa Lenophona Kbr. Basalt der kleinen Schneegrube. 

Opegrapha zonata Kbr. Melaphyrfelsen bei Görbersdorf. 

Hazslinszkya gibberutosa Ach. Im Ochojetzer Revier bei Rybnik (Fritze). 

Xylographa parallela Ach. An trockenfaulen Nadelholzstrünken über dem 
rothen Steine bei Görbersdorf. 

Pragmopora amphibola Mass. Kiefern bei Falkenberg (Plosel). 
P. Lecanactis Mass. Alte Weiden bei Strehlen. 

Sphinctrina tubaeformis Mass. Auf Pertusarienkrusten im Ochojetzer Revier 
bei Rybnik (Körber, Fritze und Stein). 

Calycium byssaceum Fr. An Erlenzweigen im Riemberger Walde bei 
Obernigk. 

C. gemellum Kbr. Sagan, auf Dachschindeln (Everken). 

C. pusillum Flke. Sehr schön an entrindeten Buchenstämmen im Eibgrunde. 

Coniocybe gracilenta Ach. Grünberg (Hellwig). 

Endopyrenium hepaticum Ach. ß trapeziforme Mass. Spindelmühl im Eib- 
grunde (Stricker). 

E. Michelii Mass. Mauer der Försterei Mehltheuer bei Strehlen. 

Xenosphaeria rimosicola Lght. Auf dem Thallus von Siegertia calcarea im 
Teufelsgartchen. 

Mosigia gibbosa Ach. Dreisteine. 

Pertusaria chlorantha Zw. An Eichen im Ochojetzer Revier b. Rybnik. 



172 Jahres Bericht 

Belonia russula Kbr. sammelte ich im September 1872 in Menge am 
Original-Standorte — Basalt der kleinen Schneegrube, und zwar 
an den untersten Felsen der rechten Seite des Basaltrückens. 

Segestrella lectissima Fr. Kleine Schneegrube, an Granit. 

Sphaeromphale ßssa Tayl. Ueberfluthete Felsen an der Kesselkoppe. 

Sph. elegans Wallr. Trockene Felsen der Kesselkoppe. 

Sporodictyon Henschelianum Kbr. Ueberfluthete Felsen an der Kesselkoppe. 

Polyblastia intercedens Ngl. Felsen des Teufelsgärtchens. 

P. Sendtneri Kmp. Auf nackter Erde im oberen Theile des Melzer- 
grundes (Stricker). 

P. fallaciosa Sttzbgr. An Birken im Lissaer Parke. 

Acrocordia scotophora Mass. Zobten, an Acer Pseudoplatanus an der Kirche. 
Grünberg, an Pappeln der Berliner Chaussee (Hellwig). 

Verrucaria hiascens Kbr. Sakrauer Berg und Nieder-Ellguther Kalkberg, 
an Kalkfelsen. 

V. calciseda DC. Sakrauer und Ellguther Kalkberg. 

V. hydrela Kbr. Dreisteine. 

V. muralis Ach. ß confluens Mass. Kitzelberg bei Kauffung. Peterwitz bei 
Strehlen. 

Gongylia aquatica Stein n. sp. Thallus effusus, lenuis, rimuloso-areolatus, 
laevigatus, einer eo-rufescens, protothallo atro. Apothecia minutissima } 
hemisphaerica, atra, ostiolo simplici pertusa. Sporae in ascis napiformibus 
octonae, aciculares, saepe curvatae, pleioblastae, 0,035 — 0,05 Mm. long, 
et 0,004 latit., hyalinae. An Steinen (Granit) unter Wasser, Kessel- 
koppe im Riesengebirge. 

Der dünne, sehr kleinschollig gefelderte Thallus bedeckt 
grosse zusammenhängende Flächen unter Wasser — meist be- 
nachbart mit Sphaeromphale ßssa, Bacidia Arnoldiana inundata etc. — 
ist frisch hell grau-rothlich, beim Trocknen etwas dunkler wer- 
dend. Die kleinen punktförmigen Apothecien sitzen ihm flach 
auf, meist auf jeder Scholle eins. Paraphysen sehr dünn, haar- 
förmig. 

Arthopyrenia Labnrni Lght. Grünberg, an Cytisus Laburnum (Hellwig). 

Microthelia macularis Hpe. An Daphne Mezereum in der kl. Schneegrube. 

Lecothecium corallinoides Hoffm. Auf Glimmerschiefer der Kesselkoppe 
(Stricker). 

Collema microphyllum Ach. Alte Weiden am Dorfe Peterwitz b. Strehlen. 

C. cheileum Ach. ß Metzleri Hepp. An Mauern im Dorfe Peterwitz bei 
Strehlen. 

C. glaucescens Hoffm. Auf Thonboden des Bahndammes hinter Obernigk. 



der Schles. Gesellsch. f. valerl. Cultur. 17 3 

Leptogium subtile Schrad. Auf feuchtem Sandboden am Bahndamme hinter 
Obernigk (Körber). 

Mallotium Hildenbrandii Gar. Alte Laubholzstämme bei Krummhübel 
(Stricker). 

Peccania coralloides Mass. Sakrauer Berg bei Gogolin. 

Thyrea decipiens Mass. Sakrauer Berg bei Gogolin. 

Psorotichia pelodes Kbr. n. sp. Auf Thonboden am Bahndamme hinter 
Obernigk. 

Steht der Ps. Arnoldiana nahe, von der sie aber durch 
grössere, hell rothbraune Apothecien, durch den nicht so fein- 
körnigen, schwarzbraunen Thallus und durch Grösse und Umriss 
der Sporen abweicht. 

Sarcosagium biatorellum Mass. Auf der Krone der alten Schiesstand- 
mauer im Parke von Paruschowitz bei Rybnik. 

Nach gütiger Mittheilung von Dr. Müller in Genf zeigen sich 
die Sporen unter dem Immersionssystem, bei Behandlung mit 
Aetzkali, 2 — 5theilig, nicht monoblastisch, wie Massalongo und 
Körber angeben. 



III. 

Bericht 

über 

die Thätigkeit der entomologischen Secüon der Sehlesischen 

Gesellschaft im Jahre 1872 

erstattet von 

K. L e t z n e r, 

zeitigem Seeretair d.er Seetion. 



Die entomologische Section hat im Jahre 1872 12 verhältnissmässig 
zahlreich besuchte Versammlungen gehalten, in denen die Herren Dr. 
Ho dann, Graf Matuschka, Ober-Amtmann Na acke, Dr. Schneider, 
Dr. E. Schwarz, Dr. Wocke und der zeitige Secretair Vorträge ge- 
halten oder kleinere Mittheilungen gemacht haben. — Der 3. Versamm- 
lung am 12. Februar wohnte Herr Kupferstecher Habelmann aus Berlin 
als Gast bei. 

In der 12. Versammlung zeigte Herr Graf Matuschka einen Laccobius 
vor, welchen er in grosser Anzahl in der mehr als 30° R. warmen Plinius- 
Quelle in Bormio gefangen hatte, und der wahrscheinlich L. intermittens 
Motsch. ist. 

Herr Ober- Amtmann Naacke hielt in der 2. Versammlung, am 
29. Januar, einen Vortrag über die bisher angewendeten Tödtungsmittel 
der Schmetterlinge, insbesondere der Macrolepidoptern, worüber später 
das Nähere veröffentlicht werden soll. — In der Versammlung am 
18. November berichtete derselbe über seine Wahrnehmungen in Betreff 
der Insecten-Fauna in der Umgebung der Grotte von Monsummano und 
die daselbst gemachte Ausbeute an Lepidoptern, Coleoptern, Cicaden, 
Hymenoptern und Neuroptern. Zum Schluss gab er eine Beschreibung 
der gedachten Grotte und eine Beurtheilung über die Heilkraft derselben, 
insbesondere über ihre Wirkung gegen chronischen Rheumatismus. 



176 Jahres-Beiiclit 

Herr Dr. phil. W. G. Schneider sprach in der Sitzung am 26. Februar 
über die Beziehungen der Insecten zu den Pilzen, worüber er sich spätere 
Mittheilungen vorbehält. — In der Versammlung am 16. December hielt 
derselbe folgenden Vortrag über 

die in und an Insecten schmarotzenden Filze. 

Sowie die Pflanzen von einer sehr grossen Anzahl in und an 
ihnen lebenden Pilze bewohnt und zum Theil durch sie getödtet werden, 
ist es derselbe Fall auch bei den Insecten; ist auch hier die Anzahl der 
parasitischen Pilzarten geringer, so sind sie dafür unbedingt todbringend. 
Vorherrschend sind es die Larven und Puppen, seltener die vollkommenen 
Insecten, welche von parasitischen Pilzen heimgesucht werden, und wo- 
durch zum Theil die Natur ein heilsames Mittel gegen den zerstörenden 
Insectenfrass durch die Vertilgung der massenhaft erscheinenden Raupen 
und Larven besitzt. 

Vittadini und de Bary verdanken wir die vollständige Entwickelungs- 
geschichte der verschiedenen Pilzformen in Raupen und hat Letzterer bei 
Untersuchung von Raupen- Epidemien folgende 4 verschiedene Pilzformen 
aufgefunden: Botrytis Bassiana. Cordyceps militaris, Isaria farinosa und 
Isaria strigosa. 

1. Botrytis. 

Die Botrytis Bassiana, welche bekanntlich die Muscardine der 
Seidenraupen verursacht, erscheint je nach der Species des Nährthieres 
in 3 Formen, welche jedoch in einander übergehen; nämlich entweder 
einen kurzfilzigen Ueberzug, welcher dann mit Conidien bestäubt ist, oder 
dichte, senkrecht sich erhebende, wolkenähnlich ausgebreitete Hyphen- 
massen in Gestalt von Polstern ; oder endlich in einer aus dicht vereinigten 
Hyphen gebildeten Isariaartigen Form, welche aus etwa y 2 Zoll hohen 
Keulen besteht; diese haben einen festen orangerothen Stiel, aus dessen 
eiförmigem Ende ein weissfilziges, Conidien tragendes Hyphenbüschel 
nach allen Seiten ausstrahlt. Diese letztere Isaria-Form fand de Bary 
nur auf den Raupen von Gastropacha Rubi, die beiden anderen auf denen 
von Bombyx Mori, Deilephila Euphorbiae und den Larven von Tenebrio 
molitor. 

Die zu Botrytis Bassiana gehörigen Perithecien-Träger sind bis jetzt 
noch nicht entdeckt und scheinen auch bei Culturversuchen sich nicht 
auszubilden. 

Die Conidien-Früchte der Botrytis Bassiana werden auf septirten farb- 
losen Hyphen in dichten runden Knäueln durch nach und nach erfolgende 
köpfchenweise Abschnürung gebildet, indem an den Hyphen zuerst kurze 
einzellige runde Zweige entstehen, aus welchen durch hefeartige Sprossung 
am Ende oder seitlich noch mehrere ähnliche hervorbrechen. Die zuletzt 
entstehenden Zellen spitzen sich pfriemenförmig zu und bilden ein Sterigma, 



der Schles. Gesellscli. f. vaterl. Cultur. 177 

an dessen Spitze eine Conidie entsteht; unter dieser brechen immer neue 
Stielchen mit Conidien hervor, welche die früheren bei Seite drängen, 
bis ein grösseres Köpfchen von angehäuften Conidien entsteht. Diese 
Conidien sind kugelförmig, keimen sehr leicht in Wasser, Zuckerlösung 
oder Gelatine, treiben einen Keimschlauch, welcher sich verästelt, an den 
Enden pfriemlich zuspitzt und an diesen eine oder mehrere Conidien ab- 
schnürt, welche aber nun länglich und cylindrisch sind und von de Bary 
Cylinder-Conidien genannt werden. Sie bilden sich zunächst an den in 
der Flüssigkeit untergetauchten Hyphen, aber auch an den in die Luft 
ragenden; bei den letzteren werden sie jedoch durch neue Bildungen von 
Köpfchen runder Conidien bei Seite gedrängt. 

2. Isaria. 

Von Isar ia -Formen finden sich 2 Arten auf lnsecten, nämlich: 
Isaria farinosa und Is. strigosa. 

Die Isaria farinosa wurde auf den unsere Nadelwälder verheeren- 
den Raupen von Liparis Monacha, Gaslropacha Pini u. s. w. von de Bary, 
Bau und Hartig gefunden und erscheint in 3 verschiedenen Formen auf 
den Raupen, welche in einander übergehen, nämlich entweder als weisser 
Schimmel, oder als blass orangefarbene Knäulchen, oder endlich als 
orangerothe Keulen, welche an der Spitze auf garbenartig verzweigten 
Fäden die Sporen tragen. 

Die Isaria strigosa findet sich ebenfalls auf Insectenkörpern und 
ist in ihrer Verzweigung der Is. farinosa ähnlich, auch in Beziehung auf 
die nach und nach erfolgende reihenweise Abschnürung der Conidien-, 
diese sind aber alle von gleichartiger länglich-cylindrischer Gestalt. 

Tulasne zieht die Isaria farinosa in den Entwickelungskreis der Cor- 
dyceps mililaris, wogegen de Bary wegen der Verschiedenheit der von 
ihm gefundenen Isaria farinosa bezüglich der Gestalt und Stellung der 
Conidien Zweifel erhebt. 

3. Cordyceps (Torrubia, TuL). 

Die Cordyceps- Arten finden sich theils auf Schmetterlingspuppen, 
theils auf Käfern und deren Larven, oder auf Vespiden und Ameisen, 
und bilden auf theils kürzeren, theils längeren Stielen keulenförmige oder 
rundliche Perithecien, an deren innerer Peripherie die Schläuche mit ihren 
stabförmigen Sporen sitzen, welche noch vor der Ausstreuung sich in 
eine Menge Theilsporen trennen und wie ein glitzernder Regen aus den 
Schläuchen entleert werden. 

Die Arten dieser Gattung sind über die ganze Erde verbreitet und 
mögen hier nur folgende deutsche und eine interessante, bekanntere aus- 
ländische Art angeführt werden. 

1) Cordyceps militaris, Vaill.^ auf Schmetterlingspuppen, mit statt- 
lichen, orangefarbenen, keulenförmigen Perithecien; sie findet sich, wie- 
wohl selten, auch in Schlesien. 

12 



178 Jahres-Bericht 

2) Cordyceps cinerea, Tul., besonders auf Carabus nemoralis, auch 
auf anderen Carabus- Arten und deren Larven und Puppen; auf 2 bis 
3 Centimeter langen Stielen sitzen die rundlichen Perithecien. Ist mir 
bis jetzt nur aus der Leipziger Gegend bekannt. 

3) Cordyceps entomorrhiza, Dicks., auf Schmetterlingsraupen; 
Perithecienträger finden sich sehr selten, dagegen ist die Isarien-Form 
vorherrschend ; mir auch nur aus der Leipziger Gegend bekannt. 

4) Cordyceps Robertsii, Robin., auf Raupen einer Hepialus- Art 
auf Neu-Seeland und überhaupt in Ost- Asien; bildet sehr lange, die Raupe 
um mehr als das Doppelte an Länge übertreffende, cylindrische, dünne 
Perithecienträger. 

5) Cordyceps sphecoeephala Klotzsch (Tul.) findet sich auf 
Wespen-Arten. Auf einem etwa 1 Zoll langen, braunen Stielchen sitzt 
der rundliche, gelbe, nach unten etwas keulige Perithecienträger. Ein 
Exemplar dieser Art erhielt ich von Herrn Weberbauer aus der Landecker 
Gegend. 

6) Cordyceps myrmecophila, schmarotzt auf Ameisen, der Stiel 
ist zart, dünn, höchstens */ 4 bis x j ± Zoll hoch, mit Perithecienträger. 

Als auf Insecten schmarotzend ist noch zu erwähnen die Gattung: 

4. Melanospora, Corda, 
mit häutigen, einfachen, aufgewachsenen Perithecien, mit verlängerter 
Spitze, einen schwarzen, gallertartigen, dann trockenen, pulverigen Kern 
einschliessend. Sporenschläuche keulenförmig, gallertartig, 8sporig, Sporen 
einfach u. s. w. Als Art zu erwähnen wäre: Melanospora parasitica, 
welche auf todten Maikäfern vorkommt. Hierzu soll nach Bail die Isaria 
farinosa als Conidien-Form gehören. 

Was nun die Einwanderung in die Raupen und die weitere Ent- 
wicklungsgeschichte der Botrytis Bassiana und der isana-Arten betrifft, 
so finden diese in ziemlich analoger Weise statt. De Bary benutzte zu 
seinen Versuchen die Raupen von Deilephila Euphorbiae, deren durch- 
sichtige, gelbe Flecken eine bequeme Beobachtung des Eindringens, Kei- 
mens und der weiteren Entwickelung der Sporen gestatteten. 

Wurden die Conidien-Sporen von Botrytis Bassiana auf die Haut der 
Raupen gesät, so hafteten sie fest und keimten nach einigen Tagen; die 
Keimschläuche dringen nach kurzem horizontalem Verlauf ein und wachsen 
nach innen senkrecht weiter, während der aussen befindliche Theil ab- 
stirbt, verzweigen sich im Innern strahlig unter der Haut der Raupe, 
welche sich braun färbt; die eingedrungenen Hyphen schnüren dann 
Cylinder-Conidien ab, welche sich immer mehr durch weitere Abschnürungen 
vermehren, so bald sie in das Blut gelangen. Die Raupe wird matt und 
bewegungslos, mit dem Nahen des Todes hört die Bildung von Cylinder- 
Conidien auf, diese wachsen zu langen, verästelten Schläuchen aus und 



der Schlei Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 179 

bilden ein Mycelium, welches die ganze Masse des Thieres bis auf Darm 
und Tracheen ausfüllt und Blut und Fettmasse degenerirt. Gleich nach 
dem in 12 bis 14 Tagen nach der Infection erfolgten Tode fallen die 
Raupen schlaff zusammen, schwellen aber bald darauf in Folge des rasch 
wachsenden Myceliums wieder an und dehnen sich aus, die Hyphen durch- 
brechen den Körper und bilden an der Oberfläche die Fruchtträger. Bei 
Cordyceps militaris dringen die Theilsporen ebenso in den Körper der 
Raupen und bilden Cylinder-Conidien. 

Bei Isaria farinosa findet der Unterschied statt, dass die Conidien 
nur durch die Tracheen eindringen, wie de Bary bei Gastropacha Pini 
beobachtet hat; von den Tracheen aus durchwuchern sie das Gewebe 
der Raupe und schnüren Cylinder-Conidien ab. Durch den Darmcanal in 
Folge Fütterung der Raupen mit Sporen gelangen diese Pilze nie zum 
Keimen. 

Die Botrytis Bassiana findet sich ausser auf Raupen auch auf Käfern, 
z. B. Melolontha und deren Engerlingen, wie auch auf Hymenoptern und 
Hemiptern. 

5. Empusa, Colin. 

Eine epidemische Krankheit der Insecten wird auch durch die Pilz- 
gattung Empusa verursacht. Dieser Pilz wurde, obgleich seiner Natur 
nach unerkannt, bereits von De Geer beobachtet, Goethe und Nees von 
Esenbeck erkannten diese Bildung als Pilz, Cohn, Lebert und Fresenius 
untersuchten ihn näher, in neuester Zeit jedoch hat Brefeld die ganze 
Entwicklungsgeschichte dieses Pilzes auf das Vollständigste beobachtet. 
Folgende 3 Arten sind u. A. auch in Schlesien beobachtet worden : 

1) Empusa Muscae ist die bekannte Pilzepidemie der Fliegen im 
Herbst, wobei sie matt und bewegungslos werden, ihr Hinterleib stark 
aufschwillt und zwischen dessen Segmenten 3 hervorbrechende weisse 
Ringe erscheinen, aus welchen die keulenförmigen Empusa-ZeUen* welche 
an ihrer Spitze die Sporen bilden, hervordringen; die Sporen werden 
dann bei der Reife fortgeschleudert und bilden um die todte Fliege einen 
oft zollgrossen Hof. 

Uebrigens kommt diese Empusa. auch auf anderen Insecten vor, wie 
auf Jassus 6-notatus, und auch auf Mücken, deren Larven wahrscheinlich 
im Augenblick des Athemholens davon befallen werden. 

Die Sporen sind von glockenförmiger Gestalt und meist mit einem 
weiten Plasma-Mantel umgeben. Der Keimschlauch ist sehr kurz, eine 
kugelige Zelle bildend, und vermehrt sich, wie die Hefe, durch Sprossung; 
die Tochterzellen trennen sich von der Mutterzelle, gelangen in den Fett- 
körper, erzeugen neue Sprossgenerationen und erfüllen endlich das ganze 
Blut. Endlich wachsen die Zellen schlauchförmig auf einer oder 2 Seiten 
aus, der eine Schlauch wird keulenförmig und bildet an der Spitze die 

12* 



180 Jahres-B ericht 

Basidie, welche die Segmenthaut des Hinterleibes durchbricht und die 
Sporen bildet. 

Eine andere Art fand Brefeld auf der Raupe des Kohlweisslings, 
Pontia Brassicae, und nannte sie: 

2) Empusa radicans. Sie unterscheidet sich von der vorigen 
durch die langen Keimschläuche der Sporen, welche sich in Zellen theilen • 
in die Endzelle fliesst das ganze Protoplasma des Schlauches über; diese 
Endzelle verästelt sich und erfüllt den Raupenkörper mit dichtem Hyphen- 
Gewebe, auch in das Blut dringend; im Fettkörper ist der Hauptherd 
dieses Pilzes. Die fortwachsenden Enden des Myeeliums durchbrechen 
die Unterseite der Raupe in dichten Bündeln, als massiger Fruchtträger 
am Boden sich anheftend, während auf der Oberseite die reichbüschelig 
verästelten Schläuche hervorbrechen, deren Spitzen sich vom Hauptfaden 
durch Scheidewände abgrenzen und neue Fortsätze bilden, und erst diese 
erzeugen zuletzt die spindelförmigen Sporen, welche dann abgeschleudert 
werden. Nach Brefeld kann auch Musca domestica mit dieser Art inficirt 
werden. 

Wenn Bail behauptet, sie noch nie auf Neuroptern gefunden zu haben, 
so bemerke ich, dass ich im Jahre 1867 an einer einzelnen Stelle im 
Grunwalder Thale bei Reinerz auf morschen Baumstümpfen todte Exemplare 
von Limnophilus vitripennis mit Empusa behaftet fand, welche, obgleich 
eine kleine Abweichung zeigend, doch wohl zu E. radicans gehören dürfte. 

3) Empusa Aulicae Reichh. ist noch zu erwähnen, welche Assmann 
auch in Schlesien auf Raupen der Euprepia aulica fand; sie unterscheidet 
sich von der vorigen durch bedeutend grössere Sporen. 

6. Tarichium, Cohn. 
, Vielleicht verwandt mit Empusa ist die Gattung Tarichium, bis jetzt 
fehlen indess noch alle Beweise dafür durch Culturversuche. 

Dieser Pilz findet sich in Erdraupen und auch in anderen Insecten 
und verwandelt dieselben in kohlschwarze, trockene, zerbrechliche Mumien; 
das Blut der Raupen wird schwarz, es schwimmen darin unzählige 
schwarze Pünktchen mit Molecularbewegung. Der Pilz besteht aus keu- 
ligen oder schlauchförmigen Zellen von sichel- oder S-förmiger Gestalt, 
welche sich durch Scheidewände in einzelne Glieder theilen, die tonnen- 
förmig anschwellen und in einige kugelige Zellen zerfallen; einzelne 
verästeln sich, bilden Aussackungen, welche abgegliedert werden und eine 
drei- oder mehrstrahlige Form annehmen; dies sind nach Bail Gonidien, 
welche immer neue erzeugen und zuletzt keimen, wonach sie lange, ver- 
ästelte Schläuche bilden, die zu einem dichten Mycelium verwachsen und 
den ganzen Leib des Thieres anfüllen. Die Spitzen dieser Schläuche 
schwellen an und entwickeln sich zu braunen Dauersporen mit dickem 
Episporium; oft sind 2 Dauersporen vereinigt. Durch diese ganze Bildung 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 181 

unterscheidet sich dieser Pilz wesentlich von allen übrigen in Insecten 
parasitisch lebenden. Bei der Reife der Sporen verschwindet das Mycelium 
bis auf einen Rest von Dauer- Mycelium, der Inhalt der Sporen wird 
dichter und ölreicher, sie keimen erst nach einer langen Ruheperiode, 
indem das Episporium zerreisst und ein cylindrischer oder in der Mitte 
eingeschnürter Schlauch von stark lichtbrechender Kraft hervortritt. Die 
einzige bekannte Art: Tarichium megaspermum hat Cohn in den 
Raupen der Agrotis segetum (Saateule) entdeckt, welche die Raps- und 
Roggenfelder bei Constadt verwüstete. 

Ausserdem hat schon früher Fresenius 2" hierher gehörige Arten 
beobachtet, die er zu seiner Gattung Entomophthera stellt, nämlich: 

Tarichium sphaerospermum, in den Raupen von Pontia 

Brassicae, und 
Tarichium Aphidis, in den Larven von Aphis Comi. 

Ferner wäre hier noch eine Krankheit der Seidenraupen (Bombyx 
Mori), Gattine genannt, zu erwähnen, welche ebenfalls durch Pilze, die 
sogenannten Körperchen des Comalia, verursacht wird; es sind dies kleine, 
länglich ovale, bisweilen biskuitförmige Körperchen im Blute der Raupe, 
im Inneren mit 2 bis 3 Kernchen versehen, welche austreten sollen, um 
durch Anschwellung neue Körperchen zu bilden; sie zeigen oft amöben- 
artige Bewegungen. Nach Hallier soll die Krankheit durch Maulbeer- 
blätter entstehen, welche mit Pleospora herbarum behaftet sind. 

Zu den nur äusserlich am Körper der Insecten schmarotzenden Pilzen 
gehören die Arten der Gattung: 

Laboulbenia, Robin (Stigmatomyces, Karsten), 
welche kürzlich von Peiritsch einer eingehenden Untersuchung und Bear- 
beitung unterworfen worden ist. Die beschriebenen Arten finden sich an 
Fliegen, Nycteribien und Käfern. 

Auf einem kurzen Stielchen sitzt zunächst ein langer, cylindrischer, 
zweizeiliger Träger, dessen Membran sehr dick ist und aus 3 Schichten 
besteht, nach aussen einer derben braunen, dann einer mittleren gallert- 
artigen und einer innersten farblosen. Auf den Träger folgt das aus 
4 Zellen bestehende Fruchtlager, aussen ebenfalls braun gefärbt. Das 
dem Fruchtlager aufsitzende Perithecium ist unten bauchig erweitert und 
von seiner Basis entspringen eine Anzahl 8 Sporen enthaltender Schläuche; 
nach oben läuft das Perithecium in einen verschmälerten Halstheil aus, 
an dessen Spitze die reifen Sporen austreten. Seitlich am Ende des 
Trägers befindet sich ein eigenthümliches zweigartiges Organ, aus einer 
grösseren Basalzelle und einem gebogenen, mit Spitzen versehenen, aus 
mehreren übereinanderliegenden Zellen bestehenden Theile zusammen- 
gesetzt, wahrscheinlich ein männliches Befruchtungsorgan bedeutend. Die 
Sporen sind spindelförmig, zweizeilig, farblos und keimen gleich nach 
der Reife. 



182 Jahres - Bericht 

Peyritseh beschreibt in seiner Abhandlung folgende 3 Arten, von 
denen erstere schon früher bekannt war: 

1. Laboulbenia Muscae, auf Fliegen, deren Kopf, Unterleib und 
Beine bewohnend ; die Männchen iuliciren bei der Copula die 
Weibchen, daher letztere mehr oberhalb mit dem Pilze be- 
setzt sind. 

2. Laboulbenia Nycteribiae, auf Nyderibia- Arten, welche die 
Fledermäuse bewohnen. 

3. Laboulbenia Nebriae, auf den Flügeldecken und dem Hinter- 
leibe der Nebria brunnea. 

Früher wurde dieser Pilz gänzlich verkannt und z. B. von Kolenati 
für Würmer, von Anderen für eine Wucherung der Chitinhaut gehalten. 

In der Sitzung vom 15. Januar hielt Herr E. Schwarz einen Vor- 
trag über 

Die schlesischen Throscus- Arten. 

Die Bonvouloir'sche Monographie der Throsciden, bereits im Jahre 1859 
erschienen, ferner die Arbeit von Dr. Bethe über die europäischen Throscus- 
Arten (Stettiner Entom. Ztg. 1865) waren bisher für die Bestimmung der 
schlesischen Arten dieser Gattung noch nicht benutzt worden. Aus diesem 
Grunde führt Letzner's Verzeichniss der Käfer Schlesiens nur 3 Arten als 
sicher in Schlesien einheimisch auf und eine, Thr. carinifrons, als noch 
nicht mit Sicherheit in Schlesien nachgewiesen. Eine Bestimmung des in 
den grösseren schlesischen Sammlungen enthaltenen Materials constatirte 
5 schlesische Arten, so dass von den deutschen Arten""") nur Throscus 
Duvalii Bonv. fehlt. Diese 5 Arten sind folgende: 

1. Th. brevicollis Bonv. Selten, aber weit verbreitet, auf Ebene und 
das niedere Vorgebirge beschränkt. 

2. Th. dermestoides L. Häufig und über ganz Schlesien bis in die 
montane Region hinein verbreitet. 

3. Th. carinifrons Bonv. (elateroides Redt.). Etwas häutiger als Th. 
brevicollis, auf Ebene und Vorgebirge beschränkt. 

4. Th. exul Bonv. Ich sah nur zwei Exemplare in der Sammlung 
des Herrn Letzner ohne nähere Angabe des Fundortes. 

5. Th. obtusus Curt. Sehr selten aber weit verbreitet bisher in der 
Ebene und im Vorgebirge gefunden. 



*) Eine vom Vortragenden vorgelegte Bestimrnungstabelle der europäischen 
Throscus-Arten kann hier fortgelassen werden, weil inzwischen Dr. Redtenbacher 
in der 3. Auflage seiner „Fauna Austriaca" und Dr. Kraatz in der Berl. Ent. Ztg. 
1871 ähnliche Tabellen veröffentlicht haben. 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultnr. 183 

In der Sitzung vom 4. November hielt Herr E. Schwarz einen 
Vortrag über 

Die schlesischen Philhydrus-Arten. 

Das Verzeichniss der schlesischen Arten dieser Gattung (s. Letzner's 
Verz. der Käfer Schles, p. 48 und 317) unterliegt einigen Veränderungen 
hinsichtlich der Nomenclatur und Synonymie einiger Arten, ausserdem 
tritt zu den bereits bekannten eine für die schlesische Fauna neue Art 
hinzu.*") Schlesien zählt also jetzt folgende Arten: 

1. Ph. testaceus Fabr. (grisescens Gyllh). Ueber ganz Schlesien ver- 
breitet, bis 3500 Fuss ansteigend, häufig. 

2. Ph. ferrugineus Küst. (maritimus Thoms.). Bisher nur von Herrn 
Gerhardt in Liegnitz in einem Exemplare gefunden. 

3. Ph. frontalis Er. (nigricans Thoms.). In der Ebene und im Vor- 
gebirge, namentlich in Torfstichen nicht selten, aber nicht überall. 
Auf diese Art ist der in Letzner's Verzeichniss erwähnte Ph. nigricans 
Zett. zu beziehen. 

4. Ph. nigricans Zett. Bisher nur von Herrn Letzner und mir in 
einiger Anzahl in den Torfstichen bei Nimkau gefunden, sonst 
äusserst selten, von Herrn Gerhardt bei Liegnitz, von Herrn 
von Bodemeyer jun. bei Sarau, von mir bei Ustron in je einem 
Exemplare gefangen. 

5. Ph. melanocephalus Fabr. Ueberall häufig und bis auf die höchsten 
Kämme der Sudeten hinaufsteigend. 

6. Ph. marginatus Dufts, (ovalis Thoms.). Fast ebenso häufig wie der 
vorige, bis in die montane Region verbreitet. 

7. Ph. marginellus Fabr. (coarctatus GreolL). Bis auf die höchsten 
Kämme der Gebirge häufig. Der nach grösseren Exemplaren 
dieser Art beschriebene Ph. coarctatus Gredler (Käf. von Tirol 75. 3) 
findet sich nicht selten unter der Stammform. 

Ferner legte Herr E. Schwarz folgende Beschreibung einer in 
Schlesien aufgefundenen neuen Art aus der Gattung Coryphium vor: 

Coryphium Letzneri nov. spec. 

Fusco-testaceum, subnitidum, parce subtiliter pubescens, capite abdomineque 
apicem versus nigricantibus ,• ore, elytrorum apice pedibusque testaceis ; antennis 
fortioribus ; thorace transverso, lateribus ante medium rotundato-dilatato, disco 
longitudinaliter biimpresso; elytris fortius subrugoso-punctatis. — Long 3*/ 2 Mm. 

Patria: Silesia. (In monte Altvater collegit Dom. Letzner.) 



*) Cf. Zeitschrift für Entom. etc., Breslau. Neue Folge Heft III. Coleoptera 
pag. 15—20. 



184 Jahres -Bericht 

Bräunlich-gelb; vorn wenig, der Hinterleib kaum glänzend; sparsam 
fein, niederliegend behaart; der Kopf und die Spitze des Hinterleibes schwärz- 
lich, der Mund, der Hinterrand der Flügeldecken und die Beine hell röthlich- 
gelb. — Der Kopf ist dreieckig, sammt den Augen so breit und so gross 
als das Halsschild, oben schwärzlich, unten röthlich-braun, der Vorder- 
rand etwas aufgeworfen und glatt, sonst dicht punktirt; die Punkte auf 
dem Scheitel stehen etwas weniger dicht als an den Seiten; vorn zwischen 
den Augen befinden sich zwei runde Grübchen, Die Ocellen sind röth- 
lich und stehen von einander weiter entfernt, als jede einzelne vom 
Augenrande. Die Fühler sind viel kräftiger als bei C. angusticolle, etwas 
länger als Kopf und Halsschild zusammen, nach der Spitze zu schwach 
verdickt; die äusseren Glieder stärker behaart als die drei ersten, Glied 1 
gross, etwas angeschwollen, Glied 2 nur halb so lang als 1, länger als 
breit, Glied 3 ein wenig länger als 2, an der Basis viel schmäler als 
dieses, Glied 4 — 10 quadratisch, die äusseren allmälig etwas kräftiger 
werdend, Glied 1 1 fast so lang als die beiden vorhergehenden zusammen- 
genommen, lang- eiförmig, stumpf zugespitzt. — Das Halsschild ist fast 
um ein Drittheil breiter als lang, der Quere nach ziemlich stark gewölbt, 
vor der Mitte an den Seiten stark gerundet erweitert, von der Spitze der 
Erweiterung an nach hinten zu allmälig verengt; die Vorderecken sind 
abgerundet, der Seitenrand sehr fein crenulirt, die Hinterecken stumpf. 
Oben ist das Halsschild dicht und ziemlich stark punktirt, mit einem 
schwachen dreieckigen Eindrucke in der Nähe des Vorderrandes, ferner 
mit zwei schwachen Längseindrücken auf der hinteren Hälfte der Scheibe 
und mit einem tieferen Eindruck beiderseits innerhalb des Seitenrandes 
etwas hinter der Mitte. — Das Schildchen ist glatt. — Die Flügeldecken 
sind an der Wurzel nicht ganz um die Hälfte breiter als die Basis des 
Halsschildes, kaum doppelt so lang als dieses, nach hinten zu massig- 
erweitert, die hinteren Aussenwinkel sind abgerundet, die Naht tritt etwas 
hervor, der Hinterrand ist schwach aufgetrieben, die aufgetriebene Stelle 
selbst heller gefärbt als der übrige Theil. Die Punktirung der Flügel- 
decken ist stärker als die auf Kopf und Halsschild, die Punkte hie und 
da zu Querrunzeln zusammenlaufend. — Der Hinterleib ist kaum glänzend, 
dicht und fein punktirt, breit gerandet, von der Wurzel des 6. Segments 
an schnell gegen die Spitze verengt {cf). — Die Beine mit Einschluss der 
Hüften sind röthlich-gelb, kräftiger als bei C. angusticolle, die Schienen 
fein behaart, die Tarsen wie bei C. angusticolle gebaut, nur ist das Klauen- 
glied fast so lang als alle übrigen Glieder zusammen. 

Das einzige Exemplar,'"') nach welchem die obige Beschreibung ent- 
worfen ist, wurde von Herrn Hauptlehrer Letzner, dem ich diese neue 



*) Sicher ein <^, da die Vordertarsen erweitert und das 8. Abdominalsegment 
sichtbar ist. 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur, 185 

Art zu dediciren mir erlaube, im Altvatergebirge gefangen und mir zur 
Beschreibung gütigst anvertraut. 

Von C. angustkolle unterscheidet sich C. Letzneri, abgesehen von der 
Färbung, durch weniger gleichbreite Gestalt, viel kräftigere Fühler, kür- 
zeres Halsschild, verhältnissmässig kürzere, nach hinten mehr erweiterte 
Flügeldecken und kräftigere Sculptur der Oberseite.*) Der Habitus beider 
Arten ist ein gänzlich verschiedener: C. angustkolle erinnert mehr an 
Omalium, C. Letzneri gleicht einem kleinen Anthophagus. 

C. bifoveolatum Thoms. (Scand. Col. III 186), welchem C. Letzneri 
hinsichtlich der Färbung sehr nahe kommt, muss bis auf Weiteres als 
eigene Art angesehen werden; abgesehen von anderen Unterschieden 
scheint mir die Angabe Thomsons, dass die Halsschildhiulerecken seiuer 
Art „rectiusculi" sind — was durchaus nicht auf C. angustkolle und Letzneri 
passt — von Wichtigkeit zu sein. 

Folgende Tabelle giebt eine Uebersicht der 4 bis jetzt bekanntet] 
Coryphium- Arten : 

1) Oberseite ganz schwarz 2 

— „ wenigstens zum Theil hell gefärbt . . 3 

2) Fühler und Beine pechschwarz Gredleri Kr. 

— Fühlerwurzel uud Beine röthlich gelb .... angustkolle Steph. 

3) Fühler fast so lang als Kopf und Halsschild, dieses 

mit fast rechteckigen Hinterecken bifoveolatum Th. 

— Fühler länger als Kopf und Halsschild, dieses mit 

sehr stumpfen Hinterecken Letzneri. 

Herr Dr. Wocke hielt in der dritten Versammlung, am 12. Februar, 
einen demonstrativen Vortrag über 

Albinismus bei Schmetterlingen. 

Hierunter ist eine bei Arten aller Familien vorkommende vollständige 
Entfärbung einzelner Individuen zu verstehen. Selten sind ganz weisse 
Exemplare, häufiger findet nur eine mehr oder weniger vorgeschrittene 
Abblassung statt. Diese erstreckt sich entweder nur auf die Grundfarbe 
des Thieres, z. B. bei Pol. Phlaeas die ab. Schmidtii Gerh., oder auch auf 
die Zeichnungen. Was die Ursache dieser Erscheinung betrifft, so ist 
man über dieselbe noch vollständig im Unklaren, mangelhafte Ernährung 
kann nicht der Grund sein, da dergleichen Exemplare oft sehr gross und 
kräftig entwickelt sind, Futter oder Bodenbeschaffenheit ebenso wenig, 
da Albinos stets nur einzeln unter einer Menge normaler Exemplare vor- 
kommen. Von diesem Albinismus zu unterscheiden ist eine Erscheinung, 



*) Durch dieselben Merkmale unterscheidet sich C. Letzneri von C. Gredleri Kraatz 
(Berl. Ent. Ztg. 1870 p. 416). 



186 Jahres-Bericht 

die ebenfalls wohl bei allen Lepidoptern-Familien vorkommt, am häufigsten 
aber bei Tagfaltern, namentlich Argynnis- Arten und Satyriden, beobachtet 
wurde und die man partiellen Albinismus nennen könnte. Es erscheinen 
nämlich einzelne Theile der Flügel vollständig entfärbt, mehr oder weniger 
weiss, die Beschuppung ist dabei zarter, die Schuppen mehr oder weniger 
durchscheinend, die Flügelmembran zeigt sich etwas dünner, oft zusammen- 
gezogen, nicht selten auch findet ein geringer Substanzverlust statt. Ge- 
wöhnlich sind solche helle Flecke unsymmetrisch vertheilfc, nur sehr selten 
sind sie symmetrisch auf beiden Seiten gleich entwickelt, manchmal ist 
ein ganzer Flügel, oder es sind die beiden Flügel einer Seite entfärbt, 
selten ist der entfärbte Kaum so gross, dass nur kleine Stellen der ge- 
wöhnlichen P'ärbung übrig bleiben, in welchem Falle diese Form sich am 
meisten dem echten Albinismus nähert. Die Ursachen dieser Entfärbung 
sind ebenfalls noch nicht genügend erklärt, man hat geglaubt, sie in einer 
Einwirkung des Regens auf die Puppen suchen zu können, da man unter 
Faltern, die während eines Regens oder kurz nach demselben ausgeschlüpft 
waren, einige Mal solche gefleckte Exemplare gefunden; doch kommen 
dergleichen auch bei in der Gefangenschaft erzogenen Individuen vor, 
und die nicht selten mit der Erscheinung verbundene theilweise Ver- 
krüppelung scheint darauf hinzuweisen, dass hier wohl eine mangelhafte 
Ernährung die Schuld tragen mag. Ganz verschieden von den beiden 
angeführten Fällen ist die Erscheinung, dass bei manchen Arten (Coliaden) 
die Weibchen in einer hellen Form vorkommen, sei es einzeln als seltene 
Aberration unter der Grundform, sei es localisirt als beständige Race. 
Ebensowenig kann es als Albinismus betrachtet werden, dass manche 
Arten in einzelnen Gegenden eine hellere Färbung annehmen, wie die 
Lycaenen Coridon und Hylas Esp . in Südspanien oder manche Noctuen 
und Pyraliden im südöstlichen Russland, welche Varietäten wohl durch 
climatische und Bodeneinflüsse verursacht werden mögen und stets die 
ganze Art, nicht einzelne Individuen betreffen. 

in der Sitzung am 7. October berichtete derselbe über 
zwei in Schlesien bisher übersehene Eupithecien, 
die E. Digüaliata Dietze und Chloerata Mab., von welchen die erste früher 
für Varietät von Linariata, die zweite für Redangulata gehalten worden 
war. Digüaliata wurde bei Ransern im Juli als Raupe in den Blüthen 
von Digitalis ambigua gefunden, deren Oeffnung sie mit feinem Gewebe 
zuspinnt und die sie, wenn sie erwachsen ist, an der Seite durchbohrt, 
um sich zur Verpuppung zur Erde zu begeben. Chloerata lebt an Schlehen 
zur Zeit, wenn dieselben die ersten Blätter bekommen haben, also je 
nach der Witterung im April oder Anfang Mai; sie wurde bei Lissa ge- 
funden. — Ausserdem zeigte er eine Coleophora mit Sack vor, die um 
Breslau an Serratula tintioria und Centaurea Jacea lebt und die er bisher 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 187 

für C. Auriceila gehalten hatte*, sie unterscheidet sich aber von dieser 
durch kürzere Palpen, am Vorderrande weniger gebogene Vorderflügel 
und den Mangel einer feinen dunklen Linie in der Mittelzelle: sie wurde 
von dem verstorbenen Herrn von Heinemann als neue Art erkannt und 
Brevipalpella genannt. Als eine sehr selten vorkommende Art wurde 
Elachista Abbreviatella Sit. in zwei im Juli auf dem Schneebeige gefangenen 
Exemplaren vorgelegt. 

Hauptlehrer K. Letzner hielt am 11. März einen Vortrag über die 
weitere Entwiekelung des Lasioderma serricorne F. aus echter Rhabarber- 
Wurzel im Winter und Frühling dieses Jahres, worüber das Nöthigste 
bereits im Berieht des vorigen Jahres mit veröffentlicht worden ist. 

Derselbe sprach in der 8. Versammlung über eine mit Hydrobius 
fuscipes L. nahe verwandte, von Gerhardt in Liegnitz beschriebene neue 
Käferart: Hydrobius Rottenbergii Gerh., sowie über eine andere von ihm 
selbst benannte neue Curculionen-Species: Gymnetron Sckwarzii, deren 
Beschreibung bereits im Laufe des Jahres 1872 in der Zeitschrift des 
Vereins für schlesischc Insectenkunde, Neue Folge Heft 3, veröffentlicht 
worden ist. 

In der 11. Versammlung legte derselbe der Section das Verzeichuiss 
der zum Verkauf ausgebotenen Käfer-Sammlung des Grafeu Ferd. Kuenburg 
vor, welches von dem Herrn Apotheker Spatzier in Jägerndorf an die 
Sehlesische Gesellschaft eingesendet worden war. Als Beweis für die 
Reichhaltigkeit dieser Sammlung (worin 2600 Spec. an Exoten) erlaubte 
sich derselbe nur die Bemerkung, dass die Familie der Carabidae darin 
mit 1486 Arten vertreten ist, während Europa deren nur 1392 zählt. 

Hauptlehrer K. Letzner gab ferner in 3 Versammlungen weitere 

Nachträge zu seinem Verzeichnisse der Käfer Schlesiens. 
Seit meinem letzten Nachtrage zur Käfer -Fauna Schlesiens im De- 
cember 1871 ist dieselbe wiederum durch eine nicht unbedeutende Anzahl 
von Arten vermehrt worden. Dieselben waren jedoch nicht alle im Laufe 
dieses Jahres in unserer Provinz erst entdeckt, sondern zum grossen Theile 
unter früher gefangenen Vorräthen durch eine mittelst neuerer Werke 
ermöglichte genauere Bestimmung aufgefunden worden. Diese zur schles. 
Fauna neu hinzutretenden Käferarten sind in systematischer Ordnung 
folgende : 
1. Laccophilus variegatus St., am Rande eines Wassertümpels in der Nähe 
der Strachate (eines Waldes 1 Meile von Breslau) im März d. J. in 
2 Exemplaren") von Herrn Schwarz und mir aus dem angeschwemm- 
ten Gerolle gesiebt. 



*) Auch Anfang April 1873 ist das Thier an derselben Localität in mehreren 
Stücken wieder aufgefunden worden. 



188 Jahres-Bcricht 

2. Hydrobius Roüenbergii Gerh. Mit H. fuscipes L. in stehenden Ge- 
wässern der Ebene und des Vorgebirges, und ebenso häufig. Bis 
jetzt sind an Fundorten constatirt: Breslau, Canth, Liegnitz, Bunzlau, 
Kohlfurt, Bögenberge bei Schweidnitz, und Schmiedeberg. 

'S. Hydrobius carinatus Thoms. In der Ebene und im Gebirge bis 4500 F. 
in allen stehenden Gewässern gemein. — Das Thier wurde bisher 
für Hydr. globulus Payk., Umbatus F., gehalten, welcher jedoch nur 
in den mittleren Regionen des Gebirges vorzukommen und weniger 
häufig zu sein scheint. 

4. Philhydrus nigricans Zeit. In stehenden Gewässern der Ebene ziem- 
lich selten. Östron (Schwarz), Nimkau, Liegnitz, Loinnitzer Haide 
bei Schmiedeberg. Wurde bisher von den Entomologen mit Philhydrus 
frontalis Er., nigricans Thoms. vereinigt. 

5. Helophorus tuberculatus Gyl. Zuerst im Juni d. J. von Hrn. v. Bodemeyer 
in einem Torftümpel bei Kohlfurt, später an der Oberfläche des 
feuchten Torflagers von Baron v. Rottenberg und Schwarz, im Juli 
auch von Gerhardt in mehreren Stücken gefangen. 

6. Helophorus dorsalis Er., Erichsonii Bach, in einem Stücke von Gerhardt 
bei Liegnitz aufgefunden. — Wahrscheinlich ist diese Art mit H. 
Lapponicus Thoms. identisch. 

7. Microglossa marginalis Gyl., rußpennis Kraatz. Herr Schwarz fand 
1 Stück bei Liegnitz, das er meiner Sammlung freundlichst über- 
lassen hat. 

8. Homalota fragilicornis Kraatz. Hohendorf bei Liegnitz (v. Rottenberg). 

9. Homalota cavifrons Sharp, Ein Stück von Gerhardt bei Liegnitz er- 
beutet. 

10. Bolitobius bicolor Grav. Rother Berg im Altvater- Gebirge in Pilzen 
(Hiller). 1. Nachtr. zu Reitter's üebers. der Käferfauna von Mähren 
und Schlesien. 

11. Mycetoporus angularis Muls. Reinerz (v. Rottenberg), Glatzer Schnee- 
berg (Schwarz). 

12. Lathrobium picipes Er. Ufer der Katzbach bei Liegnitz nach einer 
Ueberschwemmung (Gerhardt), Ufer der Weistritz bei Schweidnitz 
(mehrere Stücke, v. Bodemeyer jun.). 

13. Paederus caligatus Er., paludosus Dietr. Von Herrn Schwarz in einem 
Stücke (das er meiner Sammlung zu überlassen die Gewogenheit 
gehabt hat) im Juni d. J. bei Östron im Bette der Weichsel auf- 
gefunden. 

14. Stenus punctipennis Thoms. Von Herrn Schwarz im Juli d. J. am 
Glatzer Schneeberge in einem Exemplare gefangen, das er ebenfalls 
meiner Sammlung freundlichst eingereiht hat. 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 189 

15. Stenus scrutator Er. Im März vorigen Jahres nach der Frühjahrs- 
Ueberschwemmung bei Breslau im Gerolle ein Männchen von mir 
erbeutet. 

16. Stenus crassiventris Thoms., nigritulus Er. Bei Breslau ein Stück in 
früheren Jahren von mir gefangen. 

17. Stenus montivagus Heer. Von Herrn Schwarz einzeln bei Reichenstein 
und am Hochwalde, bei Camenz im August unter Laub häufig ge- 
funden. 

18. Stenus f us cicornis Er. Ein Stück, wahrscheinlich bei Breslau früher 
von mir gesammelt. 

19. Stenus ßavipalpis Thoms. Wie bei der vorstehenden Art. 

20. Omalium Lapponicum Zeit. Bei Albendorf in der Grafschaft Glatz 
1 Stück (v. Rottenberg). 

21. Micropeplus caelatus Er. Nach der freundlichen Mittheilung des Herrn 
Baron v. Rottenberg von Pfeil (nach dessen Sammlung) bei Glogau 
gefunden. 

22. Anisotoma rotundata Er. Altvater-Geb. (rother Berg, Weise). l.Nachtr. 
zu Reitt. Fauna von Mähren und Schlesien. 

23. Bister rußcornis Grimm. Bei Breslau und Liegnitz, selten (Schwarz). 

24. Gnathoncus punctulatus Thoms. Bisher mit G. rotundatus El. vermengt, 
mit dem er bei Breslau an denselben Orten und fast ebenso häufig 
vorkommt. Auch bei Liegnitz (Schwarz). 

25. Epuraea silesiaca Reitt. Von Reitter in Oesterr. Schlesien (Umgegend 
von Teschen) aufgefunden. 

26. Epuraea nanula Reitt., binotata Reitt. Im Vorgebirge, selten. In 
mehreren Stücken von Herrn v. Rottenberg, Schwarz (bei Friedland) 
und mir gefangen. 

27. Epuraea laeviuscula Gyl. Von mir bereits vor einer Reihe von Jahren 
in einem Exemplare in Schlesien gefunden. 

28. Meligethes pumilus Er. Von Herrn Schwarz 1 Stück bei Liegnitz. 

29. Meligethes bidens Bris. Ein von mir in Schlesien gefangenes, von 
Herrn Reitter bestimmtes Stück in meiner Sammlung. 

30. Meligethes obscurus Er., J palmatus Er. Sehr selten, Paskau (Reitter). 
1. Nachtr. zu Reitt. Fn. von Mähr. u. Schles. 

31. Meligethes aestimabilis Reitt. Von Herrn Schwarz und mir bei Breslau, 
in den Bögenbergen und bei Ustron mehrfach gesammelt. 

32. Meligethes anthracinus Bris. Nach Reitter (Berl. ent. Zeitschrift 1872 
p. 266) in einem Stücke in Schlesien aufgefunden. 

33. Meligethes Moraviacus Reitt. Von Reitter bei Paskau entdeckt, von 
mir bei Breslau. 

34. Meligethes Dieckii Reitt. Von Reitter im österreichischen Schlesien, 
von mir in 2 Exemplaren bei Breslau gefangen. 



190 «Jahres-Bericht 

35. Meligethes fuliginosus Er. Bei Liegnitz, selten (Gerhardt). 

36. Meligethes Rosenhaueri Reitt. Bei Breslau ziemlich häufig; von Herrn 
Schwarz und mir auf Anehusa officinalis gesammelt. 

37. Meligethes brachialis Er. Bei Liegnitz von Gerhardt, im Riesengebirge 
von mir gefunden. 

38. Meligethes bidentaius Bris. Bei Breslau in 3 Stücken von mir gefangen. 

39. Meligethes (Acanthogethes) solidus Kug. Ein bereits vor einigen Jahren 
von mir in Schlesien gefangenes Stück. 

40. Myrmecoxenus vaporariorum Quer. Von Herin v. Bodemeyer und mir 
in Schlesien aufgefunden. 

41. Lathridius carinatus Gyl. Am Hochwalde von Herrn Schwarz und 
mir in einigen Stücken gesiebt. 

42. Lathridius fungicola Thoms. Ziemlich selten. Breslau, Liegnitz, 
Münsterberg. 

43. Lathridius tesiaceus Steph., cordaticollis Aub. } crenicollis Thoms. Von 
Oberst Quedenfeld bei Liegnitz, von Herrn v. Battenberg in Wättrisch 
bei Jordansmühl entdeckt. 

44. Aphodius maculatus St. Im Altvater- und Glatzer Schnee-Gebirge, 
sehr selten. Leiterberg (Weise), Schneeberg (v. Hahn). 

45. Geotrupes mesoleius Thoms. Mit den Verwandten in Gesellschaft und, 
wie es scheint, nicht gerade seilen. Von mir auch auf der Insel Sylt 
angetroffen. 

46. Dorcatoma serra Panz. und Muh. Im Holze rothfauler Eichen mit 
D. chrysomelina St. und Jlavicornis F. in Gesellschaft und ebenfalls 
häufig. 

47. Xylophilus Fennicus Mannh. Nach Dr. Kraatz (Berl. ent. Zeitschrift 
1863 p. 439) von Roger in Oberschlesien gefangen. 

48. .. Meloe deeora Brandt et Ratzb., pygmaea Redt. Nur in 1 Exemplare 

bei Freistadt im Fürstenthum Teschen (Kotula). 1 . Nachtr. zu Reitt. 
Fauna von Mähren und Schlesien. 

49. Rhynchites uncinatus Thoms. Mit R. nanus häufig auf Salix eaprea 
durch das ganze Gebiet. 

50. Phytonomus contaminatus übst. Bei Breslau und Liegnitz von Schwarz, 
Gerhardt und mir in mehreren Stücken gesammelt. 

51. Phytonomus Julinii Sahlb., in meinem Verzeichnisse p. 232 als Var. 
von Ph. pollux F. aufgeführt, gilt jetzt für selbstständige Art, und 
wurde von mir am Königshainer Spitzberge bei Glatz auf Gesträuch 
angetroffen.**) 



*) 'Phytonomus ovalis Boh., den Dr. Kraatz als von Dr. Schneider bei Reinerz 

gefangen angiebt (Beil. ent. Z. 1871 p. 170) wird von Kirsch zu Phyt. Oxalü übst. 

gezogen und ist auch von anderen schlesischen Entomologen in Schlesien ge- 
fangen worden. 



der Schles. G eselisch. f. vaterl. Cultur. 191 

52. Otiorhynchus spoliatus Stiert. Nach Stierlin (Berl. ent. Zeitschr. 1872 
p. 322) befinden sich in Schlesien gefangene Stücke dieser Art in 
dessen Sammlung. 

53. Otiorhynchus Kollari Germ. Elgot im Fürstenlhum Teschen (Kotula). 
1. Nachtr. zu Reitter's Fauna von Mähren und Schlesien. 

54. Lixus punctiventris Boh. Von Zebe 1 Stück gefangen (Dr. Kraal z in 
Berl. ent. Zeitschr. 1872 p. 143). 

55. Magdalinus Kraatzii Weise. Von dieser in der Berl. ent. Zeitschrift 
1872 p. 149 beschriebenen Species sind in früheren Jahren nur wenige 
Stücke von Herrn Schwarz, Herrn Gerhardt und mir in Schlesien 
gefangen worden. 

56. Erirhinus Gerhardti Letzn. An Graswurzeln (Aira, Luzula) im höheren 
Gebirge ziemlich selten, im Vorgebirge sehr selten. Altvater, Glatzer 
Schneeberg (ziemlich häufig, Schwarz), Riesengebirge, Friesensteine, 
Bögenberge (v. Bodemeyer jun.). 

57. Ceuthorhynchus albo scutellatus Gyl., consputus Germ., rubescens Boh. In 
mehreren Stücken bei Breslau und Liegnitz von Herrn Gerhardt und 
mir gesammelt. 

58. Ceuthorhynchus Hampei Bris. An der alten Oder bei Breslau 1 Stück 
von mir aufgefunden. 

59. Ceuthorhynchus albosignatus Gyl. Von mir in der Umgegend von 
Breslau nur in einem Exemplare gefangen. 

60. Bagous subcarinatus Gyl. Am Jakobsdorfer See bei Liegnitz in meh- 
reren Stücken (Gerhardt). 

61. Bagous nigritarsis Thoms. Mit Bagous lutulenlus Schh. in Gesellschaft 
und ebenso häufig. Breslau, Liegnitz. 

62. Gymnetron Schwarzii Letzn. Bis jetzt nur bei Breslau (alte Oder, 
Karlowitzer Sandhügel) an unfruchtbaren Sandstellen auf Plantago 
arenaria (in deren Samen Larve und Puppe) vom Juni bis Ende Sep- 
tember häufig. 

63. Mecinus janthinus Germ. Von Herrn Schwarz im Mai d. J. an einem 
Ohladamm unfern des Josephinen-Berges bei Ottwitz in 1 Stück er- 
beutet; das er meiner Sammlung freundlichst überlassen hat. 

64. Bostrychus amitinus Eichh. Im Riesen- und Altvater- Gebirge unter 
Fichten- und Knieholz-Rinde häufig. — Das Thier dürfte nach Gerhardt 
vielleicht mit dem aus dem Kaukasus bekannten B. Judeichii Kirsch 
zusammenfallen. 

65. Criocephalus epibata Schiödte, ferus Kraatz. Bisher mit C. rusticus L. 
vermengt und wahrscheinlich über ganz Schlesien verbreitet; an 
manchen Orten häufiger als der Letztgenannte. 

66. Clytus Capra Germ. Ist im Sommer des Jahres 1872 auf dem Holz- 
platze in Breslau an Klafterholz, welches aus Oberschlesien hierher 
gekommen, in Mehrzahl gefangen worden. 



192 Jahres-Bericht 

67. Axinopalpus gracilis Kryn. Bei Ottwitz am Ohla-Damme unfern des 
Josephinen-Berges von mir in einem Stücke in Gegenwart des Herrn 
Schwarz erbeutet. 

68. Pachyta erratica Dalm., 7signata Küst. Auf einer Wiese bei Alt- 
hammer im Fürstenthum Teschen in mehreren auf einander folgenden 
Jahren (Schwab). 1. Nachtr. zu Reitt. Käferfauna von Mähren und 
Schlesien. 

G9. Haltica (Crepidodera) chloris Foudr. In der Ebene und im niederen 
Gebirge auf Weiden mit 77. versicolor in Gesellschaft zieml. häufig. 

70. Haltica (Phyllotreta) diademata Foudr. Unter H. atra und obscurella 
von Herrn Schwarz und mir in einigen Exemplaren aufgefunden. 

71. Cassida lucida Suffr. Im Altvater -Gebirge von Weise gekäschert. 
1. Nachtr. zu Reitter's Käferfauna von Mähren und Schlesien. 

Ausserdem ist 1) der in meinem Verzeichnisse aufgeführte Pachybrachys 
histrio Oliv, in P. Halictensis Mill. umzuändern. Ersterer kommt in Schlesien 
nicht vor und die bisher von den Breslauer Entomologen seit 30 — 40 Jahren 
dafür gehaltenen Thiere, welche in Schlesien wohl durch das ganze Ge- 
biet auf Weiden fast ebenso häufig als P. hieroglyphicus F. gefunden 
werden, sind P. Ilaliciensis Mill. Derselbe wurde im Mai d. J. von Herrn 
Schwarz und mir auch in Ustron auf Miricaria germanica in grosser An- 
zahl, aber eben so oft an derselben Localität auf Weidensträuchem, 
namentlich Salix purpurea, gefangen. — P. Haliciensis ist übrigens neu für 
die deutsche Fauna. — 2) Statt Plectroscelis (Chaetocnema) subcoerulea der 
Name P. meridionalis Foudr. zu setzen. 

Nach dem vorjährigen Jahresberichte der Schlesischen Gesellschaft 
betrug die Zahl der Käferarten Schlesiens am Ende des Jahres 1871 
4041 Species; rechnet man die vorstehend aufgeführten 71 Arten hinzu, 
so würde die gegenwärtige Zahl derselben sich auf 4112 Arten belaufen. 
Es sind jedoch davon einstweilen in Abzug, zu bringen, als auf wahr- 
scheinlich falschen Bestimmungen beruhend, oder weil sie mit anderen 
Arten vereinigt worden, 16 Species, nämlich: Trechus nigrinus, Tr. rotun- 
dipenniSj*) Stenus nitidus, Stenus pumilio, Meligethes coeruleovirens Forst., 
M. 4striatus Forst. Q= ochropus), M. Marrubii Bris. (= nanus), M. seniculus 
Er. (== murinus), M. quadridens Forst. (= serripes), Melolontha albida Er., 
Plintfius Megerlei, Phytonomus intermedius, Phyt. elegans, Phyt. tessellatus, 
Bagous tibialis (= Hydronomus Alismatis Marsh.) und Ceuthorhynchus arator. 
Demnach stellt sich die Zahl der schlesischen Käfer-Species am Ende des 
Jahres 1872 auf 4096 Arten. 



*) Zwar ist Tr. rotundipennü nach Sturm (VI, 92) vom Med.-Assess. Günther 
bei Breslau gefangen, aber schon in der Stett. ent. Z. VII, 107 ist nachgewiesen, 
dass dieses Thier = Tr. pulchellus ist. 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 193 

In der 6., 9. und 11. Versammlung der Section gab Hauptlehrer 
K. Letzner eine Uebersicht der bis jetzt in Schlesien beobachteten 
Dipternschwärme, und knüpfte daran die an den Präses der Schles. 
Gesellschaft, Herrn Geh. Medicinal-Rath Prof. Dr. Goeppert eingegangenen 
uud von demselben ihm freundlichst mitgetheilten Berichte über die im 
Jahre 1872 in Schlesien und Brandenburg wahrgenommenen 

Schwärme der Chlorops ornata Meig. 

Obgleich die Diptern, wie bekannt, im Allgemeinen sich dadurch 
auszeichnen, dass die einzelnen Arten einen viel grösseren Verbreitungs- 
bezirk haben und in einer verhältnissmässig grösseren Menge von Indi- 
viduen vorhanden sind, als dies bei anderen Insecten-Ordnungen der Fall 
ist, so treten dieselben doch verhältnissmässig selten in so ungeheuren, 
Wolken bildenden Massen auf, wie man dies z. B. bei Heuschrecken und 
mehreren Netzflüglern beobachtet. Seit dem Jahre 1825 sind in Schlesien 
von Entomologen der Provinz nur die Beobachtungen folgender weniger 
Fälle in den Verhandlungen der Schles. Gesellschaft niedergelegt worden: 

Im Jahre 1825 berichtet Schummel: 1) dass im Jahre 1824 eine 
Sciara, ein Chironomus und Oscinis lineata F. in ungeheurer Masse an der 
Nicolai- (Ohl-) Brücke und als Wolke über dem Elisabet-Thurme in 
Breslau erschienen seien (4. Bull, der naturw. Sect. 1825 S. 13); 2) die 
mückenartigen Insecten, welche am 26. April und die nächstfolgenden 
Tage des Jahres 1824 die dichte Rauchwolke über dem Elisabet-Thurme 
bildeten, gehören vorzüglich der Gattung Chironomus an (Uebers. der 
Arb. 1825 S. 43); 3) unter den Zweiflüglern, welche im Jahre 1825 sich 
wieder in grosser Menge bei der Nicolai-Brücke und am Elisabet-Thurme 
zeigten, war die grösste eine Sciara Meigen's (Uebers. der Arb. 1825 S. 29); 
ferner 1834: Dilophus vulgaris Meig. sei Mitte August in ungeheurer Menge, 
auch in den Häusern der Stadt, beobachtet worden. 1848 theilt derselbe 
mit, dass sich eine ungeheure Menge von Chironomus virescens Meig. in 
Breslau über den Lampen der Mohren- und Kränzelmarkt- Apotheke ge- 
zeigt habe. — Im Jahre 1838 hat Gymnasial-Professor Schilling das sehr 
häufige Vorkommen des Chironomus annularis (f) bei Breslau constatirt, 
und in den Vierziger und Fünfziger Jahren dieses Jahrhunderts sind in 
der Nähe der Brücken über die Ohla in der inneren Stadt von mir und 
anderen noch lebenden Personen im Juli und August mehrfach Schwärme 
einer Chironomus - Art wahrgenommen worden. Die Thiere wurden vom 
Volke Cholera-Fliegen genannt. 

Ausserdem findet sich in Germar's Magazin Bd. 1 Heft 1 S. 137 
folgende, jeden Falles von dem schlesischen Entomologen Richter aus den 
schles. Provinzial-Bl. (1812, Augustheft, S. 149) wörtlich an Germar mit- 
getheilte Beobachtung aus Sagan vom Jahre 1812: Den 17. Juli Nach- 
mittags gegen 2 Uhr wurden an der Spitze des Thurmes der Stadt- 

13 



194 Jahres -Bericht 

Pfarrkirche schwarze Rauchsäulen bemerkt. Es war eine ungeheure 
Menge Mücken, welche in einer Höhe von 200 Fuss auf- und nieder- 
stiegen (Culex pipiensf). Diese Erscheinung ereignete sich auch an dem- 
selben Tage zu Sorau in der Nieder- Lausitz. 

Demnach sind es Zweiflügler aus 3 Familien, die hierselbst in grossen 
Massen aufgetreten sind, nämlich 1) aus der Familie der langhörnigen 
Mücken die Gattung Chironomus, Zuckmücke, deren Larven in stehendem, 
fauligen und stinkenden Wasser leben, und daher in dem durch die Stadt 
gehenden Bett der Ohle eine höchst günstige Localität zu ihrer Ent- 
wickelung besassen. Zu dieser Familie gehört auch die zuweilen in 
grossen Schwärmen auftretende Singmücke, Culex pipiens. — 2) Aus der 
Familie der dickhörnigen Mücken die Gattungen Sciara (Trauermücke) 
und Dilophus (Strahlmücke), deren Larven in Pilzen und unter Moos 
leben. — 3) Aus der Familie der eigentlichen Fliegen die Gattung Chlorops 
Meig. (wozu die Gattung Oscinis Macq. gehört), von welcher die Larven 
meist in Gräsern leben und sich daher nicht so leicht massenhaft ent- 
wickeln können, wie die zu der 1. Familie gehörenden Thiere. Aus 
dieser Familie ist seit dem Jahre 1825 kein massenhaftes Auftreten einer 
Art in Schlesien mehr beobachtet worden, es ist daher interessant, dass 
in dem laufenden Jahre mehrfache Beispiele davon constatirt sind. In 
allen diesen Fällen war es Chlorops (Untergattung Chloropisca Loew) 
ornata Meig., die vom Juni bis in den October (in einem Falle selbst 
bis in den December und Januar) durch die Witterungsverhältnisse be- 
günstigt, in staunenswerther Menge aufgetreten ist. Sie ist in der Provinz 
Posen von Herrn Director Prof. Dr. Loew schon vor einer Reihe von 
Jahren im Mai in zahllosen Schaaren beobachtet und ausführlich be- 
schrieben worden in der Bresl. Zeitschr. für Entomol. Jahrg. 15. 

Die im Jahre 1872 gemachten Beobachtungen über das Massen- 
Auftreten dieses Thieres sind in folgender Reihe eingegangen: 

1) Herr Apotheker Pfeiffer in Steinau a. d. Oder berichtet an Herrn 
Geh. Med.-Rath Prof. Dr. Goeppert: Hierselbst zeigte sich am 7. Sep- 
tember c. um den Thurm eine Wolke, so dass sich in der Stadt das 
Gerücht verbreitete, derselbe sei in Brand gerathen. Zwei hinauf gesendete 
Personen constatirten indess den Fliegenschwarm und beruhigten die Ein- 
wohner. — Eingesendete Exemplare dieses Thieres sind von Herrn Prof. 
Dr. Loew als der oben genannten Chlorops-Art angehörig erklärt worden. 

2) Herr Th. Donat in Erdmannsdorf bei Schmiedeberg schreibt unter 
dem 19. September an Herrn Geh. Rath Prof. Dr. Goeppert: Seit unge- 
fähr 8 Tagen hat sich in einem Zimmer des Fabrik-Dirigenten Boege 
eine furchtbare Zahl Fliegen eingenistet. Die bisher gegen diese Plage 
angewendeten Mittel, Rauch und Chlorgas, haben die Thiere, welche sich 
besonders an der Decke und den oberen Theilen der Fenster unter be- 
ständigem Summen bewegen, wohl in Aufregung versetzt, aber nicht ver- 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 195 

trieben. — Mehrere Tausend der Thiere wurden lebend eingesendet und 
gehörten Chlorops ornata an. 

3) Herr Kaufmann J. P. Sedlaczek in Tarnowitz theilt unter dem 
7. October in Folge der durch den Herrn Präses der Schles. Gesellschaft 
veranlassten Veröffentlichung der vorstehenden beiden Beobachtungen 
durch die Schlesische und Breslauer Zeitung Folgendes mit: In dem 
oberen, nach Osten gelegenen Zimmer meines Gartenhauses, welches zur 
Aufbewahrung von Blumen und Gewächsen benutzt wird, hatten sich 
Mitte September „viele Millionen Fliegen eingefunden, so dass die ganze 
Decke, die Wände und die beiden Fenster dieses Zimmers von ihnen 
eingenommen wurden und die ursprüngliche Farbe desselben fast nicht 
mehr zu erkennen war." — Auf eine an ihn gerichtete Anfrage theilte 
derselbe noch nachträglich freundlichst mit, dass ein Schwärm von Fliegen 
im Freien bei Tarnowitz, soviel ihm bekannt, nicht beobachtet worden 
sei, er auch nicht angeben könne, ob die Fliegen sämmtlich an einem 
Tage durch die geöffneten Fenster in das Zimmer eingedrungen seien. 
Am 21. October waren sehr viele derselben noch am Leben, und es 
wurden eine grosse Menge von ihnen auf meine Bitte zur Constatirung 
der Art auf das Freundlichste von Herrn Sedlaczek an mich eingesendet. 
Sie gehörten ebenfalls der Chlorops ornata Meig. an. 

In Folge der Veröffentlichung vorstehender Beobachtung durch die 
hiesigen beiden Zeitungen Ende October, und des dabei ausgesprochenen 
Wunsches nach weiteren Mittheilungen über etwa beobachtete Fliegen- 
schwärme, sind an Herrn Geh. Med.-Rath, Prof. Dr. Goeppert noch fol- 
gende Beobachtungen eingegangen : 

4) Herr v. Borwitz-Harttenstein auf Hammerhof bei Schmiedeberg 
(also unfern Erdmannsdorf im Hirschberger Thale gelegen) schreibt unter 
dem 4. November also : „Seit einigen Jahren erscheint hier (in Hammerhof) 
im August zu Milliarden eine Fliege, welche, wenn es kalt wird, wieder 
verschwindet. In den Wohn- und Schlafzimmern bedecken diese Fliegen 
die Decke so, dass deren Farbe unkenntlich ist. Vergeblich habe ich 
versucht, diese Thiere hinausjagen zu lassen; wo das Tuch die Decke 
berührte, wurden fettige Streifen, und da viele zu Boden fielen und zer- 
treten wurden, so entstanden auf den Dielen Flecke, als wenn dieselben 
mit Oel bespritzt worden wären. Menschen belästigen diese Thiere nicht, 
aber wenn der Morgen graut, beginnen sie im Zimmer zu schwärmen, 
was ein ziemlich starkes Geräusch verursacht und wobei viele auf Betten 
und andere Gegenstände herabfallen." — Da ihr erstes Auftreten stets 
auf Schüttböden des Herrn v. Borwitz stattfindet, so schliesst derselbe, 
dass diese Fliegen das Getreide lieben und daselbst die Körner des Rog- 
gens und Weizens beschädigen. Dies letztere ist ganz gewiss nicht der 
Fall, da diese Thiere, so viel bekannt, sich in dem grünen Halme von 
Gräsern entwickeln, die vollkommen entwickelten Fliegen aber mit ihrem 

13* 



196 Jahres-Bericht 

Saugrüssel nur Flüssigkeiten als Nahrung zu sich nehmen können. Die 
mitgesendeten Getreidekörner waren von dem weissen Kornwurme oder 
der Kornmotte, Tinea granella L., beschädigt. — Dass die auf Pflanzen- 
kost angewiesenen Fliegen den Menschen nicht belästigen, ja sogar fliehen, 
ist selbstverständlich. Es geht übrigens auch daraus schon hervor, dass 
dieselben in die Gebäude nur eingedrungen sind, um daselbst ein ihnen 
zusagendes Unterkommen oder Schutz zu suchen. Da die in Rede stehen- 
den Thiere sehr weich und zart sind, so zerdrückt sie schon der leiseste 
Schlag mit einem Tuche, und da ihr Leib namentlich in der ersten Zeit 
ihrer Lebensdauer strotzend mit gelblich- weissen Säften und dem den 
Insecten eigenen Fettkörper angefüllt ist, so können die durch ihr Tödten 
hervorgebrachten, oben erwähnten Spuren an Decke und Boden durchaus 
nicht als etwas Auffallendes erscheinen. 

Die vielen von Herrn v. Borwitz - Harttenstein freundlichst seinem 
Berichte beigefügten Thiere gehörten zu Chlorops (Chloropisca) ornata Meig. 

5) Herr H. v. Ludwig auf Schönau bei Landeck in der Grafschaft 
Glatz theilt unter dem 7. November an Herrn Geh. Med.-Rath Professor 
Dr. Goeppert mit, dass in seinem Billard-Zimmer und in einem daran- 
stossenden kleinen Pflanzenhause in den Monaten September und October 
dieses Jahres „eine kleine, graugelb aussehende Fliege sich in so grosser 
Masse eingefunden habe, dass, ungeachtet täglich mehr als ein halbes 
preuss. Quart derselben getödtet und in's Feuer geworfen wurde, die 
Fenster und Zimmerdecken doch ganz dicht, weniger dicht auch die 
Wände mit diesem Thiere besetzt waren." — Auf meine Mitte November 
an Herrn v. Ludwig gerichtete Bitte um geneigte Zusendung einiger, wenn 
auch todter Fliegen (zur Feststellung der Species) theilte mir derselbe 
freundlichst mit, dass keine mehr aufzufinden seien. Aus dem Vorkommen 
des Thieres und der oben angegebenen Bezeichnung desselben lässt sich 
wohl mit ziemlicher Gewissheit schliessen, dass dasselbe ebenfalls die 
Chloropisca ornata gewesen sei. 

6) F. Ellen v. Zawadzky auf Schloss Gross -Ossnigk bei Kottbus 
(also in der Provinz Brandenburg gelegen) hat an Herrn Geh. Med.-Rath 
Prof. Dr. Goeppert unter dem 11. November folgende Beobachtung ein- 
zusenden die Freundlichkeit gehabt: „Beifolgende kleine Fliege" (es ist 
ebenfalls Chloropisca ornata Meig.) „hat sich in dem von uns bewohnten 
Schlosse (aber in der ganzen Umgegend nur hier) Anfang September in 
vielen Milliarden eingefunden. Ihre Anzahl war so gross, dass ein Speise- 
saal mit weisser Tapete, der 32 Fuss Länge hat, vollkommen schwarz 
aussah. Auf den Dielen und an der Decke wogte es förmlich und kein 
Mensch konnte den Raum betreten. Ebenso war es in einem grossen 
Corridor, der quer durch das Schloss führt, und in 5 kleineren Zimmern. 
Wir hatten keine Ahnung, wo die Fliegen hergekommen, und gaben dem 
wilden Weine, der die Fenster umrankt, die Schuld. Um die Zimmer 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 197 

wieder benutzbar zu machen, schlössen wir sämmtliche Thüren und Fenster, 
zündeten Pulver an, Hessen den Dampf eine Weile im Zimmer und dann 
die Fliegen, die nun in grossen Haufen am Boden lagen, wegkehren. 
Wir haben an einem Tage vielleicht 6 Liter derselben fortgebracht und 
glaubten nun von ihnen erlöst zu sein; wir Hessen sämmtliche Fenster 
geschlossen, fanden aber am anderen Morgen noch grössere Massen vor. 
Durch fortgesetztes Abbrennen von Pulver gelang es uns endlich, die 
Zimmer, die allerdings im Laufe des Sommers fast gänzlich unbewohnt 
gestanden hatten, von den kleinen Insassen zu befreien. In den Zimmern, 
in welchen wir uns täglich aufhielten, sowie in den Schlafzimmern hat 
sich Nichts gezeigt." 

7) Herr Geh. Med.-Rath Prof. Dr. Goeppert hatte die Gewogenheit, 
mir unter dem 10. Januar 1873 Folgendes mitzutheilen : „In der Villa des 
Herrn Dr. Heymann, am Wege nach der Fürstenbrücke in Scheitnig ge- 
legen (früher dem Kaufmann Oertel gehörig), hatte sich die beifolgende 
Fliege seit dem Juni vor. J. in allen nach der Waldseite zu befindlichen 
Zimmern so eingenistet, dass man ihrer kaum Herr zu werden vermochte. 
Erst jetzt fangen sie an sich zu verringern." — Das in Menge eingesendete 
noch lebende Thier war ebenfalls Chloropisca ornata Meig., hatte sich 
wahrscheinlich in den die Villa umgebenden Rasenplätzen entwickelt und 
war bei dem warmen Winter dem Tode des Erfrierens bisher entgangen. 
— Die erwähnte Villa gehört einer der Vorstädte Breslaus an. 

Somit wäre im Sommer des Jahres 1872 ein Massen- Auftreten der 
Chlorops ornata M. an 7 Orten beobachtet worden, nämlich zu Tarnowitz 
in Oberschlesien, Schönau bei Landeck, Hammerhof und Erdmannsdorf 
bei Schmiedeberg, Breslau, Steinau a. d. 0. und Gross-Ossnigk, erstere 6 
in Schlesien. Die Entwickelung des Thieres hat demnach gleichmässig 
ebensowohl in Ober-, als in Mittel- und Niederschlesien, und in der Ebene 
wie im Gebirge stattgefunden, und jedenfalls noch an vielen anderen, als 
den erwähnten Orten. 

Erst nachdem die ersten Beobachtungen über dieses Thier in der 
6. und 9. Versammlung der Section zur Mittheilung gekommen und durch 
die hiesigen Zeitungen veröffentlicht worden waren, gelangte ein Aufsatz 
zu meiner Kenntniss, den Dr. H. Weyenbergh in den Verhandl. der k. k. 
zool.-botan. Ges. in Wien, Bd. 21, 1871, S. 1201, über Fliegenschwärme 
veröffentlicht hat. In demselben wird von allen vorstehend aufgeführten 
Beobachtungen nur der in Germar's Magazin aus Sagan mitgetheilte Fall 
erwähnt. — Dr. Weyenbergh scheidet die Dipternschwärme in Mücken- 
und Fliegenschwärme. Von ersteren führt er, als bisher in Europa 
beobachtet, 16 Fälle auf, darunter einen schlesischen (in Sagan). Rechnet 
man hierzu die von Schummel und Schilling beobachteten Chironomus- 
Schwärme aus den Jahren 1824, 1825, 1838 und 1848, sowie die Schwärme 
von Sciara (1825) und Dilophus (1834), so würden in Europa bis jetzt 



198 Jahres-Bcricht 

22 Mückenschwärme, davon 7 in Schlesien beobachtet worden sein. Von 
Fliegenschwärmen giebt Dr. Weyenbergh als bis jetzt in Europa beobachtet 
13 Fälle an. Fügt man dazu den von Schummel 1825 beobachteten 
Fall (Oscinis lineatq) und die vorstehenden 7 Fälle von Chlorops ornata, 
so würden im Ganzen 21 Fliegenschwärme in Europa, davon 7 in Schlesien 
constatirt sein. — Was die Arten anbelangt, welche alle diese Schwärme 
veranlasst haben, so sind namentlich bei den Mücken dieselben nicht zu 
ermitteln gewesen, und Dr. Weyenbergh führt daher als Veranlasser von 
Schwärmen nur folgende 8 Diptern - Arten auf: Culex pipiens, Musca do- 
mestica L. (f), Musca corvina F., Chlorops laeta Zett. } Chlorops nasuta L., 
Chlorops lineata F., Pollenia atramentaria M. und Pollenia vespillo F. — 
Dazu würden nach den oben angegebenen Beobachtungen noch treten: 
Dilophus vulgaris M. } Chironomus virescens M. } Chironomus annularis M. (?) 
und Chlorops ornata M. 

Hierbei muss ich noch eines Fliegenschwarmes erwähnen, welchen 
ich mit mehreren noch lebenden Bekannten am 28. Juni 1857 auf dem 
Langen-Berge am Hornschlosse (im Waldenburger Gebirge) am zeitigen 
Nachmittage zu beobachten Gelegenheit hatte. Ueber dem grasreichen, 
durch schmale Wiesenstreifen zwischen ziemlich hohem Nadel- und Laub- 
walde hinführenden Fusswege auf dem Rücken des gedachten Berges 
schwärmten in nicht dicht gedrängten Massen Tausende von Fliegen, 
welche der Anthomyia fuscata ähnlich sahen, uns lange Zeit begleiteten 
und von unserem bei der grossen Hitze reichlich vergossenen Schweisse 
so angezogen zu werden schienen, dass sie sich in Menge (jedoch ohne 
zu stechen) auf uns niederliessen und wir uns ihrer kaum erwehren konnten. 

Alles, was bis jetzt über die Lebensweise und Entwickelung der 
Chlorops ornata, sowie die durch sie bewirkte Bildung von Schwärmen 
bekannt ist, lässt sich kürzlich in Folgendes zusammenfassen: 

1) Mehrere Arten der Gattung Chlorops entwickeln sich in dem grünen 
Halme von Gräsern, darum dürfte es bei Chlorops ornata ganz gewiss 
ebenso sein. Ob dies Thier auch Halme von Getreide-Arten zu seiner 
Verwandlungsstätte wählt (wie z. B. Chlorops laeta F.\ ist nicht bekannt, 
wäre aber wohl möglich. In jedem Falle ist dasselbe ein schädliches 
Thier, wenn nicht für die Getreidefelder, so doch für die Wiesen, und 
darum darf es vom Landwirthe nicht geschont werden. 

2) Da das Thier auf Pflanzen und ihre Säfte angewiesen ist, so 
kommt es nicht in die Gebäude, um dort seine Nahrung zu finden oder 
weil es von den Menschen angezogen würde, sondern um daselbst viel- 
leicht ein sicheres, ruhiges Unterkommen oder Schutz gegen Kälte, Nässe, 
Wind und dergl. ihm unangenehme oder schädliche Einflüsse zu suchen. 
In der Wahl der Localitäten dürfte es jedenfalls nicht wählerisch sein, 
obwohl es den unbewohnten den Vorzug geben dürfte. 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 199 

3) Die Chlorops ornata M. ist, wie Prof. Dr. Loew angiebt, im ganzen 
mittleren und nördlichen Europa ein sehr gemeines Thier, und findet sich 
selbst in Spanien, Griechenland und Klein-Asien. Es ist in jedem Jahre, 
wenn auch nicht in solchen Massen, bei uns zu linden, und bei Posen, 
wie bereits erwähnt, von Loew auch schon in Schwärmen beobachtet 
worden. Dass es bei uns in dem laufenden Jahre an so vielen Orten in 
solcher Menge aufgetreten ist, dürfte wohl dem fruchtbaren und gras- 
reichen Sommer, der für die Entwicklung des Thieres günstigen Wit- 
terung, dem schönen Herbst und einer Reihe anderer günstiger Umstände 
zuzuschreiben sein. 

4) Die von Chlorops ornata gebildeten Schwärme sind nicht von fern 
her zugewandert (also keine Züge), sondern bilden sich durch die von 
günstigen Umständen ermöglichte, sehr starke Vermehrung des Thieres 
(sehr wahrscheinlich in 2 und mehr Generationen) in der Umgebung der 
Orte, wo sie auftreten. Wahrscheinlich erfolgt dieselbe auf den nahe 
gelegenen Wiesen, auf denen die von den Larven an den Gräsern ange- 
richteten Verwüstungen wohl wahrzunehmen sein dürften. 

5) Die Schwärme der Chlorops-Arten finden sich nicht immer blos 
in gewissen Räumlichkeiten der Gebäude, wie Dr. Weyenbergh glaubt, 
sondern werden auch im Freien wahrgenommen, wie der oben mitgetheilte 
Fall in Steinau a. d. 0. beweist. Damit in Uebereinstimmung ist auch 
die Schummel'sche Beobachtung der Oscinis lineata. — LTebrigens zeigen 
sich Schwärme des Thieres vom Mai an das ganze Jahr hindurch bis in 
den December und länger, wenn es die Kälte nicht früher tödtet. Nahrungs- 
mangel scheint es sehr lange ertragen zu können, namentlich bei kühlem 
Wetter. 

Indem ich zum Schlüsse den oben genannten sehr geehrten Beobachtern 
hierdurch den besten Dank der entomologischen Section öffentlich aus- 
zusprechen mir gestatte, richte ich zu gleicher Zeit an Alle, denen später 
noch Gelegenheit zur Beobachtung des Thieres sich darbieten sollte, die 
Bitte, zur Erforschung der Naturgeschichte desselben, und namentlich 
seiner Entwickelungsgeschichte durch Ermittelung der Lebensweise seiner 
Larven freundlichst mitwirken zu wollen. 

K. Letzner. 



XV. 

Bericht 

über die 

Thätigkeit der medicinischen Section der Schlesischen 
Gesellschaft im Jahre 1872, 

abgestattet von 
Professor Dr. Auerbach und Privatdocent Dr. W. A. Freund, 

zeitigen Secretairen der Section. 



In der Sitzung am 5. Januar 1872 sprach Herr Privatdocent Dr. 
Nothnagel über nervöse Nachkrankheiten des Typhus. Da der Vor- 
trag anderweitig ausführlich mitgetheilt worden ist, so sei hier nur hervor- 
gehoben, dass der V. nach dem letzten Kriege eine Reihe der verschieden- 
artigsten Störungen im Bereich des Nervensystems nach Typhus beobachtete- 
Lähmungen (in einzelnen Nervenstämmen und Aesten, Paraplegien, Hemi- 
plegie), motorische Reizungs- Erscheinungen (Tremor), Neuralgien und 
Hyperalgesien , Anästhesien. Nach einer Schilderung der Symptome be- 
spricht der V. die relative Häufigkeit der einzelnen Formen (am häufigsten 
sind Lähmungen und Anästhesien) und entwickelte dann seine Ansicht 
speciell über das Wesen der Lähmungen, die darauf hinausgeht, dass die- 
selben als Compressions-Lähmungen aufzufassen seien, in ähnlicher Weise 
wie es Buhl für diphtherische Lähmungen mehr als wahrscheinlich ge- 
macht hat. 

In der Sitzung am 19. Januar sprach Herr Professor Dr. Wald ey er 
über Hermaphroditismus im Anschlüsse an eine Demonstration des Her- 
maphroditen Katharina Hohmann durch die Herren Waldeyer und Freund. 

Herr Dr. Freund theilt mit, dass nach seinen Untersuchungen 
Hohmann ein männliches Becken habe, und dass er im Uebrigen bis ins 
Einzelne die Schultz'schen Untersuchungs-Resultate bestätigen könne. 



202 Jahres - Bericht 

In der Sitzung vom 9. Februar 1872 berichtete Herr Privatdocent 
Dr. Sommer brodt über seine experimentellen und mikroskopischen 
Untersuchungen über Lungenblutung. Eine specielle Mittheilung werde dem- 
nächst in Virchow's Archiv für klinische Medicin und pathalogische Anatomie 
erscheinen. 

In der Sitzung vom 23. Februar sprach Herr Geheimer Medicinalrath 
Professor Dr. Goeppert 

über giftige und essbare Pilze in medicinisch-polizeilicher Hinsicht. 

Die durch Substanz und Grösse eben hier nur in Betracht zu ziehen- 
den Pilze sind besser als ihr Ruf. Sie verdienen wegen ihres bedeutenden, 
alle anderen pflanzlichen Nahrungsmittel übertreffenden Stickstoffgehalts 
die grösste Beachtung, und in dieser Hinsicht fast der Fleischnahrung 
gleich gesetzt zu werden. Inzwischen ist ihre Benutzung, da sich unter 
ihnen auch giftige finden, nicht ohne Gefahr, und ihre Unterscheidung für 
den Nichtbotaniker schwierig, insbesondere wegen Mangelhaftigkeit der 
für sogenannte populäre Zwecke verfassten Schriften, die ohne Kritik und 
ohne ausreichende Sachkenntniss die Grenzen zwischen dem Notwendigen 
und Ueberflüssigen nicht zu halten verstehen. Auch die übrigens ganz 
empfehlenswerthe, in Gotha erscheinende Sammlung von Pilzmodellen 
beginnt schon in der ersten Lieferung zwei ganz überflüssige, zur Kennt- 
niss und Unterscheidung der schädlichen von den essbaren Pilzen gar 
nicht gehörende Arten zu bringen, wodurch bei weiter fortgesetztem 
ähnlichem Verfahren nur Verteuerung und für den eigentlichen Zweck 
kein Nutzen erzielt wird. Die in Schriften gewöhnlich aufgeführten all- 
gemeinen Kennzeichen giftiger Pilze erweisen sich alle als trügerisch: 
Zwiebeln mit notorischen Giftpilzen gekocht, bleiben weiss, 
werden nicht schwarz, wie der allgemeine Volksglaube an- 
nimmt u. s. w., daher ist vor diesem zu warnen! Nur mit Hilfe eines 
analytischen Verfahrens vermag sich auch der Laie auf diesem Ge- 
biete zu orientiren, wie der Vortragende unter besonderer Berück- 
sichtigung des Breslauer Pilzmarktes durch Abbildungen, wie durch 
getrocknete und in Weingeist aufbewahrte Exemplare sämmtlicher be- 
kannten giftigen und essbaren Pilze zeigte. 

Der ganze Demonstrations- Apparat gehört zu dem botanischen Garten- 
Museum; welches noch vollständiger als früher in bevorstehendem Sommer 
zu Jedermanns Einsicht im botanischen Garten aufgestellt werden wird. 
Ausführlich wurden nun noch besprochen: der an und für sich nicht be- 
deutende Nutzen und Gebrauch der Pilze in der Medicin, die Symptoma- 
tologie der Vergiftungen, der Leichenbefund, die wegen Mangel eines direct 
wirkenden Gegengiftes und Unsicherheit der Indicationen schwierige Be- 
handlung, welche selten gelingt, schliesslich noch eine auf die verschiedenen 
Stadien der Vergiftung gegründete Heilmethode angegeben. 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 203 

Hierauf sprach Herr Privatdocent Dr. Hermann Cohn über 
die Wirkung des Strychnins bei verschiedenen Augenleiden. 

Nach einer Kritik der Brochüre des Prof. Nagel: „lieber die Be- 
handlung der Amblyopien und Amaurosen mit Strychnin" berichtete der 
Vortragende über 50 von ihm selbst mit subcutanen Strychnin-Einspritzungen 
behandelte Fälle von Schwachsichtigkeit. Er injicirte stets nur täglich 
2 Milligramm; niemals entstand bei dieser Dosis auch nur die geringste 
Störung des Allgemeinbefindens, selbst nicht bei 3 Wochen lang fort- 
gesetzter Anwendung. Gut bewährte sich das Strychuin bei der Amblyopie 
der Uebersichtigen, indem unter 16 Fällen 7 eine völlige Herstellung 
normaler Sehschärfe, 3 eine bedeutende, 4 eine geringe Besserung er- 
fuhren. 2 Fälle, in denen auch eine vorhergegangene Kur mit Convex- 
gläsern fruchtlos gewesen war, blieben ungeheilt. — Unter 7 Fällen von 
Kurzsichtigkeit, die mit Schwachsichtigkeit gepaart war, wurden 5 unbe- 
deutend gebessert. — In 3 Fällen von Amblyopie ohne Befund brachte 
das Mittel einigen Nutzen, im 4. Falle Hess es im Stich. — Bei Blässe 
des Sehnerven, bei den ersten Spuren beginnender Atrophie desselben 
und in einem Falle von Neuritis optici wurde ein geringer Erfolg gesehen. 
Dagegen brachte es bei Amblyopie in Folge von Trunk und anderen 
Excessen nicht den geringsten Nutzen, ebensowenig bei ausgesprochener 
Atrophie des Sehnerven. Verschlechterung der Sehschärfe trat aber bei 
Gebrauch des Mittels niemals ein; man darf es daher in allen Fällen 
versuchen. Der Vortragende empfiehlt, stets die Strychninbehandlung 
vorzunehmen, sobald der Augenspiegel die Sehschwäche nicht 
erklärt, besonders bei der Amblyopie der Hyperopen, dagegen bei vor- 
geschrittener Degeneration des Sehnerven den Kranken nicht erst Hoff- 
nungen zu machen, die sich doch nicht realisiren lassen. 

In der Sitzung am 8. März 1872 machte Herr Dr. Gustav Joseph 
Mittheilung über 

eine bisher unbeachtete dritte halbkreisförmige Linie, Linea semicircularis 

suprema, am oberen Theile des menschlichen Hinterhauptbeines, 
dessen Gestalt er als eines der Charakteristika des menschlichen Kopfes 
betrachtet. Im Gegensatze zu den Knochen des vorderen und seitlichen 
Schädelgewölbes, sowie dem Antlitzgerüste ist das Hinterhauptsbein wegen 
seiner einfachen Gestalt bisher selten Gegenstand vergleichender Be- 
trachtungen gewesen, die sich auf Form und Lage des grossen Hinterhaupts- 
loches, seine Stellung zur Axe des Rückgrats bei Menschen und Wirbel- 
thieren beschränkten. Des Vortragenden Aufmerksamkeit hat dagegen 
das Hinterhauptsbein in mehrfacher Beziehung wachgerufen. Es ist der- 
jenige Theil des Kopfskelets, an welchem sich dessen Wirbelnatur am 
wenigsten verändert erhalten und auch in ontologischer Beziehung die 
wenigsten Veränderungen erlitten hat. Sodann weicht eben die Gestalt 



204 Jahres-Bericht 

seines oberen Theiles in so eigenthümlicher Weise von der bei seinen, 
in zoologischer Hinsicht nächsten, Nachbaren ab, dass darin ein Charakter- 
zug des menschlichen Kopfes sich ausprägt. Der Vortragende zeigte nun, 
wie von einer gewissen Zeit des Entwickelungslebens ab der Kopf des 
Menschen und der des Affen entgegengesetzte Wege gehen, welche er 
durch folgende 8 Momente bezeichnet: 

1. Hinterhauptsschuppe des Menschen und des Affen zeigen nach der 
Geburt nahestehende Gestaltungsverhältnisse. 

2. Der Mensch dehnt dieselbe nun nach allen Dimensionen gleich- 
massig aus. 

3. Er erreicht die in sagittaler Ausdehnung absolut und relativ grösste 
Hinterhauptsschuppe. 

4. Dabei vermehrt sich die Entfernung der Spitze der Hinterhaupts- 
schuppe von der Mitte der Linea semicircularis superior stetig. 

5. Die Affen, besonders deren anthropoide Gattungen, vergrössern 
den oberen Theil der Hinterhauptsschuppe nur in der ersten 
Jugendzeit und nur in horizontaler Dimension. 

6. Die Entfernung der Spitze der Hinterhauptsschuppe von der Mitte 
der Linea semicirc. superior nimmt bei diesen Wesen stetig ab, 
bei den anthropoiden Gattungen bis zum völligen Verschwinden 
dieses Raumes, so dass die genannte transversale Linie und die 
Lamdaränder zu einem Knochenkamme (Crista lambdoidea) ver- 
schmelzen. 

7. Im Einklänge damit wird der Winkel, welchen die Lamdaränder 
an der Spitze der Hinterhauptsschuppe bilden, bei den Affen von 
der Geburt bis zum vollendeten Wachsthum immer grösser, dem 
Winkel von 180 Graden zustrebend, während er beim Menschen 
nie sich vergrössert, sondern dem Verhalten bei der Geburt ent- 
weder gleich bleibt oder sich verkleinert. 

8. Während die neue Linie, Linea semicircularis suprema, zwischen 
Spitze und Linea semicirc. superior gelegen, als obere Ansatzgrenze 
des Musculus cucullaris beim Menschen sich zeitlebens erhält, bleibt 
für ihr Bestehen bei den Affen kein Raum und geht sie in der 
Aufwulstung der Lamdaränder unter. 

Obgleich die neue Linie in Gestalt und Ausprägung sich weniger 
constant zeigt und von geringerer anatomischen Wichtigkeit als die Linea 
semicirc. superior ist, so gehört ihre Ausbildung und Erhaltung doch zu 
den Momenten in der Gestaltung der Hinterhauptsschuppe, welche dieselbe 
zu einem Charakteristiken des menschlichen Kopfes stempeln. 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 205 

Derselbe Vortragende sprach in der Sitzung vom 26. Juli 1872 über 
die Auffassung des Schädels als Wirbelcomplex. 

Er charakterisirte zuvörderst die beiden einander gegenüberstehenden 
Richtungen der Wirbeltheorie des Schädels. Die ältere Theorie ging 
von der naturphilosophischen Schule aus (Oken, Spix, C. G. Carus) und 
hat noch heut bedeutende Anhänger (Reichert, Virchow, R. Leuckart, 
R. Owen, Chr. Aeby, Gustav Jäger). Die meisten derselben sehen den 
Schädel entweder als aus 3 oder als aus 4 hintereinander liegenden, 
umgebildeten Wirbelringen zusammengesetzt an. Den hintersten Wirbel 
stellt das Hinterhauptsbein dar; der mittlere Wirbel oder Scheitelwirbel 
wird aus der hinteren Partie des Keilbeinkörpers, den grossen Flügeln, 
(den Schläfenbeinen) und den Scheitelbeinen gebildet; der vordere Wirbel 
oder Stirnwirbel aus der vorderen Partie des Keilbeinkörpers, den kleinen 
Flügeln und dem Stirnbein zusammengesetzt. Diejenigen, welche noch 
einen 4. Wirbel annehmen (R. Owen, Aeby, G. Jäger), betrachten den- 
selben als aus dem Pflugscharbein, (den Siebbeinhälften) und den Nasen- 
beinen zusammengesetzt. Indem die der älteren Richtung angehörenden 
Forscher die einzelnen Schädelknochen als homolog mit entsprechenden 
Theilen der Rückenwirbel deuten, stützen sie sich auf den Augenschein. 
Nur der in der Entwickelung fertige oder nahezu vollendete knöcherne 
Zustand des Schädels ist Gegenstand ihrer Betrachtung. Dabei wird nicht 
beachtet, dass bei einer sehr grossen Zahl von Thieren der Schädel ent- 
weder durchweg oder theilweise zeitlebens knorplig bleibt; ferner dass 
die den Schädel zusammensetzenden Knochen nicht sämmtlich knorplig 
vorgebildet sind, nicht alle auf gleiche Weise entstehen, indem je grösser 
das Hirn der Geschöpfe, eine desto grössere Partie der Schädelkapsel 
nur häutig vorgebildet wird, endlich dass die Fortsetzung der Rücken- 
wirbelsäule auf wenig mehr als den Schädelgrund sich beschränkt. Es 
wird übersehen, dass die die Schädelwirbel zusammensetzenden Knochen 
mannigfache Grössenverhältnisse und nicht constante Lageverhältnisse zu 
einander zeigen. Endlich wird dabei der wichtigste Umstand unterschätzt, 
dass die Schädelkapsel beim Menschen und allen Wirbelthieren in dem 
knorpligen Zustande, also zu einer Zeit ein Continuum bildet, in welcher 
an dem Rohr der Rückenwirbelsäule bereits Segmentation zum Zwecke 
einer Bewegungsgliederung stattfindet, dass demnach die an der Schädel- 
kapsel erst bei Beginn der Verknöcherung, also viel später auftretende, secun- 
däre Segmentation mit der viel früher stattfindenden der Rückenwirbelsäule 
nicht homolog sein kann, sondern eine völlig andere physiologische Bedeu- 
tung (Beziehung zum Hirnwachsthum) haben muss. Aus diesen, vom Vor- 
tragenden ausführlich entwickelten Gründen stellt sich derselbe auf Seite 
der Gegner der alten Wirbeltheorie des Schädels, auf Seite Huxley's und 
Gegenbauer's. In der Auffassung des Schädels als Wirbelcomplex gehört 



206 Jahres-Bericht 

er der Richtung an, welche hierbei nicht von dem fertigen oder fast 
fertigen knöchernen, sondern von dem häutigen und knorpligen Zustande 
desselben, also von frühen Stadien des Entwickelungslebens des Kopf- 
skelets ausgeht und das ganze Wirbelthiergebiet in den Kreis der Be- 
trachtung zieht. Die Ergebnisse seiner Studien und eigenen Unter- 
suchungen fasst der Vortragende in folgende 8 Thesen zusammen: 

1. Der Schädel der Wirbelthiere ist eine Fortsetzung der Wirbelsäule, 
der vordere (obere) Theil des Axenskelets, dessen verschmolzene 
dorsale Bogen einen entsprechenden Abschnitt des Centralorgans 
des Nervensystems, dessen ventrale, mannigfach umgebildete oder 
verkümmerte Bogen die vordere Mündung des Darmcanals um- 
schliessen. 

2. Die Schädelbasis ist eine Fortsetzung der Säule der Rückenwirbel- 
körper und wird wie diese von der Wirbelsaite durchzogen. 

3. Im knorpligen Stadium bildet der Schädel ein Continuum, während 
an der Wirbelsäule die Gliederung in Wirbel stattfindet. 

4. Das Verhalten der zehn hinteren Hirnnervenpaare, ihr Austritt 
durch Intervertebrallöcher, das Vorhandensein dorsaler, die Ent- 
sendung ventraler Zweige zu Visceralbogen oder zu den aus ihnen 
hervorgegangenen Theilen wiederholt den Typus von Spinalnerven. 

5. Alle diese Umstände lassen auf ursprüngliche Segmentation des 
hinteren Abschnittes des Schädels im knorpligen Stadium schliessen, 
die aber anchylotisch zu Grunde gegangen ist. Ihr Erlöschen 
wurde durch Anpassung an innere und äussere Einflüsse bewirkt. 

G. Die zur Zeit der Verknöcherung, also später als die Segmentation 
der Wirbelsäule eintretende, secundäre Begrenzung der Schädel- 
knochen ist der Bewegungsgliederung durch Wirbel an der Rücken- 
wirbelsäule fremd. Die Grenzen der Schädelknochen, die Nähte, 
sind nicht identisch mit Wirbelgrenzen. Die alte Wirbeltheorie, 
welche beide identificirte, ist unhaltbar. 

7. Die secundäre Gliederung des Schädels und ihre Tendenz zur 
Anchylosirung steht zu der Entwickelung des Hirns in engster 
Beziehung. 

8. Die Verbindung der suplementären Knochen mit den aus knorpliger 
Vorstufe hervorgegangenen ist nicht durchweg constant.*) 

Herr Professor Dr. Heidenhain demonstrirte an einem Hunde die 
brechenerregende Wirkung des salzsauren Apomorphin. 

Ferner berichtete derselbe über die Wirkung einiger Alcaloide (des 
Atropin, Physostigmin, Nicotin) auf die Nerven der gld. submaxillaris. 



*) Beide Vorträge sind unterdess als Habilitationsschrift des Autors in dem 
Verlage von W. G. Korn hier erschienen. 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 207 

Sodann theilte er Beobachtungen über 
einen bisher unbekannten „Stäbchenapparat" in der Niere der Säugethiere 
mit. Das Epithel der gewundenen Harncanälchen und der breiten Theile 
der Henle'schen Schleifen zeigt, auf einem frischen Schnitte durch die dem 
eben getödteten Thiere entnommene Niere ohne Zusatz irgend einer 
Flüssigkeit untersucht, eine dunkle Streifung, welche an der Wand der 
Canälchen beginnt und sich bis zum Lumen derselben hinzieht. Dieselbe 
rührt davon her, dass die Epitheliallage von dicht an einander gelagerten 
eigenthümlichen Gebilden durchsetzt wird, welche die Form von dünnen 
cylindrischen Stäbchen mit in der Regel ein wenig verbreitertem Aussenende 
besitzen. Durch Anwendung geeigneter Macerationsmittel isolirt, zeigen 
sie sich von veränderlicher Dicke, entsprechend ihrem jeweiligen Quellungs- 
grade. Zwischen den Stäbchen befindet sich eine der Masse nach sehr 
zurücktretende Menge einer hellen Zwischensubstanz. 

Die bisher allgemein verbreitete Angabe, dass das Epithel der oben 
genannten Abtheilungen der Harncanälchen von körnigen Einlagerungen 
getrübt sei, rührt zum grössten Theile davon her, dass bei Untersuchung 
der Canälchen die optischen Querschnitte der Stäbchen für Körnchen 
gehalten wurden. Doch trifft man allerdings nicht selten auch auf Fett- 
tröpfchen, welche im Innern der Stäbchen zu liegen scheinen. 

Die letzteren bilden nicht die einzigen Elemente der Epitheliallage. 
Sie stellen vielmehr nur einen in eigenthümlicher Weise differenzirten 
Theil des Protoplasmas der Epithelzellen dar. Der Rest desselben um- 
lagert die in regelmässigen Abständen sichtbaren Kerne. Reim Hunde 
lassen sich diese Protoplasmareste sammt eingeschlossenem Kerne unter 
der Form eigentümlich verästelter Massen isoliren, die mit ihren Aus- 
läufern zwischen die Stäbchen eindringen und wahrscheinlich in die 
Zwischensubstanz übergehen. Bei anderen Thieren, z. B. der Ratte, ist 
ein geringerer Theil des Protoplasmas zur Stäbchenbildung verwandt. 
Der den Kern umlagernde Theil setzt sich von demjenigen, der die Um- 
wandlung eingegangen ist, schärfer als beim Hunde ab und lässt sich als 
rundlicher Zellkörper darstellen. 

Die physiologische Bedeutung des geschilderten eigenthümlichen 
Apparates zu ermitteln, hat der Vortragende eine später mitzutheilende 
Versuchsreihe unternommen. 

In der Sitzung am 23. März machte Herr Dr. L. Joseph 
Mittheilungen zur Anatomie der Uterusflexionen. 

Die divergirenden Ansichten Rokitansky's und Virchow's in der 
Aetiologie der Uterusflexionen sind nur durch histologische Untersuchung 
des Uterus zu lösen. Dieselbe ergiebt die Richtigkeit der Virchow'schen 
Ansicht. Die Uterusschleimhaut ist unvermittelt mit der Musculatur des 
Uterus verbunden und besteht aus dünnen, weichen, zellenreichen Ge- 



208 Jahres -Bericht 

weben, so dass sie nicht im Entferntesten im Stande ist, Einfluss auf Ge- 
stalt und Lage des Uterus auszuüben. Weitere Ausführung folgt in einer 
demnächst erschienenen Arbeit. 

Hierauf sprach Herr Dr. Schnabel 

über einen Fall von Exophthalmie als Symptom von Meningitis. 

Ein vierzehnjähriger, bis dahin völlig gesunder Knabe erkrankte mit 
Jucken und Schmerzen im rechten Auge. Das obere Lid röthet sich mehr 
und mehr, und ist nach 3 Tagen so geschwollen, dass es nicht mehr ge- 
hoben werden kann. Es wird ein Abscess an seiner unteren Fläche 
geöffnet, nebenher ist der Knabe aber schon allgemein erkrankt, fiebert 
und klagt über Schmerzen in der linken Seite. Am 3. Nachmittags con- 
statirt man folgenden Befund: Gut entwickelter Knabe; klagt über stechende 
Schmerzen in der linken Seite. Fieber, Puls 96 — 100. Heisse Haut. 
Zunge feucht. Kopf völlig frei. Defaecation am Morgen. Massig 
grosser Milztumor. Es fällt eine gewisse Trägheit und Schwerfälligkeit 
aller Bewegungen und selbst in den Antworten auf. Starker Exoph- 
thalmus rechts, das obere Lid erysipelatös geröthet bis über den arcus 
superciliaris, selbst passiv nur wenig zu erheben, ein dicker Wulst der 
beträchtlich geschwellten und infiltrirten Conjunctiva um die intacte Cornea; 
Eiter im Conjunctional-Sack. Linker Bulbus intact. 

In dieser Verfassung sollte der Kranke bis in die frühesten Abend- 
stunden geblieben sein, dann hatten sich grosse Unruhen und Delirien 
eingestellt, die gegen Morgen in Convulsionen übergingen. 

Am Morgen liegt der Kranke völlig bewusstlos, mit fast zurück- 
gebogenem Kopf und spastisch verzerrtem Gesicht im Bett. Arme in den 
Ellbogengelenken in Contractur. Unwillkürliche Defaecationen. Puls 132, 
Haut stechend heiss. Jeder Versuch, die Contracturen zu lösen, ruft 
schneller die allgemeine Convulsion hervor; rechter Bulbus wie gestern. 
Derselbe Zustand des Exophthalmus heute auch auf dem linken Auge, 
doch ohne die Injection und Secretion der Conjunctiva, hochgradige Licht- 
scheu, bei jeder Eröffnung der Lidspalte wird der Kopf rasch weggewandt 
und es brechen ebenfalls Convulsionen aus. Gegen Mittag haben die 
Convulsionen nachgelassen, doch sind die Arme in Contractur, Patient 
ist etwas besinnlicher, d. h. er reagirt auf sehr lautes Anrufen; dagegen 
ist der Puls kleiner geworden, die Respiration laut und zeitweilig aus- 
setzend. — Nachmittags ist völlige Ruhe; die Haut trieft von warmem 
Schweiss, doch völliger Sopor, kaum zählbarer Puls, Trachealrasseln. 
Tod gegen Abend. 

Eine Stunde nach dem Tode ist der rechte Bulbus wie bei dem 
Lebenden, die Conjunctiva bulbi und palpebr. schmutzig braunroth, am 
Rande des oberen Lides in der Nähe des Thränenpunktes deutet ein 



der Sckles. Gesellsch. f. vaterl, Cultur. 209 

Eiterpunkt die Abscessöffnung an. Der linke Bulbus ist normal in die 
orbita zurückgelagert. Section wurde nicht gestattet. 

Die Berechtigung, den beschriebenen Fall als meningitis basilaris mit 
consecutiver ExOphthalmie aufzufassen, erhellt aus einem von Leyden in 
Virchow's Archiv veröffentlichten, völlig analogen Falle, dem das Sections- 
ergebniss mit obiger Diagnose beigefügt ist, und der sich von dem vor- 
stehenden nur durch die verhältnissmässig lange Euphorie und das Fehlen 
aller vorbereitenden Cerebral-Erscheinungen unterscheidet. 

In der Sitzung vom 12. April sprach Herr Privatdocent Dr. Freund 

1) über pathologische Anatomie und Behandlung von haematometra und 
haematokolpos bei uterus duplex mit einseitiger atresia vaginae. 
Auf Grund zweier Fälle wird in Bezug auf Anatomie die verschiedene 
Länge des atresischen Rohres und speciell der flach spiralige Verlauf 
desselben an dem offenen Rohre besprochen; in Bezug auf Behandlung 
wird mit Hervorhebung der Gefahren gewisser Operationsmethoden ein 
unter gewöhnlichen Umständen gefahrloses Verfahren begründet; 

2) über Makrosomia partialis. 
Dieser Vortrag wird binnen Kurzem in extenso erscheinen. 

Herr Privatdocent Dr. Ko ebner sprach über 

die neueste diagnostische Verwerthung mikroskopischer Blutuntersuchungen 
(Lostorfer'sche Syphilis-Körperchen). 
Lostorfer wollte eigenthümliche, nur der Syphilis zukommende, in 
dieser Krankheit aber constante Gebilde im Blute gefunden haben, welche 
von Beginn der Infection an vorhanden seien. Er fand diese Körperchen 
in dem entnommenen Blute aber immer erst nach Verlauf mehrerer Tage, 
frühestens nach 24 Stunden, und nahm eine Art „Züchtung" derselben 
an. Er behauptete eine diagnostische Bedeutung dieser Gebilde. Wedl 
hingegen erklärte dieselben einfach für Fettkügelchen, hatte jedoch den 
Fehler begangen, die Präparate mit destillirtem Wasser zu behandeln, 
wodurch jene Gebilde zerstört werden. Der Vortragende untersuchte 
selbst Anfangs Blut, das in Glas-Capillaren einige Tage lang aufbewahrt 
war, ohne etwas Ungewöhnliches zu finden. Nach Bekanntwerden der 
Methode Lostorfer's verfuhr er nach dieser, nahm einfach Blutstropfen, 
unverdünnt, in sehr dünner Schicht unter dem Deckgläschen ausgebreitet; 
diese Präparate, am Rande eintrocknend, erhalten sich dann in der feuchten 
Kammer viele Tage lang gut. Nach wenigen Stunden finden sich zwischen 
den Blutkörperchen kleine, meist runde, seltener ovale oder walzenförmige, 
zuweilen semm eiförmige, oder auch mit kleinen Fortsätzen versehene, sehr 
blasse und zart contourirte Körperchen ein, welche öfters Vacuolen ent- 
halten. Ihre Lichtbrechung ist schwach, ganz anders als bei Fettkügelchen 
oder mikroskopischen Pilzen. Durch Druck werden Nierenformen und 

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210 Jahres -Bericht 

Fortsätze beseitigt und Kugelform hergestellt. Diese Körperchen werden 
allmälig grösser. In Wasser und sehr verdünnten Salzlösungen, auch in 
Humor aqueus schrumpfen sie ein und hinterlassen nur ein paar Krümel. 
Alkohol und Aether thuen ihnen nichts an. Concentrirte Kalilauge löst 
sie nicht ganz, sondern macht sie nur kleiner und lässt aus ihnen dunkle 
Punkte (Gasbläschen) hervortreten. — Organismen sind es also nicht, 
sondern Zerfallproducte. — Dieselben Gebilde fand nun der Vortragende 
im Blute bei anderen Krankheiten, z. B. bei Pockenkranken, bei Acne, 
Eczem, Lupus, ebenso aber auch im Blute von Gesunden, entweder schon 
nach Stunden oder auch erst nach einigen Tagen. Die Zeit und die 
Menge dieser Bläschen ist inconstant und hängt gar nicht von der patho- 
logischen Beschaffenheit des Blutes, sondern hauptsächlich von der Art 
der Behandlung der Präparate ab. — Der Vortragende wandte später 
noch nach dem Rathe des Herrn Prof. F. Cohn die Methode an, die 
Präparate von vornherein einzukitten. Je mehr sich hier von Anfang an 
Fibrinfäden abschieden, desto früher und desto mehr jener Bläschen finden 
sich ein. Noch mehr ist dies der Fall, wenn diese Präparate in einem 
erwärmten Räume bei einer Temperatur von 25 — 27 Grad Celsius auf- 
bewahrt werden. In letzteren finden sich die Körperchen schon nach 
1 — 2 Stunden äusserst zahlreich ein und zeigen Formveränderungen und 
Ortsbewegungen, welche jedoch nur auf Diffusion und localen Strömungnn 
im Plasma beruhen. Diese Bläschen sind Vacuolen und entstehen aus 
den weissen Blutkörperchen, theils als Ausscheidungen der rothen, aber 
auch aus dem Plasma. Sie sind sehr ähnlich den von Max Schultze 
beschriebenen Körnchen im Blute, von denen sie sich nur durch ihre be- 
deutendere Grösse und einige Reactionen zu unterscheiden scheinen. — 
Das Räthsel, dass Lostor fer Blutproben von Syphilitischen durch diese 
Körperchen von anderen Blutproben unterscheiden konnte, erklärt sich 
wohl durch zufällige begünstigende Umstände, am wahrscheinlichsten da- 
durch, dass die ihm vorgelegten Syphilis-Präparate um einige Tage älter 
waren als die anderen. 

Ausführlicher erschien dieser Vortrag in der Berliner klinischen 
Wochenschrift am 29. April d. J. 

In der Sitzung am 3. Mai sprach Herr Privatdocent Dr. Köbner 

über die Aetiologie der Psoriasis 

nach Vorstellung eines Falles, in welchem 5 resp. 6 Jahre nach dem 
Auftreten einer isolirten Plaque verschiedene traumatische Einwirkungen 
an ganz entlegenen Körpertheilen (Excoriationen durch Reiten, Suppuration 
einer consensuellen Lymphadenitis, Pferdebiss und zuletzt Tättowiren) 
Ausbrüche der Psoriasis zunächst genau an und in der Form der ver- 
letzten Hautstellen, später allgemeine Verbreitung zur Folge hatten. Die 
extensivste Wirkung auf die Eruption hatte ein Pferdebiss geübt, die 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 211 

strikte Localisation an den Punkten und Linien artificieller Verletzung 
Hess sich sehr evident an den vor wenigen Wochen tättowirten Buch- 
staben und Figuren sehen. 

Der Vortragende unterzieht nun die verschiedenen ätiologischen Auf- 
fassungen des Leidens einer kritischen Besprechung, widerlegt aus kli- 
nischen Gründen die dyscrasische, sowie aus experimentellen und anato- 
mischen die embolische Entstehung und stellt als seine Ansicht eine 
eigentümliche, in dem Hautorgane der Psoriasiskranken selbst gelegene 
Disposition hin, welche, meistens nachweislich hereditär, zuweilen aber 
erworben, Jahre laug latent bleibe und auf die verschiedensten inneren 
und localen Reize stets gerade in dieser chronischen Entzündungsform 
der Haut reagire, gerade wie andere Hautorgane ihre Vulnerabilität durch 
andere, auf die verschiedensten Gelegenheitsursachen ausbrechende flüssige 
Transsudationsformen, wie Urticaria, Eczem, selbst Pemphigus^ kundgeben. 
— Von diesem Gesichtspunkte erklären sich nach dem Vortragenden 
sowohl die Prädilectionsstellen des ersten Auftretens der Psoriasis, als 
besonders die nur vorübergehenden Erfolge der localen Zerstörung der 
einzelnen Eftlorescenzen und die grosse Recidivirbarkeit des Leidens. Die 
Therapie muss nicht blos symptomatisch, sondern auf eine Herabsetzung 
der Vulnerabilität des ganzen Hautorgans gerichtet sein. 

In der Sitzung vom 17. Mai sprach Herr Dr. Martini 

über die Bildungsanomalien des weiblichen TJtero-Vaginal-Canales und 
einen seltenen Fall von Uterus et vagina duplex. 
Beide Uteri waren gleichmässig entwickelt, der rechte retrovertirt, 
sehr beweglich, der linke immobil durch Perimetritis anterior, demnach in 
Anteversion und etwas descendirt. Es war beweisbar, dass beide Organe 
ein Mal bis zum normalen Ende gravid gewesen waren, dass der linke 
zwei Mal in der Graviditäts-Entwickelung vorzeitig unterbrochen worden 
war. Die ganze Person zeigte eine auffallende Breitenentwickelung des 
Beckens wie des Körpers und erinnerte hiermit an den Ausspruch 
Rokitansky' s, dass bei Frauen mit Uterus et vagina duplex es so 
scheine, als habe die Natur in ein doppeltes Subject auseinandergehen 
wollen. 

Hierauf sprach Herr Dr. Lipschitz über eine sanitätspolizeiliche 
Frage. Den Gegenstand des Vortrages bildeten einige noch gegenwärtig 
in Kraft befindliche sanitätspolizeiliche Verordnungen (vom 9. Mai 1839, 
vom 17. Juli 1840, vom 12. März 1856), die Fabrikation und den Ver- 
trieb bunter Papiere betreffend, soweit sie zum Einpacken von Genuss- 
gegenständen (Conditorwaaren, Lebensmittel etc.) benutzt werden. Nach 
dem Inhalte jener Verordnungen werden „alle giftigen Körper ohne 
Ausnahme zum Färben von Papieren — unbedingt verboten." 
Da nun auch Blei zu den giftigen Körpern gerechnet werde, und da 

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212 Jahres-Bericht 

dasselbe in der Buntpapierfabrikation bekanntlich eine sehr ausgedehnte 
Anwendung finde, so rechtfertige sich die Frage: ob die Ausdehnung 
obiger Verordnungen auch auf Bleifarben sich wissenschaftlich oder 
praktisch rechtfertigen lasse. 

Zur Untersuchung der wissenschaftlichen Seite der Frage stellt nun 
der Vortragende eine Vergleichung an zwischen der Dosologie der 
preuss. Pharmacopoe einerseits und den Angaben von Falk in Mar- 
burg (die klinisch wichtigen Intoxicationen, Virchow specielle Path. und 
Ther. II. 159) andererseits mit den quantitativen Analysen bleihaltiger 
Papiere von Ziurek und Vohl (Wittstein, Viertelj. f. Pharm.). Eine 
derartige Analyse hiesiger Papiere sei dem Vortragenden nicht bekannt. 
Aus dieser Vergleichung ergebe sich nun zur Evidenz, dass es höchst 
unwahrscheinlich sei, dass durch bleihaltige Papiere, insoweit sie 
zum Einpacken von Genussgegenständen verwendet würden — auch 
wenn diese Enveloppen von Kindern in den Mund geführt 
und abgeleckt würden — dem Organismus so viel Blei einverleibt 
werde, als zum Zustandekommen einer Intoxication irgend welcher Art 
erforderlich sei. — Anlangend die praktische Seite der Frage, so werde 
es sich fragen, ob jemals Blei-Intoxicationen, durch bleihaltige 
Enveloppen veranlasst, constatirt seien. Zur Beantwortung dieser Frage 
hat der Vortragende die sehr reichhaltige Literatur der Blei-Erkrankungen 
in Schmidt's Jahrbüchern (Bd. 1 — 120) durchgemustert, darunter 1273 
Fälle von Chevallier und über 1500 Fälle von Tan quereile de 
PI an ch es, welche die Verfasser äthiologisch gesichtet; — nicht ein 
einziger Fall fände sich darunter, der durch bleihaltige Enveloppen 
erzeugt worden wäre. — Nach den bei hiesigen Collegen angestellten 
Erkundigungen sei von den Befragten niemals ein derartiger Fall con- 
statirt worden. 

Demnach scheine es unzweifelhaft, dass die betreffenden Verordnungen 
— in ihrer gegenwärtigen Fassung — weder wissenschaftlich noch 
praktisch zu rechtfertigen seien. Das sei aber höchst bedauerlich und 
Verstösse geradezu gegen eines der wichtigsten Postulate einer wirksamen 
öffentlichen Hygiene, einem Postulate, das Pappenheim (Handb. der 
Sanitäts-Polizei I. Th.) sehr treffend dahin formulire: „Persönliche 
Rechte und Interessen sind bei sanitätspolizeilichen Massregeln nur dann 
zu opfern, wenn das öffentliche Interesse dies ohne Hilfe von Hypo- 
thesen, ohne überängstliche Besorgniss und überflüssige Bevormundung 
der Bevölkerung durchaus verlangt!" 

Schliesslich legte der Vortragende noch den Mitgliedern der Section 
die Frage vor, ob vielleicht Einem von ihnen ein hierher gehöriger 
Fall jemals vorgekommen sei; sämmtliche Anwesende verneinten die 
Frage. 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 213 

In der Sitzung am 7. Juni sprach Herr Privatdocent Dr. Hirt 

über die Verwendung gifthaltiger Farben zu gewerblichen Zwecken und 
die darauf bezugnehmenden sanitätspolizeilichen Vorschriften. 
Veranlassung des Vortrages sei die Discussion einer sanitätspolizei- 
lichen Frage in der medicinischen Gesellschaft; man habe über die Ver- 
wendung von Blei zum Einpackpapier gesprochen und die Ansicht auf- 
gestellt, dass nicht blos die Verwendung bleihaltiger Papiere zum Ein- 
packen von Esswaaren niemals Vergiftungen nach sich gezogen habe, 
sondern auch, dass derartige Vergiftungen überhaupt nicht vorkommen 
könnten, weil die Menge des etwa genossenen Giftes zu gering sei. Die 
darauf bezüglichen Regierungs-Verordnungen seien ganz überflüssig und 
lediglich die Freiheit der Buntpapierfabrikation schmälernd. 

Bei dem grossen Aufschwünge der Farbenindustrie, fährt der Vor- 
tragende fort, müsse man auch die immer zunehmende Verbreitung der 
gifthaltigen Farben und die sich fortwährend steigende Verwendung der- 
selben in der Technik im Auge behalten. Er wolle sich heut nur mit 
den Arsen- und Bleifarben beschäftigen und dabei untersuchen: 
a. welche Farben werden verwandt? b. in welcher Art geschieht das 
und in welche Berührung kommt das Publikum mit den giftig gefärbten 
Gegenständen? c. sind durch diese Berührungen Vergiftungen ermöglicht 
event. sind sie beobachtet worden? d. was ist von den bezüglichen 
Regierungs- Verordnungen zu halten? Von Gewerbebetrieben wer- 
den nur die in den Monaten April und Mai a. c. in Breslau sanitäts- 
polizeilich revidirten berücksichtigt: Conditoreien, Pfefferküchlereien, 
Papier- und Spielwaarenhandlungen, Friseurgeschäfte, Buntpapier- und 
Blumenfabriken. 

Arsenhaltige Farben (Schweinfurter-, Neu-, Wiener-, Kirch- 
berger-Grün) wurden verwendet gefunden: zum Bemalen von Zucker- 
sachen, zur Herstellung von grünem Papier, welches diente: zum Ein- 
packen von Esswaaren, zum Bekleben von Kinderspielwaaren, zur Her- 
stellung von Lampenschirmen. Ferner fand man Arsen in Tuschen aus 
Kindertuschkasten und (massenhaft) in künstlichen Blättern. — Ueber die 
Gefahr der Arsenvergiftung durch derartigen Missbraucb des Giftes glaubt 
der Vortragende kein Wort verlieren zu dürfen. 

Bleihaltige Farben (Kasselergelb, Neapelgelb, Meninge, Bleiweiss, 
Bleizucker, Chromgelb, -roth, -grün [grüner Zinnober]) fand man ver- 
wendet: zum Bemalen von Esswaaren, zur Herstellung bunter Papiere 
(benützt zum Einpacken von Esswaaren, Bekleben von Spielsachen) 
bunter Tuschen in Kindertuschkasten, zur Fabrikation von Oblaten und 
Herstellung von Haarfärbemitteln. 

Blei sei ein dem Organismus feindlicher Körper, die zahlreichen Blei 
erkrankungen bei Bleiarbeitern beweisen das. Wenn Jemand auch 



2 1 4 Jahrcs-Bcricht 

exceptionell grosse Dosen Blei schadlos vertrage, so sei daraus nichts zu 
folgern; gerade die grossen Dosen seien weniger gefährlich, als lange 
fortgesetzte kleine, selbst minimale. 

Lebert spricht die Ueberzeugung aus, dass viele Bleivergiftungen, 
welche auf den Gebrauch bleihaltiger Geschirre, bleihaltiger Leitungsröhren 
für Trinkwasser zurückzuführen sind, vorkommen, ohne je diagnosticirt 
zu werden. Das ätiologische Moment werde eben nicht immer erkannt. 
In ähnlicher Weise, fährt der Vortragende fort, ist die Gefahr der Blei- 
vergiftung aus der Benutzung bleihaltigen Papiers zum Einpacken von 
Esswaaren herzuleiten; zwei Fälle davon habe Chevallier veröffentlicht, 
und wenn die Aerzte so selten dergleichen beobachten, so sei das eben 
auf den angegebenen Grund zurückzuführen. 

Die Gefahr, besonders für die Kinder, durch bleihaltiges 
Einpackpapier vergiftet zu werden, sei eine sehr bedeu- 
tende, denn 1) ist die Quantität des in einigen bleihaltigen Papieren 
enthaltenen Giftes sehr gross. Das ziegelrothe, in Breslau tausend- und 
aber tausendfach zum Einhüllen von Chocoladentafeln (3 Pf. pro Stück), 
von Bonbons (1 Pfennig das Stück) u. s. w. benutzte Mennigepapier ent- 
hält (Dr. Meusel) in einem Bogen 1,6 9 Grm. (27,8 Gran) Blei, welches 
etwa 29 Gran Bleioxyd, 50,8 4 Gran Bleizucker repräsentirt. Ein Bogen 
genügt, 16 Tafeln Chocolade resp. 32 — 36 Bonbons einzupacken; ein 
Kind, welches dergl. Chocolade, Bonbons kauft, bekommt damit also 
zugleich eine Bleimenge, welche über 3 Gran resp. l 1 /^ Gran Bleizucker 
pro Tafel resp. Bonbon repräsentirt, mit in die Hand. Die Pharma- 
kopoe gestattet dem Arzte, einem Erwachsenen (hier handelt es sich 
fast nur um Kinder) pro dosi einen Gran, innerhalb 24 Stunden 6 Gran 
Bleizucker zu reichen. — Nun ist ganz gewiss richtig, dass nicht jedes 
Kind, welches Chocolade geniesst, zugleich das Einpackpapier ableckt; 
es bedarf aber dieser Manipulation gar nicht, um eine Bleivergiftung zu 
ermöglichen, denn, und das ist der 2. Punkt, welcher die Gefahr zu einer 
erheblichen macht, Zuckerlösungen (z. B. in Malzbonbons) haben gerade 
die Eigenthümlichkeit, mit Bleiverbindungen sich zu verbinden, Blei- 
saccharate zu bilden und die Löslichkeit der an sich vielleicht unlöslichen 
Bleipräparate herzustellen. Sieht man nun, wie oft in feuchten Läden 
die Chocoladen- resp. Bonbonsmasse feucht und das Einpackpapier weich 
und durchlässig wird (der Vortragende legt Proben solcher verdorbenen 
Sachen, in Arsenik- resp. Bleipapier eingehüllt, vor), so erscheint es un- 
zweifelhaft, dass bei dem enormen Gehalt des Einpackpapieres an Blei 
auch die Oberfläche der zu geniessenden Sachen selbst mit Bleipartikelchen 
in Berührung kommt, also selbst mit dem Gifte imprägnirt werden muss. 

Angesichts solcher, hier in Breslau selbst beobachteter Thatsachen 
sieht der Vortragende keinen zwingenden Grund ein, warum man Kinder 
durch Einhüllen von Esswaaren in giftige Papiere einer möglichen Ver- 



der Schles. Gesellseh. f. vaterl. Cultur. 215 

giftung aussetzen soll ^ um so weniger erscheint das geboten, als es ja 
gerade bei Enveloppen gar nicht auf eine hervorragend schöne Farbe 
ankomme, und man also getrost giftfreie Papiere verwenden könne, 
welche vielleicht eine weniger brillante Farbe zur Schau tragen. 

Die Regierungs- Verfügun gen, datirt aus den Jahren 1821, 
1839, 1845, 1848, 1850, 1855 und 1872 seien gerade für den in Rede 
stehenden Punkt strengstens aufrecht zu erhalten, und es sei bei 
den an sich sehr überlegten und motivirten Erlassen nur zu beklagen: 

1) dass sie den Interessenten zu wenig bekannt gemacht würden und 

2) dass sie nur für den Regierungsbezirk Breslau in Kraft seien, ein 
Umstand, der nicht nur im Interesse der Sanitätspolizei, sondern auch der 
Fabrikanten und Händler sehr zu beklagen sei. 

Herr Sanitätsrath Dr. Paul demonstrirte einen Knaben, an welchem 
vor y a Jahre die resedion des linken Ellenbogen- Gelenkes ausgeführt 
worden ist und der jetzt ein sehr brauchbares Gelenk besitzt. 

In der Sitzung am 14. Juni hielt Herr Privatdocent Dr. Nothnagel 
einen Vortrag über experimentelle Untersuchungen über eine Function der 
Grosshirnhemisphäre, welcher inzwischen anderweitig ausführlich gedruckt 
erschienen ist. 

In der Sitzung vom 4. October hielt Herr Dr. Horwath aus Kiew 
einen Vortrag: 

Zur Physiologie der thierischen Wärme. 
Der Vortragende, welcher sich schon früher mit Untersuchungen über 
den Einfluss starker Abkühlung und Wiedererwärmung auf die Lebens- 
erscheinungen warmblütiger Thiere beschäftigt und dann Studien über den 
Winterschlaf von Warmblütern begonnen hat, berichtet jetzt über sehr 
merkwürdige Temperatur- Beobachtungen an winterschlafenden Zieseln 
(Spermophilus Cytillus). Er hatte sich eine Anzahl dieser Thiere aus der 
Umgegend vou Tost, durch gütige Vermittelung des Herrn Guradze 
daselbst, im August v. J. verschafft und dieselben während des darauf 
folgenden Winters im Zimmer beobachtet. Die Thiere wurden je eines 
in ein Glasgefäss gesetzt und während des wachen Zustandes gefüttert. 
Es zeigte sich zunächst, dass, wenigstens unter diesen künstlichen Be- 
dingungen, der Winterschlaf dieser Thiere kein ununterbrochener ist; 
vielmehr schlafen sie immer 1 — 4 Tage, wachen dann ungefähr eben so 
lange, schlafen darauf von Neuem wieder für einige Tage ein u. s. f. 
Dieses Verhalten giebt günstiger Weise häufig Gelegenheit, die Vorgänge 
beim Erwachen zu studiren. Doch ergab sich auch die Möglichkeit künst- 
lichen Erweckens, wobei die Erscheinungen in gleicher Weise verfolgt 
wurden. Die Temperaturmessungen wurden alle mittelst eines, immer 
36 Millimeter tief in das rectum eingeführten und darin liegen bleibenden 



216 Jahre s-B ericht 

Thermometers angestellt. — Während des Winterschlafes haben die Ziesel 
eine sehr verlangsamte Athmung, 2 — 3 Züge in der Minute, und die innere 
Körperwärme ist beinahe gleich der Temperatur des umgebenden Mediums. 
In einem Falle z. B. war dieselbe durch längere Zeit nur -+- 2° C, wohl 
das erste beobachtete Beispiel, dass ein Warmblüter eine so sehr dem 
Gefrierpunkte nahe kommende Abkühlung überlebte. — Das Erwachen 
nun, d. h. der Uebergang in den normalen wachenden Zustand, geschieht 
langsam, so dass der letztere erst nach 3 Stunden und darüber erreicht 
wird. Die Bewegungen der Thiere während dieses allmäligen Erwachens 
sind ganz unbedeutend, so zwar, dass das Thermometer ohne Gefahr des 
Zerbrechens ruhig im rectum liegen bleiben kann. Am merklichsten ver- 
ändern sich im Anfange des Erwachens die Athembewegungen, indem die 
Anzahl derselben sich rasch steigert, z. B. in einem specieller mitgetheilten 
Falle nach 10 Minuten bis auf 19, nach einer Stunde bis auf 45 in der 
Minute. Die Wärmebildung andererseits erfährt im Anfange nur einen 
geringen, später aber einen wunderbar schnellen Zuwachs. Es steigert 
sich gewöhnlich die Körpertemperatur in der ersten Stunde um etwa 
2° C, in der zweiten Stunde um etwa 5°, dann aber sehr rapide, näm- 
lich in 30 — 40 Minuten um 15° und mehr. Die rapide Steigung beginnt 
in der Regel, wenn die Körpertemperatur die Höhe von 15 — 17° erreicht 
hat. Dieser allgemeine Gang der Temperatuibewegung wiederholte sich 
in 20 verschiedenen Beobachtungen in constanter Weise, obwohl die 
Thiere sich in einem verhältnissmässig kühlen Räume befanden. — Es 
ist diese colossale Wärmeentwickelung in kurzer Zeit nach den jetzigen 
Ansichten von der Entstehung der thierischen Wärme schwer erklärlich. 
Sie steht zunächst in keinem Verhältniss zu der massig gesteigerten Re- 
spiration, selbst nicht, wenn man berücksichtigt, dass die Selbsterwärmung 
unterhalb der Normaltemperatur, und zwar am heftigsten zwischen 17 und 
32° vor sich geht. Zum Vergleiche wurden Kaninchen bis 20° C. ab- 
gekühlt und sehr energischer künstlicher Respiration unterworfen*, sie 
erwärmten sich dabei gar nicht, wenn die Aussentemperatur unter 20° 
blieb. Auch von Muskelthätigkeit kann die Erscheinung nicht abgeleitet 
werden, da die Thiere sich nur wenig bewegten. Zum Vergleiche wurde 
ein Hund durch Strychnin vergiftet:, während der heftigen, rasch sich 
wiederholenden Strychninkrämpfe, und obwohl im Sommer mit Decken 
geschützt, erwärmte er sich doch in 25 Minuten nur um 4°. Auch in 
Fiebern steigert sich die Körpertemperatur nur um wenige Grade und 
zwar auch langsam, im Verlaufe mehrerer Stunden. — Man könnte bei 
den Winterschläfern an eine Aufspeicherung des Sauerstoffes denken, 
welcher während des Erwachens schnell verbraucht werde:, aber diese 
Annahme ist unwahrscheinlich, weil dem Erwachen eine lange Zeit ver- 
minderter Athmung vorangegangen ist. Entscheidend würden Messungen 
der während des Erwachens ausgeathmeten Kohlensäure und Wasser sein. 



der Schlcs. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 217 

Der Vortragende hat einige bezügliche Vorversuche angestellt, jedoch 
bisher keine ausreichende Reihe von Gas-Analysen ausführen können. 
Gleichwohl ist er zu der Annahme geneigt, dass seine Beobachtungen mit 
der bisherigen Theorie der thierischen Wärme unvereinbar sind und zu 
einem erneuten Studium dieses Problems hindrängen. — Beiläufig bemerkte 
der Vortragende auch am Auge der Ziesel einige ungewöhnliche Eigen- 
tümlichkeiten, nämlich erstens eine constant weingelbe Färbung der 
Krystalllinse und sodann Theilung des nervus opticus vor seinem Eintritte 
in den bulbus, welches letztere Verhalten indessen schon früher von 
Barkow beschrieben worden ist. 

Herr Apotheker Julius Müller sprach 
über den Werth der aus plastischer Kohle verfertigten Wasserfilter. 

Er erwähnte und zeigte nochmals die im vorigen Jahre der natur- 
wissenschaftlichen Sektion vorgelegten Versuche, aus denen hervorging, 
dass die Entwickelung von Organismen beim längeren Stehen unserer 
Trinkwässer theils den schon im Wasser enthaltenen, theils den in der 
Luft sich befindenden, im Wasser zum Keimen kommenden Sporen zuzu- 
schreiben, dass letztere, wie schon längst bekannt, durch Baumwolle ab- 
gehalten und die schon im Wasser befindlichen beim längeren Kochen 
völlig getödtet werden, so dass im vorher luftleer gemachten Kolben ge- 
kochtes und dann schnell mit einem Baurnwollenbausch lose bedecktes 
Trinkwasser sich hält, ohne auch nach längster Zeit irgend welche Bil- 
dung von Organismen zu zeigen. 

Werden nun wirklich, wie ja behauptet wird, die Sporen beim Fil- 
tern durch die aus plastischer Kohle verfertigten Wasserfilter zurück- 
gehalten, so muss solches filtrirtes Wasser sich verhalten wie gekochtes, 
d. h. in einen Kolben gebracht, so dass beim Einfüllen atmosphärische 
Luft nicht zukommen kann, darf solches Wasser nach schnellem Schliessen 
des Kolbens mit vorher sorgfältig gereinigter Baumwolle auch bei langem 
Stehen keinerlei Organismen entwickeln. — Leider hat sich dies durch 
die angestellten Versuche nicht bestätigt. Es wurde zu denselben ein 
noch nicht benutztes Wasserfilter aus der renommirtesten Fabrik plastischer 
Kohle angewandt. Das gewählte Wasser war ein mittelmässiges Trink- 
wasser Breslaus, durch seinen Gehalt an Salpetersäure und Ammoniak 
die Entwickelung der Sporen begünstigend. Der Vortragende zeigte und 
erläuterte der Gesellschaft folgende am 10. August angestellte Versuche: 

Nicht gekochtes und nicht filtrirtes Wasser wurde in einen vorher 
mit Wasserdampf gefüllten, dann erkalteten, also luftleeren Kolben ge- 
bracht, der Hals des Kolbens sofort lose mit durch Aether sorgfältig ge- 
reinigter Baumwolle gefüllt und nun das Wasser der Sonne ausgesetzt. 
Schon am 16. desselben Monats war der Boden mit einem grünen Ueber- 
zug — einer Protococcus-Art — bedeckt- es waren also in dem nicht 



2 1 8 Jahres-Bericht 

filtrirten Wasser Sporen, die sich beim Stehen an der Sonne bald ent- 
wickelten. Der zweite vorher sorgfältig gereinigte Versuchskolben wurde 
zur Austreibung der atmosphärischen Luft mit Kohlensäure angefüllt, 
darauf mit einem zweimal durchbohrten Kork verschlossen; in die eine 
Oeffnung wurde eine an beiden Seiten offene Glasröhre, deren obere 
Oeffnung der Ausflussgeschwindigkeit des Kohlenfilters entsprach, gesteckt; 
in die andere die Ausflussröhre des vorher in das betreffende Wasser 
eingetauchten und in Gang gesetzten Kohlenfilters gepasst. Auf diese 
Weise wurde die atmosphärische Luft abgebalten, denn in dem Maasse, 
als das filtrirte Wasser in den Kolben floss, strömte Kohlensäure aus der 
anderen Röhre aus, verhinderte also, um so mehr als die Kohlensäure 
*/ 2 Mal schwerer als die atmosphärische Luft ist, das Eindringen der- 
selben. Nachdem der Kolben auf diese Weise mit dem filtrirten Wasser 
gefüllt war, wurde der Hals ebenfalls mit gereinigter Baumwolle lose 
verschlossen, und neben dem ersten Kolben der Sonne ausgesetzt. — 
Schon am 17. desselben Monats war der Boden auch dieses Kolbens mit 
derselben grünen Protococcus-Art bedeckt. 

Es geht also aus diesem Versuche unzweideutig hervor, dass die in 
dem betreffenden Wasser vorhandenen Sporen unbehindert durch das 
Kohlenfilter durchwandern. 

Liess sich hiernach wohl von vornherein annehmen, dass die so viel 
besprochenen und eine so grosse Rolle spielen sollenden Bacterien eben- 
falls durch die Kohlenfilter gehen würden, so stellte der Vortragende 
doch den directen Beweis dafür an. Er vermischte destillirtes Wasser 
mit sogenannter Pasteur'scher Flüssigkeit, die voller Bacterien war, und 
liess nun dieses Wasser durch das vorher sorgfältigst gereinigte, schwach 
geglühte Kohlenfilter gehen. Leider zeigte sich unterm Mikroskop jeder 
Tropfen mit Bacterien reich versehen, anscheinend in derselben Menge, 
wie in der nicht filtrirten Flüssigkeit. — In einen vorher sorgfältigst ge- 
reinigten, mit Kohlensäure angefüllten und mit Baumwolle lose verstopften 
Kolben gebracht, vermehrten sich in dem filtrirten Wasser die mit durch- 
gegangenen Bacterien bald so, dass die anfänglich nur opalisirende 
Flüssigkeit bald völlig trüb und undurchsichtig wurde. — Der Werth der 
Kohlenfilter beruht demnach nur in dem Zurückhalten grober mechanischer 
Verunreinigungen, wie Sand, Lehm etc., und bei noch nicht langem Ge- 
brauch wohl auch in dem Entfernen etwa vorhandenen faulen Geruches; 
nimmermehr aber können, wie vielfach behauptet wird, vermittelst der 
plastischen Kohlenfilter contagiöse Stoffe aus dem Wasser entfernt werden. 

Herr Privatdocent Dr. Hermann Cohn legte 
1) einen von ihm construirten Augenspiegel für schnelle Refractions- 

Bestimmung 
vor. Bei diesem ist eine Rekoss'sche Scheibe von 3" Durchmesser so 
über dem Loring'schen Spiegel angebracht, dass 12 Concav- und 12 Convex- 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 219 

gläser durch leichte Drehung hinter der Spiegelöffnung rasch nach einander 
vorübergeführt werden können. In allen Fällen, in denen es sich um 
schnelle Bestimmung des Baues eines Auges handelt, z. B. bei Massen- 
Untersuchungen von Schülern und Soldaten, namentlich aber bei Neu- 
geborenen, die beständig schreien und das Licht fliehen, sowie auch zum 
Unterricht in der Untersuchung des Augenhintergrundes im aufrechten 
Bilde ist dieser Spiegel zu empfehlen. Atropinisation sowohl des Arztes 
als des Untersuchten ist für mathematisch coirecte Bestimmungen un- 
erlässlich. 

Derselbe Vortragende sprach 

2) über Nachstaar-Operation. 

In 37 Fällen hat er die nach Staaroperationen zurückbleibenden, im 
Pupillarbereich ausgespannten häutigen Trübungen bei seitlicher Be- 
leuchtung mit der v. Gräfe'schen breiten Netzhaut-Discisionsnadel 
zerrissen, nachdem er niemals durch die Hornhaut, sondern stets im 
Skleralbord eingestochen. Bei dieser Methode kann man die zartesten, 
spinnwebigen Trübungen gehörig zerschneiden und hat niemals eine 
Hornhaut-Infiltration zu befürchten. Das Kammerwasser läuft nicht aus, 
die Besserung der Sehschärfe ist sofort zu constatiren, eine Nachbehand- 
lung unnöthig. 

Sitzung am 11. October. Herr Dr. Riesen feld bespricht 

einen ihm im Juni d. J. zur Behandlung gekommenen Fall von sub- 
peritonalem Fibrom des Uterus. 

Dasselbe sass am Fundus uteri, hatte etwa die Grösse einer Wallnuss 
und war von fester Consistenz. Durch einen breiten Stiel stand es mit dem 
Corp. uteri in Verbindung. Dieses selbst war im Zustande metritischer 
Schwellung, ebenso wie die portio vaginalis. Die Patientin litt an pro- 
fusen Blutungen, die bereits einen hohen Grad von Anämie herbeigeführt 
hatten und war von allen lästigen Erscheinungen der Metritis gequält. 
Nachdem R. eine ganze Reihe blutstillender Mittel äusserlich und innerlich 
erfolglos in Anwendung gezogen hatte, wandte er sich in letzter Linie 
zu den subcutanen Injectionen von Ergotin, die er jeden dritten Tag 
applicirte. Einige Tage nach Beginn dieser Kur kam ihm die Notiz von 
Hildebrand in der Berl. Klin. Wochenschrift Nr. 25 zu Gesichte, die ihn 
bestimmte, die Injection nach Hildebrand's Vorgange auszuführen. Der 
Erfolg war überraschend. Schon nach der 8. bis 9. Injection cessirte die 
Menorrhagie vollständig und nach 19 Injectionen war jede Spur einer 
Unebenheit am Uterus, sowie die Metritis völlig beseitigt. Der Zustand 
st bis heute so geblieben. Schliesslich fordert R. auf, vorkommenden 
Falles die Versuche über diesen Gegenstand fortzusetzen. 



220 Jahres-Bericht 

Hierauf sprach Herr Dr. W. A. Freund 

über die organische Grundlage der klimakterischen Beschwerden. 

Nach einem historischen Abriss der bisherigen Lehren über diesen 
Gegenstand werden die Zustände analysirt und als organische Grundlage 
derselben eine vorzeitige, mit der Involution des corpus utri nicht har- 
monisch einhergehende Stenosis cervicis, meistens an den Ostien des Canals, 
mit Retention des Uterinsecretes und Aufnahme zersetzter organischer 
Stoffe (Nachweis geringer Grade von physometra neben hydro- und haemato- 
metra) in die Säftemasse dargelegt. Hiernach werden die Folgeerscheinungen 
als örtliche (zeitweise Entleerung der hydrometra, haematometra ; adhäsive 
Entzündung des laquear vaginae und der portio vaginalis, pruritus etc.) und 
als allgemeine (unregelmässig intermittirendes Fieber bei chronischem 
Magendarmkatarrh, gewisse Haut-Affectionen u. s. w.) entwickelt. 

Sitzung vom 1. November. Herr Geh. Sanitätsrath Dr. Graetzer 
sprach über 

die Armenkrankenpflege Breslaus im Jahre 1871. 

Er unterwarf zunächst die Resultate der einzelnen Kranken- Anstalten 
einer eingehenden Besprechung, verglich sie mit den Ergebnissen des 
Vorjahres, erwähnte die Errichtung des Pulvermacher-Ries'schen Kranken- 
hauses und ging sodann zur Erörterung der Populationsverhältnisse unserer 
Stadt während des Jahres 1871 über. In den fast durchweg ungünstigen 
Resultaten der Armenkrankenpflege, wie auch der Populationsverhältnisse 
war die Einwirkung der schlechten Gesundheitsverhältnisse Breslaus im 
Jahre 187 1 ersichtlich. Es zählte das Allerheiligen-Hospital 2483 und 
die städtische Haus-Armenkrankenpflege 5708, demnach schon die rein 
communalen Haupt-Institute 8191 mehr Kranke als im Vorjahre. Alle 
öffentlichen Armenkranken-Anstalten der Stadt aber verpflegten 42,179 
Kranke, wovon 3114 gestorben sind. Auch der besser situirte Theil der 
Bevölkerung hatte an der grösseren Morbilität und Mortalität zu leiden. 
Denn im Jahre 1871 starben überhaupt 8518 Personen in Breslau. 

Der Vortrag verbreitete sich nun über die Ursachen der ungünstigen 
Gesundheitsverhältnisse der Stadt. 

Bekanntlich herrschten besonders in der zweiten Hälfte des Jahres 
1871: Pocken, Masern und Scharlach. 

Die Pocken-Epidemie begann mit kleinen Anfängen schon im Jahre 
1870 mit in Summa 222 Kranken. Im Jahre 1871 erkrankten laut poli- 
zeilicher Anmeldelisten 4503 Personen, von denen 747, d. i. 16,5 pCt., 
gestorben. 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 221 

Behandelt wurden von diesen: 

2803 in ihren Wohnungen, 
1580 im Allerheiligen-Hospitale, 

62 im Hospital der barmherzigen Brüder, 
17 im Elisabethinerinnen-Hospital, 
7 in der Filiale desselben, 
2 im Krankenhause Bethanien, 
32 im Fraenkel'schen Israeliten-Hospital. 

Die Pocken-Epidemie hielt sich im Anfang des Jahres noch in beschei- 
denen Grenzen, sie nahm erst seit der Mitte Juni zu. Während des Juli 
und August erkrankten schon je 270 Individuen, weiterhin nahm die Zahl 
der Pockenerkrankungen noch mehr zu. Sie stieg 

im September auf 338, 

im October auf 675, 

im November auf 1039 und 

im December auf 1432. 

Auch i. J. 1872 waren im 1. Quartal 1705 

im 2. „ 363 und 

im 3. „ 151 Pockenkranke 

ausserhalb der Hospitäler in Behandlung. 

Von den Hospitälern wurden innerhalb dieser Zeit 1103, zusammen 
also 3322 Pockenkranke angemeldet. Die ganze Epidemie, die nun er- 
loschen zu sein scheint, umfasst vom 1. Januar 1871 bis Ende September 
1872 7825 als an Pocken erkrankte Individuen. 

Es waren unter den Pockenkranken im Jahre 1871: 
608 oder 13,5 pCt. Ungeimpfte, 
3895 oder 86,5 pCt. Geimpfte. 
Es starben: 

von den Ungeimpften 240 = 39,4 7 pCt. oder von 2,5 3 Einer, 
von den Geimpften 507 = 13,oi pCt. oder von 7,61 Einer. 
Leider war aus den polizeilichen Listen nicht ersichtlich, wie viel 
von den Erkrankten revaccinirt waren, resp. von den Revaccinirten ge- 
storben sind. Aber auch die Thatsache, dass von den in der Regel im 
ersten Lebensjahre Geimpften dreimal weniger starben als von den Un- 
geimpften spricht für die Nothwendigkeit der Impfung. 

Die Masern, welche ziemlich gleichzeitig mit den Pocken in Breslau 
auftraten, breiteten sich erst in den letzten Jahresmonaten in grossen Di- 
mensionen aus. Es weisen bis zum Jahresschluss die polizeilichen Listen 
4613 Masernkranke — zu allermeist Kinder — auf. Diese Zahl entspricht 
wohl nicht der Wirklichkeit: denn viele gutartige Fälle gelangten nicht 
zur Kenntniss der Aerzte, aus Familien, in denen 4 bis 5 Kinder erkrankten, 
kam oft nur eine Meldung an die Behörde. Auch diese Epidemie reichte 



222 Jahres-Bericht 

bis tief in das Jahr 1872 hinein. Erst seit Ende September 1872 kann 
man sie als erloschen betrachten. Bis dahin waren noch 480 Meldungen 
von Masernerkrankungen an die Behörde gelangt. Obgleich die Zahl der 
Todesfälle nicht ganz genau festgestellt werden kann, da viele der Masern- 
kranken an Complicationen starben und unter dem Namen dieser in den 
Todteniisten aufgenommen wurden, lässt sich doch ziemlich annähernd 
feststellen, dass die Epidemie gutartig war. Es wurden 1871 als an 
Masern gestorben 256 polizeilich gemeldet, davon im November 123, im 
December 117. 

Das Scharlachfieber trat erst im Spätherbst in epidemischer Aus- 
breitung auf, doch nicht mit so zahlreichen Erkrankungen als die vor- 
genannten Hautausschläge. Es waren polizeilich bis Ende November 254 
und bis Ende December 316 Scharlachkranke registrirt worden. Von 
diesen starben 72, unter ihnen viele an der complicirenden Diphtheritis. 
Diese Epidemie ergriff im Jahre 1872 bis zum October noch 216 Per- 
sonen, ist aber seit dieser Zeit wieder im Steigen. 

Nach dieser Schilderung der Epidemien des abgelaufenen Jahres be- 
nützte der Vortragende die vorläufigen, vom statistischen Bureau bekannt 
gemachten Resultate der vorjährigen Volkszählung zu einem Ueberblick 
über den Stand der Bevölkerung unserer Stadt. Breslau hat sich während 
der letzten 4 Jahre um 11,64 pCt. oder 21,68*2 Seelen vermehrt, und 
zwar, wie gewöhnlich, zumeist durch Zuzug, nur in einem kleinen Theile 
durch Mehrgeburten. Er verglich ferner mit diesem Ergebnisse dasjenige 
aller Zweige der Armenverwaltung und gelangte zu dem Schlüsse, dass 
diese letzteren in vielen Punkten verhältnissmässig ungünstiger erscheinen, 
als die Vermehrung der Bevölkerung voraussetzen liess, dass es jedoch 
gegenwärtig geboten scheint, diese auseinandergehenden Resultate mehr 
einem Uebergangsstadium, in welchem sich Breslau offenbar jetzt befindet, 
zuzuschreiben, als dauernd misslichen Verhältnissen, welche etwa hier 
wurzelten. 

Am Schlüsse seines Vortrages gab Herr Geh. Rath Graetzer noch 
eine Vergleichung einzelner Ergebnisse der Breslauer und Berliner Be- 
völkerungs- und Sterblichkeits-Statistik des Jahres 1871. 

Eine weitere Verwerthung des Materials behält er sich für den dem 
nächst im Druck erscheinenden Bericht vor. 

Hierauf sprach Herr Dr. Ludwig Joseph über 

das Verhältniss des Ureter zum Uterus im normalen und pathologischen 

Zustande. 

Die in der Berliner Klinischen Wochenschrift 1869 veröffentlichten 

Angaben über die topographische Anatomie des Ureter im Weibe sind 

durch die neueste Arbeit von Luschka nicht vermehrt worden. Seine 

Ansicht über den Endtheil des Ureter ist unrichtig, wie sich dies auch 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 223 

I 
schon aus dem pathologischen Verhalten des Ureter ergiebt. Derselbe 
participirt nur an Erkrankungen des Uterus durch vorausgegangene Para- 
metritis, die ihn an den Uterus heranzieht, oder durch einen ulcerativen 
oder Verjauchungsprozess, der sich vom Uterus durch das Parametrium 
erstreckt. 

In der Sitzung am 15. November hielt Herr Geheimrath Professor 
Dr. Lebert einen Vortrag über 

die Lungenkrankheiten der Affen und ihr Verhältniss zu denen des 

Menschen. 

Zuerst wurden frische Präparate verschiedener Organe eines kürzlich 
obducirten Affen vorgezeigt. Dann bewies der Vortragende an einer 
Reihe von Beispielen, wie grosse Dienste in unserem Jahrhundert die ver- 
gleichende Pathologie, die Thierheilkunde der menschlichen geleistet hat. 

Die Schwindsucht der Affen ist besonders bei den grösseren Anthro- 
poiden der menschlichen mehr ähnlich, während sie bei den übrigen meist 
einen schleichenden, wenig deutlichen Verlauf zeigt. Die Abmagerung 
der Thiere wird durch die Behaarung längere Zeit verdeckt; der Husten 
ist viel seltener und trockener als beim Menschen, jedoch kann man auch 
bei der Brustuntersuchung mitunter ganz ähnliche physikalische Ver- 
änderungen wie bei diesem nachweisen. Die Affen fressen fast bis zu- 
letzt, erst wenige Tage vor dem Tode werden sie auffallend schwach, 
apathisch, sterben aber auch nicht selten unerwartet, ohne vorherige aus- 
gesprochene Zeichen der Erkrankung. Bei anderen giebt sich jedoch ein 
etwas längeres Siechthum zu erkennen. Merkliche Athemnoth und schmerz» 
hafter Husten sind selten. 

Wenn auch die ungünstigen Verhältnisse der Gefangenschaft, des 
Transports, des kälteren Klimas zur Entwicklung der Schwindsucht bei 
den Affen mächtig beitragen, so müssen sie doch viel mehr als andere 
Thiere südlicher Länder die Anlage zur Tuberkulose auch bereits in ihrer 
Heimath in sich tragen, denn viele gehen auch schon in südlichen Stationen, 
in welchen die Gefangenschaft und das Klima viel milder sind, rasch zu 
Grunde. Trotz der entschiedenen Neigung zu Lungenschwindsucht sind 
doch Affen viel weniger geneigt als andere Thiere, namentlich Meer- 
schweinchen ? durch Tuberkelimpfung brustkrank zu werden. 

Die Sterblichkeit der Affen in unseren zoologischen Gärten hat übrigens 
mit der Verbesserung der Hygiene der Thiere abgenommen, und sind sie 
namentlich in unserem zoologischen Garten vortrefflich gehalten und hebt 
der Vortragende ganz besonders die gütige Bereitwilligkeit hervor, mit 
welcher der Director Herr Dr. Schlegel ihn bei allen diesen Untersuchungen 
seit Jahren unterstützt hat. 

Den Haupttheil der Mittheilung bildet die anatomische Beschreibung 
der Veränderungen aller Organe des Körpers bei den schwindsüchtigen 



224 Jahres-Bericht 

Affen. Auffallend selten ist Hirnerkrankung; im Brustfell sind grössere 
Ausschwitzungen viel seltener als beim Menschen, und sind sie viel sel- 
tener auch eitriger Natur. Von den Lungen bleibt nicht selten eine fast 
verschont. Häufiger als beim Menschen beginnt anatomisch die Krankheit 
mit diffus ausgebreiteter Lungeninfiltration. Sonst beobachtet man die 
gleichen Heerde umschriebener Entzündung der Endtheile der Athmungs- 
röhren und die gleichen Knötchen und Knoten wie bei der menschlichen 
Tuberkulose; auch die Neigung zu Höhlenbildung ist ebenso ausgesprochen. 
Das Gleiche gilt von der Erkrankung der Lymphdrüsen der Brusthöhle. 
Von den Lungen geht übrigens die Erkrankung keineswegs immer aus. 

Höchst auffallend ist beim Affen das Ergriffen werden vieler Organe, 
und besonders sind auch die Leber und die Milz, wie dies die vor- 
gewiesenen Präparate zeigen, oft der Sitz bedeutender Tuberkelgeschwülste, 
welche sich höhlenartig im Innern erweichen können. Viel seltener als 
beim Menschen finden sich bei der Schwindsucht des Affen Darmgeschwüre, 
während die Lymphdrüsen der Bauchhöhle in bedeutender Proportion 
erkranken. Auch in den inneren Generationsorganen kommen Tuberkeln 
vor. Werden trächtige Affen schwindsüchtig, so kann sich die Krankheit 
auf die Jungen vererben, diese sterben aber häufig schon, bevor es zu 
Ablagerungen kommt. Auch die allgemeine, durch den ganzen Körper 
verbreitete, sehr zahlreiche Knötchenbildung, welche der galoppirenden 
Schwindsucht beim Menschen entspricht, kommt beim Affen vor, meistens 
haben jedoch dann ältere tuberkulöse Krankheitsheerde bestanden. 

Der Vortragende findet in den Ergebnissen dieser Untersuchungen 
eine mächtige Stütze seiner Ansichten über tuberkulöse Krankheiten und 
Schwindsucht des Menschen. Er spricht ihnen jede Specificität ab, findet 
ihre Entwickelung um so häufiger, je mehr schwächende Momente die 
Ernährung der einzelnen Organe und die des ganzen Körpers beeinträch- 
tigt haben. Die Trennung dieser Krankheiten in verschiedene Arten hält 
er für künstlich, betont die Zusammengehörigkeit aller Formen und be- 
trachtet die ganze Krankheit als einen durch tiefe Ernährungsstörung be- 
sonders begünstigten Entzündungsprocess. Zum Schluss hebt der Vor- 
tragende hervor, wie wichtig das gründliche Studium dieser Krankheiten 
auch für die Behandlung derselben werden muss und hofft hierfür die 
Beweise auch in seinem der Vollendung nahen grösseren Werke über 
die Erscheinungen, die Natur und die Behandlung der ßrustkrankheiten 
zu liefern. 

Sitzung vom 22. November. Herr Professor Dr. Förster sprach 
über Schutzmassregeln gegen Cholera. 

Rationelle Schutzmassregeln werden nur dann gefunden werden können, 
wenn der Weg, auf dem sich die Cholera verbreitet, bekannt ist. Ueber 
diesen Weg wissen wir: 1) dass die Cholera nur durch den Verkehr der 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 225 

Menschen sich ausbreitet, also ähnlich ansteckenden Krankheiten, jedoch 
nicht durch unmittelbare Uebertragung vom Kranken auf den Ge- 
sunden. 2) Dass die Ausbildung der Krankheit zu einer Epidemie ab- 
hängig ist vom Boden, auf dem die Menschen leben, resp. von dem 
Wasser in diesem Boden. Nur aus dieser Bodenbeschaffenheit lässt sich 
der auffallende Umstand herleiten, dass gewisse Orte nie von der Cholera 
befallen werden, immun bleiben. 3) Dass das Choleragift im Keimzustande 
den Dejectionen der Cholerakranken anhaftet. Aus ihnen entwickelt sich 
in kurzer Zeit das Cholera-Contagium. Der Vortragende hält es für eine 
wichtige Aufgabe, zu erforschen, was das Gemeinsame dieser 
immunen Orte sei. Dieses Gemeinsame bestehe darin, dass diese Orte 
ihr Wasserbedürfniss auf eine besondere Weise befriedigen, nicht 
durch wenig tiefe in die Erde gegrabene Brunnen, wie sie überall im 
Flachlande gebräuchlich sind. Die Theorie, zu der sich der Vortragende 
bekennt, ist folgende: Das Choleragift gelangt durch die Dejectionen der 
Cholerakranken in die Abtrittsgruben, dringt von hier aus durch die Eid 
schichten hindurch in die Brunnen und wird durch das Wasser derselben 
dem Körper zugeführt. Für richtig ist diese Theorie zu halten, wenn 
sich herausstellen lässt: 1) dass die immunen Orte ihr Wasser 
nicht aus solchen Brunnen entnehmen, 2) dass alle diese 
Brunnen unter dem Ein flu ss der Abtritts gruben stehen. Be- 
züglich des ersten Punktes ist massgebend nicht allein, dass eine 
Wasserleitung vorhanden sei, sondern dass diese Leitung Wasser führt, 
welches nicht unter dem Einfluss von Abtrittsgruben steht, und welches 
wegen seiner Qualität und Quantität von allen Bewohnern des Ortes zum 
Trinken sowohl wie zum Kochen und Waschen etc. benutzt wird. Solche 
Orte, die nie Cholera-Epidemien gehabt haben, und die ihr Wasser 
durchweg oder hauptsächlich aus geeigneten Röhrenleitungen beziehen, 
sind Poln.-Lissa, Lauban, Pless, Grünberg, von Glogau der linke Oder- 
Ufer-Stadttheil (in dem rechten Oderufer-Stadttheil sind Brunnen und gab 
es starke Cholera-Epidemien daselbst), ferner das Waisenhaus in Halle, 
von Weimar die eine Hälfte, die Wasserleitungswasser hat, die andere, 
mit Brunnen versehen, litt an Cholera. Denselben Dienst wie Wasser- 
leitungen thun auch tief in den Felsen gehauene Brunnen: so in Zobten, 
in Jauer im oberen Stadttheil, der immun blieb, während in dem tiefer 
gelegenen, mit Brunnen versehenen, die Cholera herrschte. Bezüglich des 
zweiten Punktes führt der Vortragende an: dass man bei Dresden 
durch Versuche festgestellt habe, dass in einem Brunnen der Wasser- 
spiegel sank, wenn aus einem zweiten, der 120 Fuss davon entfernt war, 
7 Fuss Wasser ausgepumpt wurde; ferner, dass Thierleichen, nach- 
gewiesenermassen auf 160 Fuss weit, das Grundwasser verunreinigten, 
dass das Ammoniakwasser der Münchener Gasanstalt in Brunnen nach 
gewiesen wurde, die 700 Fuss von der Gasanstalt entfernt waren. Hier- 

15 



226 Jahres-Bericht 

nach zieht jeder Brunnen flüssige Stoffe an sich mindestens aus einem 
Umkreise von 200 Fuss Halbmesser. Es giebt aber nur selten einen 
Brunnen, der 200 Fuss von allen Abtrittsgruben entfernt liegt, in Breslau 
vielleicht keinen einzigen. Demnach sind fast alle Brunnen von Abtritten 
inficirt und die chemische Analyse weist dies nach, indem in allen Brunnen 
grösserer Städte reichlich salpetersaure Salze gefunden wurden, die nur 
unter dem Einfluss der Abtritte sich gebildet haben können. Es wird 
uns jetzt auch begreiflich, dass hoher Grundwasserstand, Felsboden, un- 
durchlässiger Thonboden dem Auftreten der Cholera hinderlich sind, 
rasches Fallen des Grundwassers und poröser Boden dagegen die Cholera 
begünstigen, sowie dass auch im Winter Cholera-Epidemien fortdauern 
können, Cholera auf hoher See hingegen eine Seltenheit ist. Die Ver- 
breitung der Cholera kann geschehen nicht blos durch Trinkwasser, son- 
dern auch auf anderem Wege durch Verdünnung der Milch oder des 
Bieres mit inficirtem Wasser, Verfälschung der Butter mit demselben, 
durch Fleisch, welches mit inficirtem Wasser behandelt ist etc. 

Es stellen sich sonach zweierlei Schutzmassregeln heraus: 1) man 
sorge dafür, dass keinerlei Excremente in den Boden gelangen — Ab- 
fuhrsystem; 2) wenn dies nicht angänglich, so entnehme man wenigstens 
diesem inficirten Boden kein Wasser, sondern beschaffe reichliches, zu 
allen Lebensbedürfnissen passendes und nicht inficirtes Quellwasser, das 
grösseren Städten nur durch eine Röhrenleitung zugeführt werden kann. 
In Ermangelung des Quellwassers würde für Breslau das städtische Wasser 
aus dem Wasserhebewerk zu empfehlen sein. 

In der Sitzung am 22. November sprach Herr Dr. med. Asch 
über die Canalisation grösserer Städte. 

Der Vortragende gab einen kurzen historischen Ueberblick über den 
Stand der Frage im Allgemeinen und eine cursorische Darstellung der 
verschiedenen Systeme, mittelst welcher Städte von ihren Immunditien be- 
freit werden können. — Er kam zu dem Resultate, dass die Frage über 
die Wegschalfung der menschlichen Excremente aus dem Wohnbereich 
und ihre Unschädlichmachung überhaupt sich nicht allgemein und allein 
vom theoretischen Standpunkte aus entscheiden lasse, sondern dass das 
Urtheil in jeder einzelnen Stadt für dieselbe aus den verschiedenen vor- 
handenen Bedingungen, als ihren Terrainverhältnissen, der Nachbarschaft 
bestimmter, ihr zur Disposition stehender Ländereien, ihren Grund wasser- 
und Bodenverhältnissen, der Beschaffenheit des Flusses, an welchem sie 
liegt, und manchen anderen gezogen werden müsse. Doppelt schwer sei 
dies Urtheil aber zu fällen in einer Stadt wie Breslau, welches seit sehr 
langer Zeit theilweise canalisirt sei, obwohl die Canäle niemals für den 
Zweck auch der Abführung menschlicher Excremente gedacht seien. — 
In diesem Augenblicke sich über das für Breslau Richtige zu entscheiden, 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 227 

sei schlechthin unmöglich, da alle dafür nothwendigen Vorfragen noch 
gar nicht ernstlich studirt worden seien. Dahin rechnet der Vortragende 
eine genaue Karte der vorhandenen Canäle, welche allerdings in neuester 
Zeit angefertigt worden sei — ein genaues Nivellement der Stadt bis in 
die entferntesten Theile und darüber hinaus — eine Arbeit, welche auch 
in der allerjüngsten Zeit zu Ende gebracht worden sei. Vor Allem aber 
hält er es für unabweislich, dass die Canäle, welche vorhanden 
sind, genau auf ihre materielle Beschaffenheit und ihren 
gegenwärtigen Zustand geprüft würden. Es müsse sich bei 
dieser Prüfung vorzugsweise um die Untersuchung und Aufdeckung nicht 
der grossen, erst in dem letzten Jahrzehnt erbauten Ringcanäle, sondern 
gerade der kleinen, im Innern der Stadt befindlichen Zweigcanäle han- 
deln, weil man voraussehen könne, dass diese überhaupt in schlechtem 
Zustande, zum Theil mit Senkstoffen angefüllt, vor Allem aber nicht 
für den beabsichtigten Zweck — Abführung menschlicher Excremente — 
geeignet seien. — Es wurde auf die Einrichtung von Water- Closets über- 
haupt und ihre Folgen für die Beschaffenheit der Luft in den Häusern 
und die bei ihnen nothwendigen Cautelen hingewiesen und als verfehlt 
geschildert, dass schon jetzt eine Anzahl Water-Closets ohne Weiteres 
in die Canäle eingeleitet würden. — Die Debatte wurde sehr lebhaft ge- 
führt und namentlich fand das sogenannte Tonnen-Abfuhr-System lebhafte 
und scharf gerüstete Vertheidiger. Einen Abschluss fand dieselbe jedoch 
noch nicht, sondern wurde für eine der nächsten Sitzungen vertagt. 

In der Sitzung vom 13. December sprach Herr Dr. Schmeidler 

über einen Fall von Stearrhoe und den diagnostischen Werth dieses 

Symptomes, 

Herr Apotheker Julius Müller 

über die zu diesem Falle gehörige chemische Analyse. 

Der Fall, welcher dem Vortragenden, Herrn Dr. Schmeidler, in seiner 
Privatpraxis zur Behandlung kam, war kurz folgender: 

Herr H., 67 Jahre alt, ein Breslauer gut situirter Bürger, consultirte 
ihn am 18. August d. J. zum ersten Male, „weil er seit etwa 3 / 4 Jahren 
mit dem Stuhlgange grössere Quantitäten flüssigen Fettes entleere, ja weil 
solche Fett- Abgänge manchmal sogar unwillkürlich, ohne dass er zu 
Stuhle gehe, erfolgten, so dass er dabei erheblich magerer und schwächer 
geworden sei, sonst aber weder über Schmerzen noch andere Abnor- 
mitäten, bis auf vorübergehende zeitweilige Abnahme des Appetites ge- 
klagt habe. Die zufällige Entdeckung dieser bedeutenden Fett-Abgänge, 
die ihn übrigens sehr deprimirten, veranlasste ihn fortan, zur besseren 
Beobachtung stets Urin und Faeces getrennt zu entleeren. 

Demnach bot sich, als der Vortragende die Faeces besichtigte, in der 
That der eigenthümliche Anblick dar, dass die festen, nur schwach gallig 

15* 



228 Jahres-Bericht 

gefärbten Faeces von einer anfangs flüssigen, später geronnenen, weiss- 
gelben reinen Fettmasse umgeben und theilweise überflössen waren (wie 
Oppolzer es einem „mit verflüssigter Butter gemachten, nachher erkalteten 
Uebergusse" treffend vergleicht). 

Die genau angestellte Anamnese ergab nur die Symptome voran- 
gegangener ganz leichter Verdauungsstörungen, aber ohne Icterus, Duodenal- 
katarrh u. dergl. Die aufs Genaueste angestellte Differential-Diagnose 
musste alle Erkrankungen, die sonst in der Pathologie und Casuistik etwa 
als Ursache der Stearrhoe angeführt werden, ausschliessen, namentlich 
Panoreas-Tumoren, Leber- und Darm-Erkrankungen, fetthaltige Cysten etc., 
constatirte nur eine massige Alters-Atrophie der Leber und stellte bei 
dem sonst guten Gesundheits-Zustande des Patienten als Ursache der 
Stearrhoe in diesem Falle hin: „eine mangelhafte Secretion der- 
jenigen Säfte, welche das Fett verdauen helfen, speciell 
der Galle und vor Allem des pankreatischen Saftes. 

Für die Therapie ging daraus die Aufgabe hervor, diese Secretionen 
vor Einnehmen der Mahlzeit jedesmal stärker anzuregen, und zwar wandte 
der Vortragende, Dr. Schmeidler, zunächst die Amara an, indem er 
verordnete: 

Rpt. Tinct. Chinae comp. Elixir. Aurant. comp, aa 10,0 Tinct. Rhei 
vinos. 5,0 M. D. S. Dreimal täglich einen Theelöffel, eine Stunde 
vor der Mahlzeit zu nehmen. 

Der Erfolg war überraschend. Nach wenigen Tagen schon ver- 
schwand das freie Fett gänzlich aus den Stuhlgängen, dieselben erfolgten 
so regelmässig und copiös wie vorher, und waren etwas dunkler braun 
gefärbt. Der Appetit steigerte sich täglich, die Diät blieb absichtlich 
unbeschränkt, Patient entleerte trotz reichlichen Fettgenusses kein flüssiges 
Fett mehr. 

Nach vierwöchentlichem Gebrauche des Mittels, während dessen sich 
Patient viel wohler fühlte, glaubte er ganz hergestellt zu sein und Hess 
das Mittel weg. Acht Tage später begannen in Folge dessen wieder 
Fett-Ausscheidungen, und zwar am 30. September eine Fett-Abscheidung 
von 60,0 bis 80,0 Grammes. Das Fett gerann etwa 2 Stunden nach 
erfolgtem Stuhlgange. 

Nunmehr wurde das Fett auf Veranlassung des Vortragenden von 
Herrn Apotheker Julius Müller mit dankenswerther Gefälligkeit genau 
untersucht. 

Herr Apotheker Müller fand, wie am Schlüsse genauer angegeben, 
dass dasselbe aus stearin-, palmitin- und oleinsaurem Glyceryloxyd bestand. 

Es war demnach dieses Fett vollkommen entsprechend 
dem genossenen thierischen Fette; auch enthielt es kein Chole- 



der Schles. GeselJsch. f. vaterl. Cultur. 229 

stearin. Dies, im Verein mit dem Erfolge der Therapie, sprach für die 
Richtigkeit der Diagnose, mehr aber noch das Folgende. 

Am 7. October, nach achttägiger Beobachtungszeit ohne Darreichung 
von Medicamenten, währenddem Patient fortwährend Fett entleerte, Hess 
Dr. Seh m ei dl er den Patienten dasselbe bittere Mittel wieder einnehmen. 
Seitdem blieb das Fett sofort wieder aus den Stuhlgängen weg, nur noch 
einmal trat eine kleine Quantität (wenige Grammes) Fett auf. 

Hierauf wurde die Medication dahin vervollständigt, dass Palient vor 
dem Essen dieselben Amara, nach dem Essen aber das Natr. bicarb. 
(dreimal täglich eine Messerspitze) zur Verseifung der Feite im Darm- 
canal gebrauchen musste. Hierauf bedeutende Besserung, nur am 24. Octbr. 
noch einmal Entleerung von circa 15,0 Grammes Fett neben einem ziem- 
lich entfärbten weissgrauen Excrement, bald aber vollständiges Ver- 
schwinden der letzten Fettspuren aus den Stuhlgängen, normale Färbung 
derselben, absolut normale Verdauung bei vortrefflichem Appetit, bei selbst 
reichlichem Fettgenuss. Patient selbst fühlt sich viel wohler, kräftiger, 
lebhafter, besorgt wieder selbst seine Getreide-Geschäfte, sieht munter 
aus, hat rothe Backen; kurz, erfreut sich im Verhältniss zu seinem Aller 
von 67 Jahren einer vortrefflichen Rüstigkeit. Am interessantesten ist, 
dass er nunmehr vom 13. November, wo er 128 Pfund wog, bis 3. De- 
cember um ein ganzes Pfund Körpergewicht zugenommen 
hatte, dass also das Fett, seitdem es nicht mehr ausgeschieden wurde, 
wirklich dem Körpergewichte zu Gute kam. 

Es wurden nunmehr nach Gebrauch des Natr. bicarb. die Faeces von 
Herrn Apotheker Müller nach der von Hoppe-Seyler angegebenen Methode 
auf Seife untersucht. Derselbe fand, während vorher jeder Stuhlgang- 
durchschnittlich 60,0 Grammes freies Fett enthalten hatte, gegenwärtig in 
einem Stuhlgange 16,0 Grammes Seife; da hierin etwa 8,0 Grammes Fett 
enthalten sind, so ergiebt sich, dass nach Darreichung dieser Medicamente 
die Ausscheidung des Fettes sich fast um das Achtfache verringert hatte, 
dass aber das nicht ausgeschiedene Fett theils durch die unmittelbare, 
die Diffusion befördernde Wirkung der nunmehr stärker abgesonderten 
Galle, theils als Seife resorbirt worden sein musste. Hatte aber das Natr. 
bicarb. die Wirkung gehabt, das Fett als Seife resorptionsfähig zu machen, 
so konnte dies nur durch Gegenwart des pankreatischen Saftes geschehen 
sein, welcher allein von allen Secreten die Eigenschaft besitzt, die Fette 
in Fettsäuren und Glycerin zu zerlegen; ohne eine solche vorherige Zer- 
legung im Darme hätte das Natr. bicarb. es nicht vermocht, die Fette zu 
verseifen, da dies nur kaustische Alkalien direct im Stande sind. Damit 
war der wichtige Beweis für das Vorhandensein des pan- 
kreatischen Saftes nach Gebrauch jener Medicam ente ge- 
liefert, während das Vorhandensein der Galle sich aus der Farbe des 
Stuhlganges etc. ergab. Gewiss dürfte demgemäss der Rückschluss auf 



230 Jahres-Bericht 

die abnorm verminderte Secretion jener Säfte vor dem Gebrauche der 
Medicamente ebenfalls zulässig und damit eine Erklärung für das Auf- 
treten dieser Verdauungs-Anomalie bei dem alten Manne gegeben sein. 

Nachdem der Vortragende weiterhin durch ein physiologisches und 
pathologisches Resume seine Ansichten unterstützt, wendet er sich zur 
Casuistik der Stearrhoe, zeigt ihre grosse Seltenheit, wie sie u. A. Ancelet 
in seiner verdienstvollen Arbeit „Diversite des affections du pancreas" 
statistisch nachgewiesen hat, führt einzelne besonders interessante Fälle 
aus der Literatur an, und gelangt nach ausführlicherer Erwähnung der 
hierher gehörigen Ansichten Bamberger's und Oppolzer's zu folgenden 
Schlusssätzen : 

1. Die Stearrhoe ist eine sehr seltene Erscheinung. 

2. Sie ist an und für sich noch kein pathognostisches Symptom für 
eine tiefere Erkrankung der Leber, des Pancreas oder des Duodenum. 

3. Sie verdankt ihre Entstehung meist einer verminderten oder auf- 
gehobenen Secretion 

a) derjenigen Flüssigkeiten, welche die Fette theils spalten, theils 
bleibend emulsioniren, d. h. hauptsächlich des pankreatischen 
und Darm saftes, 

b) der verminderten Secretion der Galle (welche ja die Fette 
durch Anwesenheit des gallensauren Natrons diffusionsfähig 
macht und wohl die nach der Spaltung frei gewordenen Fett- 
säuren, nicht aber die neutralen Fette gelöst erhalten kann, 
auch nach dem Schütteln mit Fett keine bleibende Emulsion 
bildet). 

4. Es scheint, dass eine gleichzeitige Verminderung dieser beiden 
Secretionen das Zustandekommen der Stearrhoe wesentlich begünstigt. 

5. In den Fällen, wo nur diese Verminderung der Secretionen, nicht 
aber eine tiefere Organ-Erkrankung die Ursache der Stearrhoe bildet, 
kann dieselbe durch Beförderung dieser Secretionen geheilt werden. 

6. Die Amara befördern, vor der Mahlzeit eingenommen, die Secretion 
der Verdauungssäfte, speciell der Galle und des pankreatischen Saftes. 

7. Der beschriebene Fall bildet einen neuen Beleg dafür, dass die 
durch die Nahrung aufgenommenen, nach der Spaltung durch den 
pankreatischen Saft verseiften Fette zum grossen Theile als Seifen 
resorbirt werden. 

Hieran knüpfte Herr Apotheker Julius Müller einige Bemerkungen 
über die genauere Analyse jenes Fettes im freien und verseiften Zustande, 
denen noch Folgendes zu entnehmen ist: 

Es wurden aus den zur ersten Untersuchung gekommenen Faeces mit 
Leichtigkeit 20 Gr. des Fettes durch vorsichtiges Abgiessen erhalten. 
Dasselbe besass den Faecal-Geruch und zeigte unter dem Mikroskop die 
schönsten Fettkrystalle, sternförmig krystallisirte Nadeln, ganz denen gleich, 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 231 

welche man erhält, wenn eine Lösung von Hammeltalg in Chloroform auf 
dem Objectglase verdampft. Das Fett löste sich bis auf einen minimalen 
Rückstand völlig klar in Aether, erwärmt schmolz es leicht zu einer klaren 
Flüssigkeit. Ausser den erwähnten 20 Gr. wurden aus denselben Faeces 
durch wiederholtes Ausziehen mit Chloroform noch 40 Gr. Fett erhalten, 
so dass also die Gesammtmenge des Fettes 60 Gr. betrug. — 50 Gr. 
desselben wurden zur genaueren Untersuchung der Verseifung durch 
Natronlauge unterworfen und auf diese Weise 52 Gr. einer festen weissen 
Seife erhalten. Zur Gewinnung des bei dieser Verseifung gebildeten 
Glycerins wurde die kochsalzhaltige Unterlauge eingedampft, der Rück- 
stand mit Aetherweingeist ausgezogen, der Auszug abermals eingedampft, 
der Rückstand wieder mit Aetherweingeist aufgenommen und endlich eine 
mittelst Filtriren durch Kohle ziemlich farblose Glycerinlösung erhalten. 
Dieselbe gab eingedampft ungefähr 3 Gr. Glycerin. Zur Darstellung der 
freien Fettsäuren wurden 35 Gr. der Seife in Wasser gelöst und mit 
Salzsäure zersetzt. Die auf diese Weise erhaltene und nachher mittelst 
Aether gereinigte Fettsäure betrug 28 Gr. Dieselbe war ziemlich fest 
und besass einen Schmelzpunkt von 45° C, bestand also sicher neben 
Stearin- und Palmitinsäure überwiegend aus Oleinsäure. 

Durch Darstellung aller dieser Präparate ist wohl das Fett hinlänglich 
charakterisirt. Es besteht, wie die meisten von uns genossenen Fette, 
aus stearin-, palmitin- und oleinsaurem Glyceryloxyd. 

Der öfters untersuchte Harn war frisch klar, nach kurzer Zeit aber 
einen reichlichen Bodensatz gebend. Er besass meist ein specif. Gewicht 
von 1,0 2 und enthielt weder Eiweiss noch Zucker. Harnstoff, Chloride 
und Phosphorsäure waren in normaler Menge vorhanden. Der Bodensatz 
bestand aus Krystallen von Harnsäure, bisweilen untermischt mit solchen 
von oxalsaurem Kalk. 

Die später auf einen etwaigen Gehalt an Seife untersuchten Faeces 
wurden nach Hoppe-Seyler wiederholt mit heissem Alcohol extrahirt und 
der Auszug nach Hinzufügen von wenig kohlensaurem Natron im Wasserbade 
bis zur Trockene eingedampft. Der Rückstand wurde zur etwaigen Fett- 
und Cholesterin-Entfernung wiederholt mit Chloroform und Aether aus- 
gezogen, dann mit absolutem Alcohol ausgekocht und diese Lösung ein- 
gedampft. Es w 7 urden auf diese Weise ungefähr 18 Gr. einer gelblichen, 
ziemlich harten Substanz erhalten, die sich durch ihre leichte Löslichkeit 
in Wasser, stark alkalische Reaction, Zersetzung durch Säuren unter Frei- 
werden von Fettsäuren als ziemlich reine Seife erwies. Es war also 
dadurch constatirt, dass immer noch nicht alles genossene Fett resorbirt 
worden, dass vielmehr ein Theil desselben als Seife in die Faeces über- 
gegangen. 



V. 

13 er i cht 

über 

die Thätigkeit der historischen Seclion der Sehlesischen 
Gesellschaft im Jahre 1872 

erstattet von 
Professor Dr. Kutzen, 

zcitia-ein Secrctair cler Sectioii. 



Die historische Seclion versammelte sich im Jahre 1872 vierzehn 
Mal. Grössere Abhandlungen, die in diesen Sitzungen zum Vortrag und 
zur Besprechung kamen, waren ihrem wesentlichen Inhalt nach folgende: 

In der Sitzung am 18. Januar hielt Herr Prorector Professor Dr. 
Schmidt aus Schweidnitz einen Vortrag 

über den im Jahre 1613 in der kur brandenburgischen Linie der 
Hohenzollern erfolgten Confessionswechsel. 

Der Vortragende wies im Eingange darauf hin, dass die Regierung 
des Kurfürsten Johann Sigismund (1608 — 1619) in zweifacher Beziehung 
für die Geschichte der Entwickelung des preussisch-brandenburgischen 
Staates von hoher Bedeutung sei, einmal durch die Erweiterung der Haus- 
macht und dann durch den Uebertritt des Landesherrn zur evangelisch- 
reformirten Kirche. Unter keinem der früheren Hohenzollern hat der 
Staat einen solchen Zuwachs erhalten, als unter Johann Sigismund. Unter 
seiner Regierung wurde das Herzogthum (Ost-) Prcussen, sowie ein Theil 
der Jülich-Cleve-Bergschen Herrschaft, nämlich Cleve, Mark, Ravensberg 
mit Kur-Brandenburg vereinigt. Nicht minder wichtig für die Folgezeit 
war der Schritt, welchen der Kurfürst that, indem er seinen Dissensus 
mit dem streng-evangelisch-lutherischcn Dogma offen darlegte und durch 
die Abendmahlsfeier nach dem Ritus der evangelisch-reformirten Kirche 
am 25. December 1613 seinen Anschluss an diese kirchliche Gemeinschaft 
kundgab. — Zweimal ist in dem Verlaufe eines Jahrhunderts in der kur- 
brandenburgischen Linie der Hohenzollern ein Confessionswechsel erfolgt. 



234 Jahres-Bericht 

Im Jahre 1539 trat Joachim II. von der katholischen Kirche zur evan- 
gelisch-lutherischen Kirche über, nachdem kurz vorher sein Bruder Johann, 
der in der Neumark Brandenburg regierte, einen gleichen Schritt gethan, 
und Verwandte aus der fränkischen Linie der Hohenzollen das evangelisch- 
lutherische Bekenntniss angenommen hatten, während seine Gemahlin 
Hedwig aus dem polnisch-jagellonischen Fürstenhause der katholischen 
Kirche treu blieb. In gleicher Weise hatten vor dem Uebertritt des Kur- 
fürsten Johann Sigismund dessen Brüder, der Markgraf Johann Georg 
von Jägerndorf und der Markgraf Ernst, der Statthalter von Cleve, sich 
zum Dogma der evangelisch-reformirten Kirche bekannt. In dem Vortrage 
wurde nun dargelegt, dass jener Confessionswechsel nicht aus politischen 
Beweggründen erfolgt sei. Der Kurfürst selbst hebt in seinem Schreiben 
an die Stände der Mark wiederholentlich hervor, dass er seiner inneren 
religiösen Ueberzeugung gefolgt sei. Seine religiöse Anschauung hatte 
sich geändert, als er bei seinem Aufenthalt am kurpfälzischen Hofe in 
Heidelberg, mit dem er durch die spätere Heirath seines Sohnes Georg 
Wilhelm in verwandtschaftliche Berührung trat, Gelegenheit gehabt, die 
Ansichten der evangelisch-reformirten Theologen zu hören. Acht Jahre 
hatte er sich mit dem Gedanken des Confessionswechsels getragen, ehe 
er denselben ausführte. Politische Motive können den Kurfürsten nicht 
geleitet haben, denn bei der feindseligen Stimmung, welche damals die 
Lutherischen den Reformirten gegenüber an den Tag legten, erbitterte der 
Kurfürst den grössten Theil seiner Unterthanen in der Mark Brandenburg 
durch diesen Uebertritt und machte seine Stellung in Preussen, wo er in 
jener Zeit noch die Curatel über seinen schwachsinnigen Schwiegervater 
Albrecht IL Friedrich führte, nach dessen im Jahre 1618 erfolgtem Tode 
ihm erst die Herrschaft zufiel, sehr schwierig. Nicht gerechtfertigt ist 
endlich die Annahme, dass der Kurfürst zur Behauptung des eines Theiles 
der Jülich- Cleve -Bergschen Erbschaft — der andere Theil hatte dem 
Prätendenten von Pfalz-Neuburg zugestanden werden müssen — der Hilfe 
der Republik Holland sich habe versichern wollen, in welcher das refor- 
mirte Bekenntniss vorherrschend war, und deshalb seine Confession ge- 
ändert habe. Die gedachte Republik, regiert von Statthaltern aus dem 
Hause Oranien, machte ihre politischen Verbindungen nicht immer von 
der Gleichheit des religiösen Bekenntnisses abhängig. Dazu kommt, dass 
de.r Kurfürst sich nicht zu der streng- calvinischen Ansicht bezüglich der 
Lehre von der Gnadenwahl bekannt, welche auf der Synode zu Dordrecht 
(1618) zum Dogma der niederländischen Kirche erhoben wurde. 

Am 25. Januar hielt Herr Professor Dr. Reim an n einen Vortrag 

über den Cölner Kurfürsten Friedrich von Wied. 
Er hatte bereits eine Arbeit über diesen Mann im elften Bande der 
Forschungen veröffentlicht. Das wirkl. Mitglied des Instituts für öster- 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 235 

reichische Geschichtsforschung, Herr Seh rauf in Wien, sammelte dann in 
dem k. k. Hof- und Staatsarchiv mit Verständniss und Geschick weitere 
Nachrichten und stellte sie dem Vortragenden höchst freundlich zur Ver- 
fügung. In Folge dessen konnten die Streitigkeiten über die Annaten, 
wodurch die päpstliche Bestätigung verzögert war, ausführlicher dargestellt 
werden. Der Kurfürst weigerte sich weiter, obwohl er katholisch war, 
das Glaubensbekenntniss abzulegen, welches Rom nach dem Tridentiner 
Concil verlangte. Wenn dies bereits in den Forschungen genügend 
auseinandergesetzt war, so konnte doch der Ausgang, welchen die An- 
gelegenheit endlich nahm, nun noch genauer verfolgt werden. 

In den Sitzungen am 15. und 22. Februar behandelte Gymnasial- 
Oberlehrer Herr Dr. Markgraf 

die Geschichte Schlesiens und besonders Breslaus unter König 

Ladislaus Fosthumus. 
Der Vortrag besprach die Folgen, welche die Aufrichtung einer festen 
Regierung in Böhmen nach dem langen Interregnum für die böhmischen 
Nebenländer und besonders für Schlesien und dessen Hauptstadt Breslau 
hatte. Zunächst fügte sich Schlesien der neuen Ordnung der Dinge, die 
durch den Ueberfall Prags im September 1448 durch Georg von Podiebrad 
und dessen Erwählung zum Gubernator angebahnt wurde. Dann störte 
aber das Auftreten des heiligen Capistrano (Februar bis August 1453) in 
Breslau diese friedliche Stimmung und entzündete neben einer grossen 
Judenverfolgung auch einen furchtbaren Ketzerhass. Capistran gründete 
auch die Kirche und das Kloster zu St. Bernhardin. Zunächst weigerte 
sich Breslau hartnäckiger als das übrige Schlesien, dem inzwischen von 
Podiebrad auf den Thron gehobenen Ladislaus Posthumus wo anders als 
in Breslau, und zwar persönlich, zu huldigen, und setzte das endlich 
durch. Der Aufenthalt des Königs in Breslau vom 6. December 1454 
bis 31. Januar 1455 und die dabei verhandelten Angelegenheiten von 
allgemeiner Bedeutung wurden ausführlich dargestellt, besonders der Ver- 
such Podiebrad's hervorgehoben, durch Einsetzung Heinrichs von Rosenberg 
zum Landeshauptmann von der Ober-Lausitz, den Fürstenthümern Breslau 
und Schweidnitz-Jauer Schlesien wieder in Regierung zu nehmen. Die 
Wahl des Jost von Rosenberg zum Breslauer Bischof verstärkte den Ein- 
fluss dieses Hauses in Schlesien, zumal sich der dritte Bruder Johann mit 
Anna von Glogau verheirathet. Je geneigter Breslau den Rosenbergen 
erschien, um so feindseliger stellte es sich gegen Podiebrad. Eine Con- 
solidirung der neu begründeten Verhältnisse konnte leider nicht statt- 
haben, da schon im November 1457 der junge König plötzlich starb und 
das Reich ohne Thronerben zurückliess. 

In der Sitzung am 14. März gedachte zunächst der Secretair der 
Section, Professor Dr. Kutzen, des schmerzlichen Verlustes, den auch 



236 Jahres-Bericht 

sie vor Kurzem durch den Tod des Herrn Director Schuck erlitten. — 
Darauf behandelte er den für diese Sitzung am Tage zuvor öffentlich 
angekündigten Gegenstand, nämlich: 

Die Eigentümlichkeit des Heuscheuer-Gebirges in der Grafschaft Glatz 
und ihre Einwirkung auf Gemüth und Leben des Menschen. 

Dieses Gebirge ist, wie er in seinem Vortrage eingehend entwickelte, 
der höchste Abschnitt des Quader- Sandstein -Gebietes, welches von der 
Reinerzer Weistritz an in nordwestlicher Richtung durch das nordöstliche 
Böhmen, einen Theil der Lausitz, durch die sogenannte Sächsische Schweiz 
geht und sich jenseits der Elbe im Erzgebirge verliert. Es enthält inner- 
halb der Grafschaft hauptsächlich zwei von einander sehr bestimmt und 
deutlich geschiedene Züge. Beide, bald dünner, bald dichter, an mehreren 
Stellen aber auch fast gar nicht mit Wald bedeckt, erstrecken sich, bei 
einer Breitenausdehnung von durchschnittlich nicht 1 Meile, an 2 geogr. 
Meilen in die Länge, steigen nach Norden hin mehr und mehr an und 
endigen unfern der böhmischen Grenze mit ihren bedeutendsten Er- 
hebungen, der östliche mit der grossen Heuscheuer (nach den Messungen 
des preussischen Generalstabes vom Jahre 1862 bis zu 2932 Fuss über 
der Ostsee sich erhebend), der westliche mit dem nicht viel niedrigeren 
Spiegelberge. Die zwischen beiden Hauptzügen gelegene Hochfläche bildet 
eine Art Längsfurche, welche von dem der Reinerzer Weistritz zueilenden 
Rothwasser-Bache durchflössen wird. Nimmt man das Wort „Heuscheuer- 
Gebirge" im weiteren Sinne des Wortes, so wird darunter noch ein dritter 
Zug mit verstanden, welcher ganz nahe den beiden anderen, aber bereits 
jenseits der böhmischen Grenze beginnt, zu ziemlich bedeutender Höhe 
(besonders im Batzdorfer Spitzberge) emporsteigt und gewissermassen als 
nordwestliche Fortsetzung des eigentlichen Heuscheuer-Gebirges betrachtet 
werden kann. Er hat, nach Norden hin fortwährend an Höhe abnehmend, 
sein berühmtes Ende in der Felsentbalpartie von Weckelsdorf und Adersbach. 

Im Gegensatze gegen die häufig sanft ansteigenden Lehnen, gewölbten 
Rücken und abgeflachten, oft weit gedehnten Gipfel der östlichen Ein- 
schliessungsmauern der Grafschaft überraschen uns im Heuscheuer-Gebirge, 
wie im Gebiete des Quadersandsteins überhaupt, mehr horizontale und 
senkrechte Formen, mehr schroffe, abenteuerliche Gestaltungen, zerklüftete 
Felsmassen, wild zerrissene Schluchten oder tief ausgewaschene Thäler, — 
lauter Erscheinungen nicht einer eigenen Bildungskraft, sondern fremder 
Kräfte mittels Zerstörung; daher auch in der Tiefe solcher Schöpfungen, 
wie mannigfaltig und für den ersten Blick unterhaltend diese Formen des 
Quadersandsteins in ihren einzelnen Exemplaren auch sind, der Eindruck 
kein andauernd wohlthuender und befriedigender, während, schon des 
Gegensatzes wegen, die hoch und nahe gelegenen Aussichtspunkte in die 
weite, lebendige und mit der Pracht heiterer Farben glänzende Natur 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 237 

um so mehr anmuthen und immer aufs Neue wieder aufgesucht werden. 
Diese Eigenthümlichkeit des Heuscheuer -Gebirges ist, gleich mehreren 
anderen Gegenden Deutschlands von ähnlicher Gebirgsformation, eine 
wichtige Nahrungsquelle für die anwohnende Bevölkerung geworden, 
indem Tausende von Fremden jährlich sich einfinden., um die pittoresken 
Steingebilde zu bewundern und auf den Zinnen der gewaltigen Felsen- 
burg vielgepriesene Aussichten zu gemessen, und Leben und Geld in 
solche Gegenden bringen. Dieser Vortheil wird in Zukunft noch grösser 
werden, wenn erst eine gefahr- und mühelose Zugänglichkeit gewisser 
anderer Punkte in der Nähe, z. B. der kleinen Heuscheuer, des Spiegel- 
berges, des wilden Loches u. s. w. zu Stande gebracht und der Verkehr 
durch gute Fahrstrassen noch mehr gefördert sein wird. Indess sind 
gegenwärtig doch schon zwei bessere Fahrstrassen bis auf die oben er- 
wähnte Hochfläche vorhanden und dadurch zugleich Mittel geschaffen, um 
das Hauptproduct des Heuscheuer -Gebietes, das Holz seiner Wälder, 
besser, wie früher, zu verwerthen und auch den Ortschaften, in wie weit 
sie zum Kreise Neurode gehören, eine geeignete Verbindung mit der 
Kreisstadt zu ermöglichen, die bisher noch nicht vorhanden war. Dass 
der Ortschaften daselbst überhaupt nur wenige sind, kommt wohl haupt- 
sächlich daher, weil der Feldbau im Quadersandstein-Gebiet nicht sonder- 
lich ergiebig und insbesondere in dem Heuscheuer-Gebirge der Ober- 
flächenabschnitt verhältnissmässig zu klein ist, wo er mit einigermassen 
lohnendem Erfolg betrieben werden kann. 

In der am 18. April stattgehabten Sitzung trug Herr Rector Dr. Luchs 

die Biographie Bolkos I. von Schweidnitz (1278 — 1301) und seines 
jüngsten Sohnes Bolkos von Münsterberg (f 1341) 
vor. Nachdem er die genealogischen Verhältnisse auseinandergesetzt und 
bei dieser Gelegenheit noch einen vierten Sohn Bolkos I. nachgewiesen, 
besprach er die Erwerbungen des Herzogs von Schweidnitz, setzte dabei 
seinen Charakter in ein günstigeres Licht, als es bis dahin geschehen, 
schilderte seine Verdienste um seine Ländereien, stellte die Heirath mit 
Beatrix von Brandenburg in das Jahr 1287 und erhärtete den Todestag 
(9. November 1301) noch von anderer Seite. Schliesslich ward sein herr- 
liches, bemaltes Grabdenkmal in Grüssau, welches dem berühmtesten 
Kunstdenkmale Schlesiens, der Figur Heinrichs IV. in der Breslauer Kreuz- 
kirche, wenig nachsteht, mit diesem fast gleichzeitig ist und aus dem 
gleichen Material besteht (Stein und Stuck), besprochen und in Abbildungen, 
welche aus des Vortragenden „Fürstenbildern" entlehnt waren, vorgelegt. 
— Bolko von Münsterberg, Anfangs unter vormundschaftlicher Re- 
gierung wie seine Brüder, wie es scheint, völlig selbstständig erst 1321, 
wo er Münsterberg erhielt. Aus seiner Geschichte ward besonders ein- 
gehend sein Kampf mit der Kirche, seine Länderabtretungen an Böhmen, 



238 Jahres -Bericht 

seine Lehnsunterwerfung unter diese Krone 1336, die heldenmüthige Ver- 
teidigung Frankensteins gegen den Markgrafen Karl 1335, sein heiteres, 
scherzhaftes Wesen und seine Vorliebe für die Poesie besprochen. Er 
liegt in Heinrichau mit seiner Gemahlin Jutta, eine verheirathet gewesene 
Gräfin von Trentschin, welche ein Jahr später, 1342, starb, in einer 
Tumba begraben. Die wohlerhaltenen Grabfiguren wurden, aus demselben 
Werke wie oben, gleichfalls abbildlich vorgelegt. 

Seit dem Jahre 1868 hatte die genannte Section in jedem Frühjahre 
einer kr iegs geschichtlich wichtigen Gegend ihre Excursion zugewendet; 
für das jetzige Jahr lenkte ihr Secretair Prof. Dr. Kutzen ihre Auf- 
merksamkeit auf einen eul tu r geschichtlich beachtenswerthen Punkt, näm- 
lich auf das durch grossen Besitz, Einfluss auf die Landescultur und durch 
grossartige Baudenkmäler ebenso wie durch seine Lage ausgezeichnete 
Cisterzienserstift Leubus an der Oder. Der Vorschlag wurde angenom- 
men, und zwei Vorträge in der Sitzung am 8. Mai dienten vorbereitend 
zur Orientirung über die wissenschaftliche Seite der Excursion, der eine 
vom Herrn Staatsarchivar Prof. Dr. Grünhagen über die Gründung, die 
mehr und mehr anwachsenden Besitzungen des Klosters und über die 
Schicksale desselben, besonders zur Zeit der Hussitenkriege und des 
dreissigjährigen Krieges; der andere vom Herrn Privatdocenten Dr. Alwin 
Schultz vorzüglich über die Hauptkirche des Klosters und deren Grab- 
denkmäler. Schliesslich erörterte Professor Dr. Kutzen in Kürze die 
geographisch bedeutsame Lage von Leubus. 

Der am Sonntage darauf (den 12. Mai) unternommene Ausflug dahin, 
an dem zwischen 30 und 40 Herren theilnahmen, konnte in jeder Be- 
ziehung ein gelungener genannt werden: das den ganzen Tag hindurch 
günstige Wetter, die ausdauernde freundliche Bereitwilligkeit zweier 
Beamten der dortigen Anstalten, uns behufs Wegweisung und Orientirung 
durch alle sehenswerthen Räume zur Hand zu sein, die unter Beihilfe von 
Erläuterungen des Herrn Rector Dr. Luchs vorgenommene lohnende Be- 
sichtigung der Stiftskirche, des Fürstensaales, des Bibliotheks- und Speise- 
saales, der schönen Kirche in dem nahen „Städtel Leubus" und ausserdem 
als würdiger Schluss die Aussicht von dem benachbarten Weinberge über 
die tief unten in weitem Bogen vorbeiströmende Oder auf die schlesischen 
Gebirge und der imponirende Anblick des */ 4 Stunde von dem erwähnten 
Standpunkte entfernten und vor dem prächtigen Eichenwalde hoch auf- 
ragenden Klosters in seiner Totalität, der, wie der Fürstensaal, seines 
Gleichen in Schlesien sucht, — dies Alles befriedigte in hohem Grade die 
Theilnehmer, und da hierzu den Tag über noch gesellige Heiterkeit kam, 
so trennte man sich, des Abends kurz vor 11 Uhr wieder in Breslau 
angelangt, mit der vielfach und lebendig ausgesprochenen Erinnerung, durch 
den Ausflug einen lehr- und genussreichen Tag gewonnen zu haben. 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 239 

Am 30. Mai hielt Herr Privatdocent Dr. Lindner einen Vortrag 

über die Sage von der Bestattung Karls des Grossen. 

Nach der allgemein angenommenen Ueberlieferung wurde der grosse 
Kaiser sitzend auf goldenem Thron, geschmückt mit allen Zeichen seiner 
Würde, in der Gruft des Aachener Münster beigesetzt. So habe ihn 
Otto III. im Jahre 1000 gefunden, als er das Grab öffnete; eine Scene, 
welche die neuere Kunst mehrfach zum Objecte ihrer Darstellung wählte. 
— Der Vortragende wies nach, dass jene Erzählung von Karls Beisetzung 
nur eine Fabel ist, deren Ursprung sich ziemlich genau ermitteln lässt; 
wahrscheinlich wurde sie vom Grafen Otto von Lomello, dem Begleiter 
Ottos III., erfunden; denn erst im Anfang des elften Jahrhunderts wird 
von der Bestattung Karls in der gedachten Weise berichtet und zwar 
von zwei Quellen, der Chronik von Novalese bei Susa in Piemont und 
von Ademar von Chabanis. Bis zu dieser Zeit finden wir nirgends 
eine auch nur im Entferntesten entsprechende Andeutung; die Angabe 
über das Begräbniss, welche Ei nhard und Thegan, Zeitgenossen Karls, 
überliefern, zeugen mit Bestimmtheit gegen jene Bestattung. Die Berichte 
der gleichzeitigen deutschen Historiker über die Eröffnung des Grabes 
durch Otto III., dann durch Friedrich I. beweisen gleichfalls, dass dasselbe 
dem Herkommen gemäss beschaffen war, nichts Ungewöhnliches in sich 
barg. So ist es denn erklärlich, dass wiederholte Nachgrabungen, welche 
in den Jahren 1843 und 1861 unter Olfers Leitung im Münster zu Aachen 
angestellt wurden, keine Spuren von einem Grabgewölbe finden Hessen, 
in welchem Karl in jener wunderbaren Weise beigesetzt worden wäre. 

In der Sitzung am 17. October hielt Herr Dr. Aug. Mosbach 
einen Vortrag 

über die französische Expedition nach San Domingo in den Jahren 
1802 und 1803, nach den Berichten zweier polnischer Offiziere. 

Die französische Expedition nach San Domingo, die binnen Jahres- 
frist ein so klägliches Ende nahm, gehört unstreitig zu denjenigen Ereig- 
nissen des laufenden Jahrhunderts, welche theils im Allgemeinen wenig 
bekannt, theils überhaupt bis jetzt noch nicht genügend beschrieben und 
aufgeklärt sind. 

Zwei polnische Offiziere, Oberst-Lieutenant Kasimir Malachowski (er 
starb als polnischer Divisions-General a. D. 1845 in Paris) vom 114. und 
Hauptmann Kasimir Lux vom 113. Regiment, die zu den geringen Ueber- 
resten des Expeditionsheeres zählten, welche aus jenem fürchterlichen 
amerikanischen Feldzuge bei gesundem Leibe nach Europa zurückkehrten, 
haben in ihren Aufzeichnungen sehr interessante Nachrichten über jene 
Expedition hinterlassen, die in Thiers' Geschichte des Consulats und 
Kaiserreiches vollständig vermisst werden. Namentlich hat K. Lux in 



240 Jahres - Bericht 

seiner Geschichte der polnischen Legionen, von der bis jetzt nur einige 
Auszüge in der Warschauer Monatsschrift „Biblioteka Warszawska" ver- 
öffentlicht wurden, auch der Expedition nach San Domingo einen ziem- 
lich umfangreichen Abschnitt gewidmet, worin er uns in seiner sehr 
detaillirten Beschreibung der damals aus fünf Departements bestehenden 
Insel über Land und Leute sehr viel Schätzbares mittheilt, die Veran- 
lassungen zur Expedition, die vom ersten Consul Napoleon Bonaparte zur 
Befestigung der französischen Herrschaft unternommen ward, das Verfahren 
der Franzosen vor und während des Feldzuges und den Antheil, den das 
aus lauter Polen bestehende 113. Regiment genommen, klar und unbe- 
fangen beschreibt. Oberst-Lieutenant Malachowski berichtet in seiner 
„Nachricht über den Feldzug eines Theiles der polnischen Legionen auf 
St. Domingo im Jahre 1803 u hauptsächlich über die Kämpfe und schreck- 
lichen Widerwärtigkeiten, welche das ebenfalls nur aus Polen formirte 
114. Regiment zu bestehen hatte, sowie über den höchst tragischen Aus- 
gang dieses wahnsinnigen Unternehmens. 

Nach den Berichten dieser zwei polnischen Offiziere stellte der Vor- 
tragende den Verlauf dieses Feldzuges dar, der mit dem Untergange des 
Expeditionsheeres und dem Verluste der Insel San Domingo endete. 

In der Sitzung am 31. October gab Herr Staatsarchivar Professor 
Dr. Grünhagen 

ein Bild des Zustandes von Schlesiens Handel und Industrie 
aus Berichten, welche die kaiserliche Regierung von den verschiedenen 
Corporationen und Städten im Jahre 1698 eingefordert hatte. Das Bild 
ist ein sehr trübes, es zeigt Handel und Gewerbe überall im Rückgange 
und Verfall begriffen. Als Ursachen werden hauptsächlich bezeichnet der 
unbillige Steuerdruck, die ungünstigen Zollverhältnisse, der mangelnde 
Schutz der Gewerbetreibenden, der Verlust vieler Arbeitskräfte in Folge 
der religiösen Zwangsmassregeln. Die auf Grund dieser Berichte ergriffenen 
Massregeln, der Uebergang von directer Besteuerung zu indirecter 1705, 
die Umgestaltung des Zollsystems 1718, die Errichtung des Commercien 
Collegs 1716 und die Einführung einer milderen Praxis den Protestanten 
gegenüber haben denn doch einen neuen Aufschwung nicht herbeizuführen 
vermocht. 

In der Sitzung am 21. November hielt Herr Dr. B obertag, Lehrer 
an der Realschule zum heiligen Geist, einen Vortrag 
über einige den Robinsonaden verwandte Erscheinungen in der deutschen 

Literatur des 17. Jahrhunderts. 

Der Vortragende wies nach, wie sich die Motive und Grundgedanken 
der Robinsonaden schon vor dem Erscheinen des Defoe'schen Robinson 
auch in der deutschen Literatur des 17. Jahrhunderts vorfinden. Die 



der Schles. Gcsellsch. f. vaterl. Cultur. 241 

Neigung zu erdichteten und mehr oder weniger fabelhaften Reiseberichten 
schildert Grimmeishausen höchst anschaulich, derartige Erzählungen als 
Einkleidung lehrhaften Stoffes gehören zu den gewöhnlichsten Erscheinungen 
der Literatur des 16. und 17. Jahrhunderts. Als hierher gehörige und 
das Zeitalter der Robinsongeschichten gleichsam vorbereitende Schriften 
werden Rollenhagen's des Jüngeren „Indianische Reisen und Wahrhafte 
Lügen", Daniel Ecklein's Reisebeschreibung und einige Schriften von 
Grimmeishausen näher beleuchtet, wie: der fliegende Wandersmann, die 
Reisebeschreibung nach der oberen neuen Mondswelt, die Episode Sim- 
plicissimus über den Mummelsee und endlich der letzte Abschnitt des 
ganzen Simplicissimus. Der Vortragende wies jedoch schliesslich auf den 
nicht zu verkennenden Unterschied des Defoe'schen Robinson von deAi 
besprochenen, gleichsam als seine Vorläufer zu bezeichnenden Schriften hin. 

Sitzung am 12. December. Nachdem der Vortragende, Herr Dr. 
Grotefend, Secretär- des königl. Staatsarchivs hierselbst, in der Ein- 
leitung die in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts unter den schlesischen 
Fürsten und Städten sich bildenden Bündnisse von mehr localer Bedeutung- 
kurz berührt hatte, ging er zu den am Ende des Jahrhunderts auftreten- 
den Einungen über, die von grösserer Ausdehnung, bedeutenderem Wirkungs- 
kreise und so für das Gesammtland auch von höherer Bedeutung waren. 
Er wies darauf hin, dass die gleichzeitigen Landfriedensbündnisse in 
Schlesien wie im Reiche sich auf gleiche Art gebildet haben, indem 
zuerst Sonderbündnisse von Fürsten und Städten sich gegenüberstanden 
und dann erst beide Parteien zu einem gemeinsamen Bunde zusammen- 
traten. Hierauf ging er zur Charakterisirung des schlesischen Landfriedens 
von 1402 über, der jedoch zu rechter Wirksamkeit nicht gelangte, wofür 
er als Ursache neben dem auch in die Fürstenkreise eingedrungenen 
Raubritterwesen besonders die so gänzlich verschiedenen politischen wie 
materiellen Interessen der Bundesglieder geltend zu machen suchte. Nach- 
dem dann die während der Hussitenkämpfe entstandenen Bündnisse be- 
rührt waren, deren Spitze mehr gegen einen äusseren Feind als gegen 
die inneren Schwächen des Landes gerichtet war, und die demgemäss 
einen wesentlich anderen, mehr militärischen Charakter an sich trugen, 
schilderte der Vortragende zum Schluss die Bildung und Entwicklung 
des schlesischen Landfriedensbundes von 1435, dessen Scheitern durch 
die nachfolgenden Ereignisse, sowie die weitere Geschichte der Land- 
friedensbewegung in Schlesien er in einem späteren Vortrage am Anfange 
des nächsten Jahres darzustellen versprach. 

Ausserdem lieferten Mitglieder der historischen Section die Aufsätze 
zu dem letzten Hefte der Abhandlungen der philosophisch -historischeu 
Abtheilung der Schlesischen Gesellschaft, nämlich: Professor H. Palm 
„neue Beiträge zur Lebensgeschichte von Martin Opitz" nebst vier 

16 



242 Jahres -Bericht 

ungedruckten Briefen desselben, die über das vielbewegte Leben des 
denkwürdigen Schlesiers manches neue Licht verbreiten; — Professor 
E. Reimann: „neue Forschungen über den Streit Papst Paul's IV. mit 
Kaiser Ferdinand I. über das Kaiserthum", welchen der Herr Verfasser 
bereits vor mehreren Jahren im V. Bande der „Forschungen zur deutschen 
Geschichte u behandelt hat; — Oberlehrer Dr. Hermann Markgraf: 
einen Nachtrag zu seiner Darstellung des Liegnitzer Lehnsstreites 1449 
bis 1469 in den Abhandlungen der Gesellschaft vom Jahre 1869, mit 
Urkunde: Rechtsdeduction vom Jahre 1452, und Beigaben; — endlich 
Professor Kutzen: eine Darstellung des südwestlichen Gebietes der Graf- 
schaft Glatz oder des Gebietes des Habelschwerdter Gebirges. 



VI. 

Bericht 

über die 

Verhandlungen der Section für Obst- und Gartenbau im Jahre 1872 



von 



Kaufmann und Stadtrath E H. Müller, 

zeitigein Seeretair der Section. 



Während des Jahres 1872 gaben die der Section für Obst- und 
Gartenbau der Schlesischen Gesellschaft für vaterländische Cultur zu 
Breslau vorgelegenen, meist der erfreulichen Thätigkeit auswärtiger, prak- 
tischer Mitglieder zu verdankenden Mittheilungen, reichen Stoff für die 
Abhaltung von 13 Sitzungen. 

Bevor jedoch über das, was in diesen Sitzungen verhandelt wurde, 
berichtet wird, soll nicht unerwähnt bleiben, dass in diesem Jahre diese 
Section das fünfundzwan zigste Jahr ihrer Wirksamkeit zurücklegte, 
weshalb es gestattet sei, an dieser Stelle einen kurzen historischen Rück- 
blick auf deren Entstehung und Wirken zu richten. 

Wenn schon die Schlesische Gesellschaft für vaterländische Cultur 
seit ihrer Gründung im Jahre 1804 manchen Schritt für die Hebung und 
Förderung der Gartencultur und des Obstbaues in Schlesien gethan hatte, 
auch andererseits wiederholte, jedoch stets vergeblich gebliebene Versuche 
gemacht worden waren, für diese Zwecke in der Hauptstadt der Provinz 
einen Verein zu bilden, so war es doch erst dem im Jahre 1846 erwählten 
und noch jetzigem hochverdienten Präses der Schlesischen Gesellschaft, 
Herrn Geh. Med.-Rath, Professor Dr. R, Goeppert, vorbehalten, einen 
solchen zu begründen, durch stets bereitwilligen, fürsorglichen Rath und 
That zu kräftigen und ihn zu bleibend reger Wirksamkeit zu führen. 

Nach den vorliegenden Nachrichten hatten im Jahre 1846 in Breslau 
einige Freunde des Gartenwesens und Handelsgärtner sich zusammen- 
gefunden, um unter dem Namen „Blumen- Verein" für die Hebung der 

16* 



244 Jahres -Bericht 

Gartencultur zu wirken. Sehr bald zeigte sich jedoch, da?s dieser Verein, 
was schon sein Name bezeichnete, seine Grenze zu eng gesteckt habe, 
auch zu schwach sei, um sein Vorhaben wirksam erfüllen zu können- 
von demselben wurde daher unter allgemeiner Zustimmung dessen Mit- 
glieder der Vorschlag des Herrn Professor Dr. Goeppert freudig be- 
grüsst, Schritte zu thun, um diesen Verein als eine Section der Schlesischen 
Gesellschaft für vaterländische Cultur zu constituiren. 

Am 24. März 1847 wurde dem Präsidium der genannten Gesellschaft 
über die Bildung dieser neuen Section berichtet, am 4. Mai als deren 
Secretair der Stadtälteste Selbstherr in das Präsidium eingeführt, am 
29. Juni deren erste ordentliche Versammlung abgehalten und 
auf Grund der Verhandlungen der Section vom 18. März und der Conferenz- 
Protocolle des Präsidii vom 22. Mai und 29. November desselben Jahres, 
an letzterem Tage das für diese bis dahin schon 88 hiesige und aus- 
wärtige Mitglieder zählende Section für Obst- und Gartenbau ent- 
worfene besondere Statut festgestellt und genehmigt. 

Inzwischen, und zwar in den Tagen vom 15. bis 21. September 1847, 
hatte die Section in dem allerdings sehr engen Räume des Glashauses 
der städtischen Promenade an der Ziegelbastion und einem mit demselben 
verbundenen zeltartigen Vorbau auch ihre erste Pflanzen- Ausstellung 
veranstaltet, welche der günstigsten Aufnahme seitens des Publikums sich 
zu erfreuen hatte. 

Noch in demselben Jahre ging das Secretariat der Section an den 
Universitäts-Secretair Nadbyl über und folgten demselben in diesem 
Amte durch Wahlen: 1852 Gymnasial-Director Prof. Dr. Frdr. Wimmer, 
1856 Gymnasial-Director Professor Dr. K. Fickert, 1860 wiederum 
p. Wimmer und im Jahre 1864 der noch derzeitige Secretair, Kaufmann 
und Stadtrath E. H. Müller, welcher seit 1854 bis dahin stellvertreten- 
der Secretair gewesen war und an dessen Stelle als solcher seit 1864 
bis zu seinem im December 1872 erfolgten Ableben Bureau-Director 
Inkermann fungirte. 

Getreu ihrem Zwecke: 

„den der Förderung in Schlesien bedürfenden Gartenbau im All- 
gemeinen und der Obst-, Gemüse- und Zierpflanzen Cultur im 
„Besonderen durch Vereinigung der auf diesen Gebieten arbeiten- 
den und sich für dieselben interessirenden Kräfte in sich, in aller 
„und jeder geeigneten Weise zu beleben und zu fördern", 

liess die Section dessen ersten Theil zunächst sich angelegen sein und 
zeugt dafür die von Jahr zu Jahr zugenommene Anzahl ihrer resp. Mit- 
glieder aller Stände der Provinz, welche am Schlüsse des Jahres 1872 
auf 384 sich beläuft. Dass sie aber auch die in dessen letztem Theile 
sich gestellte Aufgabe durch Wort und That möglichst zu erfüllen an- 



der Schles. Gcsellsch. f. vaterl. Cultur. 245 

dauernd und besonders bestrebt war, dafür sprechen des Näheren die 
von ihr ausgegebenen Jahresberichte. 

Mit Beginn des Jahres 1848 wurde für die hiesigen Mitglieder der 
Section, gegen einen besonderen Beitrag zu demselben, ein noch heute 
bestehender Lesezirkel gärtnerischer Zeitschriften eingerichtet, welchem 
in der Folge das beachtenswertheste Neue aller Fächer der Gartenliteratur 
und die Berichte der im Laufe der Zeit mit der Section in Schriften- 
Austausch getretenen zahlreichen gleichartigen Vereine zugeführt wurden. 
Die in diesem Zirkel in Umlauf gewesenen Schriften und von der Section 
sonst noch angeschafften grösseren gärtnerischen Werke sind der Bibliothek 
der Schlesischen Gesellschaft überwiesen und stehen nach einem beson- 
deren Reglement von dort aus auch den auswärtigen Mitgliedern zu Dienst. 
Kaum wird diese nach Nummern und Inhalt reiche Abtheilung der Bi- 
bliothek irgend eine erhebliche Lücke zeigen; derselben reihen sich die 
werthvollen Cabinette naturgetreu nachgebildeter Obstfrüchte von Dittrieh 
und von Arnoldi an. 

Auch wurde im Jahre 1848 mit den hiesigen städtischen Behörden 
bezüglich der Verwaltung der öffentlichen Promenaden Breslaus ein 
Uebereinkommen dahin getroffen, dass derjezeitige Präses der Schlesischen 
Gesellschaft und der Secretair der Section für Obst- und Gartenbau ständige 
Mitglieder der städtischen Promenaden-Deputation sind und in diese die 
Section noch ein Mitglied aus der Mitte ihrer hiesigen Mitglieder zu ent- 
senden habe. Dies Verhältniss besteht zur Zeit noch fort. 

Ausser der oben erwähnten, ihrer ersten Ausstellung, veranstaltele 
die Section zu verschiedenen Zeiten Pflanzen-, Gemüse- und Frucht- 
Ausstellungen, mehrere derselben mit Verloosungen von Pflanzen ver- 
bunden, von geringerem oder weiterem Umfange, mit ansehnlichen Prä- 
miirungen, und zwar im Wintergarten, in den Sälen des Cafe restaurant, 
in dem Liebich'schen Saale und in der städtischen Turnhalle, mehrere 
aber auch und namentlich die Obst-Ausstellungen in den Räumen der 
Schlesischen Gesellschaft. Auf grössere Ausstellungen musste in den 
letzten Jahren wegen gänzlichen Mangels an geeigneten Localitäten und 
um so mehr verzichtet werden, als nach wiederholt gemachten schlimmen 
Erfahrungen die Besitzer werthvoller Pflanzen deren Verlust durch die 
Unbilden des Transportes oder auch durch den unvermeidlichen Temperatur- 
wechsel in dem Ausstellungslocale scheuten, andererseits solche mit er- 
heblichen, den Geldmitteln der Section nicht angemessenen Kosten ver- 
bundene Ausstellungen ein entsprechendes Interesse im Publikum nicht 
ausreichend fanden. Unter günstigeren Verhältnissen soll jedoch auf der- 
gleichen Ausstellungen wieder Bedacht genommen werden. 

Als im zweiten und dritten Jahre nach Gründung der Section der 
Versuch gemacht worden war, durch Ankauf neuer Pflanzen und deren 
Verloosung unter die Mitglieder einen lebendigeren Sinn für die Zier- 



246 Jahres-Bericht 

pflanzencultur zu wecken, wurde es dem Zwecke der Section ent- 
sprechender erachtet, Gratis Vertheilungen an Mitglieder von Sämereien 
neuer, als beachtenswerth empfohlener Gemüse und Florblumen zum 
Versiithsanbau, und von Edelreisern vorzüglicher, für den Anbau in 
unserer Provinz geeigneter Obstsorten einzuführen, den Empfängern jedoch 
die Bedingung zu stellen: ihre aus den vorgenommenen Culturen und 
Veredelungen gewonnenen Erfahrungen zur Kenntniss der Section zu 
bringen. Angaben über diese Vertheilungen stehen zwar nur erst seit 
dem Jahre 1854 zu Gebote, welchen Anklang dieselben aber unter den 
Mitgliedern fanden, geht wohl am besten daraus hervor, dass seit jener 
Zeit bis zum Ende des Jahres 1872 den betreffenden Wünschen durch 
Zutheilung von 24,768 Obst-Edelreisern, 22,854 Portionen Gemüse- und 
16,286 Portionen Blumensamen Folge gegeben werden konnte. Zwar 
wurden die dagegen gestellten Bedingungen nie allseitig erfüllt, doch sind 
diese Vertheilungen unzweifelhaft dem Zweck der Section förderlich, 
denn die in ihren Jahresberichten enthaltenen bezüglichen Culturberichte 
gewähren viele sehr beachtenswerthe Fingerzeige. 

Dass eingedenk des grossen vielseitigen Nutzens, welchen die Obst- 
cultur in verschiedenen Gegenden Deutschlands seit langer Zeit erzielt, 
die von der Section sich sehr bald gestellte Hauptaufgabe: die Hebung 
und Förderung derselben auch in unserer Provinz, durch die Vertheilung 
von Obst-Edelreisern in nur beschränktem Maasse zu erfüllen sein würde, 
war dieselbe sich sehr wohl bewusst; sie nahm deshalb zugleich darauf 
Bedacht, auf einem geeigneten Grundstücke diejenigen Obstsorten nach 
Güte, Tragbarkeit und sonstigen Eigenschaften prüfen zu können, welche 
für die verschiedenen Lagen und Bodenbeschaffenheiten der Provinz sich 
besonders eignen möchten, um sie dann in einer Baumschule unter stren- 
ger Innehaltung der richtigen pomologischen Benennungen zu eultiviren. 
Auf diese Weise konnten zunächst ihre Mitglieder Gelegenheit finden zur 
Anschaffung zuverlässig werthvoller Obstsorten. 

In Ermangelung von Geldmitteln zum Erwerb eines eigenen Grund- 
stücks pachtete deshalb die Section im Jahre 1857 ein hiesiges Garten- 
grundstück. Dasselbe erwies sich jedoch nach kurzem Betriebe bei den 
jährlich sich steigernden Ansprüchen als unzureichend. Nach vielen ver- 
geblichen Bemühungen, in den Besitz eines geeigneten, auch für erweiterte 
Bedürfnisse ausreichend grossen Areals zu gelangen, hatte endlich im 
Jahre 1867 die Section das Glück, durch die Munificenz der hiesigen 
städtischen Behörden ein solches Grundstück in einer der Commune 
Breslau eigenen, in der Feldmark von Alt-Scheitnig gelegenen, in jeder 
Beziehung vortheilhaft ausgezeichneten Ackerparzelle von ca. 16 Morgen 
Grösse unentgeltlich überwiesen zu erhalten. Demnach wurde der 
erwähnte Pachtgarten aufgegeben. 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 247 

Nach Massgabe der der Section zu Gebote stehenden Geldmittel, 
nach angestrengtester Thätigkeit und mit Ueberwindung oft erheblicher 
Schwierigkeiten, deren grösste wohl die Reparatur der durch die beiden 
ungewöhnlich harten Winter von 1869/70 und 1870/71 angerichteten sehr 
bedeutenden Verluste an den aus den sichersten Quellen bezogenen Mutter- 
stämmen, jungen Edelstämmchen und selbst an Wildlingen war, ist es 
nun gelungen, auf dem bezeichneten Areal zur Hebung des Obstbaues in 
Schlesien, und hierdurch zur Förderung dessen höherer Landescultur, einen 
pomologischen und resp. Versuchsgarten, verbunden mit einer umfang- 
reichen Obstbaumschule zu begründen und in rationellen Betrieb zu setzen. 

Konnten aus dem Pachtgarten der Section während der 10 Jahre 
seines Bestehens bis zu dessen im Jahre 1868 erfolgten Räumung nur 
18,000 Obstwildlinge, 4350 Obst-Edelstämmchen und 9600 Weinreben 
und Beerensträucher, aus dem neuen Garten-Etablissement seit dessen im 
Jahre 1869 erfolgten Fertigstellung bis zum Schlüsse der Saison von 1872, 
also in nur erst 4 Jahren, aber schon 29,500 Obstwildlinge, 9900 Edel- 
stämmchen, 8400 Weinreben und Beerensträucher in den empfehlens- 
werthesten Sorten und unter zuverlässig richtiger Sortenbezeichnung, sowie 
420 Stück hochstämmig veredelte Rosen zum grösseren Theile an Mit- 
glieder geliefert werden, so beweist der von Jahr zu Jahr sich gesteigerte 
Absatz gewiss ein immer mehr wachsendes Vertrauen zu diesem gemein- 
nützlichen Unternehmen. Leider aber fehlt zur dauernden Förderung und 
Erhaltung dieses neuen Etablissements noch etwas Wesentliches, welches 
bisher schmerzlich und auch nicht ohne Nachtheil entbehrt wurde, nämlich 

ein eigenes Gärtner haus mit den erforderlichen 
Wirthschaftsräumen. 

Zur Zeit müssen die Gärtner in nur allzuweit entfernt liegenden 
Localen wohnen; jedoch aber zum erfolgreichen Betriebe der Gärtnerei 
selbst, zu deren steter Ueberwachung und zur Heranbildung tüchtiger, in 
Schlesien fast gänzlich fehlender Obstbaumwärter ist Wohnung im Garten 
selbst das allerdringendste Erforderniss. 

Ausser der Anerkennung, welche die Bestrebungen der Section für 
Hebung und Förderung des Obstbaues in Schlesien, wie oben erwähnt, 
durch die Vergünstigung der hiesigen städtischen Behörden fanden, wurden 
ihr als hocherfreuliche Beweise gleicher Anerkennung auch bei den höch- 
sten Staatsbehörden fast von der Zeit ihres Bestehens an, zuerst durch 
das königliche Oeconornie-Collegium mittelst des landwirthschaftlichen 
Central- Vereins für Schlesien und darauf durch hohes Ministerium für die 
landwirthschaftlichen Angelegenheiten, sich wiederholt gesteigerte und 
noch erst kürzlich auf weiter hinaus zugesicherte Subventionen gnädigst 
zugewendet. Hierzu traten auch noch sehr anerkennenswerthe Beihilfen 
der hochgeehrten Provinzial-Stände Schlesiens, 



248 Jahres-Bericht 

Durch diese so vielseitig gewährte aufmunternde Unterstützung fühlt 
Hie Section sich nun aber auch wahrhaft verpflichtet, mit Aufbietung aller 
ihrer Kräfte zur Erreichung ihres Zieles, d. i. für die Erbauung eines 
Gärtnerhauses, thätig zu sein. Geldmittel hierzu besitzt die Section 
nicht*, bei den gegenwärtigen Verhältnissen darf aber wohl die zuver- 
sichtliche Hoffnung gehegt werden, dass zu diesem so dringend not- 
wendigen Baue ihre zahlreichen Mitglieder und Gönner, unter denen sich 
eine erhebliche Anzahl wohlhabender, selbst reich begüterter, dem Obstbau 
wohlgeneigter und opferbereiter Männer befinden, recht namhafte fördernde 
Hilfe angedeihen lassen werden. Zu deren Empfangnahme erklärt der 
Secretair der Section sich bereit und — glücklich würde sie sich fühlen, 
wenn sie zur Erinnerung an die jüngst begangene Feier ihres 25jährigen 
Bestehens im neuen Jahre zur Erbauung eines Gärtnerhauses und 
damit zu einem würdigen Andenken an ihr einst begonnenes Wirken 
gelangte. 

Am 6. Juli 1872 wurde unter Leitung des Präses der Schlesischen 
Gesellschaft, Herrn Geheimen Rath Professor Dr. Goeppert, die durch 
denselben vor 25 Jahren, am 29. Juni 1847, durch Abhaltung ihrer ersten 
ordentlichen Versammlung erfolgte Begründung der Section für Obst- und 
Gartenbau bei einem gemeinschaftlichen Abendessen, an welchem der 
Ober-Präsident der Provinz Schlesien, Herr Graf zu Stolberg, Excellenz, 
als Gast theilnahm, in dem Locale der Schlesischen Gesellschaft (Börsen- 
Gebäude am Blücherplatz Nr. 16), nachdem an sämmtliche hiesige und 
auswärtige Mitglieder dieser Gesellschaft und dieser Section Einladungen 
hierzu ergangen waren, festlich begangen. In dem durch den städtischen 
Garten-Inspector Herrn Loesener geschmackvoll decorirten grösseren 
Saale hatten auswärtige und hiesige Mitglieder zahlreich sich versammelt. 
Auf der mit seltenen Pflanzen des königl. botanischen Gartens und präch- 
tigen, von mehreren Mitgliedern gespendeten Blumenbouquets reich ge- 
schmückten Tafel war jedes Couvert noch durch einen kleinen Blumen- 
strauss geziert. 

Das Fest eröffnete Herr Geheimer Rath Goeppert mit einem be- 
geisternden, freudigen Wiederhall findenden Hoch auf Se. Majestät den 
König und Kaiser, als Schutzherrn und Förderer auch der von der 
Section angestrebten, friedlich verschönenden und gemeinnützlich bildenden 
Zwecke. Im weiteren Verlaufe brachte der zeitige Secretair der 
Section der weit über Deutschland hinaus hoch geachteten Schlesischen 
Gesellschaft, als der Mutter, und dem hochverehrten Präses derselben, 
Herrn Geh. Rath Goeppert, als dem Vater dieser Section, im Nameu 
dieser ihrer Tochter ein Hoch. Herr Geh. Rath Goeppert folgte mit 
einem Toast auf den Ober - Präsidenten der Provinz, Herrn Grafen 
zu Stolberg, welchen Se. Excellenz in längerer schwungvoller Rede 
erwiderte und zwar durch ein Hoch auf die in seiner heimathlichen 



der Schles. Gesellsrh. f. vaterl. Cnltur. 249 

Provinz Schlesien stets und überall zu findenden Männer, welche in 
wahrem Patriotismus bereit sind, auch die schwierigsten Verhältnisse zu 
allgemeinem Wohle überwinden zu helfen, wie Solches aufs Neue auch 
in den beiden Kriegsjahren 1870/71 sich glänzend erwiesen habe. Noch 
folgten Toaste des Herrn Geh. Rath Goeppert auf das älteste anwesende 
Mitglied der Section, Herrn Landesältesten von Thielau auf Lampers- 
dorf, des Kaufmann Herrn Brendel auf das Wohl der zu dieser Feier 
aus der Ferne herbeigekommenen Mitglieder des Standes der Gärtner, 
als den an der Ausübung und den Folgen der Obstcultur und der Garten- 
kunst zunächst Betheiligten; ebenso wurde auch der früheren und des 
derzeitigen Secretairs der Section freundlich und mit dem Wunsche für 
ferneres erspriessliches Gedeihen und Wirken der Section gedacht. Auch 
für vorzügliches Obstdessert, an Ananas und den vortrefflichen, hier selten 
cultivirten Bananen (den Früchten der Musa Cavendishii) war durch die 
Herren Kunstgärtner Ring in Nieder -Thomaswaldau, Garten- 
Inspector Becker in Miechowitz und Dr. med. Sugg in Räuden O/S. 
freundlichst Bedacht genommen worden. Frohsinn und zwanglos gemüth- 
liche Unterhaltung fesselten die Festtheilnehmer bis zur ersten Morgen- 
stunde des folgenden Tages. 

Nunmehr zu den im Jahre 1872 abgehaltenen Sections-Sitzungen über- 
gehend, ist über die in denselben gepflogenen Verhandlungen Nachstehendes 
zu berichten: 

In der ersten, am 17. Januar abgehaltenen Sitzung legte 
der Secretair den zum Zweck der Subscription empfangenen Prospect zu 
dem von Herrn Baumgärtner P. Graebner in Ringelheim (Hannover) als 
Organ sämmtlicher Gärtner- Vereine Deutschlands herausgegebenen „Deut- 
schen Gärtner- Vereins-Blattes u vor. 

Beschlossen wurde: die derzeitige Ausführung des von dem Präsidium 
der Schlesischen Gesellschaft genehmigten Projectes, die Gesellschafts- 
Mitglieder und speciell die Mitglieder dieser Section einzuladen, durch 
Gewährung besonderer freiwilliger Beiträge, den sich als immer unabweis- 
licher werdendes Bedürfniss erweisenden Bau eines Gärtner- Wohnhauses 
auf dem Gartengrundstück der Section ermöglichen zu helfen, als zur Zeit 
inopportun erscheinend, abzulehnen, dasselbe vielmehr späterem Vorgehen 
vorzubehalten. 

Aus einem Briefe des Kunstgärtners Herrn Sonntag in Zobten 
wurden dessen Mittheilungen über die seiner Leitung unterstellten bedeu- 
tenden dortigen Anpflanzungen von „Weiden und deren Nutzung" 
vorgetragen-, ebenso Nachrichten über „die Frühjahrs-Decoration 
der grossen Terrasse etc. zu Sla wentzitz", von dortigem Ober- 
Hofgärtner Herrn Schwedler und von dem Kunstgärtner Herrn Grün er t 
in Gross - Panio w: „Einiges über Vermehrung der- Azalea 
indica." 



250 Jahres-Bcricht 

Die zweite Sitzung fand am 24. Januar statt. In derselben 
hielt Herr Geh. Rath Prof. Dr. Goeppert einen längeren demonstrativen 
Vortrag über „bisher noch unbekannte Vorgänge bei dem 
Veredeln der Bäume" und sprach der Herr Vortragende schliesslich 
noch seinen Dank aus für die Gewährung reichen Untersuchungsmaterials 
den Herren: Inspector Nees von Esenbeck, Kaufmann Julius Monhaupt, 
Dr. Cisielski, Stadtrath Müller, Sections- Gärtner Jettinger, Kunst- und 
Handels-Gärtner Junger und Promenaden -Inspector Loesener hierselbst, 
dem Director des pomologischen Instituts Herrn Stoll in Proskau für 
monatelang wiederholte Sendungen und Herrn Garten-Inspector Becker in 
Miechowitz. 

Die am 7. Februar abgehaltene dritte Sitzung wurde mit der 
Anzeige eröffnet, dass Herr Kunstgärtner Schlegel in Grafen ort ein 
Exemplar seiner sehr empfehlenswerthen im Selbstverlage behaltenen 
Schrift: „Die Cultur der Ananas, nach selbst gemachten Erfahrungen aus- 
führlich dargestellt", der Section zum Geschenk machte und diese Schrift 
auch bereits eine äusserst günstige Beurtheilung in der Wochenschrift des 
Vereins zur Beförderung des Gartenbaues in den königl. preuss. Staaten 
gefunden habe. 

Wegen der nach allen Richtungen der Provinz ausgebreiteten Cor- 
respondenz der Section wurde beschlossen, das hier bei E. Morgenstern 
demnächst erscheinende „Verzeichniss sämmtlicher Ortschaften Schlesiens 
mit Nachweis der betreffenden Kreise und Postanstalten und einer Karte 
dieser Provinz" anzukaufen und dem Secretär zur Benutzung zu über- 
lassen. 

Herr Kunstgärtner Katzke in Hochkirch gab Nachricht über die 
vorjährige Ernte einiger Obstsorten und aus der Baumschule, in welcher 
unerachtet der gut angeschwollen gewesenen Knospen die Kirschen 
dennoch sehr schlecht wuchsen und der grösste Theil der jungen Ver- 
edelungen gänzlich zurückging. In Bezug auf Erstere führt derselbe an, 
dass die Muscat-Reinette ziemlich voll trug, rother Herbst-Calville, Gold- 
Parmaine und Wälsch-Weinling (Lehmapfel) aber sehr geringen Ertrag 
lieferten. Auch weisse Herbst- und Winter-Butterbirnen, gute Graue und 
Frauenschenkel trugen sehr massig, Träublerbirne, eine sehr frühe, zwar 
kleine, aber sehr angenehm schmeckende Frucht, Bosc's Flaschenbirne, 
Princess Marianne (Ende October sehr delicat), Herbst-Sylvester, deutsche 
National -Bergamotte, Grumkower Winter- Butter-, Kirchberger Butter-, 
Sommer-Herrenbirne, sowie die hier unter dem Namen Mäuselbirne all- 
gemein bekannte und seit einigen Jahren sehr gesuchte Sorte gaben 
jedoch reichliche oder volle Erträge. Pflaumen gab es ausser der ge- 
wöhnlichen Bauern Zwetsche gar nicht und von dieser auch nur wenig. 
Nur die grosse schwarze Knorpel-Kirsche war ziemlich behängen, andere, 
auch sauere Kirschen gab es trotz reichlichen Blühens nicht. Wein hatte 



der Schieß. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 251 

wohl gut angesetzt, doch reifte nur die Jacobstraube, der frühe Leipziger, 
Diamant, rother Burgunder und weisser Gutedel in ganz besonders 
günstiger Lage; an freistehenden Spalieren hatte derselbe viel von der 
Weinkrankheit zu leiden, so zwar, dass die Beeren nicht einmal zur 
Essigbereitung taugten. 

Herr Kunstgärtner Pflaume in OberWeistritz meldete, dass 
wenn auch die dortigen jüngeren Obstplantagen, in deren Blüthezeit 
schlechtes Wetter traf, im vergangenen Jahre keinen Ertrag brachten, 
während von den alten Standbäumen in den Alleen und Gärten doch noch 
ein paar Hundert Thaler Einnahme erzielt wurden, so Hessen Erstere an 
Wachsthum doch nichts zu wünschen übrig; er beklage nur, dass der 
Obstbau immer noch viel zu lau betrieben werde, da an Stelle der an 
Strassen und anderen Orten vorhandenen wilden, wenig Nutzen gewäh- 
renden Bäume mit erheblich grösserem Vortheile Obstbäume jeder Art 
je nach Lage und Bodenbeschaffenheit gepflanzt werden könnten. Im 
Jahre 1866 sei ihm z. B. eine hoch gelegene, durchweg so felsige Par- 
zelle zur Bepflanzung mit Obstbäumen überwiesen worden, dass es zur 
Erlangung möglichst grosser Pflanzlöcher öfter nöthig geworden wäre, 
Felsen zu sprengen; zur Anpflanzung habe er Kirschbäume gewählt, 
welche gegenwärtig ganz gesund und frisch, ja fast kräftiger als diejenigen 
stehen, welche im vorhergegangenen Jahre in günstigerer Lage auf besseren 
Boden gepflanzt wurden. 

Derselbe gab ferner an, besonders für Gurken-, Melonen- und Bohnen- 
Treiberei wegen lange anhaltender, massiger Wärme sehr gern Laub statt 
Pferdemist zur Anlage von Frühbeeten zu verwenden, welche bisher stets 
gute Erträge lieferten, gegen eindringende Mäuse aber mit bestem Erfolge 
das in jeder Apotheke für wenig Geld zu erlangende schwarze Steinöl 
zu gebrauchen, das auf Tuchläppchen geträufelt, über Nacht in die ge- 
schlossenen Kästen gebracht, dieselben durch seinen widerwärtigen, durch- 
dringenden Geruch vertreibe. 

Vorgetragen wurde ein längerer Aufsatz des Kunstgärtners Herrn 
Pfeiffer in Zölling: „Ueber die nachtheiligen Wirkungen 
der beiden Winter von 1869/70 und 1870/71 auf die Vegetation." 
Ein ebensolcher von Herrn Apotheker Scholtz in Jutroschin: „Ueber 
chemische Salzdüngung bei der G arteneu ltur" und ein dritter: 
„Ueber die Cultur der Alstroemerien in Töpfen" von Herrn 
Kunst- und Handelsgärtner W. Kühn au hierselbt. 

Am 21. Februar hatte die vierte Sitzung statt. Zunächst be- 
richtete der Secretair, dass in einer Conferenz, welche seitens der durch 
die Seclion hierfür erwählten Commission mit Deputirten des hiesigen 
Central- Vereins für Gärtner und Gartenfreunde bezüglich einer von diesem 
gegen Ende des diesjährigen Sommers beabsichtigten Ausstellung gehalten 
wurde, ein Einverständniss darüber sich ergab, dass aus verschiedenen, 



252 Jahres-Bericht 

den Herren Deputirten jenes Vereins dargelegten Gründen die Section als 
solche an dieser Ausstellung weder sachlich noch durch Gewährung von 
Geldmitteln sich betheilige, dagegen irn Interesse der Sache und nament- 
lich der schlesischen Handelsgärtnerei bereitwillig jenes Unternehmen da- 
durch zu unterstützen bemüht sein werde, dass sie ihren resp. Mitgliedern 
eine rege Betheiligung an demselben empfehle. 

Herr Kaufmann Hutstein hielt einen Vortrag: ,,Ueber Cultur 
alpiner Gewächse"; vorgelesen wurde eine Arbeit des Hofgärtners 
Herrn Peicker in Räuden O/S.: ,,Ueber einige einheimische 
Waldgewächse und deren Verwendung in Gärten" und Herr 
Kunstgärtner Steubel in Carlo witz legte einen aus Cuba erhaltenen 
mit Kätzchen besetzten ßlüthenkolben und Früchte von Cycas circinalis, 
sowie ein schönes getrocknetes Exemplar von Selaginella lepidophylla vor, 
welches Letztere in diesem Zustande wegen seiner hygrometrischen Em- 
pfindlichkeit merkwürdig ist. 

Herr Professor Dr. Ferd. Cohn, behindert, in der am 13. März 
anberaumten fünften Sitzung seinen für dieselbe angekündigten Vor- 
trag über die Hyacinthe zu halten, führte in Bezug hierauf nur in Kürze 
an, dass ungefähr um das Jahr 1550 die ersten Hyacinthen, Tulpen und 
andere Blumenzwiebeln und Knollen, aber auch die Kastanien aus Asien 
zuerst über Konstantinopel nach Wien gelangten und von dort aus ihre 
weitere Verbreitung in Deutschland fanden. Hieran anschliessend gab 
Derselbe noch eine in gärtnerischen Beziehungen äusserst interessante 
Schilderung seiner im vorigen Jahre durch Süd-Deutschland nach dem 
Corner-See gemachten Reise; hier zogen seine Aufmerksamkeit besonders 
die Sammlungen im freien Lande cultivirter und vortrefflich gedeihender 
aussereuropäischer Coniferen an 5 allen deutschen Reisenden sei aber auch 
das Hotel der Gebrüder Rovelli in Palanza angelegentlich zu empfehlen. 

Nach Erledigung einiger von auswärtigen Mitgliedern eingegangenen 
Anfragen sprach in der am 17. April abgehaltenen sechsten Sitzung 
der Seeretair über die Producte der Dampf-Knochenmehl- und chemischen 
Dünger Fabrik von E. Michaelis in Glogau. Derselbe empfahl besonders 
das in dieser Fabrik bereitete sehr feine Hornmehl als Dungmittel bei 
der Cultur verschiedener Topfgewächse, für welchen Zweck sich mehrere 
Mitglieder mit bestem Erfolge desselben bedienten ; aber auch im Früh- 
beet, z. B. bei Gurken, Salat, sowie im Gemüsegarten und für Rasen- 
plätze habe sich dieses Hornmehl bewährt, ebenso sei seine Wirkung auf 
die Intensivität der Farben der Blumen und diejenige des Laubes ausser- 
ordentlich. Allerdings müsse man auch dieses Dungmittel mit aller Vor- 
sicht, entweder schwach auf die Erde gestreut, untergehäckelt und sodann 
mit der Brause stark angefeuchtet, oder als Düngung des Gartenrasens, 
dem Wasser in geringer Quantität beigemischt, anwenden. 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 253 

Der Bericht über eine Sitzung des Ratiborer Gartenbau-Vereins, ein- 
gesendet von dessen Secretair, Herrn Lehrer Oppler in Planta, nebst 
einigen gärtnerischen Notizen desselben wurden zur Kenntniss gebracht 
und gelangte ein von dem Obergärtner Herrn Schütz in Wettendorf 
(Ungarn) überseudeter Aufsatz: „Zur Decoration von Rasen -Par- 
terres" zum Vortrage, an welchen anknüpfend Herr Prof. Dr. Ferd. 
Colin den Reichthum der Sammlung von in Schlesien wild wachsenden, 
für die Gartencultur geeigneten Frühlingsblumen in dem Privatgarten des 
Herrn Geh. Rath Prof. Dr. Goeppert schilderte und zur Nacheiferung 
aufforderte. 

In der siebenten Sitzung am 1. Mai wurden u. a. vorgetragen: 
ein Bericht des Kunstgärtners Hrn. Frick in g er in Laasan über „einige 
interessante Bäume des dortigen Parkes" und aus einem Schrei- 
ben des Baumgärtners Herrn Sonntag in Zobten: Notizen über die 
dortigen Obstpflanzungen und Baumschulen. Was Herr Sonntag im An- 
schluss an dieselben weiter sagt, lassen wir, darüber im vollen Einver- 
ständniss mit demselben, hier wörtlich folgen: „Fast scheint es, als habe 
der Krieg von 1870/71 eine für die Obstcultur segensreiche Wirkung 
gehabt. Alle, welche mit in Frankreich waren und überhaupt nur einigen 
Sinn für Obstcultur haben, können nicht genug von dort gesehenen Obst- 
anlagen erzählen und finde ich vielfach, dass der Land mann Versuche 
mit Spalier-Obstbäumen, Pyramiden, ja selbst mit Corndon-Stämmchen 
macht. Es ist dies jedenfalls ein sehr beachtenswerthes Factum, nur 
fehlt die nöthige Unterweisung zu fernerer Behandlung resp. Besorgung 
dieser Arbeiten durch sachverständige Hand, und hierfür scheint das einzig 
Geeignete das bereits in Würtemberg durchgeführte Institut der Baum- 
wärter zu sein. Alle Obstfreunde können nicht oft und dringend genug 
gerade diesen Punkt in Anregung bringen. Was hilft das Anpflanzen 
guter Sorten und schöner Formenbäume, wenn sie nicht ihrer Natur nach 
vernünftig behandelt werden? Für die schlesische Obstcultur und deren 
weitere Ausdehnung und Verbreitung ist meines Erachtens gerade ein 
Institut zur Ausbildung von Obstbaum- Wärtern das Allernöthigste, und 
sollte das Bestreben, ein solches zu errichten, an erster Stelle eines jeden 
Vereins stehen, welcher „Obstbau" in seiner Firma schreibt." 

„Baumfrevel und Diebstahl an Bäumen und Früchten würde durch 
Anstellung von Baumwäftern begegnet und den Gärtnern auf Dominien, 
welche Obstalleen haben, würde dadurch eine nur zu oft vernachlässigte 
Arbeit entzogen werden können. Man kann sich leicht vorstellen, dass 
die Pflege der Obstbäume gewöhnlich nur auf gelegene Zeit verschoben 
werden muss, wenn Blumen und Gemüse zu ihrer Behandlung täglich die 
Zeit des Gärtners in Anspruch nehmen und diesem erscheinen schliesslich 
die Alleen als überflüssig." 



254 Jahres-Bericht 

„Stellt nun aber eine Gemeinde mit dem Gutsbesitzer gemeinschaftlich 
einen Obstbaumwärter an, oder es verbinden sich je nach Verhältniss der 
vorhandenen Bäume einzelner Ortschaften deren mehrere Bezirke für 
diesen Zweck zu einem Bezirke, so würde sich mit weit grösserem Nach- 
druck auf die Obstcultur wirken lassen und deren Nutzen mehr und mehr 
einleuchten. Ist nur erst Massenproduction guten Obstes vorhanden, daun 
wird auch die Industrie zu dessen Verarbeitung und Verwerthung das 
nöthige Capital hergeben." 

„Eine Zusammenstellung der speciell in Schlesien zur Cultur zu em- 
pfehlenden Sortimente von Obst dürfte bei dem grossen Eifer, den gerade 
die Section für Obst- und Gartenbau dem Obstbau widmet, eine weitere 
Aufgabe derselben in ihrem pomologischen Garten sein."*) 

„Unter den mir bekannt gewordenen, Bezug auf Obstcultur habenden 
neuen literarischen Erscheinungen zeichnet sich vorteilhaft aus: „Beer, 
Grundzüge des Obstbaues; Wien, 1872." Es sollte dies Buch so recht 
im Besitz aller Derer sein, welche sich mit Obstbau überhaupt beschäf- 
tigen oder dies beabsichtigen; klare, deutliche, auch dem weniger geistig 
Vorgebildeten leicht verständliche Sprache macht es ausserdem, dass in 
demselben Praxis und Theorie Hand in Hand gehen, besonders em- 
pfehlenswerth." 

i 

Achte Sitzung am 15. Mai. Verschiedenen Mittheilungen des 
Secretairs folgten die von Herrn Garten-Inspector Becker inMiechowitz 
eingesendeten Vorlagen und Besprechung: 

1) Einer nach den daselbst im Jahre 1871 gemachten Beobachtungen 
und nach dem Muster der „Mittel-Europäischen" zusammengestellte „Vege- 
tations-Tabelle". Der Vorbericht giebt an: a) Miechowitz liegt 879 Fuss 
über der Meeresfläche, im Flussgebiet der Oder und Malapane, und ist 
das nächste Gebirge die Karpathen; die Bodenarten gehören der Gruppe 
der mageren Thone an, mit nur geringem Thonerde- und Kieselsäure- 
gehalt, die Ackerkrume des Bodens ist selten mehr als 6 bis 8 Zoll 
mächtig. Der Sandgehalt des Bodens besteht aus mikroskopisch feinen, 
unlöslichen Quarzkörperchen, deren Gehalt von Glimmer, mit einem An- 
theil von Kali und Magnesia, allein dem Boden einige Fruchtbarkeit zu 
geben vermag. Unter dieser Schicht findet man vorherrschend wasser- 
dämmige, lettige und thonige Massen. 



*) Für eine solche Zusammenstellung wird seit der vor wenigen Jahren be- 
gonnenen Einrichtung des jetzigen Gartens andauernd möglichst Sorge getragen. 

Die Red. 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 



255 



b) Aus der Tabelle selbst vernehmen wir u. a. 





Blatt- 
knospe 
schwillt. 


Voll- 
ständige 

Be- 
laubung. 


Voll- 
ständiges 
Blühen. 


Früchte. 


Laubfall. 


Cornus mascula, Kornelkirsche 


27. 


2. 


26. 4. 


2. 3. 


21. 


8. 


3. 11. 


Aesculus Hippocastanum, Ross- 
kastanie .... 


28. 


3. 


20. 5. 


28. 5. 


9. 


10. 


24. 10. 


Fraxinus excelsior, Esche . 


28. 


4. 


30. 5. 


22. 4. 


20. 


10. 


1. 11. 


Salix caprea, Sahlweide . . 


4. 


3. 


20. 4. 


26. 3. 


28. 


5. 


7. 11. 


Quercus Robur, Eiche . . . 


10. 


4. 


30. 5. 


18. 5. 


12. 


10. 


13. 11. 


Tilia vulgaris, Linde . . . . 


22. 


3. 


28. 5. 


18. 6. 


6. 


10. 


28. 10. 


Prunus avium, Süsskirsche . 


23. 


3. 


8. 5. 


20. 5. 


9. 


7. 


4. 11. 


Prunus domestica, Pflaume . 


12. 


4. 


23. 5. 


28. 5. 


23. 


9. 


28. 10. 


Pyrus communis, Birne . . . 


7. 


4. 


18. 5. 


26. 5. 


20. 


8. 


28. 10. 


Pyrus malus, Apfel 


9. 


4. 


20. 5. 


28. 5. 


28. 


8. 


30. 10. 



Mittlere Temperatur im Januar . . . 

Februar . . 
März . 
April . 
Mai . . 
Juni . 
Juli . 
August 
September 
October . 
November 



35 

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35 

53 
33 

33 

35 
53 
33 



33 
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33 
35 
53 
33 
33 
33 
55 
53 
35 



53 
33 
35 
53 
55 
33 
53 
53 
33 
33 
53 



— 7,26, 

— «V, 

-+- 2,42, 
-+- 4,85, 

+ 7,o, 

-+- 12,89, 
-+- 16,26, 
-4- 14,5, 
-t- 10,43, 
-*- 3,93, 
-f- 0,53, 



December . — 5,9 5. 



Mittlere Temperatur vom Jahre 1871 war demnach -+- 4,51° R., 
also für den Landwirth höchst ungünstige physikalische Eigenschaften. 

2) Die Zusammenstellung eines im Jahre 1871 bei der v. Thiele- 
Winkler'schen Garten-Verwaltung zu Miechowitz cultivirten Sortiments 
von 50 Erbsensorten mit Angabe der Legezeit, der Vegetations-Perioden, 
der Höhe der Pflanzen und Bemerkungen über Ertrag und Qualität. 
Unter denselben bezeichnete der Herr Einsender als die nach den dor- 
tigen ungünstigen klimatischen und Bodenverhältnissen zum Anbau geeig- 
netsten und besten die nachgenannten Sorten: Veitch's Perfection, 
Princesse Royal, Dikson's first and best, Mac Lean's little Gern, Laxton's 
Alpha, Vilmorin's Mark-Zucker, Daniel O. Rounke, Laxton's supreme, 
Sutton's Ringleadre, Engl, weisse Riesen-, New wrinkled, Hundertfältige 



256 Jahres-Bericht 

oder The Cook's favourite, Dwarf Waterloo late branching, Peabody, des 
Ueberflusses, The Prince, Carter's Lewiathan und frühe niedrige ßretagner. 

3) Eine generelle Zusammenstellung von denjenigen Bäumen und 
Sträuchern, welche in den beiden Wintern 1869/70 und 1870 y 71 sehr ge- 
litten haben, resp. erfroren sind. Nach derselben haben 10 bis 16 alte 
Hochstämme von Napoleon's, Scheid weiler's und Dachenhauseifs Butter-, 
Hoyerswerdaer grüne, die Liebesbirne und Groslin sehr gelitten. Von 
Aepfeln ist nur Langstorfs Sondergleichen in einem 15jährigen Hochstamme 
als total erfroren angeführt, wobei jedoch erwähnt wird, dass derselbe in 
nächster Nähe eines mit Wasser gefüllten, aber vollständig ausgefrorenen 
Grabens stand. Von Kirschbäumen sind 20jährige Hochstämme von: 
Schönste Mandelherz, Schönste von Marienhöh und Grosse Wachs- total 
erfroren, während Prager Muscateller sehr gelitten hat. Ebenso sind von 
Pflaumenbäumen 6- und 7jährige Hochstämme Violette Diapree, Coes 
golden Drop, grüne Reineclaude und ältere Pfirsich- und Aprikosenbäume 
total erfroren. — Von Gehölzen hatten besonders die Akazien sehr ge- 
litten, ältere Stämme sogar total erfroren; ebenso Cydonia vulgaris und 
japonica, Thuja Orientalis; bis auf die Wurzel erfroren waren Fraxinus 
alba und pendula, Ulmus americana und campestris, Tilia europaea und Morus 
alba; Juniperus communis hatte stark gelitten. 

Im Weiteren theilte Herr Becker mit, dass bei diesen beiden harten 
Wintern vollkommen gesund blieben und, sowie seit 1867, auch im Jahre 
1871 reichlich Früchte trugen: Süsser Holaard, virginischer Sommer- 
Hosenapfel, Pleissner Rambour, Winter-Gold-Parmaene, grosser Bohnapfel; 
unter den Birnsorten: Gute graue, Napoleon's Butterbirne, rothe Dechantsb., 
Dechant Dillen, Felienzer, grüne fürstliche Tafelbirne, LiegeFs Honigbirne, 
grüne Magdalene, Pastoren-, Pommeranzen-, Salzburger-, kleine Zucker- 
birne und Wildling von Motte; ferner die Kirschbäume: Frühe langstielige, 
Schönste Mandelherz, grosse Wachs-, Prager Muscateller, Schönste von 
Reiuort; und von Pflaumenbäumen: St. Clara, Reine Claude de Bavay, 
grosse grüne Reine Claude. 

Herr Lehrer und Organist Bragulla in Bischdorf führte Klage 
über die im letzten Herbst gehabte äusserst geringe Ernte von Garten - 
Sämereien, welche nicht einmal ihre Vollkommenheit erreichten, und 
schreibt dies einer vielleicht allzu starken Düngung mit Knochenmehl zu, 
da Blumenpflanzen und Gemüse bis in den Spätherbst in ungewöhnlicher 
Ueppigkeit wuchsen. 

Eine andere Klage führte Herr Hofgärtner Kleemann in Carolath 
und zwar über den grossen durch Mäuse angerichteten Schaden. Derselbe 
schreibt: dass z. B. diese Thiere einen grossen Theil der Spalierbäume 
hinter der Rohrversetzung bis oben hinauf benagten, die Kronen der 
hochstämmigen Rosen, welche dort nicht in die Erde eingelegt werden 
können und daher mit Nadelstreu eingedeckt werden, trotz dieses stechenden 



der Sehles. Gesellscli. f. vaterl. Cultur. 257 

Materials zu finden wussten und arg beschädigten, ebenso die in die Erde 
eingegrabenen Feigenbäume; durch Anwendung von Phosphorpillen, welche 
in die Gänge practicirt wurden, seien zwar eine grosse Masse Mäuse ge- 
tödtet worden, doch habe auch dieses Mittel nicht genügenden Schutz 
gewährt. — Zugleich wurde berichtet, dass gleiche Klagen auch von 
verschiedenen anderen Seiten eingegangen wären und auch der Obst- 
baumschulgarten der Section, aller angewendeten Mittel ungeachtet, selbst 
bis noch vor Kurzem recht erheblichen Schaden erlitten habe. 

Noch wurde ein Vorschlag des Kunstgärtners Herrn Bayer in 
Probsthain „zur Hebung des Obstbaues auf dem Lande" zur Kenntniss 
gebracht und besprochen. 

Gelegentlich der neunten Sitzung am 12. Juni wurden einige 
Mittheilungen des Lehrers Herrn Oppler in Plania „über den Zustand 
der Obstcultur in den Kreisen Pless und Rybnik" bekannt gegeben, nach 
denen derselben, mit Ausnahme einiger Dominien, daselbst nur erst wenig 
Eingang zu verschaffen gelang. Herrsche auch in dem ersteren Kreise 
ein rauhes, unstätes Klima vor, so legten doch sehr alte Obstbäume, 
welche man in Gärten und im Freien finde, Zeugniss dafür ab, dass der 
Grund und Boden dennoch für den Obstbau, wenn auch meist nur in 
geringeren Sorten, geeignet sei; fast Gleiches zeige der Rybniker Kreis, 
wo die im Freien stehenden Obstbäume bis zur höchsten Spitze au Aesten 
und Zweigen mit einem grünen herabhängenden Moospelz bekleidet waren. 
Hier haben zwar einzelne Lehrer Baumschulen angelegt und die königliche 
Ackerbauschule zu Poppelau halte in ihrer Baumschule für die ländlichen 
Besitzer Obstbäume zu äusserst billigen Preisen bereit, es fehle jedoch, 
wie fast in allen oberschlesischen Baumschulen, der Absatz, wodurch 
namentlich die Lehrer von der Anzucht junger Obstbäume abgeschreckt 
werden. 

Ferner gab Herr Baumschulenbesitzer Klose in Spahlitz Nach- 
richten über den von ihm betriebenen Obstbau und Obstbaumschule. In 
Bezug auf Ersteren theilt derselbe mit, dass seine Scholle, welche sich 
sein seliger Vater zu seinen Culturen ersah, wegen ihrer hohen und freien 
Lage, des stark mit Sand gemischten Bodens und des undurchlässigen, 
stark eisenhaltigen Untergrundes für den Obstbau durchaus untauglich sei; 
schon nach 5 bis 6 Jahren bringen selbst die als Zwergbäume gezogenen 
Aepfel und halbhochstämmigen Birnen nur kaum nennenswerthe Ernten 
immer weniger schmackhaft werdender, schwarzfleckiger und rissiger 
Früchte, obschon den Bäumen öfter gute Erde gegeben und ihnen die 
beste Pflege zu Theil wurde; von den vielen sonst kerngesunden und 
hübschen Bäumen habe er daher eigentlich nur den Nutzen des Edelreiser- 
Schnittes. Nur die auf einem hohen Sanddamme als Standbäume ge- 
pflauzten hochstämmigen Süss- und Weichselkirschen rentirten besser und 
die Früchte blieben bei den meisteu Sorten ziemlich gross. Ganz anders 

17 



258 Jahres-Bericht 

stehe es dagegen mit der Baumschule; er möge zwar behaupten, dass 
sich in jeder anderen Baumschule, die nicht eben in ganz unpassenden 
Verhältnissen angelegt ist, dasselbe Wachsthum wie in der seinen erzielen 
Hesse, wenn eben so viel Geld und Mühe darauf verwendet würde, aber 
dass das Wachsthum auf solchem vorher geschilderten Boden die ver- 
wendeten Mittel und Mühen lohnt, dass die Bäumchen gesund bleiben, 
bei Verpflanzung in besseren Boden erst recht ausgreifen und ihm Ehre 
brächten, das tröste ihn über die vorerwähnten Schattenseiten. 

Im Interesse der Section wurde die Entsendung deren Gärtners, 
Herrn Jettinger, zu der am 10. bis 13. October zu Braunschweig statt- 
findenden 6. allgemeinen Versammlung deutscher Pomologen, Obst- und 
Wein Züchter, verbunden mit einer Obstausstellung, beschlossen. 

Vorgetragen wurden von Herrn Kunst- und Handelsgärtner W. Kühnau 
hier: „Ueber dieCultur der Ismene calathina Hb." und von Herrn 
Kunst- und Handelsgärtner R. Riedel in Löwenberg: „Einiges zur 
Cultur der Rosen." 

In der am 16. October abgehaltenen zehnten Sitzung machte 
der Secretair die Mittheilung, dass bald nach der letztvorangegangeneil 
Sitzung Herrn Garten-Inspector Becker in Miechowitz die interessante 
Einsendung reifer Früchte der Musa Cavendishii, von Philodendron pertusum 
und Ph. pinnatißdum und von Ficus Roxburghii zu verdanken war. 

Herr Drathwaaren-Fabrikant Algoever legte aus seinen Culturen 
vor: den fast 4 Meter hohen Schaft des Pferdezahn-Mais mit vollkommen 
reifen Fruchtkolben, ebenso reife Kolben von Canada-Mais, ferner Stauden 
zweier verschiedener Sorghum-Arten, unter denen sich auch diejenige 
befand, deren Fruchtrispen das Material zu den bekannten Reissbeesen 
liefern, und diesjährige mehr als 2 Meter lange, kräftige, mit langen, 
scharfen Stacheln versehene Triebe der in Amerika häufig zu lebendigen 
Hecken verwendeten Maclura aurantiaca; leider kann diese Pflanze in 
unserem Klima nicht für den gleichen Zweck benutzt werden, weil deren 
Triebe alljährlich zurückfrieren. 

Herr Apotheker Scholtz inJutroschin hatte um Angabe eines den 
Pflanzen unschädlichen Mittels zur Vertilgung der Schildlaus ersucht und 
wurde als solches, ausser dem bekannten, aber wenig und nur für kurze 
Zeit helfenden Abwaschen mit Lauge von grüner (Schmier-) Seife, das 
wiederholte Eintauchen der Pflanzen, oder deren Abwaschung mit einer 
Auflösung in lauem Wasser der bitteren Aloe sueotrina und zwar nach 
den gemachten Erfahrungen als radicale Hilfe empfohlen ; bemerkt wurde 
jedoch hierzu, dass diese Auflösung eine so verdünnte sein müsse, dass 
sie nur einen massig bitteren Geschmack habe, weil die Blattporen, wenn 
die Lösung eine stärkere sei, bei deren Verdunstung verharzen würden. 

Zugleich berichtete Herr Scholtz, dass der im nördlichen Europa 
wohl durchschnittlich abnormal nasse Winter 1871/72 in der näheren und 



der Schles. Uesellsch. f. vaterl. Cultur. 259 

entfernteren Umgebung seines Wohnortes besonders nachtheilige Ein- 
wirkung auf die Kirschbäume zeigte; einzelne Alleen von dergleichen, 
zumal solche, welche an tiefliegenden, nicht ausreichenden Wasserablauf 
habenden Gräben liegen, seien zu mehr als zwei Drittheilen zu Grunde 
gegangen, wogegen die auf sandigen Hügeln augelegten gesund blieben. 
Es sei dies eine Warnung, nicht in der Voraussetzung, recht bald lohnen- 
den Ertrag zu gewinnen, nach der jetzt öfters beliebten Weise in jede 
beliebige Lage und Boden Kirschbäume zu pflanzen, was ohnehin in den 
meisten solchen Fällen eine alljährliche Decimirung derselben zur Folge 
habe. Viel genügsamer und dauerhafter sei der Apfelbaum, der in der 
That, wenn auch später, so doch für längere Zeit einen höheren Ertrag 
bringe. Andere Obstbäume und Pflanzen seien gesund geblieben, nur 
unter jungen Birnpflanzungen hätten sich viele abgestorbene gezeigt und 
ältere Johannisbeerstämme wären in Folge Wurzel- und Stamm faule zu 
Grunde gegangen, hauptsächlich aber hätten die in die Erde gelegten 
Feigenbäume Schaden gelitten. Die Obsternte sei kaum eine mittlere zu 
nennen gewesen, nur habe in seinem Garten der ,, Weisse Astrakan" 
(Eisapfel) so reichlich wie noch nie und sämmtliche Pflaumensorlen, mit 
Ausnahme der auch bisher unfruchtbar gebliebenen Dörell's Aprikosen-, 
violetten Dattel-, grünen Eierpflaume und der rothen Reineclaude (Prune de 
van Mous), welche er daher zum Anbau nicht empfehlen könne, gut ge 
tragen, ebenso das Beerenobst, dessen Früchte zwar ungewöhnlich gross, 
aber weniger schmackhaft waren. Während des Sommers 1872 sei die 
ganze Gegend von Unzahlen lusecten aller Arten heimgesucht gewesen, 
welche denn auch selbst dort, wo denselben eifrig nachgestellt wurde, 
erheblichen Schaden anrichteten. 

Zum Vortrag gelangten ferner: von Hrn. Ober-Hofgärtner Schwedt er 
in Slawentzitz: „Beobachtungen bei der Treiberei der Maiblume (Con- 
vallaria rnajalis)", von Herrn Apotheker Scholz in Jutroschin: „Ein 
paar gärtnerische Miscellen", sowie von Herrn Hofgärtner Peicker in 
Räuden O/S.: „Eine Schutzvorrichtung gegen Frost für niedrige Cordon- 
Obstbäumchen" mit erläuternder Zeichnung. 

Die elfte Sitzung wurde am 13. November abgehalten. Im 
Anschlüsse an die durch Herrn Apotheker Schultz in Jutroschin an 
die Section in deren voriger Sitzung gerichteten Anfrage zeigte derselbe 
an, dass es ihm gelungen sei, zur Vertilgung der Schild lause ein noch 
besseres Mittel, als das der Aloelösung, zu finden. Es sei dies der 
Camphorspiritus. Blätter, Stengel, damit mit Hilfe eines Schwämmchens 
abgewaschen, würden sofort von dem Ungeziefer befreit, und alle Pflanzen, 
welche er damit behandelt habe, seien gesund geblieben, kein Blatt habe 
gekrankt; auch sei bei Benutzung des Camphorspiritus kein weiteres Ab 
waschen uöthig. Herr Scholtz empfiehlt daher dieses reinliche Mittel als 
ein vorzüglich probates, wenigstens für hartblätterige Pflanzen durchaus 

17* 



260 Jahres-Bericht 

unschädliches, zieht jedoch den in der Apotheke käuflichen Camphor- 
Spiritus dem selbst gemachten vor, weil jener eine Quantität Wasser ent- 
hält, was behufs der Verwendung zur Tödtung der Schildläuse wichtig 
sei, weil durch den Wassergehalt langsamere Verdunstung und somit 
längere Einwirkung auf die befallenen Stellen eintritt. 

Herr Kuristgärtner Pfeiffer in Zölling berichtete: Mit den, unter 
den von der Section in diesem Frühjahr zugetheilt erhaltenen Sämereien 
befindlichen Samen der neuen Gurke „Rollison's Telegraph" habe ich als- 
bald Versuch gemacht. Die Kerne legte ich Mitte Mai in ein kaltes 
Mistbeet unter Fenster, wo sie bald und vollzählig aufgingen. Die eine 
Hälfte der Pflanzen pflanzte ich sodann in einen kalten Kasten ohne 
Fenster, die andere Hälfte in den Gemüsegarten. Das Wachsthum war 
auf beiden Stellen ausserordentlich kräftig, der Früchteansatz im Ganzen 
sehr reich, fand aber im Verhältniss zu anderen Sorten, z. B. „Chines. 
grüne Schlangengurke", etwas später statt. Im freien Lande erreichten 
die Früchte selbst eine ansehnliche Länge, ca. 20 Zoll und darüber, waren 
ziemlich stark gebogen, blieben verhältnissrnässig dünn, hatten eine sehr 
feine, ganz glatte, fast durchsichtige Schale und einen ausserordentlich 
feinen Geschmack. Der Ertrag dauerte bis Ende September, nachdem 
andere Sorten bereits vorüber waren. Weniger günstig war das Resultat 
der Pflanzung im Kasten. Das Gedeihen war zwar anfänglich ein gleich 
kräftiges, aber schon der Fruchtansatz bedeutend geringer, die Früchte 
wurden blatterig und bald unbrauchbar. Entweder verträgt diese im 
Freien so ausgezeichnete Sorte nicht den leichteren Boden, wie man 
solchen meist zu Mistbeetculturen benutzt, oder die Kastenwände, circa 
1 Fuss hoch, verhinderten den freien Durchzug der Luft, und müssten 
somit fernere Versuche erst feststellen, ob diese Sorte zum Treiben über- 
haupt anwendbar ist. Als Freiland-Gurke ist sie unbedingt sehr schätzbar. 

Eine Zusammenstellung der Erfolge des bei der v. Thiele- Wink ler- 
schen Garten- Verwaltung zu Miechowitz vorgenommenen versuchsweisen 
Anbaues eines Sortiments von 166 Sorten Kartoffeln hatte Herr Garten- 
Inspector Becker in Miechowitz eingesendet und dazu noch folgende 
Notizen gegeben : Die genannten Kartoffelsorten wurden, und zwar Nr. 1 
bis Nr. 112, aus verschiedenen deutschen und englischen Handlungen be- 
zogen und seit 3 Jahren bei der hiesigen Garten-Verwaltung cultivirt. 
Die Nummern 113 bis 166 lieferte im Jahre 1871 der Acclimatisations- 
Verein in Berlin. Wie die Tabelle zeigt, wurden 4 ganze, beziehungs- 
weise 4 Stücke von je einer Sorte auf die je gleiche Fläche von 4 QF. 
gelegt, wobei die ganz gelegten Kartoffeln durchgängig einen höheren 
Ertrag gaben, ausgenommen : Paterson's Regent, weisse Münsoe aus Schwe- 
den, Roast beaf, runde schwarzrothe Salat. Bei sehr vielen Sorten blieb 
der Ertrag sich gleich. Was die Hauptresultate anlangt, so geht hervor: 
438 ganze Knollen im Gewicht von 135 Pfd. brachten 717 P fd., als 



der Schlcs. Gosellsch. f. vaterl Cultur. 261 

5% fachen Ertrag- 438 Stücke, gleich 37 Pfd., brachten 518 Pfd., mithin 
Hfachen Ertrag. Demnach lieferte ein und dieselbe Fläche im ersten 
Falle 717 minus 135 gleich 582 Pfd., im zweiten Falle 518 minus 37 
gleich 481 Pfd. Aus diesen Resultaten geht hervor: mittelgrosse, 
gesunde, mit kräftigen Augen versehene ganze Kartoffeln zu 
legen. Ueber die Güte und Dauer etc. der Kartoffeln wurden für nächstes 
Jahr Mittheilungen zugesichert. 

Der Secretair hatte die schön roth blühende lridee Schizostylis 
coccinea Backh. et Hacvey zur Stelle gebracht, über deren Cultur Herr 
Kunst- und Handelsgärtner Kühnau in dem Jahresberichte der Section 
pro 1868 sich äusserte, und machte aus dem jüngst erschienenen Hefte 
Tom 19 der Flore des Serres etc. von L. van Houtte Mittheilung über 
die Cultur von Achyranihes Verschaffelti am Spalier für Decoration der 
Warmhäuser; die Pflanze wird hier epiphytisch, das Laub nimmt unter 
dem Einflüsse der Wärme und Feuchtigkeit des Glashauses bedeutende 
Dimensionen und einen lebhafteren Farbenglanz an, und wird nach un- 
bedingt erforderlichem wiederholten Auskneipen sehr gedrungen. 

Vorgetragen wurden: „Nachträgliche Bemerkungen zum Schutz der 
Obstbäume etc. vor schädlichen Insecten" von Herrn C. Becker, Lehrer 
der Bürger-Mädchenschule in Jüterbog; „Gefülltes Bellidiaslrum Muhulu 
Cass." von Herrn Apotheker Sauer in Cudowa, unter Vorzeigung eines 
starken Exemplars dieser Pflanze, welches Herr Sauer dem Secretair ein- 
zusenden die Güte hatte; sowie von Herrn Obergärtner Lorenz in 
Bunzlau: „Ein Beispiel zufälliger Erzeugung von Morchelbrut in einem 
Frühbeetkasten" und „Erfahrungen zur Anzucht der Rosen aus Steck- 
lingen". Letzterem wurde die Notiz des Kunstgärtners Herrn Frickinger 
in L aas an angeschlossen, dass derselbe seine zur Winter- Veredelung be- 
stimmten Rosenwildlinge nicht in Töpfen halte, sondern deren Wurzeln 
in eine Mischung von Lehm und Kuhmist, umgeben von Moos, emballire, 
worin sie schöne Wurzeln machen und so zur Versendung bis in den 
Juni geeignet sind. 

Die am 27. November stattgefundene zwölfte Sitzung eröffnete 
Herr Geheimer Medicinalrath Prof. Dr. Goeppert mit einem Hinweis 
auf das bei der andauernden sehr milden Witterung in Feld und Garten 
häufige Vorkommen von Frühlingsblumen unter Nennung einer grösseren 
Anzahl derselben, welche Herr Vortragender auf verschiedenen Excur- 
sionen vorfand, und mit dem Bemerken, dass im Jahre 1841 unter vorher 
gemachten gleichen Beobachtungen der Winter auch erst mit dem letzten 
Tage jenes Jahres begann. 

Brieflich ersuchte Herr Apotheker Scholtz in Jutroschin: die 
Section möge im Interesse der Wissenschaft und derjenigen Pflanzen- 
liebhaber, welche nicht in der Lage sind, ein Glashaus unterhalten zu 
können, sich mit den Fragen beschäftigen: Welche Pflanzen des Warm- 



262 Jahres-Bericht 

und Kalthauses dm ganzen Winfer über in trockenen, aber finsteren 
Kellern .sieh gesund erhalten? Welche Pflanzen wohl in trockenen Kellern 
aushalten, aber des Lichtes bedürfen? und die erlangten Ermittelungen in 
einer Zusammenstellung bekannt geben. Zur Erprobung dessen hat Herr 
Scholtz selbst gegen 600 verschiedene Pflanzen in Töpfen herangezogen 
und erklärte sich bereit, seine mit denselben nach jenen Richtungen hin 
zu machenden Erfahrungen seiner Zeit mitzutheilen. Die Wichtigkeit 
dieser Fragen, über welche in verschiedenen Schriften zerstreut nur 
mangelhaft Auskunft zu erlangen ist, wurde anerkannt, denselben Folge 
zu geben zugesichert und dabei der Wunsch ausgesprochen, dass dies 
auch recht zahlreich von auswärtigen resp. Mitgliedern geschehen möge.**) 

Herr Kaufmann Hüser legte ein schönes Sortiment von, auf seinem 
Besitzthum zu Gogol in eultivirten Aepfelsorten vor und Herr Ober- 
Gärtner Streu bei aus Karlowitz ausserordentlich starke einjährige 
Spargelpflanzen; dieselben werden dadurch erzielt, dass der Samen schon 
im Herbst gesät wird und im folgenden Frühjahre die auf den Sameu- 
beeten zu dicht stehenden Pflänzchen so durchzogen werden, dass die 
stärksten derselben in Reihen von 12 bis 14 Cm. Entfernung und in 
einem Abstände unter sich von 8 bis 10 Cm. stehen bleiben. Die aus- 
gezogenen Pflänzchen werden nicht weiter verwendet. 

Mit einem Vortrage des Sections-Gärtners Herrn Jettinge r: „lieber 
Erdbeeren und deren Cultur" wurde die Sitzung geschlossen. 

Dreizehnte Sitzung am 11. December. Auf Antrag des Se- 
cretairs wurde beschlossen, auch im Frühjahre 1873 eine Gratis- Ver- 
keilung von Samen empfehlenswerther Gemüse und Blüthenpflanzen 
zu deren Versuchsanbau in der seither üblichen Weise an diejenigen resp. 
Mitglieder zu veranlassen, welche sich um den Empfang von dergleichen 
bewerben würden, und für diesen Zweck die für die letzte derartige Ver- 
keilung aufgewendete Summe auch diesmal bewilligt. 

Herr Drathwaaren-Fabrikant Algoever legte die neueste Nummer 
des zu New-York erscheinenden Journals „Scientific American" mit Ab- 
bildungen und Beschreibung von doppelwandigen Umfassungen aus ge- 
branntem Thon für Frühbeete und Treibkästen vor, welche wegen des 
zwischen den beiden Wandungen bestehenden freien Raumes einen besseren 
Schutz gegen Frost gewähren sollen, als die gebräuchlichen hölzernen 
oder mit einfacher Wandung gemauerten Kästen, auch nicht so, wie be- 
sonders jene, einem schnellen Verderben ausgesetzt sind. 

Herr Obergärtner Streubel aus Karlowitz machte auf die unge- 
hörige Art der Neubepflanzung eines Theiles der Chaussee von hier nach 
Hundsfeld aufmerksam, wo neben die dem Erdboden gleich abgehauenen 



*) Geschieht hiermit wiederholt. D. Red. 



der Schles. Gcscllsch. f. vaterl. Cultur. 263 

Stümpfe alter starker abgestorbener Pappeln, in einer Entfernung von nur 
etwa 65 Cm. von diesen, Ahornstämmchen gepflanzt und hiermit natürlich 
einem sicheren baldigen Tode geopfert wurden. 

Ferner legte Herr Kaufmann Hüser vor: einen Erdbeerstrauss mit 
reifen und halbreifen Früchten und Blüthen, und einen Zweig der Him- 
beere „Quatre saison rouge", mit reifen Früchten voll besetzt, beide dem 
freien Lande entnommen, welche derselbe Tags zuvor aus dem Garten 
des Rittergutsbesitzers Herrn Rohrmann auf Borgazella empfangen hatte. 

Ueber die „Amerikanische frühe Rosenkartoffel" berichtete Herr 
Obergärtner Lorenz in Bunzlau und theilte mit, wie er seit mehreren 
Jahren sich der Coaks in grösseren oder kleineren Stückchen, über welche 
er eine schwache Moosschicht bringe, als Drainage für Blumentöpfe mit 
bestem Erfolge bediene } die Regenwürmer meiden den scharfen Coaks, 
dringen daher nicht in die Töpfe ein, der Wasserabzug bleibt ein unge- 
störter, und da der Coaks vermöge seiner Porosität viel Feuchtigkeit aus 
der Erde an sich zieht, aber auch schnell wieder von sich lässt, so wird 
dieselbe in den Töpfen nicht sauer und die Pflanzen befinden sich ausser- 
ordentlich wohl. 

Zur Kenntnissnahme hatte Herr Lehrer und Organist B rag u IIa in 
Bischdorf einen von ihm verfassten und im landwirtschaftlichen Vereine 
seines Kreises gehaltenen Vortrag eingesendet, in welchem nach Darlegung 
der Vortheile des Obstbaues, für den sich gar manche zeither unbenutzt 
gebliebene Stelle ländlicher Besitzungen eigene, und nach Hinweis auf 
Vernachlässigung bestehender Obstpflanzungen, sowie auf zweckmässige 
Neupflanzung, besonders auch dem kleineren Landbesitzer die Pflege des 
Obstbaues warm an's Herz gelegt wird, aber auch die grösseren Grund- 
besitzer aufgefordert werden, hierin mit anregendem Beispiel voran- 
zuleuchten. 

Noch gelangte zum Vortrage eine Mittheilung des Garten-Inspectors 
Herrn Bürgel in Wittgenstein (Rumänien): „Ein Wassermelonen-Bastard 
und dessen Verwendung im Winter." 

Zunächst liegt nun wohl dem Secretair die angenehme Pflicht ob, 
denjenigen hiesigen und auswärtigen resp. Mitgliedern den verbindlichsten 
Dank hiermit auszusprechen, welche ihn in seinem nicht leichten Ehren- 
Amte freundlich unterstützten durch den Zwecken der Section nützliche 
mündliche Mittheilungen und Vorträge und eingesendete Notizen, Berichte 
und Abhandlungen; es fanden solche aber auch in den Sitzungen stets 
dankbare Hörer, und was von denselben nicht schon im Vorangegangenen 
erwähnt wurde, wird weiterhin zu allgemeinerer Kenntniss gebracht. 
Diesen nützlichen Leistungen wurde zeither nicht blos innerhalb der 
Section, sondern auch in weit über diese hinaus reichenden Kreisen auf- 
munternde Anerkennung. Für Letzteres spricht wohl sehr deutlich, dass 



264 Jahres-Bericht 

in diesem Jahre wieder ein gleichartiger Verein und drei Redactionen 
gärtnerischer Zeitschriften, unter diesen eine ausländische, den gern er- 
füllten Wunsch äusserten, mit der Section in Schriften- Austausch zu treten. 
Darum liegt auch der Wunsch und die Bitte nahe, in solchen Leistungen 
nicht zu ermüden und dass auch die in jüngster Zeit der Sectiou zahlreich 
beigetretenen Mitglieder denselben nacheifern wollen. 

Selbstverständlich wurden in mehreren der abgehaltenen Sitzungen 
auch wichtigere innere Angelegenheiten der Section zur Berathung und 
Beschliessung gestellt, z. B. der Etat der Section für dieses Jahr, über 
die neueste Statistik und den Garten der Section, sowie über die erfolgte 
Gratis-Vertheilung von Sämereien Bericht erstattet, von den durch den 
Secretair über Letztere und über die Einnahmen und Ausgaben der Section 
und deren Garten im vorangegangenen Jahre gelegten Rechnungen Kennt- 
niss gegeben und nach der durch Herrn Juvelier Herrmann geschehenen 
Prüfung derselben Decharge ertheilt. Ingleichen wurden die in diesem 
Jahre erschienenen 38. und 39. Lieferung des Arnoldi' sehen Obst- 
cabinets, die Programme für die an sehr verschiedenen Orten beab- 
sichtigten Ausstellungen von Gartenproducten und die empfangenen gärt 
nerischen Preisverzeichnisse vorgelegt und besprochen. 

Ueber den pomologischen und resp. Obstbaumschul- und 
Versuchsgarten der Section, für welchen dieselbe auch in diesem 
Jahre Einem hohen königlichen Ministerium für die land- 
wirtschaftlichen Angelegenheiten die früher gnädigst gewährte 
und weiterhin zugesicherte Subvention zu verdanken hatte, halten wir 
diesmal um so mehr uns verpflichtet, speciellere Nachricht zu geben, als 
nach den durch die beiden Winter 1869/70 und 1870/71 in demselben 
durch Frost und Ueberschwemmung erlittenen gewaltigen Schäden dessen 
theilweise andere Einrichtung mit Berücksichtigung möglichst geringer 
Störung des zeitherigen Betriebes für zweckmässig erachtet werden musste. 

Nach dem gehabten Verlust fast sämmtlicher zur ersten Einrichtung 
des Gartens mit erheblichen Geldopfern angeschafften Obstmutterbäume 
wurden zu deren Neuaufstellung in diesem Jahre 3 zusammenhängende 
Morgen Land bestimmt und mit Wildlingen bepflanzt, welche im nächsten 
Frühjahre mit den betreffenden Obstsorten veredelt werden und aus- 
schliesslich Pyramidenform erhalten sollen. Die Pflanzung geschah der 
Art, dass auf 1 nR. ein Baum zu stehen kam und zwar im Verband; 
es wurde dabei auf 250 Aepfel-, 90 Birnen- und 60 Pflaumen-Sorten ge- 
rücksichtigt. Der Zwischenraum in den Reihen ist mit Beerenobst- 
sträuchern in verschiedenen Sorten bepflanzt und der übrige Raum zur 
Anzucht hochstämmiger Rosen auf Sämlingen der Rosa canina verwendet. 
Ausserhalb dieses Raumes bestehen bereits an der schmäleren Südseite 
des Gartens in 3 Reihen Pflanzungen eines Kirschen-Sortiments in 20 Sorten, 
eines Sortiments von 16 Sorten Pflaumen, sämmtlich hochstämmig, und 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 265 

einer Anzahl Birn-Pyramiden in verschiedenen Sorten, während die längere 
östliche Seite mit hochstämmigen Aepfelbäumen so weit der Raum reicht 
in denselben Sorten bepflanzt werden soll, welche die Pyramiden im 
Muttergarten tragen, um ihr Verhalten bezüglich ihrer Güte und Tragbar- 
keit in beiden Baumformen beurtheilen zu können. 

Zur Anzucht von Obstwildlingen wurden ca. 1 1 / 4 Morgen bestimmt 
und mit Apfel-, Bim- und Kirschensamen besäet, welche für nächstes 
Jahr ca. 100,000 Stück Pflänzlinge ergeben dürften. — Der zur Erziehung 
von Obst-Edelstämmchen aller Gattungen, des Beerenobstes und der Wein- 
reben bestimmte Theil des Gartens ist in 9 Schläge eingetheilt, deren 
jeder wieder 4 Felder hat. Bei Erziehung der Bäume zu Hochstämmen 
kann daher nach sechsjährigem Betriebe das abgeräumte Land 2 Jahre 
ruhen und wird nach vorheriger Düngung während dieser Zeit mit Ge- 
müsen und Hackfrüchten bebaut, um sodann wieder Bäume aufzunehmen, 
wobei jedoch berücksichtigt wird, dass die verschiedenen Obstgattungen 
gewechselt werden. Die einzelnen Schläge mit je 4 Feldern nehmen 
ca. 9 — 10,000 Stück Obstbäume auf, welche als Wildlinge in Reihen von 
2 Fuss Entfernung und in diesen mit 1 */ 2 Fuss Abstand gepflanzt und an 
Ort und Stelle theils im Frühjahr, theils im Juli und August veredelt 
werden, weil von der sogenannten Handveredelung wegen hierfür noch 
mangelnder Räumlichkeiten zur Zeit noch abgesehen werden muss. Bis 
jetzt sind in angegebener Weise 23 Felder mit ca. 50,000 Bäumchen 
schulgerecht bepflanzt, welche sich vertheilen auf ca. 20,000 Aepfel, 
10,000 Birnen, 12,000 Kirschen, 5000 Pflaumen und 500 Wallnüsse, von 
denen veredelt sind ca. 9000 Aepfel-, 2500 Birnen- und 500 Kirschen- 
Stämrnchen. 

Noch sei bemerkt, dass 2 mittlere Gartenfelder für eine später zu 
errichtende geschützte Abtheilung für die verschiedenen Baumformen, 
welche der feinere Obstbau verlangt, und zur Aufnahme von Frühbeeten, 
ein drittes, an diese grenzendes Feld aber zum Bau des lange ersehnten 
Gärtnerhauses in Aussicht genommen sind. 



Weiden-Anpflanzung und Nutzung. 

Von Baumgärtner R. Sonntag in Zobten. 



Als sehr gute Bindeweide hat sich Salix caspica mit braunrother, 
später bläulich angelaufener Rinde bewährt, die schon in trockenem, 
lehmigem Sandboden Triebe von 6 bis 8 Fuss macht. Diese und Salix 
viminalis werde ich am häufigsten anbauen. In den Forsten und am 
Flussufer bauen wir jetzt die Oder-Weide in grossen Massen, in den 



266 Jahres-Bericht 

Forsten namentlich in Verbindung mit Fichten-Anpflanzungen in Reihen 
von 2 Fuss Breite und in den Reihen in 1 '/ 2 Fuss Entfernung von einander 
zum Schutze der Fasanen, welche den Aufenthalt in denselben jedem 
anderen vorziehen. Nebenbei werfen die Weiden noch einen erheblichen 
Nutzen bei dreijähriger Cultur als Reifstäbe für Böttcher und darauf 
2 Jahre als einjährige Ruthen für Korbmacher ab. 

Allerdings muss der Boden 1 ! / 2 Fuss tief rigolt sein, und eignet sich 
Sandboden, ja selbst Kiesboden mit lettiger Unterlage am besten dazu. 
In reinem Letten- oder Lehmboden oder gar nassem Untergrunde machen 
sie nicht diese starken Triebe. Reinhaltung der Weidenpflanzung von 
Unkraut ist auch geboten. An die Ufer, werden hier in der Baumschule 
1 Jahr vorher angezogene, gut bewurzelte Pflanzen gepflanzt, im Forst 
dagegen gleich zweijähriges Holz gesteckt, was das beste zu diesem 
Behufe ist, da es leicht anwurzelt und einjähriges Holz nicht so kräftige 
Pflanzen und schöne Triebe giebt. 



lieber Frühjahrs-Decoration der Terrasse etc. 

Von Ober-Hofgärtner Schwedler in Slawentzitz. 



Die Bitte, welche ich am Schlüsse meiner in dem Jahresberichte der 
Section pro 1870 enthaltenen Beschreibung der hier von mir angelegten 
Blumen-Terrasse aussprach, hat vielseitige geneigte Berücksichtigung ge- 
funden und mehrere hochachtbare Herren haben mir eine Menge Frühlings- 
bitther namhaft gemacht, die zu einem eigentlichen Frühlingsgarten sich 
wohl alle vortrefflich eignen, — nur nicht für meine Terrasse in ihrer 
jetzigen Bestimmung und Eintheilung* denn 1. bedarf ich von einigen der 
empfohlenen Pflanzen zu viele Exemplare, dann werden viele derselben 
zu hoch, andere bedecken den Boden nicht genügend und endlich ver- 
tragen nicht alle ein unzeitiges Versetzen, wodurch, da ich keinen Anzucht- 
Garten habe, ich genöthigt wäre, jährlich sich wiederholende bedeutende 
Ausgaben für Neubeschaffung solcher Pflanzen zu machen. Diese und 
noch verschiedene Wenn und Aber bestimmten mich im letzten Herbst, 
von einem grösseren mannigfaltigen Frühlingsflor auf jener Terrasse ab- 
zusehen und diesen in einer Menge von 16,000 Stück verschiedener 
Blumenzwiebeln zu suchen. Ein Wechsel, welcher bei der Liebe zu 
Veränderungen gewiss Beifall finden wird. Die reiche Blüthenpracht und 
Fülle dieser Zwiebeln wird in Verbindung mit 15,000 Stück Myosotis blau, 
rosa, weiss, Bellis roth und weiss, Silene pendula rosa und weiss, sowie 
Viola tricolor- Varietäten gewiss einen nicht minder imposanten Anblick 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultiir. 267 

gewähren als viele der Miniaturpflänzchen, wie man solche oft von den 
Herren Handelsgärtnern für schweres Geld erhält. 

Dass ich deshalb die mir genannten Pflanzen ganz ausser Acht lassen 
will, ist jedoch nicht meine Absicht, vielmehr werde ich einen Raum zu 
ermitteln suchen, auf welchem ich sie alle anpflanzen kann, um so einen 
Frühlingsgarten zu schaffen und den nöthigen Bedarf von, daraus auf die 
Terrasse passenden Pflanzen selbsl heranziehen zu können. 

Wenn am 16. September v. J. hier Alles, was grünte und blühte, 
erfror und Vieles des in die Häuser noch Geretteten dort verfaulte, so 
entwickelt sich in denselben dagegen jetzt (Mitte December 1871) schon 
wieder ein Frühlingsflor, wie ein solcher zu dieser Zeit nicht leicht wieder 
gefunden werden dürfte. Es blühen Azaleen, Camelien, Maiblumen, Ta- 
zetten, Tulpen, Hyacinthen, Cyclamen, Heliotrop, Veilchen, Primula 
chinensis etc., was bei den seit 4 Wochen gänzlich sonnenlosen Tagen 
und den jammervollen Häusern gewiss erfreulich ist. Meine Herrschaft, 
welche natürlich alle diese gewaltsam hervorgebrachten Kinder des Früh- 
lings ins Zimmer bekommt, ist darüber aber, so wie ich selbst, sehr 
erfreut. 



Einiges über Vermehrung der Azalea indica. 

Von Kunstgärtner Grunert in Gross-Paniow. 



Bekanntlich gelingt die Vermehrung der Azalea indica durch Steck- 
linge, besonders in den besseren Sorten, nicht leicht, und ist man einmal 
damit glücklich gewesen, so erhält man nur sehr kleine dürftige Exemplare, 
welche der Auspflanzung in ein dafür hergerichtetes Beet bedürfen, um 
zu erstarken und buschiger zu werden; aber nur wenige derselben blühen 
bald und wohl noch 2 bis 3 Jahre muss man warten, ehe sie zu voller 
Blüthe befähigt sind. Gewöhnliche Sorten, wenn man bessere wünscht, 
müssen veredelt werden; in kleinen Gärtnereien ist dies aber für den 
Gärtner sehr hindernd, besonders wenn Neues selten oder gar nicht an- 
geschafft wird, die nöthigen Häuser und Kästen nicht zu Gebote stehen 
und die vorhandenen wenigen Mistbeete zum Anbau verschiedener Garten- 
Producte benutzt werden müssen, ein zweckmässiges Plätzchen zur 
Veredelung der Azaleen also nicht vorhanden ist. 

Um rasch zu günstigen Resultaten zu gelangen und sicher auch von 
den besten Sorten gut bewurzelte, kräftige und schon im nächsten Jahre 
starke, blühbare Exemplare zu erhalten, ziehe ich es vor, die Azaleen 
abzulegen, und ist mein Verfahren hierbei auch wohl kein neues, so möge 
mir doch verstattet sein, dasselbe hier mitzutheilen. 



268 Jahres -Bericht 

Mitte oder gegen Ende des Monats Mai, je nach Beschaffenheit der 
Witterung, mache ich ein Beet ohne Dünger-Unterlage und ohne Fenster 
zurecht, fülle dasselbe mit ungesiebter Haide-Erde, in Ermangelung dieser 
mit Laub- oder Frühbeet- Erde, welche ich vorher mit kurz gehacktem 
Moos vermengte. In dieses Beet senke ich die zur Vermehrung aus- 
gewählten Azaleen mit den Töpfen bis an deren Rand und beginne 
sogleich mit dem Ablegen der längsten und buschigsten Zweige, welche 
bis 3 Zoll tief in die Erde des Beetes eingelegt und fest angedrückt 
werden, doch schneide ich dieselben nicht etwa vorher an, wie dies bei 
dem Absenken der Nelken etc. üblich ist, weil ich so deren Abbrechen 
vermeide und die Bewurzelung dennoch gut von statten geht. Nach 
meiner Erfahrung macht das 2- bis 4jährige Holz am leichtesten Wurzeln. 

Die Behandlung solcher Ableger ist sehr einfach, sie werden von 
Unkraut rein gehalten, die Mutterstöcke so oft es nöthig ist angegossen 
und das ganze Beet täglich früh und Abends gehörig überspritzt und 
feucht gehalten. Anfang oder Mitte September sind die Absenker schon 
vollständig bewurzelt und können, sorgfältig vom Mutterstocke abgetrennt, 
mit dem Wurzelballen alsbald in entsprechend grosse Töpfe in Ericen- 
Erde gepflanzt werden. Noch nicht vollständig bewurzelte Senker bleiben 
unberührt am Mutterstocke. Sind die Ableger eingepflanzt, so bringe ich 
dieselben in einen massig erwärmten Kasten mit gut schliessenden Fenstern, 
nachdem sie vorher gut angegossen wurden, überspritze dieselben täglich, 
giesse vorsichtig, damit sie weder zu nass noch zu trocken haben, und 
beschatte die Fenster so lange, bis die jungen Pflanzen fest gewurzelt 
sind, was gewöhnlich in 2 bis 3 Wochen erfolgt, dann aber gebe ich 
denselben anfangs massig, nach etwa 8 Tagen aber reichlich Luft, und 
lasse sie so lange in dem Kasten stehen, als es irgend die Witterung 
erlaubt, bis ich sie dann in ihrem Winterquartiere an ein helles, luftiges 
Plätzchen bringe. 



Ueber die bisher ungekannten Vorgänge bei dem 
Veredeln der Bäume. 

(Auszüglich.) 
Von Geh. Med.-Rath Prof. Dr. Goeppert. 



Bei meinen Untersuchungen über die inneren Zustände der 
Bäume nach äusseren Verletzungen kam ich selbstverständlich 
auch zur Betrachtung des Einflusses, welchen die Veredelungs- 
Methoden durch Pfropfen, Oculiren und Copuliren auf die- 
selben ausüben. 



der Schles. Ge9ellsch. f. vaterl, Cultur, 269 

Wissenschaft und Praxis geben sonderbarer Weise darüber wenig 
Aufschluss. Man spricht zwar stets von der Notwendigkeit, die einzelnen 
Theile des Wildlings mit denen des Pfröpflings in genaueste gegenseitige 
Verbindung zu bringen, um ihre Verwachsung zu befördern; wie diese 
aber eigentlich erfolgt, wird nirgends näher beschrieben. Ich habe dies 
bereits vor 30 Jahren gefunden, aber freilich nur beiläufig in 
meiner Schrift: „Beobachtung über das Ueberwallen der Tannenstöcke", 
Bonn, bei Henry & Cohen, 1841, S. 25, erwähnt, welche den Pomologen 
wohl nicht zu Gesicht gekommen ist und Physiologen haben sich damit 
auch noch nicht beschäftigt. 

Bei Wiederholung meiner Untersuchung im April 1871 erlangte ich 
dieselben Resultate: Auf der verticalen Fläche des Mutterstammes oder 
Wildlings, wenn sie von der des Pfröpflings, Auges oder Edelreises eng 
umschlossen wird, entwickelt sich ein von den Markstrahlen ausgehendes 
Parenchymgewebe, welches mit dem des Pfröpflings in Verbindung 
tritt und sich bei gut gelungener Operation so genau mit ihm vereinigt, 
dass man es mit blossem Auge kaum zu erkennen vermag. Bei nur zum 
Theil gelungener Verwachsung vertrocknet es, oft schon nach wenigen 
Monaten, bräunt sich, erhält sich aber fortdauernd, so dass man es noch 
in älteren Stämmen nachweisen kann. Gleichzeitig mit der Bildung dieses 
intermediären oder Vernarbu ngsgewebes, wie ich es nenne, 
treten nun auch die Kambiallagen des Pfröpflings und des Mutterstammes 
in innige Verbindung und verwachsen so vollständig, dass man ihre Grenze 
nur im Längsschnitt, nicht im Querschnitt, an einer schwachwelligen, nach 
innen gerichteten Biegung der Holzfaser bemerkt. Die nächsten Holzlagen 
folgen dieser Richtung, und da nun die sonst horizontal verlaufenden 
Markstrahlen auch von ihrer Lage abweichen, wird bei weiterem Wachs- 
thum eine für das unbewaffnete Auge schon sichtbare Begrenzung gebil- 
det, die ich mit dem Namen Demarcationslinie bezeichne und zwar 
als innere, da auch noch eine äusserliche auf der Oberfläche ander 
Verwachsungsstelle befindliche Scheidungslinie vorhanden ist, die der 
Richtung der inneren genau entspricht und sich auch schon durch die 
Verschiedenheit der Rinde beider verwachsenen Stämme bemerklich macht. 
Alle über der Demarcationslinie vorkommenden Entwicke- 
lungen gehören dem Pfröpflinge, alle darunter befindlichen dem 
Mutterstamme an. Der Pfröpfling entwickelt sich vollkommen selbst- 
ständig, behält seinen specifischen Charakter in der Beschaffenheit seiner 
Blätter, Blüthen und Früchte bei, ohne von dem Mutterstamme wesentlich 
beeinflusst zu werden. Der wegen seiner Blätterlosigkeit zur Assimilation 
nicht befähigte Mutterstamm führt ihm nur den durch seine Wurzeln auf- 
genommenen sogenannten rohen Nahrungssaft zu, welchen der Pfröpfling 
vermöge seiner Vegetationsorgane in assimilirten Saft umwandelt und 
selben bei seiner Rückkehr an der obeu erwähnten Demarcationslinie ihm 



270 Jahres -Bericht 

zur Aufnahme iiberlässt. Hier kaum aufgenommen und nur durch eine 
anatomisch schwer bestimmbare Grenze von dem Pfröpfling getrennt, 
erhält er augenblicklich die Befähigung, die charakteristischen 
Eigenthümlichkeiten des Mutterstammes zu bewirken. Deun 
treibt der Mutterstamm Blätter, Blüthen und Früchte, so stimmen sie ganz 
und gar mit derjenigen Beschaffenheit in seinem ungepfropften Zustande 
überein. Ein sehr interessantes, bis jetzt noch niemals gewür- 
digtes Phänomen im Gebiete der Pflanzenkunde, fast ohne Gleichen! 

Der Assimilationsprocess ist also bei dem Mutterstamme, wenn er 
ast- und blattlos war, ohne die sonst so nöthige Mitwirkung der 
Blätter erfolgt, und jene einfache, anatomisch kaum nachweisbare, jeden- 
falls einer besonderen Organisation entbehrende Grenzlinie erscheint aus- 
reichend, um die beiden vereinigten, in ihren specifischen Eigenthümlich- 
keiten, Früchten u. s. w. von einander so verschiedenen Stämme getrennt 
zu halten. Diese gegenseitige Unabhängigkeit giebt sich auch häufig noch 
durch das verschiedene Wachsthum kund, indem bald der Mutterstamm 
oder auch der Pfröpfling einen von einander verschiedenen Durchmesser 
erreichen. 

Nach den bisherigen Erfahrungen gelingen die Veredelungsprocesse 
nur bei Pflanzen verwandter oder einander doch nahestehender Familien; 
jedoch fehlt es zur Zeit noch durchaus an grösseren, unter Berücksich- 
tigung aller Momente consequent durchgeführten Versuchsreihen, welche 
sicher auch für die Praxis der gesammten Gärtnerei zu wichtigen 
Resultaten führen und insbesondere zur Verbreitung und Vermehrung 
neuer Einführungen sich nützlich erweisen dürften. 

Zahlreiche Beläge zu vorstehenden Resultaten wurden nun vorgelegt: 
Veredelungen durch Pfropfen, Oculiren und Copuliren in verschiedenen 
Zuständen, von 3-, 6- und 12monatlichem Alter und darüber, sowie 
Zeichnungen, mikroskopische Präparate und deren Darstellungen, wie 
auch Photographien grösserer Stämme. Ihre Veröffentlichung steht bald 
bevor. 

Zur Illustration des Inneren ist es nothwendig, stets 
vom Mutterstamme auszugehen und mit einem exacten 
Centrumlängsschnitt die Untersuchung zu beginnen. 

Erfahrungsmässig haben sich nun die durch die verschiedenen Ver- 
edelungsprocesse einst gewonneneu Formen und Sorten unserer Obstarten 
Jahrhunderte lang unabhängig von ihren Mutterstämmen erhalten; doch 
sind darüber gelegentlich auch Zweifel erhoben worden. Dass die mehr 
oder weniger kräftige Beschaffenheit des Mutterstammes den Pfröpfling 
auch mehr oder weniger gut ernährt, ist ohne Weiteres zuzugeben, ein 
höherer Einfluss auf die wesentlichen Eigenschaften des Pfröpflings, 
Früchte u. dergl., mit Sicherheit nicht nachgewiesen. Dagegen hat man 
schon seit 1700 zu wiederholten Maleu beobachtet, dass Pfröpflinge 



der Schles. üesellsch. f. vaterl. Cultur. 271 

buntblätteriger Pflanzen (Jasmin, Eschen) auch unter der Impfstelle 
im Mutterstamme das Hervorsprossen von Zweigen mit gefleckten Blättern 
veranlassten. 

Nun sieht man freilich häufig ganz zufällig an alten wie an jungen 
Bäumen plötzlich weissgefleckte Blätter hervorsprossen, wie ich erst in 
diesem Sommer an Eichen, Ulmen und Rosskastanien höheren Alters, ja 
auch unter der Impfstelle einer gewöhnlichen grünblättrigen Apfelbaum- 
pfropfung beobachtete und konnte man somit an ein ebenso zufälliges 
Vorkommen denken. Doch sind jene Versuche von Anderen (Darwin, 
Morren, Lindemuth, Reuter, Magnus und Bouche) und auch 1872 und 1873 
von mir mit gleichem Erfolge wiederholt worden. Ehe man sich jedoch 
zu weiteren Schlussfolgen veranlasst sieht, bedarf es noch genauerer Unter- 
suchung der Impfstellen mit Rücksicht auf meine Ermittelungen. Immer- 
hin meine ich, dass diese Uebertragung der Panachirung, welche ich in 
vielen Fällen mit Bouche nur für einen pathologischen Zustand halte, nur 
als Ausnahme gelten und den altbewährten Grundsatz, dass in allen 
speci fischen Merkmalen sich Wildling und Pfröpfling unab- 
hängig von einander erhalten, nicht zu erschüttern vermag. 

Jene höchst merkwürdige innere Demarcationslinie, welche 
man stets und sogar bei Veredelungen ganz nahe verwandter Sorten an- 
trifft, zeigt ganz entschieden, welchen Werth die Natur auch auf 
die Erhaltung der Selbstständigkeit der Varietäten, ge- 
schweige gar der Arten legt, denen man heute keine Dauer 
mehr zuerkennen will. 

Uebrigens bestätigte meine Arbeit auf's Neue den schon vor einigen 
Jahren bei Gelegenheit der Untersuchung über die Inschriften und 
Zeichen in Bäumen (Breslau, bei Morgenstern, 1869) gewonnenen 
Satz, dass jede äussere, durch die Rinde bis in das Holz drin- 
gende, ungedeckt bleibende Verletzung eine dauernde Spur 
derselben zmücklässt, woraus sich dann auch für die gärtnerische Praxis 
der Veredelung wenigstens einige vielleicht beachtungswerthe Resultate 
ergaben : 

Die innigste Vereinigung wird durch die Copulation erzielt; dann 
folgt die Oculation, zuletzt erst das Pfropfen, und zwar am em- 
pfehlungswerthesten das Pfropfen unter die Riude, weniger das seitliche 
in das Holz, das mit dem Geisfuss, mit dem Sattel, am wenigsten das in 
den Spalt, weil hier zu viel Holzsubstanz ungedeckt bleibt, welchem 
Nachtheil durch kein Verkleben mit Baumwachs abgeholfen werden kann. 
Sie vertrocknet und verhindert nur das Anwachsen, verrottet und lässt 
sich ebenso wie der obere Theil des Mutterstammes in den ältesten 
Stämmen noch erkennen. Die Schnittfläche des Mutterstammes 
verwächst hier ebenso wenig wie bei dem Oculiren, weil beide schon 



272 Jahres-Bericht 

läng^ vertrocknet, also nicht mehr organisch thätig sind, ehe sie von den 
Ueberwallungsschichten überzogen werden können. 

Jede, auch die leiseste Berührung der zum Verwachsen 
bestimmten Schnittflächen ist zu vermeiden, weil hierdurch die 
äusserst zarten Endigungen der Markstrahlen verletzt werden, denen die 
zur innigen Verwachsung zur nöthigen Bildung des intermediären oder 
Vernarbungs-Gewebes obliegt. Dieses Vernarbungs-Gewebe bildet 
sich auch bei anderweitigen Verwachsungen und vermittelt dieselben, 
wovon Näheres an einem anderen Orte. Der Nutzen möglichst kleiner 
Schnitte, der Wahl wenig umfangreicher Stämme und Zweige zu allen 
diesen Operationen ergiebt sich auch aus diesen theoretischen Erfahrungen, 
wie so manches Andere, von selbst, das die Praxis schon längst als er- 
spriesslich befunden hat. 



Einiges über die nachtheiligen Wirkungen der beiden 
Winter 1869/70 und 1870/71 auf die Vegetation. 

Von Baumgärtner C. Pfeiffer in Zölling. 



Wollen wir nach Möglichkeit die oft bedeutenden Schäden von uns 
abwenden, welche anhaltend sehr harte oder Wechsel volle, von strenger 
Kälte durchzogene Winter über die Vegetation hereinbrechend machen, 
so müssen wir uns bestreben, die besonderen Ursachen derselben zu er- 
forschen und deren Wirkungen zu ermitteln. Wenn nun auch meine in 
diesen Beziehungen gemachten Beobachtungen vielleicht nichts Neues er- 
geben, so will ich die Resultate derselben doch mittheilen, sollten sie 
selbst nur die Erfahrungen Anderer bestätigen. 

Ziehen wir zuerst eine Parallele zwischen den Temperaturverhältnissen 
der beiden Winter 1869/70 und 1870/71, so finden wir, dass in beiden 
fast die gleicheu Kältegrade erreicht wurden, auch in Betreff reichen 
Schneefalles und eines sich erst spät eingestellten Frühjahrs beide sich 
ziemlich gleichten, dass dennoch aber ihr Verlauf ein durchaus ver- 
schiedener war. Wenn der erstere dieser beiden Winter nach bis dahin 
normalem Verlauf am I.Februar mit — 13° R. die gewöhnlichen Grenzen 
überschritt, das Thermometer sogar 4 Tage hinter einander auf — 20° R. 
stehen blieb und erst nach 14 Tagen die ersehnte Linderung eintrat, 
welche dann auch bis Ende Februar mit nur geringen Schwankungen 
Stand hielt, so gefiel sein Nachfolger sich mehr in schnellen, ja plötz- 
lichen Temperaturwechseln. Solche fanden z. B. statt: in der ersten 
Woche des Januar 1871 von — 20° R. auf — 2° R., vom 29. Januar bis 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 273 

5. Februar von — 10° bis — 16° auf — 1° R., vom 7. bis 8, Februar, 
also binnen 24 Stunden, von 0° auf — 16°, vom 8. bis 15. Februar von 
— 16° bis —20° auf 0° R. 

Ganz entsprechend dieser Ungleichheit ihrer Charaktere waren auch 
die schädlichen Einflüsse und Folgen dieser beiden Winter auf die Vege- 
tation. Sehen wir nun zu, worin sich diese kennzeichneten. Trotz einer 
wahrhaft sibirischen Kälte während 14 Tagen des Winters von 1869/70 
hatten wir, wenigstens hier und in der Umgegend, erfreulicher Weise über 
keinerlei namhafte Verluste zu klagen, allenfalls waren es einige alte hoch- 
stämmige Rernantant- und Moosrosen, Hex aquifolia, verschiedene Ruscus 
und wenige andere Pflanzen, welche seit einer Reihe von Wintern ohne 
jeglichen Schutz trotzten, diesmal aber theilweise oder auch ganz zu 
Grunde gingen, sowie einige junge Exemplare erst im vorangegangenen 
Frühjahre mit Topfballen ausgepflanzter Coniferen, als Cupressus Lawsonii 
und Wellingtonia, welche, obgleich gut mit Fichtenzweigen verpackt, eben- 
falls nicht aushielten. An Weinreben, Obstbäumen etc. war die Kälte 
ziemlich spurlos vorübergegangen. 

Wie ganz anders waren dagegen die Verluste, welche der darauf 
folgende Winter 1870/71 zufügte. Fast keine Branche des Gartenbaues 
wurde verschont und Jahre werden vergehen, bevor die geschlagenen 
Wunden vollständig geheilt sind. Am schmerzlichsten, weil mit dem 
Wohlstande ganzer Gegenden in inniger Verbindung stehend, waren un- 
streitig die Opfer an Obstbäumen aller Art. Pfirsich- und Aprikosenbäume 
an freistehenden Spalieren, unter guter Rohrverpackung, erfroren bis zur 
Wurzel ; bei denen an Mauerspalieren jedoch nur das ein- und zweijährige 
Holz. Süsskirschen blieben hierorts merkwürdiger Weise ziemlich ver- 
schont, alte tragbare, wie junge Stämmchen in der Baumschule; besonders 
Letztere befanden sich jedoch an mehr geschütztem Standorte; von ein- 
jährigen Sämlingen, welche mit vollem Laube und noch etwas unreifem 
Holze einwinterten, erfroren ca. 10 pCt., doch machten diese im Laufe 
des Sommers noch kräftige Triebe von unten und sind zu kräftigen 
Pflanzen herangewachsen. Sauerkirschen, sämmtlich Alleebäume, über- 
standen diesen Winter gut. 

Das weitaus grösste Contingent an Todten stellte die gewöhnliche 
blaue Pflaume, in Gärten wie im Freien, hauptsächlich in feuchten, 
schweren Böden ; ganze Alleen solcher Bäume wurden in hiesiger Gegend 
total vernichtet. Beachtenswerth erscheint hierbei, dass die Kälte auf in 
kräftigem Mannesalter stehende Bäume minder verderblichen Einfluss übte, 
als auf solche, welche dasselbe bereits überschritten hatten, oder erst seit 
Kurzem gepflanzt waren. Es mag sich dies wohl daraus erklären, dass 
die alten Bäume nicht mehr die Lebenskraft besassen, den Unbilden eines 
so aussergewöhnlichen Winters widerstehen zu können; bei den frisch 
gepflanzten mag die Ursache vielleicht darin zu suchen sein, dass ihre 

18 



274 Jahre s-Bericht, 

Vegetation tiefer in den Herbst hinein dauerte, weil entweder ihre Wur- 
zeln in der dem Pflanzloche seiner Zeit zugeführten „guten Erde", oder, 
wo dies nicht der Fall war, doch in der geringeren Tiefe, in der sie sich 
noch bewegten, mehr Nahrungsstoff fanden, folglich die Bäume später in 
Ruhestand übergingen, die wässerigen Theile noch nicht gehörig aus- 
gesondert hatten, mithin der noch geringen Consistenz der holzigen Theile 
wegen dem starken Froste unterliegen mussten. Während des zweiten 
Triebes im Monat August gingen noch eine grosse Menge Bäume mit 
vollem Laube binnen wenigen Tagen plötzlich zurück und steht Gleiches 
noch weiter bei der nahe bevorstehenden neuen Vegetationsperiode zu 
befürchten. 

Kernobst, welches hier ausschliesslich in Gärten angepflanzt und 
einigermassen geschützt ist, hat wenig oder gar nicht, dagegen die neue 
Baumschule bedeutenden Schaden gelitten; im Frühjahr 1870 in fast ganz 
freier Lage angelegt, nur mit einem Stacketenzaune umgeben, wurden 
damals in dieselbe grössere Partien 3- und 4jährige Veredelungen von 
Aepfeln und Birnen übersiedelt, welche im Laufe des Sommers prächtig 
gediehen und stark trieben. Unter diesen hat der folgende Winter so 
stark gewirthschaftet, dass die Mehrzahl der bestandenen Sorten beider 
Obstgattungen an der Basis der jüngsten Triebe, viele aber auch be- 
deutend tief, bis zur Höhe der winterlichen Schneelage zurückgeschnitten 
werden mussten, doch haben auch diese alle wieder ausserordentlich kräftig 
getrieben. 

Noch sei einer ganz im Freien, hauptsächlich den Nordwestwinden 
stark ausgesetzten, vor 4 Jahren mit diversen Sorten neu angepflanzten 
Aepfelallee erwähnt. In den ersten 2 Jahren ihres Bestehens musste die- 
selbe aus verschiedenen Ursachen stark rekrutirt werden, dem Winter 
1869/70 leistete sie trefflichen Widerstand, nach dem Winter 1870/71 
hatte sie jedoch ca. 20 pCt. Verlust aufzuweisen. Wie viel hiervon der 
Kälte, dem stellenweise ungünstigen, meist schweren, auch mitunter nassen 
Boden oder anderen Ursachen zuzuschreiben war, mag fraglich sein, nur 
so viel ist sicher, dass derselbe lediglich durch den letzten Winter herbei- 
geführt wurde. Einzelne Sorten haben jedoch in dieser Allee, ohne er- 
gänzt werden zu dürfen, standhaft ausgehalten. Es sind dies besonders: 
weisser Sommer-Strichapfel, Sommer-Parmaine, rother Astracan, purpur- 
rother Cousinot, Kaiser Alexander, Winter-Gold-Parmaine, Papageienapfel, 
Herberfs Rambour-Reinette. 

Weitere sehr bedeutend schädliche Einflüsse erlitten: der Wallnuss- 
baum, welcher erst spät aus dem alten Holze wieder ausschlug, der 
Weinstock, der oft bis an die Erde zurückgeschnitten werden musste, 
und die im Freien stehenden Feigen 

Zu den Ziergehölzen übergehend, hatten auch von diesen viele Arten 
erheblich gelitten und wenn dieselben auch aus der Wurzel wiederkamen, 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 275 

so war doch die ästhetische Wirkung mancher Anlagen auf lange Zeit 
verdorben. Als hauptsächlich betroffene Arten sind zu bezeichnen: 
Amygdalus, Bignonia radicans total erfroren, Buxus arb., Colutea, Cytisus, 
Deutzia, Hedera helix, Hibiscus, Lonicera, Ribes sanguin., Robinia hispida, 
Spiraea prunifol. fl. pl., Tuja oriental. nebst vielen anderen Coniferen, 
Weigelia, selbst die härtesten Landrosen. Hochstämmige Rosen schienen 
bei Wegnahme ihrer Bedeckung ganz gut durchwintert, die Kronen frisch, 
die Augen gesund, und kräftig, aber schon nach wenigen Tagen erwiesen 
die meisten Stämmchen sich als erfroren. 

An Vorstehendes anknüpfend möge noch der Widerstandsfähigkeit 
einiger Pflanzen Erwähnung geschehen, welche man gemeinhin für weniger 
hart hält. Vor 9 Jahren wurde hier ein hochstämmiges Exemplar Bignonia 
catalpa gepflanzt, erfror im nächsten Winter, musste bis zur Erde zurück- 
geschnitten werden und bildete darauf einen schönen Strauch, der jedoch 
in den folgenden Wintern immer wieder bis zur Erde erfror, nur Jahres- 
triebe machte, trotzdem aber niemals verpackt wurde, und siehe da, 
gerade diese beiden höchst ungünstigen Winter hielt sie aus und blühte 
im letzten Sommer. Möglicher Weise haben die in ihrer nächsten Nähe 
befindlichen, mehr und mehr herangewachsenen Gehölze jetzt den nöthigen 
Schutz gewährt, oder die Pflanze hat sich erst, so zu sagen, acclimatisirt. 

Zur Bekleidung des östlichen Giebels des hiesigen Orangeriehauses 
vor 4 Jahren gepflanzte, auf den Wurzelhals veredelte Prärie-Rosen, 

2 Stück Belle de Baltimore und 1 Beauty of Prairie bedeckten sehr bald 
die ganze Fläche; ihr winterlicher Schutz war eine dünne Rohrdecke, 
unter der sie die ersten Winter sehr gut überkamen. Nun hielt ich die- 
selben für hart genug und hatte mit deren rechtzeitiger Verpackung keine 
Eile, da kam der 1. Januar 1871 mit seinen plötzlich 22° Kälte und die 

3 Rosen standen noch frei, erhielten aber sogleich ihre schützende Rohr- 
decke. Diese niedrige Temperatur war den beiden Belle de Baltimore 
denn doch zu stark gewesen, sie schienen beide todt, ein Exemplar kam 
aus dem Edelholze dicht an der Erde recht kräftig wieder, das andere 
jedoch, einige Zoll höher veredelt, nicht. Die Beauty of Prairie hatte sich 
nicht lassen aus der Fassung bringen, wuchs im Frühjahr lustig fort und 
triumphirte seiner Zeit mit einer grossen Menge der schönsten Bouquets, 
ist also als ganz hart anzusehen. 

Dass Fuchsien, besonders die beiden alten, aber reizend und dankbar 
blühenden F. globosa und gracilis, unter leichter Decke mit Erfolg im 
Freien überwintern, bei dieser Methode sich jährlich aus der Wurzel ver- 
jüngen und einen reichen prächtigen Flor hervorbringen, ist wohl jedem 
Gärtner bekannt, dennoch dürfte es Manchen überraschen, wenn ich ver- 
sichere, dass dieselben unter Umständen auch ohne Bedeckung aushalten. 
Ein vor einigen Jahren beim Auspflanzen zurückgelegtes altes Exemplar 
der F. globosa wurde, um nicht gerade weggeworfen zu werden, an die 

18* 



276 Jahres -Bericht 

östliche Wand eines Gebäudes gepflanzt, wo es blühte, später aber nicht 
mehr beachtet wurde; zufälliger Weise wurde es im nächsten Frühjahre 
beim Umgraben des Beetes verschont, und es dauerte nicht lange, so 
entsprossten dem Wurzelhalse eine Menge kräftiger Triebe, die sich später 
stark verästelten und mit unzähligen Blüthen bedeckt waren. Dasselbe 
wiederholt sich seitdem jedes Jahr, ohne dass die Pflanze einen anderen 
Schutz als die ihr von der Natur gewährte Schneedecke erhält. 

Aehnliche Erfahrung machte ich vor etwa 10 Jahren mit einem alten 
einfach blühenden Oleander und einem alten Melianthus major, welche, 
beide ausgepflanzt, den damals allerdings milden Winter in so weit aus- 
hielten, dass sie im Frühjahr unten wieder ausschlugen, der zweite Winter 
machte beiden Pflanzen freilich den Garaus. Yucca gloriosa und fdamentosa 
halten unter guter Decke ebenfalls im Freien aus, doch wird man wohl 
nie schöne ausgewachsene Exemplare erzielen, da die über der Erde 
befindlichen Theile regelmässig zu Grunde gehen. 

Suchen wir die Nebenumstände zu erforschen, welche die schädlichen 
Wirkungen solcher sirengen und wechselvollen Winter mehr oder weniger 
begünstigen können, so finden sich bei aufmerksamer Beobachtung ausser 
den bereits angedeuteten noch deren mehrere. In erster Reihe derselben 
stehen wohl unbedingt die allzu plötzlichen Temperaturwechsel, welche 
dann am gefährlichsten werden, wenn die Jahreszeit schon vorgeschritten 
ist und die Pflanzensäfte sich bereits in Circulation befinden. Nur in 
wenigen Fällen kann hier schützend eingegriffen werden, z. B. durch 
geeignete Bedeckung die zarten Freilandpflanzen vor unmittelbarer Be- 
rührung der eisigen Luft zu bewahren, oder auch die, die Vegetation 
erweckenden und fördernden Strahlen der höher steigenden Sonne abzu- 
halten, was z. B. bei Spalierbäumen und kleineren Pflanzen gut ausführ- 
bar ist und wohl auch allgemein angewendet wird. — Ungeeignete Lagen 
und ungünstige Bodenverhältnisse sind fast noch gefährlicher. Durch 
Schutzpflanzungen, Boden Verbesserung, Drainage lässt sich hiergegen viel 
thun, wo diese aber nicht angänglich sind, sollte man nur mit solchen 
Culturen vorgehen, welche auf Grund vielseitig langjähriger Erfahrungen 
sich für die vorhandenen Verhältnisse eignen; Sorglosigkeit hierbei straft 
sich in der Regel bitter. Bei Verwendung solcher Pflanzen, deren Aus- 
dauer in unserem Klima nicht unzweifelhaft festgestellt ist, sollte über- 
haupt grössere Vorsicht angewendet werden, weil leicht solche unvorher- 
zusehende Fälle eintreten können, denen dann unsere Lieblinge erliegen 
müssen. 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 277 

Ueber chemische Salzdüngung bei der Gartencultur. 

Von Apotheker M. Scholtz in Jutroschin. 



Auch in diesem Jahre setzte ich meine Versuche mit chemischen 
Salzdüngungen fort und erlaube mir darüber zu berichten. Dass die auf- 
gegangene Saat der Sellerie äusserst kräftig wird, wenn man sie mit 
Kochsalz bestreut, habe ich, wenn ich nicht irre, schon früher erwähnt 
und füge ich dem nur bei, dass im Sommer auf die Selleriebeete ge- 
streutes Kochsalz ebenfalls die besten Erfolge nach sich zieht. Neue 
Proben in diesem Jahre sind folgende gemacht: 

J) Abgeblühte und zurückgeschnittene Sommer -Levkojen konnten 
durch ein Gemisch von Schwefelkalium (Schwefelleber) und Chlorammonium 
(Salmiak), in Wasser gelöst, nicht zu weiterem Blühen gebracht werden, 
obwohl sie Schwefel und Ammoniak zu ihrem Gedeihen gebrauchen und 
beides ihnen so in leicht assimilirbarer Form geboten wurde. Noch nicht 
im Blühen begriffene und klein gebliebene, schmächtige Levkojen des 
Hochsommers bekamen je einen Theelöffel eines Gemisches von gleichen 
Theilen gestossenen Salpeters und Salmiaks, welches ich auf die Erde an 
die Wurzeln streute, worauf die Pflanzen ein paar Mal angegossen wurden. 
Die Wirkung war eine überraschende. Binnen wenigen Tagen zeigte sich 
üppiges Wachsthum und darauf prachtvolles Blühen. Die Pflanzen blieben 
bis zum Eintritt des Winters gesund und in Flor. 

2) Von E n di v i e n , nämlich der ächten Endivie — Cichorium Endivia — 
und nicht der leider durch das Belieben der Handelsgärtner zu einem 
ganz unpassenden Namen verholfenen Sommer-Endivie, welche ein Lacluca 
ist, wurde ein Theil mit Salpeter, ein Theil mit Salmiak und Salpeter 
bestreut und sofort so lange begossen, bis alles Salz abgespült war, weil 
die Blätter dieser Pflanzengattung die Berührung mit so scharfen Salzen 
sichtlich nicht vertragen. Eine Wirkung war bei beiden Versuchen voll- 
ständig unbemerkbar. 

3) Versuche bei Salat (Lactuca) wurden nur in kleinem Maassstabe 
angestellt und müssen von mir wiederholt werden; es schien jedoch, als 
ob Salmiak eine günstige Wirkung äussere, jedoch war sie nicht auf- 
fallend, ist aber möglicherweise zu sehr reducirt worden durch die gerade 
in diesem Sommer dem Gedeihen der Salat so ungünstigen Witterungs- 
Verhältnisse. 

4) Versuche bei Blumenkohl (Karviol). Im Sommer und zwar 
Anfang Juli zur Herbstcultur ausgepflanzte Pflanzen entwickelten sich 
durch mühsame und aufmerksame Pflege stattlich, erwuchsen jedoch nicht 
hinlänglich, um von ihnen im Herbste Rosen zu erwarten. Jede Pflanze 
erhielt daher einen gehäuften Esslöffel eines Gemisches von gestossenem. 



278 Jahres- Bericht 

Salmiak und Salpeter, worauf wiederholt stark angegossen wurde. Die 
Wirkung war erstaunlich. Ueppig entwickelten sich die Pflanzen und 
strotzten in Saft und Kraft. Leider konnte der zeitig eingetretenen Kälte 
wegen, und weil ich mein Gärtchen, was seit 2 Jahren nicht geschehen 
war, düngen musste, die Bildung der Blumen nicht abgewartet werden 
und war ich gezwungen, die Pflanzen auszuheben und nach Abnahme 
aller grösseren Blätter und Abschütteln aller überflüssigen Erde von den 
Wurzeln in einen finsteren, warmen Keller in feuchten Sand zu pflanzen. 
Dort bildeten sich schon nach 12 bis 18 Tagen Rosen, von welchen die 
besten 5 Zoll Durchmesser hatten und überaus zart und schmackhaft 
waren. 

Hiermit sollen meine Versuche mit Salzdüngungen in Betreff der 
Salze wie auch der Pflanzen noch keineswegs abgeschlossen sein. Leider 
steht mir nur zu wenig Raum zu Gebote, um vergleichende Atengen- 
versuche zu gleicher Zeit anstellen zu können. Ueber die Principien, 
welche mich bei meinen Proben leiteten, sei im Allgemeinen noch 
Folgendes bemerkt: 

Dass die Theorie über die Wirkung des Düngers auf das Pflanzen- 
leben noch nicht geklärt, noch nicht definitiv abgeschlossen ist, wird 
Jeder bekunden, der darüber nachgedacht, darüber gelesen hat. Der 
Empiriker bedarf einer solchen wissenschaftlichen Sondirung freilich nicht, 
wohl aber der wissenschaftlich vorwärts strebende, geistig arbeitende 
Mensch, und ich hoffe daher, dass so mancher meiner geehrten Leser 
diese Zeilen, als revolutionär, nicht bei Seite legen, sondern sie als einen 
Versuch im Vorwärtsstreben betrachten wird, selbst wenn sie auch nichts 
Neues, nichts Vollkommenes bringen. 

Ohne Zweifel nimmt die Pflanze aus dem Boden nur Mineraltheile 
auf und könnten wir uns einen Dünger ohne jede mineralische Beifügung 
denken, so würde die Wirkung desselben lediglich durch die Auflockerung 
der Erde und dadurch erzielt werden, dass durch diese wiederum Luft 
und Licht zur Wurzel tritt, ausserdem jedoch wesentlich durch die in 
Folge der chemischen Zersetzung der organischen Stoffe erzeugte Wärme. 
(Ich ziehe das Wasser hierbei nicht in den Bereich meiner Betrachtung.) 
Die Pflanze würde unter solchen Verhältnissen verschmachten; sie gliche 
einem Menschen ohne Knochen. Denken wir uns also die Mineraltheile 
als das Knochengerippe der Pflanze und denken wir daran, dass mit Kalk 
gebackenes Brodt für Kinder nahrhafter ist als anderes, weil es ihnen die 
Knochenbildung erleichtert, so muss auch einfach eine Pflanze besser ge- 
deihen, wenn ich ihr die Stoffe zu ihrem Gerippe reiche, vorausgesetzt, 
dass die anderen Factoren : Luft, Licht, Wasser, Wärme, vorhanden sind. 
Für viele Fälle wird der mit chemischen Kenntnissen ausgerüstete Mann 
schon das Letztere beweisen können, für die bei weitem meisten Fälle 
schwebt ein geheimnissvolles Dunkel über diese Frage. Ebenso wird in 



der Schles. Gcscllsch, f. vaterl. Cultur. 270 

vielen Fällen eine Verbindung aus rein organischen Stoffen in gleiche 
Urngestaltung zu Nutzen der Absorbtion der Pflanzen und ihrer Existenz 
gebracht werden, sei es in der Erde oder in der Zelle. Der Stickstoff 
wird zu Gunsten der Pflanze jedenfalls erst in der Zelle zur Aufnahme 
aus seinen Verbindungen in andere passende umgestaltet und nicht in der 
Erde. Jenen reinen Stickstoff, welchen die Pflanzen in grosser Menge 
aus der atmosphärischen Luft aufnehmen, lasse ich hier ebenfalls ausser 
Betracht. Verbindungen organischer Natur, welche des Stickstoffes halber 
als Düngstoffe verwerthet werden, wie z. B. Guano, müssen ganz bestimmt 
erst in der Erde eine Reihe von chemischen Umsätzen erfahren, ehe sie 
zur Aufsaugung durch die Wurzel tauglich werden. Man betritt hier ein 
so weites Feld der Forschung mit so vielen Nebenwegen und Stegen, 
dass man sich leicht verirren kann. 

Von diesen Grundsätzen ausgehend, gab ich den Pflanzen die oben 
verzeichneten Salze, wobei mich der Gedanke leitete, dass der Stickstoff 
im Salpeter und im Salmiak im Boden chemisch aus seinen Verbindungen 
umgesetzt und durch irgend welche Umbildung zur Aufnahme geschickt 
gemacht wird; wird er frei von der Pflanze verlangt, so wird er jeden- 
falls schon und erst in den Wurzeln frei gemacht, um natürlich im 
weiteren Verlaufe der pflanzlichen, chemischen Thätigkeit in andere Ver- 
bindungen zu treten, welche die Pflanze zu ihrem Gerippe oder ihrer 
Production bedarf. 

An Stelle des Salpeters würde salpetersaures Natron — Chilisalpeter — 
in mancher Beziehung dasselbe leisten; da jedoch die grösste Anzahl der 
Pflanzen eine Menge Kali zu ihrer Ausbildung beansprucht, wählte ich 
den Salpeter, das salpetersaure Kali. Uebrigens ist noch zu erwägen, ob 
nicht die Pflanzen einiger Familien Salpeter direct aufnehmen? wenigstens 
kenne ich einige, die ihn stark enthalten. — Salmiak (Chlorammonium) 
tritt jedenfalls nicht direct in die Pflanzenzelle, sondern wird in Ammoniak 
und Chlor in der Erde zersetzt, welche beide wieder Verbindungen mit 
anderen Stoffen eingehen, die für die Pflanzen assimilirbar sind. Auch 
das Ammoniak ist so überreich stickstoffhaltig, dass dieser Umstand einer 
gleichen Besprechung in Betreff dieses Stoffes bedürfte, wenn nicht 
darüber schon vorher und beim Salpeter hinlänglich verhandelt worden 
wäre. In welcher Weise die Pflanze den Schwefel aufnimmt, ist noch 
weniger klar; wahrscheinlich ist, dass selbst noch der gewöhnliche Boden 
genug Schwefel enthält, um die Ausprüche der Pflanze zu befriedigen, 
daher Versuche damit unlohnend sind und ohne Resultate. Wir sehen 
dies an manchen Cruciferen, welche viel Schwefel enthalten und an recht 
sterilen Orten wachsen. Wollen wir den Schwefel nicht füglich als einen 
Bestandtheil des Pflanzengerippes betrachten, wozu mancherlei Gründe 
berechtigen, so bedarf manche Pflanze diesen Stoff doch sicherlich zu 
ihren Productionen und zwar in grosser Menge. Jedenfalls ist indessen 



280 Jahres-Bericht 

anzunehmen, dass der Schwefelwasserstoff der Luft von den Pflanzen auf- 
gesaugt und umgearbeitet wird. Gerade dieses Beispiel weist uns darauf 
hin, zu empfinden, wie gross die chemische Werkstätte in jeder Pflanze 
und wie ausgedehnt ihre chemische Thätigkeit ist. Die Erkenntniss der- 
selben veranlasst uns, ihnen ihre chemischen Arbeiten zu erleichtern und 
ihnen Chemikalien zu reichen, und so vernünftig dies ist, so lohnend ist es. 

Dass Kochsalz den Boden feucht erhält, also mechanisch wirkt, ist 
hinlänglich bekannt, ob es jedoch von der Pflanze aufgenommen wird, 
ist eine nicht zu bezweifelnde und leicht nachweisbare Thatsache. Bei 
allen diesen Bemerkungen darf man jedoch nicht vergessen, dass nicht 
eine und dieselbe Pflanze gleicher Salze bedarf und gleiche Mineraltheile 
aufnimmt; es ist das Bedürfniss danach bei den verschiedenen Pflanzen- 
Familien sicher auch ein ganz verschiedenes und nur die chemische Analyse 
und die daraus zu ziehenden Schlussfolgerungen können uns darüber be- 
lehren, was wir den Pflanzen geben müssen, um unseren Ansprüchen an 
ihre Wachsthumsverhältnisse gerecht zu werden. Im Allgemeinen ist be- 
stätigt, dass Pflanzen mit grossen Blättern viel Salzdüngung vertragen, 
resp. viel Salze assimiliren. Eine bekannte Familie, die der Cruciferen, 
nimmt jede Art von Salzdüngung günstig auf, käme man damit auch 
einmal etwas zu stark. Pflanzen mit Milchsaft vertragen wahrscheinlich 
auch ziemlich davon, während Compositen, wie ich beobachtet habe, nur 
vorsichtig damit behandelt sein wollen, wenngleich sie auch Milchsaft ent- 
halten. Daher sind auch meine Versuche mit Endivien und Salat so 
zweifelhaft nutzenbringend geblieben, weil beide nur wenig Salze bean- 
spruchen. Diese Pflanzen bedürfen aller Wahrscheinlichkeit nach haupt- 
sächlich einen humeusen, lockeren, Wasser, Luft und Wärme enthaltenden 
Boden, um zur grössten Vollkommenheit zu gelangen. 

Nochmals muss ich bemerken, dass ich bei meinen Voraussetzungen 
das Wasser als selbstverständlich nothwendig und zugegen ausser dem 
Bereich derselben gelassen habe; denn es wird Jedermann wissen, dass 
das Wasser ein wichtiger Factor bei fast allen chemischen Verbindungen 
ist und gerade den Pflanzen stets gegeben werden muss, sei es um die 
chemischen Nahrungsmittel für sie löslich zu machen, sei es um ihre 
körperliche Ausdehnung zu vermitteln und das durch Wärme und Luft 
entzogene Wasser zu ersetzen. 

Meine hier vorgetragenen Betrachtungen bitte ich nur als einen Ver- 
such ansehen zu wollen zur Hilfeleistung bei der Klärung unserer Ge- 
danken über die pflanzliche Natur. 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 281 

Von der Cultur der Alstroemerien in Töpfen. 

Von Kunst- und Handels -Gärtner W. Kühn au in Breslau. 



Die Masse der in Töpfen cultivirten Pflanzenarten ist so gross und 
die Auswahl unter ihnen, besonders für den Blumenliebhaber, der nicht 
gerade Fachmann ist, so schwierig, dass es nicht überflüssig erscheinen 
dürfte, gelegentlich auf einige dieser Cultur werthe und dennoch wenig 
verbreitete Pflanzenarten die Aufmerksamkeit zu lenken. 

Zu dieser Zahl gehören die peruanischen und chilenischen Alstroemerien, 
von denen ich hier einige Worte zu sprechen mir erlauben will. Die 
eigenthümliche Form der sechsblätterigen Blumenkrone, sowie deren zarte, 
zwischen röthlich weiss und carmoisinroth einerseits, und gelblich weiss 
und orange andererseits variirende, durch verschiedenfarbige Punktirungen 
und Strichzeichnungen unterbrochene Färbung, die grosse Zahl der bei 
günstiger Cultur aus einer Knolle emporwachsenden Blüthenstengel, ver- 
bunden mit meergrüner Belaubung, sowie ziemlich langem, auf die 
Monate Juni und Juli sich erstreckenden Flor machen sie zu einer Flor- 
blume ersten Ranges. Die verhältnissmässig geringe Verbreitung der 
Alstroemerien, trotz ihrer Vorzüge, mag allein darin ihren Grund haben, 
dass ihre Cultur einige Schwierigkeiten hat und allerdings leicht gänzlich 
fehlschlägt. Auch mir ist es widerfahren, meine Culturversuche mehrere 
Jahre gänzlich fehlschlagen zu sehen- dagegen habe ich zuletzt voll- 
kommen günstige Resultate erzielt und will nun die Früchte meiner 
Beobachtungen hier möglichst kurz wiedergeben. 

Sobald die ersten grünen Spitzen der jungen Stengel über der Erde 
der Töpfe erschienen, im Januar bis Februar, habe ich die Knollen aus 
der Erde genommen, von der alten Erde gereinigt und in drei- bis vier- 
zöllige Töpfe in Pferdedünger- oder Laub-Erde, der etwas Sand beige- 
mischt war, eingepflanzt, etwas angegossen und im kalten Hause dicht 
unter Glas gestellt. Hier wuchsen die jungen Stengel langsam, aber 
kräftig und gedrungen fort. Die erste Zeit des Wachsthums der jungen 
Stengel scheint mir die entscheidende für ein günstiges Resultat der Cultur 
zu sein. Stehen die Töpfe weit vom Licht, so werden die jungen Stengel 
lang und schlaff und für das laufende Jahr ist der Flor verdorben. Im 
März oder April waren die Töpfe mit Wurzeln angefüllt und schienen 
den Pflanzen nicht mehr Raum genug für kräftiges Wachsthum zu bieten. 
Diesem Mangel half ich während einiger Wochen durch Begiessen mit 
aufgelöstem Guano nach, freilich nur an trüben Tagen und bei feuchtem 
Zustande des Wurzelballens. Der Erfolg zeigte sich schnell durch offen- 
bare Ueppigkeit des Wachsthums. Dann habe ich die Pflanzen in circa 
2 Zoll grössere Töpfe verpflanzt, in ein lauwarmes Mistbeet gebracht 



282 Jalires-Bcrichl 

und in Sägespane so weit auseinander eingesenkt, dass sie reichlich 
Raum hatten sich auszubreiten; hier habe ich sie Anfangs geschlossen 
gehalten, dann aber reichlich Luft gegeben, auch bei günstigem Wetter 
durch Schattengeben gegen zu heissen Sonnenschein geschützt. 

Unter den angegebenen Verhältnissen entwickelten sich die Stengel 
sehr kräftig, so dass ich sie durch öfteres Heben des Mistbeetkastens vor 
der Berührung mit dem Glase schützen musste. Ungefähr 3 Wochen 
nach dem Verpflanzen waren die Alstroemerien schon wieder durch- 
gewurzelt und ich half wieder durch ßegiessen mit Guanowasser nach. 
Mitte oder Ende Mai, wo schon die Blüthenknospen als kleine Knötchen 
sich an den Spitzen der Zweige zeigten, habe ich die Alstroemerien dann 
zum letzten Male in entsprechende, 6 bis 12 Zoll im Durchmesser grosse 
Töpfe verpflanzt, sie darauf geschlossen gehalten und im Juni ganz im 
Freien an einer halb schattigen Stelle in Sand eingesenkt. Hier, wo sie 
auf dem Gipfelpunkte ihres Wachsthums angelangt waren, habe ich sie 
sehr reichlich, wöchentlich sogar 2 bis 3 Mal mit Guanowasser begossen 
und sah eine Blüthe nach der anderen sich normal entfalten. Es waren 
jetzt grosse üppige Büsche mit 10 bis 30 Stengeln geworden, deren jeder 
eine Dolde mit 6 bis 10 Blumen trug, die einen Raum von je 2 bis 
2*/ a Fuss Durchmesser einnahmen. In diesem Zustande gewährten sie 
einen herrlichen, dem verwöhntesten Auge wohlthuenden Anblick. — Als 
der Flor sich seinem Ende zuneigte, liess ich durch allmälig knapperes 
Begiessen die Knollen in den Ruhestand zurückkehren und stellte die 
Töpfe mit den Knollen für den Rest des Jahres an einen ganz trocke- 
nen Ort. 

Aus dem Gesagten ergiebt sich von selbst, dass die Cultur der 
Alstroemerien für den Handelsgärtner, der Alles möglichst billig liefern 
soll, wenig gewinnbringend sein dürfte, wohl aber dem Blumenliebhaber, 
dessen Culturen nur den Zweck haben, ihm Vergnügen und Freude zu 
machen, und der die nöthigen Mittel besitzt, sehr zu empfehlen ist; wie 
denn das Gesagte auch nicht meiner hiesigen Praxis entnommen, sondern 
eine Reminiscenz ist aus meiner Thätigkeit als Gärtner des Herrn Frei 
herrn v. Richthofen auf Damsdorf. 



Ueber alpinische Gewächse und deren Cultur. 

Von Kaufmann Hut stein in Breslau. 



Es gehört jedenfalls schon zu den angenehmen Beschäftigungen, sich 
mit der Erziehung jeglicher Pflanzen abzugeben, aber ein ungleich höheres 
Interesse bietet die Behandlung und Cultur alpinischer und damit in naher 



der Schles. Gescllsch. f. vaterl. Cultur. 283 

Verbindung stehender einlieimischer Gewächse. Hier wird nicht die Rede 
davon sein können, mit diesen Pflanzen Mastculturen vorzunehmen, wo 
es sich darum handelt, diese zu vervollkommnen, d. h. den Blätter- und 
Blüthenreichthum zu vermehren, sondern lediglich darum, die Pflanzen 
naturwüchsig zu erziehen. 

Den Charakter, den die Pflanze auf ihrem nackten Gletscherfelsen, 
auf der humusreichen Wiesenmatte, auf dem sterilen Granit, Kalk, Basalt 
und Porphyr oder noch ärmerem Sandboden, hier trockenem, dort nassem 
Grunde, hier schattig, halbschattig, dort frei der Sonnengluth ausgesetzt, 
besitzt, müssen wir suchen auf unserem Culturfelde zu erhalten und uns 
in alle Lebensbedingungen hinein denken, die der Pflanze während ihrer 
Vegetations- und Ruheperiode begegnen. Es liegt daher auf der Hand, 
dass, um nur einigermassen ein solches Ziel zu erreichen, langjährige 
Beobachtungen, Versuche, Erfahrungen, Geduld, Zeit und Geld erforder- 
lich sind. Man wird anfänglich nicht mit schwierigen Culturen beginnen 
können, am allerwenigsten mit den misslichen Hochalpinen, als: Azalea 
procumbens, den Rhododendra, Eritrichium nanum, Androsace Helvetica und gla- 
cialiSj Dianthus glacialis, Gentiana brachyphilla u. s. w., wenn sich nicht 
durch misslungene Erfolge die Muthlosigkeit unserer bemächtigen soll. 
Es empfiehlt sich daher, mit den leichter fortwachsenden Pflanzen, als: 
Saxifrageen, Cruciferen, Crassulaceen, Compositen, Ranunculaceen u. s. w., 
den Anfang zu machen und ihnen eine passende Erdmischung, geeigneten 
Standort und die erforderliche Feuchtigkeit zu gewähren. Fast alle 
Saxifrageen bilden saftige, rasenförmige Polster, geben daher allein schon 
in der Anlage den hervortretenden alpinischen Charakter. Sie lieben 
meist sandigen, lockeren, humuslosen Lehmrasenboden, massige Feuchtig- 
keit, viel freies Tageslicht, Morgen- und Abendsonne. Zur leichten Cultur 
empfehlen sich Saxifraga caespitosa, exarata, hypnoides. moschata, museoides^ 
pedemontana, densa, ajugaefolia, pedafidida^ parviflora, Cotyledon, Aizon, 
crustata, mutata. Schwieriger, aber unter sorgfältiger, geeigneter Ein- 
pflanzung und Pflege unter sonst ziemlich gleichen Bodenverhältnissen 
fortzubringende sind die folgenden: Saxifraga Burseriana (liebt auch kalk- 
haltigen Sand und mageren Rasenlehm), squarrosa, caesia, patens, retusa^ 
oppositifolia, Rudolphiana y biflora, Kochii. Sie gedeihen auch in einer Erd- 
mischung aus sandiger Haide- und sandiger Lehmerde bestehend. Für 
gute Wasserabzüge muss gesorgt werden. Oefteres leichtes Brausen ist 
allen Alpinen dienlich. Saxifraga aspera, bryoides, tenella, Haide-Sand, 
etwas Rasenerde; S. aizoides^ stellaris, Clusii, cuneifolia, umbrosa, schattige 
und feuchte Standorte; S. sedoides, planifolia, androsacea, humöse feuchte 
Orte, Erdmischung wie oben. 

Alle Cruciferen wie auch alle Crassulaceen sind leicht zu eultiviren, 
gedeihen auf leichtem, sandigen Boden und bedürfen mit wenigen Aus- 
nahmen sehr sonniger Standorte. Von Ersteren empfehlen sich folgende 



284 Jahres -Bericht 

zur C u Hur: Arabis alpina, stricta, pumila, bellidifolia, coerulea, Cardamine 
asari und resedifolia, Braya alpina, Alyssum saxatile und montanum, Potro- 
callis pyrenaica, Draba aizoidis, tomentosa und ciliata, Tlaspi alpinum und 
rolundifolium, Iberis saxatilis, Hutchinsia alpina, Aethionema saxatile. Von 
Crassulaceen sind anzuführen: alle Sedum- und Sempervivum- Arten. — 
Die Compositen, sie verlangen fast noch ärmeren Boden, Sand oder Kies, 
viel Sonne. Anzuführen sind als culturwürdig: Gnaphalium nonoegicum, 
supinum, Leontopodium, dioicum und carpathicum, Artemisia lanata, mutellina, 
spicata und nana, Achillea alpina, Clavennae, moschata, nana, tomentosa und 
lanata, Chrysanthemum alpinum, Senecio carnioliedea und incanus, Carlina 
acaulis, Centaurea axillaris, Crepis aurea und grandißora, Soyeria hyosediri- 
folia. Feuchten Sandboden verlangt Arnica montana, nahrhafteren Boden, 
Feuchtigkeit und Schatten Homogyne alpina und discolor. — Von Ranun- 
culaceen mögen erwähnt werden : Atragena alpina, Thalictrum aquilegifolium, 
Anemone vernalis, Pulsatilla montana, narcissiflora, alpina, baldensis und 
trifoliq, Adonis vernalis, Ranunculus rutaefolius, glacialis und alpestris, Trollius 
europaeus, Helleborus niger, Isopyrum thalictroides, Actaea spicata. 

Als besonderer Schmuck und Zierde für jede Alpenanlage empfehlen 
sich alle Ericineen, jedoch ist ihre Cultur nicht leicht, deren gesundes 
dauerndes Fortleben mit vielen Erfahrungen verknüpft. Wir sehen unser 
gewöhnliches Haidekraut „Calluna vulgaris u zu Tausenden wachsend, 
wuchernd auf Moor- und Sandflächen, und dennoch vergeht geraume Zeit, 
ehe man in Anlagen diese Pflanzen fortbringt. Rechtzeitiges Einpflanzen, 
lockerer, sandiger, humusreicher Boden sagen ihnen als Nahrung beson- 
ders zu, freier, sonniger Standort, massige Feuchtigkeit der Erdschichten, 
aber viele und öftere feuchte Luft, die nur durch Bebrausen gewährt 
werden kann. Gleiche Cultur erfordernd und zur Anpflanzung besonders 
zu empfehlen sind: Erica Tetralix, cinerea und carnea, Azalea procumbens, 
Rhododendron ferrugineum, hirsutum und chamaecistus , Ledum palustre, Pyrola 
rotundifolia, minor, media, uniflora und umbellata. Letztere Pflanzen, die 
Pyrolaceen, bieten noch grössere Schwierigkeiten in der Cultur als alle 
übrigen. Halbschattiger Standort, gleichmässige Erdfeuchtigkeit, lockerer, 
sandiger Boden sind Hauptbedingungen. Zu diesen gehören auch die 
Droseraceen, Parnassia, Silenen, als: Dianthus alpinus, glacialis, deltoides, 
caesius, Silene alpestris, pumilio, saxifraga, quadrifolia und acaulis, Primula 
farinosa, longiflora, acaulis, villosa, spectabilis, integrifolia, Floerkeana, minima, 
ferner: Cortusa, Soldanella, Androsace helvetica, glacialis und villosa, Cha- 
maejasme lactea, carnea, Acetia, Vitaliana. Alle diese können ihres Blüthen- 
reichthums wegen nicht genug empfohlen werden, die Cultur ist nur bei 
Einzelnen schwierig. Standorte und rechtzeitige Einpflanzung, also ent- 
weder vor dem ersten Frühjahrstriebe, oder vor dem zweiten Herbsttriebe, 
sind besonders zu berücksichtigen. 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl, Cultur. 285 

Die Orchideen, meist sandige Lehmerde, gleichmässige Feuchtigkeit 
liebend, verdienen nur bedingungsweise zur Cultur empfohlen zu werden, 
ihre sichtbare Vegetation ist von zu kurzer Dauer. 

Den Schmuck und die grüsste habituelle Schönheit und Mannigfaltig- 
keit bieten noch für alpinische Anlagen die Farrenkräuter. Ein grosser 
Theil dieser, meist tiefen Schatten liebenden Pflanzen gedeiht in humus- 
reichem Sandboden und gleichmässiger Feuchtigkeit, nur wenige vertragen 
Sonne und Trockenheit. 



Ueber einige einheimische Waldgewächse und deren 
Verwendung in Gärten. 

Von Hofgärtner W. Peicker in Räuden. 



Freundlicher Aufforderung nachkommend, unternehme ich es wiederum, 
aus meiner gärtnerischen Praxis einige Notizen hervorzusuchen und für 
Sectionszwecke zu besprechen, die zwar vielen der davon Kenntniss- 
nehmenden nichts Neues bieten, Manchen indess einiges Erwünschte in 
frische Erinnerung bringen, Anderen wohl auch zum Theil bemerkens- 
werth erscheinen dürften. — Bruchstücke sind's, die zum Ganzen etwas 
beitragen sollen. 

Da mein hiesiger Wirkungskreis, wie ich bereits früher zu erwähnen 
Gelegenheit hatte, von einem recht respectablen Wäldercomplex umrahmt 
ist, so hatte und nahm ich natürlich seither auch öfter Gelegenheit, mit 
den inneren vegetativen und sonstigen Reitzen dieses, für landschaftliche 
Ideale äusserlich nichts weniger als sympathen Colossal-Naturrahmens 
mich speciell bekannt zu machen; zum Theil auch wohl, um von gegen- 
theiligen Bildern darin mich zu überzeugen. 

Dieser näheren Bekanntschaft nun verdanke ich einige recht beachtens- 
werthe Acquisitionen für gärtnerische Zwecke, auf die ich zunächst auf- 
merksam machen will, und stelle davon oben an: Osmunda regalis, das 
Königsfarren. — Wer dieses herrliche Farrenkraut an seinem heimath- 
lichen Standorte vegetiren und auf dem Culminationspunkte seiner Ent- 
wicklung paradiren sieht, wird ihm die volle Berechtigung zu seiner 
majestätischen Benennung gewiss nicht absprechen, und wird zugleich auch 
zugeben müssen, dass es auch für decorative Zwecke in der Gartencultur 
hohen Werth zur Schau trägt. Nicht nur seine ungewöhnlichen Dimen- 
sionen, verbunden mit dem prächtigen Schnitt seiner Wedel, sondern auch 
die von den meisten übrigen Arten dieser Pflanzenfamilie ganz abweichende 
Art seiner Fructification machen es zu einer sehr bevorzugten Erscheinung 



286 Jahres -Bericht 

in derselben. Von diesem heimathlichen Waldbewohner verpflanzte ich 
vor einigen Jahren mehrere Exemplare in den hiesigen Park an einer 
schattigen, massig feuchten Stelle in sandige Moorerde und habe die 
Freude, es seitdem auch an diesem unfreiwilligen Standorte kräftig ge- 
deihen zu sehen. Ich glaube demnach auch keine Barbarei zu begehen, 
wenn ich jedem Interessenten, dem sich günstige Gelegenheit hierzu dar- 
bietet, empfehle, dieses königliche Neutrum seinem Domicil in versteckter 
Waldromantik zu entführen und für die Phantasie moderner Natur- 
verschönerung praktisch auszubeuten. Wem dagegen die Erfüllung etwa 
erweckter Sehnsucht für solche Waldschönheiten nicht so bequem gemacht 
ist, der wähle, um bei diesem Vergleich zu bleiben, den humaneren Weg 
und suche sich solche Individuen aus der Gefangenschaft handelsgärt- 
nerischer Anstalten einzulösen und ihre Liebe durch möglichste Milderung 
zur Schau tragenden Heimwehs zu gewinnen. 

Dies gilt auch für Strutiopteris germanica, dem „Straussfarren". Wenn 
Osmunda regalis das Königliche, so repräsentirt dieses sicherlich das Hoch- 
fürstliche in dieser heimathlichen Pflanzenrace ! Ueber das Vorhandensein 
desselben in der Nähe wurde ich erst in neuerer Zeit orientirt, so dass 
ich erst die nächst beginnende Vegetationsperiode abwarten muss, um 
von demselben geeignete Verwendung in den hiesigen Anlagen zu machen; 
nachdem ich mich jedoch von der grossen Schönheit dieses Farren, be- 
sonders an seinem natürlichen Standorte, überzeugte, unterlasse ich nicht, 
auch hier zugleich von Neuem darauf aufmerksam zu machen. 

Auch Blechnum boreale entriss ich vor schon mehreren Jahren seiner 
nachbarlichen Waldeinsamkeit und habe die Genugthuung, dass auch 
dieses wilde Kind mit dem ihm angewiesenen civilisirten Standpunkte sich 
eben so zufrieden zeigt, als ich Ursache habe, mit seinen graciösen For- 
men und niedlichen Proportionen zufrieden zu sein. Facit: Man vergesse 
Blechnum boreale nicht! 

Wenn die bisher genannten 3 Arten, zunächst in Bezug auf ihre 
natürliche Verbreitung, gewissermassen die Aristokratie unter den Farren 
unserer heimathlichen Wälder vertreten, so darf man Pteris aquilina und 
Aspidium filix mas mit seinen verwandten Arten gewiss als das Volk 
unter denselben betrachten. Das Erstere glaube ich für gärtnerische 
Zwecke nicht in Betracht ziehen zu können, weil sein Naturell der künst- 
lichen Verwendung wesentliche Schwierigkeiten entgegensetzt. Dagegen 
ist der reiche Werth des letzteren Genus nicht zu unterschätzen. So 
vielfach dies auch längst erkannt und in Anerkennung geblieben ist, so 
glaube ich doch seine Erwähnung hier nicht übergehen zu dürfen. 

Nachdem ich hiermit meine Ausbeute hier heimischer Farren für 
gärtnerische Zwecke vorläufig erschöpft habe, komme ich zu einer anderen 
Pflanze, die sowohl in hiesigen Nadelholzwaldungen, als auch — und zum 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultnr. 287 

Theil noch mehr — in Laubholzwäldern und Hainen durch die ganze 
Provinz verbreitet ist, sich aber in ihrem natürlichen Standorte wenig 
oder gar nicht augenfällig bemerkbar macht, wenn man nicht besonders 
darauf fahndet. Ich meine Asarum europaeum, die Haselwurz. Die ßlüthe 
dieses zu den Aristolochiaceen gehörenden Gewächses spielt, vom gärt- 
nerischen Standpunkte betrachtet, weder eine in der Form interessante, 
noch in der Farbe brillante, noch überhaupt eine Rolle, sie ist vielmehr 
höchst unscheinlich und versteckt. Auch die Hauptzierde der Pflanze, 
die Blätter, sind an dem natürlichen Standorte derselben meist so spär- 
lich vereinzelt vertheilt und auf dem Boden aufliegend, dass man so der 
Pflanze weder einen decorativen Werth ansieht, noch es einem ungeübten 
Auge leicht wird, sie zu finden. Dass es mit diesem Asarum dagegen, 
in die Gartencultur aufgenommen und geeignet verwendet, sogleich ein 
ganz anderes Ding wird, soll, wem es nicht schon bekannt ist, in Fol- 
gendem nachgewiesen werden: 

Ich sah Asarum europaeum vor mehreren Jahren zuerst und, wenn es 
nicht an anderen Orten meinen Beobachtungen entgangen ist, auch allein 
auf der Pfauen-Insel bei Potsdam angewandt und war sogleich von seiner 
Anwendung als Einfassung einer, mit verschiedenen immergrünen und 
perennirenden Pflanzen und von seinem zur Schau getragenen Charakter 
so angesprochen, dass ich mir vornahm, wegen seines etwaigen Vor- 
handenseins in den hiesigen Wäldern zu recognosciren, wo ich denn auch 
bald eine reiche Ausbeute zu rinden das Glück hatte. Da ich um die- 
selbe Zeit auch mit der Anlage eines neuen, isolirten Platzes an einer 
schattigen Stelle im hiesigen Park beschäftigt war, auf welchem Farren- 
kräuter, Immergrün, Epheu etc. in Anwendung kamen, so war mir der 
gesuchte Fund als weiteres Material doppelt erwünscht. Während nun 
in dieser Anlage den Mittelpunkt eines fast kreisrunden Rasenplatzes ein 
alter, knorriger, todter Eichenstamm, berankt mit wildem Wein, Epheu etc., 
bildet, der an seinem Fusse zugleich mit üppigen Aspidien umgeben ist, 
liegen um denselben in strahlenförmiger, schwach abgedachter Ausbreitung 
regelmässige Beetformen, die in abwechselnder Reihenfolge buntes Immer- 
grün und gewöhnlicher Epheu bedecken. In einiger Entfernung zieht 
sich nun jetzt um diese Gruppirung, frei im Rasen, eine Bordüre von 
Asarum europaeum, die, mit den innerhalb liegenden Epheu- etc. Beeten 
correspondirend, wiederum kleine Kreise bildet, in welchen Farrenkräuter 
einzeln placirt sind. Der Erfolg dieser Asarum-Anpflanzung war ein über- 
raschender! Die höchst spärlich mit Blättern versehenen, dem Walde 
entnommenen dünnen Ranken entwickelten schon im ersten Jahre eine 
solche Blätterfülle, die nichts zu wünschen übrig Hess, und stellt diese 
Bordüre seitdem einen schönen, regelmässig gerundeten, glänzend dunkel 
immergrünen Kranz dar, in welchem die zierlichen hellgrünen Aspidien 
sich effectvoll abheben. Ich halte hiernach diese Pflanze für eben so 



288 Jahres-Bericht 

culturwürdig wie Epheu und Immergrün, mit welchen sie in wildem Zu- 
stande oft gemeinsam auftritt. 

Unter den Ericineen ist Andromeda polifolia in hiesigen Wäldern oft 
vertreten und für Moorbeete in schattigen Stellen künstlicher Anlagen, 
sowie auch für Topfcultur als eine recht nette, nicht schwer zu eul- 
tivirende Pflanze sehr beachtenswerth. Dagegen setzten die hier eben- 
falls viel vertretenen schönen Pyrola-Arten einer künstlichen Cultur bisher 
zähen Widerstand entgegen und bestätigten auch mir, was vielfach schon 
bekannt ist. 

Endlich mache ich noch auf ein Gehölz aufmerksam, welches zu all- 
gemein bekannt ist, als dass es eines Signalements für dasselbe bedürfte. 
Wer kennt nicht den gemeinen Wachholder, Juniperus communis f Bald 
sieht man seine Früchte für officinelle Zwecke, bald sein Geäst zur 
Fleischräucherei, bald als Schutzmittel gegen diverse Gartenfeinde, Mäuse 
etc., vielleicht auch wohl gegen Hasen (womit es jedoch sein gefährliches 
„Aber" hat) verwenden. Im Allgemeinen jedoch gilt diese Pflanze als 
ein werthloses Unkraut, während sie in der That zum Theil ein sehr 
schätzbares Material in der ästhetischen Gartencultur liefert. Wer eine 
Ahnung oder schon die Ueberzeugung davon hat, welch prächtige Pyra- 
miden von Juniperus communis sich ziehen lassen, welche an schlankem 
Wuchs und Regelmässigkeit keiner ächten Cypresse nachstehen, wird 
diese gemeine Pflanze nicht mehr mit Geringschätzung ansehen. Freilich 
tragen die gemeinen Wachholder nicht durchweg den ornamentalen Cha- 
rakter von Haus aus an sich, was zum Theil im Naturell dieser Species 
selbst, zum Theil auch in der häufigen Nachstellung für oben angedeutete 
Zwecke, sowie in Folge ihrer Vertretung auf dem Hasen - Speisezettel 
seinen Grund hat. In Bezug auf ersteren Grund will es scheinen, als ob 
besonders die männlichen Exemplare zur Pyramidenbildung neigten, indess 
habe ich auch oft schon beerentragende prächtige Pyramiden darunter 
bemerkt. Jedenfalls muss man bei der Auswahl nur solche Exemplare 
nehmen, die den gewünschten Charakter an sich erkennen lassen, was 
bei noch jugendlichen Individuen schon der Fall ist, und möglichst junge 
Exemplare zu Anpflanzungen zu wählen, ist im Interesse eines sicheren 
Anwachsens sehr rathsam. Grössere Exemplare würden hierzu Ballen- 
pflanzung nöthig, als meist Bewohner sterilen Sandes aber nicht zulässig 
machen. 

In hiesigen Wäldern findet man Pyramidenwachholder zum Theil in 
Menge, und wer die vor ca. 12 Jahren in den hiesigen Anlagen ange- 
pflanzten Exemplare zu sehen Gelegenheit hatte oder noch haben sollte, 
wird erkennen, welch reichen ornamentalen Werth dieses gemeine Gehölz 
für Landschafts-, Zier- und Hausgärtnerei hat. — Wer demnach zum 
ersten Male sich veranlasst finden sollte, Anwendung von diesem Werthe 
zu machen, der vergesse nicht, die ausgewählten Pflänzlinge während des 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 2ö9 

Winters gegen Hasen zu schützen, wenn diesen überhaupt der Weg dazu 
offen stehen sollte. 

Ohne Zweifel giebt es noch so manches schöne Gewächs in unserer 
heimathlichen Flora, dessen decorativer Werth für die Gartenculturen nicht 
genug geschätzt wird, und es wäre erwünscht, wenn auch andere In- 
teressenten sich geneigt finden möchten, auf Dies oder Jenes in diesem 
Genre ihnen Vorgekommenes oder noch Vorkommende aufmerksam zu 
machen. Da ich nur die mir zunächst liegenden Gewächse dieser Art 
zu besprechen, mir zur Aufgabe gestellt hatte, so will ich dieselbe als 
hiermit erfüllt betrachten. 



Zur Decoration von Rasen-Parterres. 

Von Obergärtner A. Schütz in Wettendorf (Ungarn). 



Gut decorirte Rasenplätze gehören wohl zu den schönsten Zierden 
unserer Gärten und ist ohne Zweifel keine Mühe zu scheuen, um deren 
lieblichen, dem Auge so wohlthuenden Reiz in jeder möglichen Weise zu 
heben. 

Bevor ich auf die Abwechselung, welche in der Bepflanzung von 
Rasenplätzen anzuwenden ist, eingehe, will ich einige Worte über die 
mir erforderlich scheinende Bodenbewegung sagen. — Allerdings besitzt 
ein ebener Rasenplatz auch seine Schönheit, dennoch aber sollte ein 
solcher, wo es sich nur irgend thun lässt, zu einer sanft welligen Fläche 
umgestaltet werden. Wenn es hierbei auch Sache des Geschmackes ist, 
wo Erhöhungen und Senkungen angebracht werden, und sich hierüber 
eigentlich keine festen Regeln aufstellen lassen, so sollten doch die Er- 
höhungen nur dort angebracht werden, wo einzelne grosse Bäume, Baum- 
oder Strauchgruppen passende Anhaltspunkte dafür darbieten, von hier 
aus mögen die Senkungen sich dann anschliessen und sanft in der Fläche 
verlaufen. 

Ich gehe nun zur Bepflanzung auf diese Weise gestalteter Rasen- 
plätze über und beginne mit der Hügelform. Mehr oder minder wird nach 
dem Vorhergesagten die Erhöhung sich im Schatten befinden, und da ein 
guter Rasen an solchen Stellen sich überhaupt nur schwer herstellen lassen 
wird, so empfiehlt sich hier besonders eine Pflanzung von Immergrün, 
Epheu und dergleichen. Gefällig wird und ein natürliches Aussehen er- 
hält die Form dadurch, dass man die Rasenfläche in tiefen abgerundeten 
Einschnitten in den von Immergrün und Epheu gebildeten Teppich hinein- 
zieht und herausführt. Minder schattige Stellen lassen sich sehr vorteil- 
haft mit Lonkera brachypoda fol. var. und Vinca major fol. var. bepflanzen, 

19 



290 Jahres-Bericht 

nur muss Erstere entweder niedergehackt oder durch den Schnitt kurz 
gehalten, und das Ganze durch eine sanft gebogene Raseneinschliessung 
umrahmt werden. Zu bemerken wäre hierbei, dass derartige Bepflanzungen 
einen allzu kleinen Raum nicht einnehmen dürfen, da dieselben in ihrer 
günstigen Wirkung sonst dem Auge verloren gehen. Ungemein ver- 
schönert werden solche Partien und zu lieblichen Scenerien umgeschaffen, 
wenn in diesen dunklen Teppich Farrenkräuter des freien Landes und 
Yucca ßlamentosa in kleinen Gruppen gepflanzt werden • geeignete For- 
men hierzu sind z. B. Strutiopteris germanica und Osmunda regalis. 

Die etwas tiefer liegenden Flächen bepflanzt man am vorteilhaftesten 
mit Zwerg-Coniferen, als: Thuja und Biota aurea, Abies excelsa nana und 
compacta, Retinospora ericoides, Cupressus Lawsoni, Juniperus hybernica und 
oxicedrus und Buxus arborea und Mahonien, welche theils einzeln, theils in 
gemischter Gruppenform auftreten können und deren Untergrund theils 
aus Epheu und Immergrün, theils aus Rasen gebildet ist. In nächster 
Nähe der Zwerg-Coniferen und zwischen dieselben vertheilt nehmen 
niedrige Stauden sich sehr vortheilhaft aus, wenn sie in kleinen Partien 
oder einzeln angebracht wurden. Am geeignetsten hierzu sind : Anemone 
coronaria, Pulmonaria virginica und angustifolia, die verschiedenen Heleborus- 
Arten, Spiraea ulmaria und Humboldtii, Gypsophila paniculata und Cyclamen 
europaeum. 

Aber auch die gänzlich freie Rasenfläche kann durch eingelegte 
Zwiebeln oder Knollen zu verschiedenen Zeiten, vom Frühjahr bis in 
den Herbst, einen sehr angenehmen Eindruck hervorbringen, wenn auf 
derselben zerstreut oder wieder dichter vereint die verschiedenfarbigen 
Crocus, Tulpen, Cyclamen, Colchicum autumnale eingegraben werden. Die 
Auswahl solcher Pflanzen zu derartiger Ausschmückung ist so gross, dass 
man nie in Verlegenheit sein wird, auf dem grünen Untergrunde einige 
liebliche Kinder Flora's in Blüthe zu haben, und zwar ohne viele Kosten, 
Zeitaufwand und Mühe. 

Dass man in einer Anlage nicht geradezu jeden Rasenplatz auf diese 
Weise herstellen darf, ist wohl selbstverständlich; eine grössere Fläche 
dafür dürfte sich aber wohl in den meisten, besonders ländlichen Gärten 
finden, um einen angenehmen Contrast hervorzubringen, und da sollte es 
nie verabsäumt werden, den Rasenplatz in der angegebenen Weise zu 
verschönern, um so weniger, als die darauf verwendete geringe Mühe 
dankbaren Lohn in dem reizenden Anblick finden wird. 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 291 

Einige interessante Laubbäume im Park von Laasan. 

Von Kunstgärtner Frickinger in Laasan. 



In Nachfolgendem will ich auf einige alte Laubbäume aufmerksam 
machen, welche dem hiesigen Park zu grosser Zierde gereichen und wohl 
als Seltenheiten anzusehen sind. 

Zu diesen Bäumen zählen mächtige, uralte Stämme der ächten Gold- 
weide, Salix vitelliana, welche, so weit mir bekannt ist, in unserer Provinz 
etwa nur in dem Park von Kunzendorf bei Glatz einige Rivalen finden 
dürften. In recht auffallender Weise geben diese Bäume Zeugniss dafür, 
welchen hohen Werth diese schnell wachsende Weidenart für die Land- 
schafts-Gärtnerei hat, wenn sie in ihrer natürlichen Form als Hochstamm 
herangezogen und als solcher durch Abästungen nicht verstümmelt wird. 
Solche uralte majestätische Bäume, wie die im hiesigen Park, gewähren 
selbst noch dann, wenn die im Laufe langer Jahre über sie herein- 
gebrochenen Stürme und Wetter sie zu Ruinen machten, einen imposanten 
Anblick. 

Seit einiger Zeit cultivirt man verschiedene neuere Weidensorten, 
unter diesen besonders auch solche mit hängenden Zweigen, und un- 
zweifelhaft sind mehrere derselben auch gut verwendbare Schmuckbäume, 
ob sie aber ein hohes Alter, eine imponirende Grösse erreichen werden, 
das muss die Zukunft erst lehren. Uebrigens wird die Cultur der Weiden, 
wie zur Genüge bekannt ist, im Allgemeinen in einer Art und Weise be- 
trieben, bei welcher von Ausbildung und Schönheit des Baumes die Rede 
nicht sein kann, mag sie jedoch, aber nur da, wo sie einen hohen 
Nutzungswerth ergiebt, beibehalten werden. 

Andere, in der Landschaftsgärtnerei viel zu wenig berücksichtigte 
Bäume sind: Juglans cinerea und nigra. Im hiesigen Park existiren acht, 
sowohl durch Blatt als durch Frucht genau unterscheidbare Abarten der- 
selben, welche in Habitus und Blattform prachtvoll sind ; sie sind sämmt- 
lich härter als Juglans regia, daher dem Erfrieren nicht so leicht aus- 
gesetzt, doch sind ihre Früchte nicht so werthvoll als diejenigen der letz- 
teren Art, weil ihr Kern zwar auch geniessbar, jedoch von einer äusserst 
harten inneren Schale umgeben ist. Deshalb sind diese Bäume auch mehr 
als Schmuckbäume, im Besonderen isolirt stehend, zu betrachten. 

Ferner befindet sich im hiesigen Park ein alter, sehr starker Stamm 
der Robinia pseudacacia, welcher sich alljährlich mit prächtiger goldgelber 
Belaubung bekleidet. Mir schien derselbe günstige Gelegenheit zur Ver- 
mehrung und Verbreitung dieser Spielart zu bieten; ich habe deshalb 
mehrere Jahre hintereinander mit derselben junge Stämmchen veredelt, 
jedoch leider den gewünschten Zweck nie erreicht, denn stets zeigten 

19* 



292 Jahres-Bericht 

diese Veredelungen bei der Entwickelung der Blätter an diesen nur die 
Laubfärbung der gewöhnlichen Robinia psendacacia. Demnach vermuthe 
ich, dass die goldgelbe Blattfärbung dieses alten, sonst kräftigen und an- 
scheinend ganz gesunden Stammes doch nur auf einem krankhaften Zu- 
stande beruht, oder seinem Standorte, resp. Bodenverhältnisse zuzu- 
schreiben ist. 

Zu bemerken sei mir noch gestattet, dass ich von Salix vitelliana, 
der ächten Goldweide, seit einigen Jahren prächtige, schönwiiehsige 
Bäumchen aus Stecklingen erziehe und deren einige hundert Stück zu 
billigen Preisen abgeben kann. Die Früchte der Varietäten von Juglans 
cinerea und nigra sammle ich im Herbst und bringe sie sofort auf ein gut 
bereitetes Beet; im nächsten Frühjahr geht ein grosser Theil derselben 
auf, viele anscheinend vollständig reife Früchte keimen aber gar nicht. 
Im dritten Jahre entnehme ich die Sämlinge dem Saatbeet und verpflanze 
sie, nachdem die langen kräftigen Pfahlwurzeln auf die Hälfte zurück- 
gestutzt wurden. Auch unter den zu kräftigen Bäumchen heran- 
gewachsenen Sämlingen lassen sich die verschiedenen Varietäten durch 
Blatt und Rinde genau unterscheiden, und habe ich auch hiervon Stämme 
abgebbar. 



Die Cultur der Ismene calathina Hb. 

Von Kunst- und Handelsgärtner W. Kühn au in Breslau. 



Die bekanntlich zu der Familie Amaryllideae (Narcisseae) gehörende 
Gattung Ismene ist trotz der Grösse, Schönheit und des Wohlgeruches 
der Blüthen ihrer verschiedenen Arten noch sehr wenig in den Gärten 
verbreitet. Die Ursache liegt wahrscheinlich darin, dass ihre Cultur viel- 
leicht hin und wieder nur versucht, aber nach mehrjährigem Fehlschlagen 
als undankbar unterlassen worden ist. Auch mir ist es ähnlich gegangen ; 
ich habe die Ismenen in Töpfen und auch im freien Lande verschiedent- 
lich behandelt, aber keine Blüthe zu sehen bekommen. Schliesslich ist 
mir dies doch gelungen und habe ich gefunden, dass ihre Cultur die ein- 
fachste von der Welt ist. Hier kurz das Resultat meiner Beobachtungen. 

Im Mai habe ich die Zwiebeln, starke, wie auch Brutzwiebeln, ins 
freie Land gepflanzt, auf ein gut gedüngtes, sonst aber nicht besonders 
vorbereitetes Beet, 2 bis 3 Zoll auseinander, habe sie den Sommer hin- 
durch von Unkraut reingehalten und einige Male behackt. Im Herbst 
nach Eintritt der Fröste, etwa im Anfang des October, nahm ich die 
Zwiebeln aus der Erde und legte sie trocken. Im December habe ich 
sie in ein Säckchen gelegt und dasselbe in der Stube in der Nähe des 



der Schlcs. Gcsellsch. f. vaterl. Cultur. 293 

Ofens aufgehängt und dort den ganzen Winter hindurch hängen lassen, 
indem ich die Zwiebeln nur einmal im Januar aus dem Säckchen aus- 
schüttete und das dürre Laub und die trockenen Wurzeln abputzte; Ende 
April habe ich dann die Zwiebeln untersucht. Dies ist die Zeit, wo die 
blühbaren Zwiebeln die ßlüthenschäfte bringen. Dieselben kommen ganz 
wie bei Amaryllis formosissima y deren allgemein bekannte Cultur der von 
mir bei den Ismenen angewendeten völlig gleicht, an der Seite der Zwie- 
beln hervor. 

Die mit ßlüthenschäften versehenen Zwiebeln habe ich in Töpfe in 
gute Erde, Laub- oder Dünger- oder Compost-Erde, wie ich sie gerade 
bei der Hand hatte, gepflanzt und in einen Mistbeetkasten unter Fenster 
gestellt, wo sie schnell Wurzeln machten und die ßlüthenschäfte sich 
kräftig entwickelten. Zugleich mit dem ßlüthenschaft wuchsen die 
linearischen, riemenförmigen, denen einer Amaryllis ähnlichen, hellgrünen 
Blätter aus der Zwiebel hervor. Der ßlüthenschaft streckte sich bis zu 
einer Höhe von 1 1 / 2 bis 2 Fuss und brachte an seiner Spitze 1 bis 2 
nickende, 3 Zoll im Durchmesser grosse, einer Narcisse ähnliche Blüthen 
mit grünlichem Aussenkelch und weissem, 3 Zoll langem, am Rande 
wellenförmig krausem Nectariurn. Die ßlüthe duftete stark und wunder- 
voll wie Orangeblüthe; auch mit dem Duft der Tuberosen ist ihr Geruch 
zu vergleichen. Die Dauer der einzelnen ßlüthe erstreckt sich auf 1 bis 
2 Wochen, je nach dem sonnigen oder schattigen Standorte. Eben so 
normal entwickeln sich die ßlüthenschäfte, wenn man die blühbaren 
Zwiebeln direct ins freie Land legt. Nach der ßlüthe habe ich die 
Zwiebeln bis zum Herbst ins freie Land gepflanzt. Die nicht blühenden 
Zwiebeln, sowie die Brut, deren jede Zwiebel reichlich ansetzt und die 
ich natürlich von jeder Zwiebel losnahm, habe ich dann in der Anfangs 
beschriebenen Weise ins Land gelegt. 

Ich habe meine Versuche nur mit Ismene calathina gemacht, bin aber 
überzeugt, dass die beschriebene Behandlungsart auch bei den anderen 
Arten (undulata, amancaes u. s. w.) zum gewünschten Ziele führt. 

Da bei den Ismenen, wie bei allen Zwiebelpflanzen ohne Ausnahme, 
die Erzielung einer blühbaren Zwiebel die Hauptschwierigkeit ist, und bei 
nur einigermassen vernünftiger Behandlung der vorgebildete ßlüthenschaft 
sich leicht normal entwickelt, so glaube ich, dass die blühbaren Ismenen- 
Zwiebeln nach dem Einpflanzen in Töpfe, in Ermangelung eines Mist- 
beetes, auch in der Stube vollkommen entwickelte ßlüthenschäfte bringen 
würden. Hieraus ergiebt sich, dass die Ismenen- Cultur sich für jeden 
Blumenliebhaber eignet, der nur über ein Stückchen Gartenland verfügen 
kann, dieselbe also passend erscheint für die weiteste Verbreitung. 



294 Jahre8-Bericht 

Einiges zur Cultur der Rosen. 

Von Kunst- und Handelsgärtner R. Riedel in Löwenberg. 



Wohl jeder Gärtner oder Blumenfreund hegt besondere Vorliebe für 
eine oder einige Pflanzengattungen, widmet ihnen daher mehr Pflege und 
Aufmerksamkeit als anderen und gewinnt somit auch mehr Erfahrungen 
in deren verschiedenen Cuiturweisen, von denen er dann die ihm nach 
den ihm zu Gebote stehenden Verhältnissen am geeignetsten erscheinenden 
zu dauernder Anwendung bringt und damit sich in den Stand gesetzt 
findet, in solchen Special-Culturen auch Besseres zu leisten. Solche Vor- 
liebe wendete ich schon längst und u. A. auch der Cultur der Rosen zu 
und will ich mir erlauben, aus meinen in derselben gemachten Erfahrungen 
hier einige Bemerkungen zu machen, um damit vielleicht auch anderen 
Rosenfreunden nützlich zu werden. 

Rosen verlangen zu gutem Gedeihen eine unbedingt freie, gegen 
starke Winde geschützte Lage, lockeren, aber nahrhaften und tiefgründigen 
Boden. Hat man diesen nicht, so bereite man sich denselben durch 
Rigolen und Beimischung von sandig-kiesigem Boden, Lehm- oder Schlamm-, 
auch fetter Rasenerde; schweren und festen Boden mische man vor- 
züglich mit Sand, Holzschutt, Sägespänen, auch Asche und Holzkohlen- 
staub, letzterer trägt sehr viel zu feuriger Färbung der Rosen, besonders 
der dunkel blühenden Sorten, bei. 

Das Pflanzen der Rosen geschieht, besonders in leichterem Boden, 
am vortheilhaftesten im Herbst, es hat ein reicheres Blühen und schönere, 
vollkommenere Blumen zur Folge als die Frühjahrspflanzung, weil bei 
letzterer in unserem Klima der Baum oder Strauch bis zur Blüthezeit 
nicht genügende Zeit hat anzuwurzeln, resp. junge Wurzeln zu schlagen, 
welche die nöthige Saftzuführung bewirken; daher bei der Frühjahrs - 
pflanzung auch die häufigen Klagen wegen schlechten Blühens. Im Herbst 
gepflanzte Rosen, auf die weiterhin angegebene Weise gegen die winter- 
lichen Unbilden geschützt, werden jeden Rosenfreund befriedigen. Nur 
in schwerem, lehmigen Boden können Rosen auch im Frühjahr gepflanzt 
werden. Rosen, welche durch langen Transport oder wegen nachlässiger 
Verpackung vertrocknet sind, dürfen in diesem Zustande, welcher sich 
durch die eingeschrumpfte Rinde bemerkbar macht, nicht eingepflanzt 
werden. Man vergrabe die Bäume oder Sträucher vielmehr mit Krone 
und Wurzel während 6 bis 8 Tagen an einem schattigen Orte ganz und 
gar in Erde, sie werden dann ihre Frische wieder erlangt haben und 
können nun, am liebsten bei trüber Witterung, gepflanzt werden; besteht 
solche zu dieser Zeit nicht, so hülle man die Stämmchen auf die nach- 
folgend angegebene Weise in Moos, welches so lange zuweilen ange- 



der Schles. Gesellsch. f. vaterJ. Cultur. 295 

feuchtet wird, bis das Bäumchen lustig in Krone treibt, alsdann ist das 
Moos zu entfernen. Findet man, dass die Rosen sich zu langsam be- 
wurzeln, also nach dem Pflanzen im Wachsthum zurückbleiben, was eben 
am öftersten bei der Frühjahrspflanzung der Fall ist, so empfiehlt es sich, 
solche Stämmchen von der Erdoberfläche bis zur Krone ganz in Moos 
einzubinden, die Veredelungsstelle aber davon frei zu halten. 

Zur Düngung verwende ich Stalldünger, auch Knochenmehl und 
Hornspäne; selbst Guano, Gülle und Kloakendünger können Anwendung 
finden, jedoch letztere Arten nur in flüssigem Zustande, sehr mit Wasser 
verdünnt und äusserst vorsichtig bei nur trüber, am besten regnerischer 
Witterung. Bei trockener Witterung darf nicht versäumt werden, die 
Rosen fleissig und reichlich mit Wasser zu versehen, auch bisweilen die 
Erde zu lockern, damit Luft und Thau auf die Wurzeln einwirken können 
und ein Versauern des Bodens verhütet wird; regelmässiges Feuchthalten 
des Bodens ist unbedingt nothwendig, und ist Wasser nicht genügend 
vorhanden, so thut man wohl, den Wurzelstock seiner Rosen mit kurzem 
Dünger oder Moos zu belegen, um die Erdfeuchtigkeit länger zu erhalten. 

Ueber den Schnitt der Rosen im Allgemeinen sei hier nur Fol- 
gendes gesagt: Das Beschneiden ist unter allen bei der Rosencultur vor- 
kommenden Arbeiten eine der wichtigsten, zugleich aber auch, weil haupt- 
sächlich nur auf Erfahrung begründet, besonders für den Laien schwierige. 
Starkwüchsige Sorten, als z. B. Gloir de Dijon, Marechal Niel, Solfatare, 
Chromateüa etc., schneide man weniger und beachte dabei nur die ge- 
wünschte Form. Um diese Sorten zu reichlichem Blühen zu bringen, 
kneipe man im Sommer, wenn die Triebe fusslang und länger sind, die 
zarten Spitzen derselben ein, es werden sich dann bald am Ende des 
abgekneipten Triebes neue Triebe bilden, welche dann auch bald wieder 
Blumen bringen. Diese Methode bewährte sich nach meiner Erfahrung 
ganz besonders bei der Rose „Marechal Niel", über welche wegen mangel- 
haften Blühens allgemeine Klage herrscht; durch diese Methode zwang 
ich sie zu nicht nur fleissigem, sondern überfülltem Blühen. Die Persian 
Yellow verlangt, sowie alle Pimpinellrosen, zum Blühen gar keinen Schnitt, 
er ist nur nach der Blüthe auszuführen, um der Krone oder dem Strauche 
eine gute Form zu geben und bilden sich dann im Laufe des Sommers 
noch kräftige Triebe, welche im nächsten Jahre guten Flor geben. (Pim- 
pinell- und Damascener Rosen blühen zeitig.) Langen Schnitt ver- 
langen fast sämmtliche Hybriden zur Entwicklung reichen Flors, d. h. man 
verkürzt die Triebe bis auf 6 bis 15 Augen und schneidet alles schlechte, 
überflüssige Holz heraus, wozu man sich am besten einer Rosenscheere 
bedient, da ein Ausschneiden starker Kronen mit dem Messer nicht mög- 
lich ist. Kurzen Schnitt verlangen alle Remontant-, Thee- und Burbon- 
Rosen, d. h. man verkürzt die Triebe bis auf 2 bis G Augen. — Die 



206 Jahres-Bericht 

Form, welche zu geben beabsichtigt wird, ist beim Schneiden der Rosen 
ganz besonders zu beachten; für Hochstämme ist die Kugelform, für 
niedrige Rosen mehr die ovale Form zu empfehlen. — Niedrige Rosen 
treiben meist starke Schlotten, man entferne daher alljährlich alle 
schwachen und erschöpften abgeblühten Triebe und benutze hier zur 
ovalen Form die frischen kräftigsten Schlotten. Auch aus den runden 
Kronen hochstämmiger Rosen sind besonders die inneren schwächlichen, 
sowie solche Triebe, welche direct aus der Basis der Veredelungssteile 
hervortreiben und übermässig kräftig erscheinen, aber auch alle Triebe 
des Unterstammes, dessen Wurzelstockes und die Wurzelausläufer zu ent- 
fernen, da alle diese nur den ganzen Stamm schwächen. Bei rankenden 
Rosen, welche zu Pyramiden- und Säulenform, zur Bekleidung von Lauben, 
Verandas, Spalieren, Cordons etc. angewendet werden, hat sich der Schnitt 
lediglich nach Zweck und Form zu richten. Ein weiteres Eingehen auf 
den Schnitt der verschiedenen Sorten Rosen würde hier zu weit führen. 
Dass die Vermehrung der Rosen, über welche ich mich hierauch 
nur oberflächlich aussprechen kann, auf mannigfach verschiedene Weisen 
erfolgt, ist ebenso bekannt als wie, dass man sich zur Anzucht von 
Wildlingen hauptsächlich der Samen der Rosa canina, zur Anzucht 
neuer Spielarten desjenigen der besten, edelsten Gartenrosen bedient, 
und dass Letzteres nicht mehr den Franzosen allein überlassen ist, son- 
dern auch in Deutschland erfolgreiche Nacheiferung gefunden hat. Am 
gebräuchlichsten für die Vermehrung hochstämmiger Rosen ist 
das Oculiren, Copuliren, Pfropfen, Anplattiren und Trianguliren. Erstere 
Methode ist im Freien in der Zeit von Anfang Juli bis Ende September 
anzuwenden, die letzteren Methoden dagegen nur während des Winters 
im temperirten Gewächshause; für diese werden die Wildlinge im Herbst 
in Töpfe gepflanzt oder deren Wurzelballen in Moos emballirt, in ein 
temperirtes Haus gebracht, zu derselben Zeit die benöthigten Edelreiser 
geschnitten und dieselben bis zur Veredelungszeit, welche im Januar be- 
ginnt, wo die Wildlinge schon in Saft zu treten pflegen, in einer frost- 
freien Grube oder Kasten aufbewahrt. Für die Vermehrung niedriger 
Rosen, d. h. solcher, welche die Busch- oder Strauchform erhalten 
sollen, wird in neuerer Zeit zuweilen die Veredelung auf den Wurzelhals 
des Wildlings angewendet, am gebräuchlichsten ist jedoch deren Anzucht 
aus Stecklingen; es kann dieselbe zwar ziemlich zu jeder, am besten aber 
in der Zeit von Juni bis in den September vorgenommen werden; zum 
Steckling ist frisch getriebenes, jedoch gereiftes Holz zu wählen, das auf 
2 bis 3 Augen geschnitten, in sandige Erde oder nur in Sand in Töpfe 
oder Kästen gesteckt, ins Mistbeet genommen, bei Sonnenhitze beschattet 
und einige Male des Tages überbraust wird. Ein Weiteres über die ver- 
schiedenen Methoden der Veredelung und der Vermehrung durch Steck- 
linge, sowie durch Wurzelausläufer, Absenken und Wurzelschnittlinge und 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 297 

über die Cultur in Töpfen, Treiberei etc. möge vorerst einem meiner 
Herren Collegen überlassen sein. 

In Bezug auf die Bedeckung der Rosen als Schutz gegen 
F rost sei nur noch erwähnt, dass besonders der letztverflossene harte Winter 
aufs Neue lehrte, wie rathsam es sei, jede Rose für den Winter gut zu 
verpacken, weil damals Rosensorten erfroren sind, welche zeither jedem 
Froste trotzten. In vielen solchen Fällen war allerdings bei Hochstämmen 
die Unterlage erfroren, welche zärtlicher war als die darauf veredelte 
Rose; es zeigt dies aber auch, wie nothwendig es ist, dem Wildlings- 
stämmchen einen winterlichen Schutz zu gewähren. An frostfreien Tagen 
des Spätherbstes biege ich meine sämmtlichen hochstämmigen Rosen mit 
der Krone behutsam zur Erde und zwar alljährlich nach derselben Seite, 
wodurch sich selbst die stärksten Stämme an das Umbiegen gewöhnen 
und nur durch Unvorsichtigkeit oder auch in Folge schadhafter Biegungs- 
stellen brechen. In dieser Lage lasse ich die Stämmchen bis starke Fröste 
eintreten und verwerfe dann Krone und Stamm mit Erde, Sand, Holz- 
schult, Fichtennadeln etc., mit letzteren besonders die zarten Theerosen. 
Zeitiges Verwerfen resp. Eingraben der Rosenbäume verweichelt dieselben, 
im Herbst gut abgehärtet, gewöhnen sie sich gut an strenge Winter. 
Lassen Rosenbäume ihres Standortes auf Rasenflächen etc. wegen sich 
nicht ganz in die Erde vergraben, oder die Stämmchen lassen sich nicht 
genügend zur Erde niederbeugen, so dass sie hohe Bügel machen, so 
verschütte man wenigstens die Krone mit Erde, welche im zeitigen Früh- 
jahr wieder zu entfernen ist, und bedecke den Bügel oder Unterstamm 
gut mit Fichten- oder Tannenreisern, damit die Sonnenstrahlen den Stamm 
nicht glötzlich aufthauen; auf die angegebene Weise geschützt, halten 
Rosen die stärksten Kältegrade aus. Thea-, Noisette- und Bourbon-Rosen 
sind besonders gut, namentlich an der Veredelungsstelle, zu bedecken. 
Die Verpackung in Stroh ist durchaus zu verwerfen, dieser und überhaupt 
nachlässiger Verpackungsweise haben die meisten Besitzer von Rosen die 
erleidenden Verluste durch Frost nur allein zuzuschreiben. 

Schliesslich möge mir noch zu erwähnen gestattet sein, dass mein 
sehr bedeutendes Rosen-Sortiment nach dem wie vorstehend angegebenen 
Culturverfahren behandelt, bei grösseren Ausstellungen zu wiederholten 
Malen der Prämiirung gewürdigt wurde und dass es mir Freude und Ehre 
sein würde, dasselbe zur Zeit des Flors von Rosenfreunden besichtigt zu 
sehen. 



298 Jahres-Bericht 

Beobachtungen bei der Treiberei der Maiblume 
(Convallaria majalis). 

Von Ober-Hofgärtner Schwedler in Slawentzitz. 



Mit einer sehr bedeutenden Anzahl verschiedener Blumenzwiebeln 
verschrieb ich mir von den Herren Krelage & So. in Harlem auch 500 
Stück Maiblumenkeime. Statt dieser Anzahl erhielt ich 100 Stück etwa 
4 Zoll im Quadrat starke Erdklumpen (Büschel genannt). Von diesen 
legte ich nun in der Mitte des October 5 Stück ins Treibbeet, während 
ich andere Büschel verkleinerte und in Töpfe pflanzte. Den Letzteren 
wurden die Wurzeln bis 1 Zoll lang abgeschnitten, um viele Keime in 
die kleinen Töpfe bringen zu können. 

Nachdem nun beide Partieen unter gleicher Wärme und gleicher Be- 
handlung eine gleiche Entwickelung erwarten Hessen, musste ich gewahren, 
dass die unverletzten Büschel — sitzen blieben, während die von der 
Erde entblössten und beschnittenen Keime sich vollkommen entsprechend 
entwickelten. Nach dieser Wahrnehmung befreite ich nun mehrere der 
Büschel von der kostbaren holländischen Erde, beschnitt die Wurzeln 
wieder bis auf 1 Zoll und trieb solche, in verhältnissmässig grosse Töpfe 
gepflanzt, auf gewöhnliche Art und Weise an. Zu meiner Freude sah 
ich aus den Büscheln 15 bis 25 Blüthenstengel heraufschiessen, welche 
in ihren Blumen nichts zu wünschen lassen. Hieraus erhellt, dass Keime 
oder Büschel (eine schwer theilbare Masse von Keimen) sich nur leicht 
treiben, wenn ihnen die Wurzeln gehörig beschnitten werden. 

Die Herren Krelage, welche ich wegen dieser Sendung zur Rede 
gestellt und Vorwürfe gemacht hatte, versicherten, solche Büschel nach 
allen Ländern zu senden und stets Zufriedenheit erlangt zu haben, die 
ich denselben nun auch von mir aus gern bekunde, denn ich habe nicht 
nur weit mehr als 500 Keime erhalten, sondern auch den überraschenden 
Anblick dieser in solcher Menge blühenden Büschel gehabt. 

Ist auch schon Vieles über das Treiben dieses lieblichen Blümchens 
geschrieben worden, so wollte ich doch diese meine Beobachtung nicht 
zurückhalten, damit sie Denen zur Anleitung diene, welche gleich mir 
noch nicht Gelegenheit hatten, diese Erfahrung zu machen. 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 299 

Ein Paar gärtnerische Miscellen. 

Von Apotheker Scholtz in Jutroschin. 



a) Convolvulus tricolor fl. pl. 

Seit Jahren bemüht, Convolvulus tricolor gefüllt zu erziehen, hatte ich 
hie und da, den Offerten Folge leistend, Samen kommen lassen, war 
jedoch stets unbefriedigt geblieben, da ich nur hohle Blumen erhielt. In 
diesem Jahre war unter der nochmals gemachten Aussaat eine Pflanze, 
an welcher thatsächlich sämmtliche Staubgefässe in Petalen übergegangen 
waren; sie war hellblau mit weissen Streifen, gut gefüllt und zierte ausser- 
ordentlich, einmal weil ihr Wuchs ein niedriger war, durchaus niedriger 
als bei der einfach blühenden Winde, sodann weil, wie man dies bei ge- 
füllten Blumen sehr häufig wahrnimmt, die Blüthen lange in Flor blieben 
und selbst in Betreff der Tageszeit nicht blos Vormittags, oder so lange 
die Sonne schien, sondern Tag und Nacht geöffnet blieben; jedenfalls 
grosse Vorzüge. 

War meine Freude über die schöne Pflanze, welche jedem Beschauer 
gefiel, eine grosse, so wurde sie sehr herabgestimmt durch die Wahr- 
nehmung, dass sich Samenkapseln fast gar nicht ansetzten. Wohl musste 
ich wissen, dass eine Pflanze ohne Befruchtungsorgane auch Samen nicht 
produciren kann; indessen war es ja doch wohl möglich, dass in einer 
oder der anderen Blüthe ein Staubgefäss und der Stempel vorhanden sein 
und so die Befruchtung vor sich gehen konnte, hatte ich Aehnliches doch 
schon bei vollen Pelargonien beobachtet. Aus diesem Grunde wurden 
der Pflanze fast gar keine Blüthen genommen und, um sie auf andere 
Weise zu erhalten, einstweilen Stecklinge gemacht, welche mir jedoch 
misslangen. Im September hielt ich strenge Rundschau nach Samenkapseln, 
von denen ich jedoch nur zwei Stück entdeckte. Die eine war braun 
und — leer, die andere noch grün; ich öffnete letztere in der Voraus- 
setzung, dass Samen doch nicht darin enthalten sein würde, und dies war 
auch in der That der Fall, wohl aber fand ich darin eine vollständig 
entwickelte Miniaturpflanze im ersten Grade ihrer Entstehung, bestehend 
aus einem Wurzelchen und zwei Samenlappen, welche mir, scheinbar 
lose in der Kapsel liegend, leicht in die Hand fiel. Diese äusserst 
interessante Erscheinung war mir neu und nachdem ich das Pflänzchen 
im kalten Beete lose mit Erde bedeckt hatte, wurde mir die Freude, es 
sich weiter entwickeln zu sehen; später ins Zimmer genommen, erkrankte 
es und ist heute todt. 

Wir haben hier mit einer ähnlichen Erscheinung zu thun, wie sie bei 
manchen Zwiebelgewächsen vorkommt, welche statt der Samen Zwiebelchen 
— Knospen — produciren. Ich bin zu wenig Pflanzen-Physiologe, um 



300 Jahres-Bericht 

zu wissen, ob Aehnliches bei anderen Phanerogamen beobachtet worden 
ist: nur glaube ich, dass diese Erscheinung ganz geeignet ist, darüber 
nachzudenken, wie der Drang der Pflanze nach Fortpflanzung so gross 
und stark, so überaus streng dem Pflanzenleben von den Urgesetzen der 
Natur vorgeschrieben ist, dass er sich schliesslich in so origineller Weise 
äussert, 

b) Ein Beispiel von Bodenerschöpfung. 

Nichts Neues ist es den Gärtnern und Pflanzenzüchtern, dass eine 
Pflanze den Boden mehr oder weniger aussaugt, nichts Neues, ja Allbe- 
kanntes, dass die Bohne mehr Kraft (wenn man sich so unwissenschaftlich 
ausdrücken darf) im Boden verzehrt als jede andere Leguminose. Die 
Gründe dafür dürften analytisch leicht nachweisbar sein, doch gehört dies 
nicht in den Bereich meines Themas. Vielmehr mag in Betreff der ver- 
gleichenden Bodenausnutzung ein charakteristisches Beispiel vorgeführt sein. 

Ich hatte im Frühjahre zwei nebeneinander liegende kleine Beete, 
eins mit Erbsen, eins mit Bohnen belegt. Nach dem ziemlich in gleiche 
Zeit fallenden Abernten wurden beide Beete umgegraben und später an 
ein und demselben Tage neu bepflanzt, und zwar erhielt das Erbsenbeet 
zwei Reihen Winter- Endivien und zwei Reihen chinesischen Rettig, das 
Bohnenbeet ebenfalls zwei Reihen Endivien und eben so viel Salat. Beide 
Beete waren seit einem Jahre nicht gedüngt, also zwei Sommer in Pro- 
duction. 

Folgende Thatsachen sind die Erfolge dieses Versuches: Auf dem 
Erbsenbeete gedieh die Endivie ganz ausserordentlich, der Rettig so ziem- 
lich; auf dem Bohnenbeete gedieh die Salat recht gut und gab kleine, 
aber zufriedenstellende Köpfe, hingegen war es unmöglich, die Endivie 
zu einem nur nennenswerthen Vorwärtskommen zu bringen; theils ver- 
hungerte sie, theils erreichte sie kaum den Umfang eines Speisetellers, 
während die bald daneben stehenden Pflanzen des Erbsenbeetes üppig 
wucherten. Alle Mühe, die schwindsüchtigen Pflanzen zu solcher Cultur 
zu bringen, dass sie zum Gebrauche geeignet gewesen wären, schlugen fehl. 

Das Resume dieses Versuches ist demnach, dass Endivie nach Bühnen 
nicht gedeiht, wohl aber nach Erbsen, dass also die Bohne mehr die Erde 
erschöpft als die Erbse, ferner: dass Endivie mehr Bodennahrung bean- 
sprucht als Salat, mithin also wiederum auch den Boden mehr aussaugt 
als letztere, und dass mithin diese, die Salat, immerhin nach Leguminosen 
noch mit Erfolg angebaut werden kann. 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 



301 



Eine Schutzvorrichtung gegen Frost für niedrige Cordon- 

Obstbäumchen. 

Von Hofgärtner W. Peicker in Räuden O/S. 



Dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen, dafür hatten in ge- 
wissem Sinne auch die Winter 1869/70 und 1870/71 in barbarischer 
Weise ein gutes Theil der Sorge übernommen und erfüllt. Manche 
nutzlose Jeremiade ist 
darüber erklungen, ich 
beabsichtige nicht, die- 
selben noch durch eine 
weitere zu vermehren; 
aber einen Schutz will 
ich in nebenstehender 
Skizze vorführen und 
in Nachstehendem be- 
sprechen, den ich nun- 
mehr zu Gunsten eines 
Theiles von Pomonas 
Kindern anwende, um 
sie sowohl vor dem 
Gros solcher nordischen 
Feinde möglichst, wie 
gegen deren nicht min- 
der gefürchtete Nach- 
zügler jedenfalls zu 
sichern. 

Man hat und kennt 
für Spalierbäume an 
Mauern und Wänden 
verschiedene, mehr 
oder weniger zweck- 
mässige und einfache 
Schutz - Vorrichtungen 
gegen Winter- und 
Spätfröste; man findet 
auch für freistehende 




Durchschnitts- Ansicht. Ye der natürlichen Grösse. 



Spaliere und Formenbäume diese und jene Schutzmethode empfohlen, die 
auch wohl zum Theil für niedrige Cordons modificirt oder nicht modificirt 
sich verwenden Hesse; ausschliesslich aber für letztere Obstbaumform ist 
mir eine praktikable Schutzmethode, als anderwärts angewendet oder 



302 Jahres-Bericht 

empfohlen nicht bekannt, und doch will es mir scheinen, als ob niedrige 
Cordonbäumchen — neben Mauerspalieren — für eine möglichst aus- 
reichende Schutzvorrichtung am qualificirtesten wären. 

Genug, ich sah mich veranlasst, über eine solche Vorrichtung, resp. 
über die Modifikation einer solchen nachzudenken und glaube eine recht 
zweckmässige gefunden zu haben. Einen wesentlichen Anhalt für meine 
Einrichtung fand ich in dem „Handbuch der Obstbaumzucht von J. Hartwig, 
Weimar 1860", was daselbst Seite 23 und 24 über „Schirm und Schutz- 
dächer" gesagt ist. 

Wie die Skizze zeigt, lasse ich auf die Standpfähle A, welche den 
Drathzug (a Stelle desselben) einer niedrigen Cordon-Anpflanzung halten, 
jedoch mindestens 6 Zoll über diesen emporragen müssen, 9 Zoll lange 
und 3 Zoll hohe Lattenstücke (b) befestigen und an beiden Hirnenden 
derselben je einen Haken, der sich auch durch einen entkopften, ent- 
sprechend langen, krummgebogenen Drathnagel einfach herstellen lässt, 
anbringen. Während nun diese Lattenstücke als Unterlage für auf- 
zulegende 12 Zoll breite gewöhnliche Bretter (c) dienen, haben die ein- 
geschlagenen Haken den Zweck, die Stangen (e e) in den eigens dafür 
construirten Strohdecken (d d) zu halten. 

Die Herstellungsweise solcher Sjtrohdecken ist folgende: Auf einem 
9 Fuss langen und 2 Fuss breiten, aus Dachlatten hergestellten Rahmen 
wird an beiden Enden der einen Längsseite je ein langer Nagel ein- 
geschlagen und in einem ca. 2 Zoll hohen Abstände vom Holze nach 
Aussen hakenförmig oder besser ringförmig krummgebogen. Ungefähr 
5 Zoll davon entfernt wird in jedes Querrahmstück ein fingerdicker höl- 
zerner Stift für eine Flechtschnur angebracht. Nachdem die Flechtschnur 
angespannt und in die krumm- resp. ringförmig gebogenen Nägel ein der 
Länge des Rahmens gleichkommendes Stück gut entästeter Bohnenstange 
von ca. 1 Zoll mittlerem Durchmesser so eingelegt ist, dass zwischen 
Rahmen und Stange ein Zwischenraum von ungefähr 2 Zoll bleibt, wird 
das Langstroh bündelweise mit dem Aehrentheile durch diesen Zwischen- 
raum hindurch gesteckt, über die Stange herüber auf die Flechtschnur 
gebogen und daselbst mit dem darauf liegenden anderen Strohtheile in 
bekannter Weise mit Bindfaden verflochten. Ist hiernach die der ein- 
geflochtenen Stange entgegengesetzte Seite der Strohdecke gradlinig ge- 
stutzt, so hat man das gewünschte Product fertig vor sich. Diese An- 
fertigungsweise geht ziemlich schnell von statten und der Verbrauch von 
Stroh und Bindmaterial ist nicht bedeutend. Die Art der Verwendung 
dieser Decken wurde weiter oben bereits vorübergehend berührt, es 
erübrigt indess, darüber noch Einiges zu sagen. 

Sind die Decken mit den Enden der Stangen in die Haken des auf 
den Pfählen befestigten Lattenstückes eingehangen, so können dieselben 
während der ganzen Periode der Schutzbedürftigkeit der Bäumchen un- 



der Schle8. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. (jjjfij, J Q£ 

berührt hängen bleiben, weil das nöthige Licht und Luft zu jeder be- 
liebigen Zeit durch Abheben des aufgelegten Brettes gegeben werden 
kann. In der auf allgemeiner Erfahrung beruhenden Voraussetzung, dass 
ungewöhnlich hohen Kältegraden in der Regel stärkerer Schneefall voran- 
gegangen ist, glaubte ich im Interesse einer besseren Conservirung der 
Decken dieselben so anfertigen, resp. aufhängen zu können, dass sie mit 
dem herabhängenden Theile dem Boden um ungefähr 2 Zoll fern bleiben, 
da diesen kleinen Zwischenraum unter obiger Voraussetzung der Schnee 
ausfüllen würde, während ohne eine solche Schneelage für die Bäumchen 
keine gefahrdrohende Kälte eintreten dürfte. — Der etwa nachtheiligen 
Einwirkung des Windes auf die Decken ist durch vorzusteckende Stäbe 
leicht vorzubeugen. Da die den Drathzug haltenden Standpfähle in der 
Regel in grösserem Abstände vertheilt sind, als z. B. 9 Fuss lange Decken 
reichen, längere Decken anzufertigen aber im Interesse ihrer Transpor- 
tabilität nicht räthlich erscheint, so ist es selbstverständlich, dass man in 
entsprechendem Abstände noch interimistische oder auch stabile Stützen 
für die Decken und Bretter anbringt, was jedenfalls nicht schwer ist und 
mancherlei Variationen in der Einfachheit zulässt. 

Mit einer derartigen Bedeckungsmethode glaube ich das Möglichste 
erreicht zu haben, was die betreffenden Bäumchen sowohl gegen die 
Witterungseinflüsse strenger Winter, als auch gegen Spätfröste während 
der Blüthezeit, sowie endlich auch gegen mechanische Beschädigung durch 
die Bedeckungsmanipulation schützt. Wenn für eine zweckmässige Auf- 
bewahrung dieser Strohdecken während der Sommerzeit gesorgt wird, so 
dürften dieselben eine mehr- oder vieljährige Verwendbarkeit zulassen, 
da ihre Abnutzung durch die Anwendung eine geringe und ihre Trans- 
portabilität eine leichte ist; es würde dies den ohnehin verhältnissmässig 
nicht bedeutenden Kostenpunkt ihrer Anschaffung noch wesentlich ver- 
billigen. 

Wenn man sich überhaupt genöthigt sieht, für derartige Schutzmittel 
bedacht sein zu müssen, so kommt einem neben vielem Anderen auch 
der Gedanke, ob es nicht zweckmässig wäre, bei dergleichen Obstcultureu 
die Bäumchen 4 bis 6 Zoll über dem Boden auf kleinen Hügeln oder 
Dämmen oder auch ebenem Boden, möglichst dicht gepflanzt, strahlen- 
oder cordonförmig so zu ziehen, dass sie gegen grosse Kälte von der 
Natur durch Schnee geschützt, oder überhaupt mit einem leicht zu be- 
schaffenden Material — Laub, Sägespähne, Waldstreu, Tannenreisern etc. — 
leicht bedeckt werden könnten. Von verschiedenen anderen Fragen und 
Erwägungen, welche bei solchen Betrachtungen ebenfalls nahe liegen, als 
z. B. Auswahl der Sorten, ßodenverhältniss, Rentabilität, will ich an dieser 
Stelle ganz absehen. Mit meinen Erörterungen möchte ich vielmehr die 
Aufmerksamkeit auf Etwas gelenkt haben, das, wenn es nicht viel- 
eicht dazu geeignet ist, da und dort Nutzen zu schaffen, in diesem Punkte 



304 Jahres-Bericht 

besser Unterrichteten mindestens Veranlassung sein möge, ihre Erfahrungen 

darüber an fü 

veröffentlichen. 



darüber an für das Gemeininteresse förderlichen Stellen gleichfalls zu 



Nachträgliche Bemerkungen zum Schutz der Obstbäume etc. 

vor schädlichen Insecten. 

(Auszüglich.) 
Von C. Becker, erstem Lehrer der Bürger- Mädchenschule in Jüterbog. 



Alle Schmetterlinge sind im Raupenzustande schädlich, selbst der 
Seidenspinner (Bombix mori) in seinem Vateriande. Die ersten Raupen 
in den Gärten vertilgt man Mitte März dadurch, dass man die grossen 
Raupennester abschneidet. Diese entstehen durch die Raupen des Gold- 
schwanzes (Bombix chrysorrhoea, Flügel schnee weiss, die Spitze des 
Hinterleibes rostroth; die Raupen grauschwarz, roth geädert). Sie zer- 
fressen im Mai und Juni die Knospen und Blätter der Obstbäume, der 
verschiedensten Laubhölzer und Rosen. Die jungen Raupen bereiten sich 
im August eine Wohnung für den Winter an den zusammengesponnenen 
Zweigspitzen, die sie inwendig mit Seidenfäden ausfüttern und von aussen 
mit zahlreichen Seidenfäden umwickeln, woran sie leicht zu erkennen sind. 
Das Abschneiden der Nester kann von Mitte November bis Mitte März 
erfolgen. Am besten betheiligen sich dabei 2 Personen, der mit dem 
Gebrauch der Raupenscheere Vertraute und ein Kind, welches die herab- 
gefallenen, zu vernichtenden Nester sorgfältig sammelt. Die gefrässigen 
Ringelraupen (von Bombix neustria), welche aus den schwer zu fin- 
denden, an den dünnen Zweigen der Obstbäume ringsum fest angeleimten 
Eiern kriechen, sammeln sich Anfangs Mai an den Zweigspitzen, später 
in Nestern in den Astgabeln in einem leicht zu erkennenden Gespinnst 
und können hier mit einem feuchten Lappen zerdrückt werden. Beide 
Raupenarten wandern. Deshalb bindet man Mitte Mai starke, geleimte 
Papierringe um die Bäume und bestreicht sie mit Brumata-Leim; 
diesen überkriechen die Raupen nicht, sondern sammeln sich unterhalb 
der Ringe, wo sie leicht vernichtet werden können. Mit dem Brumata- 
Leim sind in gleicher Weise auch Ameisen z. B. von Orangeriebäumen 
abzuhalten. 

In warmen, dunklen, regen- und windfreien Abenden des Juli und 
August fängt man viel den Gartengewächsen schädliche Nachtschmetter- 
linge und Motten im Garten, indem man einen Glaskasten, oder noch 
besser ein Einmacheglas von etwa 1 Fuss Durchmesser und entsprechen- 
der Höhe innerlich und äusserlich mit Br um ata -Leim überstreicht und 



der Schles. Gresellsch. f.^vaterl. Cultur. 305 

in die Mitte eine brennende Petroleum-Küchenlampe stellt. Morgens wird 
das Glas hereingeholt und in den Keller gestellt, damit die Tageshitze 
nicht austrocknend auf den Leim wirkt. Dies Verfahren gründet sich auf 
die Beobachtung, dass alle Nachtschmetterlinge, Motten etc. dem Lichte 
zuflattern. Besitzt man ein Gewächshaus, bestreicht daran einzelne Glas- 
scheiben äusserlich und innerlich mit Brumata-Leim und stellt eine Lampe 
von Innen an die Scheiben, so wird man an warmen Sommerabenden 
ebenfalls viele schädliche Nachtfalter fangen. Bas Glas lässt sich später 
durch einen mit Baumöl getränkten Lappen reinigen.*"') 



Gefülltes Bellidiastrum Muhelu Cass. 

Von Apotheker Sauer in Cudowa. 



Heute erscheine ich, wie ich glaube, mit einer nicht ganz uninteres- 
santen Neuigkeit. Wir wissen, wie weit die Cultur es vermochte, die 
allbekannte Bellis perennis zu bedeutender Vollkommenheit zu bringen. 
Wir finden davon Blumen von seltener Grösse, Pflanzen mit panachirten 
Blättern und der Farbenspielarten in roth und in roth und weiss giebt es 
viele. Ich fand nun im vorigen Jahre eine angebliche Bellis perennis } 
welche alle jene, die ich bis jetzt sah, an Grösse weit übertraf. Ich ver- 
nahm von einem einfachen Manne, dass er sich nach und nach eine ziemliche 
Anzahl Zierpflanzen angeschafft, unter denen manches Neue zu finden sei. 
Bei einem Besuche desselben fand ich dies bestätigt und war verwundert, 
bei diesem schlichten Häusler so viel Verständniss von dem, was man 
neu und werthvoll in der Blumistik nennt, zu finden. In dessen Gärtchen 
traf ich denn u. a. auch die soeben erwähnte Bellis von auffallender 
Grösse, gefüllt blühend und rosafarben. Die schlanken Stiele von 20 bis 
25 Cm. Länge trugen Blüthenköpfchen von der Grösse einer gut gefüllten 
Calendula officinalis. Indess erkannte ich bald, dass es kein gewöhn- 
liches Massliebchen sei. Ich fand hier den Bellidiastrum Muhelu Cass, 

Es ist für mich wenigstens interessant und neu, dass man diese 
Pflanze auch in die Cultur gezogen hat und sie als Bellis ausgiebt. Die 
Pflanzen- Cataloge kennen sie nicht. Ob der Gedanke, diesen Bellidiastrum 



*) Was Herr Becker im Weiteren in diesem nachträglichen Berichte sagt, 
konnten wir nach den uns schon früher durch denselben gütig gemachten Mit- 
theilungen bereits in unseren Jahresberichten pro 1870 S. 40 u. f. und pro 1871 
S. 14 ebenso zu weiterer Kenntniss bringen, als wie, dass derselbe seinen em- 
pfehlenswerthen Brumata-Leim zu einem äusserst massigen Preise liefert. 

Die Redact. 

20 



306 Jahres-Bericht 

zu cultiviren, neu oder alt. ist, weiss ich natürlich nicht, aber die Sucht, 
grosse Blüthen für Massliebchen zu gewinnen, findet dabei vollkommene 
Rechnung. Es giebt, glaube ich, nicht zwei Gattungen von Pflanzen, die 
jede eine Species bieten, welche so grosse Aehnlichkeit mit einander ge- 
mein haben wie die Bellis perennis und die Bergmassliebchen, diese Belli- 
diastrum. Letztere ist nur in allen Theilen grösser; doch giebt es aller- 
dings auch noch andere Unterscheidungsmerkmale. Ich fand sie wild 
wachsend in der Schweiz, so namentlich in grosser Menge an dem Fusse 
des aus dem Bodensee aufsteigenden Berges, auf welchem das Schloss 
Arenenberg liegt, einem letzten Landsitze des Kaisers der Franzosen. 

Ich glaube, wenn diese elegante Bergpflanze mehr bekannt sein wird, 
dürfte sie eine Menge treuer Freunde finden, um so mehr, als sie, wie 
ich schon behaupten kann, entschieden robuster sich ergiebt als ihre 
kleinere Schwester, die Bellis perennis, welche in ihren gepflegteren Spiel- 
arten sehr empfindlich ist. Mein Gartenfreund bezog die Pflanze aus 
einem herrschaftlichen Garten Süd-Böhmens unter dem Namen „Prinz 
Carlos''. 



Erzeugung von Morchel-Brut im Frühbeetkasten. 

Von Obergärtner O. Lorenz in Bunzlau. 



Vor mehreren Jahren legte ich im Herbst einen Frühbeetkasten an 
zur Ueberwinterung von Rosen, Verbenen etc. Als Unterlage gab ich 
eine 40 bis 45 Cm. starke Schicht Lindenlaub und brachte darauf eine 
ca. 25 Cm. starke Lage aus Fichtenrinde mit nur sehr wenig Eichenrinde 
gemischter, gebrauchter Gerberlohe. Der Umschlag wurde von Laub her- 
gestellt. Nun wurden die Töpfe bis an den Rand in die Lohe eingesenkt 
und der Kasten je nach Beschaffenheit der Witterung gelichtet, gelüftet, 
oder durch Deckung vor Eindringen des Frostes geschützt. Gegen Ende 
März des folgenden Jahres wurden sämmtliche Töpfe, in denen die 
Pflanzen hier sehr gut überwintert hatten, zu anderweiter Aufstellung 
herausgenommen. Hierbei zeigte sich die Lohe ganz mit weissen schimmel- 
artigen Fibern und Fäden netzartig durchzogen, ähnlich der Champignon- 
Brut, diese Fäden hatten sich aber auch den Topfballen milgetheilt und 
im April und Mai wuchsen zur Verwunderung Aller in fast allen diesen 
Töpfen die schönsten und wohlschmeckendsten Morcheln. 

Hätte beim Ausräumen des Kastens ich dies vermuthen können, so 
würde ich den Kasten ruhig liegen gelassen, oder mir doch die Lohe mit 
der Brut aufbewahrt haben, anstatt, wie dies geschehen war, dieselbe 
wieder zur Packung anderer Frühbeete mit zu benutzen, aus denen auch 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 307 

nicht eine Morchel erwuchs. Später war es mir unthunlich, ähnliche 
Versuche um die Cultur der Morchel zu machen und soll dieser Fall hier 
nur als eine mir vorgekommene Merkwürdigkeit mitgetheilt sein, obschon 
ich glaube annehmen zu dürfen, dass, so wie der Champignon, auch die 
Morchel sich culturfähig erweisen würde, wenn nur die Beschaffung lebens- 
fähiger Brut gelingt und sich die Bedingungen zu deren Ausbildung finden 
lassen. Hierbei sei bemerkt, dass die Morchel in der Umgegend von 
Bunzlau häufig vorkommt und wohl Sporen derselben in dem als Unterlage 
verwendeten Laube enthalten gewesen sein mögen, welche in der Lohe 
eine ihnen zusagende Stätte fanden. 



Zur Anzucht der Rosen aus Stecklingen. 

Von Obergärtner O. Lorenz in Bunzlau. 



Nach vielen grossentheils und hauptsächlich bei Remont-Rosen miss- 
lungenen, zu verschiedene.il Zeiten gemachten Versuchen, Rosen durch 
Stecklinge in Töpfen, in Stecklingskästen, Saatschüsseln, oder auch im 
freien Grunde des Mistbeetes zu vermehren, wende ich seit zwei Jahren 
folgende Methode dafür mit dem glücklichsten Erfolge an: 

Ist die erste Blüthenzeit der Rosen im Juni und Juli so weit vor- 
geschritten, dass die Blumen ausfallen, so gehe ich sofort an das Schnei- 
den der Stecklinge ; zu diesen wähle ich jedoch nur Holz, welches Blüthen 
brachte; damit dasselbe aber nicht erst welke, wird es sogleich in ein 
bereites Gefäss mit Wasser gelegt. Die Stecklinge schneide ich dann auf 
zwei, bei nahestehenden Gliedern auf drei bis vier Augen und stutze die 
Blätter bis auf zwei ein, welche ich zur Absorbirung des Saftes stehen 
lasse. Ist der Steckling fertig geschnitten, so wird er sogleich in ein 
Gefäss mit feuchtem Sande gesteckt. Sind nun eine grössere Anzahl oder 
die Stecklinge einer Sorte der Art vorbereitet, dann fülle ich kleine 
Töpfchen (7 Cm. breit und 6 Cm. hoch) mit einer aus 3 Theilen feinen 
Sandes und einem Theile Laub- oder Haide-Erde bestehenden Mischung, 
stopfe je nach der Stärke des Holzes 6 bis 12 Stück dicht am Rande 
des Topfes herum, drücke mit einem Stäbchen jeden Steckling unten fest 
an und überbrause darauf die Töpfchen stark, damit die Erde in den- 
selben durchnässt wird und sich setzt. Diese Arbeit nehme ich in dem 
von oben beschatteten Kalthause vor. Gegen Abend bringe ich sämmt- 
liche während des Tages in der beschriebenen Weise gestopften Stecklinge 
in einen abgetragenen, mit Sägespähnen oder Sand gefüllten Mistbeet- 
kasten und senke die Töpfchen möglichst nahe unter die Fenster ein-, 

20* 



308 Jahres-Bericht 

Sägespähne verwende ich am liebsten, weil die Luft besser einwirken 
kann. Den Tag über bleibt der Kasten gespannt und so stark beschattet, 
dass nur wenige schwache Lichtstrahlen durchbrechen können; tritt aber 
die Abendkühle ein, so nehme ich die Fenster ab, lasse den Kasten über 
Nacht unbedeckt und lege die Fenster am anderen Morgen, bevor noch 
der Thau abgetrocknet ist, wieder auf; ist dann gegen Abend der Thau 
ganz oder zum Theil abgetrocknet, so spritze ich leicht. So behandelt, 
haben die Stecklinge nach vier Wochen den schönsten Callns angesetzt 
und das Bewurzeln geht jetzt schnell vor sich. Die kleinen Töpfchen 
bieten die Vortheile, die Erde nicht so leicht sauer werden und Raum 
ersparen zu lassen, denn, falls dennoch einige Stecklinge zu Grunde gehen 
sollten, so ist, selbst wenn auch nur ein Steckling im Töpfchen wachsen 
würde, dasselbe dennoch sein Plätzchen werth. 

Gegen den Herbst entziehe ich nach und nach meinen Rosen-Steck- 
lingen die Fenster während des Tages und lege sie nur über Nacht auf. 
Die nun bewurzelten Rosen belasse ich bis zum Frühjahr in diesen kleinen 
Töpfen und nehme sie nur erst wenn strengere Kälte eintritt ins Kalthaus 
an die Fenster. Im Frühjahr, sobald es die Witterung zulässt, werden 
die Rosen wieder in einen kalten Kasten geschafft und abgehärtet, sodann 
aber an einem trüben Tage aus den Töpfchen genommen und einzeln auf 
recht locker gegrabene Gartenbeete gepflanzt. Ueber Sommer zwicke ich 
jede sich an diesen Pflanzen zeigende Knospe aus, was zu deren Kräf- 
tigung viel beiträgt, pflanze im September die bis dahin erstarkten Rosen 
in kleine Töpfe und stelle dieselben in ausgeräumte Frühbeetkästen, 
welche bei Tage geschlossen und beschattet, bei Nacht aber fensterfrei 
gehalten werden. In 14 Tagen sind dann die Rosen schon angewachsen 
und verkaufsfähig. 



Ueber Erdbeeren und deren Cultur. 

Von Sections-Gärtner J. Jettinge r. 



Es ist nicht zu verkennen, dass die Erdbeercultur seit Jahren auch 
in Deutschland einen erfreulichen Um- und Aufschwung genommen hat. 
Der Kreis der Erdbeerfreunde ist ein sehr umfangreicher; man könnte 
glauben, er erweitere sich in demselben Maasse wie die Zahl der Erdbeer- 
sorten. Wem nur irgend etwas Gartenland zu Gebote steht, pflanzt Erd- 
beeren, Bedenkt man, in wie kurzer Zeit und mit welchen geringen 
Kosten der Genuss dieser herrlichen Frucht zu verschaffen ist, so ist ihre 
Beliebtheit leicht erklärlich, wozu der Umstand kommt, dass das Gedeihen 
der Erdbeeren nicht so sehr wie bei vielen anderen Obstarten von 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 309 

localen Einflüssen abhangt, obschon manche Sorten auf einer gewissen 
Bodenart besser als auf anderer gedeihen. 

Die Zahl der bis jetzt gezüchteten Erdbeersorten ist so bedeutend, 
dass die Frage: wozu sollen die jährlich als neu gezüchtet zu enormen 
Preisen ausgebotenen Sorten? nicht ganz unberechtigt erscheint. Eine 
nicht unwesentliche Triebfeder zu solchen Neuzüchtungen ist die Sucht 
des Publikums nach stets Neuem; versteht daher der Züchter irgendeiner 
neuen Varietät es nur, seinem Product einen gut klingenden Namen zu 
geben und dem Geschmack der Käufer zu schmeicheln, so wird er in den 
meisten Fällen auch seine gute Rechnung finden. Wir haben unter den 
neuen Erdbeeren Sorten, deren gute Eigenschaften über alles Lob erhaben 
sind, aber auch solche, die sich kaum über das Mittelmässige erheben. 
Der Grund, warum solche minder gute Producte an den Markt kommen, 
liegt nahe; einmal ist es Gewinnsucht oder Eitelkeit des Züchters, mit 
seinem Product vor die Oeffentlichkeit zu treten, dann aber auch der 
Umstand, dass nicht Jedem, der eine neue Sorte gezüchtet zu haben 
glaubt, das sehr bedeutende Sortiment werthvollster Sorten zu Gebote 
steht, um seinen Neuling gegen diese abzuprobiren. Oft kommt es auch 
vor, dass sogenannte Neuheiten nur neue Namen tragen, aber alte For- 
men sind, deren Anpreisung eitel Schwindel ist. Bewährte Sorten bürgern 
sich fest ein, geringere verschwinden bald wieder, hinterlassen aber nicht 
selten Unzufriedenheit, Misstrauen und Unlust bei ihren Pflegern. Zu 
dem Gesagten passt wohl am besten das Verhältniss unserer Obst- 
sortimente. Wer möchte z. B. seine Beurre blanc, seine Zwiebel- 
Bergamotte etc. deshalb missen, weil andere neue Sorten auftauchen, die 
viel grösser und besser als jene sein sollen? 

Wenn die guten Eigenschaften einer Erdbeersorte zu voller Ent- 
wickelung kommen sollen, so muss eine rationelle Cultur vorausgehen; 
das Hauptsächlichste einer solchen soll hier in möglichster Kürze gegeben 
sein, doch haben wir dabei nur die Ananas- oder Englischen Erdbeeren 
im Auge, da alle die anderen Arten den Anbau weniger lohnen. Die 
Erdbeeren lieben einen tiefgründigen, nahrhaften, schweren, etwas feuch- 
ten Boden und eine freie Lage; sie gedeihen zwar auch auf leichterem 
Boden, nur verlangen sie dann mehr Schatten, Begiessen, Düngung und 
Winterschutz. In schwerem Boden bleiben die Pflanzen mehr von den 
Engerlingen verschont. Ist der Boden zu fett, so wachsen die Pflanzen 
zwar sehr üppig, bringen viele Blüthen, aber wenige oder keine Früchte; 
zu magerer Boden erzeugt nur kleine Früchte, denen der schöne Ge- 
schmack fehlt. Vor Allem hat man also auf einen guten, nicht zu 
trockenen, aber auch nicht zu nassen Boden zu sehen. 

Das Land, worauf man Erdbeeren pflanzen will, muss 1 ! / 2 bis 2 Fuss 
tief umgegraben werden. Hat der Boden die gehörigen Nährstoffe nicht, 
was man leicht an den vorhergegangenen Culturen erkennen konnte, so 



310 Jahres - Bericht 

muss durch Untergraben von Stalldünger geholfen werden- zur Frühjahrs- 
pflanzung hat dies schon im Herbst, zur Herbstpflanzung spätestens An- 
fang August zu geschehen. Die Beete legt man so an, dass jedes der- 
selben drei Reihen in einer Entfernung von 1 ! / 2 Fuss aufnehmen kann. 
Die Pflanzen erhalten in den Reihen einen Abstand von 16 bis 18 Zoll. 
Diese Entfernung ist für die normale Entwickelung der Pflanzen unbedingt 
nothwendig; engere Pflanzung giebt geringeren Ertrag und geringere 
Früchte. Ohne Nachtheil für die Erdbeerpflanzen kann man im ersten 
Sommer Salat dazwischen pflanzen. 

Die geeignetste Pflanzzeit ist das zeitige Frühjahr, sobald der Frost 
aus der Erde ist und keine strengen Fröste mehr zu befürchten sind, bis 
Mitte April, oder von Mitte August bis zum October. Zur Neupflanzung 
wählt man egal starke, kräftige, gut bewurzelte Ausläufer und nur in Er- 
mangelung solcher alte Pflanzen. Sind die Pflanzen mit möglichster Sorg- 
falt ausgehoben, so werden die Wurzeln wenig eingestutzt, möglichst breit 
im Pflanzloche vertheilt und die Pflanzen gut angedrückt. Zu tiefes 
Pflanzen ist nachtheilig. Von grossem Vortheil ist das Pflanzen bei trü- 
bem Wetter. Nach dem Pflanzen wird tüchtig angegossen, und ist bei 
trockenem Wetter so lange fortzusetzen, bis die Pflanzen nicht mehr 
welken- ein Ueberbrausen derselben mit Wasser wirkt sehr vorteilhaft. 
Fleissiges Reinhalten von Unkraut und zeitweiliges Auflockern des Bodens 
sollte nie versäumt werden. Die an den Pflanzen erscheinenden Ranken 
werden, soweit man ihrer nicht zur Vermehrung bedarf, sofort bei ihrem 
Entstehen unterdrückt, weil sie die Mutterstöcke schwächen. Im Herbst 
werden die Beete mit kurzem Dünger oder Compost belegt, der im Früh- 
jahr flach untergehackt wird. Beim Beginn der Vegetation säubert man 
die Erdbeerpflanzen von den alten vertrockneten Blättern, hackt den 
Boden gut auf und zieht die Erde etwas an die Stöcke heran. 

Besitzt der Boden nicht von Natur genügende Feuchtigkeit, so ist es 
gut, denselben während des Sommers zwischen den Pflanzen mit Moos 
oder sonstigen pflanzlichen, der Fäulniss widerstehenden Stoffen zu be- 
decken; es wird hierdurch das schnelle Austrocknen des Bodens, das 
Aufkommen von Unkraut und das Schmutzigwerden der Früchte bei ein- 
tretendem Regenwetter verhindert. Eine Menge Vorrichtungen und Ma- 
teriale wurden hierzu empfohlen, welche mehr oder weniger kostbar und 
zweckmässig sind. Am vortheilhaftesten sah ich für jene Zwecke Rohr- 
schilf verwendet; dasselbe war in circa fusslange Stücke geschnitten und 
der Boden zwischen den Pflanzen damit gleichsam parquettirt. Dies Ver- 
fahren ist jedem anderen vorzuziehen, denn das Material ist billig, kann 
öfter benutzt werden und ist auch in Bezug auf Reinlichkeit das beste. 

Tritt während der Blüthezeit der Erdbeeren sehr trockene Witterung 
ein, so ist ein kräftiges Begiessen der Pflanzen mit dem Rohr von grossem 
Nutzen und kann selbst wenn die Früchte schon schwellen noch fort- 



der Schles. Gesellsch. f. vatcrl. Cultur. 311 

gesetzt werden- überraschende Resultate werden erzielt, wenn dem Wasser 
eine kleine Quantität Düngerwasser von Jauche, Hornspälmen u. dergl. 
beigemengt wird. Um recht grosse Früchte zu erhalten, lasst man der 
Pflanze von den zuerst angesetzten nur die vollkommensten Früchte, auf 
jedem Blüthenstengel 2 bis 3 Stück, und schneidet die übrigen summt 
den Blüthen weg. 

Da die Erdbeerpflanzen je älter je schwächer und empfindlicher 
werden, so sind die Pflanzungen alle 3 bis 4 Jahre zu erneuern und 
dabei auch das Land zu wechseln; wäre man dennoch genöthigt, wieder 
auf das alte Land zu pflanzen, so sollte mindestens 2 Fuss tief rigolt und 
dann möglichst viel gut verrotteter Dünger untergegraben werden. Im All- 
gemeinen gilt auch bei den Erdbeeren die Regel: je sorgsamer man in 
ihrer ganzen Abwartung ist, um so schöner werden die Früchte, um so 
länger und reichlicher tragen die Pflanzen. 

Das Einernten der Früchte muss sehr sorgfältig geschehen, weil der 
leiseste Druck ihr gutes Ansehen beeinträchtigt. Man pflückt die Früchte 
behutsam mit dem Stiel und legt sie in die bereit gehaltenen Gefässe 
ohne sie zu hoch aufzuschichten. Die beste Zeit zum Pflücken ist wenn 
der Thau des Morgens einigermassen abgetrocknet ist, ausserdem kann 
gegen Abend gepflückt werden. In der Mittagszeit geerntete Früchte 
halten sich nicht lange, haben auch weniger Aroma. 

Die Wahl der anzubauenden Sorten aus der grossen Menge derselben 
fällt dem Erdbeerliebhaber schwer. Die Wahl nur auf den Namen hin 
führt zu keinem Resultat. Im Garten der Section wurde ein Sortiment 
von über 30 auserwählten Sorten eultivirt, welches dennoch bedeutend 
reducirt werden musste. Nachstehende Sorten sind in jeder Beziehung- 
wirklich werthvoll : Eugen Fürst, Belle de Paris, British Queen, Marguerite. 
Empresse Eugenie, Magnum bonum, Kaminsky, La Fertile, Hendries 
Seedling, Sir Joseph Paxton und Groveend Scarlet, letztere zwar klein- 
früchtig, aber von enormer Tragbarkeit. . 



Die amerikanische frühe RosenkartofFel. 

Von Obergärtner Lorenz in Bunzlau. 



Von der vor zwei Jahren noch neuen, in allen Preisverzeichnissen 
viel gerühmten amerikanischen frühen Rosenkartoffel legte ich damals, 
am 3. April, 5 Pfund, in 96 Stücke geschnittene Knollen gleichzeitig mit der 
Sechswochenkartoffel. Ende April kamen Erstere alle gleichmässig auf, 
Letztere dagegen einige Tage später und recht unregelmässig. Im Mai 



3 1 2 Jahres - Bericht, 

traten noch starke Nachtfröste ein, das Laub der Sechswochenkartoffel 
wurde schwarz, das der Rosenkartoffeln blieb frisch und wuchsen diese 
so kräftig weiter, dass es den Anschein gewann, als wollte das Kraut 
riesig hoch werden; bei einer Höhe von ca. 15 Zoll hörte jedoch dieses 
Wachsen auf. Ende Juni waren die dicht um den Stock angesetzten 
Knollen vollständig ausgewachsen. Die nun zum Versuch gekochten 
Knollen Hessen im Geschmack nichts zu wünschen übrig; die Sechswochen- 
kartoffeln waren dagegen noch sehr seifig. Ende Juli war das Kraut der 
Rosenkartoffel schon ganz abgestorben und ich erntete von den gelegten 
96 Stückchen 18 Metzen grössere und kleinere Knollen, ausserdem noch 
eine Metze in der Grösse von Erbsen und Haselnüssen. 

Als ich im folgenden Frühjahr diese Kartoffeln wieder vornahm, fand 
ich sie sehr gut erhalten, musste leider aber wahrnehmen, dass mir drei 
Metzen derselben abhanden gekommen waren. Da ich gefunden habe, 
dass zu vieles Zerschneiden die Kartoffeln nach und nach schwächt, wohl 
auch Krankheiten unter denselben erzeugt, und dass ganze Knollen, wenn 
auch mit Ausnahmen, bei weitem kräftigere Stöcke bilden, schnitt ich 
diesmal nur die grösseren Knollen in 2 bis 3 Stücke. Diesmal erntete 
ich ca. 14 Centner und von den ganz kleinen Kartoffelchen allein 125 Pfd. 
Kranke Knollen gab es nicht, obschon auf demselben Acker die Sechs- 
wochen- und die mittelfrühe weisse Nieren- oder Mäuselkartoffeln fast 
durchweg krank waren und bald in Fäulniss übergingen. — Erwähnen 
muss ich noch, dass ich die erste Probe auf leichtem mageren Boden 
machte, dagegen im zweiten Jahre die Kartoffeln in schweren, sandigen, 
lehmmergelhaltigen Boden legte, welcher bei den vielen schweren Schlag- 
regen im Frühjahr wie eine Lehmtenne zusammengedroschen war; dennoch 
kamen die Rosenkartoffeln alle gut und gleichmässig durch, die Sechs- 
wochenkartoffeln hingegen viel später, sehr schwer, oft gar nicht, so dass 
sie grosse Lücken zeigten. Es scheint demnach die Rosenkartoffel in 
Bezug auf Bodenbeschaifenheit nicht sehr wählerisch und für Witterungs- 
einflüsse nicht sehr empfidlich zu sein. Mit Rosenkartoffeln zur Saat 
stehe ich gern zu Diensten. 



Wassermelonen-Bastard und dessen Verwendung im Winter. 
Von Garten-Inspector Bürgel in Wittgenstein (Rumänien). 



Die in den Catalogen grösserer Samenhandlungen unter dem Namen 
Citron for preserves seit einigen Jahren angebotene Wassermelone reift 
selbst bei ungünstigem Sommer gut im Freien und erlangt auf massig ge- 
düngtem Boden die doppelte Grösse eines Manneskopfes. Ausser Form 



der Schles. Gcsellsch. f. vaterl. Cultur. 313 

und äusserer Farbe hat sie aber nicht die geringste Aehnlichkeit mit den 
so geschätzten vielen arideren roth- und gelbfleischigen Sorten, über 
welche ich bereits früher zu berichten Gelegenheit hatte. Beim Auf- 
schneiden Anfang October stellte sich ihre vollständige Unbrauchbarkeit 
resp. Ungeniessbarkeit heraus. Das Fleisch war grün, auffallend fest und 
schwer und die Samen lebhaft roth; nur einige Kerne hatten eine wesent- 
lich abweichende, d. h. kleinere Form und bräunliche Farbe, was mich 
zu glauben veranlasste, dieselben seien durch natürliche Befruchtung von 
daneben stehenden vielen anderen geniessbaren Sorten erzeugt. Ich sam- 
melte die abnormen Körner. 

Versuchsweise legte ich jedoch eine Anzahl dieser neuen Wasser- 
Melonen-Art bei eintretendem Frost in den Keller, um mich zu über- 
zeugen, ob nicht etwa später sich erst ihre Brauchbarkeit in irgend einer 
Weise herausstellen würde. Im April des folgenden Jahres fand ich 
sämmtliche Früchte noch unversehrt, trotzdem der zum Aufbewahren be- 
nutzte Keller ziemlich feucht war; ihr innerer Werth hatte sich aber fast 
um Nichts verbessert und sie wurden deshalb als Viehfutter verwendet. 

Anfang Mai legte ich nun die oben bezeichneten Kerne, aber weit 
entfernt von den Culturbeeten der für die Tafel alljährlich bestimmten 
Sorten und bemühte mich während der Blüthezeit durch künstliche Be- 
fruchtung mit den besten Sorten womöglich bessere Eigenschaften, d. h. 
Geniessbarkeit zu erzeugen, was auch bei fortgesetzter Befruchtung end- 
lich gelingen wird, denn die im Herbst untersuchten reifen Früchte zeig- 
ten schon ein wesentlich feineres, wenn auch immer noch grünlich gelbes 
aber durchsichtiges Fleisch, jedoch nur wenig Süssigkeit. Wieder im 
Keller aufbewahrt und erst im Februar einer neuen Untersuchung unter- 
worfen, fand ich nun die überraschende Erscheinung, dass das Fleisch 
ein viel gelberes, glasiges Ansehen bot und ein reiner Gurkengeschmack 
sich entwickelt hatte, was mich veranlasste, sofort einen Salat davon be- 
reiten zu lassen, der mit noch einer Kleinigkeit fein gehackter Zwiebel 
vermischt das herrlichste Gurkensalat-Surrogat lieferte. 

Welchen grossen Werth nun schon dieser Bastard für den Gemüse- 
Gärtner im Allgemeinen und ins Besondere für den herrschaftlichen Gärtner 
besitzt, da Letzterer öfters mit den fabelhaftesten Ansprüchen angegangen 
wird und Mühe hat, den ganzen Winter hindurch die verlangten Salat- 
massen zu liefern, geht schon aus dem Gesagten hervor; um so höher 
muss aber diese Frucht im Werthe steigen, wenn es durch fortgesetzte 
Befruchtung gelingen sollte, ihr bei der grossen Dauerhaftigkeit auch die 
Güte resp. Süssigkeit, verbunden mit der den Reiz derselben hebenden 
schönen dunkelrosa Farbe zuzuführen, welche unsere älteren, ziemlich be- 
kannten runden und langen Sorten besitzen. — Die Resultate meiner fort- 
gesetzten Bemühungen sollen seiner Zeit bekannt gegeben werden. 



314 Jahres -Bericht 

Cultur- Ergebnisse 

einiger an Mitglieder der Section vertheilten Gemiisesamen. 
Von J. Jettinger, Gärtner der Section. 



Die uns von resp. Mitgliedern zugegangenen Berichte, zum Theil 
auch neuer Berichterstatter, stimmen über diese oder jene Gemüsesorte 
im Wesentlichen mit unseren früheren Berichten, wenngleich deren Anbau 
unter verschiedenen Verhältnissen stattfand. — Ungünstige Witterungs- 
Verhältnisse, Hagelschäden und Raupenfrass sind nach manchen Berichten 
Hauptursachen des Nichtgedeihens mancher Gemüse* Klagen über letztere 
beiden Uebelstände finden sich jedoch nur vereinzelt. Um Wiederholungen 
zu vermeiden, beschränkt sich unser diesmaliger Bericht lediglich auf 
einige neuere oder doch zum ersten Male angebaute Sorten. 

A. Kopfkohl. Erfurter weisser fester und Arnstadts r klei- 
ner weisser fester sind beides gute Sorten, welche zum Anbau im 
Grossen tauglich sind. 

B. Wirsing. 1) Frankfurter Zuckerhut; die Berichte loben 
diese Sorte, tadeln aber wieder die Unreinheit des Samens, aus dem auch 
andere Sorten mit runden und spitzen, gelben und grünen Köpfen hervor- 
gingen. 2) Sutton's Gold englobe; auch diese Sorte war nicht rein, 
der grösste Theil der Pflanzen schloss nicht, während die geschlossenen 
Köpfe zwar ein spätes, aber sehr zartes Product lieferten. 

C. Winterkohl. Arnstädter Dachs. Eine verbesserte Form von 
unserem gewöhnlichen Grünkohl, welche sehr fein gekraust und zart- 
schmeckend ist. 

B. Strunkkraut. Diese Sorte gehört zu den Blattkohl-Arten. Die 
Pflanzen wuchsen prächtig heran und versprachen bei ihrem robusten An- 
sehen viel. Auf gut rigoltern Lehmboden wurden im Sections-Garten 
ca. 6 Schock dieser Pflanzen in der Weise, wie man Kohlsorten pflanzt, 
ausgesetzt. Nicht lange und dieses Kraut zeigte seinen eigenartigen 
Charakter. Die Pflanzen überragten bald alle anderen Kohlsorten be- 
deutend, Hessen aber immer noch Hoffnung, dass sich Köpfe bilden wür- 
den. Der Schaft war aussergewöhnlich stark und bei weiterem Wachs - 
thum bildeten sich um denselben sitzende bis 2 '/ 2 Fuss lange Blätter aus; 
an Kohlköpfe war nun nicht mehr zu denken. Bei voller Entwicklung 
erreichten die Pflanzen eine Höhe bis zu 5 Fuss. Ein Nutzungswerth 
dieser Kohlriesen für die Küche konnte nicht gefunden werden, selbst das 
Mark der bis 4 Zoll starken Stengel hatte, nach Art der Kohlrabi zu- 
bereitet, einen strengen und doch dabei faden Geschmack. Als Viehfutter 
könnte diese Kohlsorte Verwendung finden, wenn nicht zu bedenken 
wäre, dass die Pflanzen den Boden ungemein entkräften. 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 315 

E. Kohlrabi. Weisse verbesserte Wiener und Arnstädter 
verbesserte sind beides wirkliche Verbesserungen. Die Entwickelung 
beider Sorten geht rasch vor sich und ihr Geschmack ist sehr zart. 

F. Salat, Römischer, ist eine Bindsalatsorte, welche zu hart ist, 
um sich bei uns Eingang zu verschaffen. 

G. Buschbohnen. In letzter Zeit tauchen eine Menge Sorten Wachs - 
bohnen auf. Die kleinste Abweichung in Form und Färbung der Körner 
wird benutzt, um eine neue Sorte zu schaffen. Dia giebt es eine ,,neue 
runde blassgelbe Wachs-, neue bunte Wachs-Schwert-, neue sehr lang- 
schotige Wachs-" u. s. w. Alle diese Sorten sind sich fast ganz gleich. 
Bei allen findet man gewöhnlich beim ersten Anbau einen grossen Theil 
Pflanzen mit grünen Schoten und muss man diese entfernen, um die Sorte 
rein zu erhalten. Weisse Prinzessin, Zwerg-, ist die in früheren 
Berichten schon erwähnte, sehr reichtragende und zum Trockenkochen 
wohl zarteste und beste Sorte. — Prinz Egon. Herr Lehrer Oppler 
in Plania, welcher uns eine kleine Partie Samen dieser Sorte zusendete, 
will sie im rohen Kaffee gefunden haben und legte ihr vorstehenden 
Namen bei- möglich, dass sie in dortiger Lage und Boden gut ist, in 
dem Garten der Section blieben die Schoten zu klein, wurden auch zu 
schnell hart. 

H. Stangenbohnen. 1) Weisse römische Wachs- mit gelben 
Schoten und 2) früheste Zucker-Brach- sind zu wenig ertragreich, 
als dass sie Empfehlung verdienten; 3) Arabische rothblühende hat 
für die Küche gar keinen Werth; 4) Perrier's Darm-, die Pflanzen 
wurden nur 6 Fuss hoch, verzweigten sich stark und trugen ziemlich 
reich, sind aber empfindlich; die Schoten sind walzenförmig, ganz fleischig 
und von sehr zartem Geschmack. Reife Samen konnten im Sections- 
Garten nicht gewonnen werden. 

I. Erbsen. Neuere Sorten kamen nicht zum Anbau. Zu der Sorte 
„Laxton's Alpha" sei bemerkt, dass sie empfindlicher als alle anderen 
frühen Sorten ist. Bei dem in diesem Jahre (1873) Ende April statt- 
gehabten Frost von 6° R. erfror diese Sorte total, während andere Sorten 
diese Kälte gut überstanden. 

K. Kartoffeln. 1) König der Frühen, ist eben so früh als die 
schon vielfach verbreitete „frühe amerikanische Rosenkartoffel"; die Knollen 
sind weiss, mit kaum merklich rosa Augen; es dürfte diese sehr tragbare 
Sorte eine recht beliebte Frühkartoffel werden. 2) Prolifice-Bresee's 
Nr. 2 und Pearles-Bresee's Nr. 6 sind beides sehr reich tragende, 
mehlreiche, mittelfrühe Kartoffelsorten, welche recht häufigen Anbau ver- 
dienen. 



316 Jahres ■ Bericht 

Statistische Notizen. 

Von dem zeitigen Secretair der Section. 



Auch in diesem Frühjahr fand an Mitglieder der Section eine Gratis- 
Vertheilung von Sämereien empfehlenswerther Nutz- und Zierpflanzen 
statt. Das Material hierzu wurde theils aus erprobten Quellen bezogen, 
theils war es der gütigen Zuwendung geehrter Mitglieder, der Herren 
Bürgel, Frickinger, Gildner, Oppler, Pfeiffer und Preiss, zu 
verdanken, doch lieferte auch der Garten der Section ein bedeutendes 
Quantum Samen von Hülsenfrüchten und vervollständigte der Secretair 
das Sortiment der Blumensamen nach Möglichkeit. An 111 Mitglieder 
wurden 1570 Portioneu Gemüse- und 1880 Portionen Blumensamen ver- 
theilt, und belief sich der Kostenaufwand für diese Vertheilung auf 54 Thlr. 
5 Sgr. 6 Pf. 

Zu den über den Sections-Garten im Vorangegangenen bereits 
gegebenen Nachrichten ist an dieser Stelle noch nachzutragen, dass im 
Jahre 1872 aus demselben ausser grösseren Quantitäten verschiedener 
Gemüse und Beerenfrüchte für den Markt, in gesunden Stämmchen und 
kräftigen Pflanzen, nach Ausweis der Bücher und der grösseren Anzahl 
nach an Mitglieder käuflich überlassen wurden 6130 Stück Obstwildlinge, 
2490 Edelstämmchen von Kern- und Steinobst, 2557 Beerenobst-Sträucher 
und Pflanzen, 516 Stück Weinreben, 373 Stück hochstämmig veredelte 
Rosen und 30 Stück Zierbäume (Prunus triloba). 

An dem für hiesige Mitglieder bestehenden, von dem Referenten ge- 
leiteten Lesezirkel, zu welchem ein jährlicher Extra-Beitrag von 1 Thlr. 
zu leisten ist, waren im Jahre 1872 — 65 Mitglieder betheiligt und in dem- 
selben im Umlauf: 

9 Berichte von Vereinen, mit denen die Section durch Schriften- 
Austausch in Verbindung steht; 
19 zum Theil auch durch Austausch erworbene deutsche und aus- 
ländische gärtnerische Zeitschriften; 
9 neuestens erschienene Bücher und Broschüren über verschiedene 
Zweige des Gartenwesens. 
Unter den Zeitschriften sind einige, und zwar sehr werth volle, deren 
geehrten Herren Herausgebern und resp. Redactionen, dem Präsidio der 
Schlesischen Gesellschaft aber die weitere Anschaffung von Professor 
Ed. Morren's v La Belgique horticole" zu verdanken, während unter Letz- 
teren anerkennenswerthe Geschenke sich befanden, für welche hiermit 
wiederholt der verbindlichste Dank ausgesprochen sei. Das Verzeichniss 
der in diesem Lesezirkel zuletzt im Umlauf gewesenen 48 verschiedenen 
Schriften müssen wir uns vorbehalten, im nächsten Jahresberichte zur 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 317 

Kenntniss zu bringen, sie wurden wie zeither der Bibliothek der Schle- 
sischen Gesellschaft überwiesen und stehen dort durch deren Custos, Herrn 
Redacteur Th. O eisner, zu fernerer Benutzung laut Reglement zu Dienst. 



Primo Januar 1872 zählte die Section für Obst- und Gartenbau 
Mitglieder: Hiesige, Auswärtige. Summa. 

106 254 360, 

im Jahre 1872 traten hinzu 8 37 45, 



114 291 405, 

es schieden dagegen und zwar meist durch 

den Tod aus 8 13 21, 



und blieben daher Ende Decbr. 1872 Bestand 106 278 384, 

von denen als Mitglieder der Schlesischen 

Gesellschaft beitragsfrei sind .... 35 9 44, 

und gütige Extra-Beiträge zur Unterhaltung 
des Pomologischen und resp. Obstbaum- 
schul- und Versuchs-Gartens zahlen . 37 140 177. 



VII. 

Bericht 

über 

die Thätigkeil der meteorologischen Section der Schlesischen 

Gesellschaft im Jahre 1872, 

abgestattet von 

Dr. J. GL Galle, 

zeitigem Secretair der Section. 



In der Sitzung vom 10. Juli hielt Herr Georg von Boguslawski 
aus Stettin einen Vortrag über 

Schiaparelli's astronomische Theorie der Sternschnuppen, 
aus welchem, unter Hinweisung auf die unter diesem Titel im vorigen 
Jahre in deutscher Sprache erschienene ausgezeichnete Schrift, hier nur 
folgende Bemerkungen zur Charakterisirung des durch den Vortrag in 
den allgemeinen Umrissen dargelegten Inhalts herausgehoben werden 
mögen. — Schlesien und namentlich Breslau ist schon zu wiederholten 
Malen ein Hauptort für die Erweiterung und Förderung der Sternschnuppen- 
kunde und auch für die Geschichte der astronomischen Theorie der Stern- 
schnuppen von Bedeutung gewesen. Im Jahre 1823 hatte Brandes im 
Verein mit seinen eifrigen Mitbeobachtern, unter denen sich u. A. auch 
das hier lebende Mitglied dieser Gesellschaft, Herr Director Gebauer, 
besonders auszeichnete, durch seine Bahn- und Höhenbestimmungen von 
mehr als 60 Sternschnuppen die ersten Keime zu einer wissenschaftlichen 
Begründung der astronomischen Theorie der Meteore gelegt; später, vom 
Jahre 1834 an, hatte der 1851 verstorbene Professor v. Boguslawski 
(Vater des Vortragenden) durch seine eigenen, sowie durch die von ihm 
vielfach mit Erfolg angeregten correspondirenden Beobachtungen der 
Sternschnuppen und auch durch seine theoretischen Forschungen über den 
kosmischen Ursprung der Meteore die Sternschnuppenkunde wesentlich 
gefördert, Aber diese litt fortwährend unter der Ungunst der Fach- 



320 Jahres-Bericht 

Astronomen und konnte zu keiner gedeihlichen Entvvickelung gelangen, 
bis die grossartige Entfaltung des November- Phänomens im Jahre 1866 
sie zu hoher Blüthe und Bedeutung brachte. Viele der grössten und be- 
deutendsten Astronomen erhoben das bisher wenig geachtete Stiefkind der 
Astronomie, die Sternschnuppenkunde, zu einem Lieblingsgegenstande ihrer 
Forschungen. Vor allen aber ist der Mailänder Astronom Professor 
Schiaparelli als der Haupturheber und Begründer dieser neuen Aera 
in der Sternschnuppenkunde zu betrachten. In seinen Briefen an den 
P. Secchi in Rom und später in den „Note e riflessioni sulla teoria astro- 
nomica delle stelle cadenti" entwickelte Schiaparelli seine neuen An- 
sichten und seine eigenen Forschungen über den kosmischen Ursprung der 
Sternschnuppen und ihren Zusammenhang mit den Kometen und erregte 
damit in engeren und weiteren Kreisen der gebildeten Welt das höchste 
Interesse für diese Weltkörper. Ein tieferes Eingehen in die neueren 
Forschungen über Sternschnuppen, namentlich der deutschen Fachgelehrten, 
veranlasste Schiaparelli, sein früheres Hauptwerk, die „Note e riflessioni 
etc."y völlig umzuarbeiten, einige seiner früheren Ansichten theils zu er- 
gänzen und fester zu begründen, theils sie zu modificiren und den 
beobachteten Thatsachen anzupassen. Er hatte bei dieser Umarbeitung 
im Jahre 1869 von vornherein die Absicht, dieselbe in deutscher Sprache 
erscheinen zu lassen, „weil", wie er an den Vortragenden, dem er die 
Uebertragung aus dem italienischen Manuscript und die Herausgabe dieses 
neuen Werkes (Entwurf einer astronomischen Theorie der Sternschnuppen, 
Stettin bei Th. v. d. Nahmer) anvertraut hatte, schrieb, „die deutsche 
Sprache in der wissenschaftlichen Welt viel bekannter ist, als die italienische, 
weil ferner viele meiner Arbeiten in nicht immer glücklicher Darstellung 
wiedergegeben sind und weil mir zuweilen falsche oder unwahrscheinliche, 
ja sogar absurde Ansichten und Hypothesen zugeschrieben sind." Der 
Vortragende besprach und erläuterte hierauf eingehend und ausführlich 
folgende Kernpunkte und Grundzüge dieser neuen Schiaparelli'schen astro- 
nomischen Theorie der Sternschnuppen: 

1. Die Sternschnuppen sind Producte der Auflösung von Kometen. 

2. Sie sind an sich dunkle, feste Körperchen, welche uns erst im 
Bereiche unserer Atmosphäre sichtbar werden, aber in den höheren 
Schichten derselben (bis über 20 — 30 Meilen Höhe). 

3. Bei den Bahnen der Sternschnuppen sind zu unterscheiden: 1) die 
Bahnen innerhalb unserer Atmosphäre, diese sind allein für uns sichtbar 
und zu beobachten; 2) die kosmischen Bahnen, welche man aus der 
Richtung und Geschwindigkeit der erstehen ableiten, aber selbst nicht 
beobachten kann : diese kosmischen Bahnen sind parabolisch, d. h. ko- 
metarischer Natur. 

4. Man unterscheidet systematische Meteore oder Meteorströme und 
sporadische Meteore oder aufgelöste Meteorströme. 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 321 

5. Die Gesetze der täglichen, jährlichen und azimutalen Variation 
der Häufigkeit der Sternschnuppen lassen sich erklären aus der Ver- 
bindung der parabolischen Bewegung der Meteore und der Bewegung 
der Erde. 

6. Die Anziehung der Erde und der anderen Planeten bewirkt ver- 
schiedene Störungen in der Häufigkeit und Bewegungs - Richtung der 
Meteore. 

7. Die Kometen sind nicht, wie man seit Laplace angenommen hat, 
von Sternsystemen zu Sternsystemen herumirrende Nebelmassen, sondern 
haben mit der Sonne und anderen bestimmten Fixsternen einen gemein- 
samen Ursprung aus einer sich im Weltenraume allmählich verdichtenden 
Urnebeimasse und mit ihnen eine gemeinsame Bewegungs -Richtung; sie 
bilden mit der Sonne eine eigene Gruppe von Weltkörpern. 

8. Die Meteoriten (Meteorsteine und Eisenmassen) dagegen kommen 
aus allen Gegenden des Weltenraumes zu unserer Erde in hyperbolischen 
Bahnen, sie sind die eigentlichen Boten des Weltalls. Die gleichförmige 
Beschaffenheit und Zusammensetzung derselben sowohl in chemischer als 
mineralogischer Beziehung zeigt die Gleichförmigkeit des Stoffes im Welten- 
raume. 

9. Die Feuerkugeln können beiden Klassen von Weltkörpern an- 
gehören. 



21 



322 



Jahres-Bericht 



Allgemeine XJebersiclit 

der 

meteorologischen Beobachtungen auf der königlichen 
Universitäts - Sternwarte zu Breslau 

im Jahre l&YQ. 



Höhe des Barometers 453,62 Pariser Fuss über dem Ostseespiegel bei Swinemünde. 



1872. 



I. Barometerstand, 

reducirt auf 0° Reaumur, 
in Pariser Linien. 



II. Temperatur 

der Luft, in Graden nach 
R6aumur. 



Monat. 









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Januar 


1 


337"',20 


9 


325"',43 


331"',46 


25 
26 


+ 4°,9 


15 


— 7°,1 


Februar . . . 


. 5 


336,26 


26 


325,31 


333,49 


25 


+ 5,6 


14 
1 6 


— 5,6 


März 


. 3 


338,40 


25 


323,96 


331,10 


30 


4- 17,8 


1 3 

22 


- 3,1 


April 


. 7 


336,37 


21 


323,51 


330,79 


21 


+ 19,4 


8 


4- 0,3 


Mai 


. 1 


335,25 


22 


326,49 


331,00 


20 


4- 24,5 


12 


4- 2,9 


Juni 


. 16 


334,79 


10 


328,50 


331,40 


9 


4- 21,0 


17 


4- 7,4 


Juli 


. 21 


335,02 


31 


328,50 


331,82 


27 


4- 24,4 


4 


4- 8,7 


August 


. 25 


335,09 


7 


327,41 


331,70 


7 


4- 22,5 


26 


4- 6,7 


September . 


. 13 


334,54 


21 


327,57 


331,20 


6 


4- 24,1 


24 


4- 3,1 


October . . . 


. 7 


336,46 


25 


327,66 


331,09 


14 


4- 17,7 


8 


4- 1,4 


November . 


. 8 


336,30 


13 


325,12 


330,88 


1 


4- 13.2 


18 
1 9 


4- 0,1 


December . 


. 27 


335,83 


4 


323,34 


330,48 


•> 
o 


4- 11,9 


20 


- 5,1 



— 0°,38 

— 0,26 
4- 3,91 
4- 8,13 
4- 12,64 
4- 12,72 
4- 14,87 
4- 13,23 
4- 12,24 
4- 9,51 
4- 5,92 
4- 1,56 



Jahr 



338"',40 



323"',34 ,331"',37 



4-24°,5 



7°,1 4-7°,84 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 



323 



1872. 



HI. Feuchtigkeit der Luft. 



a. Dunstdruck, 
in Pariser Linien. 



b. Dunstsättigung, 
in Procenten. 



IV. Wolken- 
bildung und 
Niederschläge. 



Monat. 



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Januar . . . 
Februar . . 

März 

April 

Mai 

Juni 

Juli 

August . . . 
September 
October . . 
November 
December 

Jahr 



25 

25 

30 

2 

18 

26 

29 

20 

5 

5 

7 

3 



2"',45 
2,32 
4,24 
4,44 
6,73 
6,32 
6,65 
6,74 
6,49 
5,13 
4,14 
3,86 



15 

16 

27 

8 

2 

15 

21 

25 

23 

8 

18 

14 



0"',89 
0,98 
0,90 
1,31 
2,16 
2,62 
2,53 
2,68 
1,64 
2,15 
1,85 
1,08 



r",72 
1,69 
2,18 
2,79 
3,77 
4,33 
4,56 
4,32 
3,94 
3,57 
2,81 
2,01 



26 

9 
25 

l 
14 



21 



100 

100 
100 
100 
100 
100 

95 
100 

98 
100 
100 
100 



22 
11 
27 
13 
5 
25 

27 
28 
13 
14 

23 
1 
2 



58 
63 
24 
22 
23 
37 
29 
32 
34 
39 
46 
63 



86 
77 
71 
66 
74 
67 
72 
70 
81 
83 
85 



6 
7 
8 
8 
3 
1 

11 
2 
9 

11 
4 

10 



6 

9 

6 

6 

16 

11 

13 

16 

9 

8 

9 

5 



19 
13 
17 
16 
12 
18 
7 
13 
12 
12 
17 
16 



6"',50 
14,79 
12,58 
19,21 
40,62 
43,08 
26,99 
28,82 
15,21 

8,85 
17,90 

9,23 



6"',74 | 


0"',89 


3"',18 




100 



22 76,5 



80 



114 



172 



303"',78 



V. Herrschende Winde. 

Januar. Am häufigsten wehte SO. und S., nächstdem W. Mittlere 
Richtung SSO. 

Februar. Der Wind wehte während des ganzen Monats überwiegend 
aus SO., nächstdem aus S. und SW., als mittlere Richtung ergab 
sich SSO. 

März. Am häufigsten SO., darnach NW., jedoch oft auch W., SW. und 
S., so dass als mittlere Richtung SSW. berechnet wurde. 

April. Vorherrschend W., nächstdem SO.; mittlere Richtung SW. 

Mai. Der Wind wehte nahe gleich oft aus SO. und NW., nächstdem 
am häufigsten aus N., W. und S. und war überhaupt sehr ver- 
änderlich. Mittlere Richtung WNW. 

Juni. Die vorherrschenden Windesrichtungen waren NW. und W., nächst 
diesen Richtungen kam am häufigsten SO. vor. Mittlere Rich- 
tung WNW. 

Juli. Am häufigsten W., nächstdem NW., N., SO., NO.; als mittlere 
Richtung ergab sich NW. 

August. Vorherrschende Windesrichtung NW., nächstdem SO. und W. 
Mittlere Richtung NNW. 

September. Vorherrschend W., dann SW., S. und SO. Mittlere Rich- 
tung war WSW. 

21* 



324 Jahres -Bericht 

October. Die Windesrichtung war mit geringen Unterbrechungen fast 
während des ganzen Monats SO., nächstdem am häufigsten S. 
und SW. Als mittlere Windesrichtung ergab sich SSO. 

November. Wie im vorigen Monat vorherrschend SO., dann auch 
häufig SW., S. und W. Als mittlere Richtung wurde S. berechnet. 

December. Wie in den beiden vorhergehenden Monaten vorherrschend 
SO., nächstdem am häufigsten S. Mittlere Richtung SSO. 



VI. Witterungs - Charakter. 

Januar. Die Witterung des Januar hatte im Ganzen einen milden 
Charakter, unter geringen Schwankungen der Temperatur und 
geringer Windstärke oft Windstille. Nur wenige Niederschläge 
fanden statt, namentlich fehlte fast ganz die Schneebedeckung. 

Februar. Wie im Januar milde Witterung. Der in der Mitte des 
Monats gefallene Schnee hielt sich nur etwa eine Woche hindurch. 

März. In der Mitte des Monats etwas Schnee, sonst ein warmer Monat 
mit einem bisher im März nicht beobachteten Maximum von 
17°, 8 (am 30.). 

April. Die Temperatur war wie im März verhältnissmässig hoch, Luft- 
druck schwankend; viele Regenschauer, jedoch ohne Schnee und 
Graupeln. 

Mai. Bei der hohen Temperatur und dem in diesem Jahre besonders 
schönen Frühlingswetter trat eine frühe Entwickelung der Vegetation 
ein. Zahlreiche Gewitter; Wind sehr veränderlich. 

Juni. Luftdruck und Wärme waren in diesem Monat niedriger als im 
Durchschnitt; vorherrschende WNW.-Winde brachten viele Ge- 
witter mit reichlichem Regen. 

Juli. Luftdruck, Feuchtigkeit und Wärme normal. Bis zum 20. öfters 
kleine Regenschauer, dann erst trat Hitze und Trockenheit ein. 

August. Luftdruck und Feuchtigkeit normal, die Wärme dagegen ge- 
ringer als im Durchschnitt, ebenso auch das Quantum der Nieder- 
schläge. Stärkere Regen kamen nur im Anfange und nach der 
Mitte des Monats vor. Nur wenige Tage waren heiter, die 
meisten wolkig und gemischt. 

September. Luftdruck und Dunstsättigung niedrig, Dunstdruck normal. 
Die Wärme war in der ersten Hälfte des Monats besonders hoch, 
ähnlich wie im vorigen Jahre. 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 325 

October. Ein in seltenem Grade warmer und schöner Monat; die 
Wärme war fast stets grösser als im Durchschnitt, der Luftdruck 
dagegen unter dem Mittel. 

November. Verhältnissmässig noch wärmer als der October und zwar 
in einer stetigen Weise. Der Barometerstand war durchschnitt- 
lich niedrig. Das Quantum der Niederschläge und die Feuchtig- 
keit waren normal. 

December. Auch dieser Monat war, wie die beiden vorhergehenden, 
fortdauernd warm, nur gegen Mitte des Monats trat auf kurze 
Zeit gelinder Frost ein. Luftdruck niedrig, das Quantum der 
Niederschläge gering, ungewöhnlich viele heitere Tage, an vielen 
anderen Tagen jedoch auch neblig und dunstig. 



Nekrolog 

im Jahre 1872 verstorbener Mitglieder 

der 

„Schlesischen Gesellschaft für vaterländische Cultur". 

(Ausziiglich vorgetragen am 27. December 1872.) 



Auch das soeben ablaufende Jahr hat eine Minderung der Trauerfälle 
für unsere Gesellschaft nicht gebracht, ja es hält die seit 4 Jahren zum 
Normale der Sterblichkeit gewordene Zahl von 21 auch diesmal fest, 
da unter den 22 nachstehend Aufgeführten Herr Ruthardt, seit 1853 
der Gesellschaft angehörig gewesen, bereits vor mehreren Jahren aus 
seiner Mitgliedschaft ausgeschieden ist. 

Es wurden aus unseren Reihen durch den Tod abgerufen die Ehren- 
Mitglieder: Wirkl. Geh. Rath Dr. med. v. Olfers (+ 23. April), Baron 
von und zu Aufsess (| 6. Mai), Ober -Präsident Graf zu Stolberg 
(+8. August); die wirklichen Mitglieder: Director Schuck (f 29. Febr.), 
Justizrath Simon (f 19. März), Graf v. Hoverden-Hünern (f 21. März), 
Geh. Sanitätsrath Dr. med. Preiss (+26. März), Apotheker Cochler 
(f 17. April), Landes -Aeltester Wolf (f 18. Mai), General- Lieutenant 
v. Erhardt (f 1. Juni), Med.-Assessor a. D. Stadtrath Ger lach (+ 7. Juli), 
Bergrath a. D. Dr. phil. Thiele (f 25. Juli), Kaufmann Keitsch (f 7.Aug.), 
Prorector Prof. Dr. phil. Kampmann (+ 9. Septbr.), Baron v. Bohlen 
(+ 13. Septbr.), Hauptlehrer Stütze (+ 28. Septbr.), Commercien - Rath 
Gierth (+ 21. Octbr.), Buchdruckereibesitzer Friedrich (+ 23. Novbr.), 
Buchhändler Ruthardt (+18. Decbr.), Prof. Dr. med. Kuh (+ 21. Decbr.); 
die correspondirenden Mitglieder: Geh. Archivrath Prof. Dr. Riedel 
(+ 8. Sept.) und Gymnasial- Oberlehrer, Bibliothekar Tobias (+10. Octbr.). 



328 Jahre s-Bericht 

Gehen wir der in den früheren Todtenschauen gewohnten Gruppirung 
nach, so trifft unser Auge zunächst auf den so unerwartet geöffneten Sarg 
des Ober-Präsidenten der Provinz Schlesien, Eberhard Graf zu Stolberg- 
Wernigerode, welcher am 8. August kurz nach seiner Ankunft in Johannes- 
bad, wo er Kräftigung nach angestrengter Thätigkeit suchen wollte, aus 
dieser abgerufen ward. Allen unerwartet, von der Höhe des Lebens, auf 
welcher er, unberührt von seinen sechszig Jahren, festen Fusses noch stand. 

Man hört gegen einen Theil des schlesischen Adels den Vorwurf 
erheben, dass er sich, unähnlich seinen Vorfahren, dem Dienste des all- 
gemeinen Wesens, sei es in Staats-, sei es in Ehren-Aemtern, entziehe 
und Zeit, Kräfte, Vermögen unfruchtbar für das Ganze an allerlei private 
Passionen verwende. Ein Mann, von welchem gerade das Gegentheil 
auszusagen, war Graf Stolberg. Ueber seine verschiedenen amtlichen 
Wirkungkreise hinaus, die ihn gleich sehr mit der Landes-Verwaltung, 
wie mit der Landes- Vertretung (als erster Präsident des Herrenhauses) 
und mit dem Hofe (als königl. erster Ober-Jägermeister) in Beziehung 
brachten, hat er bekanntlich in freier Thätigkeit einem Gebiete sich zu- 
gewendet, auf welchem sein Name unvergessen bleiben wird: dem der 
Kriegs-Krankenpflege. Hier ist er der Begründer eines neuen Zu- 
standes, von ihm empfingen die mustergiltigen Einrichtungen, welche jetzt 
das preussisch- deutsche Heerwesen auszeichnen und denen die anderen 
Staaten Europas mühsam und leider nur sehr unvollkommen nachstreben, 
ihren ersten genialen, praktisch gestaltenden Anstoss. Noch vor 20 Jahren 
war der „Johanniter- Orden" gleich anderen eine äussere Decoration, der 
Grundbegriff als Erkennung- und Zugehörigkeit-Zeichen einer geschlossenen 
Verbindung war auch ihm abhanden gekommen. So empfing noch im 
Jahre 1851 Graf Stolberg das Johanniterkreuz vom Könige; ihm aber 
ward es Anlass, den „Orden" in einer Weise in's Leben zurückzurufen, 
wie er seiner ursprünglichen Bestimmung unter den Verhältnissen der Neu- 
zeit wieder entspräche. In der von ihm hierüber ausgearbeiteten Denk- 
schrift begegnete er sich mit dem gleichen Gedanken Friedrich Wilhelm's IV., 
und als der König, an Historisches anknüpfend, den evangelischen Zweig 
der alten Johanniterritter, die „Balley Brandenburg", unter dem zum 
„Herrenmeister" ernannten Prinzen Carl wiederherstellte und den Grafen 
zum „Kanzler" des Ordens ernannte, da war für diesen das Feld zur 
Verwirklichung seiner Pläne geschaffen. Nach dem Tode des vorigen 
Fürsten v. Pless ward er (1856) auch Commendator der schlesischen 
Provinzial-Genossenschaft des Ordens. Allen erinnerlich ist es, wie er 
nun im Kriege gegen Dänemark den Orden zum ersten Male wieder zur 
Thätigkeit auf den Blutgefilden führte, welche Verdienste er sich um die 
Organisation der Hilfeleistung auf dem Schlachtfelde, um die Erfindung 
der besten Construction eines Transportwagens für Verwundete, um die 
Lazarethpflege erwarb, und wie dann weiter aus diesen Anfängen die 



der Sclües. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 329 

dem Heere selbst eingefügten Einrichtungen (Krankenträger-Compagnien, 
Lazarethwägen etc.), sowie die Summe der freien Bethätigung bis zur 
Genfer Uebereinkunft hervorgegangen, welche, obschon sie Vollkommenes 
noch nicht erreichen, noch stets der Verbesserung bedürftig und unter- 
zogen sind, doch einen Zustand darbieten, wie ihn keine Zeit und 
kein Volk jemals zuvor aufzuweisen hatten, ein neues Zeugniss 
edler, schöner, vom Geiste des Christenthums durchhauchter Menschlich- 
keit unseres Jahrhunderts, welche auch im Gewühle der zu blutiger Ar- 
beit entfesselten Leidenschaft ihren milden Schleier über die rothe Wunde, 
den Krieg, deckt, ohne deren bisweiliges Aufbrechen die Menschheit, wie 
es scheint, heut noch nicht ihre moralische Gesundheit zu wahren versteht. 

Auch bei dem Feldzuge in Böhmen hatte Graf Stolberg persönlich 
die Oberleitung der gesammten Kriegs-Krankenpflege; zum „Commissar 
und Militär-Inspector der freiwilligen Krankenpflege bei der Armee'' er- 
nannt, gründete er sogleich den „Verein zur Pflege verwundeter und er- 
krankter Krieger" mit Depots in Magdeburg und Breslau. Erst bei dem 
Kampfe von 1870/71 gab er, soeben an die Spitze unserer Provinz be- 
rufen, diese umfassende Thätigkeit an den Fürsten v. Pless ab und be- 
hielt sich nur die bezügliche Wirksamkeit in Schlesien vor. — 

Die Stolberge sind ein sehr altes deutsches Grafengeschlecht, 
welches sich im 17. Jahrhundert in 2 Haupt- und mehre Nebenlinien 
theilte, davon die der Stolberg-Wernigerode die ältere ist. Als die Stamm- 
lande mit unter napoleonische Herrschaft gerathen waren, zogen sich die 
Grosseltern des Ober-Präsidenten auf ihren schlesischen Familienbesitz 
zurück, und hier ward jener am 11. März 1810 zu Peterswaldau bei 
Reichenbach geboren, als ältester Sohn des nachmaligen General-Lieutenants 
und Ministers Grafen Anton zu Stolberg-Wernigerode. Seine Erziehung 
empfing er vom 14. Lebensjahre ab in der Lehranstalt des Bunzlauer 
Waisenhauses und in der Familie des dortigen Oberlehrers Dreist, so- 
dann auf dem Gymnasium zu Glogau. Im Jahre 1830 betrat er die 
militärische Laufbahn. Einige Jahre war er Adjutant des Grafen Branden- 
burg, dann des älteren Prinzen Wilhelm. Im Jahre 1842 vermählte er 
sich mit der Prinzessin Marie v. Reuss, trat aus dem stehenden Heere 
in den Beurlaubtenstand und übernahm die Verwaltung der Fideicommiss- 
Herrschaft Kreppelhof bei Landeshut. Bis zum Jahre 1855 war er Land- 
rath des dortigen Kreises. Auf dem „vereinigten Landtage" von 1847 
führte er eine Virilstimme und betrat damit die parlamentarische Lauf- 
bahn; 1849 und 50 Mitglied der IL Kammer, ward er bald zum Führer 
der „conservativen Partei"; im Jahre 1854 von den Verbänden des 
„alten und befestigten Grundbesitzes" für das Herrenhaus präsentirt, 
wurde er dorthin als lebenslängliches Mitglied berufen; bereits im fol- 
genden Jahre ward er zu dessen Vicepräsidenten, 1862 an Stelle des in 



330 Jahres -Bericht 

das Ministerium berufenen Prinzen zu Hohenlohe - Ingelfingen zum Ersten 
Präsidenten erwählt, in welcher Stellung ihn stete Neuwahl bis zum Tode 
festgehalten hat. In den constituirenden und den ersten ordentlichen 
Reichstag des Norddeutschen Bundes sandte ihn der Wahlkreis Landeshut- 
Jauer-Bolkenhain. Auch seinem Dienst im Heere lag er während dieser 
Frist bei den verschiedenen Mobilmachungen weiter ob und rückte all- 
mählich bis zum General-Lieutenant auf. Im Juli 1869 in die Stelle des 
dahingeschiedenen Freiherrn v. Schleinitz zum Wirken auf dem höchsten 
Posten unserer Provinz berufen, legte er sein Reichstagmandat nieder, 
um sich ganz der umfassenden neuen Aufgabe widmen zu können, und 
auch den nur zu bald wieder an ihn ergehenden Ruf zur obersten Führer- 
schaft auf dem Johanniterfelde schlug, wie schon erwähnt, er aus. Zwei- 
mal während des Krieges war er in Frankreich: 1870 im Dienste der 
freiwilligen Krankenpflege, 1871 im Januar an der Spitze der Deputation 
des Herrenhauses, welche dem Könige die Glückwunsch- Adresse zur 
Kaiserwürde überbrachte. Nur kurze Frist sollte es ihm beschieden sein, 
den grossartigen Aufschwung zu sehen und in ihn leitend, schaffend mit 
einzugreifen, welchen auf materiellem Gebiete auch unsere Provinz ge- 
nommen, nachdem das Gespenst an der Seine wie die Ohnmacht Deutsch- 
lands und damit die stete politische Unsicherheit geschwunden waren. 

Dass sein Leben an äusseren Ehrenzeichen nicht arm war, ist selbst- 
verständlich ; auch der höchste preussische Titel, der eines „wirklichen 
Geheimen Raths" mit dem Prädicat „Excellenz", war ihm zu Theil ge- 
worden. Den Ruhm, dass er die durch seine sociale Stellung ihm über- 
kommenen Pflichten zu würdigen und zu erfüllen gewusst, und den 
anderen, dass er gearbeitet, werden auch die politischen Gegner, und 
werden auch Diejenigen nicht umhin können, an seinem Grabe aus- 
zusprechen, welche den Begriff „arbeiten'' in besonders einseitiger Weise 
fassen. 

Eine ausführlichere Skizze seines Lebens und Wirkens liefern die 
„Schles. Provinzialblätter (Rübezahl)" in ihres XII. Bandes 3. Hefte, 
wo auch ein Bildniss (nach Originalzeichnung von G. Kühn) den Grafen 
als „Johanniterritter u im Feldzuge von 1866 zeigt. — 

Ein Mann regsamen Geistes, zwar nicht unserer Stadt angehörig, 
doch der näheren Nachbarschaft, in Breslau oft gesehen, einer der Ael- 
testen — seit 1819 — in der Mitgliedschaft unserer Gesellschaft und als 
Jubilar im Jahre 1869 durch das Präsidium beglückwünscht, war Graf 
Eduard Adrian Johann v. Hoverden-Plenken, Majoratsherr auf Hünern etc. 
bei Ohlau, kgl. Kammerherr, Geh. Justizrath a. D., Mitglied des schles. 
Provinziallandtages (seit 1840) und des Herrenhauses (ältester Bruder 
unseres hochverehrten Mitgliedes, des Beschützers der Künste und lang- 
jährigen Schriftführers des Schi. Kunstvereins, Grafen Joseph Adrian v.H.-Pl.). 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 331 

Sohn des Geh. Regierungs-Rathes, Kammerherrn Graf Emanuel v. H.-Pl., 
welcher 40 Jahre Landrath des Kreises Ohlau gewesen, und der Gräfin 
Josepha, geb. Reichsgräfin v. Haugwitz-Pischkowitz, war er geboren am 
11. Juli 1797 im Schlosse Heidau bei Ohlau. Er besuchte das kathol. 
und das reformirte Gymnasium unserer Stadt, studirte ebenfalls hier die 
Rechte, daneben aber auch andere Wissenschaften, besonders die Heil- 
kunde; machte den Feldzug von 1815 im 1. Kür.-Regt. mit, nahm nach 
dem 2. Pariser Frieden seinen Abschied als Offizier und wandte sich 
seinen Studien wieder zu. Er vermählte sich 1818 mit Freiin Henriette 
v. Falkenhausen, ältesten Tochter des Wirkl. Geh. Rathes, Chef- 
Präsidenten des Ober-Landesgerichts Frh. v. F., die, nach 53jähr. glück- 
licher Ehe, ihm im Tode vorangegangen ist. In demselben Jahre ward 
er, erst 21 Jahre alt, zum königl. Kammerherrn ernannt. 1824 unter 
Ernennung zum Geh. Justizrathe als vortragender Rath in's Justizministerium 
berufen, trat er in derselben Zeit und durch eine Reihe von Jahren dem 
Prinzen (jetzigen Kaiser) Wilhelm als dessen dienstthuender Kammer- 
herr nahe, wohnte als solcher der Vermählung desselben in Weimar bei 
(11. Juni 1829), war in den Berliner Kreisen ein durch sprudelnden Witz 
und ausgezeichnete Beredtsamkeit angenehmer, gerngesehener Gesell- 
schafter; kam in nähere Berührungen mit Goethe und AI. v. Humboldt. 
Mit Uebernahme des väterlichen Gutes Thauer bei Steinau aus dem Mi- 
nisterium scheidend, ward er Kreisjustizrath für Steinau, Guhrau und 
Wohlau, eine Stellung, welcher die Beaufsichtigung der damals noch be- 
stehenden Patrimonialgerichte oblag. Nach des Vaters Tode (30. März 
1841) trat er den Majoratsbesitz (Hünern, Heidau, Philippsfeld) und die 
AHodialherrschaften Tworkau und Schillersdorf an. Fortab war er seinen 
Gutseingesessenen in allen Lagen des Lebens Helfer und Rather, vermöge 
seiner medicinischen Studien auch in Krankheitfällen. Mit Schrift und 
Wort trat er für die Rechte Bedrängter ein, ohne Unterschied in der 
Confession zu machen; so auch verfuhr er als Patron der katholischen 
wie der 2 evangelischen Kirchen seines Patronats. Als Landwirth hat er 
die Verpachtung auf gemeinsame Ernte eingeführt, worüber in 
den „Schles. Provinzialblättern" Bd. IV. 1865 S. 207 ff. nähere Nach- 
richt gegeben ist. Beschäftigung mit den Wissenschaften, wozu die schöne 
Majoratsbibliothek reiche Quellen bot, füllte seine freie Zeit aus. Be- 
sondere Neigung zog ihn zur Botanik, mit der er sehr vertraut war; 
diesem verdankt der Plan zu einer „Oekonomischen Flora Schlesiens oder 
Beschreibung und Abbildung der in Schlesien auf Feldern, Wiesen und 
Triften wild wachsenden und angebauten Pflanzen mit Angabe der 
besten Benutzung- und Cultur-Methoden" seine Entstehung, und es ist zu 
bedauern, dass das „dankbare Schlesien", wie so oft, auch hierbei seine 
Theilnahrae zurückhielt, so dass das 1. Heft (Druck und Verlag von A. Bial 
in Ohlau, 1843, 4°, mit 2 Tafeln nach Endler's „Naturfreund" recht gut 



332 Jahres -Bericht 

ausgeführten, colorirten Abbildungen) das einzige dieser Zeitschrift bleiben 
musste, deren Programm ein äusserst zweckmässiges war und in richtiger 
Einsicht viele Gegenstände bereits aufnahm, welche heut als selbst- 
verständlich in allen Zeitungen stabil sind. Auch dem theologischen Fache 
hat der Verstorbene seine Feder zugewandt; nicht allein dass er in der 
„schles. Gesangbuchfrage" mit einer Broschüre auftrat („Meine Meinung in 
dem schles. Gesangbuchstreite." 16 S. 8°. o.O. u.J.), was ihm von gewissen 
Seiten übelgenommen ward, da es ihn als Katholiken nichts angehe; er 
verfolgte auch ein- Streben, welches später in einem evangelischen Nicht- 
geistlichen unserer Stadt, dem Fabriken -Commissarius J. G. Hof mann, 
ebenfalls einen Vertreter gefunden hat, nämlich: die Bibel in einer dem 
heutigen Sprach- und Sachverständniss entsprechenden Weise neu zu über- 
setzen. Verwirklicht hat er dasselbe an dem Matthäus- Evangelium. („Die 
Heilsbotschaft, herabgebracht von Jesus Christus. Nach dem Berichte des 
Matthäus." 88 S. 8°. 1848, Druckort wie oben. Wie es scheint als 
Manuscript gedruckt.) Auch über die Unsterblichkeit hat er eine Schrift 
verfasst. Häufig trat er auch in der Tagespresse auf. Im Jahre 1841 
erschien von ihm eine kleine Broschüre: „Abgerissene Gedanken über 
Land- und Stadtpöbel" (Breslau, Josef Max und Komp.). Handschriftlich 
hinterlassen hat er u. a. eine Anzahl Novellen. 

Nicht zwar in der literarischen Welt, dafür um so energischer in der 
des praktischen Lebens bethätigte sich Max Simon, der am 19. März, 
dem Begräbnissdatum Nees v. Esenbeck's, vom Nervenschlage hingerafft 
wurde, noch nicht 58 Jahre alt. Geboren war er zu Berlin am 9. Septbr. 
1814. Erst 3 Jahre alt, verlor er (am 28. October 1817) den Vater, 
welcher Wirkl. Geh. Ober-Justizrath und Präsident der Ober-Examinations- 
Commission war. Max studirte 1833- — 36 evangelische Theologie, dann 
bis 1838 Jura, trat 1838 in den Staatsdienst, nahm 1846 die Stellung als 
Generalbevollmächtigter des Fürsten v. Pless mit dem Titel eines Kammer- 
Directors an, machte in dieser die schwere Zeit des Hungertyphus in 
Oberschlesien durch, in seinem vielbeanspruchenden Wirkungkreise kräftig 
waltend, aus welchem er erst schied, als er durch das Jahr 1848 sich 
auf den politischen Kampfplatz gerufen sah und hieraus Differenzen ent- 
sprangen. Er trat in den Staatsdienst zurück, 1848 — 52 als Kreisrichter 
in Berlin und in Lübben, von wo er, indem er mit dem hiesigen Justiz- 
Kath Löwe tauschte, nach Breslau kam, dessen umfassende Praxis als 
Rechtsanwalt und Notar übernahm und den Titel „Justizrath" erhielt. 

Das Jahr 1848 sah ihn, vom Kr. Pless oder Wohlau-Steinau gewählt, in 
der deutschen Nationalversammlung zu Frankfurt a/M., wo er mit seinem 
Freunde und Vetter Heinrich Simon zum „linken Centrum" oder der 
sog. „gemässigten Linken" gehörte, nach ihrem Versammlungiocale die 
„Fraction Westendhall" und von Heinrich Laube „die Linke im Frack" 



der Schles. Gcsellsch. f. vaterl. Cultur. 333 

genannt. Nachdem durch das feindliche Verhalten der östreichischen 
Regierung und den Separatismus der östreichischen Abgeordneten die 
Parteistellung völlig verschoben war, trat er mit mehren seiner Partei- 
genossen in den „März-Verein", welcher, trotz jener Umstände, gegen 
das die Ausschliessung Oesterreichs aus Deutschland fordernde Programm 
des Ministeriums Gagern entschiedene Stellung nahm und die, späterhin 
auch von dem Gange der deutschen Geschichte verlassene, „grossdeutsche" 
Fahne festhielt. Dem tragisch endenden, im folgenden Jahre zwischen 
dem Parlamente und den Regierungen zum Ausbruch kommenden Con- 
flicte sah er sich entzogen durch einen längeren Urlaub, den er in Familien- 
Angelegenheiten zu nehmen gezwungen war. Auch während der Periode 
der „Wahlenthaltung" seitens der demokratischen Partei lebte er nur 
seiner Familie, in deren Schoos er, vermählt mit einer Tochter des nach 
den Maikämpfen als Flüchtling in der Schweiz sich aufhaltenden säch- 
sischen Bürgermeisters, nachmaligen Geh. Regierungrathes Todt, sich 
äusserst glücklich fühlte, und seinem Amtsberufe als einer der von allge- 
meinstem Vertrauen umgebenen, am meisten beschäftigten Rechtsanwälte 
dieser Stadt, wobei er an Bernhard Pflücker, welcher in Folge des 
politischen Umschwunges sein Amt verloren, einen ebenso geschickten, 
wie treuen und fleissigen Freund zur Seite hatte, bis dieser rehabilitirt 
und an's Kreisgericht nach Bunzlau berufen ward. Mit dem Eintritt der 
Regentschaft des Prinzen von Preussen im Jahre 1858 erschien nebst 
seinen Parteigenossen auch Max Simon wieder auf der politischen Bühne, 
einer der Ersten, welche das Programm der „deutschen (preussischen) 
Fortschrittspartei" mit unterschrieben (die, wie für spätere Leser vielleicht 
angemerkt werden darf, nicht identisch ist mit der nachmals weiter aus- 
gebreiteten Fortschrittspartei, namentlich nicht mit deren süddeutschen 
Gliedern, welche die preussische Führung gegen den Particularismus der 
Klein- und Mittelstaaten verfochten). Die neue Partei begann ihre Lauf- 
bahn mit dem Sturz des liberalen Ministeriums der sog. „neuen Aera" 
mittelst des Hagen'schen Antrages. Hier in Breslau schuf Simon durch 
sein persönliches Ansehen dem „Wahlvereine" der Partei, den er be- 
gründen und organisiren half, ein solches Uebergewicht, dass derselbe 
fast ein Jahrzehnt lang die Ergebnisse sämmtlicher hiesigen Wahlen be- 
herrscht hat, auch die communalen; die Stadtverordnetenwahl von 1862 
änderte mit einem Schlage die Physiognomie der Stadtverordneten- Ver- 
sammlung dergestalt, dass an Stelle ihres langjährigen Leiters, des Land- 
schaft -Syndicus Justizrath Hübner, Simon selbst zum Vorsitzenden ge- 
wählt ward und dieses durch viele Jahre blieb. In dieselbe Zeit fällt 
die Nichtwiederwahl des Ober- Bürgermeisters Dr. Elwanger und die Wahl 
Hobrecht's als dessen Nachfolger. Im Jahre 1862 ward S. vom östlichen 
Breslauer Wahlbezirk in's Abgeordnetenhaus gesandt, wo er während der 
Conflictsperiode zu den vorragendsten Mitgliedern der Linken gehörte. 



334 Jahres - Bericht 

Aber auch sein Damaskus war nahe. „Mit Energie wendete er sich 
(sagt eine Zeitung seiner Parteifarbe, der wir überhaupt bei dieser Lebens- 
skizze im Wesentlichen folgen) seit dem Dänischen Kriege und besonders 
seit 1866, als die deutschen Pläne Bismarck's deutlicher vorzutreten be- 
gannen, dem nationalen Gedanken zu. Simon, damals die Seele der 
Fortschrittspartei in Schlesien, dessen praktischen Anordnungen und Rath- 
schlägen die Parteigenossen sowol aus der eigentlichen Bürgerschaft als 
aus dem Arbeiterstande willig Gehör schenkten und thätigen Beistand 
liehen, erklärte doch, in den constituirenden Norddeutschen Reichstag ge- 
wählt, ohne Rücksicht auf den Verlust an Popularität bei seiner Partei 
sich für die Annahme der Norddeutschen Bundesverfassung und bethätigte 
sich dadurch als der bewusste und voraussichtige Parteimann, und 
heut haben die Partei und die ganze Nation ihm rechtgegeben." 

Anerkannt allseitig sind seine schöpferischen Leistungen für den 
Mechanismus der Stadtverordneten - Versammlung: er gestaltete deren 
Bureauwesen um und bestimmte sie zur Einführung des Drucks der Vor- 
lagen für und der Referate über die Sitzungen, wodurch jedem Mitgliede 
der zu verhandelnde Stoff klar und zugänglich und damit die Plenar- 
Berathung zu wahrhaft sachlichem Eingehen ausgerüstet ward, „ein nicht 
genug zu schätzendes Verdienst, dessen reife Früchte wir ernten" — wie 
der Nachfolger im Vorsitz, Dr. Lewald, in den dem Hingeschiedenen 
gewidmeten Worten dankvoll anerkannte. — 

Mitglied der Gesellschaft war S. seit 1868; doch hat er die Sitzungen 
wohl nur äusserst selten besucht. — Einer der am häufigsten unter uns 
Gesehenen hingegen, und der an Vorträgen Fruchtbarsten zugleich, Mit- 
glied seit 1860, war 

Carl Eduard Schuck, 
zuletzt Director der hiesigen königl. Strafanstalten. Geboren ward er am 
25. Juni 1804 zu Brieg; seine höhere Schulbildung empfing er auf dem 
hiesigen Magdalenen-Gymnasium unter Manso, dessen Schüler gewesen 
zu sein er bis an sein Ende sich rühmte. Anfänglich Landwirth, hörte 
er später philosophische, juristische uud cammeralistische Vorlesungen auf 
hiesiger Universität und wusste aus dem Umgange mit Männern wie 
Winterfeld, Steffens, Braniss, Schall, Mosewius etc. geistigen Gewinn für 
sich zu ziehen. 1827 bei der hiesigen Regierung als Hilfsarbeiter ein- 
getreten, erwarb er sich bald des Ober-Präsidenten v. Merck el grösstes 
Vertrauen, ward in's Präsidial-Büreau gezogen, als Begleiter auf dessen 
Dienst- und Inspections-Reisen und zu bedeutenden Geschäften und dif- 
ficilen Commissionen verwandt, so 1830 während der polnischen Re- 
volution zu einer geheimen Sendung nach Warschau. Seit 1832 auf seinen 
Wunsch als Inspector an der Strafanstalt in Brieg angestellt, bewies er 
mehrfach grossen Muth, Energie und Geschäftstüchtigkeit und wurde durch 
seine Studien über das Gefängnisswesen mit Dr. Julius in Hamburg in 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 335 

Verbindung gebracht, zu der von der preussischen Regierung damals 
eifrig betriebenen Erörterung über die Frage der „Einzelhaft" heran- 
gezogen und wiederholt in Berlin commissarisch bei der Bearbeitung der- 
selben beschäftigt, so dass er an der unter Friedrich Wilhelm IV. in 
dieser Richtung durchgeführten Reform des Gefängnisswesens einen nicht 
unbedeutenden Antheil hat. Im Jahre 1842 wurde er Director des Cor- 
rectionshauses zu Schweidnitz, 1856 des Moabiter Zellengefängnisses, 
1860 der nach den Geschlechtern getrennten beiden Strafanstalten in 
Breslau. Bereits in den ersten Fünfzigerjahren fand seine organisatorische 
Tüchtigkeit Anerkennung durch den Auftrag, die in ökonomische Zer- 
rüttung gerathene Berliner Krankenanstalt „Bethanien" zu revidiren. Ob- 
wohl ihm in Moabit hätte Gelegenheit geboten sein können, seine theore- 
tischen Ansichten an der grossen, trefflich eingerichteten Anstalt im un- 
mittelbarsten Verkehr mit dem höchsten Leiter des preussischen Gefängniss- 
wesens, dem Dr. Wichern, zu verwerthen, so scheint doch das Zu- 
sammenwirken mit den Brüdern des „Rauhen Hauses" etwas von dem 
Dornigen einer Doppelregierung an sich getragen zu haben, so dass Seh. 
mit Freuden in seine heimathliche Provinz zurückkehrte, wo er nun vor 
unseren Augen eine nicht ermüdende, äusserst vielseitige, aber von ein- 
heitlichem, individuellem Geiste getragene Thätigkeit entfaltet hat. Ver- 
wandt mit Dem, was das Amt ihm nahebrachte: dem Bemühen für 
Besserung oder Einschränkung des Bösen und seiner Einflüsse, sind seine 
Bestrebungen für „Rettunghäuser" zur Aufnahme verwahrloster Jugend 
(wiederholt übernahm er die Einrichtung und Revision solcher), für die 
Besserung und Unterstützung entlassener Strafgefangenen (er gehörte dem 
Provinzialausschuss hierfür an, leitete den evangelischen Localverein und 
gründete aus mühevoll zusammengebrachten Mitteln ein kleines Asyl für 
entlassene weibliche Sträflinge), für „innere Mission" (auch zugunsten 
dieses Vereins hielt er fast jeden Winter einen Vortrag), für die Pflege 
der Kostkinder (einer der kräftigsten Betreiber für Gründung des bezüg- 
lichen Vereins in unserer Stadt war wiederum er). Und so noch Manches! 
Der Entwickelung des Gefängnisswesens mit unablässiger Aufmerksamkeit 
folgend, blieb er auf diesem Gebiete stets eine Autorität, deren Rath man 
nach allen Seiten hin in Anspruch nahm. Seine Schrift: „Die Einzelhaft 
und ihre Vollstreckung in Bruchsal und Moabit" war Folge eines königl. 
Commissoriums. Mehre Auflagen bereits hat sein von der rheinisch- 
westfälischen Gefängniss - Gesellschaft preisgekröntes „Handbuch für Ge- 
fangen-Aufseher" erfahren. Auch bei den Bearbeitungen des Strafgesetz- 
buches wurde sein Gutachten gefordert und er lieferte hierfür, wie zu 
manchen ähnlichen Vorarbeiten, umfassende, sacheindringende Denk- 
schriften. 

Das ist aber nur eine Richtung seines vielseitigen literarischen Wir- 
kens. Die schlesische Geschichte, meist in Verknüpfung mit der preussischen, 



336 Jahres - Bericht 

die Biographik, viele in seinen, aus Obigem sich kennzeichnenden Ge- 
dankenkreis schlagende eulturhistorische Gestaltunggruppen verdanken ihm 
werthvolle Arbeiten, welche ebenso durch Ermittelung neuer thatsächlicher 
Momente und Gesichtspunkte, wie durch geistvolle Eigenart der Auffassung 
und Darstellung sich auszeichnen. Ebenso aber regte er die Feder für 
die verschiedensten Gegenstände juridischen, socialen, communalen, volks- 
wirtschaftlichen, überhaupt gemeinnützigen Belanges, und überall geschah 
dies auf der Grundlage eingehendster Sachkenntniss, wobei ihm eigene 
praktische Erfahrungen in und ausser dem Amte reichen Stoff in die Hand 
gaben, während seine Studien und Vorarbeiten ein fabelhaftes Gedächtniss 
unterstützte, das ihn gesuchte Stellen in Schriften oft mit dem ersten Auf- 
schlagen wiederfinden liess. In Vorträgen, in Zeitungen und Zeitschriften, 
selten nur in besonderen Flugschriften hat er die Resultate seiner Arbeiten 
niedergelegt; die Jahresberichte und Abhandlungen unserer Gesellschaft, 
die Zeitschrift des Schles. Geschichtvereins, die jetzigen wie die früheren 
„Schles. Provinzialblätter", die „Schles. Chronik" und die „Schles. Zeitung" 
sind reich an Aufsätzen von ihm, oft anonym, oft unter dem aus seinen 
Namen-Anfangs- und Endbuchstaben gebildeten Pseudonym „Eska". Beson- 
deres Aufsehen weithin erregte seine „Magna peccatrix" (Provzbl. II. 1863). 
Seine „Schlesische Landschaftfrage" (1837) war durchschlagend in dem 
langjährigen, meist in den „Provinzialbl." geführten bezüglichen Streite, 
an welchem, in ebendieser Zeitschrift, auch der Ober-Präsident v. M er ekel 
regen Antheil nahm. Ein Verzeichniss über seine durch fast ein "Jahr- 
fünfzig zurückreichenden, in dieser Weise zerstreuten literarischen Producte 
hat er leider nicht geführt. 

Die politisch bewegte Zeit von 1848 sah ihn in den Reihen der 
„conservativen" Partei kämpfen, in denen er auch verblieb, jedoch mehr 
und mehr in oppositionelle Stellung gedrängt, mehr und mehr sich von 
der Debatte zurückziehend und nur bei besonders wichtigen Gelegenheiten 
noch gewissenhafterweise für seine Ueberzeugung das Wort ergreifend, 
welche auf dem Boden reicher, unbefangener Lebensbeobachtung erwachsen, 
sich mit unfruchtbarer retrospectiver Verneinung nicht befriedigt sehen 
konnte, sondern gesunde, wahrhaft sachgemässe reale Gestaltungen an- 
gestrebt wissen wollte. Die Ideen des grossen Staatsmannes v. Stein 
und deren lebenvolle Consequenzen waren für ihn das wahrhaft „Con- 
servative", und er kämpfte dafür mit documentären Nachweisen aus 
Schriften und historischen Thatsachen gegen Unkenntniss und Missverstand 
der oberflächlichen Nachbeterei auf beiden politischen Seiten. 

Von strenger Religiosität, ohne Schärfe gegen Andersmeinende, wenn 
vielleicht nicht immer im Urtheil, doch gewiss im Umgange und in jeder 
menschlichen Beziehung, allezeit dienstwillig zu Rath und That, von feinen 
Formen, anspruchslosen Auftretens, zu jedem guten Thun nach bester 
Ueberzeugung stets bereit — so ist das Bild, das sich uns von ihm ein- 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 337 

geprägt, ein durchaus freundliches, und sein Hinscheiden hinterlässt eine 
schmerzlich fühlbare Lücke. — 

Ein früherer Mitbürger unserer Stadt, wenigstens während der Winter- 
Semester, war der Geh. Sanitätsrath Dr. Preiss, Mitglied seit 1831. Er 
wurde am 19. September 1803 in Zülz, einem kleinen oberschlesischen 
Städtchen, geboren.*) Mit grossen Anstrengungen, wahrhaft rührender 
Hingabe und einer schon früh entwickelten rastlosen Energie hat er sich 
zu seinem Ziele hinanzuarbeiten gewusst aus dem Schoosse einer zahl- 
reichen, wenig mit materiellen Mitteln gesegneten Familie, für deren 
bessere Lage er schon als Knabe thätig zu sein sich bemühte. Sein 
erster Wissensdrang erhielt in der mit einigen Klassen für die reifere 
Jugend ausgestatteten Elementarschule und in dem durch einen fran- 
zösischen Gefangenen ihm ertheilten Unterrichte in dessen Muttersprache 
einige Nahrung. Er machte rasche Fortschritte und ward ganz besonders 
als Kalligraph bewundert. Noch nicht 13 Jahr alt, wagte er sich in die 
Hauptstadt, und es gelang ihm hier, zunächst durch die obengenannte 
Fertigkeit mittelst Stundengebens sich Unterhalt zu erwerben. Nach 
kurzem trat er in die königl. Wilhelmsschule, nahm aber, obwol bereits 
nach 2 Jahren für die Gymnasial-Tertia herangereift, eine Stelle in einem 
Banquiergeschäft an, daneben fort und fort Latein, Griechisch und andere 
Gymnasialfächer betreibend, bis nach 3 Jahren ihm die angesparte Summe 
von 200 Thlrn. genügend däuchte, seine wissenschaftliche Laufbahn wieder 
aufnehmen zu können. Er trat in die Secunda des Matthias-Gymnasiums, 
legte 1826 seine Abiturientenprüfung ab und bezog Michaelis die hiesige 
Universität, zuerst in der Absicht, sich der juristischen Laufbahn zu 
widmen-, bereits im 2. Semester aber wandte er sich zur Medicin, setzte 
1827 dies Studium in Berlin fort, wo er 1830 das Doctor-Examen (4. Jan.) 
und das Staats-Examen ablegte. Sodann liess er sich in Breslau als 
praktischer Arzt und Geburtshelfer nieder und wirkte hier, namentlich auch 
als Armen- Arzt thätig, bis 1839. Während dieser Zeit trat er zum christ- 
lichen Bekenntniss über. In letzterem Jahre wurde er als Badearzt nach 
Warmbrunn berufen, in welcher Stellung er bis an sein Lebensende mit 
vollster Hingebung gewirkt hat. Seinen Winteraufenthalt nahm er zuerst 
durch mehre Jahre als praktischer Arzt und Geburtshelfer in Hirsch- 
berg, dann aber wieder in Breslau, von wo er ihn, nach dem 1853 er- 
folgten Tode seiner Gattin, 1856 nach Berlin verlegte. 

Als im Jahre 1865 das Militär-Kurhaus in Warmbrunn gestiftet wurde, 
übernahm er freiwillig und ohne jede Vergütung die Leitung der Anstalt, 



*) K. G. Nowack's „Schles. Schriftsteller-Lexikon" nennt den 10. September 
1804 als Geburtsdatum, giebt überhaupt meist andere Jahreszahlen an, als die 
obenstehenden auf Familienmittheilung beruhenden. 

22 



338 Jahres-Bericht 

auch in den Kriegsjahren 1866 und 1870/71 stand er ihr vor, als daselbst 
ein Reserve-Feldlazareth eingerichtet wurde, und lehnte ebenfalls jede 
Remuneration dafür zugunsten der Anstalt ab. Beide Male war er dem- 
zufolge genöthigt, bis tief in den Winter hinein in Warmbrunn zu bleiben. 
Die ungemein angestrengte Thätigkeit der letzten Jahre hatte ihn aber 
auch stark angegriffen, und ihr ist es wohl mit zuzuschreiben, dass sein 
bis dahin völlig kräftiger Körper einem plötzlich auftretenden Magenleiden 
so rasch erlag. — In Anerkennung seines Wirkens ward ihm, nächst 
mehren Ordens -Decorationen (die Denkmünze für Nichtcombattanten 
1870/71 noch nach seinem Tode), der Titel Sanitäts- und Geh. Sanitäts- 
Rath (1844 und 1858), sowie die Mitgliedschaft mehrer auswärtiger 
medicinischen und naturwissenschaftlichen Vereine (derer zu Königsberg, 
Leipzig, Dresden und für Grossh. Baden) zutheil. In unserem Schles. 
Geschichtvereine war er wirkliches Mitglied seit 1847. Auf wissenschaft- 
liche Arbeit und fortgesetztes Studium wandte er gewissenhaft die grössere 
Müsse der Winterszeit, und so hat das bei Nowack (H. VI. S. 102) 
gegebene, im Jahre 1842 abgeschlossene Verzeichniss seiner literarischen 
Leistungen einen Zuwachs zu erfahren; es erschienen seitdem: 

1. Die klimatischen Verhältnisse des Warmbrunner Thaies und deren Einfluss 
auf Gesundheit und Krankheit. Breslau, 1843. 

2. Die neuere Physiologie in ihrem Einflüsse auf die nähere Kenntniss des 
Pfortadersystems im gesunden und kranken Zustande. Breslau, 1844. 

3. Der Kurort Warmbrunn, seine warmen Schwefelquellen und die ihnen zu- 
gehörigen Heilanstalten. Ein Führer und Leitfaden für den Kurgast mit 
besonderer Rücksicht auf Diätetik. Breslau, 1850. 

Diverse Aufsätze über allgemeine balneologische Beobachtungen, über die 
schlesischen Bäder und über Warmbrunn speciell finden sich in den Jahrgängen 
1841 — 1850 der Casper'schen Wochenschrift für praktische Heilkunde. Aus den 
letzten Jahren enthält die „Berliner Klinische Wochenschrift" die Berichte über 
die Kurmittel Warmbrunns. — 

Mitten in die Welt strenger Wissenschaft hinein ruft uns der Lebens- 
gang von Dr. Carl Ferdinand Kampmann, welcher, geboren 1803 am 
9. Juni zu Bromberg, das dortige Gymnasium besucht und von Michaelis 
1821 ab 2 Jahre in Breslau, dann 1 '/ a Jahr in Leipzig Philologie studirt, 
sodann dort 2'/ 2 Jahre privatisirt und während dessen namentlich der 
Druck-Correctur altklassischer Werke obgelegen hat. Nachdem er von 
Michaelis 1827 ab am hiesigen Magdalenäum als Candidat unterrichtet, 
ward er Ostern 1828 an der königl. Kreisschule in Fraustadt interimistisch 
angestellt, Ostern 1829 als Collaborator an das Gymnasium zu Oels als 
Hilfslehrer berufen, wo er 1830 (in welchem Jahre er auch bei der 
Breslauer Universität promovirte) vierter, nicht lange darauf dritter College 
wurde. Im Jahre 1837 oder 1838 ward er in die dritte Professur am 
Elisabetan berufen, Michaelis 1862 nach Weicherfs Tode Prorector und 
zweiter Professor daselbst Mitglied unserer Gesellschaft war er seit 1847. 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 339 

Eine längere Reihe von Jahren nahm er den Platz eines „Meisters vom 
Stuhl" der hiesigen „drei vereinigten Logen" ein. 

Seine literarischen Arbeiten beziehen sich auf Plautus und griechische 
Syntax; eine der letzten war 3} de usu conditionalium enunciationum Homerico". 
Frühere sind bei Novvack (H. IL S. 82) verzeichnet. Auch der pol- 
nischen Sprache und dem Unterrichte in derselben lag er ob und verfasste 
ein bezügliches Lehrbuch. — 

Einer unserer Getreuesten, Mitglied schon seit 1834, fleissig, wie auf 
anderen Feldern gemeinnützigen Arbeitens, so auch in unserer pädago- 
gischen Section, die er durch viele, bisweilen etwas lehrhaft lang- 
gesponnene, aber stets anregende, kernigen Gehaltes volle und von der 
redlichsten Gesinnung getragene Arbeiten erfreut hat, war Johann Gottlieb 
Stütze. Er ist geboren am 2. Octbr. 1804, besuchte das Breslauer evang. 
Seminar, kam Ostern 1825 als 3. Lehrer an die hiesige evangelische 
Elementarschule Nr. III., wurde 1827 Lehrer der damaligen einklassigen 
Freischule Nr. III. (Bischofstrasse, „Stadt Rom"), welche am 1. November 
1847 zur zweiklassigen Elementarschule Nr. XIII. umgewandelt worden 
ist. Seit 1849 war er Hauptlehrer an der evang. Elementarschule Nr. IL 
Seine Collegen wissen ihn nicht anders, denn einen treuen, pünktlichen, 
in jeder Beziehung gewissenhaften, mit Lehrgeschick reich begabten Lehrer 
zu rühmen, der wacker mit seiner Zeit fortschritt, vorhandene Lücken 
des Wissens mit Fleiss auszufüllen suchte und viel „mit der Feder las". 
Als Mitglied des „jüngeren Lehrervereins", dem er bis zu seinem Tode 
angehörte, förderte er alle besonnenen Bestrebungen der nachwachsenden 
Lehrerschaft und nahm regen Antheil an den freien Bewegungen, die auf 
dem Gebiete des Volksschulwesens stattfanden. Nie war er ein Freund 
der Stiehrschen Schulregulative. 

Besonders verdienstlich hat er sich gemacht durch die in Gemein- 
schaft mit Pax gegründete, am 4. Januar 1829 eröffnete „Sonntagsschule 
für Handwerkslehrlinge", die er bis 1865 allein leitete, dann aber, nach 
ihrer nöthig gewordenen Theilung in A. und B., in Gemeinschaft mit dem 
ältesten Lehrer der Anstalt, dem Hauptlehrer H. Hoffmann, bis Ende 
1867. Unermüdet war er, sowol in directem Wirken, wie durch die 
gedruckten Prüfungberichte, durch Vorträge im „Gewerbevereine", dessen 
langjähriges Mitglied er ebenfalls war, sowie durch Aufsätze in Zeitungen 
für eine regere Benutzung der Lehrlingsschulen einzutreten, von deren 
Nothwendigkeit zu überzeugen, die Lethargie und das Vorurtheil der Hand- 
werksmeister zu brechen. 

Von geselligem Verkehr, auch mit Collegen, hielt Stütze mit Con- 
sequenz sich fern, sobald derselbe nur den mindesten Anspruch an Kosten- 
aufwand machte. In seinem häuslichen Kreise, dem er sich in amts- 
und arbeitfreier Zeit ganz widmete und wo er dann stets zu finden war, 

22* 



340 Jahres-Bericht 

fühlte er sich am wohlsten. Gerade hier traf ihn der empfindlichste 
Schlag, indem ihm sein Sohn Max, ein talentvoller junger Mann, der 
bereits zum Regierungs - Secretär sich aufgearbeitet, beiläufig einer der 
fertigsten Stenographen, vor einigen Jahren entrissen ward. Von da an 
beseelte ihn sichtlich nicht mehr die altgewohnte Spannkraft. — 

Der Erfüllung seines sehnlichen Wunsches: das 50jährige Amts- 
jubiläum feiern zu können, ist Stütze leider so wenige Jahre vor Er- 
reichung des Zieles entrückt worden. 

Stütze war ein grosser Naturfreund, bedeutender Sammler von Con- 
chylien und liebte die Musik, wie er denn auch bis zu seinem Tode das 
älteste, wenn auch seit vielen Jahren nur zuhörende Mitglied der „Sing- 
Akademie" gewesen ist. 

Seine in Druck gekommenen literarischen Arbeiten sind durch das 
folgende Verzeichniss nicht erschöpft, ungerechnet die verstreuten Aufsätze. 

1. Gebete für christliche Volksschulen. — 

2. Gesangbuch für Schulfeste, eine Sammlung von 284 Liedern. Breslau 1840, 
Weinhold. — 

3. Methodisch geordnetes Aufgabenbuch zum Unterricht im deutschen Stil (in 
Gemeinschaft mit Guts che und Geppert herausgegeben). Ebenda 1841. 

4. Beiträge zur deutschen Stylistik des 19. Jahrhunderts. 1844. Selbstverlag. 
(2 oder 3 Heftchen von Styl -Monstrositäten, zumtheil höchst komischen, 
aus Zeitungen, Annoncen, Briefen u. dgl. gesammelt, nicht allein zur Er- 
heiterung, sondern auch mit pädagogischem Zwecke.) — 

5. Sammlung deutscher Gedichte zum Vortrage für Kinder von 7 bis 9 Jahren 
(mit Geppert zusammen). — 

6. Ansprachen zur würdigen Feier des Geburtstages Sr. Maj. des Königs (mit 
Beiträgen hiesiger Lehrer). — 

7. Ueber den weiblichen Handarbeit-Unterricht in den Volksschulen. (Vortrag, 
gehalten in der pädag. Section der Schles. Gesellschaft für vaterl. Cultur.) 

Ein gleichfalls in verschiedenen Lebenskreisen, obschon weniger in 
unserer Gesellschaft thätiges Mitglied war (seit 1865) Heinrich Eduard 
Thiele, ein geborener Breslauer, der am 7. April 1798 das Licht der Welt 
erblickte. Nach dem Tode seines (im Jahre 1803 verstorbenen) Vaters, 
des Medicinal-Assessors Thiele, ward er von seinem Onkel, dem Propst 
Rahn an der hiesigen Bernhardinkirche, erzogen. Er besuchte das 
Elisabet-Gymnasium und absolvirte das Abiturienten-Examen gerade zu 
der Zeit, als der Aufruf des Königs zu den Waffen erging. In den 
Jahren von 1813 — 15 kämpfte er mit für die Befreiung des Vaterlandes, 
und zwar bei den schwarzen (Todtenkopf-) Husaren. Erst nach dem 
zweiten Friedenschlusse studirte er weiter, zuerst hier, dann in Jena. In 
Leipzig ward er zum Doctor der Philosophie promovirt. Verluste 
mancherlei Art nöthigten ihn jedoch, die eingeschlagene juristische Lauf- 
bahn zu verlassen und eine Anstellung beim Ober-Bergamte in Brieg zu 
suchen. Von hier aus wurde er als Berg-Zehntner nach Eisleben ver- 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 341 

setzt, 1846 aber nach Halle an das Ober-Bergamt berufen, wo er als 
Revisions- und Rechnungsrath thätig war. Eine Augenkrankheit, die er 
in seinem Berufe sich zugezogen, nöthigte ihn, sich pensioniren zu lassen, 
und nahm er nun seinen Wohnsitz zu Dresden. Im Jahre 1854 aber 
zog er nach seiner Vaterstadt Breslau. Er betheiligte sich hier mit leb- 
haftem Interesse, auch mit Wort und Feder, bei der Bergbaugesellschaft 
„Minerva", dem Stadttheater -Unternehmen, der damals neugegründeten 
„Gorkauer Societäts - Brauerei", bei Eisenbahnfragen und Aehnlichem, 
sowie überhaupt an Bestrebungen öffentlichen, communalen oder politischen 
Charakters. Dem Gewerbevereine war er ein ziemlich reges Mitglied und 
auch im Schles. Geschichtvereine gab er Mittheilungen und Vorträge. An 
gedruckten literarischen Arbeiten ist nur die zum Besten der Victoria- 
Invaliden-Stiftung herausgegebene „Belagerung Breslaus .1806 und 1807" 
bekannt, welche auf einem in seinen Händen befindlichen Tagebuche seines 
Vaters aus jener Zeit beruht, jedoch nicht ganz ohne Einflechtungen aus 
dem von Major Mente in den „Provinzialbl." (V. 1866, Maiheft u. ff.) 
mitgetheilten Belagerung-Tagebuche sein dürfte. — 

Sehr viele wolthätige Anstalten werden sein Scheiden bedauern, da 
er mit freudigem Herzen sein mildthätiges Scherflein beitrug. Mit Drangabe 
aller seiner Kraft widmete er sich 1866 dem hiesigen Lazarethwesen. 

Noch einen Veteranen aus den Freiheitkriegen, zugleich einen 
Veteranen des Breslauer Buchhandels begruben wir in Carl Ruthardt, der 
von 1853 bis 1869 Mitglied der Gesellschaft gewesen. In Langenbielau 
bei Reichenbach 1796 am 5. Februar ist er geboren; er besuchte die 
Schule zu Reichenbach, begann 1810 in Breslau als Handlungslehrling 
seine Laufbahn, trat 1813 als Freiwilliger bei den Garde-Jägern ein, ward 
1815 zum Lieutenant avancirt. Dann seinem bürgerlichen Berufe weiter 
folgend, wurde er 1822 Compagnon der Max'schen Buchhandlung, in 
welcher er bereits längere Zeit vorher beschäftigt gewesen. Im Jahre 
1842 wurde er Mitbegründer einer der frühesten unserer schlesischen 
Eisenbahnen, der Breslau-Schweidnitz-Freiburger, und fungirte bis 1868 
als Vorsitzender ihres Directoriums. 1849 ward er in die Stadtverordneten- 
Versammlung gewählt. 

Das Jahr 1848 fand ihn in den vordersten Reihen der conservativen 
Partei, deren Banner er in strictester Observanz stets festgehalten hat. 

Im Jahre 1868 setzte er, andrängender Altersschwäche weichend, 
seiner bis dahin unermüdlichen Thätigkeit bei der Eisenbahn und Buch- 
handlung ein Ende, gab mit schwerem Herzen die langjährigen Be- 
schäftigungen auf und zog sich von allem öffentlichen Wirken zurück. 
Am verwichenen 18. December schied er still und friedlich aus diesem 
Leben. 

Einen Veteranen der Buchdruckerkunst, dessen Familien-Antecedentien 
bis in die Anfänge der letzteren hinaufreichen und mit der Geschichte der 



342 Jahres-Bericht 

geistigen Entwickelung unserer Stadt nahe verknüpft sind, haben wir zu 
verzeichnen in dem Chef der alten Firma „Grass, Barth und Comp." 
Christian Wilhelm Friedrich wurde am 13 Juni 1798 zu Berlin geboren. 
Schon am 12. November 1812 trat er auf besonderen Wunsch seines 
Onkels, des seiner Zeit so bedeutenden und angesehenen Johann August 
Barth, in die demselben gehörige, seit dem Jahre 1504 in Breslau be- 
stehende Stadt- und Universitäts-Buchdruckerei ein, wo er unter Barth's 
Leitung Gelegenheit fand, sich die gründlichsten Fachkenntnisse anzueignen. 
Nach Johann A. Barth's Tode, von welcher Zeit an dessen Schwager, 
ein höchst gewandter und gebildeter Buchdrucker, Carl Sigismund 
Zäschmar,*) das alte Geschäft fortführte, wirkte Friedrich als Factor 
unermüdlich nach dem Beispiele seiner Vorfahren. Nach Zäschmar's Tode 
übernahm Wilhelm Friedrich im Jahre 1842 die selbständige Leitung des 
Geschäfts. — Durch Anknüpfung von Verbindungen der mannigfachsten 
Art gelang es ihm, bei umsichtiger Leitung, verbunden mit grösster Vor- 
sicht, dem alten ehrwürdigen Unternehmen seiner Vorfahren einen immer 
höheren Aufschwung zu geben und dasselbe zu gegenwärtiger Blüthe 
emporzubringen. Er hatte das seltene Glück, in vollster Rüstigkeit und 
jugendlicher Geistesfrische das goldene Geschäfts-Jubiläum und wenige 
Tage vor seinem Hinscheiden das diamantene zu feiern, was keinem 
seiner Vorfahren, welche seit 1504 das Geschäft inne hatten, vergönnt 
war. Sanft entschlief er am Abend des 23. November und wurde unter 
allgemeiner Theilnahme neben seinem kaum 3 Wochen früher verstorbenen 
geliebten jüngeren Bruder Adolf zur letzten Ruhe bestattet. — Mitglied 
unserer Gesellschaft war er seit 1853. 

Eine im öffentlichen Wirken wolbekannte Breslauer Persönlichkeit 
war der frühere Inhaber der „Mohren- Apotheke", Gustav Gerlach. Ge- 
boren ward er den 25. Mai 1799 zu Frankfurt a/O., wo er seine Jugend- 
zeit verlebte und seine Schulbildung genoss, zuletzt auf dem dortigen 
Gymnasium, welches er von der Sexta an besuchte. Von Natur aus be- 
gabt und mit Lernbegierde ausgestattet, hatte er bereits im Frühjahre 
1812 die Secunda erreicht. Das Jahr 1813 aber, welches die Mehrzahl 
der Schüler der beiden Oberklassen zu den Waffen berief und somit die 
Schliessung derselben herbeiführte, nöthigte Gerlach, der wegen seiner zu 
grossen Jugend mit den wenigen anderen Kriegsuntüchtigen zurückbleiben 
musste, zum Abbruch seiner Studienlaufbahn und zum Ergreifen eines 
anderen Berufszweiges ; und so wandte er sich der Pharmazie zu. Nach 
beendeter vierjähriger Lehrzeit in Frankfurt trat er in die „Hof-Apotheke" 
zu Berlin ein und hörte sodann drei Jahre an dortiger Universität phar- 



*) Vergl. über Diesen den, seinem im Jahre 1869 gestorbenen Sohne Carl Z. 
gewidmeten Nekrolog im 47. Jahresberichte der Gesellschaff. 



der Schles. GeselJsch. f. vaterl. Cultur. 343 

mazeutische und dem verwandte Vorlesungen, bestand darauf die Staats- 
prüfung mit Nr. L, conditionirte längere Zeit in Dresden und in Liegnitz, 
ward 1829 als Administrator in die hiesige „Mohren- Apotheke" be- 
rufen, deren Eigenthümer, Medicinal- Assessor Fischer, gestorben war, 
und trat 1830, nachdem er sich mit der Wittwe desselben vermählt, in 
den Besitz dieser Officin, der er nun weitere 24 Jahre vorstand, bis er 
sie 1854 verkaufte. Im Jahre 1830 wurde er als pharmazeutischer 
Assessor in das schlesische Regierungs-Medicinal-Collegium berufen, bald 
auch zum Stadtverordneten, dann zum Stadtrath gewählt, in welch' letz- 
terer Eigenschaft er durch lange Jahre Vorsteher des städtischen Arbeit- 
und Armenhauses, sowie des Claassen'schen Siechenhauses war, insbesondere 
aber während der Choleraperioden die öffentlichen Schutzmassregeln zu 
ergreifen und zu überwachen hatte. Bis zu seinem Hinscheiden blieb er 
Vorsitzender des „Vereins zur Heilung armer Augenkranker". Mitglied 
der „Schles. Gesellschaft" war er schon seit 1832. — 

Mitten in ein Leben der Praxis hinein wendet unseren Blick Carl 
Friedrich Gierth, am 15. September 1807 zu Posen geboren, jedoch früh- 
zeitig schon mit seinem Vater nach Breslau gekommen, wo er eine 
massige Schulbildung genoss und alsdann sich dem Weingeschäft widmen 
durfte. Seit 1835 etablirt und mit seinem Collegen Schmidt, der nach 
Presburg übersiedelte, associirt, hat Gierth durch rastloses Streben, durch 
Intelligenz und Verständniss sein Weingeschäft auch hier zu einer ge- 
wissen Höhe gebracht und sich ein rühmliches Vertrauen bei seinen Fach- 
genossen wie auch bei den Consumenten erworben. Im Jahre 1864 er- 
hielt er die Titel eines königl. Commercienrathes und eines Hoflieferanten 
Sr. Majestät des Königs. — Lange Jahre war er Stadtverordneter, sowie 
Curator der städtischen Sparkasse, Mitvorstand der Elisabetkirche und 
stellvertretendes Mitglied bei den Aeltesten der alten Kaufmannschaft 
(„Verein christlicher Kaufleute")} ferner Directorial-Mitglied der Breslau- 
Schweidnitz - Freiburger Eisenbahn - Gesellschaft, Verwaltungsrath - Mitglied 
der Rechte- Oder -Ufer -Bahn und mehrer anderer industrieller Gesell- 
schaften. Unserer „Vaterländischen" gehörte er seit 1866 an. Den Be- 
strebungen des Vereins für schlesische Alterthümer schenkte er, wie wir 
glauben, einiges Interesse. Gierth hat sich in diesen Aemtern, wie im pri- 
vaten Leben bei seinen Mitbürgern Werthschätzung und ehrendes An- 
denken erworben, da er Vielen ein Freund und treuer Berather und 
Manchem ein edler Wolthäter war. — 

Nun weiter zu Denen, welche ausserhalb unserer Stadt zur Ruhe 
gebettet sind! 

Ferdinand Carl Louis Hans Heinrich von Bohlen, Mitglied seit 1854, 
stammt aus einer der ältesten pommerschen Familien. Noch heute giebt 
es Freiherren v. Bohlen zu Bohlendorf auf Rügen. Das Familienwappen 



341 Jahres-Bericht 

stimmt mit dem der Insel Rügen überein. Er ward zu Lerchenborn bei 
Liiben geboren am 7. Juli 1802 als der älteste Sohn des Hrn. Carl Christian 
Ferdinand v. B., welcher ausser dem Majorate Lerchenborn nebst Bohlen- 
dorf die Güter Mühlgast, Kattern, Guhlau in Schlesien besass und ausser- 
dem Tertialbesitzer von Kräplin in Pommern war. Der Verstorbene war 
der 4. Besitzer dieses Majorats. 

Seine Kindheit fiel in die Kriegsjahre. Die Familie war vor den 
Franzosen nach Pommern geflohen, das Majorat kam in die Hände treu- 
loser Verwalter, das nicht unbedeutende Vermögen war nach dem Kriege 
ruinirt. Als Knabe war er mehre Jahre im Hause des Pastor Schink 
zu Gross-Krichen, der als 88jähriger Emeritus seinen Zögling noch über- 
lebt hat. Von seinem 16. bis 19. Jahre besuchte er die Ritter-Akademie 
in Liegnitz und genügte dann als Einjährig-Freiwilliger seiner Militärpflicht. 
Nach dem Tode seines Vaters im Jahre 1827 übernahm er das Majorat 
nebst dem pommerschen Gute Kräplin. Die Einkünfte des letzteren 
mussten dazu dienen, das sehr devastirte Majoratsgut zu heben. Er hat 
dies mit grossen Opfern zustandegebracht, und es gelang ihm nur durch 
die äusserste Sparsamkeit. Im Gegensatze zu seinen Vorfahren hatte er 
die einfachsten Bedürfnisse. Es gehörte zu seinen Eigenheiten, in äusserster 
Zurückgezogenheit zu leben; mit Ausnahme von ein paar Reisen nach 
Warmbrunn hat er wol 30 Jahre lang sein Haus und seinen Garten fast 
niemals verlassen, viele Insassen seiner Güter haben ihn nie gesehen. In 
seiner tiefen Einsamkeit beschäftigte er sich mit Büchern. Er hat eine 
ansehnliche Bibliothek mit zumtheil kostbaren Werken gesammelt und 
besass ungewöhnliche geographische und ethnographische Kenntnisse. In 
früheren Jahren oft krank, zumal leberleidend, hat er, Dank der treuen 
Pflege seiner Gattin, doch ein Alter von 70 Jahren erreicht. Er starb 
ganz plötzlich, vom Schlage getroffen. Mitglied der Gesellschaft war er 
seit 1854. 

Ignaz Franz Josef Maria v. Olfers ist um 1793 zu Münster geboren. 
Wir sehen ihn zuerst 1816 als praktischen Arzt, darauf als Legations- 
Secretär bei der preussischen Gesandtschaft zu Rio de Janeiro, später 
als Geschäftsträger zu Neapel, dann als Legaüons-Rath im auswärtigen 
Ministerium, endlich als General-Director der königl. Museen in Berlin 
und Wirklichen Geheimen Rath; seit dem 4. Januar 1837 ist er ordentliches 
Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Berlin, sowie Mitglied der 
kaiserl. Leopold. -Karol. Akademie der Naturwissenschaften, der General- 
Commission zur Erforschung und Erhaltung der Kunstdenkmäler in Berlin; 
seit 1841 Ehrenmitglied der Akademie der Künste zu Berlin, Ritter des 
Rothen Adler -Ordens 1. Klasse und 9 ausländischer Orden. Vermählt 
war er mit einer Tochter des Geh. Rathes v. Stägemann. Zuletzt ausser 
Dienst getreten in Folge des bekannten Conflicts wegen misslungener 



der öchles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 345 

Restauration eines Gemäldes, der die schon früher angesammelte Opposition 
zum Obsiegen brachte, starb er am 23. April 1872 in Berlin. Das Ver- 
zeichniss der von ihm veröffentlichten Arbeiten ist nicht unbedeutend: 

De vegetativis et animatis Corporibus in Corporibus animatis reperiundis. Berol. 1816 
c. tabb. — Ueber eine neue Art Seeblase, Physalia producta M. (mit 1 Tafel), in d. 
„Abhandl." d. kgl. Akademie der Wissensch. zu Berlin 1820—21, S. 347—356. — 
Ueber die grosse Seeblase (Physalia Arethusa) und die Gattung der Seeblasen im 
Allgemeinen (m. 2 Tafeln), ebenda 1831, S. 155—200. — Die üeberreste vorwelt- 
licher Riesenthiere in Beziehung zu Ostasiatischen Sagen und Chinesischen Schrif- 
ten, ebenda 1839, S. 51—79. — Ueber die Lydischen Königsgräber bei Sardes und 
den Grabhügel des Alyattes nach dem Berichte des k. General-Consuls Spiegelthal 
zu Smyrna (mit 5 Tafeln), ebenda 1858, S. 539—556. — Ueber ein Grab bei Kumä 
und die in demselben enthaltenen merkwürdigen Bildwerke mit Rücksicht auf das 
Vorkommen von Skeleten unter den Antiken (mit 5 Tafeln), ebenda 1830, S. 1 
bis 48, und daraus besonders abgedruckt, Berlin 1831, gr. 4°. Mit Steintaf. in Fol. 
— Ueber den Mordversuch gegen den König Joseph von Portugal am 3. September 
1758, in d. Abhandl. der Akad. d. Wissensch. 1838, S. 273—360. - Leben des 
standhaften Prinzen. Nach der Chronica seines Geheimschreibers F. Joann. Alvares 
und anderen Nachrichten. Berlin und Stettin 1827. — Die Gattung Torpedo in 
ihren naturhistorischen und antiquarischen Beziehungen. Berlin 1831. 4°. 

Mit gerechtem Stolze zählen wir den Mann, den wir jetzt zu nennen 
haben, unter unsere Ehrenmitglieder: den Freiherrn Hans Philipp Werner 
Christian Gottlob Franz von nnd zu Aufsess. Die Kenntniss und Pflege 
der Geschichte deutscher Art und Kunst verdankt seinen grundlegenden 
Bemühungen eine grosse nationale Anstalt, das „Germanische Museum" 
zu Nürnberg. „Wenn in den deutschen Landen ein Mann war, der durch 
seine rastlosen und aufopfernden Bestrebungen für vaterländische Ge- 
schichte und Alterthumskunde den Dank seiner Nation verdiente, so war 
es dieser acht deutsche Mann, der edle Förderer und Beschützer deutschen 
Wesens und deutscher Geistesart." 

Geboren ward er am 7. September 1801 zu Aufsess, dem Stamm- 
sitze seines Geschlechts im baierischen Kreise Oberfranken. Durch tüchtige 
Lehrer vorbereitet, bezog er 1817 die Universität Erlangen, ward dort 
1822 zum Dr. juris promovirt, arbeitete dann einige Zeit im Staatsdienste, 
übernahm aber später die Verwaltung der grossen Güter seiner Familie 
und widmete dabei den grössten Theil seiner Zeit geschichtlichen, rechts- 
historischen und anderen Studien, gab 1828 eine Schrift über „das Lehn- 
wesen in Bez. auf die Anforderungen des Rechts und der Zeit", 1831 
eine Abhandlung „über Lasten der Ritterlehne in Baiern", 1838 „über 
den einzig wahren Ehescheidungsgrund in der christlichen Kirche" und 
eine Geschichte seines Geschlechts heraus; auch pflegte er die Musik nach 
ihrer theoretischen und praktischen Seite. Mit Vorliebe unternahm er auf 
seinem Schlosse die Zusammenbringung einer Bibliothek und einer deutschen 
Kunst- und Alterthümer-Sammlung, und bald entwickelte sich bei ihm der 



346 Jahres-Bericht 

Gedanke, ein deutsch-historisches Museum zu gründen. Schon im Jahre 
1832 trat er deshalb mit einflussreichen Männern in mündlichen und 
brieflichen Verkehr, reiste nach Nürnberg, wo ihm die Gründung einer 
Gesellschaft für Erhaltung der Literatur-, Kunst- und Alterthums- Denkmale 
Deutschlands und die Vereinigung eines bedeutenden Theiles der reichen 
antiquarischen Sammlungen dieser Stadt zu einer vorübergehenden Aus- 
stellung gelang. Seit ebendiesem Jahre redigirte er den „Anzeiger für 
Kunde der deutschen Vorzeit", der erst mit Verlegung seines Wohnsitzes 
nach Schloss Aufsess 1835 in Mone's Redaction überging. Von Aufsess 
aus arbeitete er an der Verwirklichung seiner Idee literarisch wie prak- 
tisch rüstig weiter. Im Jahre 1846 legte er der zu Frankfurt a/M. tagen- 
den ersten „Germanisten - Versammlung" seinen Plan eines deutschen 
National-Museums vor, mit der Absicht, zugleich einen Centralpunkt für 
die sämmtlichen deutschen historischen Vereine zu schaffen. Als die 
Bewegungjahre 1848/49 all' solche Bestrebungen zeitweilig durchkreuzt, 
hatten, übersiedelte A. wieder nach Nürnberg, um von dort aus die Hebel 
aufs neue in kräftigen Schwung zu setzen; 1852 trat er in Dresden 
abermals vor die Germanisten-Versammlung, diese hatte ein offeneres Ohr 
für ihn als sechs Jahre zuvor, — und das nächste Jahr sah in der That 
das „Germanische Museum" in der alten Reichs-, Kunst- und Bürgerstadt 
Nürnberg in Verwirklichung treten, v. Aufsess ward zum ersten Vorstand 
desselben erwählt, leitete die sämmtlichen Vorarbeiten und die Einrichtung 
des Instituts, wobei er seine Kräfte und Geldmittel in keiner Weise 
schonte, und ein volles Jahrzehnt hat er dem Werke weiter seine fast 
ungetheilte Thätigkeit geschenkt. Seit 1853 hatte er auch wieder, in Gemein- 
schaft mit v. Eye und Frommann, die Redaction des „Anzeigers etc." 
übernommen, und zwar nun als „Organ des German. Museums"; eben- 
falls erst nach einem Jahrzehnt (1863) ging sie wieder in andere Hand 
über. v. Aufsess' Sammlungen bilden den Grundstock des Museums, ohne 
welchen dessen Ausführung, sicher wenigstens in einer so kurzen Zeit, 
nicht möglich gewesen wäre! Unter engegenkommenden Bedingungen hat 
er sie demselben überlassen. Mag auch eine durch die Praxis der Ver- 
waltung gereiftere Einsicht, mögen die Anforderungen der Wissenschaft 
Manches an den ersten Organisationen A.'s geändert und selbst wesenhaft 
umgestaltet haben, das „Germ. Museum", dieser Schatz zur Selbsterkennt- 
niss wie zur Fortbildung des deutschen Volkes, bleibt sein Werk und 
wird seinen Namen unvergänglich machen, Zeugniss, was der von einer 
Idee durchdrungene getreue Wille auch nur eines Mannes schöpferisch 
zu leisten vermag. 

Doppelt trauervoll musste die Kunde seines Todes uns berühren, 
weil derselbe einem der schönsten nationalen Festtage als düsterer Schatten 
sich einflocht, warnendes und gewiss vielbereutes Merkzeichen, wie arge 
Wunden auch eine nur kleine leidenschaftliche Uebereilung schlagen kann ! 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 347 

Auf einer Reise zur Herstellung seiner Gesundheit begriffen, während des 
Eröffnungfestes der deutschen Universität zu Strassburg dort erkrankt, 
durch eine Nothpfeife hilferufend, ward er in der Dunkelheit für einen 
französischen Störenfried gehalten und von zwei Festgenossen übel be- 
handelt. Deren Namen sollen nicht öffentlich bekannt werden — die 
Strafe wäre für das Unbeabsichtigte der raschen That zu gross, welches 
Gewicht auch deren Folgen gehabt haben mögen. Aufsess vermochte 
noch seine Reise fortzusetzen; zu Münsterlingen bei Constanz ist er am 
6. Mai gestorben. Ob der Strassburger Vorgang das Ende des schon 
tiefkranken Lebens um etwas verfrüht hat, darüber sind die Stimmen ge- 
theilt; allein verursacht hat er es nicht. — 

Diesen beiden Ehrenmitgliedern haben wir nun zwei correspon- 
dirende noch anzuschliessen, Riedel und Tobias, deren erster in 
einem nicht gar zu langen Leben eine staunenswerthe Arbeitkraft, und 
zwar gleich sehr auf den einander so entfernten Gebieten des strengen 
Gelehrten und des praktischen Geschäftsmannes entfaltet hat. 

Friedrich Adolf Johann Biedel wurde als der älteste Sohn des Pre- 
digers Riedel zu Biendorf bei Neu-Buckow in Mecklenburg-Schwerin am 
5. December 1809 geboren, besuchte nach häuslicher Vorbereitung die 
oberen Klassen des Gymnasium Fridericianum zu Schwerin und bezog 
Ostern 1828 als Student der Theologie die Universität Berlin, wo er aus- 
schliesslich den philosophischen, philologischen und geschichtlichen Studien 
oblag. Nachdem R. 1 828 eine historische Preisaufgabe über den Zustand 
der Mark Brandenburg um die Mitte des 13. Jahrhunderts gelöst hatte, 
erhielt er vermittelst Cabinetsordre vom 30. Novbr. 1829 „die Rechte 
der Eingeborenen", wurde sodann am Schlüsse seines Trienniums (1831) 
auf die Dissertation „de comite palatii judieiis praefecto" von der philo- 
sophischen Facultät der Berliner Universität zum Doctor promovirt und 
habilitirte sich daselbst 1832 mit einer Rede „de diseiplinae politicae notione 
et finibus" als Privat -Docent. Als solcher und seit 1836 als ausser- 
ordentlicher Professor las er über Staatswissenschaften gewöhnlich zwei 
Collegien in jedem Semester, bis überhäufte Geschäfte vor etwa 10 Jahren 
ihn nöthigten. seine Lehrthätigkeit erst zu beschränken, dann gänzlich 
einzustellen. Im Jahre 1833 trat R. als Geheimer Archivar in das Archiv 
des ehemaligen General-Directoriums und, als dasselbe zu einem eigenen 
Institute unter dem Namen „Geheimes Ministerial-Archiv" erhoben wurde, 
seit 1836 als Hofrath, seit 1842 als Geheimer Archivrath an die Spitze 
desselben. Im Jahre 1848 vertrat er den Wahlkreis Barnim als Mitglied 
der zur Vereinbarung einer Verfassung für den preussischen Staat be- 
rufenen National-Versammlung und sodann in der Zweiten Kammer von 
1849 — 1852, darauf den 2. Berliner Wahlkreis in der Legislaturperiode 
von 1852—55. Am 24. Mai 1851 wurde R. von der Akademie der 



348 Jahres-Bericht 

Wissenschaften zu Berlin zu ihrem ordentlichen Mitgliede erwählt, sass 
von 1843 — 49 im Directorium der Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahn- 
Gesellschaft, führte von 1845 bis an sein Lebensende einen Theil der 
Verwaltung der Berlin- Anhaltischen Eisenbahn und gehörte seit 1850 auch 
dem Directorium des Vereins für die Rübenzucker -Industrie an. — Im 
Jahre 1837 stiftete R. in Verbindung mit dem Geh. Archivrath Höfer 
und dem Landgerichts-Director Odenbrecht den „Verein für die Ge- 
schichte der Mark Brandenburg" in Berlin, redigirte als General-Secretär 
desselben bis 1862 die Vereinsschrift „Märkische Forschungen" und leitete 
seit 1862 als Vorsitzender die Geschäfte des Vereins. — Im Jahre 1832 
erhielt R. die goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft, 1838 die 4., 
1847 die 3., 1869 die 2. Klasse des Rothen Adler- Ordens, 1861 das 
Ritterkreuz des königl. Hausordens v. Hohenzollern; 1868 wurde er zum 
„Historiographen der brandenburgischeu Geschichte" ernannt. 

Unter den von ihm verfassten Schriften sind vorzugsweise folgende 
zu erwähnen: 

Codex diplomaticus Brandenburgensis. Berlin 1838 — 1869, gr. 4°. 36 Bde. Text 
und 5 Registerbde. (Vgl. über denselben Carl Kletke's „Urkunden-Repertorium 
zur Gesch. des Preuss. Staates" S. 171—188, 368 f., 663—698; Carl Kletke's 
„Allg. Bücherkunde des Brandenburg.-Preuss. Staates" S. 73 f., und die besondere 
Beilage zum königl. Preuss. Staats-Anzeiger zu Nr. 186 vom 8. August 1868.) — 
Diplomatische Beiträge zur Geschichte der Mark Brandenburg und ihr angrenzen- 
der Länder. Berlin 1833. — Magazin des Provinzial- und statutarischen Rechts 
der Mark Brandenburg und des Herzogthums Pommern. Berlin 1837—1839. 4 Bde. 
— Die Mark Brandenburg im Jahre 1250, oder historische Beschreibung der 
Brandenburgischen Lande und ihrer politischen und kirchlichen Verhältnisse um 
diese Zeit. Berlin 1831 — 1832. 2 Bde. — Nachricht über den Bischof Anselm 
von Havelberg, in v. Ledebur's „Allg. Archiv f. d. Geschichtskunde des Preuss. 
Staates", 1832, Bd. 8, S. 96— 136, 225-267. — Beiträge zur Geschichte des falschen 
Waldemar. Die Erzählung von der Erscheinung des falschen Waldemar in der 
Processhandlung Friedrich IL gegen den Erzbischof von Magdeburg, in „Märkische 
Forschungen" 1847, Bd. 3, S. 123—125. Vgl. Riedel's Aufsatz in den Berliner 
Jahrbüchern f. wissenschaftl. Kritik, 1845, Oct. S. 483 — 552. — Die Erwerbung der 
Mark Brandenburg durch das Luxemburgische Haus. Berlin 1840. — Graf Rudolf 
von Habsburg und Burggraf Friedrich IH. von Nürnberg in ihren Verhältnissen 
zu einander, in den „Abhandlungen der Berliner Akademie d. Wissensch." 1852, 
S. 553 — 606. — Die Ahnherren des Preuss. Königshauses bis gegen das Ende des 
13. Jahrh., ebenda 1854, S. 13 — 153. — Ueber den Ursprung und die Natur der 
Burggrafschaft Nürnberg, ebenda 1854, S. 365—414. — Zehn Jahre (1410—1420) 
aus der Geschichte der Ahnherren des Preuss. Königshauses. Das Aufsteigen des 
Burggrafen Friedrich VI. von Nürnberg zur kurfürstlichen Würde und zur Reichs- 
statthaltcrschaft in Deutschland. Berlin 1851. — Geschichte des Preuss. Königs- 
hauses. Berlin 1861. 2 Theile (bis 1440). — Die letzten Jahre unmittelbarer 
Herrschaft des Kurfürsten Friedrich I. über die Mark Brandenburg, 1420 — 1426, 
in „Mark. Forschungen" 1857, Bd. 5, S. 184—279. — Ueber die alchemistischen 
Bestrebungen des Markgr. Johann von Brandenburg und anderer Fürsten seines 
Hauses, in „Mark. Forsch." 1850, Bd. 4, S. 153—164. — Ueber den Krankheits- 



der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 349 

zustand des Kurf. Friedrich II. und seine Niederlegung der kurfürstl. Würde, in 
„Mark. Forsch." 1858, Bd. 6, S. 194—255. — Der Krieg des Markgrafen Albrecht 
Achill mit der Stadt Nürnberg, in „Zeitschrift f. Preuss. Gesch.", 4. Jahrg. (1867), 
S. 527—554, 682—699, 723—741. — Albrecht AchüTs Conflict mit Würzburg und 
Sachsen in den Jahren 1440-1443, ebenda 1871, Jan. — Die Kurfürstin Elisabeth 
von Brandenburg in Beziehung auf die Reformation, ebenda, 2. Jahrgang (1865), 
S. 65 — 100. — Der Brandenburgisch -Preussische Staatshaushalt in den beiden 
letzten Jahrhunderten. Berlin 1866. 4°. — Die Geschichte der Dominikaner- 
Klosterkirche zu Neu-Ruppin. 1839. — Die Verbindung der Stadt und Herrschaft 
Teupitz mit dem Brandenburg.-Preuss. Staate. 1862. — Geschichte des schloss- 
gesessenen adeligen Geschlechts von Bismarck bis zur Erwerbung von Crevese 
und Schönhausen. Berlin 1866. — Ueber den Gebrauch der Siegel in der Mark 
Brandenburg, besonders bei landesherrlichen Ausfertigungen, in „Mark. Forsch." 
Bd. 2, S. 46 — 71. — Ueber das Schulzenamt in den Ländern östlich der Elbe, in 
„Beitr. z. Kunde des deutschen Rechts" 1834. — Ueber die Zunahme des Anbaues 
der Städte in der Mittelmark und Ukermark seit dem 16. Jahrh., in „Mark. Forsch." 
Bd. 2, S. 191 f. — Ueber die Brandenburg. Lehnsmiliz, in „Mark. Forsch." 1841, 
Bd. 1, S. 365 — 396. — Ueber die Pflege des Obstbaues in der Mark Brandenburg 
durch den Grossen Kurfürsten und die Preuss. Könige, in „Zeitschrift f. Preuss. 
Gesch." 1871, Aprilheft. — Nationalökonomie oder Volks wirthschaftslehre. 1837 
bis 1840. 3 Bde. — De comüe palatii judieiis praefecto. Berol. 1831. 

Dr. Carl Anton Tobias, Oberlehrer am Johanneum (Gymnasium und 
Realschule) in Zittau, war den 11. Juni 1823 zu Glauchau geboren, 
empfing den ersten Unterricht in der Bürgerschule seiner Vaterstadt, be- 
suchte dann, in einem Privatinstitute noch besonders vorbereitet, 1843 — 48 
das Gymnasium in Zwickau und widmete sich hierauf dem Studium der 
Mathematik und der Naturwissenschaften an der Universität Leipzig (bis 
1852). Aber schon früh hatte sich auch die Neigung zu historischen 
Arbeiten in ihm entwickelt, die seitdem ununterbrochen in rastlosem 
Sammelfleisse sich bethätigte. Seit 1855 war er Lehrer an dem Gymnasium 
und der Realschule in Zittau; 1857 übernahm er hier auch die Verwaltung 
der Stadtbibliothek, die er dann in ungewöhnlicher Regsamkeit zu mehren 
und nutzbar zu machen suchte; später kam die Aufsicht über die Schul- 
bibliothek hinzu. Wie er als Lehrer der Mathematik seinen Pflichten mit 
Hingebung zu genügen strebte, so war er auch als Forscher und Sammler 
fort und fort treulich bemüht, die Ergebnisse seines Fleisses weiteren 
Kreisen zugänglich zu machen. Der Oberlausitzer Gesellschaft der Wissen- 
schaften gehörte er als treuer Mitarbeiter an, und wie die unsrige, so 
nahmen noch viele andere gelehrte Gesellschaften ihn nach und nach unter 
ihre Mitglieder auf. Als Schriftsteller ist er, ausser zahlreichen Aufsätzen 
in Zeitschriften und Localblättern, mit folgenden Werken aufgetreten: 

1. Begebenheiten und Erlebnisse in Zittau während des Krieges 1813 (Zittau 
1863, 8°). 

2. Regesten des Hauses Schönburg (Abhandlung zum Osterprogramm 1865, 4°)* 

3. Geschichte der Preussischen Invasion in Zittau und der südlichen Ober- 
Lausitz (Zittau 1867, gr. 8°). 



350 Jahres-Beriekt 

4. Beiträge zur ältesten Geschichte der evang.-luth. Kirche in den Herrschaften 
Reichenberg, Friedland, Grafenstein, Gabel etc. (Reichenberg 1868, 8°). 

Bei längerem Leben würde er aus seinen reichen Collectaneen sehr 
werthvolle Beiträge zur Geschichte seiner zweiten Heimat und der an- 
grenzenden Landschaften zu geben im Stande gewesen sein. . — Seinen 
Tod führte ein unheilbares Uebel herbei, das ihn schon seit Jahren 
mannigfach gedrückt, aber die Lebendigkeit seines Geistes und die Aus- 
dauer im Arbeiten niemals vermindert hatte. — Die Bibliothek unserer 
Gesellschaft hat Ursache, ihm für manche freundliche Zuwendung dank- 
bares Andenken zu bewahren. 

Die Nachrichten über Tobias verdanke ich der gütigen Mittheilung 
des Herrn Professor Kämmel in Zittau, die über Ol fers und Riedel 
ebenso der des Herrn Dr. Carl Kletke, Statistikers und Historiographen 
im königl. Staatsministerium zu Berlin, welcher, wie wol hier erwähnt 
werden darf, nicht nur unserer Bibliothek in dauernder Treue freundliche 
Zuwendung seiner werthvollen Schriften macht, sondern auch über die 
Publicationen der Gesellschaft im „Reichs- und Staats-Anzeiger 4 ' fort- 
laufenden Bericht giebt und vor einiger Zeit ebendort der Gesellschaft 
selbst einen darstellenden Artikel gewidmet hat. Einen Nekrolog Riedel\s 
aus seiner Feder finden wir im 3. Vierteljahreshefte der Wissenschaftl. 
Beilage zum „Reichs- u. Staats-Anz." von 1872 und eine ausführliche 
Biographie, verf. von Prof. Holtze zu Berlin, in der „Zeitschr. f. Preuss. 
Geschichte etc." 1872, Novemberheft. Einen Nekrolog über v. Aufsess 
enthält Rud. Gottschairs „Unsere Zeit" (Leipzig, Brockhaus) N. F. VIII. Bd. 
1872, 15. Heft. 

Beiden obengenannten, vielbeschäftigten Herren unterlasse ich nicht, 
den verbindlichsten Dank auszusprechen- ebenso Allen, welche bisher die 
Bearbeitung des Jahres-Nekrologiums durch erbetene Mittheilungen freund- 
lich unterstützt haben. Nicht zugebote standen bis jetzt Notizen über 
Gen.-Lieut. v. Erhardt, Kaufm. Keitsch, Apoth. Cochler, Landesält. 
Wolf und Prof. Kuh. Dem Andenken des Letzteren zumal, der kurz 
vor Jahresschluss so unerwartet dahinging, später in einer ausreichen- 
deren Weise gerecht zu werden, ist mir ebenso persönliches Bedürfniss, 
wie den Verdiensten des Verstorbenen ein schuldiger Tribut. 

Theodor Oelsner. 



Druck von Grass, Barth u. Comp. (W. Friedrich) In Breslau. 



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